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[Musik]
Ja, schönen guten Abend. Äh, willkommen zur Vorlesung Einführung in die qualitative Inhaltsanalyse. Mein Name ist Gritt Laudel, ich bin Wissenschaftssoziologin an der Technischen Universität Berlin. Wer noch mehr über mich erfahren will, kann auf meine Webseite gehen.
So, los geht's. Ähm, das ist, was ich heute vorhabe. Ähm, es soll zunächst um Forschungsfragen und Strategien qualitativer Datenanalyse gehen, weil ja, ähm, Datenanalysemethoden oder Methoden immer mit bestimmten Problemen, Forschungsproblemen zusammenhängen. Das ist der erste Punkt.
Dann steigen wir ein in die qualitative Inhaltsanalyse, zunächst um die extrahierende qualitative Inhaltsanalyse im Forschungsprozess zu positionieren. Das ist also auch noch mal ein bisschen einleitend.
Dann geht es direkt um den Ablauf der extrahierenden qualitativen Inhaltsanalyse. Das wird also der Hauptteil sein, in dem ich die vier Schritte vorstelle: Entwicklung des Kategoriensystems, methodische Vorbereitung der Extraktion, dann die Extraktion selbst und Zusammenfassen und Bereinigen der Information.
Im vierten Schritt wird es um die Analyse der Informationsbasis zur Beantwortung der Forschungsfrage gehen. Ähm, und abschließend werde ich noch kurz etwas zu einer anderen wichtigen Auswertungsmethode sagen, indem ich das Codieren und das Extrahieren gegenüberstelle.
So, ähm, jetzt sollte ich als nächstes sagen, das, was ich heute hier vorhabe mit Ihnen, ist etwas, was ich normalerweise entweder in eintägigen, mindestens eintägigen Workshops tue oder in einer einsemestrigen Veranstaltung für Studierende.
Wir haben jetzt hier 50 Minuten, das ist natürlich ein bisschen bedauerlich. Ich werde also bestimmte Sachen nur sehr kurz anreißen und Sie dann auf die weiterführende Literatur verweisen müssen.
Ja, get all the information you can, will think of a use for it later. Das ist natürlich falsch. Nein, denn der Zweck der Untersuchung bestimmt die Datenerhebung und Datenanalyse.
Deswegen ist es sehr wichtig, dass Sie sehr rechtzeitig Entscheidungen treffen, nicht nur über die Methoden der Datenerhebung, sondern auch über die Datenanalyse.
Ne, also wir haben ja den ganz groben Ablauf bei jeglichen Forschungsprozessen oder Analyseprozessen: Wir haben eine Fragestellung, z.B. eine Forschungsfrage, wir haben ein theoretisches Konzept, um sie zu beantworten, ähm, wir erheben Daten und wir analysieren diese Daten.
Hier wird diese schöne Sequenz durchbrochen, denn wir sind hier bei der qualitativen Forschung, wo sich Datenerhebung und Datenanalyse abwechseln. Ne, das ist im Unterschied zur Fragebogen- oder Survey-Forschung.
Hier gibt es nicht eine Phase, wo alle Daten erhoben werden, sondern man sollte eigentlich so schnell wie möglich, schon nach den ersten Interviews, wenn man Interviews macht, sich überlegen, ähm, mit welchen Daten man jetzt, mit welcher Methode man die Daten erheben möchte, analysieren möchte und mit der Analyse auch tatsächlich beginnen.
Ja, das also tatsächlich so zirkulär betreiben. Der letzte Schritt ist dann die Beantwortung der Forschungsfrage.
So, ähm, Forschungsfragen und Strategien qualitativer Datenanalyse, das ist ein weites Feld. Ähm, wie häufig in der qualitativen Forschung gibt es sehr viele unterschiedliche Methoden.
Ähm, ich kann hier ganz grob unterteilen in drei Gruppen von Methoden. Wir haben einmal hermeneutische Verfahren, das sind Verfahren, die sehr ganzheitlich interpretierend vorgehen. Die gibt's halt auch in den Literaturwissenschaften und, äh, auf die gehe ich hier nicht weiter ein. Ich will sie nur einmal erwähnt haben.
Dann gibt es die Codierung, das ist wahrscheinlich die am meisten verbreitete Methode in der qualitativen Sozialforschung. Und wir haben die qualitative Inhaltsanalyse, bzw. genauer gesagt die extrahierende qualitative Inhaltsanalyse, die ich Ihnen hier vorstellen werde, sowie nachfolgende Schritte. Ähm, das wird der Fokus des Vortrags sein.
Ja, ähm, oh, jetzt habe ich hier gleich alles draufgeklatscht gekriegt. Na gut, ich wollte das eigentlich ein bisschen nacheinander aufbauen, aber das ist jetzt also nicht so passiert. Gut, ähm, ja, wir haben verschiedene Typen von Forschungsfragen, nämlich Forschungsfragen, die ein empirisches Phänomen beschreiben.
Wir haben Forschungsfragen, die Kausalzusammenhänge aufdecken, und wir haben mechanismische Forschungsfragen. Und das war auch mal in die Mitte gerückt. Also, ich bin jetzt doch ein bisschen überrascht über die Folien, aber na gut.
So, also wenn wir empirische Phänomene beschreiben wollen oder Forschungsfragen haben, die Kausalzusammenhänge aufdecken, dann ist es häufig in beiden so, dass wir nach notwendigen und hinreichenden Bedingungen für das Auftreten eines spezifischen Effektes, ähm, diese Bedingungen herausfinden wollen.
Bei mechanismischen Forschungsfragen geht's noch weiter. Da öffnen wir sozusagen die Blackbox. Wir versuchen, soziale Mechanismen, die unter spezifischen Bedingungen operieren und spezifische Effekte hervorrufen, herauszubekommen.
Ja, ähm, in allen Fällen ist es aber so, dass wir soziale Situationen und soziale Prozesse rekonstruieren wollen. Und da kann man sagen, dass eigentlich für alle diese Typen von Fragen beide Methoden möglich sind, sowohl Codieren als auch die extrahierende qualitative Inhaltsanalyse, in deren Ergebnis man eine strukturierte Informationsbasis schafft.
So, und nun ist es so, man kann jetzt, muss man sich überlegen, was ist eigentlich das Ziel der Analyse. Ähm, das kann sein, man möchte einfach eine Deskription haben oder man möchte etwas erklären.
Wenn man etwas erklären möchte, ist es unabdingbar, dass man weitere Analysen vornimmt. Z.B. qualitative komparative Analyse wäre eine andere weitere Analyseform, ähm, nach Charles Regen, z.B.
Oder man sucht nach wiederkehrenden Ereignissen. Das würde man tun, wenn man eine mechanismische Forschungsfrage beantworten will, ähm, oder auch wenn man andere kausale Fragen stellt.
So, das muss man sich für sich selber überlegen, was man da vorhat. Jetzt kann ich nur noch sagen, dass, äh, je weiter wir nach rechts wandern, also von links nach rechts, nimmt die Theoriegeleitetheit zu und damit auch das Ausmaß, in dem man die Theorie die Auswertung informieren kann und informieren muss.
Die extrahierende qualitative Inhaltsanalyse geht sehr stark theoriegeleitet vor. So, jetzt sind wir schon beim zweiten Punkt: Positionierung der extrahierenden qualitativen Inhaltsanalyse im Forschungsprozess.
Der Forschungsprozess ist jetzt hier noch mal ein bisschen feiner aufgegliedert. In der Mitte haben wir die qualitative Inhaltsanalyse in der grauen Box. Also, wir beginnen mit einer Forschungsfrage und einem theoretischen Konzept und, äh, erheben unsere Daten.
Es entstehen Texte und dieser Pfeil, der war ursprünglich mal hier an diesem Kästchen dran: Forschungsfrage und theoretisches Konzept. Ähm, aus diesen beiden, aus der Frage und aus dem Konzept kommt das Kategoriensystem.
Ähm, und dann bearbeiten wir die Texte, indem wir Texteinheiten interpretieren, Informationen Kategorien zuordnen und das Kategoriensystem in diesem Prozess dann auch anpassen. Das ist dann jetzt hier dieser rote Rückpfeil. Ne, dass das Kategoriensystem flexibel benutzt wird und angepasst wird.
Ja, und in Ergebnis dessen entsteht eine Informationsbasis. Die wird dann noch zusammengefasst und bereinigt und dann entsteht eine bereinigte Informationsbasis.
Der nächste Schritt ist es, damit dann weitere Analysen vorzunehmen. Ne, was ich gerade erklärt habe, und das ergibt dann die Antwort auf die Forschungsfrage.
Also wichtig ist zu verstehen, dass weder Codieren noch die qualitative Inhaltsanalyse, die hier dargestellt ist in dem grauen Kästchen, der letzte Analyseschritt ist, sondern es ist der, würde ich sagen, der aufwendigste Schritt, wie man aus Rohdaten eine Informationsbasis herstellt.
Ja, und jetzt geht's los. Jetzt werden wir uns mal mit dem Kategoriensystem befassen als dem ersten Schritt der extrahierenden qualitativen Inhaltsanalyse.
Das Kategoriensystem beruht auf meist multidimensionalen Variablen, deren Werte unabhängig voneinander variieren. Das heißt, Sie können nicht in eindimensionale Indikatoren zerlegt werden und die fast immer nominal skaliert sind.
Ne, wir haben also nicht wieder, äh, Zahlen, noch haben wir sowas wie hoch, mittel, niedrig, sondern, wie wir sehen werden, haben wir häufig einfach sprachliche Ausdrücke, die wir kaum in irgendeine Reihenfolge bringen können.
Diese multidimensionalen Variablen sind ganz typisch für qualitative Untersuchungen. Ich habe Ihnen hier einmal ein Beispiel hingeschrieben. Wenn wir Institutionen nehmen, die ja für Organisationsuntersuchungen sehr häufig auftreten, also Regelsysteme, dann können wir eigentlich solche Regelsysteme nur sinnvoll beschreiben mit mindestens drei Dimensionen.
Ne, wir haben einen Gegenstand der Regel, welche Handlungen sollen beeinflusst werden, wir haben einen Inhalt der Regel, der also ausdrückt, worin die Regel besteht, und wir haben so etwas wie einen Geltungsbereich der Regel.
Das heißt, wessen Handlungen sollen geregelt werden? Z.B. Regeln, die nur für Studierende gelten, Regeln, die nur für Akademiker an der Uni gelten, z.B.
Gut, ähm, unser Kategoriensystem kann aber auch aus einfachen eindimensionalen Variablen bestehen. Ein Beispiel für eine eindimensionale Variable sind Akteureigenschaften. Das kennen Sie vielleicht aus den quantitativen Untersuchungen, wo wir häufig Alter, Geschlecht, Interessen, Gehaltsgruppe, solche Art von Variablen haben.
Die spielen in der qualitativen Forschung durchaus auch eine Rolle, wobei ich aber sagen würde, eine untergeordnete Rolle. Und wir haben eine dritte Gruppe von Kategorien, einen dritten Typ von Kategorien, nämlich Kategorien, die auch aufeinander bezogene Handlungen erfassen.
Wenn Sie sich erinnern, ich habe vorhin gesagt, was machen wir, wenn wir Forschungsfragen stellen und Daten analysieren? Wir versuchen, soziale Situationen und Prozesse zu erfassen.
Was sind Prozesse? Das sind Sequenzen von Handlungen, kann man sagen. Und deswegen sind Handlungen so wichtig und werden immer eine Rolle spielen in unseren Untersuchungen.
Auch diese Handlungen sind mehrdimensional. Wir haben einen Akteur der Handlung, wir haben einen Gegenstand der Handlung und wir haben einen Inhalt der Handlung.
So, und jetzt waren wir bis jetzt, haben wir über Variablen gesprochen. Um zu einer Kategorie zu kommen, müssen wir noch ein paar extra Dimensionen hinzufügen.
Eine Kategorie besteht nämlich einmal aus den Sachdimensionen. Das sind diese Dimensionen, die wir aus den Variablen abgeleitet haben. Hier wieder unser Beispiel: Gegenstand der Regel, Inhalt der Regel, Geltungsbereich der Regel.
Dazu fügen wir eine Zeitdimension hinzu, und das ist eben wieder, weil wir Prozesse untersuchen und bei Prozessen eben die Zeitdimension plötzlich wichtig ist.
Wir geben also immer Zeitpunkt, Zeitraum an, also eine Zeitdimension hier beschrieben mit Zeitpunkt, Zeitraum. Und eine weitere Besonderheit sind Kausaldimensionen, in denen wir berichtete Kausalzusammenhänge aufnehmen, nämlich Ursachen und Wirkungen, die die Interviewpartner, wenn wir Interviews analysieren, berichten.
Das sind nicht die kausalen Effekte, mit denen unsere Untersuchungsfrage beantwortet, aber sie sind ein wichtiger Zwischenschritt und wir nehmen sie mit auf. Ne, wenn wir eine Begründung bekommen, warum so und so gehandelt wurde, dann wird das mit festgehalten.
Schließlich besteht unsere Kategorie aus einer Quellenangabe, denn wir wollen so weit wie möglich produzierbar sein. Also wir müssen unsere Schritte zurückverfolgen können. Ja, und deswegen wird die Quelle mitgeführt, das Interview und der Interviewabsatz.
So, wie viele Kategorien sind nötig? Ähm, erstmal hängt das von der Fragestellung ab und, äh, insofern kann man da keine Zahl hinschreiben, die das festlegt.
Also das können fünf Kategorien sein, es können zehn Kategorien sein. Ich glaube, dass wir im Durchschnitt etwa so zehn Kategorien benutzen. Ähm, ich würde nur davon abraten, mehr als 15 Kategorien zu verwenden, weil es dann irgendwie unübersichtlich wird.
So, das ist also so eine einfache Richtgröße, die Sie sich merken können. Und jetzt habe ich Ihnen noch mal ein Beispiel mitgebracht aus einer meiner jetzigen Untersuchungen, in der ich akademische Karrieren untersuche.
In dem Projekt geht es darum, wie verschiedene Karrieresysteme in verschiedenen Ländern Nachwuchswissenschaftlerinnen wissenschaftliche Unabhängigkeit erlangen. Das ist die Forschungsfrage und das ist eine wissenschaftssoziologische Untersuchung.
Sie sehen hier, haben wir jetzt tatsächlich zehn verschiedene Variablen. Ähm, wir sehen in der Mitte die Handlung, das sind also hier strategische Entscheidungen über Forschung und forschungsbedingung.
Wir sehen als, ähm, unabhängige Variable institutionelle Regeln, die die Karriere und Forschung beeinflussen und noch ein paar andere. Wir sehen hier die Akteurcharakteristika, das sind also diese eindimensionalen Variablen und einige mehr.
Das ist also, Sie können jetzt nicht den Inhalt dieser ganzen Variablen verstehen. Es sollte Ihnen jetzt nur einfach mal, ähm, als Beispiel dienen. Die Pfeile sagen etwas über die vermuteten Kausalzusammenhänge, also was wirkt worauf.
Ne, wir sehen, dass es hier alles irgendwie auf die Handlung geht und dann werden hier die Forschungsinhalte beeinflusst. Das Ganze hat dann aber noch eine zeitliche Dynamik. Geht noch mal zurück. Ne, das sind so die theoretischen Vorüberlegungen, die man, äh, machen muss, um dann, ähm, extrahieren zu können.
So, als weiteren Schritt müssen wir, wir sind immer noch bei der Entwicklung des Kategoriensystems, jetzt müssen wir noch Kategorien definieren und vermutlich auftretende Ausprägungen bestimmen.
Nehmen wir wieder unser Beispiel, die institutionellen Regeln. Ähm, hier habe ich das so definiert für meine Zwecke jetzt für die Untersuchung von Karrieren. Unabhängigkeit und Karrieren sind das alle institutionellen Regeln, die Forschungsbedingungen und Forschungsinhalte des Wissenschaftlers beeinflussen.
Ähm, diese Definition ist keine theoretische Definition, sondern die ist angepasst auf meine Untersuchung und ist eigentlich pragmatisch. Es geht darum, mit einer solchen Definition in der Lage zu sein, darauf zu schauen, seinen Text, den Interviewtext vor sich zu haben und jetzt schnell entscheiden zu können, zu welcher Kategorie gehört das, was ich hier gerade gelesen habe.
Ne, also so sollen Definitionen beschaffen sein und nicht irgendwie, ähm, große soziologische Theorie da dran hängen. Das heißt, man muss das schon ein bisschen für sich übersetzen.
So, jetzt habe ich gesagt, vermutlich auftretende Ausprägungen ist das zweite, was wir machen müssen. Wir haben hier wieder unser Beispiel mit den Dimensionen, einmal die Zeitdimensionen.
Da ist häufig eine Ausprägung, dass wir sagen, es war der Zeitpunkt des Gesprächs, weil man es nicht genauer sagen kann. Oder wir haben genauere Jahresangaben, also seit so und so gilt die Regel.
Dann haben wir als weitere Dimension die Quelle der Regel und dann können wir uns überlegen, wo kann die herkommen? Es kann eine Universitätsregel sein, sie kann vom Department kommen oder von der Forschungsförderorganisation, von der Funding Agency, z.B.
Gegenstand der Regel könnte Zeit für Forschung sein, Evaluation, Forschungsfinanzierung. Der Regel ist jetzt nicht weiter spezifiziert, das ist ja dann tatsächlich, worin die Regel besteht.
Und berichtete Wirkung, dann können wir so auf unsere Pfeile gucken in unserem Variablenbild und sagen, was wird eigentlich da beeinflusst? Wirkung auf Forschungsentscheidungen und Entscheidungen über Forschungsbedingungen.
So, ja, was aber, wenn das Kategoriensystem nicht auf das empirische Material passt? Das ist eine Überlegung, die ziemlich wichtig ist, weil wir in der qualitativen Forschung immer das methodologische Prinzip der Offenheit haben.
Das heißt, wir müssen offen sein für unerwartete Informationen. Und was wir da tun können, ist, wir können unser Kategoriensystem verändern.
Wie ich schon gesagt habe, wir können z.B. neue Dimensionen hinzufügen und wir können neue Kategorien hinzufügen. Nach meiner Erfahrung passiert das auch eigentlich regelmäßig nach den ersten Interviews, vielleicht auch nach dem ersten oder zweiten Interview, dass man tatsächlich das Kategoriensystem noch mal verändert oder nach dem ersten halben Interview.
Also man merkt, dass die Vorüberlegungen gut sind, aber, ähm, dann vielleicht auch irgendwas nicht gut passt und dann wird das Kategoriensystem angepasst.
Das passiert ständig während des Extrahierens, dass neue Ausprägungen hinzugefügt werden. Das ist also ein ganz natürlicher Prozess und insofern ist das Kategoriensystem auch offen.
Das ist wichtig zu wissen, wenn man das mit anderen Verfahren, wie mit dem Codieren, vergleicht oder anderen Verfahren der qualitativen Inhaltsanalyse.
So, und unvorhergesehene Einflüsse können in den Kausaldimensionen festgehalten werden. Ja, also Gründe, über die wir die wir vorher gar nicht, die uns gar nicht in den Kopf gekommen sind, werden in diesen Kausaldimensionen gesammelt.
So, jetzt sind wir beim zweiten Schritt der extrahierenden qualitativen Inhaltsanalyse. Das ist die methodische Vorbereitung und das ist jetzt ganz kurz. Wir müssen uns einmal überlegen, was wollen wir analysieren?
Wir wollen z.B. Interviewtranskripte und Dokumente analysieren oder nur eins von beiden und müssen überlegen, was soll da zu dem Korpus gehören? Also normalerweise würden wir ja kein Interview wegwerfen, aber klar, man muss jetzt sagen, die und die Interviews sollen alle ausgewertet werden.
Das zweite ist die Festlegung der Analyseeinheit und in der qualitativen Inhaltsanalyse hat sich ein Interviewabsatz als Sinneinheit, ähm, als sinnvoll erwiesen. Ja, also ein Interviewabsatz ist eine Sinneinheit.
So, ähm, gut, jetzt geht es zur Extraktion, dritter Schritt. Das ist die Extraktion, ist der Materialdurchlauf, bei dem wir Informationen über Ausprägungen von Kategorien interpretieren und extrahieren.
So, das lasse ich jetzt mal so abstrakt stehen, weil wir das gleich machen werden. Dieser Schritt wird unterstützt durch ein Rakit Mia. Das war auf meiner Webseite zu finden.
Wir haben leider das selber eine eigene Entwicklung machen müssen, weil keine der kommerziellen Systeme die extrahierende Inhaltsanalyse unterstützt, sondern die unterstützen alle nur Codieren.
Ähm, wie gesagt, während des Materialdurchlaufs kann immer das Kategoriensystem verändert werden, wenn nötig, und, ähm, neue Kategorien können aufgenommen werden oder existierende Kategorien angepasst werden durch neue Dimensionen.
So, was jetzt noch neu ist, ähm, wir formulieren im Laufe der Extraktion häufig Extraktionsregeln, weil wir zwar unsere Kategorien definiert haben, das war der vorangegangene Schritt, ähm, aber wir haben auch Vorstellungen über, ähm, Ausprägungen.
Aber das reicht häufig nicht aus, um tatsächlich irgendwie systematisch Informationen in den gleichen Kategorien festzuhalten. Und da hilft es einfach, für sich selber zu formulieren: Okay, wenn das und das, z.B. die und die Frage im Interview gestellt wurde, will ich die Antwort möglichst immer in K, in der und der Kategorie analysieren.
Da macht man sich einfach so eine kleine Liste von Regeln, die entsteht meistens im Verlauf der Extraktion. Ja, und dann werden immer wieder neue Ausprägungen aufgenommen im Laufe der Extraktion.
So, los geht's. Wir schauen uns das jetzt hier mal an einem Beispiel an. Nehmen wir wieder unser Projekt Unabhängigkeit und Karrieren.
Was Sie hier jetzt sehen, ist ein Interview mit einem theoretischen Chemiker. Und wir sehen hier unser Programm, das sind einmal Standardmakros, Absätze markieren, Markierung entfernen, Quellensuche.
Wir haben, ähm, hier unsere Kategorien. Ne, das ist jetzt aus dem Variablenbild, habe ich jetzt diese zehn Kategorien gebildet. Das ist jetzt nur in Englisch, ansonsten ist es genau dasselbe, was wir vorher schon gesehen haben.
Jetzt bin ich gespannt, was passiert. Aha, ja, jetzt haben wir hier unseren Interviewabsatz und ich lese den mal vor. Also die Frage war: "What I have in the table yet is time for research, which is also important, and then you have to teach, I guess. Did you have your full teaching load from the beginning?"
Ne, ich rede hier mit einem Assistant Professor, der also irgendwann an die Uni gekommen ist. Und die Frage ist: Hatte er von Anfang an eine volle Lehrbelastung?
Die Antwort: "The second semester here they gave us off. The reason why they do that, it does affect me, sir, but experimental everyone teach first semester, experiment, W other semester, I was actually given a teaching le semester, so not teaching semester because of Gr, so not stated but bring in Gr."
Okay, so, und jetzt schauen wir uns das mal an. Jetzt sehe ich gerade eine Sache, die ich noch vergessen hatte zu erwähnen.
Wir haben ja gesagt, unsere Sinneinheit ist ein Absatz und wir haben hier dieses Makro, dieses Standardmakro, Absätze markieren, mit dem man automatisch dann Absätze, also immer wenn Enterzeichen gekommen ist, markieren kann.
Das ist diese Kennung, die Sie am Anfang sehen. Zurück zu unserem Absatz. Was steckt da jetzt drin?
Ähm, wir haben zwei Regeln, die hier erwähnt werden. Und zwar wird einmal erwähnt, dass "the gift the second semester off" die eine Regel ist. Also jeder Assistant Professor, der neu anfängt, muss im zweiten Semester nicht lehren.
Und wir haben eine zweite Teachingregel hier, also weniger Teaching, wenn man unter bestimmten Bedingungen, wenn man ein großes Projekt anbringt.
Dann haben wir noch eine Information über die Handlungsbedingungen des Wissenschaftlers. Der Wissenschaftlerin im ersten Teil sagt sie: "Second semester, wie hier."
Und hier in der letzten Zeile sagt sie in der vorletzten Zeile: "So I'm not teaching this semester."
Das sind die Dinge, die wir jetzt alle extrahieren wollen. Ähm, mit dem Makro können wir uns, haben wir jetzt eine Maske, [Musik] die, und zwar die Maske für Rules.
Hier steht Rules, das ist also die Kategorie, die wir ausgewählt haben. Und dann öffnet sich diese Maske und wir haben jetzt hier unsere Dimensionen: time, source, actor, subject of rule, content of rule, effects.
Das sind unsere Sachdimensionen, das sind die Sachdimensionen, das sind die Zeitdimensionen, Sachdimensionen, Effekte, kausale Dimensionen.
Wir haben hier keine Ursachen, wir fragen nicht nach Ursachen für Regeln, interessiert uns nicht, haben wir den Kausalzusammenhang abgeschnitten.
Ja, und, ähm, in diese Felder tragen wir jetzt die entsprechenden Paraphrasierungen ein. Ja, wir jetzt den Absatz, den wir haben, und tragen die entsprechenden Inhalte ein.
Dazu können wir auch noch Vorgabewerte zur Hilfe nehmen, also die Überlegung über Ausprägungen, die wir gemacht haben. Und tatsächlich haben wir hier schon so eine Vorgabe, eine Ausprägung: teaching relief.
Ja, und das sind diese Werte, die man dann, die wir einmal in den Vorüberlegungen drin hatten und schon reinschreiben können.
Diese Liste kann ständig erweitert werden und auf diese Art und Weise bekommt man auch eine bestimmte, ähm, Standardisierung hin. Und das ist dann einfacher, wenn wir anfangen zu vergleichen, ne, Fallvergleiche zu machen, wie ist denn, äh, die Lehrbelastung bei anderen Wissenschaftlern, z.B.
So, und jetzt haben wir hier unsere Auswertungstabelle. Und was Sie da hier sehen, ist, ähm, ich habe jetzt hier mal noch zwei andere Extraktionen aufgenommen. Ähm, das hier ist unser Interview UC3 und wir haben hier also noch zwei andere Stellen, wo es auch um Regeln geht.
Ne, da habe ich auch schon Regeln extrahiert und das ist jetzt der neue Eintrag. Und da schreiben wir auf: Also V sometime, genauer wurde es nicht gesagt, wann die Regel erfunden wurde.
Wer war's? Wir können sagen, aus dem Kontext, es können wir feststellen, es war University X, das muss ich jetzt hier anonymisieren, und das Chemie-Department.
Es geht um teaching relief und die Regel ist: new staff has not to teach in their second semester.
So, alles, was da noch über die Experimentalisten stand und so weiter, interessiert uns alles nicht. Das haben wir alles weggelassen. Ne, wir wollen nur die relevante Information behalten, haben das paraphrasiert und aus diesen vier Zeilen eben das jetzt hier rausgeschnitten.
Bei reported effects könnten wir jetzt hinschreiben, wie es dem Wissenschaftler so und so viel, so und so musste nicht lehren, have to teach.
Ich habe mich aber entschieden, all diese Bedingungen unter in der Variable research conditions, also Forschungsbedingungen, zusammenzufassen.
Also in der zweiten Variable das zu extrahieren und hier mir nur einen Vermerk zu machen, es ist extrahiert in meiner Kategorie research conditions.
Ich bin manchmal unsauber hier mit Variablen, Kategorien. Also es geht eigentlich um Kategorien. So, wir hatten eine zweite Regel, die nannte sich for time.
Haben wir wieder University X, Chemistry Department, teaching relief, ist alles dasselbe. Inhalt der Regel ist: granted if you bring in a research grant certain threshold.
Und wieder dasselbe, wir haben hier research conditions, äh, wo wir die Effekte extrahieren und hier nur einen Vermerk machen.
Das ist die Absatzkennung, ne, die wird dann automatisch eingetragen. So, und dasselbe könnten wir jetzt eben für die Forschungsbedingungen machen.
Type of condition ist hier time for research. Hier haben wir mal eine genauere Zeitangabe: no teaching during second semester.
Source, Quelle der Bedingung: University X, Chemistry Department. Und über reported courses habe ich jetzt hier nur rules geschrieben im ersten Teil, wieder Verweis auf die andere Kategorie.
Wir haben noch mal eine zweite Bedingung: time of interview, no teaching for one semester. Und hier sind reported courses einmal die rules und auch wurde erzählt im Interview: she got a large grant.
So, jetzt haben wir diesen Absatz bearbeitet und könnten zum nächsten Absatz übergehen. Gut, ich habe Ihnen hier ein paar Tipps zusammengestellt zum Extrahieren.
Ich möchte darauf nicht weiter eingehen. Ich habe die, Sie könnten das in unserem Lehrbuch nachlesen, da ist das genauer diskutiert.
Wichtig ist vor allen Dingen Regel 4 und Gottes Willen, nicht etwa versuchen, alles aufzunehmen, sondern was das Extrahieren eben auszeichnet und eben eigentlich auch das Codieren ist, dass man ständig überlegen muss: Ist diese Information relevant für meine Fragestellung oder nicht?
Ne, und deswegen schneiden wir Kausalketten ab. Ich habe eben nicht aufgenommen, warum eine bestimmte Regel zustande gekommen ist, weil mich das nicht interessiert hat.
Ne, mich haben nur interessiert, wie die Regeln auf die Forschungsbedingungen der Wissenschaftlerin wirkten.
So, wir müssen weiter marschieren. Nächster Schritt ist die Zusammenfassung und Zusammenfassen und Bereinigen der Information. Was man da tut, ist, man verstreute Informationen werden sortiert.
Wir haben ja diese langen Tabellen, also wir haben für jede Kategorie eine Analysetabelle und dort stehen jetzt alle Informationen aus allen Interviews und für ein Interview Informationen drin.
Die kann man jetzt sortieren nach zeitlichen oder sachlichen Aspekten. Also wir könnten z.B. nach, ähm, allen Regeln zur Lehrbelastung sortieren. Das wäre eine sachliche Sortierung.
Oder wir können gucken, wie sich Regeln ändern. Das wäre eine zeitliche Sortierung. Bedeutungsgleiche Informationen können zusammengefasst werden.
Ähm, offensichtliche Fehler können korrigiert werden, aber widersprüchliche Informationen, äh, kann man mit Hilfe des Interviewtranskripts korrigieren.
Es kann mal, wer hat z.B. verschiedene Aussagen zu einer Regel von verschiedenen Interviewpartnern und fragt sich, was stimmt jetzt? Geht man zurück ins Interview und schaut nach, ob man es rauskriegt.
Häufig kriegt man es vielleicht nicht raus und dann müssen widersprüchliche Regeln so stehen gelassen werden und können als Widerspruch gekennzeichnet werden.
Verschiedenartige Informationen werden immer beibehalten. So, ähm, ich habe hier Ihnen auch noch mal ein Beispiel rausgesucht.
Jetzt muss ich mal das Projekt wechseln. Sie sehen hier aus einem anderen Projekt eine Kategorie: Finanz der Universität. Also wir bleiben bei Regeln.
Das Beispiel finden Sie in unserer Publikation Gläer und Laudel 2013, noch mal erläutert. Und was Sie hier sehen, sind mehrere Extraktionen aus mehreren Interviews.
Ne, wir haben das Interview res of, das Interview U2 resof U2, boh, und das Interview U2 DVC U2.
Es ist alles dasselbe University, aber verschiedene Akteure. Und diese, die erste, die zweite und die dritte Zeile können wir zusammenfassen, weil es in allen drei Zeilen um strategische Fonds geht.
Ich lasse Sie das jetzt nicht alles lesen, sondern zeige Ihnen nur grafisch, wie das zusammengefasst wurde. Ja, Sie sehen hier schon, ganz wichtig, man muss immer alle Quellen behalten.
Ne, wir wollen das ja zurückverfolgen können. Und hier kann man aber dann den Text reduzieren und sagen, na ja, strategische Fonds werden in folgenden Fällen, ähm, kann man werden, werden die angewendet.
So, und die Kurse kann man dann auch noch zusammenfassen. So, und das andere ist eine andere Regel, die bleibt, wie sie ist, unverändert.
Okay, das war sortieren und zusammenfassen. Und jetzt haben wir ja eine bereinigte Informationsbasis und damit sind wir am Ende der, äh, extrahierenden qualitativen Inhaltsanalyse angekommen und müssen jetzt, ähm, weitere, können jetzt weitere Analysen vornehmen, auf die ich leider auch nur sehr kurz eingehen kann, weil das eigentlich eine eigene Veranstaltung wäre.
Wir können, ähm, mal auf die Uhr gucken. Ja, also ich muss hier wirklich durchrauschen. Man kann also Muster identifizieren in den Daten, also nach Ereignissen suchen, die mehr als einmal auftauchen, Kombinationen von Bedingungen, Prozessen, Resultaten, die mehr als einmal auftauchen.
Das kann man alles mittels Typologien tun. Zur Typologie gibt's auch Literatur. Hier würde ich sagen, Gläer und Laudel 2010 ist unser Lehrbuch, dort reinschauen.
Und auch in Miles und Kollegen 2014. Ähm, diese Muster kann man dann integrieren. Man kann schauen, wie können Muster zusammengefasst werden, welche Faktoren treten in allen Fällen auf, welche nur in einigen.
Alle Daten müssen den Mustern zugeordnet werden. Und ganz wichtig, was wir immer in der qualitativen Inhaltsanalyse, qualitativen Analyse tun müssen, auch beim Codieren, ist, wir müssen abweichende Fälle erklären.
Wir müssen 100% der Varianz erklären. Ähm, also wir können nicht sagen, in 90% der Fälle ist so und so und den Rest kümmert uns nicht, sondern wir müssen eben den Rest auch erklären.
So, ich würde sagen, dass dabei belasse ich es mal. Ähm, Analyse der Informationsbasis und komme noch mal lieber zum Codieren versus Extrahieren.
Es gibt zwei Gemeinsamkeiten. Es gibt einmal eine Verbindung zwischen Textstellen und Kategorien. Also die stellen wir her mit dem Verfahren, mit beiden Verfahren.
In beiden Verfahren spielt die Interpretation eine zentrale Rolle. Das heißt, lesen und die Bedeutung einer Texteinheit bestimmen, das ist das, was wir tun.
Und das ist auch das, was so schrecklich anstrengend ist, weil man eigentlich ununterbrochen Entscheidungen trifft, worin besteht nun der Unterschied. Ähm, Kategorien oder Codes zeigen das Vorliegen relevanter Informationen an.
Ich habe jetzt hier sehr abstrakt kurz gewählt, aber man kann hier natürlich das sehen, man glaube ich im nächsten bei Folie noch mal besser.
Wichtig ist hier nur, was Sie beim Codieren machen, ist, Sie stellen wie so eine Art Buchindex her. Ja, Sie haben den Text und verweisen auf den Text mit den Codes, während bei der extrahierenden Inhaltsanalyse verlassen wir den Text.
Die Kategorien dienen dazu, relevante Informationen zu erkennen, diese zu paraphrasieren und strukturiert zu speichern. Ja, wir haben eigentlich, interessieren uns diese Transkripte oder Dokumente irgendwann nicht mehr.
Wir gehen eigentlich nur noch zurück, wenn wir Widersprüche aufklären wollen, wenn wir nach Zitaten suchen. Aber irgendwann gucken wir die nicht mehr an, sondern wir gucken nur noch hier unsere strukturierte Informationsbasis an, also unsere Kategorien mit den Dimensionen und unsere sortierten Tabellen.
Wenn wir codieren wollten, dann habe ich Ihnen das hier mal an unserem Beispiel gezeigt, wie das aussehen könnte. Also beim Codieren kann man, muss man nicht unbedingt einen Absatz als Einheit haben.
Man kann sich da Teile raussuchen, Satzteile. Und da hätten wir jetzt hier z.B. unsere Bedingung: time for research. Hier auch noch mal time for research, hier unten.
Und dann müsste man irgendwie mit dem, mit dem courses, also mit der Kausalbeziehung umgehen und einen weiteren, eine weitere Code erfinden, z.B. course rule.
Hier haben wir jetzt unsere Regel: teaching relief. Und Sie sehen, hier wird's aber ein bisschen schwierig, weil wir können jetzt nicht so stark hier zusammenfassen, wie wir das in den Tabellen gemacht haben, sondern wir müssen jetzt irgendwie hier alles unterstreichen und erstmal alles mitnehmen.
Und hier hätten wir als letztes rules teaching relief. So, okay. Und nun muss ich Sie noch zum Schluss, ja, dann mit dieser Folie konfrontieren.
Und zwar gibt es leider einen ganz schrecklichen Begriffswirrwarr, was Codieren und qualitative Inhaltsanalyse anbelangt. Fangen wir mal links an. Also Codieren ist die älteste qualitative Analysetechnik, die aus dem Grounded Theory Ansatz hervorgegangen ist.
Wichtige Namen sind hier Barne Gläer und Anselm Strauss, die Erfinder der Grounded Theory. Später kam Juliet Corbin hinzu, Kathy Charmaz und andere.
Und daraus hat sich das Codieren aber auch als eigenständige Methode entwickelt, z.B. Matthew Miles und Michael Huberman. Später kam Johnny Saldana hinzu, die haben dann gemeinsam ein Lehrbuch auch geschrieben.
Wichtig ist also Gläer und Strauss haben mal an begonnen mit dem Codieren als eine Methode, wo sie gesagt haben, also Theorie nicht anfassen, sondern alles grounded.
Also alles muss aus den empirischen Daten kommen. Diese strikte Fein-Theorie-Verbindlichkeit sozusagen ist dann schon angefochten worden von Corbin und Strauss.
Und ist jetzt nicht notwendig. So, beim Codieren, aber das Codieren lässt es offen. Ne, beim Codieren kann man sehr stark theoriegeleitet vorgehen, muss es aber nicht.
Also das Verfahren zwingt eigentlich dazu und ich halte das auch eher für einen Nachteil, dass es eigentlich dafür zu zwingt. Die qualitative Inhaltsanalyse ist eine deutsche Erfindung.
Sie wurde von Philipp Mayring eingeführt, später von Margarete Schreier, hat das ein bisschen weiterentwickelt. Udo Kuckartz ist noch ein dritter Name, die für qualitative Inhaltsanalyse stehen.
Wir haben gesagt, letztlich ist das auch ein codierendes Verfahren, weil die Kategorien geschlossen sind. Das heißt, alle Ausprägungen sind vorgegeben und das ist auch so gewollt.
Ähm, man will am Ende häufigkeitsanalysen machen und das wird auch beim Codieren als eigenständige Methode teilweise gemacht, äh, dass man hinterher kurz zählt. Ähm, das passiert hier nicht bei der extrahierenden Inhaltsanalyse.
Wir verwenden ein offenes Kategoriensystem, das flexibel ist. Die Ausprägungen sind nicht vorgegeben und das Endziel sind keine Häufigkeitsanalysen.
Also insofern muss ich jetzt zwar Werbung für mein eigenes, unser eigenes Verfahren machen, aber das ist wirklich das am meisten qualitative Verfahren, während hier man eigentlich so wieder so ein bisschen Richtung auch quantitative Inhaltsanalyse rückt, aus der das Verfahren mal entstanden ist.
Ne, das ist so die Entstehungsgeschichte der Inhaltsanalyse. Ja, also das, um Sie, wenn Sie so durch die Literatur versuchen zu steigen, behalten Sie das ein bisschen im Kind Hinterkopf und lassen sich nicht verwirren, wenn der Begriff qualitative Inhaltsanalyse auftaucht und da was anderes passiert.
Gut, aha, Fragenrunde. Ich hatte noch eine Literaturfolie, die kommt wahrscheinlich dann danach. Ähm, okay, Fragerunde. Ha, wann wählt man besser Codieren, wann Extrahieren?
Na ja, da kann ich also nur sagen, ähm, je kausaler Sie werden, ähm, desto eher würde ich empfehlen zu extrahieren. Ansonsten können Sie das, ähm, so entscheiden, wie Sie wollen.
Ich würde also, ich habe ja versucht, jetzt schon ein bisschen darauf zu antworten und vielleicht ist die Frage deswegen auch, ähm, schon zeitiger gestellt worden.
Ich habe schon eine partielle Antwort gegeben. Ich, vielleicht aus meiner Erfahrung würde ich sagen, also was häufig passiert, ist, dass man sagt: Na ja, ich weiß ja noch nicht so viel, ich fange jetzt erstmal an, ich lass mir mal von meinen Daten erzählen, was eigentlich in meinen Interviews drin steht und codiere.
Und dann hat man so emerging topics. Also hat oft Themen, die verschlagwortet werden. Also man verschlagwortet da seine Daten, seine Interviews, indem man da Themen dran schreibt.
Und also das ist so ein bisschen die Gefahr eben auch, ne, dass man eigentlich, äh, erstmal so einen Zwischenschritt nimmt und versucht, sich ein bisschen drum zu drücken, um die eigentliche, ähm, Frage: Was ist jetzt relevant und was ist nicht relevant?
Aber es spricht erstmal gar nichts dagegen. Und ich würde sagen, also gucken Sie sich einfach die Literatur an, schauen Sie mal noch mal in unser Lehrbuch Gläer-Laudel, ähm, wo wir die Methode beschrieben haben.
Schauen Sie sich vielleicht das englische Buch an von Miles, Huberman und Saldana. Die gehen codierend vor und machen aber eigentlich in der zweiten Runde dann noch mal so eine Art Extraktion.
Ich finde es immer ein bisschen umständlich, aber auf jeden Fall kann man sagen, Miles und Kollegen sind auch an, äh, kausalen Fragen interessiert. Die kommen nämlich aus der Evaluationsforschung und insofern spricht nichts dagegen.
Man kann beide Verfahren verwenden. Offensichtliche Fehler als Widerspruch kennzeichnen. Na ja, also die Interviewpartner sehen ja unsere Extraktion nicht.
Das ist etwas, was nicht mit ihnen geteilt wird. Ist mir eine Erweiterung von MSWD. Äh, ja, also das, es gibt ja die Makros in Word als Standardfunktion und wir haben da sozusagen eine eigene, auf Makros aufbauend, Visual Basic for Applications nutzend, eine, also dieses Programm entwickelt.
Es ist frei nutzbar. Ja, gibt es für die digitalen Tools, wie ja eben nicht. Ne, habe ich gesagt, leider nicht. Wir, also wenn Ihnen was über die Wege läuft, ja, für Codieren.
Ach so, Entschuldigung, für das Codieren. Ja, MAXQDA ist für Codieren gedacht, wie auch viele andere Programme. MAXQDA ist, glaube ich, ein ziemlich teures Programm.
Es gibt auch andere, NVivo oder so, die funktionieren eigentlich alle sehr ähnlich. Es geht da vor allen um die Codeverwaltung. Und das ist vielleicht noch, sollte ich vielleicht noch dazu sagen.
Also ein typisches Problem beim Codieren ist, dass man Code Overload hat, dass man mit sehr, sehr, sehr vielen Codes endet. Ähm, das muss ja nicht so sein, wenn man eben sehr viel Arbeit auch steckt in die Vorüberlegungen, muss es nicht passieren, aber es passiert sehr häufig.
Ne, das erzählen unsere Doktoranden, die mit Codieren arbeiten, immer wieder. Kann ich vermeiden, dass ich Kategorien überschneiden? Gute Frage.
Ich denke, das hängt mit den Definitionen zusammen. [Musik] Ähm, und das ist Zuordnungsprobleme, die immer noch geben kann. Das versuchen wir mit den Extraktionsregeln zu lösen.
Ne, dass die Zuordnung nicht eineindeutig sind, kann man mit den Extraktionsregeln lösen. Und ansonsten, na ja, also wenn man Variablen hat, ist ja eigentlich nicht so, dass man, dass die sich überschneiden.
Also man will ja verschiedene, äh, verschiedene Dinge festhalten in verschiedenen Variablen. Blend, also das sollte eigentlich nicht passieren. Aber ja, das muss man einfach prüfen.
Dann, wenn Zeitpunkt, Zeitraum für Kategorien notwendig sind, müssen entsprechend die Fragebögen das immer abfragen. Bei Ihrer Beispielfrage setzt dies voraus, dass der Interviewpartner dies erzählt.
Gute, sehr auch eine sehr gute Frage. Nee, ähm, das wird eben im Interview häufig nicht präzise. Und wenn es aber sehr wichtig ist, müssen wir natürlich da das Werden des Interviews möglichst merken und fragen: Wann war das?
Ähm, aber viele Dinge, sie werden eben einfach für die Gegenwart berichtet und dann schreiben wir dann oft rein: time of interview oder Zeitpunkt des Gesprächs. Und dann reicht uns das auch.
Ja, was verstehe ich denn unter Codieren? Oh, das war hoffentlich schon eine Weile her, dass. Okay, ich glaube, das ist dann im Laufe des Vortrags hoffentlich klar geworden, was Codieren ist.
Müssen wir die Probanden aufzeichnen? Bezieht sich das auf die? Nee, ich verstehe jetzt nicht. Äh, ach so, äh, Probanden, die Interviewpartner. Ja, die würde man, äh, standardmäßig würde man aufzeichnen oder wenn Aufzeichnung verweigert wird, muss man, äh, Gesprächsprotokolle anfertigen.
Ne, aber eins von beiden müsste dann vorliegen, entweder ein Transkript, also eine vollständige Transkription des Gesprächs, vollständige Aufzeichnung oder eine Mitschrift, die man anschließend anhand seiner Notizen anfertigt.
Ähm, was meint der Begriff Ausprägung? Ausprägung sind vorgegeben oder eben nicht vorgegeben? Na, Ausprägung sollten wir ja auch aus der quantitativen Forschung kennen.
Also das sind eigentlich die Werte, die eine Variable annehmen kann. Also wir hatten verschiedene Regeln, Finanzierungsregeln, Evaluationsregeln, äh, Regeln für Lehrbelastung. Das sind alles Ausprägungen.
Na ja, indem man eben möglichst frühzeitig anfängt zu analysieren. Ne, also ich würde auch immer vorschlagen, wenn Sie Ihr erstes Interview geführt haben, vielleicht noch nicht so vollkommen im Detail zu analysieren, wie ich das jetzt gemacht habe, dass man tatsächlich jeden Absatz genau interpretiert und zusammenfasst.
Aber zumindest sich mal an jeden Absatz dranzuschreiben, äh, zu welcher meiner Kategorien, zu meiner, zu welcher meiner, äh, Variablen gehört das denn? Und, ähm, und dann haben Sie, sollten Sie ja Ihre, also entweder Ihre, man kann ja auch die Forschungsfrage dann noch mal in empirische Fragen untergliedern.
Ähm, also irgendwas, Sie müssen ja irgendwas konzeptionelles noch vorlegen haben und einfach dann anhand des Interviews schon mal grob schauen, ob das denn beantwortet wird.
Wir haben in unserem Lehrbuch schlagen wir vor, sowas wie empirische Forschungsfragen zu benutzen und dann kann man anhand dieser, ähm, empirischen Fragen schauen, werden die denn alle beantwortet.
So, das wäre, das kann man alles noch so manuell machen. Ne, man kann sich einfach das Transkript oder das Protokoll ausdrucken und dann das absatzweise durchgehen.