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Könnt ihr euch vorstellen, hier zu leben – in 3500 Metern Höhe? Bei dünner Luft, eisigen Temperaturen bis unter minus 30 Grad Celsius und Windgeschwindigkeiten bis mehr als 200 Kilometer pro Stunde? Das ist nicht für jeden etwas.
Für Erich Furrer und Daniela Bissig ist dieses Leben Alltag. Im Wechsel mit einem anderen Paar kümmern sie sich um Technik, Wartung und Pflege von Europas höchstgelegener Forschungsstation auf dem Jungfraujoch in den Schweizer Alpen.
„Für uns ist eigentlich dieser Job ein Lottosechser. Ja, wenn du gerne in den Bergen bist, gerne Schnee hast, ist das natürlich ideal.“
Hinauf auf das Jungfraujoch geht es mit dem Zug. Seit 1912 fährt eine Zahnradbahn den letzten Teil der Strecke durch einen gut sieben Kilometer langen Tunnel hinauf zu Europas höchstgelegenem Bahnhof. Rund 3500 Meter über dem Meeresspiegel wird nicht nur geforscht, die Station ist auch eine Touristenattraktion: Rund eine Million Besucher kommen pro Jahr. Für die geht am Nachmittag der letzte Zug zurück ins Tal. Danach sind Daniela und Erich bis zum nächsten Morgen oft fast ganz alleine hier oben. Nur ein Mitarbeiter der Bahngesellschaft ist ebenfalls vor Ort – und ein paar Vögel.
„Ja, es kann auch einsam sein. Es kann auch stürmen und dann wird’s auch, dann wird’s auch einsam. Und das musst du auch, das musst du hier tragen können.“
Schon morgens stoßen hier oben zwei Welten aufeinander. Die Touristen gehen in alpiner Umgebung shoppen, während Erich eine Routinearbeit erledigt: das tägliche Schneeschippen. Die durchschnittliche Temperatur auf dem Jungfraujoch liegt bei minus 7 Grad Celsius. Den Job fanden er und Daniela durch eine Zeitungsanzeige.
Zimmer mit Ausblick: Während ihres Dienstes wohnen Daniela und Erich in einer 45-Quadratmeter-Wohnung. Zeit für eine kleine Besichtigung.
„Das ist unsere Küche hier, mit unserem Wohnzimmer, das teilen wir uns jeweils mit dem anderen Paar. Das heißt, wenn wir gehen, räumen wir alles, was privat ist, weg. Das da, das ist wirklich der schönste Ausblick, den du in der Schweiz haben kannst. Mit Blick auf den Konkordiaplatz runter. Ja, was will man mehr?“
Fünfmal am Tag steht eine Wetterbeobachtung für das Wetteramt MeteoSchweiz auf dem Programm. Dazu geht es mit einem alten Aufzug, Baujahr 1936, noch einmal 112 Meter in die Höhe. Fahrzeit: eine Minute. Das Sphinx-Observatorium auf der Spitze des Bergsattels bietet beste Bedingungen für die Wetterbeobachtung. Daniela und Erich notieren Sichtverhältnisse, Wolkenlage und Niederschlagsmengen.
„Wir sind hier auf der Wetterscheide Nord-Süd. Kann sein, dass wir wirklich von einer Stunde auf die andere schönes Wetter haben, dann sofort wieder gewechselt wird, dass wir auch Schnee bekommen oder Regen oder Hagel.“
Erich, als Betriebswart, beteiligt sich ebenfalls an Forschungsarbeiten. Er hilft etwa bei der Messung des Krypton-85-Gehalts der Luft. Währenddessen geht Daniela einkaufen. Auch das läuft hier oben anders ab als im Tal.
„Ich kann ja nicht nach unten fahren und einkaufen, das würde mich einen Tag kosten. Ich kann’s aber bestellen, dann schicken die mir das innerhalb von 24 Stunden rauf.“
Das ist auch eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen Daniela auf die vielen Touristen trifft, die das Jungfraujoch jeden Tag besuchen. Dann ist es Zeit für einen Feierabend-Tee. Der ist nicht ganz so heiß wie gewöhnlich, denn das Wasser kocht durch den geringen Luftdruck schon bei 85 Grad Celsius. Deshalb braucht auch ein hartgekochtes Ei geschlagene 14 Minuten. Aber hier oben ticken die Uhren ja eh anders.
Wenn niemand mehr auf dem Berg ist, das ist wirklich Ruhe. Ganz klare Luft abends und morgens, es ist kalt. Das ist die Zeit, die wir extrem genießen. Ein Leben dort, wo andere nur als Tagestouristen hinkommen. Für Daniela und Erich ein wahr gewordener Traum.