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Es gab einen brutalen Mord! Man hat die Dinosauer umgebracht, und wir wissen, wer es war! Zeugen sagen, ein Asteroid so gross wie der Mount Everest hat die Erde getroffen, sie verwüstet und das Massensterben verursacht. Eine überzeugende Erklärung... oder?
Seit ein paar Jahren bestärken neue Hinweise einen alten Verdacht auf einen zweiten Verdächtigen. Ein sehr langsamer, flüssiger, tausend Mal grösserer Asteroid, der die Erde auf der gegenüberliegenden Seite traf. Als der True Crime Kanal, der wir sind, schauen wir uns die Geschichte genauer an die alles verändern könnte, was wir zu wissen meinten...
Die letzten Tage eines Königreichs. Vor 66 Millionen Jahren war die Erde kaum wiederzuerkennen. In den letzten Tagen der Kreidezeit, eine der heißesten Perioden der Erdgeschichte, war es viel feuchter. Üppige Dschungel und Wälder bedeckten weite Teile des Planeten. Selbst in den Polarregionen gab es vorzeitlichen Kiefern und Farnen. Fantastische Ökosysteme, die robust genug waren, um die monatelange Dunkelheit der Polarnächte zu überstehen. Überall gab es riesige Tiere. Pterosaurier am Himmel, Meeresechsen und langhalsige, bis zu 15 Meter große Monster in den Ozeanen. Und an Land war quasi alles, was grösser war als 1 Meter, ein Dinosaurier - eines der erfolgreichsten Tiere, die jemals auf der Erde wanderten. Über 150 Millionen Jahre lang beherrschten sie die Erde. Und dann: Mord.
Erdgeschichtlich gesehen verschwanden diese erhabenen Kreaturen in einem Sekundenbruchteil. Warum? Ja, ungefähr zu dieser Zeit traf ein Asteroid die Erde. Aber... hat er sie wirklich alle umgebracht? Oder war er einfach zur falschen Zeit am falschen Ort? Neuere wissenschaftlicher Erkenntnisse deuten daraufhin, dass kurz vor dem Asteroiden ein uralter Schrecken sogar noch älter als die Dinos, begann die Erde zu zerstören. Schauen wir uns an, was passiert sein könnte.
Das Monster erwacht. Die Kontinente sahen fast so aus wie heute, aber nur fast. Indien war eine tropische Insel so gross wie ein Kontinent, voller üppiger Regenwälder, exotischer Lebewesen, und auf dem Weg, in Asien zu krachen. Aber in diesem Paradies gab noch etwas anderes. Den Dekkan-Trapp, eine tausend Kilometer lange Vulkanregion, die gleich ziemlich dramatisch erwachen wird.
Die Apokalypse begann still und heimlich. Etwa 800.000 Jahre vor dem Einschlag begann der Dekkan-Trapp, jedes Jahr etwa 10 Millionnen Tonnen CO2 und Schwefeldioxid auszustoßen. Im grossen Ganzen nicht sehr viel, weshalb das auch lange Zeit nicht auffiel. Das Problem war, dass diese Emissionen nicht aufhörten. Über etwa eine halbe Million Jahre begannen sie, sich in der Atmosphäre gefährlich anzusammeln. Etwa 300.000 Jahre vor dem Asteroiden begann der Dekkan-Trapp, Lava zu speien. Aber nicht wie bei einem normalen Vulkanausbruch - sondern eine Lavaflut. Stell dir Vulkane vor soweit das Auge reicht. Ständig aktiv, entliessen sie einen anhaltenden Strom riesiger Mengen Lava und Gift, zwischendurch nur unterbrochen durch noch viel heftigere und tödlichere Eruptionen. Indien war das erste Opfer: riesige Wolken verbreiteten giftigen Qualm und vergifteten die Küstenregionen. Magmaströme verursachten Waldbrände und Aschewolken verdunkelten den Himmel, wobei viele lokale Ökosysteme untergingen und auf dem ganzen Kontinent tote Dinosauriern zurückliessen. Da sah es noch nach einer lokalen Katastrophe aus - eine von vielen, die den Planeten in seinen Milliarden Lebensjahren heimgesucht haben. Hätte es hier aufgehört, gäbe es heute vielleicht noch Dinosaurier. Aber der Albtraum begann gerade erst.
Das Monster wird wütend. Der Dekkan-Trapp spie immer weiter Lava. So wurde nach hunderttausenden Jahren pausenloser vulkanischer Emissionen aus der lokalen Katastrophe eine globale. Zunächst erlebte der Planet eine Hitzewelle: die Ozeane erwärten sich in nur 100.000 Jahren um mehr als 2 °C. Das ist schlecht, aber ein Zeitrahmen, der den Ökosystemen eine Chance zur Anpassung lässt. Aber die Natur erlaubte sich einen üblen Streich: Während einige Gase den Planeten erhitzten, kühlten andere ihn ab. Das war aber so unausgeglichen, dass auf die erste Erhitzung eine Abkühlung folgte, was die Ökosysteme, die sich knapp an die heisseren Temperaturen anpassten, überstrapazierte. Zur gleichen Zeit fiel der Schwefel aus der Atmosphäre als saurer Regen auf die Erde, während das CO2 die Ozeane versäuerte und das Plankton tötete - damals wie heute die Basis des Nahrungsnetzes in den Ozeanen. Verschwindet das Plankton, ist das Massenaussterben quasi sicher.
Das grosse Finale kommt aber erst. Etwa 50.000 Jahre vor dem Asteroiden begann die wahre Apokalypse. Wie ein kosmisches Monster, das brüllend aus seinem Käfig ausbricht, spuckte der Dekkan-Trapp in einem Jahrtausende dauernden Ansturm mehrere Billionen Tonnen Magma und noch tödlichere Gase aus. Die fegten über die Ökosysteme hinweg und zerstörten alles in Reichweite. Ähnlich lange wie es die menschliche Zivilisation jetzt gibt, sorgte dieses Lava-Armageddon für gewaltige Flächenbrände. Erdbeben und Tsunamis erschütterten den Kontinent. Das glühende Erdinnere entliess eine Hitze, durch die Hypercanes entstanden sein könnten, Wirbelstürme von zig Kilometern Durchmesser mit Windgeschwindigkeiten von fast 1.000 km/h, dreimal so stark wie der tödlichste Hurricane, den wir kennen. Diese Stürme waren so gewaltig, dass sie dutzende Kilometer in die Stratosphäre reichten und Löcher in die Ozonschicht reissen konnten, was verheerende Folgen für alles Leben hatte, das der Sonneneinstrahlung nun schutzlos ausgeliefert war. Und wo die Hypercanes wüteten, hinterliessen sie nichts als Tod und Zerstörung. Und als ob das noch nicht genug wäre, stiegen aus dem Bauch der Erde auch noch kolossale Massen Gift auf. Riesige Wolken voller Quecksilber und Salzsäure fegten über den Planeten und versetzten dieser einst herrlichen, fruchtbaren Welt den Todesstoss. Als ganze Nahrungsketten zerfielen und die Welt unterging, starben manche Dinosaurier auf der Erde vielleicht selbst Giftschaum speiend, während saurer Regen auf sie niederfiel. Ein böses Ende für die letzten Erben einer noblen Familie, die die Erde solange beherrschte. Und dann war es einfach vorbei. Die wilden Ausbrüche gingen zurück und die endlosen Naturkatastrophen wurden weniger. Aber die Welt war nicht mehr dieselbe. Das Monster hinterliess unvorstellbare Zerstörung und Leichenberge. Selbst weit entfernte Ökosysteme waren schwer verwundet. Damit endete ein ganzes Erdzeitalter. Mit einem Mord, der langsam begann und dann brutal eskalierte.
Und dann geschah es. Wie ein kosmischer Witz tauchte auf der anderen Seite der Erde ein hell leuchtender Punkt am Himmel auf. Kurz darauf schlägt ein Asteroid von 10 km Durchmesser mit der Energie von 4 Milliarden Atombomben ein. Wenn du mehr darüber wissen willst, schau dir gerne unser Video dazu an. Hing das Leben auf der Erde zu diesem Zeitpunkt schon am seidenen Faden, war das jetzt der Todesstoss. Nach dem Massaker spie der Dekkan-Trapp auf der anderen Seite der Erde noch weitere 800.000 Jahre lang zig Billionen Tonnen tödliche Gase in die Luft und stellte sicher, dass der zerstörte Planet in Gift gehüllt blieb. Als der Dekkan-Trapp endlich wieder einschlummerte, waren 75 % aller Arten auf der Erde ausgestorben. Darunter bekanntlich fast alle Dinosaurier. Ausser die Vögel, die einzigen Dinos, die wir heute noch haben. Ihre atemberaubende Schönheit und Vielfalt lässt erahnen, wie majestätisch ihre grösseren Verwandten gewesen sein mussten.
Wer war also der Mörder? Besiegelte der Dekkan-Trapp das Ende der Dinosaurier, oder hätten sie ohne den Asteroideneinschlag vielleicht überlebt? War es Teamwork? Wir wissen es nicht. Die Wissenschaft diskutiert diese Frage seit Jahren, ohne eine klare Antwort. Die Abfolge der Ereignisse, die wir hier gezeigt haben, basiert auf einigen der neusten Rekonstruktionen der Entwicklung des Dekkan-Trapps. Andere erzählen eine andere Geschichte und es gibt hitzige, wissenschaftliche Debatten darüber. Mehr dazu findest du in unseren Quellen. Leider können wir diesen Krimi weder einfach noch zufriedenstellend lösen. Beweise werden dummerweise durch die Zeit vernichtet. Wir werden es vielleicht nie genau wissen.
Aber noch etwas anderes ist im Staub versteckt, etwas noch viel Erschreckenderes. Da wir immer mehr über die Vergangenheit lernen, kam heraus, dass 4 der 5 großen Massenaussterben zu Zeiten geschahen, als die Erde wutentbrannt gewaltige Mengen Magma ausspuckte. Der mutmaßliche Dino-Killer scheint ein Serienmörder zu sein. Das schlimmste Massaker überhaupt, das Perm-Trias Massensterben vor 250 Millionen Jahren, wurde durch den Sibirischen Trapp verursacht, eine höllische Lavaflut, die 95 % aller Arten vernichtete und beinah alles Leben zerstört hätte. Bis vor Kurzem hielt man es für einen Sonderfall, aber neue Hinweise lassen vermuten, dass es eher die Regel war. Es gab auch andere grosse Massenaussterben, als das Monster erwachte. Je länger und heftiger es wütete, umso grösser ist das Massaker, das wir in den Fossilienfunden sehen. Vielleicht hat also kein zufälliger Mörder aus dem All die Dinos umgebracht, sondern ein Serienmörder, der sich zu unseren Füssen versteckt.
Sollte dir das alles Sorgen machen? Definitiv nicht. Das Monster ist zwar real, aber superlangsam und aktuell sehr schläfrig. Sollte es erwachen, würden Wissenschaftler das durch Überwachung des Erdinneren weit im Voraus merken. Vielleicht sogar Millionen Jahre im Voraus. Mehr als genug Zeit, um uns darauf vorzubereiten und umzuziehen. Phew, nochmal davon gekommen – so viel Glück hat man leider nicht bei allen fiesen Angriffen.
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