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Ärger, Staus und Verspätungen. Baustellen auf Autobahnen und Bundesstraßen nerven die Rheinland-Pfälzer. Was sicherlich ist, dass die Baustellen aus meiner Sicht oftmals viel zu lange dauern. Also ist egal, welche Richtung sind überall Baustellen. Nicht nervt, also die Leidensfähigkeit der Bürger in Bernkastel-Kues und darüber hinaus waren den letzten Jahren schon sehr groß. Also ich würde es einfach so zusammenfassen, das ist ein ähm eine Einschränkung der Lebensqualität.
In Bernkastel-Kues treffen wir Verkäuferin Silke Herrmann. Sie ist schon genervt, bevor sie an ihrem Arbeitsplatz ankommt. Sie muss jeden Tag aus dem Hunsrück runter an die Mosel. Fährt gleich durch mehrere Baustellen. Also ich bin sehr stark betroffen. Also egal, ob der Tunnel gesperrt ist oder jetzt oben Bernkastel raus, wo sie die Hangsanierung oder was oder gemacht haben. Da sind jetzt schon wochenlang steht die Ampel, da wird nichts gemacht. Da frage ich mich, wieso sind sie fertig oder sind sie nicht fertig? Wenn sie nicht fertig sind, warum arbeitet da keiner? Ne, das ist das, was ich nicht verstehen. Ne.
Die Rede ist von der alten Bundesstraße 50, die von Bernkastel-Kues an der Mosel in den Hunsrück führt. Hier werden mehrere Stützmauern saniert und dabei kommt es zu Verzögerungen. Aber dazu später mehr.
Ortswechsel. In Emmelshausen macht sich Pendler Ulrich Bocklet auf den Weg nach Bad Kreuznach. Er fährt über die A61. Gleich bei der Auffahrt Emmelshausen schon wieder eine neue Baustelle. Hier wird die Fahrbahn erneuert. Die Fahrbahn, das verstehe ich überhaupt nicht. Die sind doch gefühlt vor vier, fünf Jahren komplett erneuert worden und aus meiner Sicht, wo ich jeden Tag diese Straße benutze, besteht da überhaupt kein Bedarf die Fahrbahn hier zu erneuern. Also wie sieht das ja hier die, also wenn diese Fahrbahn hier aufgerissen wird wieder äh, ist für mich unverständlich.
Verantwortlich für das Projekt ist die Autobahn GmbH des Bundes. Wir fragen den Projektleiter, warum muss die Autobahn hier erneuert werden? Also wir gehen ja im Vorfeld, wenn die ersten Schäden auftreten, erstmal mit kleineren Maßnahmen ran. Nur wenn die dann überhand nehmen, dann wird das Ganze unwirtschaftlich und wenn die Struktur an sich schon so weit dann zerstört ist, ja, oder absehbar zerstört ist, dann gehen wir in die Grundierung, Grunderneuerung. Das heißt, nicht nur die Asphaltschicht, sondern gleich 70 cm werden abgetragen.
Auf rund 20 km von Boppard aus Richtung Süden wird die A61 erneuert. 130 Millionen Euro kostet das. Die Bauleiter hoffen, dass sie es bis 2028 schaffen, wohl wissend, dass viele solcher Projekte nicht im Zeitplan bleiben.
So wie diese Großbaustelle etwas weiter südlich. Der sechsspurige Ausbau zwischen Rheinböllen und der Raststätte Hunsrück. Mehrere Brücken werden hier neu gebaut. Seit 2016 eigentlich sollte dieses Jahr alles fertig sein. Doch es wird mindestens noch drei weitere Jahre dauern.
Händler Ulrich Bocklet wundert das nicht mehr. Subjektive Eindruck ist, dass da relativ wenige Leute an so einer Großbaustelle arbeiten. Die jetzt auch, wir haben jetzt glaube ich die Hälfte der Baustelle hinter uns oder zwei Drittel. Haben Sie also, ich habe jetzt noch keinen Arbeiter hier gesehen. So ist es halt auch, ne. Man hat das Gefühl, ist einfach Stückwerk, ne. Da sieht man jetzt ein [Musik] Theater war Feierabend. Noch zwei.
Weder die Bürger noch die Politiker in der Region wissen, wo es hier hakt. Bestätigt uns auch die Bürgermeisterin von Rheinböllen. Hier war so eine Strecke, die so viele Menschen betrifft, weiß man einfach den Grund nicht. Ja, und ich glaube, man könnte, es wäre gut, wenn man mehr Informationen raus lässt, damit die Leute auch wissen, ah, das liegt da und daran. Ja, und das belastet die Region schon, schon sehr.
Die Autobahn GmbH verweist auf den Landesbetrieb Mobilität, kurz LBM. Der habe die Aufsicht über das Projekt. Der LBM verweist uns aber zurück an die Autobahn GmbH. Anscheinend fühlt sich niemand zuständig.
Auf erneute Nachfrage teilt uns der LBM dann doch mit, dass das Führungspersonal der beauftragten Baufirmen mehrmals gewechselt habe. Man habe auch Zitat wiederholt angemahnt, dass zu wenig gewerbliches Personal zur fristgerechten Umsetzung der Maßnahme auf der Baustelle vorhanden ist. Auch der teilweise zu geringe Kenntnisstand und daraus folgend eine zu geringe Leistungsfähigkeit des gewerblichen Personals hatten Einfluss auf die Dauer der Bauarbeiten. So seien mehrere Baumängel entstanden, die erst wieder behoben werden mussten.
Es gebe aber auch Gründe, die auf fast allen Baustellen für Probleme sorgen, erzählen die Mitarbeiter der Autobahn GmbH. Die Witterung sorge häufig dafür, dass nicht gebaut werden könne. Aber auch immer mehr Bürokratie mitten in den Baumaßnahmen kommen vor. Um den so Baumaßnahmen fünf, sechs Jahre dauern, dann kommen neue Vorschriften hier bei der Verkehrsführung, da müssen wir umdisponieren und das kann alleine auch schon zur Verzögerung führen.
Zurück an der alten B50, der Straße vom Hunsrück runter an die Mosel nach Bernkastel-Kues. Hier werde die Sanierung der Stützmauern bürokratisch ausgebremst, erfahren wir. Wegen einer neuen Verordnung für die Entsorgung alter Bausubstanz mussten hier Bodengutachten erneuert werden. Mit Verspätung läuft jetzt die Ausschreibung des nächsten Bauabschnitts.
Das alles sei eine Zumutung, findet Bürgermeister Wolfgang Pott. Da habe ich manchmal so das Gefühl, als hätten wir uns mittlerweile weit von dem entfernt, war normaler Mensch und Verstand ist. Wenn man sieht, was ich da mittlerweile auftürmt an Voraussetzungen und Auflagen, die man erfüllen muss, dass man überhaupt hier in diesem Land noch ein Bausteine auf den anderen setzen kann.
Gründe für Verzögerungen gibt es also viele. Die Witterung, Lieferketten, Probleme mit Baufirmen, aber auch immer mehr Vorschriften, die einzuhalten sind. Das alles macht Bauprojekte teuer und langwierig. Pendler wie Silke Herrmann oder Ulrich Bocklet müssen das ganze ausbaden. [Musik]