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Die deutsche Teilung: Das müsst ihr wissen

MrWissen2go Geschichte | Terra X12:39

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Am 13. August 1961 beginnt der Bau der Berliner Mauer. Eines der wohl denkwürdigsten Bauwerke der Weltgeschichte. Das ist an dem Tag, an dem dieses Video veröffentlicht wird, fast genau 60 Jahre her. Wie das gesamte Kapitel der deutschen Teilung, das schon mit Ende des Zweiten Weltkriegs beginnt und bis zum 3. Oktober 1990 andauert. Heute geht es um die wichtigsten Fakten zur Teilung Deutschlands. Wie's zur Teilung kam, wie sie endete und wie sie heute nachwirkt. Alles, was man dazu wissen muss, jetzt. Dieses Video ist Teil eines Themenschwerpunktes zum 60. Jahrestags des Mauerbaus in der ZDF-Mediathek. Mehr dazu unten in der Infobox. Schaut da rein, da gibt's viele weitere spannende Inhalte dazu.

Starten wir klassisch chronologisch. 1945 im Mai erklärt das nationalsozialistische Deutschland die bedingungslose Kapitulation, wisst ihr sicherlich. Die Zukunft ist ungewiss. Was soll jetzt mit dem Land passieren, dessen Regierung Europa, der Welt, den vielleicht grausamsten Krieg der Geschichte gebracht hat? Noch zwei Jahre zuvor schmiedeten die USA, die Sowjetunion und Großbritannien, Verbündete im Kampf gegen Hitler, Pläne, Deutschland aufzuteilen. Es sollen bis zu fünf eigenständige Staaten entstehen. Die Alliierten wollen verhindern, dass Deutschland jemals wieder stark genug ist, um Krieg zu führen. Aber im Jahr 1945, da sieht die Welt anders aus. Mit dem Sieg über Hitler endet die Verbundenheit der Alliierten. Den USA steht mit der Sowjetunion jetzt ein mächtiger Rivale gegenüber. Stalins Truppen sind bis zur Mitte Europas vorgerückt. Der Kontinent spaltet sich in einen westlich-liberalen und einen kommunistischen Block. Umso dringender braucht die amerikanische Regierung einen verbündeten deutschen Staat als Pufferzone zu Stalins neuem Imperium.

Im Juli 1945 treffen sich die Sieger des Zweiten Weltkriegs, der US-amerikanische Präsident Harry S. Truman, der sowjetische Diktator Josef Stalin und Großbritanniens Premierminister Winston S. Churchill, zu einer Konferenz in Potsdam. Hier wollen sie weitere Maßnahmen besprechen. Auch wenn sie sich in vielem nicht einig sind, sie halten daran fest, Deutschland in vier Besatzungszonen aufzuteilen. Die Siegermächte USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion sollen in ihrer jeweiligen Zone das politische Sagen haben. Und damit endet quasi die Zusammenarbeit. Denn die Sowjetunion führt in den von ihr kontrollierten Gebieten Europas und Deutschlands den Kommunismus oder Sozialismus ein mit entsprechender Wirtschaftsordnung, also Verstaatlichung. Die westlichen Alliierten unterstützen dagegen den Marshallplan der USA. Die geben den Staaten Europas, die sich zu Demokratie und Marktwirtschaft bekennen, Kredite, Liefern Waren, Rohstoffe und auch Lebensmittel. Auch die deutschen Westzonen sind Teil dieser Initiative. Außerdem wollen sie dort eine freiheitliche Demokratie einführen und den Deutschen in gewissem Umfang die Selbstregierung erlauben.

In den Westzonen wird eine Währungsreform durch- und die D-Mark eingeführt, die Deutsche Mark. In der Ostzone kommt die Ostmark. Damit ist das Land auch wirtschaftlich in zwei Teile geteilt. Mit dieser wirtschaftlichen Teilung geht eine politische Teilung, eine Teilung der Systeme, einher. Im Westen entstehen die Bundesländer mit Parlamenten und Regierungen, Parteien werden gegründet, die Mitsprache der Deutschen wächst. Es entsteht etwa eine freie Presse. Die Ministerpräsidenten der Westländer beschließen, dass ein westdeutscher Staat gegründet werden soll. Da man hofft, dass die Teilung nur für kurze Zeit besteht, will man die Verfassung nicht "Verfassung" nennen. Man nennt sie einfach "Grundgesetz". Es soll ein Provisorium sein. Am 23. Mai 1949 wird dieses Grundgesetz angenommen, die Bundesrepublik Deutschland ist gegründet. Am 7. Oktober 1949 wird auch die Deutsche Demokratische Republik gegründet, die DDR.

Westdeutschland und Ostdeutschland, zwei Brüder. Aber zwei feindliche Brüder. Denn die neuen Staaten sind von den jeweiligen Besatzern politisch fest verankert. Die Bundesrepublik im System der freien Demokratien, die DDR in der Gemeinschaft der sozialistischen und kommunistischen Staaten. An der innerdeutschen Grenze prallen diese Ideologien aneinander. Und nicht nur Ideologien, sondern auch Panzer, Raketen und Soldaten. Denn die USA unterstützen die Wiederbewaffnung der Westdeutschen. Und die Sowjetunion baut die Nationale Volksarmee auf. Die beiden Supermächte scharen Verbündete um sich. Es entstehen militärische Bündnisse und wirtschaftliche Kooperationen. Der Westen wird Mitglied in der NATO und in der europäischen Gemeinschaft, der Osten ist Teil des Warschauer Paktes und gehört dem Rat zur gegenseitigen Wirtschaftshilfe an. Die Blöcke stehen sich immer unversöhnlicher gegenüber. Der Kampf der Ideologien, die militärischen Muskelspielchen, inklusive atomarer Vernichtungsszenarien, das alles läutet ein neues Kapitel der Zeitgeschichte ein. Es ist die Zeit des sogenannten Kalten Krieges. Und Deutschland wird zum Hauptschauplatz dieses Krieges.

Ein erster heißer Moment des Kalten Krieges findet sich schon vor der Gründung der beiden deutschen Staaten, nämlich im Jahr 1948. Plötzlich kappen die Sowjets alle Schienen, Straßen und Wasserwege nach Westberlin, das wie eine Insel in der sowjetischen Zone liegt. Stalin fordert seine ehemaligen Verbündeten heraus. Er hofft, dass sie sich dem Druck beugen, im ganz Berlin überlassen. Aber es kommt anders. Zwei Tage nach dem Blockadebefehl beginnt die sogenannte Luftbrücke. Erstmals wird eine Großstadt aus der Luft versorgt. Es ist eine gigantische logistische Leistung. Alle drei Minuten landet ein Rosinenbomber. Von Bord werfen sie essenzielle Lebensmittel, Brenn- und Baustoffe ab. Immer wieder segeln an kleinen Fallschirmen auch Rosinen oder Schokoladentafeln für die Kinder herab. Deshalb der Name "Rosinenbomber". Ganze elf Monate dauert die Luftbrücke. Nach 322 Tagen lenkt Stalin ein. Sein Machtanspruch ist deutlich in die Schranken gewiesen worden. Aber Deutschlands Teilung ist besiegelt.

Das Problem werde sich von allein lösen. Tag für Tag reisen Deutsche aus der DDR in die Bundesrepublik aus. Es handelt sich um eine anhaltende Massenflucht. Zwar riegelt die DDR-Führung das Land ab und baut schon seit 1952 eine recht undurchlässige Grenze aus Zäunen und Schutzstreifen, aber insgesamt fliehen mehr als 2,5 Millionen Menschen aus der DDR. Man muss das in Relation sehen. Jeden Tag verlassen 570 Menschen das Land. Jedes Jahr eine Stadt wie Kassel oder Rostock. Komplett leer. Die Partei- und Staatsführung der DDR will die Grenze endgültig dichtmachen. Am 13. August 1961 beginnt der Bau der Berliner Mauer. Intern spricht man vom "antifaschistischen Schutzwall". Klingt gut, oder? Eine Mauer, die vor den üblen Faschisten aus dem Westen schützt. Aber fast jeder weiß, dass es sich in Wirklichkeit um eine Gefängnismauer handelt. Denn dazu taugen Mauern immer schon und auch heute sehr gut, um Leute einzusperren. Unter Diplomaten verklausuliert man das Ganze daher gern als "Sektorengrenze". Die Mauer ist nur in Berlin eine echte Mauer. Aber die Grenze, ein Stacheldrahtzaun, zerteilt ganz Deutschland. Ich empfehle euch dazu unser Video, wie genau die Mauer aufgebaut war und wie sie funktioniert hat. Das findet ihr auf dem "i".

Die Teilung ist jetzt zementiert. Auf den beiden Seiten der Mauer stehen sich ideologische Feinde gegenüber. Hoch gerüstet und bis an die Zähne bewaffnet. Beide Seiten verfügen über ein Arsenal von Tausenden Nuklearsprengköpfen. Der Warschauer Pakt plant den Abwurf von strategischen, also kleinen, räumlich begrenzten Atombomben, auf Westeuropa. Schon Ende der 1950er-Jahre gibt es bei der NATO sogar einen Plan, Atomminen entlang der innerdeutschen Grenze zu vergraben, um gegen sowjetische Truppen gerüstet zu sein. Am Ende wird dieser Plan nicht umgesetzt. Aber es ist ein Beispiel dafür, wie unwiderruflich die Teilung Deutschlands, der ganzen Welt, zu diesem Zeitpunkt schien. Und das Gleichgewicht des Schreckens, also die Androhung der völligen Zerstörung des Gegners, das war der einzige Friedensgarant im Laufe des Kalten Krieg. Auch wenn das heute paradox klingt.

Erst in den 1970er-Jahren nähern sich die beiden deutschen Staaten wieder an. In der Bundesrepublik regiert seit 1969 die Sozialliberale Koalition. Immer wieder sterben an der deutsch-deutschen Grenze Menschen bei dem Versuch, aus der DDR in den Westen zu fliehen. Kanzler Willy Brandt von der SPD will nicht mehr länger zusehen. Er sucht das Gespräch mit den kommunistischen Nachbarn. Auch wenn er's nicht schafft, dass die DDR den Schießbefehl auf Mauerflüchtlinge aufhebt, es gibt Regelungen, damit sich Angehörige besuchen können, deren Familien durch die Teilung zerrissen worden sind. Es gibt wirtschaftliche und auch politische Kontakte. Ein Tauwetter. Aber die Trennung ist Realität. Die Deutschen leben sich auseinander. Im Westen herrschen Marktwirtschaft und Konsum, im Osten Planwirtschaft und Mangel. Im Westen freie Wahl des Urlaubsortes, im Osten Reisebeschränkungen. Dafür mehr Freiheit am heimischen Badestrand als im prüden Westen. FKK, Freikörperkultur, ist in der DDR kein Aufreger, sondern ganz normal. Im Westen ist man stolz auf Boris Becker und Steffi Graf. Im Osten ist man stolz auf Kati Witt. Und ja, sogar viele aus dem Westen bewundern die Eisprinzessin. Und die aus dem Osten mögen Boris Becker und Steffi Graf. In der Vorrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 besiegt übrigens die DDR-Auswahl im deutsch-deutschen Duell die Nationalmannschaft aus dem Westen. Die wird später trotzdem Weltmeister. Die Rivalität der Staaten, der politischen und wirtschaftlichen Systeme, geht weiter. Aber die Politik findet zu einem Umgang miteinander, der beinahe normal wirken könnte.

1989 kommt es dann zu einer nächsten, finalen Zäsur. In mehreren Ostblockstaaten kommt es zu Reformen. Als Michail Gorbatschow andeutet, dass er die Haltung der DDR-Staats- und Parteiführung nicht teilt, nehmen die DDR-Bürger:innen nicht mehr hin, dass es ihnen immer schlechter geht, dass sie unfrei sind. Als die SED-Chefs verkünden, bei den Kommunalwahlen im Mai 1989 habe es 98,85 Prozent Zustimmung gegeben, platzt vielen Leuten der Kragen. Die Lüge ist so offensichtlich, dass man dagegen protestieren muss. Tausende DDR-Bürger fliehen über Ungar und Botschaften in Prag und Warschau in den Westen. Im September '89 beginnen die Montagsdemonstrationen. In den größeren Städten versammeln sich erst 1.000 Menschen, dann 20.000, dann 70.000. Sie fordern Reisefreiheit, lehnen sich auf gegen Überwachung, Verfolgung und Zersetzungsmethoden der Staatssicherheit, der Stasi. Dieses Mal greifen die sowjetischen Panzer nicht ein. Auch die ostdeutschen Soldaten werden nicht in Marsch gesetzt. So vollzieht sich eine friedliche Revolution. Jede und jeder kennt die Bilder dieser friedlichen Revolution 1989: den Fall der Mauer, eine der glücklichsten Stunden der deutschen Geschichte, vielleicht die glücklichste.

Aber die Trennung endet nicht am 9. November 1989. Und auch nicht mit der Wirtschafts- und Währungsunion am 1. Juli 1990. Nachdem die ehemaligen Siegermächte am 12. September 1990 im Zwei-plus-Vier-Vertrag, zwei deutsche Staaten und vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs, zustimmen, wird Deutschland ein geeinter, freier und selbstbestimmter Staat. Mit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 ist auch das Ende des Kalten Krieges eingeläutet. Der Ostblock bröckelt. Die Sowjetunion zerfällt in den kommenden Monaten. Aber die deutsche Wiedervereinigung ist in Mammutprojekt, das nicht auf allen Ebenen gelingt. Denn es ist keine Einigung auf Augenhöhe. Viele Menschen in den neuen Bundesländern fühlen sich bevormundet, ihrer Identität beraubt. Manche sogar kriminalisiert, zu Unrecht. Der Kapitalismus hält Einzug in den neuen Bundesländern und mit ihr die Männer in Trenchcoat mit Koffern voller Bargeld. Betriebe werden verscherbelt und stillgelegt. Viele verlieren ihre Jobs und damit ein Stück ihrer Identität. Zu dieser verkorksten Wiedervereinigung gibt es ein eigenes Video, findet ihr auf dem "i".

Plötzlich schien alles schlecht, was im Osten war. Einzig der Trabi, das Sand- und das Ampelmännchen waren harmlos genug und wurden Kult nach der Wende im vereinten Deutschland. Klar, die DDR war ein Unrechtsstaat und eine Diktatur, aber sie war auch ein Zuhause für Millionen von Deutschen, in dem sie aufgewachsen sind und mit dem sie auch gute Erinnerungen verbinden. Vielleicht auch eure Verwandtschaft. Was denkt ihr denn darüber, wie die deutsch-deutsche Geschichte heute erzählt wird in der Schule, in dem Medien? Von wem sie erzählt wird? Wird alles viel zu schlecht gemacht oder zu sehr beschönigt? Oder habt ihr damit gar nichts mehr am Hut? Schreibt's gerne in die Kommentare. Hier findet ihr noch ein Video von uns dazu, wie Jugendliche im geteilten Deutschland gelebt haben. Und darunter eins von "Terra X" zum Mauerbau. Alles sehr spannend, zieht's euch rein. Da lernt ihr was dazu. Danke fürs Zuschauen. Bis nächstes Mal.