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Popper in 60 Minuten

Dr. Walther Ziegler1:09:50

Transcription

Meine Damen und Herren, ich darf Sie ganz herzlich begrüßen zu unserem Abend über Karl Popper. Popper ist zweifellos einer der ganz großen Philosophen der Moderne. Er hat sowohl unsere Wissenschaftstheorie als auch unser politisch-gesellschaftliches Selbstverständnis entscheidend mitgeprägt.

Der gebürtige Österreicher, in Wien geboren, hat die meiste Zeit seines Lebens in Großbritannien verbracht und auch die britische Staatsbürgerschaft angenommen. Er wurde 1965 für seine wissenschaftlichen Leistungen sogar von der Queen zum Ritter geschlagen als Sir Karl Popper. Mit dem hohen Alter von 92 Jahren starb, hat man einen Jahrhundertphilosophen betrauert. So ist es damals in allen Zeitungen.

Und tatsächlich ist sein Kerngedanke, der ihn weltberühmt gemacht hat, von großer Brisanz. Er hat diesen Kerngedanken im zarten Alter von 17 Jahren in Wien, in seiner Heimatstadt, gefasst. Er gehört damit zu jenen Philosophen, die eine Art Epiphanie, eine Offenbarung, eine Art Augenblick höchster Erkenntnis zu verzeichnen hatten. Danach sagen eine Erleuchtung. Und diese Erleuchtung war, pikanticherweise, bei Popper ausgerechnet eine Finsternis, nämlich die Sonnenfinsternis von 1919.

"Es war ein großes Erlebnis, das auf meine geistige Entwicklung einen entscheidenden Einfluss hatte", schreibt Popper. Und diese Sonnenfinsternis und die Photographien davon von der Lick Observatorium bedeuteten tatsächlich einen Wendepunkt in Poppers Leben. Er war bis zu diesem Zeitpunkt nämlich als Jugendlicher ein glühender Anhänger von Newtons Gravitationstheorie und Mechanik und insbesondere von der Gravitationstheorie. Er selbst schreibt ganz euphorisch: "Das war wirkliches Wissen, Wissen, das selbst die tiefsten Träume der kühnsten Geister noch übertraf. Hier war eine Theorie, die nicht nur die Bewegungen aller Sterne erklärte, sondern ebenso genau auch die Bewegung von Körpern auf der Erde, wie fallenden Äpfeln, Geschosse, also die ballistische von der Gravitation angezogen oder Pendel ruhen. Und sie erklärte sogar die Gezeiten."

Und bei der Sonnenfinsternis vom 29. Mai 1919 macht nun die Menschheit zwei Beobachtungen, die dieses ganze Weltbild zum Einsturz bringen, die Newton in Frage stellen und erstmals Albert Einstein auf den Thron der Wissenschaften heben.

Interessieren Sie die zwei Beobachtungen am Himmel, die diese ja dann sind? Sie sind selbst schuld. Dann machen wir einen kleinen Ausflug in die Physik. Die Newtonsche Himmelsmechanik im Grunde ganz einfach. Bei Newton bildet der Raum eine Art Behältnis, durch das die Planeten sich durch bewegen, sowie unser Hörsaal ein Behältnis ist, in dem jetzt wir alle uns aufhalten und in dem ich hin und her gehe. Und dieses neutrale Behältnis, benennt Newton. Da saßen die Planeten im Prinzip in kerzengerader Form durch. Aber wegen seiner Gravitation und der Entdeckung seines Gravitationsgesetzes, große Masse Kerne ziehen kleine Masse Kerne an, wird beispielsweise die Erde in eine Umlaufbahn um die Sonne gezwungen. Und sozusagen die Zeit spielt aber ähnlich keinerlei Rolle. Ähnlich wie auch der Raum bei Newton keine Rolle spielt. Die Zeit vergeht ja, wir kreisen die Sonne, die Zeit vergeht.

Bei Einstein hingegen passiert was ganz anderes. Einstein sagt nun, dass Raum und Zeit in einem direkten Verhältnis stehen, in einer Relation. Und Raum und Zeit bilden ein vierdimensional darstellbares Raumzeit-Gebilde. Und dieses Raumzeit-Gebilde, so Einstein, das krümmt die Bahnen der Planeten. Dieses Raumzeit-Gebilde, das zueinander in Relation stehen haben, und krümmt sogar das Licht.

Und jetzt kommen wir zur Sonnenfinsternis. Einstein hat behauptet, wenn meine Relativitätstheorie wahr ist und stimmt, dann können wir bei der Sonnenfinsternis von 1919, am 29. Mai, hat er prognostiziert, zwei Sterne sehen, die eigentlich weit hinter der Sonne liegen, die wir gar nicht sehen könnten. Aber er sagt, dass wir sie sehen würden, weil das Raumzeit-Gebilde, das vierdimensionale Raumzeit-Gebilde, das Licht um die Sonne herum krümmen wird.

Und jetzt kommt der Wahnsinn für mich immer noch unbegreiflich. Einstein hat nicht nur gesagt, dass wir bei der Sonnenfinsternis – übrigens, die Sonnenfinsternis, Sie wissen, was es bedeutet, da schiebt sich der Mond vor die Sonne und dadurch wird es dunkel. Man sieht nur noch diesen exakt den Rand der Sonne. Den Rand sieht man noch. Und vorne dran ist der Mond und dunkelt alles ab. Und Einstein hat jetzt gesagt, rechts daneben, und das würden wir sogar fotografieren können, tauchen diese zwei Sterne auf. Und jetzt kommt der Wahnsinn. Er hat sogar berechnet, wo die genau auftauchen werden.

Und ich habe Ihnen hier eine original, eine originale Notiz von Einstein mitgebracht. Er schreibt: "Am Sonnenrande müsste diese Ablenkung 0,480 Bogensekunden betragen." Er hat diese Zahl dann noch korrigiert und spezifiziert auf 1,75 Bogensekunden und nachgerechnet und hat sie hier darum gebeten, dass man das doch mal fotografieren soll. Und wenn es nicht stimmt mit 1,75 Sekunden, dann würde er seine ganze Relativitätstheorie fallen lassen.

1919, nach dem Ersten Weltkrieg, die deutsche Wissenschaft lag am Boden, hatte keinerlei Geld. Aber die Engländer, muss man zugute halten, haben zwei Expeditionen ausgesandt, um zu überprüfen, was dieser deutsche Physiker da fantasiert. Und eine Expedition ging nach Brasilien und die andere auf die Insel Principe im Golf von Guinea. Und da wurde mit gigantischen Fotoapparaten – diese Art würden diese Aufnahmen dann gemacht, während der Mond – nicht der Grund für diese Expedition war, aus diesen Regionen konnte man die Mondfinsternis zentral fotografieren. Verstehen Sie, der Himmel war am saubersten, die Sonne abgedunkelt.

Und jetzt kommt die Sensation. Tatsächlich konnte man rechts neben der Sonne diese zwei Sterne fotografieren und zwar genau dort, wo Einstein es präzise vorhergesagt hatte. Und das war natürlich eine Sensation. Und die hier sehen Sie, quasi wurde Einstein zum Gott der Wissenschaft. Da fährt ein Triumphzug, die Menge jubelt ihm zu. Und die Times schreibt: "Revolution in Science. New Theory of the Universe." Wissenschaftliche Revolution, eine neue Theorie des Universums. Newtons Vorstellungen gestürzt.

Und auch Popper war natürlich erschüttert, als Newton fiel. Ja, und er schreibt: "Was sicher ist, ist, dass Einstein uns gezeigt hat, dass Newton korrigiert werden musste." Und die Newtonsche Theorie war in dieser Zeit die am allerbesten geprüfte, die am besten erprobte Theorie, die gegeben hat. Und wenn das so ist und ein Genie Newton sich sozusagen geirrt hat, beziehungsweise dieses Wissen, was ja seit 1687 galt, ja 200 Jahre lang, und auf einmal musste das Wissen korrigiert werden. Und wenn das so ist, dachte ich, ich, Popper, dann gibt es vielleicht überhaupt kein sicheres Wissen in der Wissenschaft.

Und da entwickelte er in diesem Augenblick seinen brillanten Kerngedanken: Das wissenschaftliche Wissen ist kein Wissen, es ist nur Vermutungswissen. Wir haben es auch in der sichersten und besten Wissenschaft durchwegs mit Vermutungswissen zu tun, nicht mit Wissen, sondern mit Vermutungswissen. Und dies liegt nicht daran, dass Newton etwas schlampig gearbeitet hat oder dass seine Methode nicht gut war. Nein, es liegt daran, dass die Wahrheitsfindung in der Wissenschaft selbst kein sicheres Wissen erbringen kann.

Und er sagt: "Die klassische Auffassung ist generell falsch. Es gibt gar keine Naturgesetze." Und Sie wissen vielleicht, wahrscheinlich haben Sie auch noch in der Schule sogar gelernt, dass es Naturgesetze gibt. Gehört da ist die Religion, da bietet man. Es gibt vielleicht, aber die Naturgesetze? Ja, die gibt, die sind bewiesen, ja? Und nein, es gibt keine Naturgesetze, weil die physikalische Welt kennt keine Gesetze. Es ist der Mensch, der sich was ausdenkt, Fantasien, Spekulation und die legte über die physikalische Welt drüber. Aber die Natur kennt keine Gesetze. Ja.

Und die damalige Wissenschaft hat geglaubt, es wäre ein sicheres Wissen, weil einfach entsprechend viele Beobachtungen von fallenden Körpern, von Pendeln etc. Newtons Gravitationstheorie immer wieder mal bestätigt. Aber das sagt eben nicht, sagt der Popper. Und das war eben seine große Theorie, die er in seinem ersten Hauptwerk, "Die Logik der Forschung", von 1932 formuliert hat. Mit der erstmals – Barrymore, mit der "Logik der Forschung", da sagte er: "Alles wissenschaftliche Wissen sind nur Hypothesen, letztendlich. Und die werden, sobald sie falsifiziert sind, von besseren Hypothesen abgelöst, bei abgelöst. Da muss man das Wissen erneuern."

Und die bisherige Auffassung der Wissenschaft ist war damals eine ziemliche Provokation. Sie ist falsch. Das induktive Prinzip, die Induktion gibt es gar nicht. Wenn noch so viele – so hat man früher gemeint, die Gesetze beweisen zu können, indem man Erfahrungen gesammelt hat und gesagt: "Ja, das stimmt für das, das, das." Und er sagt: "Noch so viele weiße Schwäne." Das ist übrigens das berühmte Schwanenbeispiel in der "Logik der Forschung". Er sagt: "Noch so viele weiße Schwäne können nicht letztendlich belegen, dass der Satz richtig ist: Alle Schwäne sind weiß."

Hier ist noch das wörtliche Zitat: "Bekanntlich berechtigen uns noch so viele weiße Schwäne nicht zu dem Satz, dass alle Schwäne weiß sind." Da spielt er darauf an, dass seit dem Mittelalter oder seit der Antike, kann man sagen, die Menschen geglaubt haben, die Schwäne sind weiß, wenn man hat überall nur weiße Schwäne gesehen. Ja, jetzt hatten wir 1000 die Beobachtung von weißen Schwänen in ganz Europa. Über, dann hat man gesagt: "Alle Schwäne sind weiß." Und darum galt der Satz wissenschaftlich als anerkannt, bis zu jenem Zeitpunkt, als Forscher bei der Entdeckung Australiens erstmals dieses bezaubernde Wesen fanden, ja, den sogenannten Trauerschwan mit schwarzem Federkleid. Ab dann war der Satz "Alle Schwäne sind weiß" falsch.

Oder wie Popper sagt: Falsifikation. Falsifikation ist der Schlüsselbegriff in diesem Buch. Falsifikation. Also jede Theorie geht nur so lange, bis sie falsifiziert ist. Und dann muss sie eben wieder ersetzt werden. Das gilt sogar für Einsteins Relativitätstheorie. Auch das ist wieder nur eine Hypothese, die so lange gilt, bis sie falsifiziert werden kann, oder wie ein besseres Wissen haben und wir diese Theorie austauschen können.

Und jetzt stellt sich natürlich die Frage: Ja, gibt's denn dann überhaupt eine Wahrheit? Eine wissenschaftliche Wahrheit? Gibt es eine wissenschaftliche Wahrheit? Und die Antwort von Karl Popper ist ernüchternd. Er sagt: "Sichere Wahrheit erkannte kein Mensch und wird keiner erkennen. Es ist alles durchlebt von Vermutung." An anderer Stelle sagt er dann auch, was auch recht Schönes: "Die Wissenschaft ist etwas Wunderbares. Trotzdem wissen wir nichts."

Der wissenschaftliche Fortschritt besteht darin, Irrtümer zu finden und durch etwas Besseres zu ersetzen, durch eine bessere Hypothese. Es gibt also gar keine zeitlose Wahrheit, wie immer lang lange Zeit von den Philosophen und anderen angenommen wurde. Es gibt keine zeitlose Wahrheit. Und allerdings, jetzt kommt eine kleine Wende. Im Prozessdenken, interessanterweise, sagt er, gibt es eine Annäherung an die Wahrheit. Die gibt es schon. Also wir können uns durch immer bessere Hypothesen der Wahrheit annähern. Er sagt, wir wissen zum Beispiel, dass die Ptolemäische Interpretation des Sonnensystems mit der Erde als Zentrum weniger gut, weniger nahe an der Wahrheit ist als die heliozentrische Theorie des – Steigrohr, Kopernikus und Kepler. Sie wissen, Ptolemäus, ein antiker Astronom hat um Philosoph hat eben gesagt, der Ptolemäus, dass die Erde der Mittelpunkt ist und da oben das ganze Universum, die Sterne bewegen sich, sind in Bewegung. Allerdings sind wir, also um die Erde herum, ja, die ja, die selbst steht. Und das heliozentrische Weltbild kennen wir alle. Helios, griechisch, die Sonne. Die Erde kreist um die Sonne. Sie ist nicht immer der absolute Ausgangspunkt und alles bewegt sich um die Person. Die Erde kreist beispielsweise um die Sonne. Ja.

Gut. Und weil das so ist, dass wir uns mit immer neuen Hypothesen der Wahrheit annähern wollen und annähern müssen in der Wissenschaft, brauchen wir – und hier vollendet Popper seinen Kerngedanken – die sogenannte offene Gesellschaft. Er sagt: "Wenn wir Menschen bleiben wollen, dann gibt es nur einen Weg, den Weg in die offene Gesellschaft." Was meint damit offene Gesellschaft? Das ist eben eine Gesellschaft, die Kritik zulässt, die neue Hypothesen zulässt, die alles Neue begrüßt und prüft, die Falsifikationen zulässt. Das ist offene Gesellschaft.

Ein Beispiel für eine geschlossene Gesellschaft wäre in diesem Fall, wäre in diesem Fall der Kirchenstaat unter Papst Urban dem Achten. Galileo beispielsweise musste vor ein Kirchengericht, weil er behauptet hat, eben auch die Erde kreist um die Sonne. Also hatte ich schon das heliozentrische Weltbild. Und er musste widerrufen, weil der Kirchenstaat hätte ihn sonst tatsächlich als Ketzer zum Tode verurteilt. Das war nicht ohne. Ja, und er hat dann auch widerrufen, fällt zwischen dem einfach zu heiß jetzt da auf seine Theorie zu behalten. Und die Begründung war, ist auch noch interessant, nicht, dass seine Theorie falsch wäre, aber die Begründung war von Seiten des Kirchenstaates, dass nur Gott allein die Bahnen der Planeten in seiner Allmacht bestimmt und auch jederzeit ändern kann. Und es wäre eine Anmaßung und Ketzerei, wenn ein Mensch jetzt sagt, wie Gott diese Bahnen plant, will oder geplant hat oder künftig planen wird. Und deshalb musste Galileo wiederum – das wäre eine geschlossene Gesellschaft, die keine neuen Hypothesen zulässt.

Und Popper hat natürlich diesen – das sehr kritisiert und gesagt: "Die offene Gesellschaft ist aber nicht nur für die Wissenschaft notwendig." Jetzt kommt ein zweiter wichtiger Punkt in seinem Denken, "sondern auch für die Gesellschaft und die Politik. Man muss auch die Politiker, Regierungen, die gesamte Politik in allen Gesellschaften der Menschheit sie zieren können. Ähnlich wie man wissenschaftliche Theorien durch Falsifikation als falsch überführt und durch bessere ersetzt, müssen wir auch in der Lage sein, Politik zu falsifizieren, Regierungspolitik, Regierung." Aber wie soll man Regierungen falsifizieren?

Und jetzt sind wir beim zweiten Hauptwerk, das heißt nun tatsächlich auch "Die offene Gesellschaft" und zwar hier über 1000 Zeiten. "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde", Band eins ist in zwei Bänden. "Der Zauber Platons". Eigentlich müsste es heißen: "Der falsche Zauber Platons", denn Popper kritisiert Platon ganz ganz massiv. Ja, sagt er, war ein Zauberer, nicht wie Hitler, aber wir halt doch einige begabte und für mich moralisch unakzeptable Menschen. Also für ihn ist Platon moralisch inakzeptabel. Und Sie werden gleich sehen, er wirft Platon vor, dass er der erste Totalitäre ist, wahr, dass er mit seinem Idealstaat eine Diktatur einführen wollte. Und dass er vor allen Dingen der erste war, der Konzentrations- und Umerziehungslager gefordert hat. Das ist jetzt erstmal heftig. Wir werden uns gleich näher damit befassen. Ja. Und es kommt daher – also falscher Zauber, noch vorweg, weil er sagt, der Platon hat alle verzaubert mit seiner Idee des Guten, Wahren, Schönen und seiner Ideenlehre. Ja, aber letztlich hat er in Wirklichkeit die Diktatur für die Menschen gefordert. Gut.

Und in seinem zweiten Band, den ich ja auch dabei hab, ja, heißt "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde", "Die falschen Propheten: Hegel, Marx und die Folgen". Ja, also falsche Propheten, weil er sagt, was Platon in der Antike begonnen hat, hat Hegel, Marx später fortgesetzt. Auch sie waren falsche Propheten, insbesondere dem Marx beispielsweise mit seinem Kommunismus und dem Endziel der Geschichte, einer klassenlosen Gesellschaft, prophetisch ein Endzustand vorhergesagt und dadurch die offene Gesellschaft unterdrückt. Weil, wenn man natürlich das Ziel der Geschichte kennt, dann kann man keine Alternativvorschläge machen. Und das lässt sich auch nicht mehr falsifizieren. Bestehen Sie.

Und wir befassen uns nun mit allen drei. Ich werde Ihnen jetzt die Quintessenz beziehungsweise die Kerngedanken sowohl aus "Die Logik der Forschung" erklären, als auch aus seinem Hauptwerk "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde". Und schon geht es los mit "Die Logik der Forschung". Das Buch war damals eine ungeheure Provokation, weil er eben gesagt hat: "Alles in der Wissenschaft ist nur Hypothesen." Und damals glaubte man wirklich, es gibt Naturgesetze. Verstehen Sie, da glaubte man tatsächlich, wir haben das endgültige, finale Wissen erreicht. Und auch eben und gerade mit Newton. Als Newton hat mit seiner Gravitationstheorie natürlich irrsinnig viel erklärt und mit seiner Mechanik. Und Sie müssen bedenken, diese sein Buch, sein Hauptwerk von Newton, "Philosophiae Naturalis Principia Mathematica" von 1687, war über 200 Jahre unangefochten und wurde als Wahrheit betrachtet. Und die Leute dachten, jetzt haben wir endlich die Wahrheit über die Natur erkannt. Ja, jetzt sind wir am Endziel angekommen, wir haben die Natur endlich durchschaut und das finale Naturgesetz gefunden.

Und Sie müssen auch bedenken, er hat ja auch die Mechanik geschrieben. Der Newton im Gefolge von Newtons Mechanik sind ist ja auch dann die industrielle Revolution gekommen. Und bald haben Dampfmaschinen, dampfgetriebene Webstühle und Spinnmaschinen so viel produziert, dass erstmals die ganze Bevölkerung mit ordentlicher Kleidung versorgen konnte. Und man konnte auf einmal Reisen, aus Eisenerz heraus schmelzen. Und das war eine enorme Aufbruchszeit. Und jeder hat gesehen, auf einmal haben die Schiffe und die Eisenbahn entlegenste Watte der Welt miteinander verbunden. Und da waren ja enorme Euphorie. Man dachte, jetzt, wo wir die Natur kennen und das Naturgesetz durchschaut haben, wird die ganze Welt einen irren Fortschritt erleben. Vielleicht noch einen – dies für diese, diese Fortschrittsgläubigkeit – Wilkinson der Aktie, denn das heute noch von diesen Rasiermesser hin, also die Männer macht diese Klingenlänge der damals. Da waren die Vorgänger schon am Werk. Und der hat sich bei seinem Tod in einem stählernen Sarg unter fünf Meter groß unter dem hohen Stein Obelisken beerdigen lassen, weil das eben die Zeit war, wo wir alles möglich machen. Und diese Euphorie hat angehalten bis zur Sonnenfinsternis 1919. Und dann waren Juden auf einmal wusste man, es war doch nicht die finale Wahrheit der Natur. Ja.

Und da sagt ihm der Newton – es ist nicht nur so, da sagt der Popper: "Es ist nicht nur so, dass Newton sich geirrt hat, sondern die ganze Theorie ist falsch, dass es Naturgesetze gibt. Es gibt keine Naturgesetze." Und hier sagt der Popper: "Meine Wissenschaftstheorie" – und da haben Sie schon mal gleich aus diesem Buch sozusagen fast schon mit drin – "sich sagt: Meine Wissenschaftstheorie ist also ungeheuer einfach. Es sind wir, die die wissenschaftlichen Theorien schaffen. Es sind wir, die die wissenschaftlichen Theorien kritisieren. Wir erfinden die Theorien und wir bringen unsere Theorien um. Aber es sind wir, es ist nicht die Natur." Ja.

Und er hat nun die damals gängige Methode der Induktion kritisiert. Popper war der Aktivist, aber die damals vorwiegende Methode und einzige war die Methode der Induktion. Induktion kommt vom lateinischen und heißt: unsere einführen, hineinführen. Und besagte letztendlich, dass wir sehr viel Informationen hineinführen oder zusammenführen in einen beobachtbaren Forschungsraum, dann beobachten wir alles, das, was wir zusammengeführt haben, suchen gemeinsamen Nenner und entwickeln daraus ein Gesetz. Das ist Induktion. Und Popper kritisiert dieses induktive Verfahren und sagt: "Ja, das ist", sagte er, "rettig. Ich zitiere: 'Die Kübeltheorie des menschlichen Geistes', dass der Mensch quasi, der menschliche Geist, Lösung Kübel ist." Ich habe das Zitat dabei. Da sagt er: "Unser Kopf ist ein Kübel, er hat Löcher. Bei den Löchern fließt die Information von der Welt hinein." Also stellen Sie sich einmal vor, mit einem Deckel drauf und oben sind sagen wir mal ein paar Löcher. In dieser Analogie von Popper, mit der die Induktion kritisiert ist, quasi unser Kopf der Kübel. Und durch die Augenhöhlen, durch die Löcher, durch die Nasenlöcher fließen in uns Gerüche rein, Geräusche und Bilder. Und nachdem wir dann genügend, wenn dann der Wissenschaftler, der ja auch ein Kübelkopf hat, wenn der genügend Bilder, Geräusche, wir ihn gesammelt hat, dann guckt er, schaut sich durch ganzen gesammelten Fakten, Tatsachen, Erfahrungen an und dann sucht er unter dem ganzen gesammelten Zeug nach einem gemeinsamen Nenner und macht Gesetze, logische Sätze oder Gesetze, die für alle diese Sachen im Kübel zutreffen. Und wenn er dann so Ansatz hat zum theoretischen Satz, der für all diese Dinge zutrifft, dann sagt er: "Das ist die Wahrheit", weil er beruft sich auf das, was im Eimer ist. Ja, denn die Sätze, also diese wissenschaftlichen Sätze sollen ja aufgrund von Erfahrung gelten. Ja. Und mit der Auswertung möglichst vieler Daten und Erfahrungen steigt sogar der wissenschaftliche Wahrheitsgrad. Umso mehr wir im Kübel packen, um die Ware ist am Ende die Aussage, umso mehr Fakten wir haben, um was zu beweisen, umso mehr können wir sagen, was ist es so. Und dem widerspricht Popper.

Popper stellt die Frage: Ist es überhaupt möglich? Können wir überhaupt einen allgemeinen wissenschaftlichen Satz formulieren, wenn wir nur die Sachen im Kübel betrachten? Ich zitiere mal: "Lässt sich die Behauptung, eine allgemeine Theorie sei wahr, mit empirischen Gründen rechtfertigen? Meine Antwort ist: Nein. Noch so viele wahre Prüfaussagen könnten die Behauptung nicht rechtfertigen, eine erklärende allgemeine Theorie sei wahr." Und hier kommen wieder die Schwäne ins Spiel. Ja. Also noch so viele Schwäne, diese empirisch gibt. Angenommen, uns gelingt eine halbe Million Schwäne empirisch zu beobachten, zu fotografieren und auszuwerten, würde nicht berechtigen, eine allgemeine Theorie aufzustellen: "Alle Schwäne sind weiß."

Denn wenn das sagt, ja, was interessant ist, wenn man wirklich ein korrektes induktives Prinzip realisieren wollte, dann, so Popper, müsste man erstens alle Schwäne der Welt sozusagen in den Kübel tun. Zweitens müsste man alle Schwäne, die jemals gelebt haben, auch noch in den Kübel tun. Und drittens müsste man alle Schwäne, die in Zukunft leben werden, in den Kübel tun. Dann kämen vielleicht mal ein allgemeines Gesetz heraus, was ein bisschen statt. Aber es ist unmöglich, das geht gar nicht. Und deswegen kommt er zu dem Ergebnis: Die Theorie der Induktion ist grundfalsch. Die Wissenschaft ist nicht die Verdauung der Sinnesdaten, die in uns durch unsere Augen und Ohren einfließen und die wir irgendwie zusammenbrauen und dann zu Theorien machen. Es ist genau umgekehrt. Wir gehen mit den Theorien in die Welt. Wir fragen die Welt, ob diese oder jene Theorie richtig oder falsch ist. Also sind wir, sind erst uns was ausdenken und dann in der Realität guten, da stimmt das denn, ja. Also wir nicht erst alles in den Eimer rein, erst mal denken wir uns was aus und das sind wir, ja. Und deswegen sagt er, das ist kein passiver Vorgang, dass alles in seiner Heimat fließt. Er sagt, es gibt nur Aktivität, aktives Suchen nach Gesetzen und Theoriebildung. Und es gibt die Auslese von Theorien.

Das ist in Kürze meine Erkenntnistheorie, die hier auf diesen über 500 Seiten formuliert. Und als dieses Buch erschienen ist, gab es interessante Reaktionen. Die meisten Wissenschaftler sagten: "Unsinn, weil wir müssen Dinge in den Eimer und auswerten, wir müssen das ja zahlenmäßig belegen." Einstein wiederum war begeistert. Einstein, Popper kannten sich. Einstein hat Popper zugestimmt und hat sogar gesagt, als er die Relativitätstheorie sich ausgedacht hat, über Jahre, hat er jeden zweiten Tag eine neue Hypothese aufgestellt und wieder verworfen. Ja, ständig, manchmal sogar mehrere an einem Tag. Und Einstein sagt dann auch, Zitat von Einstein: "Nur kühne Spekulation kann uns weiterbringen, nicht die Ansammlung von Tatsachen." Das ist der Optimismus, die Option, wie sie Popper als eigentlich wichtiges wissenschaftliches Verfahren uns nahelegt.

Ja, die Detektion kommt vom lateinischen "de", "duzere", reduzieren, ableiten. Also "duzere", führen, leitende dutzend ableiten. Weil wir erst eine Spekulation machen, eine Theorie ist keine Fantasie, sein ja. Und fantasievoll spielt und ein Gesetz ausdenken und von dem Gesetz leiten wir ab, wie sich die Wirklichkeit zu verhalten hat. Und dann schauen wir in der Wirklichkeit nach, ob wir uns geirrt haben oder nicht. Um dieses Verfahren von Try and Error, von Versuch und Irrtum, muss das eigentliche Verfahren der Wissenschaft sein, aber immer als die Option, nicht als Induktion.

Und Popper geht so weit, dass wir sogar unsere Kinder falsch unterrichten. Er sagt: "Seine detektive Methode müsste längst an den Schulen eingeführt werden, weil wir unsere Kinder auch immer noch mit dieser trivialen induktiven Methode unterrichten." Er sagt: "Der Kübel bekommt noch einen extra Trichter aufgesetzt und gießt man das Wissen hinein. Man überhäuft die Kinder mit Antworten, ohne dass sie Fragen gestellt haben." Und es wäre viel wichtiger, dass man die Kinder mal spekulieren lässt, sagt: "Was könnte denn die Gesetzmäßigkeit sein? Was könnte denn die Dinge regeln?" Und die Kinder selbst meine Theorie aufstellen lässt und dann in der Wirklichkeit schauen lässt, ob das stimmt, was sie sich da ausgedacht haben oder nicht. Und dann sagt er, das wäre für die Kinder natürlich auch frustrierend, weil sein Wille ist da nicht so ist, wie sie sich überlegt hätten. Aber sie würden eines lernen: Sie hören Denken lernen. Und da kommt an. Und deswegen seine Grundthese noch mal: Es ist absolut wichtig, dass wir sowohl für die Kindererziehung, aber auch für uns persönlich und für die Wissenschaft immer offen sind für Falsifikationen. Ja, dass wir offen sind dafür, neue Ideen zu fassen und die auszuprobieren, mit Versuch und Irrtum und dann zu schauen, ob sie besser sind als die bisherigen. Und deswegen brauchen wir die offene Gesellschaft, denn unser ganzer wissenschaftlicher Fortschritt besteht im ständigen Aufstellen und Fallenlassen von neuen Hypothesen.

Und damit sind wir jetzt bei seinem zweiten Hauptwerk: "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde". Er hat die offene Gesellschaft definiert, einerseits als ein historisch vorhandenes Ereignis. Werden in Athen gab es schon Demokratie. Sparta war für ihn übrigens eine geschlossene Gesellschaft und Sparta statt, wo das Individuum keine Rolle gespielt hat, die dürfen nicht fehlen, der König hat entschieden, es waren Kollektiv, jeder stirbt für jeden. Also Sparta war seine Blues-Stammesgesellschaft. Für Popper, während Athen mit den – war freien Wahlen war eben, wo die Bürger wählen durften, war für ihn schon eine offene Gesellschaft. Aber zugleich ist die offene Gesellschaft auch – also ein historisches Phänomen, aber auch ein Ideal.

Ja, selbst gibt eine Definition, die ich Ihnen mitgebracht habe: "Mit dem Ausdruck offene Gesellschaft bezeichne ich nicht so sehr eine Staatsform oder Regierungsform, sondern eine Art des menschlichen Zusammenlebens, in dem Freiheit, individuelle Gewaltlosigkeit, Schutz der Minderheiten, Schutz der Schwachen wichtige Werte sind." Und er sagt nun, in den westlichen Gesellschaften ist das weitgehend realisiert. Also in unseren modernen Demokratien, wir haben offene Gesellschaften. Für uns ist das fast schon selbstverständlich, dass wir eine offene Gesellschaft haben. Aber die meiste Zeit in der Geschichte, gerade in der Frühphase, gab es geschlossene Gesellschaften. Ja, da wurde man hineingeboren in eine Stammesgesellschaft, besetzt, das Synonym geschlossene und Stammesgesellschaften. Man wurde hineingeboren und musste tun, was der Häuptling oder der Schamane sagt. Und man musste sich an die Tabus, an die Traditionen und vor allen Dingen sogar an die Rituale des halten. Da gab es kein Wenn und Aber. Das Kollektiv stand vor dem Individuum. Und man musste alles fürs Kollektiv tun. Um wurde hineingeboren als Säugling, Schamane, als Krieger, als Bauer, als Glaube. Das waren geschlossene Gesellschaften.

Und er bezeichnet es dann eher, er sagt: "Ein charakteristischer Zug der geschlossenen oder Stammesgesellschaft ist dieser: Sie lebt in einem Zauberkreis unveränderlicher Tabus, Gesetze und Sitten." Und der Übergang, also auch im Mittelalter, sagt er, da haben wir noch geschlossene Gesellschaften. Da gibt es den Klerus, da gibt es Könige, die von Gottes Gnaden sozusagen regieren. Und es sind auch geschlossene Gesellschaften, wo wenig Mobilität drin ist und vor allem, wo das Individuum noch keine Verantwortung hat, außer der König oder der Herrscher.

Und interessanterweise sagt er dann auch: "Der Übergang findet statt, sobald soziale Institutionen bewusst als Menschenwerk erkannt werden und sobald man ihre bewusste Änderung diskutiert." Also in der Stammesgesellschaft sind soziale Institutionen kein Menschenwerk. Also zum Beispiel die Institution der Regierung, das war bei den Inkas der Gottkönig, der als Nachfahre des Sonnengottes verehrt werden musste, wie der Sonnengott selbst. Herr, leider Nachfahre des Sonnengottes war. Oder in Europa, da hat der König regiert, weil er der Sohn des vorangegangenen Königs war. Und da gab es das Gottesgnadentum, Iran von Gottes Gnaden direkt seine institutionelle Macht empfangen hatte, blaues Blut. Das waren sogenannte Herrschaftsmythen. Da haben Mythen in seinem Zauberkreis die sozialen Institutionen bestimmt. Heute ging das nicht mehr. Wir sagen, wenn jetzt einer kommt und sagt: "Ich bin der geborene Herrscher, weil ich von dir und der Gottheit abstamme", ist würden immer funktionieren. Ja, heute. Und es ist dieser Übergang gegeben. Heute betrachten wir die Regierung als Menschenwerk und überlegen, wie können wir die bestmögliche Regierung zustande bringen, durch Wahlen beispielsweise oder andere Verfahren, weil es Menschenwerk ist. Gut.

Und wir hier schätzen, dass nicht mehr. Dass Popper sagt, ist die größte Revolution der Menschheit gewesen. Wir schätzen, dass zu wenig, wenn eigentlich ist das ein Wahnsinnserfolg. "Die offenen Gesellschaften", Zitat, "in denen wir leben, sind die besten und freiesten und die gerechtesten und selbstkritischsten und die reformfreudigsten, die es jemals gegeben hat." Allerdings, so Popper, und die Reformfreudigkeit ist eben sehr wichtig, beim Hypothesen ständig durch neue Hypothesen ersetzt werden müssen, auch in der Politik.

Und er sagt auch, wenn wir jetzt in zahlreichen offenen Gesellschaften leben, besteht immer die Gefahr zurückzufallen. Die Stammesgesellschaft und auch der Nationalsozialismus war für ihn ein solcher Rückfall. Und weil der Nationalsozialismus ist Stammesgesellschaft, der Stamm der Germanen und die Volksgemeinschaft und der Führer der Volksgemeinschaft, der den Willen des Volkes vergab, das war ein einziger Mythos. Ja, und das ist ein Rückfall in die Stammesgesellschaft. Und das hat denen natürlich sehr geschockt. Er selbst war mit seiner Familie im Exil in Neuseeland und musste dann miterleben, wie Österreich und Deutschland, die ja beide schon Demokratien waren und offene Gesellschaften waren, wieder zurückgefallen sind in die geschlossene Gesellschaft. Ja, das war für ihn sehr schlimm. Hat ja auch 14 Angehörige dann verloren, weil jüdischer Herkunft war Popper. Und dann hat ihn das interessiert, wie war es denn möglich, dass plötzlich die offene Gesellschaft wieder aufgegeben wurde und auch von den Intellektuellen? Und vor allem von den Intellektuellen. Sie wissen, in der NSDAP waren die Akademiker weit überproportional vertreten, sowohl vor allem in der Frühphase, sagt er. Wie kann denn das sein?

Und dann sagt er, ebenso geht auf Spurensuche in der Geschichte von Hitler zurück zu Platon, dem ersten großen politischen Ideologen, den Klassen- und Rassen-Dachte und Konzentrationslager vorschlug. Gut. Popper kritisiert jetzt diesen Platonischen Idealstaat als Diktatur. Und tatsächlich, wie Sie ja wissen, vielleicht, wollte Platon eine Aristokratie und zu einem alten Sinne des Wortes, eine Herrschaft der Besten. Und diese Herrschaft der Besten sah bei ihm recht einfacher aus. Er gesagt: "Okay, es gibt die Ideenlehre, es gibt die Idee des Guten, Wahren, Schönen. Und es darf nur derjenige am besten regieren, derjenige kann am besten regieren, der seine Seele öffnen kann für die Idee des Guten, Wahren, Schönen." Und darum hat er alle ausbilden lassen, alle Kinder ausbilden lassen. Und dann war das Verfahren, was er in seinem Idealstaat vorgeschlagen hat, dass man durch Prüfungen, immer neue Prüfungen, immer wieder schaut, wer sind die geeigneten. Bis am Ende, ohne Selektion, haben, dass tatsächlich die Besten der Besten ausgesucht werden und als Wächter oder eben und der sein Ergebnis als Philosophenkönige regieren. Nur der Philosoph hat am Ende den Blick auf das Gute, Wahre, Schöne. Und der kann natürlich viel besser regieren, wie wenn da alle möglichen Leute aus dem Volk irgendeinem, irgendwem nachlaufen. Und deswegen war für die Eis-Ducati, für die Herrschaft der Besten und die Herrschaft der Philosophen. Und das kritisiert aber Popper.

Popper sagt: "Platon formulierte das Problem folgendermaßen: Wer soll herrschen? Die Wenigen oder die Vielen? Seine Antwort war: Der Beste soll herrschen." Das wäre auch die Antwort von Mussolini gewesen oder die von Hitler. Und diese Ideenlehre und die in der Entwicklung der Seele kritisiert Popper als nicht falsifizierbar. Wissen Sie, wenn das so ein Philosophenkönig irgendwie regiert, dann kann man weder sagen, die Politik ist richtig, noch das lässt sich nicht falsifizieren, weil ja nur der weiß, was das Gute ist. Der hat ja ein Herrschaftswissen, was wir nicht falsifizieren können. Und da oben sagt, da ist dieser ganze Idealstaat nicht gut. Es ist eine geschlossene Gesellschaft. Und am Ende sagt Popper, kommt bei ihm sogar eine Klassenherrschaft raus, weil sie wissen, durch diese zahlreichen Prüfungen bei Platon werden dann die Wächter gebildet. Das sind die, die sehr weit kommen in den Prüfungen. Die sorgen für innere Sicherheit als Polizisten und verteidigen den Staat nach außen. Ganz oben sind die kleine Zahl der Philosophenkönige, die das Land regieren und sagen, was gemacht wird. Das breite Volk, aber die Handwerker, die Händler, die Bauern müssen machen, was die Philosophenkönige sagen. Und da sagt der Protest nicht mehr Klassen-Gesellschaft. Das heißt, und da spielt dann noch etwas an, weil Platon sagte, die Wächter dürfen, sie, die Philosophenkönige dürfen sich auf keinen Fall mit dem Volk vermischen. Die dürfen auch.

Kein Geschlechtsverkehr mit denen haben, die müssen unter sich bleiben und wohnen auch abgeschieden vom Volk in eigenen Kommunen, in Wohngemeinschaften. Und darum, sagt der Papa, das heißt die herrschende Klasse, bestehend aus Hirten und Wachhunden. Die Hirten sind die Philosophenkönige und die Wachhunde sind diese Krieger, die die Wächter. Ja, muss streng vom menschlichen Herden viel getrennt werden. Glatt und selbst hat er dieses Beispiel mit der Herde moderiert, der Philosophenkönig für die anderen Sorge trägt. Fazit: Platons Idealstaat ist eine geschlossene Gesellschaft. Der Einzelne kann sich nicht einbringen und wer sich nicht fügt. Jetzt wird ganz spannend, da wirklich auf den Putz gehauen der Popper. Wer sich nicht fügt, wird bei Platon in Konzentrations- und Umerziehungslager gesteckt und das sagte er, wollte eine Diktatur. Und im zehnten Buch seines großen Alters, werkes die Gesetze, erklärt er, wie Andersdenkende in Einzelhaft gehalten werden sollen und wenn sie nicht bereuen, mit dem Tod bestraft werden sollen. Ich habe zuerst selbst nicht geglaubt. Er zitiert dann einige Stellen und die meinte Blatter, kennen und habe mir gedacht, jetzt übertreibt er. Aber und ich habe aus meiner Werksausgabe mir jetzt die Stelle noch mal angeschaut und ich habe sie ihm mitgebracht, die Stelle, auf die er sich da bezieht, weil das für die Plattenanhänger immer unglaublich ist. Die sagen einmal, nein, das kann nicht sein. Aber tatsächlich gibt es diese Stelle, die nicht ohne ist bei Platon im Zinkenbuch der Neu. Ja, und da schreibt Platon: Wird aber einer für schuldig erkannt, dann erkenne der Gerichtshof jedem besonderen Vergehen der Gottlosen eine besondere Strafe zu. Es gibt aber drei Gefängnisse: Das eine am Markt, den meisten Gefangenen gemeinsam. Das andere, welches den Namen Besserungshaus des Besserungsscheins führt. Und eines, also quasi ein drittes, in der Mitte des Landes, an einer einsamen, möglichst unwirtlichen Stelle, welches Zuchthaus heißt, zu senden. Der Richter diejenigen Gesetzesübertreter mit übler Gesinnung, wenigstens auf fünf Jahre in das Besserungshaus des Besserungsscheins. Ist das, um Erziehungslager nach Kuba? Und in dieser Zeit kommen kein anderer Bürger zu ihnen, mit Ausnahme zu ihrer Zurechtweisung. Also da werden dann philosophische Lehrer geschickt, die diese Insassen zurechtweisen und umerziehen, dass sie wieder ihre Seelen für das Gute, Wahre, Schöne öffnen. Ja, und jetzt kommt aber diese, wie soll ich sagen, schwierige Schlussfolgerung. Dann ist mancher von ihnen zur Besonnenheit gekommen, also nach fünf Jahren Umerziehung, dann kehre er zurück. Doch ist dies nicht der Fall, dann werde er mit dem Tode bestraft. Und das ist tatsächlich Stelle aus dem Normal. Und es will kommt tatsächlich noch dicker. Neben diesen Umerziehungslager wünschte sich Platon laut Popper auch Konzentrationslager in unwirtlichen Gegenden des Landes, wo kein Wanderer hin kommt. Unterschreibt der Platten: Wer schuldig zu sein scheint, den verurteilte der Gerichtshof zur Haft in dem Gefängnis in der Landesmitte, sowie dazu, dass nie ein Freiheit zu ihm komme und das dann aus Händen von Sklaven eine ihm vorgeschriebene Kost empfange. Nach seinem Tode werde er unbestattet über des Landesgrenzen geworfen. Also, das ist schon ein harter Tobak und Platten hätte letztendlich, so Popper, einen totalitären Staat und eine absolut geschlossene Gesellschaft entworfen. Und dafür wurde er maßlos kritisiert, also von Altphilologen und den ganzen Altphilologen, die Platten natürlich hochhalten. Er ist ja ein Philosophen-Denkmal. Und Popper hat dann geschrieben: Natürlich kann man vieles aus der Zeit und als Platten spezifische Situation erklären, aber er hatte diese Idee von Unter-Menschen gehabt, damit weiter die Herde, dass die dirigiert werden musste. Und wichtig ist eben, dass immer die Regierung falsifiziert werden kann und dass der Einzelne nicht die Schafherde ist, sondern mit verantwortlich ist und auch Regierungen falsifiziert. Und dazu gehört für die offene Gesellschaft eben, dass man Regierungen absetzen kann. Die Möglichkeit, die Regierung ohne Schüsse abzusetzen, ist das Wichtigste an der Demokratie. Philosophenkönige sind nicht abwählbar und vor allem, wenn da einer debil wird, geisteskrank, Alzheimer, ja, da kann immer sein. Weiß ist ja nicht, vielleicht ist es die Idee des Guten, welche präzisiert. Platon nicht. Man kann das nicht messen und sagen, das ist gut, das ist weniger gut. Er präzisiert das Gute nicht, weil ich das Göttliche ist und deswegen müssen wir im Grunde auch die Schüler von Platon war radikal, ja, in der Neuzeit. Und damit sind wir bei diesem zweiten Band, ihr, der nicht weniger scharf geschrieben ist: Falsche Propheten, Hegel und Marx. Also die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Band 2. Hier greift dann nun Hegel und Marx an. Hegel vor allem wegen seiner obrigkeitsstaatlichen Tendenz, dass er den preußischen Verfassungsstaat vergöttert. Die gehe jetzt mal, aber mehr auf Marx. Marx ist für ihn auch ein Vertreter der geschlossenen Gesellschaft, der totalitären Systeme. Fordert, wo es keine Qualifikationsspiele der Geschichte beschreibt. Zitiere mal: Es war der Versuch geschichtlich nachzuweisen, also der Marxismus war der Versuch geschichtlich nachzuweisen, was ist zur sozialen Revolution kommen muss. Der Sozialismus war gemäß Marx mit Hilfe seiner Geschichtstheorie voraussagbar, genauso wie man eine Sonnenfinsternis mit Hilfe der Astronomie voraussagen kann. Sie wissen ja alle, Marx hat diesen historischen Materialismus. Es gibt es die Sklavenhaltergesellschaft, dann die feudalen Gesellschaft, die bürgerliche, die sozialistische, kommunistische Gesellschaft. Und der Motor sind jeweils Revolutionen. Es gibt immer wieder Klassenkämpfe, die dann neue Ebene erreichen und das Ende ist zwangsläufig wieder die klassenlose Gesellschaft, weil eben in der bürgerlichen Gesellschaft die Arbeiter immer mehr verelenden, verarmen, immer mehr werden und irgendwann kippen die Produktionsverhältnisse, die Arbeit der ergreifen die Macht. Jetzt sagt der Papa: Erstens hat nicht gestimmt. Ein Drittel der Menschheit hat zwar im Kommunismus gelebt und verpackt. Ja, das geschrieben zu einer Zeit, wo ein Drittel der Menschheit noch im Kommunismus war. Ja, aber es war eben nicht überall. Manchmal konnte man die sozialen Probleme auch lösen, ohne Revolution. Und er hätte sich Marx geehrt. Aber entscheiden Sie nicht die Irrtümer, die Marx alle gemacht hat, sondern schlimmer ist diese Prognose eines Endzustandes der Geschichte an sich. Was ist für Popper eigentlich das große Problem an Marx? Und er sagt: Marx hätte gesagt, also hier beschreibt das nochmal: Die Revolution kommt, das hat Marx bewiesen, darum müssen wir ihr helfen. Und das ist das Gefährliche. Ja, also beispielsweise, wenn man sagt, am Ende steht die klassenlose Gesellschaft und das haben ja die Kommunisten vertreten und wir brauchen die Weltrevolution, dann wird natürlich jeder, der jetzt das von zitiert oder falsifiziert und sagt, ich weiß nicht, ich habe eine andere Idee, diesen Klassenfeind, weil das NC feststeht und jeder, der diese Menschen im Weg steht, ist ein Klassenfeind. Und das ist bei anderen Geschichtsphilosophien genauso, die das Endziel der Geschichte festschreiben. Die machen sehr schnell Freunde und Feinde daraus und daher gibt es keine offene Gesellschaft mehr, weil ja jeder, der dagegen ist, ist ein Feind des Endziels der Geschichte, was ohnehin kommt. Also auch im Nationalsozialismus, sagt Popper, ja, da war die Ideologie, dass es auch da wurde der Ablauf und das Endziel der Geschichte festgelegt. Der Ablauf: Brassen kämpfen auf der Welt um die Vorherrschaft und das Endziel ist die germanische Herrenrasse wird sich durchsetzen und von der Hauptstadt Germania aus die Welt regieren. Ja, also die arische Rasse. Und da sagt er, und da war ja auch alle, die dann dagegen waren, gegen das ist eine Stammesgesellschaft, ja, für Popper wieder der National League gegen den Stamm der Deutschen Bahn. Das war ja so eine biologische Bluts-Ideologie mit Arien und nicht alle an. Und alle, die da dagegen waren, waren Volksfeinde. Ja, also das ist das große Problem, dieses Festlegen eines Ziels der Geschichte. Und deswegen sagt er, die Vorstellung, dass man historische Wahr-Aussagen dieser Art machen kann, ist Historismus. Mit Historismus beschreibt uns Popper mit diesem Begriff, beschreibt er uns sozusagen Theorien, die den Ablauf und das Ziel der Geschichte im Voraus festlegen wollen. Und das geht nicht. Wir erinnern uns an seine Wissenschaftstheorie. Man kann nicht jetzt schon sagen, was später passieren wird, wenn unsere Wissenschaft darin besteht, dass wir uns immer nur der Wahrheit annähern können, wir niemals das NC vorher festlegen. Ja, jetzt stellt sich natürlich die Frage, wenn wir den Ablauf und das Ziel der Geschichte überhaupt nicht verstehen können und vorher festlegen, hat die Geschichte überhaupt einen Sinn? Und Popper selbst stellt auch diese Frage und gibt eine sehr ernüchternde Antwort. Die Weltgeschichte hat keinen Sinn. Dies muss die Antwort jedes humanitär gesinnten Menschen sein. Und der Grund ist klar: Er sagt, wenn wir die Welt nicht wieder ins Unglück stürzen wollen, müssen wir unsere Träume von der Weltbeglückung aufgeben. Wir müssen uns mit der nie endenden Aufgabe begnügen, Leiden zu lindern, vermeidbare Übel zu bekämpfen. Und Popper kritisiert übrigens damit nicht nur Historismus, ist für ihn nicht nur Marx, sondern auch die kritische Theorie. Als er hat sich mit Adorno und den Frankfurtern angelegt, weil die auch eine soziale Utopie und jede soziale Utopie, sei es jetzt Abschaffung Kapitalismus, sei es Abschaffung der Geldwirtschaft, diese ganzen und Kopien, sagt das sind gefährlich, weil sie die Gesellschaft als Ganzes ändern wollen. Und wir müssen im Kleinen die Verbesserungen machen. Das ist für ihn wichtig. Und ja, selbst hat eine eigene philosophische Richtung gegründet, die nennt sich der kritische Rationalismus. Der kritische Rationalismus. Wir müssen rational kritisch immer wieder fragen, ist das, was wir gerade haben, das Beste? Und sonst eine neue Hypothese aufstellen und mit Versuch und Irrtum etwas Neues daraus zu machen. Darum sagt er, jeder Mensch, der sich in Politik in irgendeiner Weise hinein nicht muss daran denken, dass er nichts weiß und lernen muss. Er muss sich selbst kritisieren und dauernd seine Lehren über den Staat und die Gesellschaft verbessern können. Und diese Einstellung, die sich selbst kritische Einstellung, ja, dass wir ständig in kleinen Schritten die Welt verbessern müssen, das ist der kritische Rationalismus. Das ist seine eigene philosophische Richtung. Der kritische Rationalismus, den ich vertrete, ist die Einstellung oder die Bereitschaft eines Menschen, auf kritische Argumente zu hören und von seinen Fehlern zu lernen. Wir müssen als alle dialog- und kritikfähig sein. Und jetzt macht er etwas, was auch kritisiert wurde, ja, der Popper. Er sagt dann, wir müssen von der Naturwissenschaft lernen. Ja, die Politiker, die Geisteswissenschaftler, die sollten eigentlich Sozialingenieure werden. Sozialingenieure. Und wie ein Ingenieur sollten sie sozusagen einen Plan machen und den versuchen umzusetzen und dann mit versuchen wird schauen, ob der Plan richtig ist oder falsch. Wir wollen Sozialingenieure. Redet auch von der Sozialtechnik, die wir anwenden müssen. Ich habe dazu mal ein Zitat mitgebracht. Er nennt es auch den Stückwerk-Ingenieur. Also ein Politiker sollte ein Stückwerk-Ingenieur sein. Der typische Zitat: Der typische Stückwerk-Ingenieur wird folgendermaßen vorgehen. Er mag zwar einige Vorstellungen von der idealen Gesellschaft als Ganzes haben. Sein Ideal wird vielleicht die allgemeine Wohlfahrt sein, aber er ist nicht dafür, dass die Gesellschaft als Ganzes neu geplant wird. Was immer seine Ziele sein mögen, er sucht sie schrittweise durch kleine Eingriffe zu erreichen, die sich dauernd verbessern lassen. Was nutzt uns am Ende Poppers Entdeckung? Ja, also, wenn man mal da ein Resümee zieht, jetzt aus seinen Hauptwerken, er sagt hier, also die Logik der Forschung, zum Beispiel seine detektive Methode, dass alles nur Hypothese ist und alles nur Vermutungen, Wissen, die ihr gegen die Induktion setzt, muss man im Nachhinein sagen, hat zum Teil gefruchtet. Also ein Stein und einige Wissenschaftler sagen, ja, das stimmt, die Wissenschaft kommt nur weiter durch wilde Spekulationen und dann schauen wir mit Versuch und Irrtum und die eine Theorie ist. Aber meine Damen und Herren, heutzutage gilt nach wie vor in der Wissenschaft das induktive tisch-imperialistische System. Also ganz einfach, wenn die neues Medikament einführen wollen, dann gibt es da ganz klassische Induktionsvorschriften. Also da muss dann so und so viele Tierversuche, soundsoviel Versuche an Menschen, dann muss es so aussehen, dass wird quantifiziert. Also der Heime, da kommen so und so viel Menschen rein, zweimal in einem Eimer sind die, die das Placebo nehmen und im anderen Eimer sind die das Medikament nehmen, dann wird geguckt, ist es signifikant, haben die das echte Medikament gekriegt, haben einen höheren Therapieerfolg als die, die nur das Scheinmedikament genommen. Und wenn die signifikant ist und eine entsprechend große Zahl von Menschen, die das echte Medikament gekriegt hat, Heilungserfolg haben, dann wird das Medikament zugelassen. Und da werden ihm werden im Grunde wieder Erfahrungen gesammelt, Fakten, Fakten. Und umso größer die Studie ist, umso mehr beteiligt sind, umso mehr glaubt man ja, alles ist eine wissenschaftliche Wahrheit, verstehen Sie sich. Also da kommen wir nicht drum rum, um Fakten sammeln. Aber heutzutage wird alles papierjanisch formuliert. Und selbstverständlich sagen alle, ja, ja, klar, sobald wir es falsch zitiert ist, muss man fallen lassen. Also da ist er schon in die Wissenschaftstheorie eingegangen, eine größere Wirkung, aber noch hat tatsächlich sein zweites Hauptwerk, die offenen Gesellschaften und ihre Feinde, hinterlassen, weil tatsächlich heutzutage jeder Provinzpolitiker das Wort offene Gesellschaft in den Mund nimmt, sei es im Zusammenhang mit Islamismus, Rechtsradikalismus etc. Und auch der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt von den Sozialdemokraten hat Popper gekannt und getroffen und hat dann sogar seinen Sozialdemokraten folgendes empfohlen: Zitat Helmut Schmidt: Der Sozialdemokrat soll mal zu lesen, aber auch Popper. Und Schmidt selbst hat gesagt, er ist weder Marxist noch Papajaner, aber es ist wichtig, dass gerade auch die Jusos nicht mehr glauben, man könne durch Vergesellschaftung, Enteignung am Ende die klassenlose Gesellschaft erzeugen, sondern man muss tatsächlich, wie Popper vorgeschlagen hat, in kleinen Schritten soziale Verbesserungen machen. Und es gibt dazu zu diesem Weg, den wir gehen müssen, den Weg der kleinen Schritte, auch ein schönes Zitat noch vom Popper abschließend: Versuchen Sie, die Welt anzusehen, also einen wunderschönen Platz, den wir wie einen Garten noch verbessern und kultivieren können. Versuchen Sie dabei die Bescheidenheit eines erfahrenen Gärtners anzuwenden, der weiß, dass ihm viele seiner Versuche missglücken werden. Interessanterweise hat auch Helmut Kohl sich aber auf Popper berufen, hat gesagt, das ist unsere CDU-Politiker. Und beide waren wahrscheinlich enttäuscht, als sich Sir Karl Popper schließlich als großer Liberaler geoutet hat. Und er hat ja sogar mit Hayek zusammen die Mobileren Gesellschaft gegründet, die versucht hat, den Wirtschaftsliberalismus sozusagen die Idee des Wirtschaftsliberalismus zu verbreiten. Er hat sich zwar als Liberaler mit dem Rasiermesser bezeichnet, der Popper selbst, das heißt, er wollte auch die Auswüchse des Kapitalismus abschneiden, ja, aber er hat sich sozusagen dann doch als zum Liberalismus bekannt. Gut, abschließen kann man sagen, ja, schließt natürlich insbesondere bei der Kritik Hegels, da gehe ich jetzt sind wir erst gar nicht darauf ein, weit über das Ziel hinaus. Also Hegel, sage ich jetzt mal, den tut da auch als Brett oder Totalitaristen bezeichnen, weil er auch Dialektiker ist und ein Bewegungsgesetz der Geschichte hat, aber hier war kein Totalitarist. Ja, und auch bei Marx ist fraglich, ob man ihn verantwortlich machen kann für die kommunistischen Staaten, die es dann wirklich gegeben hat. Also es gab auch großen Widerspruch, es wurde auch vorgeworfen, dass er Hermeneutik nicht immer sauber gearbeitet hat, also von der Verarbeitung der Quellen hier, ja. Aber was uns vom Pop bleibt und was ich denke, wo der gern etwas geleistet hat, ist dieser bedingungslos kritische Blick des kritischen Rationalismus, dass er sagt, wir dürfen auch keinen Respekt haben vor den großen Philosophen-Denkmälern, wie wie Platon, ja, und wir müssen den Blick des modernen kritischen Rationalismus und der modernen offenen Gesellschaft auch auf die Philosophen-Denkmäler werfen und auf die Vergangenheit. Und da hat er auch noch mal eine kleine Anmerkung zum Schulunterricht gemacht, dann gesagt, wir müssen auch die historischen Persönlichkeiten mal mit ganz neuen Augen sehen, nämlich unter dem Gesichtspunkt des kritischen Rationalismus. Und dann kommt nämlich folgendes raus: Wir sind nicht mehr bereit, die ganz großen Verbrecher anzuhimmeln, wie den Julius Cäsar, zum Beispiel, der Frankreich verwüstete und alles in seine eigene Tasche steckte und als der reichste Mensch der Welt nach oben zurückgekehrt ist. Julius Cäsar, sagt er, hat es konnten, das war Konsum der frühen Republik, abgeschaffte Grantig daran totalitär ist und immer noch wird er in der Schule unterrichtet als der große Julius Cäsar, was eigentlich ein Skandal ist. Ja, und dann sagt er, genauso könnte das hat er jetzt nicht angesprochen, aber das Beispiel finde ich eigentlich noch besser: Alexander der Große. Wenn man den unter dem Gesichtspunkt des kritischen Rationalismus sieht, ist nämlich nicht mehr der große. Hat mit bezahlten Söldnern, mit 10.000 bezahlten Söldnern einen ganzen Kontinent überfallen, dann hat dem Palast von Persepolis, den haben hunderttausende Werktätige in Jahren, Jahrzehnten aufgebaut, den hatte schleifen und niederbrennen lassen, weil nichts mehr da. Dann hat er sich zum Gott erklärt, hat sich als Gott verehren lassen und hat sogar Heerführer, die dann nicht niederknien wollten, hinrichten lassen. Und dann hat er noch seinen besten Freund dem so von hinten erschlagen oder minder land sie getötet. Und dies völlig künstlich zusammen eroberte Riesenreich hat er sogar gegen den indischen Technik am Ende gekämpft, ist natürlich wenige Jahre nach seinem Tod völlig wieder auseinander gefallen. Ja, und da wird die Popper sagt, das ist nicht sehr groß sehen, also der ist Alexander, aber da muss man schon mal mit kritischem Rationalismus besser drauf schauen. Und da, also diese kritische Impuls, den finde ich schon gut beim Popper. Und zum Schluss will ich Ihnen noch was aus seinem letzten Buch erzählen. Ja, ist ja, er hat er war mit 92 Jahren noch voll fit und sein letztes Buch schreibt mit 92 Jahren und das trägt den Titel: Alles Leben ist Problemlösen. Alles Leben ist Problemlösen. Und das gilt für unser persönliches Leben. Wir sind sie allemal, ich möchte wieder Probleme macht, immer wieder wieder Bayer sagt, Gießmann immer wieder was machen und Probleme lösen. Gilt auch für die Gesellschaft als Ganzes. Ja, und da sagt man wird nie fertig. Das ist entscheidend wichtig für alle Demokratien. Wir werden nie fertig. Unsere Probleme gehen immer weiter. Alles Leben ist Problemlösen. Dann hat man ihn gefragt, ja, Herr Papa, was sind denn derzeit unsere größten Probleme in unserer Gesellschaft? Hat er gesagt, es ist die Überbevölkerung, die Bevölkerungsexplosion und die Umweltkatastrophen und Klima. Er, wir haben das war damals schon erstmals ein Thema. Es wurde zwar kontrovers diskutiert, aber er gesagt, die gibt's keine. Und dann hat man gefragt, ja, wie man und da hat er aber nie entscheidenden Akzent gesetzt. Er sagt, wir reden immer davon, dass die Bienen sterben, die letzten Berggorillas werden ausgerottet, die ganzen Regenwälder verschwinden, aber niemand spricht die Ursache aus. Und die Ursache, sagte, ist die Bevölkerungsexplosion. Den Umweltkatastrophen liegt die Bevölkerungsexplosion zugrunde. Ja, also und da hat auch was nettes aus dem Weltraum zieht man eine Millionenstadt als Punkt. Ja, und es leuchtet, das kann man aus dem Weltraum sehen auf dem Planeten Erde. Millionenstadt. Und Deutschland hat ja 34 Millionen Städte, Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, lange. Aber jetzt stellen Sie sich mal nicht nur 34, vorher, sondern 40 oder 400. Da wäre Deutschland einzig zum gepflastert. Das ist eine einzige Großstadt. Und er sagt, wir nehmen alle 15 Jahre um eine Milliarde zu. Eine Milliarde sind 1000 Millionenstädte. Man macht sich nicht klar, 1000 Millionenstädte werden in dem Planeten 15 Jahre dazu gestempelt. Und seit 1970, das ist nicht lang her, Gramm 50 Jahre, seit 1970 haben wir von 3,6 Milliarden auf über 7 zugenommen. Ja, und das bringt die Menschheit um. Und dann haben sie ihn gefragt, wie man denn nun als Stückwerk-Ingenieur dieses Problem lösen will. Ein Politiker dürfen nicht mehr durch Afrika fahren und Geld verteilen und Händeschüttelnd. Sie müssen endlich weltweite Aufklärungskampagnen vorher. Weltweite Aufklärungskampagnen, dass die Frauen nur noch drei oder vier Kinder kriegen und nicht mehr zehn oder mehr, weil das ist nicht mehr zu schaffen, sagte. Ja, und da war radikal. Man hat gesagt, ja, aber was wird der Papst dann dazu sagen? Hat er gesagt, der Papst, wenn er die Menschen liebt, wird bald zustimmen, spätestens in wenigen Jahren, wenn riesige Migrationsbewegungen einsetzen, wird auch der Papst das wir stehen. Also da war er auch genauso kritisch und streitbar und hat sich Dinge aussprechen getraut. Da hat man gefragt, wie man vorübergehend das lösen will, dass der CO2-Ausstoß. Ja, und da hat auch eine Idee gehabt. Wir wissen, dass alle Pflanzen von Licht und CO2 leben. Man könnte also vielleicht versuchen, die Meeresoberflächendichte als jetzt mit Algen zu bedecken, wenn die Algen aus dem CO2 Sauerstoff machen. Wenn wir alle Meere, die ja nicht besiedelt werden können von den Menschen, mit Algen zu machen, dann haben wir noch ein bisschen Sauerstoff, um noch ein bisschen länger machen zu können. Ist natürlich auch eine feste Vorstellung, aber wie gesagt, da war er eben auch konsequent. Trotzdem, ja, heute sind die Probleme noch viel größer. 98, 1998 gestorben. In den letzten 20 Jahren sind ja die Probleme noch dringlicher geworden. Aber Popper sagt, wir dürfen trotzdem nicht pessimistisch werden. Ja, ich sehe die größte Gefahr im Pessimismus. Natürlich ist es eine schlechte Welt, weil es eine bessere gibt und weil uns das Leben anspornt, nach einer besseren Welt zu suchen. Und diese Suche müssen wir fortsetzen. Und gegen einen zu großen Pessimismus, so Popper, spricht nämlich auch das Leben selbst und die Evolution. Er kam ja auch von der Naturwissenschaften, sagt, wenn wir uns die Evolution mal anschauen, dann sehen wir, dass das wir optimistisch sein können, denn das Leben hofft, das Leben arbeitet, als ob es eine Hoffnung hätte auf eine bessere Welt. Pflanzen und Tiere sind bereit, das Abenteuer einer neuen ökologischen Nische zu riskieren. Und jene, die diese Initiative haben, gelangen durch Auslese auf eine höhere Ebene. Von Anfang an sucht das Leben eine bessere Welt. Ja, also das geht mit dem Einzeller los und durch Mutation und Selektion versuchen sich die Arten immer mehr neue anzupassen, neue Nischen zu besetzen, sich weiterzuentwickeln und suchen eine bessere Welt. Und da sagt er, die Evolution auch die Evolution geht vor mit Versuch und Irrtum. Also nicht nur die Wissenschaft, auch die Evolution geht vor mit Versuch und Irrtum, so wie er es in seinem Hauptwerk geschrieben hat, wenn die Wissenschaftler. Ja, und die Mutationen können als Versuche angesehen werden, immer neue Versuche. Und er sagt, es gibt eine zweite Ähnlichkeit mit ihren ständig und. Also zum Beispiel, es gibt übrigens interessanterweise zur Klimakatastrophe auch neue Tendenzen. Da hat er mit seinem Freund Konrad Lorenz diskutiert und da hatten sie ein spannendes Beispiel. Es gibt jetzt ein Flusskrebs, der hat durch Mutationen eine ganz neue Fähigkeit entwickelt. Der kann, wenn er seine Eier gelegt hat, diese Eier können 30 Jahre Dürre und Überhitzung überstehen, weil die Larven nicht einfach schlüpfen. Normal schlüpfen die ja dann, aber die schlüpfen nicht, wenn es zu heiß ist. Dann bildet sich das im Kokon, sie können nicht schlüpfen und wenn dann irgendwann eine Überschwemmung kommt und eine Gegenbewegung, dann schlüpfen die Larven und sie können bis zu 30 Jahren in der Hitze liegen, ohne dass die Larven schlüpft. Erst wenn das Wasser wieder kommt, schlüpfen die. Also die Natur sucht Lösungen, das Leben selbst sucht immer neue Lösungen. Und so müssen wir natürlich auch nach neuen Lösungen suchen. Ja, alle Organismen stellen und lösen dauernd Probleme. Und daher ist die Wissenschaft nichts anderes als die Fortsetzung der Tätigkeit der niedrigen Organismen. Und wie die Mutationen sind neue Hypothesen für uns immer wieder eine Chance, neue Lösungen zu finden. Der Kampf ums Dasein dreht sich dehnt sich vor allem auf die Theorien aus und es gibt eine Auslese von Theorien. Also so wie bei den Pflanzen und Tieren neben Mutationen und sie, wenn sie gut sind und uns weiterbringen, gibt es die Auslosung. So gibt es auch bei den wissenschaftlichen Theorien, wenn sie gut sind, dann bringen sie uns weiter. Und da kommt dann zu der interessanten Schlussfolgerung, die auch sehr plakativ ist: Von der Amöbe zu Einstein ist es nur ein Schritt. Und jetzt ganz zum Schluss noch: Was ist der Sinn von unserem Leben, von unserem Dasein? Und dann sagt er, der Sinn ist eben ständig Probleme zu lösen und zwar dabei selbstkritisch zu sein, auch wenn man wieder ein Schritt weiter sind, zu denken, na ja, das könnte jetzt auch ein Irrtum gewesen sein, vielleicht können wir noch besser machen. Ja, also wir müssen uns auch selbst dabei immer in Frage stellen und wie es euch sagen, ein Leben lang im Grunde versuchen. Ja, sie hier im Saal, ich, ein Stein und die Amöbe, das Leben zu verbessern. Und das in dieser, in dieser Idee liegt auch der Sinn unseres Daseins. Es ist sogar Pflicht, sagt, ob diese Methode der rechtzeitigen Fehlerkorrektur zu verfolgen, ist eine moralische Pflicht. Es ist die Pflicht zur dauernden Selbstkritik, zum dauernden Lernen, zu dauernden kleinen Verbesserungen. Dazu besteht unsere Aufgabe nach Popper. Das ist eine Message. Und jetzt kann man natürlich sagen, es ist ein bisschen arg pragmatisch. Ja, das ist jetzt keine großartige Lebensvision für uns, aber das ist natürlich auch, das ist natürlich auch das Sympathische an programmatischer Typ ist und sagt, das ist es mir, ist es nicht. Und er formuliert das aber dann auch noch mal ein bisschen, soll ich sagen, Petra Reski. Und da habe ich für Sie folgendes Schlusszitat: So werfen wir ein Seil in die Luft und steigen daran hoch, wenn es an irgendeinem noch so schwachen, zwei kleinen Halt findet. Der Unterschied zwischen unseren Bemühungen und denen einer Amöbe ist nur der, dass unser Seil in einer Welt kritischer Diskussion Halt finden kann, einer Welt der Sprache und der objektiven Erkenntnis. Vielen Dank. [Applaus]