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How Diplomats Learn Languages Fast | Easy German 585

Easy German18:07

Transcription

[Musik] Wie schnell kann man eigentlich Deutsch lernen, wenn man sich auf nichts anderes konzentriert als den Spracherwerb? Miranda, Sophia und Maria machen genau das. Sie sind amerikanische Diplomatinnen und lernen seit 9 Monaten jeden Tag Deutsch mit einem Intensivkurs. Bereiten Sie sich auf Ihre Auslandseinsätze in Deutschland und Österreich vor. Wir wollen heute mal herausfinden, wie sie es geschafft haben, in nur Monaten fließend Deutsch zu lernen und welche von ihren Methoden auch euch beim Deutschlernen helfen können. Wir sind heute für unser Video nach Washington D.C. gereist. Wir sind hier im Foreign Service Institute und werden euch mal einen exklusiven Einblick geben, wie US-Diplomatinnen sich hier für ihren Auslandseinsatz in Deutschland und Österreich vorbereiten. Und eins kann ich euch schon mal versprechen: Zwar sind die Lernbedingungen hier sehr besonders, aber wir werden am Ende auch einige Tipps für euch haben, wie ihr euer Deutsch effizienter und vielleicht auch schneller lernen [Musik] könnt.

Miranda, Sophia und Maria arbeiten für das US State Department im Auswärtigen Dienst. Als Diplomatinnen werden sie regelmäßig in andere Länder entsandt, um dort in den Botschaften und Konsulaten zu arbeiten. Für ihre Einsätze in Deutschland und Österreich lernen sie aktuell Deutsch. Noch im Februar dieses Jahres sprachen sie alle kein Wort Deutsch. Heute im Oktober stehen Sie kurz vor ihrer Prüfung, die ungefähr dem C1 Niveau entspricht. Wie wichtig ist denn Sprachenlernen, wenn man Diplomatin wird? Muss man Sprachen lernen können, oder kann man auch ohne Sprachen in den diplomatischen Dienst gehen?

Das ist eine gute Frage. Im Großen und Ganzen soll man m- mindestens eine Fremdsprache lernen. Mhm. Es ist kein Spaziergang, es ist wirklich ein Marathon. Ja.

Sophia, wie ist das eigentlich, wenn man als Diplomatin ins Ausland geht? Hast du dich entschieden, in ein deutschsprachiges Land zu gehen, oder entscheidet das das Ministerium?

Ja, das ist ein bisschen kompliziert. Man kann Präferenzen anmelden, aber am Ende des Tages entscheidet das Auswärtige Amt.

Okay, also, aber ich wollte nach Österreich gehen und ich freue mich sehr darauf. Und wie ist das mit dem Deutschlernen? Ist das etwas, was du entscheiden kannst? Ich lerne für meinen Beruf Deutsch, oder entscheidet das auch das Ministerium?

Es hängt von der Rolle ab, also in welche Rolle man arbeiten wird in Deutschland oder Österreich oder der Schweiz. Also für meine Berufe muss ich Deutsch lernen.

Maria, wann hast du angefangen Deutsch zu lernen?

Vor 36 Wochen haben wir angefangen.

Okay, also ungefähr vor 9 Monaten. Hast du vorher schon Deutsch gekannt, oder Null?

Nein, ich hatte gar nicht kein Deutsch gelernt.

Ja, wann hast du angefangen Deutsch zu lernen?

Vor 36 Wochen, also Februar.

Ja, im Februar dieses. Jetzt ist Oktober. Ja. Wie viel Deutsch kanntest du vorher?

Gar nichts. Ja, ich habe kein Deutsch gesprochen.

Okay, von Februar auf bis Oktober, von null auf 100.

Ich würde nicht 100 sagen, vielleicht 75.

Ja, mal sehen. Aber du verstehst alles, was ich sage?

Und mehr oder weniger. Ja. Und du kannst fast alles sagen, was du möchtest?

Ja, ja, ja. Im Großen und Ganzen würde ich ja sagen.

Das Foreign Service Institute, an dem wir hier sind, ist wirklich ein ganz interessanter Ort. Es ist ein spezielles Trainingszentrum für Diplomatinnen des US State Departments und jeder, der in den diplomatischen Dienst geht, wird früher oder später hier mal ausgebildet. Jedes Jahr gibt's über 800 verschiedene Kurse und Sprachkurse in über 60 Sprachen werden hier angeboten. Das ist wirklich ziemlich viel. Das Interessante ist, wenn man als Diplomat entsandt wird, ist man ja alle zwei bis drei Jahre in einem anderen Land. Man muss nicht jede Sprache lernen, aber man muss mindestens eine Sprache auf sehr hohem Niveau lernen, um im diplomatischen Dienst bleiben zu können.

Und welche Sprachen hast du vorher schon? Hast du vorher schon andere Sprachen gelernt?

Ja, ich spreche Spanisch und Portugiesisch auch.

Ah, okay. Und das hat dir das geholfen beim Deutschlernen?

Ein bisschen, aber nicht so viel, vielleicht, weil die Regelungen so anders waren. Ja, ja.

Ich spreche Russisch. Mhm. Das hat mir ein bisschen geholfen, weil ich schon die Fälle kenne. Ich spreche Französisch.

Das heißt, es hilft, dass du schon vorher eine andere Sprache gelernt hast auf ein hohes Niveau?

Ja, absolut, auf jeden Fall. Und gibt es viele Worte in Französisch, die auch in auf Deutsch sind? Also das Restaurant. Ja, stimmt.

Als nächstes wollen wir uns einmal ansehen, wie der Unterricht hier am Foreign Service Institute aussieht. Anna Hall unterrichtet schon seit vielen Jahren hier am FSI. Anna, seit wie vielen Jahren unterrichtest du hier schon am FSI?

Darf ich eigentlich gar nicht zugeben, seit mehr als 25.

Wow, okay. Also du hast wirklich viel Erfahrung im Unterricht von Diplomatinnen.

Richtig. Genau, in dieser Nische. Ja, genau.

Viele Leute sagen ja, dass es schwierig ist, eine Sprache zu lernen, wenn man erwachsen ist, oder vielleicht auch immer schwieriger wird, je älter man wird. Stimmt das aus deiner Sicht? Du unterrichtest ja ausschließlich Erwachsene. Kann man in jedem Alter eine Sprache lernen?

Um auf die zweite Frage einzugehen, ja. Nicht, es stimmt natürlich, dass es auch etwas schwieriger wird, nicht gewisse Fertigkeiten oder Fähigkeiten, sollte ich sagen, äh schwinden mit zu n im Altern, nicht natürlich. Ja, das Kurzzeitgedächtnis und das Langzeitgedächtnis, aber man kompensiert durch Hintergrundwissen, durch Motivation, durch Einsatzvermögen.

Wie wichtig ist denn Talent? Es gibt viele Leute, die lernen eine Sprache und kommen irgendwann nicht weiter und denken, ach, und dann sagt man so, ach, ich habe einfach kein Talent zum Sprachenlernen. Würdest du ja sagen, jeder kann eine Sprache lernen, oder gibt es sowas wie Talent?

Ich würde sagen, jeder kann eine Sprache lernen, auch wenn man natürlich dieses Konzept Talent nicht ganz außen vorlassen kann, aber man kann dafür kompensieren auf jeden Fall mit Einsatz, mit Motivation. Absolut machbar.

Also unterm Strich kann jeder Deutsch lernen. Das habe ich in 26 Jahren immer wieder gesehen. Aus Annas Sicht kann also jeder eine Sprache lernen. Es ist nur wichtig, genug Zeit zu haben und sich das richtige Ziel zu setzen. Jetzt wollen wir uns einmal anschauen, wie das im Fall von Miranda, Sophia und Maria konkret aussieht. Kannst du einmal so einen typischen Tag hier beschreiben? Wann fangt ihr an, wann hört ihr auf? Wie viele Stunden lernst du am Tag Deutsch?

Ja, wir fangen um 8:30 Uhr an, morgens. Sprechen wir sehr viel, wir diskutieren die Nachrichten, ein bisschen den Alltag. Dann haben wir eine Mittagspause und Nachmittag lesen wir und dann während der letzte Stunde sprechen wir manchmal oder diskutieren wir den Artikel, den wir gelesen haben.

Wie viele Stunden sind das dann?

Das ist 5 Stunden beim Unterricht und danach haben wir theoretisch drei Stunden Hausaufgabe.

Wow. Manchmal gibt es mehr, manchmal gibt es weniger. Okay. Ja, also 8 Stunden Deutsch lernen jeden Tag.

Jeden Tag. Das ist die Arbeit.

Das klingt anstrengend. Ja. Ja, anscheinend, aber es macht Spaß. Die die Lehrkräfte sind wirklich die beste und Maria und Sophia sind auch super Kolleginnen und Freundinnen.

Welche Ressourcen benutzt ihr zum Lernen?

Ja, fast alles. Videos, Artikel, Bücher, wirklich alles, was man benutzen kann, ja, nutzen wir.

YouTube? Seid ihr auch auf YouTube?

Ja, YouTube und Instagram. Ja, bestimmt.

Du hast mir erzählt, dass ein, ja, eine wichtige Sache hier ist, ein bestimmtes Ziel vor Augen zu haben. Es gibt einen ganz konkreten Job, den die Diplomatinnen später machen müssen und für den sie das Deutsch brauchen. Ist das etwas, was man auch für andere Lerner übertragen kann? Also sich erstmal ein konkretes Ziel zu setzen, weil viele Leute fangen an und hoffen, dass sie einfach irgendwann fließend sind und wissen gar nicht genau, was ist das eigentlich fließend?

Genau. Also wirklich ins Schwarze getroffen. Das ist ein ganz, ganz wesentlicher Punkt. Ja, wenn man für sich erstmal ein klares Ziel formuliert hat und ich würde auch sagen, je konkreter, desto und vielleicht auch kleinformatiger, desto besser, nicht? Mhm, desto erfolgreicher ist man, denn ich dann lässt sich der Erfolg auch messen. Was heißt das für einen fließend zu sein? Heißt, dass man möchte mit dem Arzt über die Behandlung sprechen möchte, man ja, ein ein Date erfolgreich meistern möchte, man meine Wesen auch, wie in unserem Fall, ein Visa-Interview führen. Je nachdem. Also, ich denke, das muss man für sich oder sollte man für sich definieren.

Was Anna gerade erzählt hat, fand ich sehr interessant. Die Diplomatinnen und Diplomaten, die hier ausgebildet werden, die haben ein ganz genaues Ziel vor Augen. Die wissen, das ist der Beruf, in dem ich Deutsch brauche und das ist das Deutsch, dass ich für diesen Beruf brauche. Und ich glaube, was ihr davon lernen könnt, ist die richtige Erwartungshaltung zu haben und sich erstmal überhaupt ein Ziel zu setzen. Vielleicht ist das auch eine gute Übung für euch, einfach mal hinsetzen und aufschreiben, in diesen Situationen möchte ich Deutsch benutzen können: beim Bäcker, beim Arzt, in der Schule. Und wenn ihr dann wisst, was ihr wirklich wollt, dann könnt ihr euch auch ein Ziel setzen und sagen, okay, so komme ich dahin und das möchte ich erreichen.

Viele Leute haben ja irgendwann das Gefühl, dass sie nicht weiterkommen. Eure Studierenden bestimmt auch. Was ist denn dein Tipp als erfahrene Deutschlehrerin, wenn man an so einem Punkt ist und das Gefühl hat, ich komme nicht weiter, vielleicht macht das gar keinen Sinn? Wie motivierst du die Studierenden dann richtig?

Also dieser Punkt kommt garantiert, gerade wenn man so intensiv lernt und das muss man einfach akzeptieren, nicht? Aber dann das Handtuch zu schmeißen geht natürlich nicht, ist auch nicht besonders zielführend, nicht? Denke, vielleicht sich mit mit sich einfach ein bisschen verständnisvoll umgehen und sagen, hey Leute, okay, ich habe jetzt gerade nicht die Energie da, wirklich durchzupushen. Ich gebe mir jetzt ein paar Tage Zeit, um zu entspannen, aber man weiß, dass letztendlich die m- das das Dranbleiben wirklich zum Ziel führt. Jeden vielleicht ein bisschen an dem Tag oder an den Tagen ein bisschen weniger zu machen und dafür dann ja, Geduld, Geduld mit sich selber zu haben. Richtig. Ist ganz wesentlich auf jeden Fall. Und dranbleiben.

Und hast du manchmal das Gefühl, dass du nicht vorankommst oder dass du keine Fortschritte machst? Wie motivierst du dich dann?

Ja, ich denke, dass jede Person, die eine Sprache lernt, hat Zweifel manchmal. Ich denke, das ist normal, aber glücklicherweise habe ich viele Freundinnen in der Unterricht und wir unterstützen einander.

Okay, ihr lernt zusammen Deutsch?

Ja, wir lernen zusammen.

Zum Abschluss zeigen uns Miranda, Sophia und Maria noch einen besonderen Ort. In diesem Raum sind verschiedene Konsulatschalter aufgebaut und hier können Sie ganz konkrete sprachliche Situationen aus ihrem späteren Alltag simulieren. Ihre Lehrerin Anna spielt heute eine Antragstellerin für ein Visum in den USA.

Hallo, herzlich willkommen im Konsulat.

Danke.

Könnten Sie bitte mehr Ihren Pass geben?

Ja, bitte schön. Vielen Dank. Einen Moment.

Anna, die Menschen, die du hier unterrichtest, die lernen ja in einem sehr privilegierten Umfeld. Man hat eigentlich Vollzeit Zeit, muss sich nicht noch um Geldverdienen kümmern. Die meisten unserer Zuschauerinnen haben nicht dieses Privileg und müssen nebenbei lernen. Was für Learnings hast du denn, was für Tipps kannst du denn vielleicht unseren Zuschauerinnen mitgeben aus eurer Erfahrung hier im Alltag?

Also einmal das Ziel, sich sich ein sehr persönliches Ziel definieren, wo möchte ich hin, genau, wie sieht das aus, welchen Zeitraum habe ich, um dieses Ziel zu erreichen. Einmal ganz wichtig, nicht, es muss, was man lernt, muss relevant sein. Ich glaube, in den allermeisten Fällen geht es den Lernenden darum, auch die Sprache praktisch anzuwenden. Mit anderen Worten, man lernt sprechen nur, indem man spricht. Eine Binsenweisheit, aber lauter lauter Blätter mit Grammatikübungen helfen nur bedingt. Ich würde mir z.B. einen deutschen Muttersprachler suchen, nicht, diese diese Tandems sind gut, aber dem Tandem das Lernziel auch mitteilen, also sagen, ich möchte dies und jenes wissen können, hilfst du mir dabei, also korrigier bitte die Fehler, die von diesem Ziel abweichen. Ja, einmal das und auch die Kontinuität, dieses regelmäßige Dranbleiben ist auch ganz, ganz, ganz wesentlich, nicht? Und ein weiterer Tipp ist, man kann sich auch aufnehmen, also einfach mit dem Handy eine Minute lang äh ein Gespräch simulieren, ähm, nicht, und sich das dann anhören, richtig? Ja, muss auch gar nicht visuell sein, sondern einfach auditiv. Ja, Audio und hören, also was und das meinetwegen vielleicht auch vorspielen. Viele von diesen Fehlern hört man dann auch selber, okay? Und ja, das kann auch immer wieder wiederholt werden, zwei oder dreimal und das schult dann die Geläufigkeit oder das das flüssige Sprechen. Solche Sachen machen wir sehr oft mit unseren Studentinnen oder Kursteilnehmerinnen.

Warst du schon mal in Deutschland?

Ja, ich habe am München in Berlin besucht und ja, sie sind schöne Städte. Ja.

Du hast gesagt, du freust dich auf deine Zeit in Österreich. Worauf befreust, worauf freust du dich am meisten da?

Ja, ich möchte gern mehr über die österreichische Kultur lernen und außerdem liebe ich Weihnachten, also ja, freue ich mich sehr darauf, die Christkindlmärkte zu genießen.

Du weißt sogar schon, wie das heißt. Christkindlmarkt.

Christkindlmarkt. Ja.

Wie geht es jetzt für dich weiter? Du bist fast am Ende mit deinem Programm. Was sind die nächsten Schritte?

Ich muss die Prüfung bestehen und das ist eine große Herausforderung, aber danach kann ich nach Deutschland gehen.

Wir drücken dir die Daumen.

Ja, vielen Dank. Das brauche ich.

Stellt euch mal vor, dass ihr 9 Monate Zeit hättet, jeden Tag 8 Stunden Deutsch zu lernen. Was wäre das für ein toller Moment? Für viele ist das eine Utopie, das weiß ich. Ihr müsst arbeiten und noch andere Dinge machen. Aber ich finde, was wir heute gesehen haben, ist auch ein guter Reminder, dass Sprachenlernen wirklich Zeit und Aufmerksamkeit braucht. Und vielleicht ist das ja auch ein bisschen Motivation für euch, geduldig mit euch selbst zu sein. Eine Sache, die wir heute gelernt haben, ist, dass auch Diplomatinnen, die alles haben, vor allem viel Zeit, manchmal einen Hänger haben und nicht weiter wissen und dann helfen sie sich gegenseitig und motivieren sich. Das möchte ich auch an euch geben. Lasst uns doch gegenseitig motivieren beim Sprachenlernen. Schreibt uns gerne einen Kommentar und zeigt doch mal, was euch besonders geholfen hat auf diesem Weg, auf diesem langen Weg nicht aufzugeben. Wir freuen uns auf eure Kommentare und bis [Musik] bald.

[Musik]