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Wenn die Morgen zum Arzt gehen und der Arzt erklärt: „Sie haben noch drei Monate zum Leben“, dann fallen sie aus allen Wolken. Dann ist es eine Tragödie, weil sie bisher nicht wahrgenommen haben, dass sie irgendwann in die Grube fahren werden. Wir setzen uns damit nicht aus, verlangt wird, wir nehmen uns als wären wir uns. Wenn wir erfahren, dass er noch eine gewisse Spielzeit haben wird, dann ist es deswegen so dramatisch, weil es davor ja nicht wahrhaben wollten, dass es so ist.
Und wenn Carlos Castañeda sagt: „Den Tod als Ratgeber nehmen. Wenn Sie Probleme haben, eine Entscheidung zu treffen, fragen Sie sich, wie Sie die Entscheidung treffen würden, wenn Sie wüssten, dass Sie nur noch kurze Zeit zu leben hätten.“ Das schafft einen unhörbar klaren Blick. Im Talmud, mit 15 besteht ein Spruch, den ich gerne zitiere, da heißt es nämlich: Ein Tag vor seinem Tod kam ein Schüler zum Rabbi und sagte: „Naja, nachdem ich ja nicht weiß, wann ich sterbe, wie soll ich dann einen Tag vorher umkehren?“ „Eben“, sagt der Rabbi, „präventiv, sicherheitshalber, heute um.“
Wenn wir jeden Tag so leben würden, als wäre er der letzte, dann werden manche Elefanten wieder zu Rücken, klein und lästig, aber selten tödlich. Menschen, die das nicht tun, die werden überwältigt von den vielen Elefanten in ihrem Leben. Sie sind hilflos ausgeliefert. Die böse Welt da draußen ist ja so viel. Verantwortung übernehmen heißt demzufolge, für jede getroffene Entscheidung bereit zu sein zu sterben. Und jeden Auftrag, den ich annehme, frage ich mich: Ob ich diesen Auftrag durchführen würde, wenn es der Tag vor meinem Tode wäre. Wenn ich wüsste, dass ich morgen sterben würde, ich wäre heute trotzdem gekommen. Andere Aufträge nehme ich nicht mehr an. Was heißt unerhörte Klarheit und sorgt dafür, dass ich das, was ich da tue, auch konsequent und überzeugt tue, weil ich jetzt in Resonanz mit mir bin. Jetzt nicht irgendein Auftrag angenommen habe, den ich eigentlich gar nicht ausprobieren würde.
Solange ich glaube, ich bin unsterblich, kann ich ja noch ein paar Tage, Wochen oder Monate vergeuden, nicht wahr? Scheine ja noch furchtbar viel davon zu haben. Nur komischerweise, bei dieser Vergeudezeit, sind wir unglücklich, nicht in Resonanz mit uns und es bringt uns gar nichts. Verantwortung übernehmen heißt, sich aus der Illusion zu lösen, dass andere verantwortlich sind für Sie, Ihr Schicksal, Ihre Krankheiten und was es sonst noch so gibt.
Lassen Sie mich mit einem Gedanken schließen, und wir haben selbstverständlich nach Möglichkeit zur Diskussion aus den Schriften. Ramakrishna in Indien, gibt es eine kleine Story, die mir sehr gefällt: Ein Brahmann hat die Welt geschaffen, und da er Gott war, war die Welt natürlich vollendet und gut. Da hat er so ein paar Jahrtausende lang sich amüsiert mit der Welt, und irgendwann wurde das ein bisschen langweilig, und dann fing er an, sich verstecken zu spielen. Und da man natürlich als Gott sehr gut war, war er auch sehr gut darin, sich zu verstecken. Braucht oder in der Tausende von Jahren, dass ich wieder gefunden hatte, man hat er sich erneut versteckt, und das Spiel spielt er, so weit wir wissen, heute immer noch. Das heißt, wir wissen nie, wo er gerade steckt. Er kann hier in diesem Kasten drin sein, er kann in dieser Dame sein, er kann in der Person sein, die ich absolut nicht ausstehen kann. Wir wissen es nicht. Wenn wir alle, oder zumindest jeder sowieso, Gegenmodell als wäre er oder sie derzeit das Gefäß für Brahmann, dann wären wir in einer recht angenehmen Resonanz. Das war es, was ich offiziell sagen wollte. Ich ende mit einem Zitat, das die Birken-Fans kennen, weil ich es liebe, von Karl Kraus, er da gesagt hat: „Man darf nicht nur keine Gedanken haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.“ Ich hoffe, dass es mir heute gelungen ist.