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Existieren deine Vergangenheit, deine Gegenwart und Zukunft genau jetzt? Schaust du gerade gleichzeitig dieses Video, wirst geboren und liegst im Sterben?
Überraschenderweise könnte das tatsächlich so sein. Aber was bedeutet das? Wie funktioniert Zeit? Stell dir das Universum als ein malendes Kind vor. Jedes Bild zeigt alles, was in einem bestimmten Moment passiert. In jedem neuen Moment passieren alle möglichen Dinge überall gleichzeitig - Menschen sterben, werden geboren, galaktische Zivilisationen expandieren, du verpasst den Bus - und unser Universums-Kind malt ein neues Bild, das das alte ersetzt. So entsteht quasi ein Film und nur der Moment, den wir jetzt gerade erleben, ist echt. Die Vergangenheit ist bereits passiert und vorbei. Die Zukunft kommt erst noch und wurde noch nicht gemalt. So fühlt sich Zeit doch an, oder? Ein Moment wird vom nächsten abgelöst. Die Vergangenheit liegt hinter uns und die Zukunft gibt es noch nicht.
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Und apropos Moment – hier gehts gehts weiter mit dem Video und der Frage: Aber was, wenn Zeit etwas anderes ist? Was, wenn das Universums-Kind schon alle Zeichnungen gezeichnet und sie aufeinander gestapelt hat? Sie bilden einen Block - einen Zeitblock, der die gesamte Geschichte des Universums enthält. Jeden Augenblick, der je existiert hat oder existieren wird. In diesem Stapel aus Momenten, sind die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft gleichermaßen real und existieren gleichzeitig. Das fühlt sich falsch an - uns scheint nur das echt, was genau jetzt passiert. Wie können Vergangenheit und Zukunft genau jetzt existieren? Das Problem ist, dass sie das laut der Relativitätstheorie irgendwie müssen. Stark vereinfacht besagt Relativität, dass Raum und Zeit nicht getrennt, sondern zusammenhängende Raumzeit sind. Bewegst du dich durch den Raum, bewegst du dich auch durch den Block. Also vergeht Zeit für verschiedene Menschen unterschiedlich, je nachdem, wie sie sich relativ zueinander durch den Raum bewegen. Was jemand als “jetzt” empfindet, ist ein bestimmter Schnitt im Block - ein Schnitt, der davon abhängt, wie schnell man sich bewegt. Was für dich also “jetzt” ist, ist eigentlich nur dein "jetzt" unter vielen verschiedenen “Jetzt”, die alle gleich real sind. Dadurch gibt es auch keine universelle Vergangenheit oder Zukunft.
Okay, ganz schön heftig - wie funktioniert das? Stell dir drei Alien-Raumschiffe vor, Millionen Lichtjahre entfernt. Das erste schwebt nur im Raum, relativ zu dir bewegt es sich nicht. Ihr erlebt beide dieselbe Gegenwart. Wenn ihr eine magische, verzögerungsfreie Internetverbindung hättet, könntet ihr euch mal eben anrufen und über Alienzeugs quatschen. Das zweite Raumschiff fliegt mit 30 km/s von uns weg, das ist dreimal schneller als unsere Raketen. Es bewegt sich also anders durch den Zeitblock als du, weshalb sein Jetzt anders ist. Mit der magischen Internetverbindung können diese Aliens mit deinen Vorfahren aus 1924 sprechen, als die Menschheit gerade die ersten Galaxien außerhalb der Milchstraße entdeckte. Das dritte Raumschiff will die Erde besuchen und fliegt mit 30 km/s auf uns zu, also im entgegengesetzten Winkel zum zweiten Raumschiff. Es erlebt noch einmal ein anderes Jetzt. Mit dem magischen Internet könnten diese Aliens mit deinen Nachkommen im Jahr 2124 sprechen, wenn die Menschheit schon Städte auf dem Mars und der Venus gebaut hat.
Okay, wir haben also drei verschiedene “Jetzt” - aber welches ist das richtige? Tja, hier liegt das Problem. Die Relativität stützt sich auf ein mächtiges Prinzip: kosmische Demokratie. Sie besagt, dass die Sicht jedes Beobachters im Universum genau gleich gilt. Jedes "Jetzt" ist gleich real. Aber wenn das so ist, müssen deine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft alle gleichzeitig existieren - genau jetzt! Denn für die drei Aliens geschehen sie alle in ihrer Gegenwart. Das bedeutet, dass die Unterscheidung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eine Illusion ist. Im Universum entwickelt sich nicht eins nach dem anderen wie ein Film. Es ist ein statischer Block, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft koexistieren und real sind.
Wie geht das? Nehmen wir eine Galaxie außerhalb des beobachtbaren Universums. Auch wenn sie weit weg ist, du nicht dorthin oder sie sehen kannst, ist sie trotzdem echt. Und mit der Zukunft könnte das genau so sein! Wenn die Vergangenheit aber nicht hinter uns liegt und die Zukunft bereits existiert, dann… gibt es keinen Film. Im Universum geschieht nichts. Das Universum ist einfach. Ein gefrorener Block aus totem, kosmischen Eis, in dem alles, was je passieren wird, bereits feststeht.
Steht die Zukunft bereits fest? Wenn alle Zeiten koexistieren und gleich echt sind, muss die Zukunft bereits feststehen. Aber so erlebst du das nicht. Für dich prägen deine Entscheidungen deine Zukunft. Es fühlt sich an, als könntest du frei entscheiden, Youtube zu stoppen, um den Bus nicht zu verpassen. Aber wenn die Zukunft feststeht, kannst du nichts entscheiden. Sind deine Entscheidungen also eine Illusion? Vielleicht. Vielleicht existiert freier Wille nicht. Und vielleicht ist es schon seit dem Urknall vorbestimmt, dass du den Bus verpasst, schau also ruhig weiter.
Außer, dass der Quantenkram wieder alles ruiniert. Quantenprozesse lassen sich nicht vorhersagen, nicht mal im Prinzip. Nicht, weil wir dumm sind und das nicht können. Laut der Quantenphysik sind Quantenteilchen in ihrem Wesen zufällig. Ein radioaktives Atom zum Beispiel könnte jeden Moment zerfallen, in der nächsten Sekunde oder in einer Million Jahren. Wir können berechnen, mit welcher Wahrscheinlichkeit es morgen zerfällt, aber kein Orakel des Universums kann je mit absoluter Sicherheit vorhersagen, ob es das wirklich tun wird. Quantenteilchen können aber die Welt verändern. Stell dir vor, ein radioaktives Element zerfällt zufällig und verursacht in einem Säugetier in der Nähe eine genetische Mutation. Generationen später ist daraus ein absurder Mix aus Ente und Säugetier entstanden. Oder das Atom zerfällt einen Tag später und das Tier wird nie existieren.
Wenn Quantenkram so ungewiss ist, kann die Zukunft nicht in Stein gemeißelt sein. Aber wenn das so ist, dann kann sie nicht so real sein wie die Vergangenheit. Was passiert also, wenn ungewisse Dinge wie der Zerfall unseres Atoms real werden? Ist das die Gegenwart? Ist das “jetzt”? Aber die kosmische Demokratie macht es uns doch unmöglich, ein absolutes “Jetzt” zu definieren. Was ist da los? Es scheint, dass für jedes Objekt - also du, ein Alien, oder ein Atom - Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft immer klar definiert sind. Dein Tod kommt immer nach deiner Geburt, niemals davor oder gleichzeitig. Du stehst jetzt ganz klar zwischen deiner Geburt und deinem Tod. Zumindest für dich ergibt ein “Jetzt” also absolut Sinn. Ohne lustige Tricks wie ans andere Ende des Universums zu reisen und mit Aliens rauszufinden, was “Jetzt” bedeutet, sieht alles wieder schön geordnet aus, und individuelle “Jetzt” scheinen zu existieren.
Können wir damit etwas anstellen? Zurück zum Universumsblock. Vielleicht enthält der gar nicht die Zukunft und wir haben es uns einfach falsch vorgestellt. Vielleicht ist er nur die Vergangenheit und eine dünne Schicht an der Oberfläche ist Gegenwart. Und die ist nicht glatt, sondern uneben. Sie entsteht durch die Verbindung unzähliger individueller “Jetzt”. Jedes davon erlebt jemand oder etwas und jedes ist echt und gültig. Alle Beobachter tragen dazu bei, die kosmische Demokratie stimmt also immer noch. Wenn radioaktive Atome zerfallen, neue Säugetierarten entstehen, Menschen den Bus verpassen - dann schiebt sich die Grenze nach oben und erschafft neue Zeit im Universum. Statt eines gefrorenen Zeitblocks, in dem die Zukunft festgeschrieben ist, wächst der Block, Dinge passieren und du kannst wieder über deine Zukunft entscheiden. Vielleicht gehst du ja doch früher, um den Bus nicht zu verpassen.
Fassen wir zusammen: Zuerst war die Zeit wie ein Film, ein “Jetzt” nach dem anderen und nur das aktuelle “Jetzt” war real. Dann kam heraus, dass es aufgrund der Relativität unzählige “Jetzt” gibt, die alle irgendwie real sind. Also ein eingefrorener Universumsblock, in dem nichts passiert und du keinen freien Willen hast. Und schließlich kamen wir zu dem wachsenden Universumsblock, in dem die Zeit vergeht und die Zukunft offen ist. Aber was stimmt? Was ist echt? Die Gegenwart? Die Vergangenheit? Sind die Dinosaurier in genau diesem Moment so echt wie du? Wie denken Aliens in einer anderen Ecke des Universums darüber? Um ehrlich zu sein, weiss das niemand. Das waren nur zwei Möglichkeiten Zeit zu beschreiben, aber es gibt noch mehr. Manche Wissenschaftler denken, dass die Idee eines “Jetzt” nur um dich herum Sinn macht, nicht aber im ganzen Universum. Andere denken, dass es Zeit gar nicht gibt - dass das Konzept eine Illusion des menschlichen Verstandes ist. Und wieder andere denken, dass Zeit zwar existiert, aber keine grundlegende Eigenschaft des Universums ist - sondern etwas, das vielleicht von einem tieferen Level der Realität herrührt, so, wie Hitze durch die Bewegung einzelner Moleküle entsteht, oder Leben durch die Interaktion lebloser Proteine. Wir könnten noch weitermachen, aber… wolltest du nicht zum Bus?