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Pakistan bekommt Stealth-Fighter: Verschiebt sich das Gleichgewicht?

Militär & Geschichte Extras10:51

Transcription

Pakistan bekommt seinen ersten Stealth-Fighter, die J-35A aus China. Und laut Gerüchten kommen sie nicht nur schon dieses Jahr, sondern die Piloten sind auch bereits in Ausbildung. Sie werden also später in diesem Jahr bereits einsatzbereit.

In diesem Video wollen wir durchsprechen, was kann das Flugzeug eigentlich und was bedeutet das vor allem in Bezug auf Indien, seinem Erzrivalen? [Musik]

Die J-35 ist ein Stealth-Flugzeug, das der F-35 so ähnlich sieht, dass Spionage vermutet und immer wieder vorgeworfen wird. Es ist bekannt, dass die Chinesen Dateien von der F-35 erbeutet haben und dementsprechend diese genutzt haben können, aber es ist keine Garantie, denn im Englischen heißt es: Form follows Function. Hiermit ist gemeint, dass die Form einer Funktion in gewissem Maße folgt. Moderne Stealth-Flugzeuge sehen alle mehr oder weniger ähnlich aus, schlicht und ergreifend dadurch, dass nach aktueller Technologie die Vorgabe des Designs, wie die Geometrie gestaltet ist, sehr sehr ähnlich sein muss, um eben eine gute Fähigkeit zum Schlucken und Abstrahlen von Radarstrahlen zu haben.

Die Shenyang J-35 ist 2012 zum ersten Mal geflogen. Es war damals ein Privatprojekt der Firma Shenyang. Die J-35 ist, gemäß Berichten, bereits in Einführung bei der Luftwaffe und auch die Marine wird sie nutzen. So wie die Berichte sind, wird die J-35 in einer Marine-Version auf den neuen Flugzeugträgern zum Einsatz kommen.

Generell können wir uns das Flugzeug so vorstellen als leichteres Analogon zu J-20, dem Stealth-Fighter, den die Chinesen seit einigen Jahren in Dienst gestellt haben. Das können wir so sehen wie in den USA: Die F-15 und die F-16. Die F-15 ist das große, schwere Jagdflugzeug mit größeren Fertigkeiten, größerer Reichweite, größerer Geschwindigkeit, wo alles ein bisschen größer ist, aber natürlich auch alles ein bisschen teurer ist, während die F-16 das günstigere Modell ist, die günstigere Alternative dazu. Und das scheint die geplante Nutzung der J-35 zu sein.

Laut News-Weg wird die J-35 rabattiert und vorgezogen in ihrer Lieferung. Das bedeutet, Pakistan wird sie für 50% weniger erhalten als wohl ursprünglich vereinbart und es wird sie schneller erhalten. Gemäß Gerüchten könnten die ersten bereits im August ankommen. Die Piloten sollen sich bereits in der Ausbildung befinden.

Dies sei geplant als Belohnung für Pakistan für seine Performance gegen Indien, denn Indien hat ja in dem jüngsten Schlagabtausch nachweisbar seine Ziele getroffen und schwere Schäden dabei angerichtet, damit natürlich klar seine operativen Ziele erfüllt. Allerdings ist es Pakistan gelungen, mindestens einen Fall abzuschießen, und das wiederum ist international wahrgenommen worden und als großer Erfolg der chinesischen Militärtechnologie verkauft worden.

Pakistan ist quantitativ und qualitativ der indischen Luftwaffe deutlich unterlegen. Die indischen Sukhoi Su-30 MKI, die auch gerade ein Midlife-Upgrade unterzogen werden, wie auch die Rafale sind den pakistanischen Kampfflugzeugen deutlich überlegen, außer der J-10C, die möglicherweise nun erste Abschüsse erzielt haben könnte. Selbst die von Pakistan gebaute JF-17 ist auch in ihrer neuesten Version, der Block 3 Version, nicht wirklich vergleichbar mit Rafale und mit Sukhoi Su-30. So ist beispielsweise das Radargerät viel zu schwach und kann im Vergleich nicht so gut wirken wie die beiden Flugzeugtypen, die Indien in größerer Zahl einsetzt, bei der Sukhoi Su-30 ja über 200 Stück.

Pakistan ist im Bereich Command and Control allerdings ziemlich gut. Dort könnte es sogar überlegen sein, was in einem Konfliktfall natürlich eine gewisse ausgleichende Wirkung hat. So hat Pakistan mit seinen Aufklärungsflugzeugen die Möglichkeit, Schwachstellen der indischen Luftstreitkräfte zu erkennen und dann darauf hin die eigenen Kampfflugzeuge direkt darauf anspringen zu lassen, wenn man so will. Und das ermöglicht es ihnen, eine lokale Überlegenheit in Zahl oder in Technik zu haben und auf diese Art und Weise Indien dennoch ein Stück weit in Schach halten zu können. So konnte man bei dem jüngsten Schlagabtausch sehen, dass sich Pakistan doch recht gut behaupten konnte, eben indem es kreativ und kompetent und gleichzeitig auch asymmetrisch reagiert.

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Doch gehen wir zurück zum Video. China hingegen hat kaum noch Exporterfolge bei seinen Kampfflugzeugen. Im Kalten Krieg wurde die J-7, eine chinesische Version der MiG-21, wie warme Semmeln verkauft. Die letzten J-10 sind erst vor etwa 20 Jahren vom Band gelaufen. So lange haben sie sich weiterverkauft und wurden auch weltweit in großen Zahlen verkauft. Heute gibt es fast keine Exporte mehr, außer die an Pakistan. Inzwischen sind ein paar einzelne Kampfjets mal verkauft worden. Auch die JF-17 hat nun langsam Verkaufserfolge, aber im ganzen hat China praktisch keinerlei Erfolge mehr auf dem internationalen Kampfflugzeugmarkt, außer bei Pakistan.

Daher war die gute Performance von Pakistan enorm wichtig, auch für China. So muss es verstanden werden. Pakistan hat demonstriert, dass die chinesische Technik etwas kann, dass sie leistungsfähig ist und dass man mit chinesischen Waffensystemen tatsächlich erfolgreich sein kann. Denn Waffen kauft man ja nicht nur aus optischen Gründen, sondern man kauft sie, um im Ernstfall das eigene Land damit schützen zu können, und dann müssen die auch funktionieren. Und hier ist es so, dass die amerikanischen, die europäischen und die russischen Waffen kriegsgeprüft sind, die chinesischen aber praktisch nicht. Und in diesem Fall ist jetzt zu erwarten, dass China durch die pakistanischen Erfolge möglicherweise weitere Exporterfolge erzielen könnte.

Entsprechend ergibt es Sinn von China für Pakistan gegenüber dankbar zu sein. Für China ist es daher sehr sinnvoll, auch jetzt die J-35 vorzuziehen, denn China will auch die J-35 verkaufen. Wenn es zeitnah zu einem weiteren Schlagabtausch kommt und das ist ohne weiteres möglich, dann wäre entsprechend die J-35 involviert und könnte dort ihre Fähigkeiten demonstrieren. Da China, wie gesagt, auch sie an andere Nationen verkaufen will, könnte das erheblich dabei helfen, China beim Verkauf von Waffen zu helfen. Und wie wir schon auf dem Kanal oft gesagt haben, das ist Rüstungspolitik immer auch Außenpolitik. China gewinnt Einfluss über Nationen, die von ihm Waffen kaufen. Also will China natürlich möglichst viele Waffen verkaufen.

Indien hat nun ein Problem, denn es hat 2010 den Vertrag zur Entwicklung der FGFA unterschrieben. Das sollte ein Stealth-Flugzeug sein, das Indien bekommt, das auf der russischen Sukhoi Su-57 basiert. Indien hat allerdings wegen Sorgen über Performance, Kosten und Produktionsverteilung das Programm 2018 verlassen und arbeitet also nicht mehr mit Russland an einem Stealth-Flugzeug. Eigentlich sollte die Entwicklung nur 8 bis 10 Jahre dauern, also wäre die FGFA entsprechend heute wohl schon in Dienst, wenn alles nach Plan gelaufen wäre. Stattdessen hat Indien aktuell kein Stealth-Flugzeug und die eigene Entwicklung ist nicht einmal im Ansatz vorzeigbar. Dort ist noch nicht einmal der Prototyp geflogen.

Das wird bedeuten, wenn Pakistan jetzt tatsächlich die J-35 bekommt, das scheint wahrscheinlich zu sein, dann wird es Indien erheblich unter Druck setzen, weil es im direkten Vergleich in der Luft nichts gleichwertiges entgegenzusetzen haben wird.

Was werden die Konsequenzen sein? Im Luftkampf sind Stealth-Jets klar überlegen, weil sie später entdeckt werden. Und je später man entdeckt wird, desto größere Handlungsfreiheit hat man, sei es den Feind zu umgehen, sei es sich an den Feind heranzuschleichen, sei es Waffen gegen den Feind einzusetzen, ohne dass dieser überhaupt weiß, wo man ist. Aber es muss klar gesagt werden, diesen Vorteil haben Stealth-Jets nur in der Luft. Am Boden sind sie ganz genauso verwundbar wie jedes andere Kampfflugzeug.

Indien hat die überlegenen Abstandswaffen, beispielsweise mit der BrahMos, einem Überschall-schnellen Marschflugkörper, der zusammen mit Russland entwickelt wurde. Gerade hat Indien dafür eine neue Fabrik eingeweiht, die 100 Stück davon im Jahr herstellen soll, allein diese eine Fabrik. Dazu kommen noch Scalp und Harop. Das heißt, Indien hat vielfältige Möglichkeiten, Ziele am Boden effektiv anzugreifen. Und hier kann es natürlich gegen Stealth-Jets vorgehen.

Jetzt kommen wir allerdings zu dem Problem. Wenn Indien nämlich glaubt, dass die Jets in der Luft zu gefährlich sind und es mit diesen nicht klarkommen könnte, dann würde in diesem neuen Konfliktfall bedeuten, dass es für Indien sinnvoll wäre, mit Angriffen auf die Flugfelder zu beginnen, um auf diese Art und Weise die Stealth-Jets am Boden auszuschalten. Das wären dann Angriffe direkt auf das pakistanische Militär, die sie bei dem letzten Waffengang vermieden haben zu Beginn, um die Eskalation nicht anzuheizen. In diesem Fall würde dies mit unmittelbarer Eskalation beginnen und natürlich würde Pakistan einen Angriff auf die Flaggschiffe, auf die besten Stücke seiner Luftwaffe, extrem ernst nehmen und versuchen, extrem hart und abschreckend darauf zu reagieren.

Das heißt, China kann die ganze Situation erheblich verschlechtern, denn indem er Pakistan Kampfflugzeuge liefert, die stealthfähig sind und damit die Balance in Richtung Pakistans verschiebt, kann dies dazu führen, dass sich Indien genötigt fühlt, Flughäfen in Pakistan anzugreifen, was dann eben das Ganze nicht mehr nur noch zu einem Schlagabtausch auf überschaubarem Niveau macht, sondern zu einem vollwertigen Krieg ausweitet. Das ist das Risiko, was diese Waffenlieferung erzeugen kann, schlicht und ergreifend, weil sich Indien, wenn es diese Kampfflugzeuge ernst genug nimmt, in Zugzwang sieht in dem Fall, dass ein neuer Konflikt ansteht.

Also keine besonders gute Entwicklung für Indien, eine gute für Pakistan, was seine Luftwaffe angeht, aber gleichzeitig ein erhebliches Eskalationsrisiko in dem Fall, dass beide Seiten sich zu einem neuen Waffengang entscheiden.

Ein Dankeschön auch an die Unterstützer auf Patreon wie hier auf YouTube. Im Besonderen möchte ich mich bedanken bei den Leutnanten Robert Fiel, Cunningham, Antix, E-Stress, Henning for You, Andreas Donut, Bad S. Lawyer, Carsten Schulz, Dr. Nut Brandes, Gulaschnascher 4000, Sascha Horwart, Steffen Tekiller 24 sowie Uwe Düfren (Nickname Tub). Vielen Dank. Ohne Sie wäre das so nicht möglich.