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Aufgeben war keine Option

Said Ibrahim25:32

Transcription

Mein Name ist Schivann, und heute erzähle ich euch meine Geschichte. In meiner Geschichte geht es um das schreckliche Leben in meiner Kultur. Ich habe mit der aktuellen Situation einfach auch Angst, zu sagen, aus welchem Land ich komme, aus welcher Kultur ich komme. Deswegen möchte ich das hier nicht erwähnen.

Ich erinnere mich, dass damals, als ich ungefähr 6 Jahre alt war, mein Onkel angerufen hat. Mein Onkel hat bei meinem Vater angerufen; er wollte, dass mein Vater zu den nach Hause geht, mit mir und meiner Mutter. Wir kommen da an, wir fragen ihn: Was ist passiert? Was ist los? Er sagt: „Morgen kommt eine Familie hin, um meine Tochter zu heiraten. Ich möchte, dass du einfach anwesend bist, Bruder Herz“, sagt der Onkel zu meinem Vater. Es war sein Bruder. Ich äh habe das damals in diesem Alter – habe ich das nicht verstanden. Für mich, für mich war das so: Man heiratet, fertig. Aber dieses Mädchen wurde nie gefragt, ob sie heiraten möchte, und das Allerschlimmste ist: Sie war damals zu dem Zeitpunkt 11 Jahre alt.

Saßen alle im Wohnzimmer, die Familie kam, alle waren glücklich. Es wurde über Brautgeld gesprochen, es wurde hier und darüber gesprochen. Wenn ein Mädchen hell war, Jungfrau war, gab es zwischen 40.000 und 80.000 €. Das Mädchen durfte auch nicht reden; sie musste einfach nur im Wohnzimmer sitzen, auf der Couch, und mit einem gesenkten Kopf und einfach nur das ganze über sich ergehen lassen, wie, wie die ganzen Onkels da sitzen und verhandeln, tatsächlich wie sie einfach verhandeln, wie viel Geld es gibt. Ein paar Wochen später war die Hochzeit. Ein Tag später war die Hölle los.

Nach der Hochzeit ruft mein Onkel meinen Vater an; er sagt: „Es hat heute Morgen geklingelt bei uns vor der Tür; sie stand mit einem Silbertablett bei uns vor der Tür, mit ihrem Kopf drinne, weil sie mit 11 Jahren nicht geblutet hat.“ Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll, aber wie kann man so krank sein? Eine zweite Cousine von mir musste heiraten, auch in demselben Alter. Ihr Mann kam eines Tages nach Hause, ziemlich besoffen, hat sie zusammengeschlagen, hat sie verprügelt, mit auf die Straße genommen, hat sie einfach angefahren mit dem Auto. Und dann habe ich ein paar Wochen von einem Onkel von mir gehört, wie er zu meinem Cousin gesagt hat: „Hör mir zu, es gibt eine ganz, ganz wichtige Regel: Du musst mindestens einmal in der Woche deine Frau verprügeln, damit sie weiß, wer der Mann zu Hause ist.“

Diese Gesellschaft, in der ich groß geworden bin, ist einfach nur schrecklich, wirklich einfach nur schrecklich. Ich möchte das auch gar nicht, ich möchte auch meine Frau gar nicht verprügeln. Ich möchte auch nicht sehen, dass meine Mutter verprügelt wird oder meine Schwester verprügelt wird. Aber als ich 10 Jahre alt war, fingen meine Ängste an, weil meine Schwester war jetzt mittlerweile auch elf, wie dieses Mädchen damals: Was ist, wenn jetzt eine Familie kommt und sie heiraten will? Was machen wir dann? Und dieser Tag, vor dem ich am allermeisten Angst hatte, der ist gekommen. Eine Familie hat angerufen bei meinem Vater: „Wir haben gehört, ihr habt eine wunderschöne Tochter; wir würden gerne bei Euch einen Tee trinken.“ Mein Vater legt auf und ist überglücklich; sagt zu meiner Mutter: „Da ist eine sehr, sehr reiche Familie; sie wollen unsere Tochter.“

Mein Vater hat diese Familie eingeladen. Ich sitze im Wohnzimmer, ich gucke meinen Vater an, ich gucke meine Mutter an; beide machen mir nicht den Eindruck, als würden sie das nicht wollen; beide machen mir nicht den Eindruck, als wären sie unglücklich. Man sieht einfach nur noch das Geld, man sieht einfach nur noch diese 40.000, 50.000, 60.000. Das Schlimme an der ganzen Sache ist, dass es nicht mal in unserem Land passiert; wir haben diese Kultur mit in dieses Land genommen, und das Ganze passiert hier in diesem Land, nicht in unserem Land. Das ist hier in diesem Land passiert. Ich gucke meine Schwestern, meine Schwester sitzt auf der anderen Seite; meine Schwester darf nicht reden, meine Schwester darf nicht gucken, meine Schwester darf nicht lachen, meine Schwester darf nicht weinen; sie darf gar nichts; sie muss einfach nur da sitzen, mit gesenktem Kopf, und muss einfach nur zuhören, wie, wie über sie verhandelt wird, wie viel Geld jetzt dabei herauskommt, wie viel Gold und was weiß ich alles. Und dann sagt mein Vater zu ihr: „Steh auf, bring dem Jungen einen Tee.“ Der Junge, der sie heiraten soll. Meine Schwester steht auf, geht in die Küche, macht einen Tee, kommt wieder und legt diesen Tee vor diesen Jungen. Dieser Junge war selber zu dem Zeitpunkt 12 Jahre alt. Alle waren sich einig. Mein Vater hat gesagt: „Ich werde, ich werde euch in zwei Tagen eine Antwort geben.“ Alle gehen weg; meine Schwester sitzt da, ich sitze da, meine Mutter, mein Vater. Und dann ruft mein Vater meine Schwester und sagt: „Setz dich bitte hier hin, meine Tochter.“ Sie setzt sich hin; ihr Kopf ist gesenkt.

Wir hatten Glück; mein Vater hat nicht zu ihr gesagt: „Du sollst ihn heiraten, oder du musst ihn heiraten.“ Mein, mein Vater hat meine Schwester gefragt: „Willst du ihn heiraten?“ Meine Schwester ist 11 Jahre alt; sie hat keine Ahnung, sie weiß gar nicht, was heiraten bedeutet. Meine Schwester bekommt Angst; sie ist 11 Jahre alt; das kleine Herz in ihrer Brust fängt an zu schlagen; es hat so schnell geschlagen, es hat sich so angefühlt, als würde ich ihren Herzschlag hören, weil ich einfach ihren Brustkorb gesehen habe, wie sie geatmet hat und Angst hatte. Sie sagt: „Äh, was soll das bedeuten? Heiraten mit diesem Jungen? Soll das heißen, dass ich diese Familie verlassen soll? Soll das heißen, ich ziehe hier aus und ich ziehe zu einer anderen Familie? Ich habe dann andere Eltern und so. Ich, ich möchte das nicht.“ Sie ist in Tränen ausgebrochen; sie hat gesagt: „Ich möchte bei euch bleiben; ich, ich kann das nicht.“ Mein Vater hat sie angeguckt und hat gesagt: „Okay, ich werde dich dazu nicht zwingen.“

Mein Vater hat noch am selben Abend diese Familie angerufen, hat gesagt: „Pass auf, ich habe meiner Tochter gesprochen; meine Tochter möchte das nicht.“ Dieser Mann am Telefon sagt zu meinem Vater: „Wie, deine Tochter möchte das nicht? Sie ist 11 Jahre alt; will sie dann heiraten?“ Mein Vater sagt: „Ja, sie möchte nicht; ich möchte sie auch nicht dazu zwingen. Wartet noch ein, zwei Jahre, und dann vielleicht könnte man noch mal probieren.“ Aber diese Familie hatte dann natürlich kein Interesse mehr, weil ihr Sohn hat jemand anderes geheiratet, auch natürlich eine, ein junges Mädchen.

In den nächsten ein, zwei Jahren habe ich sehr, sehr viele Geschichten gehört, wie junge Männer ihre Frauen verprügeln, windelweich schlagen oder sonstiges. Ich habe jeden Tag gebetet für diese Frauen; jeden Tag, jeden Tag habe ich mich gefragt: Kann das sein, dass man wirklich als ein Monster zur Welt kommt? Kann das wirklich sein, dass, dass man so viel Hass in sich trägt, dass man Frauen einfach als gar nichts sieht? Ich kann mich damit nicht identifizieren; das ist einfach schrecklich, schrecklich, so etwas zu sehen, schrecklich zu sehen, wie deine Mutter zusammengeschlagen wird, schrecklich zu hören, dass eine Cousine von dir ermordet wurde, eine Schwester von dir, und das Ganze ging über Jahre.

Dann wurde meine Schwester damals 18, 19 Jahre alt, und dann kam das Thema auch natürlich irgendwann wieder. Sie war natürlich schon sehr alt, 18, 19; so alt ist kein Mädchen bei uns und unverheiratet. Mein Vater hat sie gefragt: „Wie sieht's aus? Wie sieht's aus mit Heiraten? Da ist eine Familie, die hat Interesse; mein Sohn, der ist so alt wie du.“ Meine Schwester blickt ins Leere und guckt meinen Vater an und sagt zu ihm: „Ja, ich bin bereit; ich bin nicht mehr jung.“ Damals hatte ich Angst; jetzt, ich erwachsen, ich mache meinen Vater glücklich, ich mache meine Mutter glücklich, ich werde heiraten. Und dann kam die Familie; sie haben gesprochen; meine Schwester saß wieder da, und alle waren sich einig; es wurde Geld bezahlt, die Hochzeit wurde geplant, und ich gucke nur noch diesen Jungen an und denke mir: Ich weiß, dass du meine Schwester prügeln wirst; ich weiß, dass du meine Schwester verprügeln wirst; ich weiß, dass du sie wahrscheinlich auch umbringen wirst, wenn du total besoffen bist und gar nicht mehr weißt, was du machst und tust und sagst. Aber mir sind einfach die Hände gebunden; mir sind einfach die Hände gebunden; ich kann dagegen nichts tun.

Und dann kam die Hochzeit; alles war schön und gut; jeder ist nach der Hochzeit nach Hause gegangen. Eine Woche später kam ein Anruf von meiner Schwester: „Er hat mich halb totgeschlagen; ich weiß nicht, was ich machen soll.“ Mein Vater hat gesagt: „Das ist ein Mann; er darf dich schlagen; er ist ein Mann; er darf dich schlagen. Was, was willst du gerade von mir? Willst du, dass ich da jetzt Anrufe und sage: ‚Schlag meine Tochter nicht‘? Die werden sagen: ‚Du hast doch selber jeden Tag deine Frau geschlagen; deine Cousinen, Tanten, was weiß ich, wurden selber 100.000 Mal zusammengeschlagen; das ist doch kein Grund hier anzurufen; wollt ihr mich verarschen?‘“ Und genau das ist es, und das Ganze ging immer so weiter und immer so weiter und immer so weiter. Jede Woche war irgendwas.

Nach eineinhalb Monaten ist meine Schwester bei uns aufgetaucht, heulend, blaue Flecken, Prellungen. Sie war ein, zwei Tage bei uns; da hat die ihre Schwiegerfamilie angerufen, ihr Mann hat angerufen. Mein Vater, anstatt irgendwas zu den zu sagen, sagt er vor meiner Schwester, vor meiner Mutter und vor mir, sagt er zu den am Telefon: „Ich weiß gar nicht, worüber wir diskutieren; kommt hier hin und holt sie ab; sie gehört doch euch; es ist deine Frau; sie war jetzt zwei Tage hier; sie hat sich beruhigt; holt sie ab.“ Er legt auf; meine Schwester bricht in Tränen aus: „Wie kannst du mich wieder zurückschicken? Ich bitte dich von ganzen Herzen; dieser Typ wird mich umbringen; bitte schick mich nicht wieder zurück.“ Er hat gesagt: „Willst du, dass ich mein Gesicht verliere, meine Tochter? Willst du, dass ich jedes Mal auf Hochzeiten mit gesenktem Kopf runtergehe, nur weil du dich nicht schlagen lassen willst? Übertreib es nicht; unsere Mütter wurden geschlagen, unsere Schwestern wurden geschlagen; das ist kein Trennungsgrund; es ist einfach kein Grund.“

Meine Schwester und ich, wir sitzen im, im, in ihrem Zimmer damals; wir sind in ihr Kinderzimmer gegangen; wir saßen da; sie hat geweint; sie hat gesagt: „Ich vermisse dieses Leben hier, das Leben ohne Gewalt, das Leben ohne Angst; ich weiß nicht, was ich machen soll, Schivann; ich weiß nicht, wohin mit mir.“ Ich gucke sie an; ich habe Tränen in den Augen; ich sag zu ihr: „Lia, ich kann dir nicht helfen; ich weiß nicht, wie ich dir helfen soll; ich weiß nicht, was ich machen soll; ich habe selber Angst, und du weißt, wie unsere Kultur ist; ich habe keine Ahnung.“ Das ganz, ganz große Problem war auch: Du konntest nicht einfach abhauen; du konntest nicht die Polizei rufen. Hättest du die Polizei gerufen als Frau, weil dein Mann dich schlägt, du wärst, es hätte dich einen Tag später noch schlimmer getroffen. Auch wenn du abgehauen wärst, hätten sie dich irgendwann irgendwo gesehen; wäre das dein sicherer Tod gewesen, dein ganz, ganz sicherer Tod. Also Abhauen war überhaupt keine Option; neue Identität oder sonstiges überhaupt keine Option. Du kannst eine neue Identität kriegen, aber kannst kein neues Gesicht kriegen; du siehst aus wie, wie du aussiehst, und wenn sie dich dann erwischen, dann ist vorbei.

Anderthalb Monate später, nachdem meine Schwester wieder da war, ruft das Krankenhaus bei uns an: „Klinikum soundso; ja bitte, Ihre Tochter liegt hier auf der Intensivstation; wir sollten Sie kontaktieren.“ Mein Vater und meine Mutter gehen hin, kommen wieder; mein Vater ruft bei dieser Schwiegerfamilie an von ihr: Was ist passiert? Sie haben die ganze Zeit hin und her diskutiert; am Ende hat meine Schwester Schuld gekriegt, nicht ihr Mann. Meine Schwester war respektlos, hat ihn einen Hund genannt, weil er sie und ihre ganze Familie und ihre ganze Sippschaft und alles mögliche tot, was weiß ich alles, von vorne bis hinten beleidigt hat. Meine Schwester hat gesagt: „Du bist ein respektloser Hund“, und das hat sie in die Intensivstation geschickt. Mein Vater hat das natürlich verstanden; mein Vater hat natürlich gesagt, das gehört sich nicht, was sie getan hat. Mein Vater hat aber nicht gesagt: „Ihr kleinen Hunde, ihr habt mich beleidigt, ihr habt meine Frau beleidigt, ihr habt meine Tochter beleidigt, meinen Sohn beleidigt, meine Eltern, meine Generation komplett alles hat er beleidigt“, hätte er eigentlich sagen müssen. Aber stattdessen gibt er den Recht, bevor meine Schwester auf den Gedanken kommt, sich trennen zu lassen und [Musik] äh den Ruf der Familie zu schädigen.

Nach drei Monaten kam meine Schwester wieder; sie wurde aus dem Krankenhaus entlassen, ist nach Hause gegangen; es gab wieder eine Rangelei; er hat sie wieder geschlagen; meine Schwester steht wieder bei uns vor der Tür; mein Vater sagt: „Pass auf, das geht nicht, dass du jedes Mal hier hinkommst.“ Meine Schwester sagt zu ihm: „Hör mir zu; entweder du lässt mich jetzt rein und ich bleibe hier und du sorgst dafür, dass ich eine geschiedene Frau bin, oder du hast keine Tochter mehr; du wirst so oder so keine Tochter mehr haben; wenn du mich wieder zurückschickst, wird er mich töten; er wird mich irgendwann auf jeden Fall umbringen, und das möchtest du doch nicht; ich bin doch dein kleines Mädchen; hast du die Zeiten vergessen, als ich geboren bin, als du dich gefreut hast, als du nach Hause kamst? Hast du die Zeiten vergessen, wo ich nachts geweint habe? Hast du die Zeiten vergessen, wo ich dich das erste Mal angelächelt habe, wo ich das erste Mal Mama und Papa gesagt habe? Hast du diese ganzen Sachen vergessen? Und jetzt hast du mich irgend so einem Typen gegeben, der mich jeden Tag windelweich schlägt, mich irgendwann umbringt? Hast du mich dafür großgezogen? Hast du mich dafür jahrelang beschützt, bis ich geheiratet habe, um mich irgendwann jemanden zu geben, der mich behandelt wie einen Boxsack? Habe ich das verdient?“ Mein Vater sagt: „Komm rein; das war's; du bleibst hier.“ Mein Vater hat eingesehen. Ich habe auch zu meinem Vater gesagt: „Pass auf, das geht nicht mehr; wenn dieser kleine Hund hier hinkommt, wenn irgendeiner versucht, sie wieder davon zu überzeugen, zurückzugehen, genau dem werde ich alle Knochen brechen, und das kannst du jedem sagen, und auch wenn ich dafür sterben muss, sie wird nicht wieder zurückgehen, auf gar keinen Fall.“

Mein Vater hat angerufen, hat gesagt: „Pass auf, meine Tochter sagt, es geht nicht mehr; wir wollen nicht mehr.“ Dieser Mann sagt am Telefon: „Habe ich dir 60.000 € gegeben, damit deine Tochter X Monate bei meinem Sohn bleibt? Ist deine Tochter eine… was denkst du eigentlich?“ Auf einmal gab es eine Rangelei zwischen meinem Vater und seinem Vater. Mein Vater hat gesagt: „Pass auf, meine Tochter geht nicht mehr zurück; meine Tochter bleibt hier, und wer von euch ein Mann ist, soll hier hinkommen; ich knalle euch alle ab; sie bleibt hier; dein Geld kriegst du zurück; ich will es nicht; ich scheiß auf dein Geld; nimm dein Geld zurück.“ Mein Vater hat ihm sein Geld gegeben; alles mögliche wurde geklärt; die sind nach Hause gegangen; meine Schwester war bei uns, und irgendwann ist auch Gott sei Dank Ruhe eingekehrt. Aber es hat natürlich was mit ihrer Psyche gemacht; so etwas vergisst man nicht; sowas, es [Musik] äh sowas begleitet einen sein Leben lang.

Dann saß ich mit meiner Schwester an, im, äh in ihrem Zimmer; sie lag auf dem Bett, ich sitze auf dem Stuhl; sie hat gesagt: „Weißt du, der nächste Mann, den ich heiraten werde, es wird der Mann sein, der mich liebt; das wird der Mann sein, der mich schätzt; das wird der Mann sein, der niemals auf den Gedanken kommt, seine Hand mir gegenüber zu heben.“ Und irgendwo da draußen ist dieser Mann, und ich hoffe, es geht diesem Mann gut, und ich hoffe, dass er jetzt gerade, egal wo er ist, dass es, dass er einfach glücklich ist und dass es seiner Familie gut geht, und ich hoffe, dass er jetzt einfach in diesem Moment lächelt, und irgendwann wird er da sein; ich weiß es, weil ich bin ein guter Mensch; ich habe niemanden was getan; ich wollte einfach nur dafür sorgen, dass das Gesicht meines Vaters nicht fällt, aber ich möchte nicht so enden wie die anderen Mädchen. „Kannst du das eigentlich verstehen, Schivann?“ Ich habe es ja angeguckt; ich habe gesagt: „Ich verstehe dich 100 %; ich war von Anfang an gegen diese Ehe, diese Fake-Ehe, Liebe und was weiß ich; das war, ist doch alles gelogen; es geht, es ging hier einzig allein nur ums Geld.“

Wir haben gequatscht, geredet, hin und her; sie sagt zu mir: „Hast du eigentlich noch mal mit, mit Onkel gesprochen, mit dem Bruder von meinem Vater?“ Ich sag: „Ja, ich habe letzte Woche mit ihm telefoniert.“ „Was sagt er?“ Ich habe gesagt: „Ich sag dir ehrlich, wir haben so bisschen darüber gesprochen, was dir passiert ist und sowas, und er sagt zu mir: ‚Schivann, ich sag dir was, goldene Regel: Wenn du irgendwann heiraten solltest, du musst deine Frau mindestens einmal in der Woche richtig kaputt schlagen, damit sie weiß, wer der Mann im Haus ist. Wenn du das nicht machst, wird sie dir auf den Kopf steigen, und sie wird tun und lassen, was sie will; sie wird rausgehen, wann sie will; sie kommt nach Hause, wann sie will; sie wird deine Kinder ohne Respekt aufziehen; keiner wird Respekt oder Angst vor dir zu Hause haben; verstehst du das? Das ist ganz wichtig: Einmal in der Woche.‘“ In dem Moment, in dem Moment wollte ich einfach nur sagen: „Jimmy soll deine Mag knallen, schwör es dir; wenn jemand deine Mag knallen sollte, dann Jimmy.“ Aber Jimmy würde so etwas natürlich niemals tun. Abdrahman ist ein ekliger, egal, scheiß drauf. Auf jeden Fall war ich überhaupt nicht dieser Meinung; ich war einfach nur traurig, dass, dass es so etwas gibt.

Heute gründet meine Schwester eine Organisation für genau solche Frauen, die jeden Tag in Angst leben. Das Problem ist: Wenn du diese Mädchen siehst oder diese Frauen siehst, sie wirken glücklich, sie wirken so, als wäre alles okay; wenn sie zusammen sind, lachen sie alle, erzählen sich gegenseitig Geschichten, aber tief im Innern sind alle tot; jedem von denen ist einfach nur Leere, Dunkelheit, Verzweiflung und Angst. Und ich hoffe, dass wir das schaffen werden; ich hoffe, dass sie das schafft, diese Organisation zu gründen; dann können sich genau solche Frauen bei ihr melden und können raus aus dieser Hölle. Die Würde des Menschen ist [Musik] unantastbar; man kann einen Menschen nicht dazu zwingen, man kann einen Menschen nicht zu irgendetwas zwingen, was er nicht möchte, nicht zu heiraten oder egal [Musik] was; die Würde des Menschen ist unantastbar, und jeder hat nur dieses eine Leben. Stell dir mal vor: Du kommst auf diese Welt, bis 5, 6 Jahre alt siehst erstmal so etwas, dann bist du selber 11, 12 Jahre alt, wirst verheiratet, gezwungen dazu, wirst jeden Tag verprügelt, und wenn du Pech hast, bleibst du mit diesem Mann bis an dein Lebensende und musst hoffen, dass du nicht irgendwann stirbst. Und das ist etwas sehr, sehr Schreckliches. Ich ähm hoffe und bete einfach: Wenn du das hier siehst, wenn du dich in so einer Situation befindest, es gibt ganz, ganz viele Organisationen, die schon da sind, die euch helfen können. Ich äh hoffe und bete, dass ihr aus dieser Hölle rauskommt. Wenn es dir gerade wirklich so schlecht geht, tu was, vor allem wenn du Kinder hast; deine Kinder dürfen nicht ohne Mama aufwachsen. Ich scheiß auf das Gesicht von deinem Vater, wenn du tot bist und deine Kinder Weisenkinder werden und in ein, in ein Heim kommen, von ihrem Stiefvater vergewaltigt werden und was weiß ich alles. Ich, das Gesicht von deinem Vater… Es tut mir leid, dass ich so respektlos bin, aber solche Väter sind keine Väter; solche Väter sind einfach nur… und das war's. Die Message habt ihr ganz klar verstanden, und äh ja, danke auch an dich, dass du mir deine Geschichte anvertraut hast; das bedeutet mir sehr viel. Danke, dass ich dir erzählen durfte; mir ist es nicht leicht gefallen, aber es werden auf diesem Kanal Geschichten erzählt, die, die ihr in den Nachrichten nicht mitbekommt oder auf TikTok nicht mitbekommt; dafür bin ich ja da; deswegen abonniert diesen Kanal, aktiviert die Glocke, damit wir immer die Stimme der nicht Gehörten bleiben, und das war's. Folgt mir, mein Bramilio, euer Schivann Ibrahim [Musik] [Musik].