📱

Get Our Mobile App

Take your business learning on the go!

Download on the App StoreGet it on Google Play

Zu viel USA im Portfolio: Jetzt neu gewichten?

Finanzfluss17:24

Transcription

Über 70% US-Anteil im Weltindex MSCI World, und das in der aktuellen Marktlage. Viele fragen sich deswegen, ob das kein Klumpenrisiko ist, was man sukzessiver reduzieren sollte. Was dafür spricht, was dagegen spricht und mit welchen fünf Portfolioideen man das umsetzen kann – darum geht’s in diesem [Musik] Video.

Hi, mein Name ist Thomas von Finanzlos, und im heutigen Video sprechen wir mal über das US-Gewicht in euren Portfolios. Denn aus den USA kommen ja derzeit keine sonderlich versöhnlichen Töne, und ähnlich sieht es auch die Börse, die sich seit dem Staatsstreich von Trump im Crash befindet. Gleichzeitig sind die USA aber das Land, was mit Abstand am meisten Gewicht in Weltportfolios hat. Egal, ob man sich dazu den MSCI World, den ACWI FUTS All World oder sonstige Indizes anschaut. Im Spider ACWI EMI Index z.B., der 99% der weltweiten Marktkapitalisierung abbilden möchte, haben die USA ein Gewicht von über 64%, also deutlich mehr als die Hälfte. An zweiter Stelle befindet sich Japan, und das ist nicht mal zweistellig, sondern hat ein Gewicht zwischen 5 und 6%.

Das wirkt im ersten Moment so, als wären die USA extrem dominierend. Wenn man fair rechnen möchte, müsste man eigentlich die Länder der Europäischen Union zusammenzählen, denn wir sind ja eine Wirtschaftszone, und dann würden wir schon höher zweistellig sein. Nichtsdestotrotz werden wir weiterhin weit von dem mehr als 60% US-Gewicht entfernt sein. Bevor wir uns anschauen, wie denn Länder überhaupt in solchen Indizes gewichtet werden und welche Portfoliokturierungsalternativen es gibt, schauen wir uns zunächst ja mal an, was für das aktuelle Gewicht der USA spricht. Also, was möglicherweise gute Gründe sind, diese Gewichtung genauso beizubehalten.

Das erste Argument dürfte der Blick in den Rückspiegel sein. In dieser Grafik seht ihr einmal die Entwicklung des MSCI World XUS USA, also sozusagen die Industrieländer ohne die USA, verglichen mit einem MSCI World, wo die USA drin sind. Wir sehen, dass bis ins Jahr 2015 beide Indizes relativ nah beieinander gelegen haben und dann die Schere aber immer größer wird. Das liegt daran, dass US-Aktien und insbesondere US-Technologieaktien in den letzten 10 Jahren phänomenale Renditen erzielt haben und deutlich besser gelaufen sind als alle anderen Länder in diesem Zeitraum.

Das zweite Argument, was dafür spricht, weiter einen hohen US-Anteil zu halten, ist, dass die amerikanischen Unternehmen, die besonders an Wert gewonnen haben, ja keine rein amerikanischen Firmen sind. Also, sie haben zwar ihren Unternehmensitz in den USA, machen dort auch beträchtliche Geschäfte, sind in der Regel aber multinationale Firmen, die global tätig sind, also auch weltweit ihre Produkte verkaufen und eher von der globalen Wirtschaftslage als nur von der US-Wirtschaftslage abhängen. Das sieht man auch gerade in den Streitigkeiten rund um Zölle. Im ersten Moment zielen diese US-Zölle natürlich auf ausländische, also nicht US-Unternehmen, aber multinationale Konzerne wie z.B. Apple leiden ebenfalls unter diesen Zöllen, denn sie produzieren ihre iPhones ja nicht in den USA und müssen diese, wenn sie die dort verkaufen wollen, trotzdem importieren. Wenn man sich z.B. die Umsatzverteilung von Apple im Jahr 2024 anschaut, dann waren 43% aus den USA, 26% aus Europa, 17% aus China und die restlichen Prozent über die Welt verteilt.

Ein weiteres Argument, was dafür spricht, die Gewichtung so weiter beizubehalten, ist, dass Indizes und ETFs ja einen automatischen Rebalancing-Mechanismus haben. Die Gewichtung von Ländern und Unternehmen findet in der Regel ja basierend auf der Marktkapitalisierung statt. Dazu kommen wir gleich noch mal im Detail. Das heißt, die Aufteilung ist regelbasiert und überhaupt nicht arbiträr. Wenn ein Land jetzt in der Marktkapitalisierung infolge von schlechter Wirtschaftslage absteigen sollte, dann würde sich das mittel- und langfristig auch in der Gewichtung des entsprechenden Landes in den verschiedenen Indizes und ETFs abbilden.

Soweit die Argumente für das US-Gewicht. Schauen wir jetzt mal Argumente dagegen an. Das erste Argument bezieht sich auf die sehr gute Performance der US-Aktien in den letzten 10 Jahren. Dieses Argument kann man nämlich auch umdrehen und sagen: Na ja, man kann damit rechnen, dass es zu einer Regression zum Mittelwert kommt. Denn wenn man sich die Börsengeschichte anschaut, gibt es in jeder Phase gewisse Branchen oder Regionen, die besonders gut gelaufen sind und die dann in den nächsten Phasen nicht mehr so gut laufen. Die Loser, die schlechter gelaufen sind als der Durchschnitt, holen auf, und die Gewinner lassen etwas nach. Wie lange diese Zyklen allerdings dauern und ob das jetzt für die USA der Fall sein muss, das kann natürlich niemand zuverlässig prognostizieren.

Das zweite Argument ist natürlich das große Klumpenrisiko, was wir eingangs schon mal angesprochen haben, also der in absoluten Zahlen sehr hohe Betrag. Das kann man allerdings auch noch mal runterrechnen auf die einzelnen Firmen. Schauen wir uns hier einmal die Top 10 Holdings des Spider MSCI ACWI EMI Index an, den wir uns eben schon angeschaut haben. Er deckt 99% der weltweiten Marktkapitalisierung ab, und das hier sind die Top 10 Investments. Insgesamt machen die 19,4%, also fast ein Fünftel des gesamten Fondvolumens aus. Und wenn wir uns die Top 10 Werte anschauen, sind neun dieser zehn Werte US-amerikanische Firmen. Wenn man davon ausgeht, dass dieser ETF nahezu die gesamte Weltmarktkapitalisierung abbildet, dann sind diese neun Unternehmen 18% der gesamten Weltmarktkapitalisierung. Zur Erinnerung: Es gibt mehrere Tausende an der Börse gelistete Aktien. Demnach ist diese starke Konzentration nicht nur auf US-Aktien als Anlageklasse, sondern sogar auf einzelne US-Aktien zu beobachten. Später haben wir genau zwei Portfolioideen, die diese Problematik versuchen zu umgehen.

Ein weiteres Argument gegen dieses hohe US-Gewicht ist, dass dieses gar nicht die Wirtschaftsleistung der USA repräsentiert. Die Wirtschaftsleistung wird gemessen im BIP, im Bruttoinlandsprodukt, und gemessen am weltweiten BIP, also an der Wirtschaftsleistung der Welt, machen die USA eigentlich zwischen 26 und 28% aus. Also bedeutend weniger als 60 bis 70%, wie sie in den Indizes drin sind. Wer also mit dem Gedanken spielt, seine US-Gewichtung runterzufahren, der kann den Faktor BIP stärker mit in seine Portfoliogewichtung einbeziehen. Wie genau das funktioniert, dazu gleich.

Als letzten Punkt möchte ich noch die aktuelle US-Politik aufführen, wobei man dazu auch klar den Disclaimer geben muss, dass politische Börsen meistens kurze Beine haben. Aktuell ist die Zollthematik ja überall präsent, und es sieht fast so aus, als wollten die USA sich sukzessive vom Welthandel abschotten. Dementsprechend gibt es in anderen Regionen dieser Welt mehr und mehr Bestrebungen, lokal zu konsumieren oder einfach nach neuen Handelspartnern zu suchen. So gibt es z.B. ein Hashtag und Subreddit „buy from you“ oder „buy Canadian“. Das könnte dazu führen, dass weniger US-Produkte konsumiert werden oder dass sich die internationalen Handelspartner einfach neu orientieren und das, was sie produzieren, nicht mehr überwiegend in die USA, sondern in andere Teile der Welt verkaufen. Aber auch hier sei noch mal erwähnt: Das ist alles Spekulation, und hier muss man immer extrem vorsichtig sein, denn niemand hat wirklich eine Glaskugel und weiß, wie es in Zukunft aussieht.

Bevor wir uns die Portfolios anschauen, kommen wir mal zur Frage, warum der US-Anteil denn so hoch ist. Wie eben schon angedeutet, werden die meisten Indizes nach einer Methode gewichtet, die Marktkapitalisierungsgewichtung heißt. Die Marktkapitalisierung eines Unternehmens ist kurz gesagt einfach ihr Börsenwert, also die Anzahl der Aktien multipliziert mit dem aktuellen Börsenkurs. Große Unternehmen können gerne mal multiple Milliarden wert sein. Wenn wir von Ländermarktkapitalisierung sprechen, ist das einfach die Summe der Marktkapitalisierung von allen Unternehmen, die in diesem Land an der Börse gelistet sind. Und wenn wir die Weltmarktkapitalisierung wissen wollen, dann summieren wir einfach die Marktkapitalisierung, also den Wert von allen Unternehmen auf dieser Welt. Wenn wir jetzt z.B. wissen wollen, wie hoch der prozentuelle Anteil der US-Marktkapitalisierung ist, da können wir einfach diese US-Marktkapitalisierung, also die Summe von allen Unternehmen in den USA an der Börse gelistet, teilen durch die Weltmarktkapitalisierung. Und so kommen wir dann ungefähr auf unsere 60 bis 70%. Dieses Prozedere rechnet man dann Land für Land durch und weiß dann, wie viel Gewicht welches Land in einem Weltindex haben sollte. Diese Methode ist ziemlich angenehm, denn hiermit kann man sehr einfach berechnen, welches Land wie viel Gewicht in einem Index haben sollte. Es gibt allerdings ein kleines Problem, denn die Anzahl der an der Börse gelisteten Unternehmen ist nicht in jedem Land konstant. Konkret bedeutet das z.B., dass Frankreich als Land eine höhere Marktkapitalisierung hat als Deutschland, obwohl Deutschland eigentlich als das wirtschaftsstärkere Land gilt, beispielsweise weil wir ein höheres BIP haben. Das ist deswegen möglich, weil die in Frankreich an der Börse gelisteten Unternehmen in der Summe einfach größer sind als die Unternehmen in Deutschland. Das liegt z.B. daran, dass große deutsche Konzerne wie z.B. Aldi, Lidl oder Bosch zwar in Deutschland ihre Geschäfte machen und das Bruttoinlandsprodukt vorantreiben, aber nicht börsennotiert sind. Setzt man das Bruttoinlandsprodukt und die Marktkapitalisierung mal ins Verhältnis, würde Frankreich bei 127% liegen und Deutschland gerade mal bei 77%. Die EU würde im Schnitt auf 54% kommen, also deutlich näher an Deutschland als an Frankreich. Frankreich ist übrigens nach Marktkapitalisierung das sechstgrößte Land der Welt. An erster Stelle stehen die USA mit 155%. Das bedeutet: Hier spielt die Börse im Vergleich zur Wirtschaftskraft eine extrem hohe Rolle. Deswegen kann man sich berechtigterweise die Frage stellen, ob die Gewichtung nach Marktkapitalisierung überhaupt die wirtschaftliche Realität darstellt oder ob man nicht einen Korrekturfaktor einführen muss, der die Gewichtung etwas mehr nach Bruttoinlandsprodukt orientiert. Auch hier gibt es eine Portfolioidee, und deswegen schauen wir uns unsere fünf Portfolio-Vorschläge einmal an, mit denen ihr automatisch das US-Gewicht reduziert.

Wichtig zu wissen ist, dass es sich hier nicht um eine Empfehlung handelt. Das heißt, wir möchten hier nicht empfehlen, dass ihr euer US-Gewicht reduziert. Wie gesagt, in den vergangenen Jahren ist man mit US-Aktien extrem gut gefahren. Und wenn du einfach nur einen Sparplan auf den MSCI World hast mit 70% US-Gewicht, kann das eine genauso erfolgsversprechende Strategie in der Zukunft sein. In der aktuellen Lage haben sich allerdings manche aus der Community noch mal Gedanken darüber gemacht, wie sie ihr Portfolio aufbauen wollen, und deswegen hier unsere Ideen.

Relativ schnell abgefrühstückt, weil schon in so vielen Videos besprochen, ist Portfolio-Vorschlag Nummer 1: 70/30 – 70% Industrieländer und 30% Schwellenländer. Die Schwellenländer haben nämlich nur 10% an der gesamten weltweiten Marktkapitalisierung, haben aber einen deutlich höheren Anteil am BIP. Und wenn wir die Schwellenländer mit 30% gewichten, dann reduzieren wir den Industrieländeranteil und damit auch den US-Anteil zugunsten der Schwellenländer wie z.B. Indien, China, Brasilien – dort, wo sehr, sehr viele Menschen auf diesem Planeten leben und wirtschaften. Wenn wir nach Marktkapitalisierung gewichten würden, hätten die Industrieländer 89% Gewicht. Dort enthalten die USA mit 63%, und die Schwellenländer gerade mal 11%. Gewichten wir nach BIP, hätten die Industrieländer sogar nur 61% Gewicht und 39% die Schwellenländer. Als kleine Inspiration blenden wir euch mal hier drei mögliche Industrieland-ETFs ein, mit denen ihr den Industrieländeranteil abbilden könnt, und drei mögliche ETFs, mit denen ihr die Schwellenländer abbilden könnt. Wenn ihr mehr über diese ETFs erfahren möchtet oder Alternativen suchen wollt, dann nutzt mal unsere ETF-Suche. Den Link findest du unten in der Videobeschreibung direkt mit den vorselektierten Parametern, um genau diese ETFs zu finden. Ein Nachteil hat dieses 70/30 Portfolio allerdings: Dadurch, dass wir die Industrieländer reduzieren, verliert auch Europa relativ gesehen an Gewicht. Europa, wie wir wissen, hat aber nach Marktkapitalisierung sowieso schon relativ wenig Gewicht, und deswegen unser zweiter Portfolio-Vorschlag, der lautet 50/30/20. Hierbei habt ihr nur 50% Industrieländergewichtung, 30% Schwellenländergewichtung und noch mal 20% zusätzlich europäische Aktien. Schauen wir jetzt in dieser Tabelle mal die Gegenüberstellung von diesem Portfolio mit der Marktkapitalisierungsgewichtung und BIP-Gewichtung an. Dabei fällt uns auf, dass wir Europa leicht übergewichten, auch im Vergleich zur BIP-Gewichtung, aber nicht mehr stark untergewichten, wie es bei der Marktkapitalisierungsmethode der Fall war. Zwei mögliche ETFs, mit denen ihr den Europaanteil in eurem Portfolio abdecken könnt, wären z.B. wie diese hier, aber auch weitere Vorschläge findest du in der Beschreibung.

Kommen wir zur dritten Portfolio-Idee, die eigentlich nur eine ETF-Idee ist, und das ist der ETF von Gerd Kommer. Der hat sich nämlich intensiver mit dem starken US-Gewicht in Weltindizes auseinandergesetzt und hat hier zwei interessante Ansätze gefunden. Der Kommer-ETF gewichtet nämlich sowohl nach Marktkapitalisierung als auch nach Wirtschaftskraft, also BIP. Beide Gewichtungen werden zusammengerechnet, und daraus dann das Mittel gezogen. Rechnen wir das Ganze mal beispielhaft durch für das US-Gewicht. Nach Marktkapitalisierung sollten die USA 63% Gewicht haben, nach BIP aber nur 28% Gewicht. Rechnet man beide zusammen und teilt sie wieder durch zwei, kommt man auf 45,5% US-Gewicht. Somit ist das US-Gewicht, zumindest im Vergleich zur Marktkapitalisierung, im Kommer-ETF deutlich reduziert. Seine Argumente, die durchaus nicht unumstritten sind, sind folgende: Sein erstes Argument ist, dass die US-Wirtschaft anderen Regionen nicht überlegen ist. Schaut man sich das Wirtschaftswachstum laut Kommer über mehrere Jahrzehnte an, ist die US-Wirtschaft nicht stärker gewachsen als die Wirtschaft anderer Regionen. Zweitens führt er an, dass die US-Tech-Aktien keine systematische Überrendite erzielen. Das heißt, dass Technologieaktien nicht systematisch besser laufen als andere Aktien. Und ein Argument, was man auch in den Disclaimern aller möglichen Finanzprodukte sehen kann, ist, dass vergangene Kursverläufe kein Indikator für die zukünftigen Kursverläufe sind. Das heißt konkret: Nur weil die USA in den letzten 10 Jahren extrem gut gelaufen sind, bedeutet das nicht, dass sie es auch in den nächsten 10 Jahren auch tun werden. Mit diesem Gewichtungsmix aus Marktkapitalisierung und BIP-Gewichtung ergibt sich für den Kommer-ETF aktuell folgende Aufteilung: Die USA sind deutlich niedriger gewichtet. Dafür haben China und die europäischen Länder ein deutlich stärkeres Gewicht. Zusätzlich zur Ländergewichtung gibt es beim Kommer-ETF noch eine zweite Besonderheit, die die Gewichtung betrifft. Um das zu veranschaulichen, stellen wir mal die Top 10 Aktien des Kommer-ETFs neben die Top 10 Aktien des Spiders MSCI ACWI EMI, also dem Weltindex. Schnell fällt auf, dass die Top 10 Werte bei Kommer nicht 19% Gewicht haben wie hier im Vergleichs-ETF, sondern weniger als 8%. Und das liegt daran, dass es einen 1%-Cap gibt. Das heißt, keine Aktie darf mehr als 1% Gewicht im gesamten ETF haben. Das vorhin besprochene Klumpenrisiko auf einzelne Aktien, in diesem Fall überwiegend US-Technologieaktien, ist somit also stark abgemildert. Für wen dieses Gewichtungsmodell interessant ist, der kann sich den Kommer-ETF mal genauer anschauen. Den gibt es als ausschüttende und thesaurierende Variante. Außerdem haben wir uns in diesem Video den ETF mal genauer angeschaut.

Kommen wir zur vierten Portfoliomöglichkeit, und wir haben sie mal MSCI World XUSA genannt. Mit dieser Strategie kannst du dir nämlich eine völlig individuelle US-Gewichtung selbst zusammenmischen. Mittlerweile gibt es nämlich ETFs auf den Index MSCI World XUSA. Das ist der MSCI World ohne die US-Aktien. Natürlich solltest du nicht nur in diesen investieren, denn dann würde dir ein Riesenteil der weltweiten Marktkapitalisierung fehlen. Aber du kannst dir dann diesen ETF nach Wunsch so zusammenmischen, dass dein US-Anteil individuell zusammengestellt ist. Wenn du z.B. auf dieselbe Quote wie Kommer kommen möchtest, nämlich 45,5%, da würdest du einfach von 100€ für 45,5% einen reinen US-ETF kaufen und dann für den Rest einen ETF auf den MSCI World XUSA. Auf diesen Index gibt es diese beiden ETFs, und den US-Anteil könntest du z.B. mit einem S&P 500 ETF abbilden. Hier gibt es z.B. für diese beiden ETFs, die diesen Index abbilden. Auf Wunsch kannst du deinem Cocktail dann natürlich beliebig andere Zutaten noch hinzumischen, beispielsweise einen Schwellenländer-ETF oder einen ETF speziell auf Small Caps oder europäische Aktien.

Kommen wir zum fünften und letzten Portfolio-Vorschlag, und das ist ein sogenannter Equal-Weight-ETF. Der eben genannte Index, nämlich der S&P 500, hat dasselbe Problem wie die Weltindizes MSCI World oder ACWI oder wie sie alle heißen: nämlich seine Gewichtung richtet sich auch nach der Größe der Unternehmen. Je größer das Unternehmen, desto höher das Gewicht. Wenn du das nicht möchtest, kannst du dich für eine Equal-Weight-Lösung entscheiden. Hier hat jede Aktie im Index genau dasselbe Gewicht. Statt also die Top 10 Werte zwischen 20 und 30% des gesamten Indexgewichts einnehmen, nehmen sie in diesem Beispiel gerade mal mickrige 2,5% ein, denn 100%/ge Aktien ergibt 0,2% Gewicht pro Aktie. Diese 0,2% können nicht immer konstant gehalten werden, sondern werden über das Quartal hinweg neu balanciert. Das heißt, einige Aktien steigen ja, werden also vom Gewicht her stärker, andere fallen lassen, also federn. Wenn wir die aktuellen Top 10 anschauen, stellen wir aber fest, dass jede einzelne Aktie mehr als 0,2% Gewicht hat. Das liegt daran, dass nicht jeden Tag neu gerebalanced wird. Das würde zu viel Transaktionskosten auslösen, sondern nur einmal im Quartal. Während dem Quartal verschieben sich die Gewichtungen dann leicht, denn manche Aktien steigen, andere fallen wiederum, aber einmal im Quartal wird diese ursprüngliche Gleichgewichtung wiederhergestellt.

Soweit unsere fünf Portfolioideen. Bleibt jetzt noch die Frage: Soll ich jetzt alles auflösen und mein US-Gewicht reduzieren? Und die Antwort lautet hier sehr wahrscheinlich: Nein. Blinder Aktionismus macht vermutlich deine langfristige Rendite mehr kaputt, als dass es ihr etwas bringt. Es gab Zeiten, da wurde ständig darüber diskutiert, ob man den China-Anteil in seinem Portfolio eher reduzieren sollte, da es hier besondere Risiken gibt. Dann gab es wieder Zeiten, wo Menschen mehr USA haben wollten, weil sie an die US-Technologiefirmen geglaubt haben, und in den Downphasen wollten sie dann wieder weniger haben. Wenn du schon seit längerem das Gefühl hast, dass du in der Balance deines Portfolios etwas anpassen musst, dann kannst du das jetzt natürlich tun. Aber lass dich nicht aus Panik oder Unsicherheit in blinden Aktionismus verfallen, sondern überleg dir deine Entscheidung genau, denn niemand hetzt dich. Und vergiss auch nicht, dass ETFs und Indizes sich automatisch selbst korrigieren, denn die Gewichtung der einzelnen Länder wird dynamisch quartalsweise angepasst. Und sollten die USA wirklich ihre Primärstellung in der Welt verlieren oder zumindest ein bisschen abbauen, wird sich das auch zukünftig in den Indizes und ETFs widerspiegeln. Und wenn du jetzt auf den Geschmack gekommen bist und gerne weitere Portfolioideen kennenlernen möchtest, dann schau dir dieses Video hier an. Und wenn du wissen möchtest, wie Gold sich in deinem Portfolio in den letzten Jahren ausgewirkt hätte und ob es eine Idee ist, das beizumischen, dann schau gerne hier rein.