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KG 069 Der reformatorische Abendmahlsstreit

Professor Lüdke56:14

Transcription

Hallo, liebe Freunde der Kirchengeschichte! Herzlich willkommen zu diesem Video über den reformatorischen Abendmahlsstreit. Wahrscheinlich habt ihr schon mal gehört, dass Luther und Zwingli sich über das Abendmahl heftig gestritten haben und irgendwie nicht zu einer gemeinsamen Meinung gefunden haben. Das möchte ich euch heute ein bisschen erklären, was da für Hintergründe waren. Ein wichtiges historisches Ereignis dabei war das Marburger Religionsgespräch 1529, auch das wir ein bisschen näher eingehen werden. Damit wir verstehen, wieso diese Sache mit dem Abendmahl so wichtig war für die Reformatoren, dass sie da ernsthaft gestritten haben. Wenn man sich fragt, was für Quellen es dafür gibt oder so, möchte ich euch an dieser Stelle auch mal kurz zeigen, was da so der Unterschied ist zwischen Luther und Zwingli. Von Zwingli gibt es hier diese vier Bücher, Zwinglis Schriften. Die findet ihr bei uns in der Bibliothek und da 447. Wie ihr seht, das ist eigentlich alles, was Zwingli so geschrieben hat. Das kann man in diesen vier Büchern zusammenfassen, und da kann man das heute in ganz guter deutscher Sprache nachlesen, was Zwingli so gedacht hat. Er hat oft über das Abendmahl geschrieben. Wer also Zwingli recherchieren will über das Thema Abendmahl oder sonstige Themen, muss einfach in diesen vier Büchern Zwinglis Schriften nachlesen.

Bei Luther sieht das schon ganz anders aus. Luther war also zehn über Parr, war jetzt nicht so der Schriftsteller. Luther dagegen war Theologieprofessor und er war ein begnadeter Schriftsteller. Er hat erstens total viele Schriften verfasst, und dann wurde er als sehr berühmter Mann auch alles Mögliche von ihm aufgeschrieben und mitprotokolliert, so dass man dann bis ins 19. Jahrhundert alles gesammelt hat, jeden Zettel, den man noch von ihm, und daraus ist die sogenannte Weimarer Ausgabe geworden, die sich hier bei uns in der Bibliothek in der heutigen Ausgabe so aus. Die findet ihr unter 44 44, Luthers Berggeist. Die eigentlich, also das steht gar nicht bei der Weimarer Ausgabe drauf, aber es heißt so. Und von diesen dicken Bänden, die jeweils alle irgendwie verordnung 5-700 Seiten haben, gibt es 100 Bände ungefähr mit Schriften Luthers. Also wer das anfangen will durchzulesen, der ist erst mal ein Semester beschäftigt. Aber wenn man wissenschaftlich arbeiten will über Luther, dann ist es heute so, dass man dann richtig tief gehende wissenschaftliche Untersuchungen nutzt, auch nach dem Original zitieren sollte, so wie er tatsächlich gesprochen und geschrieben hat. Und das findet man hier in der Weimarer Ausgabe. Da sieht man schon, das ist altdeutsche Schrift, das ist mit lateinischen Sätzen oft durchsetzt, mit Fußnoten und im Wald deutscher Sprache. Auch alles, was er da geschrieben hat, findet sich hier in der Weimarer Ausgabe. Und wenn ihr in der Weimarer Ausgabe dann irgendwas zitiert, dann macht man das so. Ich mache hier gerade mal ein Beispiel. Also, dann würde man das so zitieren. Wir jetzt hier, man würde sagen, in WA 13, das ist der dreizehnte Band der Schriften, den ich jetzt, oder ich hab jetzt hier den 14., sagen wir mal, es wäre der dreizehnte, auf der Seite 234 in Zeile 12. Also dazu kann man ganz genau einen Satz aus der WA zitieren. Entweder man zitiert nur Band und Seite oder sogar auch noch die Zeile, wenn man ein ganz bestimmtes Zitat markieren will. Wenn ihr also irgendwo in theologischen Schriften einfach seht WA 27, 5 112, dann wisst ihr, ihr müsst in dieser Weimarer Ausgabe der Luther-Schriften schauen. Soweit als kleine Vorrede zum Quellenstudium.

Jetzt kommen wir also zu der eigentlichen Frage: Was hat es mit dem reformatorischen Abendmahlsstreit auf sich? Wieso haben die Leute sich so über das Abendmahl gestritten? Dazu muss man erst mal sagen, dass Luther und Zwingli nicht die ersten waren, die sich über das Abendmahl gestritten haben. Das Abendmahl ist schon immer ein heißes Streitthema in der Christenheit gewesen. Schon in der alten Kirche kann man sagen, dass da zum Beispiel Ambrosius gegen Augustinus in ihrem Verständnis sehr unterschiedlich waren. Ambrosius hat es eher sakramental, geheimnisvoll, wirkungsvoll verstanden; Augustinus vielleicht eher ein bisschen in symbolischer Richtung. Es kann dann, also das war so um 400 herum. Dann so im neunten Jahrhundert kann es schon zu einem ersten großen Abendmahlsstreit zwischen einem Ratwert und einem Rat Ramos, wo es wieder so war: Der Rat Rambus hat das eher symbolische Handlungen verstanden, der Abwehrtier performativ würde man sagen, als dass da wirklich was passiert und wirkt, wenn man das Abendmahl nimmt. Ähnlich dann 1050 haben sich wieder zwei gestritten, Lanfranc und Berengar von Tours. Berengar hat es leibhaftig verstanden, dass da wirklich Jesus anwesend ist, wir reden gar nicht wie der symbolhaft. Also immer wieder streiten sich das symbolische Verständnis mit einem wirkungsverstärker. Der reformatorische Abendmahlsstreit wird also etwas deutlich, was schon durch die ganze Kirchengeschichte hindurch angelegt war. In der Christenheit gab es immer, kann man sagen, fast diese zwei Positionen: Ist das Abendmahl nur eine symbolhafte Zeremonie, oder ist es ein Sakrament im Sinne, dass da etwas passiert, was nicht passieren, was nicht der Fakt wäre, wenn man diese Zeremonie nicht machen würde? Das ist die große Frage. In der katholischen Theologie hat dann das Abendmahl immer mehr an Bedeutung gewonnen, so dass man 1215 die Transsubstantiationslehre dort markiert hat. Also da hat man sozusagen endgültig entschieden, nach 1000 Jahren kann man sagen, dass man das Abendmahl eher sakramental, performativ, leibhaftig, wirkungsvoll versteht und nicht symbolisch. Es wurde ja da festgehalten, dass sich im Abendmahl tatsächlich die Substanz von Brot und Wein verwandelt. In der Messe passiert eine Wandlung, und er ist bis dann wirklich leibhaftiger Leib und Blut Christi anwesend und präsent. Diese Entscheidung, die führte dann dazu, dass das Abendmahl ganz stark an Bedeutung noch gewonnen hat, dass das Fronleichnamsfest erfunden wurde um 1250. Und das ist ja, dass die Eucharistie das Wichtigste im Gottesdienst der katholischen Messe gewesen ist. Von daher, für Menschen um 1500 war die Abendmahlszeremonie das Heiligste des Heiligen im Christentum, sozusagen. Es ist das Wichtigste, da kommt alles zusammen, das ist das eigentliche, was ist, was im Christentum passiert. Die Leute damals, die 1500, das können wir uns als Evangelische vielleicht gar nicht mehr so richtig vorstellen, die nur ab und zu, wenn wir Lust haben, mal Abendmahl feiern. Aber für katholische Christen zur Zeit Luthers war es etwas total Wichtiges, sondern es wurde normalerweise täglich gefeiert. Ja, aber diese Dogmatisierung der Transsubstantiationslehre 1215 hat natürlich die Gegenseite immer wieder zu Widerspruch aufgefordert, und so kam es dazu, dass eben diese Seite nicht verschwunden ist von einem symbolhaften Verständnis, sondern das ist immer wieder Leute gibt, die sagen: Aber man könnte das doch auch symbolhaft verstehen. Gerade bei den Vorreformatoren war es dann oft so: John Wycliff wandte sich gegen die Transsubstantiationslehre, und ein zweiter Streitpunkt war immer noch der Laienkelch, dass man also sich darüber aufregte, dass im Mittelalter es sich herausgebildet hat, dass die Gemeinde keinen Wein mehr bekam, sondern nur noch das Brot. Nur der Priester alleine nahm noch einen Schluck Wein. [Musik]

Luther hat sich mit dem Abendmahl sehr viel beschäftigt. Für ihn war das was ganz Wichtiges. In seinen ersten reformatorischen Schriften 1519 schrieb er schon im „Von der Macht und Wirksamkeit der Worte des Sakraments“, dass er den Laienkelch fordert, also dass wieder die ganze Gemeinde den Wein kriegen soll. Das war für ihn biblisch, das war für ihn wichtig. Und aber so richtig ins Abendmahlsverständnis geht er dann 1520 in einer seiner Hauptschriften, „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“. Da geht es ihm darum, dass nicht nur der Laienkelch eingeführt wird, sondern dass die Transsubstantiationslehre verändert wird. Er ist für eine Konsubstantiationslehre, das heißt, dass nicht Brot und Wein sich substanziell verwandeln, sondern dass er sagt: Mit Brot und Wein ist jetzt die leibhaftige Gegenwart Christi da, aber sie ist nicht identisch mit dem Brot. Das also ein bisschen verändert, aber er bleibt eigentlich bei einem sakramentalen Verständnis. Er geht nicht auf ein symbolisches Verständnis. Abendmahl bleibt für ihn wichtig. Er schafft ja fünf katholische Sakramente ab und lässt nur noch Taufe und Abendmahl, das für ihn jetzt ganz wichtig war. Ja, dann kann ein Holländer, Cornelis Hoen, der interpretierte dann so als erster eigentlich 1521 in dieser Reformationszeit, sagte er ganz deutlich, also in den lateinischen Einsetzungsworten: „Hoc est corpus meum“, „Dies ist mein Leib“, sagt er: „Dieses ist“, muss man natürlich nicht wie ein „ist“ verstehen, sondern wie ein „bedeutet“. „Dies, diese Oblate bedeutet meinen Leib“, symbolisch sozusagen. Auf Lateinisch „significat“ heißt „bedeutet“. Da sieht man jetzt Luther herausgefordert, und er antwortete auf diese Schrift dieses Holländers mit einer Schrift 1523, „Vom Anbetung des Sakraments“, wo er ganz deutlich macht: Er bleibt dabei. Jesus ist leibhaftig, real präsent. Das wird jetzt ein wichtiges Stichwort im Abendmahlsstreit: Die Realpräsenz Christi im Abendmahl. An dieser Stelle gab es jetzt einen Streit in Wittenberg zwischen Luther und seinem Mentor Carlstadt, ja, wahr sein ehemaliger Doktorvater und Mitstreiter. Und dieser Carlstadt, der kam mit Luthers Abendmahlslehre nicht mit. Für ihn war Luthers Lehre noch sehr viel zu katholisch, und auch seine Abendmahlslehre war ihm zu katholisch. Der Carlstadt sagt: Es gibt keine Realpräsenz. Man könnte höchstens von einer Spiritualpräsenz geben. Wenn man Abendmahl feiert, dann ist Jesus geistlich anwesend, aber nicht in dem Brot, sondern in den Herzen der Gläubigen, wo er sowieso wohnt. So könnte man sagen: Wenn wir Abendmahl feiern, dann ist Jesus in den Herzen der Gläubigen. Und der Carlstadt hat jetzt mal versucht, mit einer Auslegung zurechtzukommen, das er sagte: Jesus hat, als er sagte: „Dies ist mein Leib“, hat ja nicht grad die Oblate in der Hand gehabt und das Brot und gesagt: „Dies ist mein Leib“, sondern er hat gesagt, also zufällig das Brot in der Hand gehabt, aber hat dann quasi auf sich gezeigt und hat gesagt: „Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird.“ Denn Jesus hat ja seinen Körper gegeben am Kreuz. Kann man das so sehen. Carlstadt sagt das so. Mit der Oblate, mit dem Brot und den Beinen passiert gar nichts. Luther ist genervt, und er schreibt zurück 1525, „Wider die himmlischen Propheten von den Bildern und Sakramenten“. Er schießt scharf gegen Carlstadt, der muss aus Wittenberg abbauen, und er zieht nach Zürich zu Zwingli. Und mit dem versteht er sich gut, die hatten eine sehr ähnliche Antwort. Zwingli wird jetzt der entscheidende Mensch, der jetzt sich mit Luther anlegt in Bezug aufs Abendmahl. Zwingli ist ja in Zürich Priester am Grossmünster. Er ist humanistisch geprägt, nationalistisch. Wer das Handy-Video schon gesehen hat, der weiß das. Und der Zwingli ergreift jetzt Partei für Carlstadt und sagt: Das ist schon gut, was der Carlstadt sagt. In seiner Schrift „Von der wahren und falschen Religion“ 1525 da sagt Zwingli ja: Ich verstehe das auch so, dass es in den Einsetzungsworten bedeutet. Sie gnädig hat Jesus gemeint nur: Dieses Brot bedeutet symbolisch meinen Leib. Wir machen eine symbolhafte Zeremonie ab. Jetzt 1525 kommt es zu einem heftigen Schriftwechsel zwischen Luther und Zwingli, und Luther nimmt sich richtig Zeit. Dann 1528 kommt Luthers bedeutendste Schrift raus, „Vom Abendmahl Christi. Bekenntnis“ heißt die. Dann macht er ganz deutlich, wie er das Abendmahl versteht, und er sagt: Es besteht dort eine unsakramentale, ist eine sakramentale Verbindung zwischen Brot und Leib Christi, zwischen Wein und Blut Christi. Die sind nicht identisch. Man hat dann nicht auf einmal Leib Christi in der Hand. Brot bleibt Brot, aber es war mit ihm untrennbar verbunden. Während des Abendmahls ist der echte Leib Christi ja in dieser Situation hinein.

Verhärtete theologische Fronten bekommt der Reichstagsabschied von Speyer 1529, der für die Evangelischen nicht so gut ist, und man ahnt es: Es wird vielleicht bald zu einem Krieg kommen. Der Kaiser wird uns Evangelische angreifen. Auch in der Schweiz sieht es immer mehr nach Krieg aus, so dass alle sich überlegen: Wir müssen irgendwie zusammenhalten. Wir brauchen ein militärisches Bündnis aller reformatorischen Länder. Dazu müssen wir uns aber erstmal theologisch einig sein. Und so nimmt Philipp von Hessen die Initiative in die Hand und sagt: Wir müssen die beiden Führer der Reformation, die theologischen Führer Luther und Zwingli, an einen Tisch bringen. Wir müssen irgendwie eine Einigung zustande kriegen. Und er lädt sie also 1 zu 1 zum Marburger Religionsgespräch 1529. Es wird auf Anfang Oktober angesetzt. Marburg liegt so ungefähr auf der Mitte zwischen Wittenberg und Zürich. So kommt also Zwingli mit ein paar Freunden aus der Schweiz hoch und Luther mit ein paar Freunden aus Wittenberg runter. Und man trifft sich in Marburg. Die Schweizer sind etwas schneller mit ihrer Reise, kommen schon am 27. September 1529 an. Die Wittenberger erst drei Tage später. Eigentlich sollten sie in der Stadt einquartiert werden, aber in der Stadt ist gerade eine Epidemie der englischen Schweiss, heißt das damals, eine Art, man weiß gar nicht genau, was das für eine Infektionskrankheit war, aber eine tödliche Infektionskrankheit. Und ja, noch schlimmer als Corona heute würde man sagen. Und deswegen überlegt sich der Philipp von Hessen: Nicht Quartier, die jetzt nicht in irgendeinen Gasthof in der Stadt ein, sondern dass wir jetzt ja super peinlich, wenn da irgendwie was passieren würde. Wir machen das so, dass sie zu uns auf Schloss kommen. Und so passiert es dann auch, dass Luther und Zwingli und alle ihre Freunde oben auf dem Schloss Marburg einquartiert werden. Ende September, Anfang Oktober 1529. Sie werden fürstlich bewirtet, nachdem sie schon mit gebührenden Ehren in der Stadt empfangen worden waren. Der Philipp von Hessen schickt 40 hessische Reiter um diese an der Stadtgrenze zu begleiten, in die Stadt hinein. Sie kriegen dann im Rathaus erst mal noch einen Becher Wein und werden auch von der Stadt gebührend begrüßt. Die waren beide ja schon Berühmtheiten 1529. Und dann kamen sie auf Schloss. Philipp von Hessen kümmert sich um sie. Er macht Einzelgespräche mit ihnen, und er versucht schon mal, dass es da oben nicht zu einem großen Streit kommen soll, sondern dass die beiden sich doch möglichst irgendwie einigen sollten. Das brauchen wir jetzt unbedingt, um eine militärische Einheit auch zusammenzukriegen. Es gibt hier ein Gemälde, wo man von Peter Janssen, das ist in der Marburger alten Universität, ein riesiges Wandgemälde von 1903, was so darstellen soll, wie die Reformatoren zum Religionsgespräch einziehen. Also wir sehen hier in erster Reihe [Musik] Luther mit dem Pelzkragen hier in der Mitte vorne, und links von ihm ist Justus Jonas, rechts von ihm ist Melanchthon. Luther, Melanchthon also als erste. Philipp von Hessen steht hier zur Begrüßung da. Das ist alles natürlich stilisiert, so ist das nicht gewesen. Denn in der zweiten Reihe kommt hier noch der Zwingli, und der ist der Blonde hier mit dem Stoffkragen und Ökolampad und… Video. Also in der ersten Reihe die Wittenberger, in der zweiten Reihe die Schweizer werden die jetzt also nach hinauf die Marburger Schlossburg sozusagen von Philipp dem Großmütigen empfangen. So hat man sich das vorgestellt. Großereignis! Die Marburger Bürger sind sozusagen hellauf begeistert. Ja, für sie ist das Weltgeschichte jetzt auf einmal hier vor ihrer Haustür, dass diese Berühmtheiten in Marburg jetzt hier einziehen. Wie gesagt, sie werden fürstlich bewirtet, und können, es gibt schon mal ein paar Vorgespräche oder so, und dann am 2. Oktober kommt es dann zum eigentlichen Marburger Religionsgespräch. Man trifft sich von 6 Uhr morgens bis 21 Uhr, also sozusagen vom Morgengrauen so lange bis es dann schon dunkel wurde, in einer Stube neben Philips Privatzimmer, eine gut beheizten Raum, dass die auch nicht frieren, da sie diskutieren. Also einen ganzen Tag lang, 15 Stunden lang. Es wird nicht richtig mitprotokolliert. Philipp wollte das nicht, damit nicht gegenseitige Sätze sich verfestigen und einer der sagt: Aber hier steht's doch, dass das so und so gesagt und… Was dann passiert, das wird in einem anderen Gemälde von Max… dargestellt. Hier sehen wir das, wie Luther und Zwingli sich streiten. Dieses Gemälde platziert das Marburger Religionsgespräch im Fürstensaal des Marburger Schlosses, da das nicht wirklich stattgefunden hat, aber da könnte man sich gut vorstellen, da war viel Platz. Aber wenn ihr euch den Hintergrund wegdenkt, in einer Stube sozusagen hat es ungefähr so stattgefunden. Philipp von Hessen wird einer von diesen beiden sein, der hier wahrscheinlich, und er hatte noch einen Freund, der Ulrich von Württemberg, der gerade im Exil war, auch noch dabei. Die entscheidenden Leute sind hier Luther und Zwingli, und die beiden streiten sich also, und wir sehen hier, wie Luther etwas auch den Tisch gemalt hat, auch die Tischdecke, das steht. Wenn man das Gemälde, was in Nagoya Schloss hängt, sich anschaut, dann steht da „est“, das ist also auf ein griechisches Wort, was „ist“ bedeutet. Eigentlich hat Luther das nicht auf die Tischdecke geschrieben, sondern er hat es unter die Tischdecke, auf die Tischplatte geschrieben und hat dann irgendwann die Tischdecke weggezogen im entscheidenden Moment sozusagen, um dem Zwingli zu sagen: Hier steht es doch, ich habe es dir hier aufgemalt. Es ist biblisch: „Dies ist mein Leib“, und was soll „ist“ anders bedeuten als „ist sein“? Es ist wirklich die… Die anderen Kontrahenten, Ökolampad und Melanchthon und… Video und Bucer und so, es waren alle möglichen wichtigen Leute versammelt. Im Grunde wirklich die größte Reformatorenversammlung, die die Reformationsgeschichte da je erlebt hat. Man geht so Glaubensartikel nach Glaubensartikel miteinander durch, und wir sehen hier die Marburger Artikel, die sozusagen jetzt die ganzen, ja, erst mal festhalten. 14 Artikel halten fest, worin man sich einig ist: Dass es Gott gibt, dass es eine Dreieinigkeit gibt, dass Jesus zwei Naturen hat, dass die Erbsünde gibt, und dass Jesus für uns gestorben ist, und das ist, dass man nicht aus Werken gerecht wird, und dass auch die Predigt ganz wichtig ist, und die Taufe ganz wichtig, und dass man trotzdem natürlich auch gute Werke tun soll, auch wenn sie einen nicht rechtfertigen, und dass die Beichte freiwillig ist und trotzdem immer noch Wert hat, und dass man der Obrigkeit gehorsam sein soll, und dass menschliche Traditionen, ja, wie hier steht: In geistlichen oder kirchengeistlichen Gemeinschaften, soweit sie ziemlich gegen das Wort Gottes stehen, freizuhalten sind. Also man kann natürlich diese Zeremonie machen oder die, wie man will, und dass die Kindertaufe richtig ist, wird auch nochmal aufgenommen. In allen diesen 14 Punkten ist man sich einig. Und sehen wie Rauch nach oben, dass die Taufe der Kinder richtig sei und sie dadurch zu Gottes Gnaden und in die Christenheit aufgenommen werden. Und selbst da ist man sich einig, Kindertaufe zwischen Wittenberg und Zürich. Das Entscheidende ist aber das fünfzehnte, zum 15. In diesen 15 Artikeln geht es über das Abendmahl, und da hält man dann am Ende fest: Zum fünfzehnten glauben und halten wir alle von dem Nachtmahl unseres lieben Herrn Jesus Christus, dass man es in beider Gestalt, beiden, für den Laienkelch gemäß der Einsetzung Christi gebrauchen solle, und dass auch das Sakrament des Altars ein Sakrament des wahren Leibes und Blutes Christi sei. Beide, Leib und Blut Christi… Sektor. Zwingli: Der geistliche Genuss dieses Leibes und Blutes ist für einen jeden Christen nötig. Sagen beide genauso. Der Gebrauch des Sakramentes, wie das Wort von Gott, dem Allmächtigen, gegeben und angeordnet sein, damit die schwachen Gewissen dazu bewegt werden durch den Heiligen Geist zu glauben. Und jetzt kommt der entscheidende Satz, wo man sich nicht einig wurde, den habe ich hier in rot mal gemacht. Und wie wohl aber wir uns ob der ware Leib und das wahre Blut Christi leiblich in Brot und Wein sei diesmal nicht verglichen haben, so soll doch einen Teil gegen den anderen christliche Liebe, so fern jedes Gewissen immer das leiden kann, er zeigen und beide Teile Gott, den Allmächtigen, fleißig bitten, dass er uns durch seinen Geist den rechten Gebrauch bestätigen wolle. Am Ende also: Sie halten fest, sie konnten sich nicht einigen, ob der ware Leib und das wahre Blut Christi leiblich in Brot und Wein sei. Ist Jesus wirklich leibhaftig anwesend beim Abendmahl oder nicht? Diese Frage blieb offen, aber man bittet, dass Gott jedem die richtige Erkenntnis dazu gibt. Das war sozusagen der entscheidende Punkt, wo man sich nicht einig wurde, und man hat das dann unterschrieben. Hier sehen wir noch mal alle, die mit dabei waren. [Musik] Ganz oben ist die Unterschrift von Martinus Luther, da ist ihm anscheinend irgendwie so die Schrift verrutscht. Musste… ist die Jonas, Philipp Melanchthon, das sind die Wittenberger. Dann kommen hier noch so ein paar, die so in der Mitte stehen: Andreas Osiander, Stephan Köhler, Johannes Brenz. Und jetzt kommen die Schweizer: Johannes Ökolampad, Zwingli, Martin Bucer und Kaspar Hedio. Also diese zehn Leute waren die entscheidenden Theologen und haben diese Marburger Artikel unterschrieben. 14 ½ Einigkeit, bloß ob Jesus leibhaftig im Abendmahl anwesend ist, das nicht. Jetzt hätte man sagen können: 14 ½ zu 0,5, klare Einheit. Jetzt können wir irgendwie zusammenhalten. Aber irgendwie reichte dieser halbe Punkt, um die Einheit zu verhindern. Die Schweizer und die deutschen Reformatoren haben dann kein militärisches Bündnis geschlossen und waren sozusagen getrennt dadurch und haben noch nicht mal zusammen Abendmahl gefeiert wegen dieser Sache, weil sich Luther und Zwingli nicht einigen konnten. Ich bin sogar… Religionsgespräch. Warum war das so wichtig? Was wir können das heute kaum noch verstehen, wieso das so der entscheidende Punkt gewesen ist. Hätten die nicht einfach sagen können: Spannt darüber einen Mantel, du verstehst halt, wie du es willst, und so. Alles andere sind wir uns ja eigentlich einig. Hauptsache, wir sind uns in den wichtigen Fragen, Jesus, Rechtfertigung, da sind wir uns einig. Macht doch das Abendmahl, wie du willst. Nein, das ging damals nicht, für beide irgendwie nicht. Für Luther war das eine Frage der Heilsgewissheit. Luther sagte: Es gibt Heil nur in Christus, und wie hat Jesus dieses Heil erworben? Mit seinem Leib. Und das Heil steckt also im Leib Christi. Hat echtes Blut vergossen. Und wenn dieses echte Blut nicht da ist, nicht präsent ist, dann ist das Heil nicht da. Also, wenn, wenn ich das so viel untersagt, wenn ich das so verstehen müsste wie Zwingli, rein symbolisch, dann wäre ja Jesus gar nicht da, dann hätte ich ja gar keinen Bezug zu diesem Leib und Blut Christi, dann würde mich das gar nicht berühren, würde ich das nicht in mich aufnehmen, dann hätte ich ja gar keine Berührung mit dem, was eigentlich das Heil geprägt hat. Außerdem: Gott hat sich an das Wort gebunden. Das Wort muss doch Macht haben. Und wenn Jesus sagt: „Dies ist mein Leib“, und er sagt, wir sollen das auch sprechen, diese Einsetzungsworte. Entweder das Wort bewirkt was, sonst ist es leeres Wort, und dann kann ich der ganzen Bibel nicht mehr vertrauen, letztlich. Wenn ich noch nicht mal beim Abendmahl dem Wort vertrauen kann, dass es da heißt: „Das ist mein Leib“. Entweder das Wort wirkt, oder es ist sinnlos. Wenn ich das nicht so verstehen darf, wie ich das verstehe, sagt Luther, da muss ich ja einmal muss ich an der Bibel zweifeln, dann muss ich an meinem Heil zweifeln, dann habe ich ja gar nichts und weiß gar nichts. Abendmahl ist eine Tat Gottes, wo er uns was schenken will. Und der Zwingli nimmt mir dieses Geschenk weg und sagt: Es ist nur eine Zeremonie, da ist gar nichts dahinter. Dann habe ich ja nichts. Zwingli aber sagt: Man muss doch auch ein bisschen mit Verstand rangehen. Wir können nur Abendmahl feiern, wenn das auch vernünftig nachvollziehbar ist. Sonst können wir das keinem Menschen klar machen, was da passiert. Es ist doch logisch, dass ein Leib nur an einem Ort sein kann. Das ist die Definition von einem Körper. Materie ist immer nur an einem Ort. Ich kann nicht diesen Stift nehmen und sagen: Der ist jetzt gleichzeitig in Honolulu. Nein, der ist jetzt gerade hier in Warburg, wo ich diesen Film aufnehme. Er kann nicht gleichzeitig irgendwo sein. Denn er ist, denn es gibt diesen Stift nur einmal, und der muss lokalisierbar sein. So ist es bei jedem Körper. Jeder weiß: Ich bin jetzt gerade hier in Warburg. Und jeder weiß, wo er gerade sich befindet. Jeder Körper kann lokalisiert werden. Also, wenn Jesus einen Leib hatte, dann kann er auch lokalisiert werden, und er ist nicht leibhaftig nicht gleichzeitig an mehreren Orten. Sonst hätten wir zehn Jesus oder 1000 Jesus. Wenn Jesus bei jeder Abendmahlsfeier leibhaftig anwesend wäre. Und jetzt stellt euch einen normalen Sonntag vor, wo auf der Welt eine Millionen in eine Million Kirchen Abendmahl gefeiert wird, dann gäbe es eine Million Jesus. Jesus ist, kann nicht überall gleichzeitig leibhaftig anwesend sein. Er kann geistig anwesend sein, dann kann er rituell anwesend sein. Der Geist ist nicht lokalisierbar. Der… Öko… will aber… Der Leib Christi, den hat Jesus mit in den Himmel genommen. Er ist bei der Himmelfahrt leibhaftig in den Himmel gefahren. Und deswegen müssen wir… Sein Leib ist jetzt im Himmel, so ist er nur an einem Ort. Luther sagt: Die fand das übersteigt unsere Vernunft. Ich… Jesus ist bei jedem Abendmahl leibhaftig anwesend, weil er die Eigenschaft der Ubiquität besitzt. Ubiquität, kann überall sein. Das ist eben… Hat Gott, er ist nicht so ein menschlicher Körper. Sein Körper hat als einziger die Eigenschaft der Ubiquität. Jesus kann leibhaftig überall gleichzeitig sein. Das ist nicht vernünftig. Zwingli aber: Das ist die Wahrheit. Macht doch Gott nicht kleiner als er ist, und Jesus nicht kleiner als er ist. Für Zwingli geht es aber um auch gleichzeitig noch um die Ehre Gottes, um die Größe Gottes, um die Souveränität und Unverfügbarkeit Gottes. Denn er sagt: Wenn wir sozusagen den Leib Christi bei jedem Abendmahl herzaubern können, einfach nur indem wir sagen: Und dieses Mal die Abendmahlsworte sprechen, die Einsetzungsworte, und dann müssen wir jetzt, muss der Leib Christi da sein. Dasein ebenso einfach ist es nicht. Jesus bleibt unverfügbar. Er schenkt seine Gegenwart, wo er will und nicht wo wir irgendwie ein Zauberspruch sagen oder so. Wir haben Jesus mit den auch mit den Einsetzungsworten niemals in der Hand. Jesus kann selbst entscheiden, wo er anwesend sein will, und er kann sogar ohne Wort und Sakrament anwesend sein. Ja, kann handeln, wie er will. Die Abendmahlszeremonie ist erst mal nur ein symbolischer Erinnerungsakt. Ob Jesus dazu kommt, das bleibt ihm wohl überlassen. Wie das messen wir uns an zu sagen: Wir wissen, dass Jesus jetzt dabei sein muss im Abendmahl. Sagt Zwingli. Handelt nicht Gott, dass er da irgendwie was Tolles vollbringt, sondern im Abendmahl handelt die Gemeinde doch. Wir als Gemeinde machen eine Erinnerungszeremonie. So ähnlich.

Wie man bei einer Beerdigung sich an einen Toten erinnert und sich noch mal alles vor Augen führt, so führen wir uns beim Abendmahl das Sterben Christi vor Augen. Das geht uns ganz tief, und Jesus ist da. Normalerweise ist er in unseren Herzen, wenn wir Christen sind. Natürlich ist er geistlich anwesend durch den Heiligen Geist, aber diese Brot- und Weinzeremonie ist nur eine Verdeutlichung, damit wir uns erinnern können. Ja, wieso also? Man sieht schon, da sind, ist eine ganz andere Herangehensweise. Das wird jetzt mit politischen Konstellationen vermischt. Die Lutheraner wollen auch aufpassen. Es ist jetzt der nächste Reichstag steht vor der Tür. Die Zwischenahner die Wand schon bei dem Reichstagsabschied von Speyer 1529 sehr ins in die Kritik geraten, und die Wittenberger wollten sich eigentlich nicht gerne mit denen zusammen in einen Topf schmeißen lassen, sondern wollten zeigen, dass sie eine eigene Position haben, die näher an den Katholiken ist. Vielleicht wäre da doch eine Verständigung möglich. Das war so die Strategie im Hinblick auf den Augsburger Reichstag 1530. Da geht man dann tatsächlich nach dem Marburger Religionsgespräch wieder ein stärker von den Schweizern weg, und man entwirft dort die Confessio Augustana, vor allem von Melanchthon formuliert, das Augsburger Bekenntnis. Und Melanchthon, also in CA 10, wie man das nennt, wird ausgedrückt: Wahrer Leib und Blut Christi sind wahrhaftig unter der Gestalt von Brot und Wein gegenwärtig. Das heißt, man lehrt die Realpräsenz Christi, und man lehrt auch, dass die sogenannte Manducatio im Chor um das wirkliche Essen der uns kommen. Das heißt, man sagt ausdrücklich: Es hängt noch nicht mal vom Glauben ab, ob Leib und Blut Christi da sind, sondern selbst wenn einer kein Christ ist und er geht zum Abendmahl, begegnet er dort dem wahren Blut und Leib Christi. Auch die im Forum die essen tatsächlich oder die Bürger die kommen in Berührung mit dem leibhaftigen Christus. Sie essen ist an sich zum Gericht nicht zum Heil, aber sie berühren den wahren Christus. Ein paar andere Städte, Straßen nur Konstanz, Memmingen in darum geht geben dann noch eine eigene Erklärung ab. Sie stehen so zwischen den Schweizern und den Wittenbergern. Zwingli reicht ein eigenes Bekenntnis ein. Also in Augsburg 1530 gehen die Lager auseinander wegen der Abendmahlslehre vor allem. Gibt es keine einheitliche evangelische Front. Das ist natürlich schlecht, dass man dann nicht mit einer Stimme sprechen kann. Dann aber 1531 stirbt Zwingli bei der Schlacht von Kappel, und auch der Ökolampad stirbt aus Trauer ein paar Wochen später. Die beiden die Hauptredner, die hier in Marburg dabei waren, die hier mit am Tisch sitzen, und das führt dazu, dass diese Mittelstädte, diese inzwischen Bekenntnis zwischen den Schweizern und den Wittenbergern verpasst haben, dass die sich dann – die haben jetzt in der Schweiz nicht mehr so den die guten Ansprechpartner – die nähern sich jetzt eher den Wittenbergern an, und es kommt dann 1536 zur Wittenberger Concordia. Der Buße aus Straßburg der unterschreibt die Confessio Augustana, womit die Süddeutschen also sich entscheiden: Sie gehen nicht mit den Schweizern zusammen, sondern sie gehen mit den Wittenbergern zusammen. Dadurch kommt es dann zu einer deutschen Vereinigung sozusagen in Abgrenzung zu einer Schweizer Vereinigung. Die Schweizer ja, setzen sich immer mehr ab und verfassen ein eigenes Gegenbekenntnis, die Confessio Helvetica. Luthers Streit mit den Schweizern flammt dann kurz vor Ende seines Lebens noch einmal auf. Er schreibt 1445 nochmal das Kurze Bekenntnis vom Heiligen Sakrament. Aber inzwischen hatten die Schweizer schon wieder einen neuen Führer, und das war Calvin. Calvin ja, Calvins Abendmahlslehre könnte man sagen, sagt, war grundsätzlich schon zwinglianisch. Er lehnte es ab, dass es eine Ubiquität des Leibes Christi gab, dass der Leib überall sein kann. Er lehnte die Realpräsenz ab. Er lehnte auch das ungläubige dem Leib Christi Essen ab, aber eher gegen so ein bisschen auf Luther zu, indem er sagte: Wir könnten das ja so verstehen, dass etwas gleichzeitig passiert, dass man während man Brot ist, was wirklich Brot bleibt, was keine Transplantation erfährt, wo auch kein leibhaftiges oh Jesus nicht leibhaftig anwesend ist, begegnet man trotzdem gleichzeitig auf jeden Fall geistlich Christus. Also ich mache eine symbolhafte Zeremonie, wo ich mir aber sicher sein kann: Ich begegne jetzt Jesus innerlich, spirituell. Das ist so ein ein Kompromiss vielleicht von Calvin, und damit nähert man sich miteinander an. 1540 kann Calvin tatsächlich auch eine Kompromissformel von Bullinger unterschreiben, und womit die Reformierten dann auch im Reich geschützt werden. Die Calvin erreicht es dann auch, dass die deutschsprachigen Schweizer mit den französischsprachigen Schweizern sich vereinigen 1549 im Consensus Tigurinus – und damit haben wir dann eine Schweizer Front, zwinglianisch-calvinistisch, und eine deutsche lutherische. Und 1566 wird dann das endgültige Schweizer Bekenntnis, die Confessio Helvetica posterior, verfasst, und die Lutheraner bleiben bei ihrer Meinung in der Concordienformel 1580.

Also, wenn wir das alles so zusammenfassen: Wieso ist das mit dem Abendmahl so wichtig? Könnte man sagen: Erstens, weil das Abendmahl sowieso für das für den mittelalterlichen Katholizismus eine riesige Bedeutung hatte, und weil sich im Abendmahl die ganze Theologie widerspiegelt. Alles was ich über Christus denke, über Sünde, über Glauben, über den Geist, über Rechtfertigung, über Hoffnung – ganz viel Theologie konzentriert sich wie mit zum Lupenbrenn­glas im Abendmahl. Von daher wird das so zudem Superthema der Reformationszeit, wo dann alles gleich drin hängt, und von diesem Thema wird alles abgehört, an diesem Thema wird alles abgehandelt. Es gilt eine riesige Rolle, welche Rolle die Vernunft für den Glauben spielt: Für Zwingli eine sehr starke Rolle, für Luther eine kleine Rolle nur. Für Luther ist eher die Frage der Heilsgewissheit im Mittelpunkt. Das war seine Kernfrage. Und letztlich geht es bei dieser ganzen Sache tatsächlich auch um eine christologische Frage um Christus. Denn Luther sagt: Wir haben ja in der Christologie die Zwei-Naturen-Lehre. Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch gleichzeitig, 100 Prozent, und deswegen ist, wo Jesus anwesend ist, immer auch sein Leib anwesend. Er ist wahrer Mensch, immer, war nicht nur mal Mensch 30 Jahre lang, sondern er ist immer, das gehört zu seiner Natur. Das hat die Christologie festgehalten seit seit Chalcedon 451. Und deswegen ist der Leib Christi immer da, und zwar sein Auferstehungsleib. Jetzt hat er natürlich nicht mehr den Leib, den er vor der Kreuzigung hatte. Er hat jetzt einen wunderbaren Auferstehungsleib, der für uns jetzt unsichtbar ist. Jesus konnte er auch mit seinem Auferstehungsleib durch Wände gehen und so weiter. Seinen, er kann die Sichtbarkeit für uns sozusagen machen oder auch einschränken. Von daher sagt Luther: Zwei-Naturen-Lehre, Jesus ist immer auch mit seiner menschlichen Natur und das heißt mit seinem Leib anwesend, oder erst gar nicht angewiesen. Die Reformierten haben gesagt: Jesus ist jetzt in einem anderen Zustand nach der Himmelfahrt. Er ist jetzt erhöht, und deswegen kann er jetzt nicht mehr nach seiner Menschheit hier sein. Er ist jetzt sozusagen nur noch göttlich, und das sein menschlicher Leib hier kann die göttliche Herrlichkeit gar nicht fassen. Dass beides passt nicht zusammen. Es gibt einen reformierten Grundsatz, der heißt: Creatura finita non potest capere infinitum. Das Begrenzte kann das Unbegrenzte nicht fassen. Menschliche Leiblichkeit ist örtlich begrenzt, und Jesus ist jetzt sprengt das jetzt aber Gott. Jesus ist jetzt größer als das, was sein Leib noch fassen könnte. Diese argumentieren immer die Reformierten mit Johannes 6, 63: Das Fleisch ist nichts nütze. Von daher sagen sie: Beim Abendmahl ist das Entscheidende, was spirituell passiert, was geistlich passiert, meine innere Begegnung mit dem geistlichen gegenwärtigen Christus. Das ist das Entscheidende. Zwingli hatte Angst, dass so die Einmaligkeit des Kreuzesgeschehens angetastet wird. Jesus ist auch ein für allemal für uns gestorben. Die katholische Messe hatte das ja sozusagen verstetigt, dass sie sagten: In jede Messe wird Jesus noch mal neu geopfert. Da war Luther ganz dagegen. Aber Zwingli sagte ja: Locker, wenn du sagst, Jesus ist da immer leibhaftig anwesend, dann ist das doch fast so wie das katholische Messopfer, dass da immer wieder neu das passiert. Luther sagt: Nein, das ist nicht – für mich geht es um die Heilsgewissheit. Es geht einfach darum, dass ich wirklich fühlbar etwas zugesprochen kriege, dass das Heil von außen auf mich zukommt, dass ich nicht immer nur in meine geistigen Gedanken mich vertiefen muss. Es gab auch noch ein ecclesiologisches Problem. Aus katholischer Sicht stand beim war der Leib Christi im Mittelpunkt, und damit wird die Kirche sehr wichtig. Und aus Zwinglis Aussicht ist der Gemeinschaftsaspekt sehr wichtig beim Abendmahl, dass durch diese Erinnerungszeremonie wir zusammenhalten als Einheit. Also bei den Katholiken und bei den Zwinglianern dann geht es sehr viel um Gemeinschaft. Luther denkt das Abendmahl viel individualistischer. Für ihn ist das Abendmahl vor allem eine Begegnung von mir mit Christus, dass wir Heil geschenkt wird. Gemeinschaft entsteht für ihn nur sekundär. Also der der Wert der Gemeinschaft spielt hier auch im Hintergrund eine Rolle. Ja, es gab auch noch eine theologische Frage, dass für Zwingli das auch ganz wichtig war, dass der Leib Christi wirklich im Himmel ist, dass ich ihn dann da leibhaftig begegnet. Das hat Luther eigentlich auch nicht abgelehnt. Für ihn war Jesus aber gleichzeitig auch noch beim Abendmahl anwesend. Eine spannende Frage war auch noch das Verhältnis von Wort und Sakrament. Aus katholischer Sicht ist das Wort eher Nebensache. Im Sakrament passiert das Eigentliche. Das Sakrament wirkt ex opere operato, einfach durch den Vollzug. In reformierter Sicht ist das Eigentliche die Erfahrung, die spirituelle Erfahrung, das was geistlich in mir passiert. Auch da ist die Worte, die gesprochen werden, eher nebensächlich. Für Luther aber – Luther stellt das Wort in den Mittelpunkt. Es hängt alles für ihn an: Dies ist mein Leib. Das ist wirklich tigges performative Wort. Dadurch passiert was, dadurch kommt das Heil Christus zugute. Also Luther hat eine eine andere Sicht von der Wirkmächtigkeit des Wortes.

Willkommen zum Fazit. Sehr komplex, sehr schwierig. Man könnte sagen: Luther saß mit seiner Abendmahlslehre zwischen den Stühlen. Er suchte eine eigene Position, die nicht mehr katholisch ist, aber trotzdem so ähnlich, er ist Fehler aus ziemlich alles dicht ist ja ganz nah noch am Katholizismus mit seiner Realpräsenz, selbst wenn er die Transsubstantiationslehre ablehnte. Für Luther ging es immer darum, dass das Jesus wirklich leibhaftig anwesend ist, denn nur dann heißt es auch, dass das Heil mir zugute kommt. Wie das jetzt genau passiert, das hatten die Katholiken ganz klar geklärt. Da war er jetzt ein bisschen tolerant. Zwingli hat aber nicht das Wie bestritten, sondern er hat bei Luther vor allem das bestritten, dass Jesus leibhaftig anwesend ist. Also, wenn man hier noch mal schaut, was sie da gesagt haben, wie wohl aber wir uns ob der wahre Leib und das wahre Blut Christi leiblich in Brot und Wein sei diesmal nicht verglichen haben. Also, dass Jesus überhaupt leiblich anwesend ist, was für Luther das Wichtigste war, genau das hat Zwingli abgelehnt, und deswegen ist Luther ja sehr enttäuscht von diesem Marburger Religionsgespräch, und bis zum Schluss seines Lebens weiß ja gar nicht, ob der Zwingli überhaupt im Himmel kommt. Wer nicht glaubt, dass Jesus leibhaftig anwesend ist, er glaubt auch nicht, dass das Heil wirklich für ihn da ist, aussicht lockt. Das war für Luther eine entscheidende Frage, und deswegen konnte er sich dann nicht mit ihm einigen. Es hat tatsächlich nach dem Marburger Religionsgespräch 444 Jahre gedauert, bis die Lutheraner und die Reformierten, Zwinglianisch geprägt, sich irgendwie einigen konnten. Man hat dann tatsächlich das Wunder vollbracht sozusagen 1973 erst in der Leuenberger Konkordaten hat man eine Kompromissformel gefunden und hat gesagt: Ja, wir verstehen es im Grunde doch so ähnlich, dass wir miteinander Abendmahl feiern können. Erst seit 1973 feiern Schweizer und deutsche Lutheraner wieder zusammen Abendmahl. Und ja, es geht auch noch nach 400 Jahren wieder sich zu versöhnen. Die heutige Kompromissformel der Leuenberger Konkordate heißt: Jesus schenkt sich durch sein Wort mit Brot und Wein voraussetzungslos allen. Das ist gewisslich wahr, und ich hoffe, euch hat es ein bisschen geholfen zu verstehen, wie die beiden Kontrahenten sich damals streiten konnten, wie ist was ihnen dabei so wichtig war. Ich hoffe, es hat auch euch geholfen, über euer eigenes Abendmahlsverständnis euch ein bisschen klarer zu werden, und vor allem hoffentlich, dass das Abendmahl eine Freude und eine Glaubensstärkung für euch ist. Zum Glück streitet man sich heute nicht mehr darüber, fast nicht mehr. Immerhin feiert man immer noch nicht Abendmahl mit den Katholiken zusammen. Da ist immer noch ein großer Weg vor uns. Vielleicht findet man da auch irgendwann mal einen Weg. Immerhin, meint ich, hat man sich jetzt schon in der evangelisch wenigstens geeinigt. Mit den Katholiken bleibt uns noch einen Weg zu gehen, denn auch da ist die Eucharistie immer noch ein ganz wichtiger Punkt, entscheidende Punkt in der katholischen Messe. Deswegen ist man da auch sehr empfindlich und wie sich da auch nicht zu schnell auf irgendeinen Kompromiss einlassen. Aber ich prophezeie mal, dass das innerhalb der nächsten tausend Jahre doch gelingen wird, zu einer gesamtchristlichen Einheit in puncto Abendmahl zu kommen und gemeinsam Abendmahl zu feiern. Soweit zum reformatorischen Abendmahlstrand.