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Im Herzen Frankfurts - Die neue Altstadt | dokus und reportagen

Hessischer Rundfunk44:28

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UNTERTITEL: Hessischer Rundfunk

UNTERTITEL: Hessischer Rundfunk

Ein Bauprojekt der Superlative, umstritten und angefochten. Frankfurt, die Bankenstadt, soll sein historisches Herz zurückbekommen, eine „neue“ Altstadt. Das ist eine Wahnsinnsarbeit. Ich glaube, das hat man nicht oft im Leben. Das ist ein einzigartiges Projekt in Deutschland. Man ist stolz, daran mitwirken zu dürfen. Ich war auch in Frankfurt für und habe eine Reihe von Hochhäusern gebaut. Aber das Dom-Römer-Projekt toppt das bei weitem. Die Handwerker sind Spezialisten im Denkmalschutz. Jeder Balken erzählt seine eigene Geschichte.

Januar 2012: Der Grundstein wird gelegt. Ich bin ein großer Fan von Städtebau. Deshalb halte ich es für sehr wichtig, dass ein Teil der Innenstadt in der Stadt Frankfurt den jüngeren Generationen zeigt, wie Städtebau früher war. Die Altstadt war verwinkelt, eng, mit unzähligen Gassen. Heute hat Frankfurt das Image der coolen Bankenstadt. Zwischen Dom und Römer sollen auf 7000 Quadratmetern 15 originalgetreue Rekonstruktionen und 20 Neubauten nach historischem Vorbild entstehen. Ein kleiner Teil der zerstörten Altstadt und das neue Zentrum der Metropole. Computergrafiken zeigen, wie es aussehen soll. Ein Jahrhundertprojekt, von Anfang an umstritten.

Natürlich mussten wir verhindern, dass die Altstadt zu einem folkloristischen Ereignis wird. Deshalb ist das, was jetzt kommt, bewusst eine Mischung aus Alt und Neu. Wir werden uns gleich noch mal auf der Baustelle treffen und noch mal über das Farbkonzept sprechen müssen. Die Stadt hat extra eine Tochtergesellschaft gegründet, die DomRömer GmbH, die das Projekt umsetzen soll. Im Vorfeld gab es jahrelang politische Auseinandersetzungen im Stadtparlament und Bürgerproteste. Die einen wollten eine neue, moderne Architektur. Die anderen wollten das Alte mit dem Neuen mischen. Für andere war es nicht historisch genug. Wenn ich eine historische Stadt baue, dann baue ich eine historische Stadt und nicht so ein Mischmasch da, nicht vorne und nicht hinten. Das ist ja furchtbar, das Moderne. Das passt hier nicht hin.

Die Frankfurter Altstadt. Anfang des 20. Jahrhunderts eine der am besten erhaltenen Altstädte Mitteleuropas. Viele Häuser und Gassen sind seit dem Mittelalter nahezu unverändert geblieben. Und die Frankfurter Geschichte reicht an dieser Stelle noch weiter zurück. Diese Mauern sind Zeugen der römischen und karolingischen Zeit. Sie sollen später in einem der Neubauten zu sehen sein, als Teil der Mischung aus Alt und Neu. Bei all den Diskussionen, die es gegeben hat und die immer noch laufen und weitergegeben werden, finde ich es gut, dass diese Mischung gewählt worden ist. Ich finde es auch gut, dass man nicht gesagt hat: „Wir machen alles neu, wir rekonstruieren alles“. Beidem wird der Ort nicht gerecht. Ich finde genau diese Mischung die richtige Entscheidung.

Die Arbeiten am Projekt beginnen 2012 vor der Kulisse der Skyline, unweit des Bankenviertels. Ein schwieriger Spagat zwischen historischen Rekonstruktionen und modernen Baubestimmungen. Es ist eine moderne Fachwerkbauweise, die Schallschutz und Bauphysik und alles, was es da gibt, und vor allem Brandschutz berücksichtigt. Das sind moderne Fachwerkhäuser. Wenn man genau hinschaut, ist das etwas Großartiges. Wir wollen hier kein Museum. Wir wollen kein Disneyland oder Hessenpark. Wir wollen einfach eine städtebauliche Reparatur machen. Das Beste, was uns passieren kann, ist, dass diese städtebauliche Reparatur sich herumspricht, angenommen wird und funktioniert.

Unter der Baustelle befindet sich eine Tiefgarage mit 600 Stellplätzen und eine U-Bahn-Linie. Massive Betonplatten müssen für Stabilität sorgen, bevor 2013 der Hochbau beginnen kann. Das ist ein ganz wichtiger Zeitpunkt, an dem nach all den Jahren der Vorplanung endlich beginnt, die Häuser zu sehen. Das ist ein ganz neuer Moment, wenn die ersten Mauern wachsen und man nach 4 bis 5 Jahren Planung anfängt, die Häuser zu sehen. Wir können uns sehr gut vorstellen, wie das aussieht. Die Bürger und Besucher können sich dann langsam vorstellen, wie das räumlich aussehen wird. Hier soll das Zentrum des neuen Viertels entstehen, wie es früher einmal war. Das ist der Hühnermarkt. Das ist der zentrale Platz des Altstadtviertels. Das ist das Herzstück. Hier wird der Stolzbrunnen, der heute noch auf dem Stolzplatz steht, danach seinen Platz finden. Er wird hierher versetzt. Das ist der Mittelpunkt. Geografisch wie auch der zentrale Platz – das ist ein wichtiger Ort.

Für die 35 Häuser mit 80 Wohnungen gibt es rund 400 Interessenten. Der Quadratmeterpreis von bis zu 7000 Euro zu Baubeginn: eher obere Preisklasse. Aus heutiger Sicht eine lohnende Investition. Es gibt Wohnungen, die ich sehr schön finde, genauso wie Häuser, die ich vom Design her sehr schön finde. Keine Frage, dass es Häuser oder Wohnungen gibt, in denen ich wohnen würde. Das ist nur außerhalb meiner finanziellen Reichweite.

Die „Goldene Waage“ ist die wichtigste Rekonstruktion. Sie war einst das Prunkstück der Frankfurter Altstadt, ein Postkartenmotiv und das meistfotografierte Haus Deutschlands. Es wurde um 1600 von einem Gewürzhändler erbaut, der aus religiösen Gründen aus Belgien geflohen war. Die prunkvolle Fassade war damals heiß umstritten. Die „Goldene Waage“ war ein Handelshaus eines flämischen Kaufmanns. Das hat sehr viele Verbindungen zur Geschichte Frankfurts. Es ist toll, dass ich ein kleines bisschen daran beteiligt sein kann, so etwas wieder zu erschaffen. In diesem Haus befinden sich Originalsteine aus der Altstadt, sogenannte Spolien. Nach dem Krieg wurde oft Schutt woanders verbaut. Diese Steine wurden in Katalogen erfasst. Sie werden nun im gesamten Rhein-Main-Gebiet gesucht, angekauft und verbaut. Vorsicht, dass man sich nicht die Finger dazwischen klemmt. Es kann immer mal was passieren. Es ist nicht bekannt, wie der Stein verbaut wurde. Wo immer möglich, verwenden die Architekten und Handwerker solche Originale. Diese Steine stammen aus der „Goldenen Waage“ und einem weiteren Haus der Altstadt. Wenn es keine Funde gibt, fertigen Steinmetze Repliken mit Steinen aus der Region, aus der die Originale stammen, damit Alt und Neu harmonieren. Dieser Steinmetz aus Bamberg arbeitet mit Mainsandstein. Die Schale für das sogenannte Belvedere der „Goldenen Waage“ ist aus Marmor. Bei den Steinen haben wir Glück, dass wir oft auf Quellen zurückgreifen können, die auch damals schon Quellen für Mainsandstein waren. Die Brüche gibt es heute noch, zumindest in der Region.

2015 ist der Hochbau in vollem Gange. Heute fügen die Steinmetze ein Fensterelement für die „Goldene Waage“ an einer Wendeltreppe ein. Es muss auf den Millimeter passen. Die Steine ziehen sich bis ganz nach oben. Wenn das nicht auf den Millimeter passt, haben wir schlechte Karten. Dann kommen wir nicht nach oben, wo wir ankommen sollen. Deshalb muss das exakt eingebaut werden. Ein bisschen weiter da rüber, oder? Es passt perfekt. Das Fenster ist jetzt damit fertig. Jetzt wird oben drauf gegossen, damit die Stufen draufgesetzt werden können. Der Fensterrahmen ist jetzt fertig. Jetzt geht es weiter mit Stahlbeton. Ein Großteil der Arbeiten ist zeitaufwendig und geht nur langsam voran. Trotzdem wachsen die Gebäude. Bis zu 400 Handwerker arbeiten gleichzeitig. Sie bauen in einem Mikrokosmos, mitten im Zentrum der Großstadt. Die Fläche ist gar nicht so groß. Sie ist so groß wie ein Fußballfeld. Mir ist das so passiert: Wenn man die Pläne von der Fläche sieht, denkt man immer, das ist viel größer, als es wirklich ist. Das ist kein Viertel, das ist eine Fläche von der Größe eines Fußballfeldes. Da stehen 35 Häuser drauf. Das ist Wahnsinn.

Die Frankfurter Altstadt: 2000 Fachwerkhäuser dicht an dicht. Muffige Luft, Dreck und Gestank gehörten zum Alltag. Ratten waren eine ständige Plage. In Teilen der Altstadt lebten die Armen. Fließendes Wasser und Kanalisation gab es erst spät. Mehrfach kam es zu Großbränden. 1719 verschärfte die Stadt die Bauvorschriften. Die Häuser durften nach oben hin nicht mehr so ausladend sein. Nur kleine Dachböden waren erlaubt. Trotzdem hatte die Altstadt ihren ganz eigenen Charme, mit ihren engen Gassen und kleinen Läden. Ein Hort für viele Menschen.

Auch wenn nur ein winziger Bruchteil wiederaufgebaut wird, braucht die Baustelle auf engstem Raum eine strenge Logistik. Eine Firma kümmert sich darum. Brandschutz, der Fluchtwege und Rettungswege erfordert, fordert auch die Planer. Grundsätzlich müssten wir nach Landesbauordnung jedes Haus als Einzelhaus betrachten. Das tun wir nicht. Wir haben größere Häusergruppen zusammengefasst, manchmal über Gassen hinweg. Damit töten wir quasi den Überschlag. Wir können das beurteilen wie ein Einkaufszentrum ohne Dach. Das hat dann eine andere Voraussetzung. Das hat uns die Freiheit gegeben, Häuser dicht aneinander zu bauen und damit Brandschutzvorschriften einzuhalten.

Die heutigen Gebäude sind dank moderner, feuerfester Baumaterialien vergleichsweise sicher. Von außen sieht man nicht, wie viel moderne Technik in den Häusern steckt. Auch im Bauen immer wieder die Mischung aus Alt und Neu. Das stellt Architekten, Planer und Handwerker vor große Herausforderungen. Gleichzeitig ist es aber auch für sie etwas Einzigartiges, weil alles aus der Vergangenheit rekonstruiert wird. Weil niemand heute so bauen würde, weil A viel zu teuer wäre und B viel zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Weil man heute immer schnell bauen sollte. Wenn man eine Treppe wie diese sieht, freut man sich. So etwas wird heute nicht mehr hergestellt. Deshalb ist es schön, so eine Arbeit machen zu dürfen.

Das neue Altstadtquartier wird über 200 Millionen Euro kosten, fast doppelt so viel wie ursprünglich geplant. Etwa die Hälfte wird durch Verkäufe finanziert. Den Rest muss die Stadt aus ihrem Haushalt bestreiten. Jede Komponente ist eine Einzelanfertigung. Und das ist für wo? – Zwischen Haus 23b und 23a. Die werden jetzt gegossen, einbetoniert. Dann werden die am Montag zwischen die beiden Gebäude gesetzt und dann verankert. Man kommt nicht so schnell auf Touren. Man macht viel weniger Kubikmeter Beton, viel weniger Schalung. Das Ganze ist viel komplexer. Wenn ich gerade Wände habe, mache ich Fläche, mache ich Kubikmeter. Was uns hier später auszeichnet, ist die Genauigkeit. Dass wo man sagt: „Oh Mann, das ist schön.“

Je weiter der Bau fortschreitet, desto größer wird das Frankfurter Interesse. Am Anfang war die Stimmung eher kritisch. Die Fotos waren auch nicht besonders gut. Inzwischen sieht man draußen an den Häusern, und das sieht man auch in der Presse, dass da viel Detailarbeit notwendig war. Und ich finde das Ergebnis beeindruckend. Anfang 2016: Die Baustelle macht Fortschritte. Was die reine Bautätigkeit in Prozent angeht, würde ich sagen, es sieht nach mehr aus, aber wir sind vielleicht bei 25 Prozent. Mehr ist das nicht. Weil der Innenausbau noch kommt.

Das Haus von Konstantin Mettenheimer ist eines der 35 Häuser. Seine Familie besaß vor dem Krieg ein Haus in der Altstadt, das sogenannte „Haus Würzgarten“. Er möchte es nun nach altem Vorbild wieder aufbauen. Als ich noch überlegt habe, ob ich es kaufen soll, sagte ein Freund: „Konstantin, wenn Mettenheimer draufsteht, muss auch Mettenheimer drin sein.“ „Konstantin, du musst das kaufen.“ Das war dann der letzte Anstoß zu sagen: „Okay, ich kaufe das. Das ist ja Familie.“ Das Haus liegt direkt am sogenannten Krönungsweg, einer der begehrten Lagen. Wie früher soll es ein Wohn- und Geschäftshaus sein. Unten kommt ein Laden rein. Ich habe zwei interessante Mieter. Mal sehen, was daraus wird. Auch schöne Läden, Firmen. Oben sind zwei Maisonette-Wohnungen. Die erste etwas größer, die zweite ganz charmant unter dem Dach. Das sieht man auf diesem Bild ganz gut. Die Frankfurter Nase, so war das früher. Dann hat man hier eingebaut. Das heißt, der Raum ist hier zwischen vier Meter hoch und im Winkel null. Das macht eine ganz charmante Dachgeschosswohnung.

Das neue Haus wird ihn über eine Million Euro kosten und allein während der Bauphase im Wert steigen. Die Familiengeschichte dahinter ist unbezahlbar. Mein Vater, der viel älter war und die Altstadt noch kannte, sagte, es sei eine der schönsten, verschlungensten und romantischsten Altstädte gewesen, die er kannte. Er war viel herumgereist: Leipzig, Berlin, viele deutsche Städte. Er sagte, es sei ganz entzückend gewesen, bis sie leider im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

* Bombengeräusche und Sirenen *

Im März 1944 zerstörten drei britische und amerikanische Luftangriffe die historische Altstadt vollständig. Von den 2000 Fachwerkhäusern blieb nur eines stehen. 1500 Menschen kamen ums Leben. Tausende wurden obdachlos. Die damals größte deutsche Altstadt lag in Trümmern. Von den damaligen 2000 Fachwerkhäusern sollen nun 35 wiederaufgebaut werden, nur ein winziger Teil.

Von der „Goldenen Waage“ blieb nur ein einziger Balken erhalten. Er wird nun in einer Zimmermannswerkstatt in Lemgo originalgetreu nachgebaut. Das ist der einzige erhaltene originale Holzbalken nach der Zerstörung. Und wir hatten diesen Balken 1:1 hier vom Historischen Museum in Frankfurt. Und wir konnten ihn 1:1 kopieren von der Tiefe und Größe der Schnitzerei, des gesamten Schnitts des Eisens. Das ist eben sehr authentisch kopiert. Die Zimmerei ist auf Denkmalschutz und Fachwerk spezialisiert, wie viele der Handwerksbetriebe im Altstadtprojekt. Sie alle mussten sich im Vorfeld mit entsprechenden Referenzen bewerben. Ich bin überzeugt, das wird das letzte Rekonstruktionsgebäude der Bundesrepublik Deutschland dieser Größe und Komplexität sein. Wir sind besonders stolz darauf, und wir freuen uns, dass wir dieses Gebäude errichten dürfen.

Das Holz, das sie verwenden, ist Hunderte von Jahren alt. Spezialisten verkaufen solche Balken aus alten abgerissenen Häusern. Jeder Balken erzählt eigentlich seine eigene Geschichte. Er hat seine eigene Oberflächenstruktur, hat seine eigenen Spuren der manuellen Bearbeitung, ob das Sägespuren sind oder Axtspuren. Man hat immer das Gefühl, etwas Authentisches, etwas Lebendiges zu haben, was sehr viel Spaß macht. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir den Markt uns damit ein Stück weit selbst ruiniert haben. Alle haben über das Projekt gesprochen und auch in der Presse. Dann wissen auch die Händler und Verkäufer, was auf sie zukommt. Der Preis ist von Anfrage zu Anfrage gestiegen.

In Lemgo wird auch das Gerüst der „Goldenen Waage“ montiert. Die Balken sind wie bei einem Modellbausatz fortlaufend nummeriert und werden später in Frankfurt wieder zusammengebaut. Da sind die Wandelemente. Das ist anschließend die Wand der „Goldenen Waage“. Besonders die Zierfachwerke, die dann innen sitzen oder von außen angebracht werden müssen. Das sind Dinge, die man von den historischen Fotos und von den Plänen kennt. Es ist toll, das dann in echt zu sehen. Man kann sich langsam vorstellen, was für ein Gebäude das hinterher sein wird.

Ein Jahr später, Juni 2016. Die Balken der „Goldenen Waage“ sind in Frankfurt angekommen. Okay, können wir loslegen? Anna Mareike Butzer ist für die Montage zuständig. Sie gehen da unten bis zum Ende und sichern gegen den Druck. Wenn es hängt, gehen Sie gerade zur äußeren Ecke. Rund 300 Stunden Handarbeit stecken in dem Balken. Der Punkt ist jetzt, diesen hier so zu positionieren, dass er sanft reingeht. Was haben wir gesagt? Er wiegt 388 Kilo. Das muss vorsichtig geschehen, damit die Schnitzereien nicht beschädigt werden, weil wir ein Gerüst drumherum haben. Und damit niemand verletzt wird, dass man möglichst nicht unter einer hängenden Last ist. Langsam, noch ein bisschen mehr. Und aus! Wir müssen das jetzt entfalten, um das Fachwerk zu montieren. Das heißt, diese Zapfen müssen acht Zentimeter hier rein verschwinden. Also das muss sich alles erst mal entfalten. Dann wird es wieder zusammengefügt. Das ist toll, okay. Jetzt ein bisschen reinschieben. Stopp! Das ist okay. Genau. Erst mal ablegen auf der Schwelle. Sonne geht. – Ja. Du musst ein bisschen flacher sein… und langsam reinschwingen! Jannick, Finger! Okay. Ich glaube, der Winkel sah gut aus. Jannick hat ihn gerade geprüft. Ganz leicht. Dann schrauben wir ihn mal zur Sicherheit fest. *Bohrergeräusche* Zu viel, oder? Das ist okay. So. – Okay. So hart. Auf jeden Fall ist das Präzisionsarbeit. Alles muss dicht und präzise zusammenpassen. Heute helfen Kräne und Maschinen. Als die „Goldene Waage“ vor 400 Jahren gebaut wurde, war die Arbeit viel anstrengender. Ein Meisterwerk damals wie heute! Noch einer, noch einer, Stopp! Jetzt kommen wir hier in das Muster rein. Aber so ist das. Wir müssen da hin. Es ist eine der wenigen Fachwerkkonstruktionen, die heute so aufwendig wieder aufgebaut werden. Na? Na? Der Zeitaufwand und der Preis sind einfach zu hoch. Aber hier ist alles nach dem historischen Original nachempfunden, ohne Schrauben und Winkel. Vom Flucht… Sie werden wahrscheinlich nur einmal im Leben ein solches Projekt haben. Ob „Goldene Waage“ oder andere Fachwerkhäuser, der Bau mit Holz ist anspruchsvoll. Holzbau hat natürlich alle Probleme der Austrocknung. Das heißt, wir müssen sehr darauf achten, dass die Holzfeuchte stimmt. Wir müssen auch sehen, dass wir Dehnungsfugen vorsehen, wo wir erwarten, dass es schrumpft. Wir bauen also Holz mit 18 Prozent Restfeuchte ein. Das wird über die Jahre noch mal 10 Prozent austrocknen. Dieser Unterschied ist eine Verkürzung der Hölzer. Das muss sich natürlich die Konstruktion aufnehmen. Sonst haben wir wirklich schiefe und krumme Fachwerkhäuser.

Ein Haus am Hühnermarkt, das aus der Literatur bekannt ist, ist das „Melber Haus“. Goethes Tante Johanna Melber wohnte hier. Die Zimmerleute sind gerade am Werk. Das Haus wird nach den vorhandenen Vorlagen komplett rekonstruiert. Man sieht sehr gut, dass wir hier verschiedene Holzarten verwenden. Wo wir die hohen Drücke mit den hohen Drücken haben, weil Stahlträger hohe Lasten von den Obergeschossen tragen, ruhen die unten auf einer Eichenbohle. Die Eichenbohlen sind fast ausnahmslos aus zweiter Hand. Also die sind 200 bis 250 Jahre alt, würde ich sagen, wo die schon mal eingebaut waren. Das Haus war früher eines der guten Bürgerhäuser Frankfurts. Goethe selbst hat hier eine Zeit lang gewohnt, als das Goethe-Haus umgebaut und renoviert wurde. Die Familie Goethe hat hier in diesem Haus gewohnt. Das war früher schon erkennbar an einem Wappen. Das kommt auch wieder als Nachbildung des Originals. Das ist hier ein Goethe-Ort und nicht irgendein Haus in Frankfurt.

Juli 2016. Im Main-Kinzig-Kreis werden Fenster für die Häuser in der neuen Altstadt gefertigt, auch für das Melberhaus. Moderne Maschinen fräsen die Fensterrahmen millimetergenau nach den historischen Vorlagen. Die Fenster müssen trotz historischer Optik modernen Schallschutzanforderungen genügen. Das ist eine Kiefer. Die haben wir vor zehn Jahren geschnitten. Die ist jetzt aus Fulda. Die werden wir jetzt für den Kastenfensterflügel außen verwenden. Das muss Feinjahr sein. Also langsam gewachsen sein. Man sagt dann schlechte Böden, zum Beispiel in der Rhön. Da verwendet man Nadelhölzer mit schmalen Jahresringen. Die sind stabil. Die Fenster verziehen sich nicht so leicht. Die Zimmerleute in der Altstadt haben früher Holz wie dieses verwendet. Damals, als Goethe seine Tante besuchte und aus dem Fenster schaute. Später schrieb er über seine Besuche bei Johanna Melber: „Ihre Wohnung und ihr Geschäft waren mitten im lebhaftesten, gedrängtesten Teile der Stadt, auf dem Marktplatze.“ „Hier sahen wir das Treiben und Gedränge, in dem wir uns zu verlieren fürchteten, recht genießend aus den Fenstern.“

Wie in den historischen Häusern der Goethezeit werden auch heute wieder kleine Sprossenfenster eingebaut. Damals war der Ansatz der Sprossen nicht, dass es schön aussieht, sondern einfach durch die Herstellung des Glases. Das war damals mundgeblasen. Die größtmöglichen Scheiben waren bei der Herstellung etwa 25 mal 25 Zentimeter. Aus diesem Grund gab es massive Holzsprossen und Bleiverglasung. Das ist der Ansatz des historischen Fensters.

Der Krönungsweg ist die zentrale Achse der Altstadt und besonders geschichtsträchtig. Die neu gekrönten Kaiser schritten ihn einst vom Dom zum Festmahl in den Kaisersaal des Römers. Im Oktober 2016, nach vier Jahren Bauzeit, die erste offizielle Feier am Krönungsweg, das Richtfest. Was Sie hier eingebracht haben, ist hervorragend, eine fantastische Leistung. Die Hülle aller 35 Häuser ist nun fertig, die Dächer gedeckt. Der Innenausbau ist überall in vollem Gange. Nur wenige Meter entfernt die erste wiederaufgebaute Reihe von Fachwerkhäusern. Auch hier das Richtfest. Vor 34 Jahren: Wir danken den Männern vom Bauamt mit großer Ehrlichkeit. Wir hoffen, dass viele auch in zukünftigen Generationen wahrnehmen werden, was wir heute bewundern. Vielen Dank!

Auch damals war der Wiederaufbau der Fachwerkhäuser umstritten. Baumängel machten bald eine Sanierung nötig. Juni 2017. Die ersten Fassaden sind im Altstadtbereich fertig. *Leise Musik* Wir gehen davon aus, dass wir die meisten Häuser bis Herbst 2017 fertig haben werden. Die ersten Details werden sichtbar. Wie die Spolien, die aufwendig woanders verbaut wurden. Dass wir diese Originalsteine wirklich eingebaut haben, diese analogen Folien. Die waren nicht an diesem Gebäude, aber im Altstadtbereich. Durch diesen großen Kontrast von Alt und Neu gibt es wenig Erklärungsbedarf. Jeder Besucher erkennt, dass Erinnerungen an die alte Altstadt sorgfältig ausgewählt wurden. Das ist ein Stein aus der historischen Altstadt. Nur auf den zweiten Blick unterscheidet er sich von den Rekonstruktionen der Steinmetze: Der Architekt hat unterschiedliche Köpfe entworfen und Gestaltungsmerkmale aus verschiedenen Epochen verwendet. Ein Steinmetz hat sie dann nach seinen Vorgaben gefertigt. Wir haben sie hier eingebaut. Auch hier eine Kombination aus Alt und Neu.

Die Fassade der „Goldenen Waage“ ist ebenfalls weitgehend fertig. Jetzt kann man verstehen, warum das Gebäude einst eine der beliebtesten Fotomotive Deutschlands war. Das erste fertiggestellte Gebäude ist das sogenannte Stadthaus, das als moderne Veranstaltungs- und Tagungslocation dient. Es ist der erste Baustein. Es hat immer diese Vermittlungsfunktion zwischen dem Hauptprojekt und den anderen. Da ist es schön, wenn man das hier mal platziert hat. Dann kann man mit den anderen besser weiterarbeiten. Im Keller befindet sich der Archäologische Garten mit den Fundamentmauern aus römischer Zeit.

Jahrzehntelang galt das Areal um den Archäologischen Garten als schmutzige Ecke der Frankfurter Innenstadt, direkt neben dem Technischen Rathaus aus den 1970er Jahren, ein Klotz aus Stahlbeton und Asbest. Der Abriss war eine der größten Herausforderungen. Das Technische Rathaus war ein unglaublich massives Gebäude. Es musste wirklich mit Presslufthämmern angeknabbert werden. Tatsächlich ist das Schwierigste bei solchen mit Giften belasteten Gebäuden die Entsorgung des Materials. Das ist unglaublich zeitaufwendig und teuer. Ansonsten ist das Technische Rathaus wirklich ein massives Gebäude, also viel massiver als es hätte sein müssen. Wir sind mit der U-Bahn und auch mit der Tiefgarage sehr tief im Grundwasser und hatten immer ein Auftriebsproblem. Wir konnten nicht einfach abbrechen, wir mussten immer vom ersten Stock ab ballastieren, soweit der Auftrieb gesichert war. Wir mussten den Abriss schreddern, in Säcke packen und im Bereich belassen, um den Auftrieb der U-Bahn zu sichern. Das war technisch sehr knifflig. Wir haben viele Bodenmechanik-Professoren eingeschaltet. Aber es hat gut funktioniert.

Die meisten Häuser werden bis Ende 2017 fertig sein. Bei anderen, wie dem Roten Haus am Krönungsweg, wird der Kampf um die Nähe zum historischen Original bis zum Schluss geführt. Der Vorschlag des Architekten ist dieses Englisch Rot. Das ist ein sehr dominanter Holzton, den wir auch bei der „Goldenen Waage“ schon verwendet haben. Wir waren der Meinung, wir sollten das zurückhaltender machen und die Stützen genauso wie die Konstruktion mit einer Holzlasur, vielleicht ein bisschen dunkler. Hier an dieser Stütze sehen Sie den Vorschlag, den das Farbkonzept vorsah. Sie wollen heute mit dem Architekten die endgültige Farbe abstimmen. Unser Konzept ist kein Entwurfskonzept, sondern ein Farbkonzept, das sich an den Quellen orientiert. Deshalb kommt da so ein komisches Blau raus wie hier und da. Ich interpretiere das Englisch Rot als Umsetzung des Ochsenblutrot. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ochsenblut tatsächlich die Farbe des Englisch Rot war. Nicht mal, wenn das alle drei Jahre neu gestrichen werden sollte. Andererseits harmoniert es nicht wirklich mit der Fassadenfarbe, die wir vor Jahren entschieden haben. Ich halte es für problematisch, alle Entscheidungen, die lange getroffen wurden mit Zustimmung aller, wieder über den Haufen zu werfen. Ich habe einen Vorschlag gemacht. Wenn Sie ihn nicht wollen, machen Sie es anders. Das passt gut. Meiner Meinung nach passt es auch besser als das Englisch Rot. So machen wir das. Das ist in Ordnung. Haben wir einen Beschluss?

Dieses Projekt ist in einem solchen Spannungsfeld zwischen Landesbauordnung, Passivhaus-Energieanforderungen, Gestaltungsbeirat und Politik. Die haben alle ihre Forderungen an dieses Projekt gestellt. Man muss erst mal versuchen, die zusammenzubringen und einen Kompromiss zu finden. Die persönliche Meinung ist das, was am Ende übrig bleibt und wo man vielleicht die Differenz im Kleinen macht.

*Musik*

Im Frühjahr 2018 wird das sogenannte „Haus Würzgarten“, das Haus der Familie Mettenheimer, bezugsfertig sein. Die Familie besaß schon vor dem Krieg und der Zerstörung der Altstadt ein Haus an dieser Stelle.

*Musik*

Jetzt ist auch die sogenannte „Frankfurter Nase“ im Dachgeschoss zu sehen. Hier haben wir unser Fluchtfester. Das sind die Besonderheiten dieser engen Fläche in der Bebauung, dass im Notfall die Leute hier fliehen müssen und draußen auf die Feuerwehr warten. Ich finde das toll. Die Qualität ist wirklich, wirklich gut. Auch die Raumaufteilung gefällt mir. Ein paar Geheimnisse bleiben: Wie reinige ich dieses Fenster? Und warum ist hier der Verteilerkasten hinter diesem Rahmen?

Es ist der letzte Tag, an dem die Altstadt abgesperrt ist. Die Bauzäune sollen morgen fallen. Dann ist die neue Altstadt für alle offen. *Musik* Wir werden wahrscheinlich viel Lob bekommen, aber auch Kritik. Wenn jeder sehen kann, was hier passiert ist, aus der Nähe, wird es viele Überraschungen geben, sowohl positive als auch negative. Was überzeugt, ist die große Qualität der Handwerksarbeit und auch der Kontrast zwischen Neu und Alt, den wir hier haben wollten. Viele Gebäude sind jetzt fertig. Bei anderen wie der „Goldenen Waage“ ist der Innenausbau noch in vollem Gange.

Baustelle, einen Tag vor der Eröffnung. Moderne Fußbodenheizung hinter historischer Fassade. *Musik* Für die Mitarbeiter der DomRömer GmbH geht ein jahrelanges Projekt langsam auf die Zielgerade. Ich habe schon jetzt einen großen Abschiedsschmerz. Das muss ich zugeben. Aber auf der anderen Seite, wenn man mit den Käufern durchgeht und sieht, wie toll die alle finden und wie glücklich sie sind, hier eine Wohnung gekauft zu haben, dann ist es auch eine Freude, sie übergeben zu dürfen. Aber es macht einen traurig, nach so vielen Jahren mit so einem tollen Team. Man hat auch viele Freunde hier in dieser Zeit gefunden. Es hat einfach Spaß gemacht.

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann und seine Vorgängerin Petra Roth eröffnen im Mai 2018 Seite an Seite das Gelände. Sie hatte das Projekt einst auf den Weg gebracht. Er war damals noch einer der Kritiker. Meine Damen und Herren. Heute ist ein historischer Moment, auch für mich ganz persönlich. Die Bauzäune sind gefallen. *Musik* Es ist schon ein Teil, ein Stück eines Lebens. Wir sind neun Jahre hier. Das ist lange her, ein langes, vielschichtiges Projekt. Also ein bisschen Traurigkeit, dass es jetzt fertig ist. Mein Kind ist ungefähr so alt wie dieses Projekt. Und ich habe es parallel wachsen sehen. Er war gestern hier. Für ihn ist das auch ein bisschen Abschied. Für mich ist das auch ein Teil meines Lebens. Jetzt freuen wir uns auf etwas anderes. *Musik*

Ich finde die Mischung aus Alt und Neu toll. Man kann kritisieren. Ich finde es toll. Das beißt sich nicht, kommt gut miteinander aus. Ich bin enttäuscht. Ich habe mir vorgestellt, dass es dem Originalgebäude etwas näher kommen sollte. Ich habe den ersten Eindruck in zehn Minuten gehabt, ich bin im Disneyworld. Die Altstadt wird erst sechs Monate später als ursprünglich geplant fertiggestellt. Und mit über 200 Millionen Euro ist sie fast doppelt so teuer wie ursprünglich kalkuliert. *Musik*

Nach und nach werden 30 Läden und Geschäfte einziehen. *Musik* Es ist wirklich entzückend zu sehen, wie sich diese älteren Frankfurter freuen. Es ist, als ob die Stadt ein neues Herz bekommen hätte. 200 Menschen werden in der neuen Altstadt leben. Wunderschön, wirklich. Ich habe mich von Anfang an hier wohlgefühlt. Allein diese hohen Decken und die Großzügigkeit der Wohnungsschnitte sind wunderbar. Der ehemalige Direktor des Dommuseums und seine Frau hatten Glück, durch Losverfahren eine der begehrten Wohnungen zu bekommen. Petra Roth kam übrigens auch als Nachfolgerin dazu, was für einige Kritik sorgte. Wer hier kaufen durfte, hat eine Immobilie in bester Lage bekommen, die schnell im Wert steigt. Das ist eine Ausgabe, die man nicht jeden Tag macht. Wir sind im Ruhestand. Sie haben gehört, dass sie Bitchs machen, um Geld zu leihen. Also sagte ich: Sie fragen nicht mal, wie lange wir noch leben. Sie sagte: „Machen Sie sich keine Sorgen. Bis Sie einziehen, ist es so und so viel Prozent mehr wert.“

Leben und Wohnen im neuen Zentrum Frankfurts. Wo der Schmerz einst so tief saß. Ich bin 1944 geboren, als die Altstadt hier ausgebombt wurde. Und meine Eltern saßen später auf den Trümmern auf dem Römerberg und weinten. Am schmerzlichsten weinten sie, als sie das alles sahen. Jetzt ist das so großartig geworden hier. Auf der Römerzeil sind ja auch die alten Häuser erst Ende der 80er-Jahre repariert worden. Das war ja schon ein Highlight. Das jetzt dazu ist ergänzend, wunderbar. Der Mensch nimmt von dem Werk Besitz. Es fängt an zu leben und die Bewegung kommt rein. Das ist faszinierend, so ein Gänsehautgefühl. Wenn man sieht, wie die Menschen laufen, schauen, Ecken entdecken. Das ist was Faszinierendes. *Musik*

Die neue Altstadt. Rund 5000 Gäste soll sie täglich anziehen. Viele aus Asien, ein Touristenmagnet. Und für die Frankfurter: Herzstück und Raum für Erinnerungen.

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