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Die Rundumzölle von Donald Trump sorgten für einen Schock an den Märkten, von dem sie sich jetzt langsam wieder erholen. Vormanager Henrik Leber, Gründer von Arates, hält es aber noch viel zu früh, schon jetzt wieder einzusteigen. Was er befürchtet, wann es wieder Zeit ist zu kaufen und wo Henrik Leber sich jetzt gerade umschaut, darüber habe ich mit ihm gesprochen. Und damit willkommen bei Renivel Rendite. Ich bin Clemensz. [Musik]
Hallo Herr Leber, schön, dass Sie Zeit haben. Gerne. Die Aktienmärkte scheinen sich nach dem Zollschock langsam wieder zu erholen. Die Kurse steigen, auch wenn es hier just heute – also wir reden am Mittwoch – gerade bei den Techwerten wieder etwas abwärts geht. Äh, trotzdem die Frage: Haben wir das Schlimmste gesehen? Nein, das glaube ich nicht. Ich glaube, wir wissen noch nicht, was alles kommt. Äh, ich kann nicht noch mal sagen, gleich wie ich dazu gekommen bin, aber ich sag mal, wir Finanzleute, wir leben ja auch in unserer Finanzblase. Das heißt, wir machen uns Sorgen über das, was passieren könnte, und rechnen immer das in die Gegenwart runter und und bilden daraus unsere Kurse. Aber die Realität hat noch nicht begonnen. Ähm, ich lese jetzt gestern in der New York Times, dass Pullover 150 % teurer werden. Ja, der ist aber noch nicht im Laden, der ist ja noch gar nicht ausgepackt. Bis die Sachen mal alle in den Läden sind und einen Preisstock in den USA ausüben, bis die chinesischen Fluggesellschaften mal Boeing-Ersatzteile brauchen und sie nicht geliefert bekommen, das braucht noch eine Zeit. Und erst dann ist es wirklich angekommen, was Trump da angerichtet hat. Und dann glaube ich, werden wir noch mal eine weitere Welle erleben des Schockiertseins. Äh, wir als Finanzmarkt sind ja nur die Vorhut und machen uns Sorgen. Die reale Welt ist das, was wirklich zählt am Ende. Aber ist ist nicht das genau das, was jetzt da in den letzten Tagen äh ähm eingepreist wurde, als da diese Turbulenzen kamen? Die Angst vor der Rezession in den USA, vielleicht sogar die Angst vor einer Weltrezession? Ja, aber da denke ich mal, wir Finanzler unterschätzen manchmal die Realität. Mir ist das damals aufgefallen in der Finanzkrise 2007/2008. Ähm, die hatten wir früh gesehen, also schon Ende 2006 haben wir uns auch schon geschützt dagegen. Und dann kam mit dieser mit diesen Schuldenthemen und den Subprime-Krediten kam dann im Mai 2007 der Zusammenbruch von Bear Stearns. Und ich dachte mir: Jetzt ist die Nachricht raus, und jetzt ist es hinter uns. Aber in Wirklichkeit hat es noch mal anderthalb Jahre gedauert, bis das in der äh bis das in der Politik dann wirklich angekommen, in der großen Lehman-Krise endete. Und dann noch mal ein halbes Jahr, bis die Kurse sich erholt haben. Und ähnliches vermute ich auch. Wir sind ja fantasielos. Ähm, hätte man einfach nur nachgelesen, was Donald Trump immer gesagt hat mit den Zöllen, hätte das ernst genommen, wäre man anders vorbereitet gewesen. Aber wir haben es nicht ernst genommen. Wir haben gesagt: Da wird ein bisschen rumgespielt und dann gedroht, und dann ist er schon wieder vorbei. Er meint es diesmal ernst, und die Chinesen meinen es noch ernst. Und vor allem glaube ich, sind wir nicht sind wir zu sehr middle of the road als Finanzleute. Und wir sollten uns auch drauf einstellen, dass es noch mal heftiger kommt. Also die Gegenbewegung, die wir jetzt da in den letzten Tagen gesehen haben, das ist einfach halt so diese Hoffnung, dass halt es womöglich halt eben nicht so schlimm kommt. Also dass auch da wieder überschätzt wird, was da eigentlich an guten Nachrichten kommen könnte. Ja, ja, das ist so ein bisschen: Es gibt diesen Begriff „Dead Cat Bounce“. Ich werfe irgendwas, eine tote Katze vom Hochhaus runter, und dann prallt sie unten auf, und das ist: Lebt sie? Lebt sie dadurch aber nicht besonders gut, sondern es ist nur eine Reaktion. Ähm, wir haben auch noch gar nicht verstanden, was wo die Implikationen überhaupt alle hinlaufen. Also allein die Frage für mich, die mich jetzt gestern speziell beschäftigt hat: Welcher von den großen amerikanischen Handelsketten ist eigentlich durch hier in Porto Li betroffen? Und ich hatte mal eingegeben: Walmart, und ich hatte eingegeben: Costco und Home Depot. Wie viel China-Anteil ist denn eigentlich drin bei denen im Sortiment? Äh, und da kam bei Costco kam eine Antwort: Unter 10 %. Aber keiner wusste es wirklich. Während bei Home Depot und bei Walmart sind es eher 40 % und aufwärts. Und das durchzurechnen, was bedeuten diese Politiken, die sich alle drei Stunden ja auch ändern, für die Finanzmärkte, das ist noch weit weg davon, das voll zu verstehen. Oder allein der auch der Stopp jetzt: Also wenn China keine seltenen Erden mehr exportiert, ähm dann steht die Halbleiterbranche still, dann steht die Elektroautoindustrie still, dann steht auch die Waffenindustrie teilweise still. Und noch sind die Waren irgendwo auf Lager, aber auch das haben wir noch nicht richtig wahrgenommen. Da ist Auswirkung auf den Krieg in der Ukraine und so weiter. Also die Kettenwirkungen, die Verflechtung dessen, was wir gerade erleben, sind sehr sehr groß. Die äh Investoren werden jetzt wahrscheinlich gespannt auf den Ausblick der Unternehmen ähm bei den Q1-Zahlen schauen. Ne, die kommen ja so pö und pö rein. Ja, und da denke ich auch mal, die werden gar nicht so schlecht aussehen, die, weil ja viele Firmen diesen Vorzieheffekt haben: Noch mal ganz schnell die Ware rüberschicken und in Rechnung stellen, bevor die Zollschranken sich Zollgrenzen sich schließen. Äh, also viel Ware ins Land bringen. Und das ist natürlich eine Sonderkonjunktur. Und darum denke ich mal, wird auch der Anfang April möglicherweise noch sehr gut aussehen. Und dann kommt erst so allmählich die Stunde der Wahrheit. Hat es Warren Buffett mal wieder alles geahnt? Er war ja schon länger sehr vorsichtig unterwegs und hat vor allem Liquidität äh angehäuft. Ja. Also bei Warren Buffett sind glaube ich die Motive und Gründe andere. Zum Motiv noch mal: Ich war letztes Jahr auf der Hauptversammlung und fahre jetzt in Ende nächster Woche mal wieder hin. Ähm, der sagte auf der letzten Hauptversammlung: Die Zinsen im Langfristbereich bei US-Staatsanleihen oder bei US-Anleihen sind 5,4 %. Und sagte: Wozu brauche ich dann Aktien, die auch nicht mehr bringen? Me, die amerikanischen Aktien, gerade die großen, sind ja sehr sehr stark im Kurs gestiegen. Und da war mehr Hoffnung als Gewinne drin, war einfach gesprochen. Und dann sagt er natürlich: Äh, ich habe so gute Alternativen äh am Zinsmarkt, warum sollte ich dann Aktien kaufen? Das ist eine sehr gute Logik aus seiner Denke heraus. Ähm, dann haben wir das Thema, dass ihm die Ideen wahrscheinlich ausgehen. Ich meine, wo kann er denn 300 Milliarden äh unterbringen? Irgendwo da ist ja niemand, der sich gerade anbietet dafür. Also Ideenarmut. Er hat ja immer seinen Circle of Competence, also sein sein Wissens-äh Universum, und das ist auch relativ eng. Ich meine, da haben wir dann eben Stromerzeugung, da haben wir die Eisenbahn und Öl. Aber IT, Computer, Künstliche Intelligenz hat er ja alles nicht drauf. Also von da war sein Circle Circle of Competence zu eng. Und das sieht jetzt aus wie super clever. Vielleicht war es auch super clever, aber dann müsst ihr auch jetzt zuschlagen und müsst sagen: Jetzt kaufe ich mir das große Amerika zu billigen Geld wieder ein. Und das kann ich noch nicht beobachten. Vielleicht hat er eine ähnliche Sicht wie Sie, dass es alles noch mal billiger wird. Ja, wobei bei mir macht es wenig aus, denn ich bin ja fast immer voll investiert. Also ich habe da mal vielleicht mal eine kleine Kursicherung drin, aber ich ich lasse mein Geld immer arbeiten. Da liegt nichts rum, dass ich jetzt in die Wagschale werfen könnte. Und also gerade für den Anleger, ich kann nur umschichten zwischen Regionen. Das haben wir auch ein bisschen gemacht. Ähm, ich war im Anfang März in Japan und habe da aus der Distanz erlebt, wie Trump mit Selenski umgegangen ist und habe Nachrichten gelesen, hab gesagt: „Oh oh, das sieht nicht gut aus äh mit dem mit den USA.“ Und habe dann Richtung Japan umgeschichtet, weil ich gerade die Firmen auch vor der Nase hatte. Wir haben die Aktienquote für USA runtergefahren auf etwa 50 %, also unterhalb der Normalgewichtung. Und ich möchte da auch weitermachen, wenn ich jetzt demnächst nach Hong Kong gehe, um da chinesische Firmen zu sehen, die ja wahrscheinlich eine ganz ganz eigene Story jetzt zu erzählen haben. Das jetzt zu machen ist wirklich noch zu früh, weil ich keine Firma ansehe: Ähm, kannst du deine Lieferkette umstellen? Äh, kannst du die Tipps selber im eigenen Land fertigen? Sind die Tipps vielleicht ausgeschlossen von der Verzollung oder oder sind sie mit drin? Ähm, wir sagen bei uns im Team: Bis Ende Juni müssen wir erstmal abwarten, bis der Staub sich setzt. Und dann können wir kluge langfristige Umschichtungen machen. Und die wird bei mir wahrscheinlich so aussehen, dass ich sag: Mehr China. Denn ist ein bisschen sehr makropolitisch gedacht, aber China bildet gerade ganz gezielt einen eigenen Machtblock heraus. Äh, das war neulich mal der Fall, als China, Japan und Korea zusammen eine Konferenz hatten, wo ich dachte: Bemerkenswert! Alte Feinde treffen sich angesichts von Donald Trump wieder zusammen. Äh, und man sieht es jetzt auch z.B. mit ja so eine Geschichte wie Microsoft. Microsoft hat eine chinesische Uni gesperrt vom Zugang. Und als Chinese würde ich sagen: Äh, wir brauchen dringend ein eigenes Betriebssystem, sonst sind wir abhängig auch in unserer Forschung von Microsoft. Und die werden ein Thema nach dem anderen sich vornehmen und eine eigene China-zentrierte Welt aufbauen. Mir ging das vor zwei Wochen so, als ich in Shanghai war. Als ich war doch öfters jetzt unterwegs. Ähm, da hatte ich mal große Angst, weil ich wusste: Bargeld geht in China überhaupt gar nicht mehr. Ich wusste auch, dass die Kreditkarten normalerweise nicht mehr genommen werden. Aber Alipay wird genommen. Und dann muss ich mal Alipay scharf schalten und dann immer beim Taxifahrer hinhalten und beim äh beim Kleidereinkauf hinhalten. Äh, und es ist eine Welt, da hat eine Visa gar nichts zu suchen. Und dieser Prozess, der sich abkapseln und eine eigene chinesische ähm Machtsphäre zu schaffen, der beginnt. Wir sind auch beim Betriebssystem für die Telefone, wir werden es bei Flugzeugbau sehen, wo die Kom eben der chinesische Flugzeugbauer wird, der wird ein Aufschub kriegen, Aufschwung kriegen. Also wir sehen, dass da neue Blöcke sich herausbilden. Spannend, dass jetzt da gerade so auf China achten, weil China wird ja als einer der großen Verlierer im Zollkrieg gesehen, also weil halt einfach die Exporte für das Land in die USA so wahnsinnig wichtig sind, plus halt die noch nicht gelöste ähäh Immobilienkrise, plus das Demografieproblem, was da am Horizont schimmert, äh plus das Deflationsproblem, was da gerade im äh im Land ist. Also da ist ja also sieht man eigentlich nicht viel Hoffnung gerade. Nee, das Land kämpft auch. Aber dann nehme ich wirklich eine langfristige Perspektive. Ähm, China ist ein eigenes Land, aber ich habe viele Bücher gelesen über China und über die Kultur und über die Dynastien, die es da gab. Und China hat sich immer das Land der Mitte betrachtet. Ich sehe mal dieses Symbol für China, damit dieser das Viereck mit dem Strich dadurch. Äh, die Mitte ist das eben ähm, glaube ich jedenfalls, also so gut ist mein Chinesisch tatsächlich nicht. Ähm, China als Zentrum, Zentrum der Welt. Und die Amerika gab’s vor 5000 Jahren nicht, als die chinesischen Reiche um die Vorherrschaft gekämpft haben. Äh, China hat schon viele Krisen durchgehalten und kam am Ende immer als der langfristige Gewinner raus. Und dann schaue ich mir das an, und das sollten Sie auch mal tun, weil das wirklich spannend ist zu beobachten. Wir haben jetzt diese Eskalation im Zollkrieg zwischen USA und China, also über 100 % auf beiden Seiten. Wer gibt zuerst nach? Das ist die große Frage. Bei uns Europäern, ich sag mal, wir sind Weicheier. Äh, ist ja auch ganz okay, mit Kompromissen lässt sich auch gut leben, es ist gar nicht verkehrt. Und die EU wird wahrscheinlich mit Trump zu irgendeiner Einigung kommen. Aber Chinesen werden nicht den ersten Schritt machen. Äh, sie werden jetzt in Verhandlungen ganz, sie haben jetzt mal das Stichwort „Fehler“ bei dem Trump hingeworfen. Also Trump hätte einen Fehler gemacht, aber nicht dass es ein feinziger Al, einfach nur ein Fehler. Fehler kann man korrigieren. Das so eine Art: Ich biete dir den Ausstieg aus deinem Konflikt an, wenn du sagst, es war ein Fehler, da bin ich auch bereit. Dann die Frage: Wer reißt zu wem hin? Wird eine chinesische Delegation in die USA fahren oder die Amerikaner nach China? Auch ein Akt der: Wo bin ich auf Augenhöhe mit denen? Und welcher Rang wird dort vertreten sein? Meine These ist wirklich: Es wird ein Politiker der zweiten Reihe aus China sein, der mit Amerikanern verhandelt, und nicht Xi Jinping selber, der mit Trump verhandelt. Die Blöße gibt er sich nicht. Also die Chinesen spielen ein Machtspiel meiner Ansicht nach und lassen lieber die eigene Bevölkerung weiterleiden als jetzt klein beizugeben. Es ist jetzt die Zeit, wo sie ihre Dominanz zeigen können, und sie werden es versuchen. Aber das ist Laienpsychologie und Laienpolitikologie, da gibt’s Leute, die wissen das besser.
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Ist denn aus Ihrer Sicht, Herr Leber, die bessere Strategie jetzt in diesem Handelskonflikt, also so wie die Chinesen es angehen oder eher diese Deeskalationsstrategie, die die EU gerade so mehr verfolgt? Also ich glaube, die Deeskalation ist in der Sache viel viel besser. Ähm, das ist auch deswegen, weil Trump ja gar keine klaren Forderungen hat. Äh, der ist ja, wenn er es psychologisch möchte, dass eben sich die Nationen unterwerfen, dann soll man das eben tun. Ähm, er kennt ja seine eigenen Verträge nicht, die er gemacht hat. Also der Mexiko- und Kanada-Vertrag, der hatte selber abgeschlossen und hat neulich hat gesagt, der hat hätte einen solchen unidiotischen Vertrag gemacht, das war er selber. Also er weiß ja auch selber nicht, was da was da am Ende rauskommt. Von daher, dann gibt man ihm die Unterwerfungsgeste. Und wenn wir alle da mit 0 Zoll rauskämen, finde ich das richtig gut. Das könnte eins der ganz ganz positiven Effekte sein. Das ist aber ein Wunsch, eine Vision von mir, dass der Trump sagt: Also mit dem Westen will ich wieder lieb sein. Und Kanada, Mexiko, Großbritannien, Schweiz und die EU kommen unter ein 0-Zoll-Dach. Es wäre fantastisch für den Freihandel in der westlichen Welt. Es würde auch gewissen Machtblock wiederherstellen. Und wenn man sich dafür einmal unterwerfen muss, so what. Also ähm, ich finde das den ökonomisch sinnvollsten Weg. Psychologisch kostet etwas äh Sperrgefühle aus, aber es ist nicht verkehrt. Aber die Chinesen, bei denen geht’s um die weltpolitische Rolle, ist einfach: Die denken historisch, die denken nicht in nächstes Jahr, sondern die denken in in 500-Jahreszeiträumen. Ja, sie hatten ja schon vorhin die äh Finanzkrise erwähnt. Das ist also ähm, die Zollkrise, die wir gerade sehen, ist nicht die erste große Krise, die Sie äh die Sie mitmachen. Wie ordnen Sie denn die Zollkrise im Vergleich zu den anderen Krisen in der Vergangenheit ein? Die Zollkrise selber ist gar nicht so das große Thema. Ähm, die blindwütige Zollkrise ist glaube ich das Thema. Ähm, also wenn man wirklich sagt: Ich habe ein Problem mit einem Land und den den Subventionen dort, dann kann man da ganz gezielt Zölle einsetzen und äh und damit zum Verhandlungsergebnis kommen. Das kann man durchaus machen, tut ein bisschen weh, und dann ist das Problem gelöst. Das Problem ist eher, dass Trump die Welt bestrafen möchte. Und dann geht’s um die Frage: Hat haben die USA die Kraft, das zu tun? Und das ist für mich sag mal geopolitischer Akt also oder ein persönlicher, ein persönlicher Profilierungsakt mit geopolitischen Auswirkungen. Und meine Erinnerung ist dann immer zurück an das Jahr 1990, als sich der Osten geöffnet hat. Ähm, das war ein Befreiungsschlag, der 40 Jahre Vorlauf hatte äh mit der Eis mit dem mit der Mauer in Berlin und äh äh dem eisernen Vorhang. Das kam da zu Ende, und das war hat die Welt über Jahrzehnte verändert. Und darum glaube ich, dieser pauschale Rundumschlag gegen alle Nationen wird zu einer neuen Machtverteilung auf der Welt führen, auch im militärischen Sinne. Wer wird Einfluss haben in in der Ukraine, im Nahen Osten, im Irak? Wo sitzen die zukünftigen Machtzentren? Und das passiert jetzt gerade im Moment. Und darum ist es für mich eine absolut historische äh Situation, die wir haben. Ich schaue ganz gerne in von der Zukunft auch zurück auf die Gegenwart. Was wir im Jahr 2030 lesen, hoffentlich auch noch mit dabei: Äh, was war in diesem Jahrhundert? Das war das Jahr, wo ein Präsident inatischer Weise die Weltordnung neu gestaltet hat, indem er seinen Schutz, sein militärischen Schutz und seine wirtschaftliche Dominanz freiwillig hingegeben hat. Das klingt jetzt für mich so ein bisschen so, als würden Sie die aktuelle Krise als Größeres einschätzen als damals die als die Finanzkrise, die ja, wie viel sind die Kurse gefallen? 50 % oder sowas im Zuge so in den Jahren danach? Also ja, das passt ungefähr. Ja, ja, von DAX 8000 auch glaube ich unter 4000 runter. Ja, ja, doch ungefähr. Ja, ja. Nee, weil es ans Fundament geht. Es geht wirklich ans Eingemachte. Wir Finanzmärkte sind ja nur ein kleiner Teil der realen Welt. Es geht wirklich ans Eingemachte. Äh, und der der Schaden ist ja nicht so sehr, dass man das nicht korrigieren könnte. Also ein Zoll kann man zurücknehmen in zwei Monaten. Aber die Verunsicherung und die Frage: Wo stell ich meine nächste Fabrik hin? Überlegen Sie mal ein deutscher Mittelständler, die haben ja häufig Werke folgen ihren ihren Kunden irgendwohin. Num mal zwei Werke in USA, ein Werk in Deutschland, eins in Österreich, drei in China und so weiter. Wo stellt er das nächste Werk hin? In die USA? Lieber nach Kanada? Im Moment macht er gar nichts. Das kostet erstmal Konjunkturkraft, weil nichts passiert. Und dann sagt er: Mich, wo habe ich denn die sichersten Aussichten, dass mein Produktionsstandort nicht gefährdet ist? Und er wird einmal mehr gegen die USA entscheiden, einmal mehr für China, weil China einen stabilen Rahmen bietet, auch wenn da eben keine auch wenn da keine Demokratie ist wie bei uns, aber bietet einen stabilen Rahmen. Das klingt jetzt so ein bisschen so, als würden Sie die These unterstützen, die man es immer häufiger sieht, dass die USA auf dem mal auf dem absteigenden Ast sind und ihren Status als Weltmacht gerade gerade aufs Spiel setzen. Ja, genauso sehe ich das. Man sieht es recht gut in langfristigen Statistiken, wenn man die Bruttosozialprodukte der Länder nebeneinander legt und einfach schaut: Wie nimmt China zu, und wie nimmt nehmen die USA ab? Und das ist auch alles ganz normal. Ich meine, USA 300 Millionen Einwohner, China 1,5 Milliarden ungefähr. Ist vollkommen normal, dass ich das so wieder bisschen normalisiert. Das ist auf der Ebene der Wirtschaftsleistung. Und natürlich ist China in auf dem Land immer noch ein furchtbares Land und ein Entwicklungsland und überall und hat viele Probleme. Und dann gucke ich mir an diese Studie aus Australien äh vom australischen Strategieinstitut, die Policy Institut. In wie viel Themengebieten von 64 Technologiethemen die Chinesen die meisten Publikationen haben. In 7 von 64 Themen ist China auf Platz 1. Also auch intellektuell sind die richtig gut. Wir haben immer gesagt: Na ja, das ist Kopierware. Aber die künstlichen Intelligenzmodelle sind nicht so schlecht, die die haben. Und wir verlieren potenziell überall den Anschluss ein bisschen. Und China geht mit langfristiger Strategie ran und wird in diesen Themen auch technologisch dominant sein wollen. Was heiß was heißt es denn für mich als ä als als Anleger? Wie positioniere ich mich denn in so einer Welt des Umbruchs, wie Sie wie Sie sie gerade beschrieben haben? Äh, rein opportunistisch würde ich einfach mal sagen: Ich habe noch einen Sektor vergessen, nämlich Europa. Ähm, wenn so kommt mit diesen Schulden wie jetzt durch Grundgesetz abgesegnet in der Form einer neuen Regierung, die möglicherweise auch Handlungsstärke zeigen möchte. Ich weiß nicht, wie das ausgehen wird. Vereinfachung der Abläufe, schnellere Genehmigung, mehr Geld in Venture Capital rein und so weiter. Äh, viel Geld in die Infrastruktur, dann könnte Europa in den nächsten Jahren wieder viel Stärke bekommen. Also ökonomisch sicherlich von den Ausgaben her, politisch vielleicht auch, wenn sich die starken Führer Europas wieder zusammentun und einig handeln. So. Und jetzt muss ich als Anleger erstmal die Regionalfrage stellen. Äh, ich muss die Frage stellen nach den äh Branchengebieten und die Frage nach den Größenklassen. In welche Größenklasse gehe ich überhaupt rein? Und natürlich vor die Frage Aktien-Renten. Da bin ich sowieso auf der Aktienseite. Von den Regionen her würde ich sagen: Bau deine US-Position so ein bisschen ab, bau deine Europaposition auf, die Japan-Position und die China-Position. Denn da wird in den nächsten Jahren mehr Musik passieren äh als in den USA meiner Ansicht nach. Also Gewichtung China ist nicht besonders beliebt derzeit, aber die billigsten Firmen der Welt sind im Moment in China zu finden. Indien ist noch sehr sehr teuer. Und dann die Frage: Welche Technologien? Und da ist mein altes Thema eben IT und Medizin und Infrastruktur. Das sind alles drei große Themen. Und dann die Frage: Kaufe ich die ganz großen oder die mittelgroßen oder kleinen Firmen? Würde ich auch deutlich sagen: Die mittleren bis kleinen Firmen sind in den nächsten Jahren die interessanteren. Also äh US-Tech, also Big Tech erstmal weniger. Wir kommen an den nicht vorbei. Also ich würde die auf keinen Fall wegschleudern. Aber wenn wir die mal angucken, dann gucken wir uns mal zwei von den großen an. Die die Tesla würde ich nicht machen, ist jetzt meine ich darf ja keine Empfehlung abgeben, aber ich würde es trotzdem nicht machen, weil einfach die Abneigung in Tesla so tief sind und auch an Innovation das nicht mehr so schnell geht wie früher mal. Bei der Apple: Wenn Apple vom chinesischen Markt ausgeschlossen wird und vielleicht noch teurere Belieferungskosten hat, ist auch das ein bisschen schwierig. Und bei den puren Internetspielern, also für mich ist Amazon Internetspieler wie äh Amazon, Amazon, Alphabet, ähm Facebook und Nvidia würde ich mal sagen, die haben immer noch eine spannende Zukunft, weil die sind nicht so sehr Amazon schon, aber die anderen nicht so sehr von der Physik der wahren Ströme betroffen. Aber ich würde es auch nicht mehr so hochgewichten wie wie es letztes Jahr war. Microsoft, überlegen Sie mal folgendes: Microsoft hat eine chinesische Uni eben abgeschnitten. Was heißt das für die Glaubwürdigkeit von Microsoft für die Chinesen, aber auch für mich? Wir sind gerade dabei, einen Teil unserer Infrastruktur bei der IT in die Cloud zu heben. Und bisher war immer Microsoft gesetzt für uns als der Cloud-Lieferant. Ich glaube nicht, dass wir das noch machen werden. Also im Grund vom Thema Datensicherheit her, Kontrolle über die Daten ist für mich Microsoft mit diesen Aktionen gestorben. Und das wird jetzt bin ich ein kleiner Spieler, aber äh das wird die auch da die Marktanteile verschieben könnte. Da eine Chance für die ähm europäischen äh Anbieter sein. Ja, weil das Problem der Europäer ist immer, dass da wo es konsumnahe ist äh kein Markt da ist. Also Autos sind individuell, die Käsesorten sind individuell, die Brotsorten sind individuell. Wir Europäer sind ganz schöne Individualisten. Wenn die Amerikaner einmal das gleiche Weißbrot essen überall. Äh, also ich ich glaube, wir haben uns wir tun uns schwer in die Größe hochzuskalieren als Europäer. Ja, weil wir auch so einen sehr diversen, also sehr geteilten Markt haben, ne? Also irgendwie jedes Land für sich und jedes kein Land ist groß genug, um wirklich jetzt da irgendwie so nominierende Stellung für ein Kontinent dann aufzubauen, ne? Weil jedes Land immer anders ist, was halt die ganzen Regularien angeht und so weiter, ne? Aber nehmen nehmen wir mal die Eisenbahn. Also Eisenbahnneuungen wollen wir ja alle haben, aber da gibt’s ein Projekt: Digitale Kupplung für Güterwaggons. Ich meine, das läuft seit 10 Jahren. Ja, also weil man sie in Europa irgendwie festlegen muss auf ein Standard für die für die Kupplung. Und der ist immer noch nicht da, soweit ich weiß. Also und dann die die Spurweite in Spanien ist wieder ein ander. Also wir sind so kleinteilig, äh und das ist ein echter Nachteil in dem globalen Wettbewerb. Ja, wird das Währungsthema ein wichtigeres Thema werden für Anleger? Man hat ja zumindest zumindest jetzt die starke Abwertung des Dollars in den letzten Wochen äh gesehen. Ja, also uns hat das Geld gekostet im Portfolio, also vielleicht 5 % Punkte so mal ganz vereinfacht gesprochen. Wahrscheinlich geht das noch weiter. Also wenn die Chinesen diesen Krieg wirklich hart spielen, der sich da abspielt, dann wird mit der Prognose, ich meine, was ist eine Prognose von mir wert? Ich weiß es nicht. Aber stellen wir uns mal vor, die machen ein paar Mal nicht mit bei den Treasury-Auktionen. Und äh Kollege von mir sagte neulich: Zum Glück haben wir den Bondmarkt noch. Der Bondmarkt ist ja immer das große die große Beste im Hintergrund, die Regierungen in die Knie zwingen können, wie wie Jahren in Großbritannien. Wenn der Bondmarkt angeführt von den Chinesen und Japanern sagt: Ähm, amerikanische Staatsanleihen eher nicht, kannst du einen richtigen kannst du mal richtig Ärger geben beim beim Dollar. Äh, man wünscht es nicht, weil das ist auch wieder das ist ein schwerster Tsunami, den wir dann hätten. Aber es ist nicht auszuschließen. Kleinen Vorgeschmack gab’s ja schon jetzt in der Anfang April, als die Treasuries sich ganz untypisch verhalten haben, nämlich halt eben abverkauft wurden und dann Bundesanleihen auf einmal gefragt waren. Ja, ja. Und dann gibt’s auch diese Geschichte, das haben Sie…
Noch im Kopf vor ein, zwei Jahren: Modern Monetary Theory, oder wie auch immer das heißt. Dann drucke ich einfach ein bisschen Geld, dann ist schon gut. Weil Staaten können immer Geld drucken, natürlich. Aber irgendjemand muss die Geldscheine auch abnehmen. Und wenn die nicht mehr abgenommen werden, von den Amerikanern, als Schuld, als angeschriebene Schuld gewissermaßen – wenn das nicht mehr akzeptiert wird, dann wird das dem Dollar sehr weh tun. Und das, was wir jetzt hatten, war nur ein kleiner Vorgeschmack von dem, was kommen könnte. Ja, äh, noch kurz sehr dramatisch, ne? Ja, noch äh, noch kurz ihre Gedanken zur äh Inflation in den USA. Wird das jetzt ein großes Thema werden und die Fed noch mal auf den Plan rufen? Die dann in der etwas schwierigen Lage ist, ne? Wenn man halt irgendwie schwächere Wirtschaftsaussichten, steigende Inflation hat. Ja, was mache ich da? Ja, eigentlich müsste die Fed die Zinsen anheben, um die drohende Inflation zu stoppen. Davon sehe ich im Moment gar nichts. Also, ich schaue auch jeden Tag immer auf die Website Trueflation, wo also die Inflation mal real time gemessen wird. Äh, da sehe ich auch noch keinen Ausbruch der Inflation. Aber wenn das stimmt, was ich sagte, dass es einfach ein Viertel bis halbes Jahr dauert, bis es ankommt, dann wird die Inflation kräftig kommen in der zweiten Jahreshälfte. Ja, und dann muss die Fed sich entscheiden: Was macht sie? Will sie Inflation runterkriegen? Die Arbeitslosigkeit wird auch zunehmen. Ähm, Inflation bekämpfen oder will sie die Arbeitslosigkeit in Griff kriegen? Äh, und will sie einen starken Dollar oder einen schwachen Dollar? Und das eine ist: Links rum ziehen sie hoch, das andere ist: Rechts rum ziehen sie runter. Einen Tod wird sie sterben müssen. Und vermutlich mal ist ein Paul auch nicht so äh mal staatsbesessen, als dass er nicht dann sagt: Ich gehe dann doch runter mit den Zinsen, dann lass die Inflation doch ein Stückchen laufen, hauptsache die Arbeitslosigkeit ist nicht so hoch. Das ist in Europa anders. In Europa hat die EZB ein klares Geldwertmandat. In den USA ist es auch ein Wirtschaftsmandat dazu, und auf das wird Paul wahrscheinlich Rücksicht nehmen. Die Aktienmärkte können wahrscheinlich mit so ein bisschen Inflation besser leben, als wenn der Zins angehoben wird. Oder ja, das ist kurzfristig sogar positiv, weil man die Preise mal hochnehmen kann, hat vielleicht noch nicht gar nicht alle Kosten so drin. Und wenn die Preise wieder fallen, dass man mit den Preissenkungen sich ein bisschen Zeit lässt. An sich schon. Dennoch erodiert es natürlich die Substanz, denn die Wiederbeschaffung der Anlagen, der Maschinen, die kostet einfach dann viel mehr Geld. Also äh, langfristig schadet es allen, aber Aktienmärkte können sich gut anpassen.
Mm, zum Schluss vielleicht noch ein paar Worte zum äh Bitcoin. Die Kryptowährung hat sich ja erstaunlich gut gehalten in diesen chaotischen Wochen, die wir im April gesehen haben. Dabei ist ja Bitcoin eigentlich eher so ein klassisches Risk Asset gewesen, was eigentlich auch hätte abrauchen müssen, wenn halt irgendwie die äh die äh Nervosität steigt. Warum hat sich Bitcoin so gut gehalten? Was ist da ihre Erklärung? Ja, ich hätte noch eine ganz andere Vorstellung, dass der Bitcoin nämlich kräftig teigt, ähnlich wie das Gold auch angestiegen ist. Denn wenn Inflation kommt und wenn das alles unsicher ist auf der Welt, was habe ich dann? Was mir sicher ist, für viele Menschen ist es Gold, weil das kann man anfassen und kann man in den Tresor tun. Auch für viele Notenbanken ist es ein interessantes Wirtschaftsgut, weil ich kann das irgendwo bei Fort Knox, ne, oder lieber hier bei der Bundesbank an der Adresse im Diebesgrund hier in Frankfurt einlagern, im Keller. Dann habe ich die Hand drauf. Ähm, und Bitcoin hat ähnliche Qualitäten, denn es ist ja nicht vermehrbar und es ist überwiegend anonym. Man kann das schon nachvollziehen, aber ich kann irgendwo auf der Welt mein mein Geld dort parken und sicher unterbringen. Und es wird auch nicht wesentlich mehr, weil einfach da eine Obergrenze da ist. Das ist nicht passiert, interessanterweise. Ähm, da gibt’s zwei Erklärungsmotive. Das eine ist eben, dass es eben, dass Bitcoin betrachtet wird von den Märkten als ein Asset von vielen, von vielen. Also, ich gehe rein, die Märkte geh raus aus den Märkten, und wenn ich rausgehe, dann verkaufe ich sowohl die Aktien als auch den Bitcoin und tue das ganze Geld in in die Bargeldkasse. Ähm, das haben wir auf der einen Seite, was erklären würde, dass der Bitcoin fallen würde. Auf der anderen Seite der Sicherheitsgedanke: Ich kaufe Bitcoin, um mich zu schützen. Und vermutlich hält sich beides die Waage. Und ich vermute, das liegt daran, dass eben Bitcoin noch nicht wirklich angekommen ist bei den meisten Menschen und immer noch nicht die eine ähnliche Funktion hat wie Gold. Also von daher gibt’s nicht genügend Käufer von Bitcoin in Krisenzeiten. Ich erwarte eigentlich mittelfristig, wenn solche Krisen wiederkommen, dass Bitcoin dann auch ein Zufluchtsanker werden wird, also eine goldähnliche Funktion einnehmen wird. Da war jetzt womöglich schon diese erste Krise ein ganz guter Indikator dafür, ein ganz guter Hinweis dafür, weil äh, wie gesagt, Bitcoin ist nicht ins nicht abgestürzt, wie halt viele Aktien, sondern hat relativ gut seine sein Werte behalten. Ja, ja, ähm, ja. Und wenn ihre Prognose wahr wird, dann wer wir bald den den die Probe aufs Exempel machen, wie gut sich dann Bitcoin… Ja, wir haben eine Umfrage gemacht. Wir haben verschiedene Szenarien entwickelt und die von jedem bei uns im Team beurteilen lassen. Und die Relation zwischen „hat negative Langfristfolgen“ und „hat positive Langfristfolgen“ war etwa 5:3. Also ich glaube, der Schaden wird dauerhaft bleiben, aber es gibt auch viele positive Aspekte. Und darum einfach bisschen Ruhe bewahren jetzt bis Jahresmitte und dann wirklich gucken, wie geht das Spiel politisch aus. Das meiste dürfte dann politisch abgearbeitet sein, aber noch nicht wirtschaftlich. Und dann kann man viel besser entscheiden. Herr Lieber, vielen Dank. Schön, gerne. [Musik]