Transcription
Warum sind wir eigentlich so schlecht darin, eine neue Sprache zu lernen? Wir alle haben es doch schon einmal geschafft als Babys.
Die Antwort liegt in sieben einfach zu verfolgenden neurowissenschaftlichen Steps, die wir gleich nach und nach entschlüsseln. Und übrigens, falls du dich fragst, wer der Typ hier ist, ich bin Henry, größter Neuroscience Creator Deutschlands und trete zu den Themen auf internationalen Bühnen auf. Aber hier ist dein und mein Problem.
Schule hat uns umerzogen, unsere natürlichen Mechanismen des Gehirns auszuschalten und stattdessen strickten Regeln zu folgen. Denn in der Schule lernen wir Regeln auswendig zu lernen, Grammatik zu analysieren und Fehler zu vermeiden. Aber Sprache funktioniert nicht so. Babys sind der beste Beweis dafür. Sie haben keinen Unterricht, keine Karteikarten, kein Druck und trotzdem werden sie innerhalb weniger Jahre fließend. Aber warum? Wenn Grammatik nicht der Schlüssel ist, was dann?
Bevor wir diese Frage beantworten und in Step 1 springen, musst du die Neurowissenschaft hinter Sprachen verstehen. Das ist mindestens genauso wichtig wie die Action Steps, weil es uns die richtigen Grundpfeiler im Verständnis gibt. Der Grund, warum die klassischen Sprachkurse scheitern, ist, sie folgen alle demselben Muster. Grammatikregeln, Vokabellisten, Übungen, alles analytisch und ordentlich aufbereitet. Und genau hier liegt das erste Problem.
Unser Gehirn lernt Sprache nicht über Analyse. Das heißt, es lernt nicht über den präfrontalen Cortex, also den Teil, der logisch denkt und plant, sondern über ein Netzwerk aus dem Brokerareal, dem auditiven Cortex, dem motorischen Cortex und vor allem dem limbischen System, also unserem emotionalen Zentrum. Wenn du dich also jemals gefragt hast, warum du nach 5 Jahren Französischunterricht weißt, dass "l'air" "die Luft" heißt, aber du trotzdem keinen einzigen Satz verstehst, wenn du in Paris in der Metro stehst, dann liegt das daran, dein Gehirn hatte keinen Grund, sich das zu merken, denn ohne emotionales Tagging, also ohne Beteiligung deiner Amygdala, geht das meiste direkt wieder verloren.
Ich kenne das noch von mir in der Schule. Ich habe 6 Monate versucht Spanisch zu lernen, hatte aber kein wirkliches Ziel. Das heißt, es wurde kein Dopamin ausgeschüttet. Es gab keinen Grund für mich, die Sprache wirklich zu lernen. Es gab keinen Kontext dafür. Das heißt, mein Hippocampus wurde dadurch nicht gut angesprochen und am Ende hatte das Ganze keine persönliche Bedeutung und all diese Faktoren haben dafür gesorgt, dass ich nach 6 Monaten einfach aufgehört habe. Das heißt, lernen an sich ist keine reine Datenspeicherung, es ist eine Art Belohnungsschleife. Und da gibt es ein ganz wichtiges Wort, das in dem Kontext einen Unterschied macht und das nennt man Value Prediction Error. Und wenn man diesen nicht hat, diese kleine Überraschung, wenn etwas plötzlich Sinn ergibt, dann passiert im Gehirn meistens leider zu wenig, dass Informationen sich abspeichern können.
Das bedeutet, die ersten beiden Learnings hier schon ist die meisten scheitern, weil sie erstens keinen wirklichen Grund haben und zweitens, weil ihnen dieser Prediction Error fehlt. Und vielleicht denkst du jetzt, okay, dann muss ich einfach ins Ausland ziehen, dann habe ich meinen Grund und mein Prediction Error. Oder andere sagen, ja, du lernst eine Sprache nur dann, wenn du sie auch wirklich sprichst, aber auch das ist ein Mythos, weil tausende Menschen leben seit Jahren in Spanien, Italien, Frankreich und sprechen trotzdem kaum ein Wort. Warum ist das so? Ganz einfach, weil Immersion ohne verständlichen Input ins Gegenteil kippt, also in Dauerstress. Wenn du ständig hörst, was du nicht verstehst und keine Chance bekommst zu folgen oder Fragen zu stellen, dann reagiert dein Gehirn eher mit Abwehr. Das heißt, je mehr Stress du ausgesetzt bist, je mehr Cortisol du ausschüttest, desto schneller stuft dein Gehirn die folgende Sprache als irrelevanten Reiz ein. Und das nennt man Selective Attention Collapse.
Das bedeutet, wir sollten uns fragen, was stattdessen wirkt und da gibt's eine klare Antwort drauf. Input, der knapp über deinem Niveau liegt, also nicht zu leicht und nicht zu schwer. Und auch da gibt's wieder so ein Fremdbegriff für, nämlich nennt man das die Zone of Proximal Development. Und das ist quasi so die perfekte Zone, in der zu viel Anspruch und zu wenig Anspruch im Gleichgewicht liegt. Und das ist quasi so die Grundbedingung für Neuroplastizität. Also Neuroplastizität ist quasi das Neubilden von Nervenzellen und das ist der Zustand, den wir beim Lernen erreichen wollen, weil Sprache ist am Ende nichts anderes als das neu Verbinden von Nervenzellen.
Und bevor wir jetzt aus diesen Learnings unsere sieben Steps ableiten, wenn dir das hier schon gefällt und du ein bisschen was daraus mitnimmst, dann gefällt dir das Video in der Videobeschreibung garantiert noch besser. Dort entschlüssele ich mein gesamtes Lernsystem, wie ich mit minimalem Aufwand im Medizinstudium Bestnoten bekommen habe. Also schau dir das gerne an.
Jetzt aber zu unserem Beispiel, wie Babys lernen und warum wir das vergessen haben. Babys an sich haben keine Kurse, wir haben keine Listen, sie haben kein systematisches Vorgehen und vor allem sie haben keinen Stress und dennoch lernen sie innerhalb von 2-3 Jahren, wofür wir Jahrzehnte brauchen. Wie funktioniert das Ganze? Das Hauptkonzept eigentlich ist, dass Babys über Spiegelneuronen lernen, also durch Beobachtung und Nachahmung und aber auch durch Joint Attention, also den gemeinsamen Fokus mit den Eltern. Dazu kriegen sie ständig Feedback, ohne bewertet zu werden und sie verknüpfen hören, sehen und fühlen zu einem Gesamtbild. Und am Ende des Tages das allerwichtigste ist, sie sprechen nicht auswendig gelernte Sachen, sondern sie bewegen sich beim Sprechen. Also Motorik ist immer mit Sprache verbunden. Und da gibt's so eine Theorie, die nennt sich Embodied Simulation Theory. ist sehr sehr spannend. Könnt ihr auch mal nachlesen. Was die sagt ist, dass Sprache im Körper simuliert wird, also nicht nur gedacht wird. Genau. Deshalb ist so trockenes Lernen am Schreibtisch, wenn du so eine Vokabelliste versuchst durchzugehen, so ineffektiv, weil es seinen Körper nicht mit einbezieht und damit den wichtigsten Hebel für tiefes Lernen ignoriert.
Also all diese Erkenntnisse, die waren jetzt bisschen ungeordnet, geben dir fünf Grundprinzipien über das natürliche Sprachenlernen und du kannst sie betrachten wie physikalische Gesetze, nach denen du handeln solltest. Und die Prinzipien nutzen wir gleich, um einen konkreten Sieben-Step-Ablaufplan zu schaffen.
Prinzip Nummer 1 ist Relevanz. Das heißt, du lernst nur das, was für dich auch Bedeutung hat. Wenn etwas emotional relevant ist, aktiviert es dein limbisches System und der Hippocampus speichert die Information langfristig.
Regel Nummer 2: Comprehensible Input. Du musst verstehen, bevor du sprechen kannst. Das bedeutet, bevor du versuchst dir etwas zu merken, springe über in die Anwendung und versuch das Ganze zu verstehen.
Drittens, Use it as a tool. Sprache ist nicht unbedingt ein Fach oder etwas, was man so lernt. Es ist ein Werkzeug. Wenn du sie nutzt, um wirklich Dinge zu tun, Dinge zu erledigen, Nachrichten zu schreiben, Witze zu machen, Probleme zu lösen, dann wird sie direkt mit Dopamin und Serotonin belohnt. Was du machen kannst, ist im Alltag tatsächlich zu versuchen in dieser Sprache auch etwas zu lösen. Es quasi als Notwendigkeit zu sehen, die Sprache zu haben, um über irgendein Problem in deinem Alltag nachzudenken. Und das sind immer so Gründe, die dir mehr Relevanz geben.
Punkt Nummer 4, der emotionale Zustand. Lernen braucht Sicherheit. Wenn du dich sicher fühlst, produziert dein Gehirn mehr Alpha-Wellen und das ist der perfekte Zustand für fokussierte und entspannte Aufmerksamkeit. Und genau dann in diesem Moment ist dein Gehirn einfach am formbarsten. Das bedeutet, du solltest dir immer eine Umgebung schaffen, in der Scheitern sinnvoll ist und du du sogar danach suchst. Das heißt, dich nicht davor versteckst, etwas falsch zu machen.
Und Punkt Nummer 5, wahrscheinlich so der wichtigste, was die Action Steps gleich angehen wird. Du solltest nicht ständig übersetzen, weil wenn du alles übersetzt, was du lernen willst und direkt immer die richtige Antwort weißt, dann machst du einen Umweg durch das Sprachzentrum. Das heißt, statt Sprache direkt als mentales Modell abzuspeichern, sollte das Ziel sein, du hörst ein Wort, du siehst ein Bild, fühlst ein Gefühl und dann verstehst du dadurch die Bedeutung und das quasi ohne den Weg über deine eigentliche Muttersprache.
Jetzt könntest du denken, schön und gut, das sind alles jetzt irgendwelche Theorien, aber was bedeuten diese ganzen Grundregeln konkret? Und hier kommen sieben Lernaktionen neurowissenschaftlich erklärt, die du bei jeder Sprache durchlaufen kannst, sodass du sie so schnell wie möglich einprägen kannst.
Punkt Nummer eins, den ich immer immer machen würde, ist das sogenannte Brain Soaking. Das heißt massiven Input auditiv erhalten. Auch wenn er unverständlich ist, ist es ganz egal, was passiert im Gehirn, wenn du dir super viel Videos anguckst, super viel Fernsehen guckst, meinetwegen in der Sprache, was auch immer, dein auditorischer Cortex aktiviert sich und dadurch entsteht rhythmisches Musterlernen in unseren Basalganglien. Wir lernen quasi, wie wir Musik lernen über Pattern Recognition. Also statt quasi Grammatik auswendig zu lernen, kannst du dir es vorstellen, wie wenn du ein Lied dir anhörst und dadurch entstehen so leichte Muster in deinem Gehirn, die du dann mit der Zeit unterbewusst prozessierst. Das heißt, das wäre das erste, was ich machen würde, wenn ich eine neue Sprache lerne.
Punkt Nummer 2: Bedeutung vor Grammatik. Wenn du eine neue Sprache lernen willst, dann hör auf zuerst zu schauen, wie die Grammatikregeln davon sind. Was du machen solltest, ist dich darauf zu fokussieren, dass die Message ankommt. Das heißt, wenn du lernst, denke nicht in den Mustern der Sprache und versuch alles reinzuordnen, sondern versuche sehr intuitiv vorzugehen und zuerst einfach zu schauen, dass der Kontext klar ist. Selbst wenn der Satzbau nicht stimmt oder egal was, das kannst du mit der Zeit anpassen. Aber das allererste ist, die Bedeutung sollte stimmen. Da gibt's Studien zu, die das untersucht haben und am Ende rausgefunden haben, dass Lernende langsamer sprechen und mehr Fehler machen, die zuerst die Grammatik gelernt haben.
Punkt Nummer 3: Mixen und kombinieren. Das unterliegt im Prinzip der rekombinatorischen Explosion. Klingt jetzt kompliziert, ist aber relativ einfach. Wenn du dir vorstellst, du lernst jetzt Spanisch und du weißt, okay, du bist in zwei Monaten in Spanien und willst so viel wie möglich können, dann solltest du so vorgehen, dass du dir Sprachenkluster rausnimmst. Das heißt z.B. Sprachenkluster Essen und Trinken Cluster, okay, Supermarkt Shopping. So baust du diese Kluster auf. Je nach Wichtigkeit priorisierst du die ganzen und dann nimmst du dir aus jedem Kluster zehn Nomen, zehn Verben und zehn Adjektive. Was das bedeutet ist 1000 Sätze miteinander kombiniert. Was du dadurch schaffst ist, du aktivierst kreative Zentren im Default Mode Network. Das ist ein Teil deines Gehirns und dadurch schaffst du es über diese Sätze hinaus andere Vokabeln einzubinden und lernst den gesamten Teil der Sprache besser.
Punkt Nummer 4: Suche dir High Frequency Vocabs. Was das bedeutet ist, die Top 1000 Wörter der Sprache erzeugen 85% der Relevanz. Das heißt, wenn du eine neue Sprache lernst, leg den Fokus auf die Core Language. Also statt irgendwelche komischen exotischen Begriffe zu lernen, sicher dir den Zugang, schnellen Zugang zu funktionalen Gebrauch bei den Wörtern, die am häufigsten vorkommen. Kannst du einfach in ChatGPT eingeben, dir das rausziehen lassen und dann gehst du die durch.
Fünftens, das ist etwas, was jetzt keine neurowissenschaftlichen Bezug hat, aber ich mache das gerne so. Wenn ich etwas Neues lernen will, dann frage ich mich erst immer, okay, was sind die Toolbox-Wörter oder was sind Sätze, die ich in meine Toolbox packen würde, um etwas zu erreichen? Das heißt, die Dinge, die wir im Alltag am häufigsten machen. Wie bestelle ich etwas? Wie mache ich X, Y, Z? Diese Sätze würde ich von Anfang an als Stück lernen. Dadurch entsteht Interaktion und wenn man sich das vorstellt wie so ein großes Puzzleteil die ganze Sprache, dann ist es ja das Beste, was man schaffen kann, wenn man in diesem Puzzle immer kleine verschiedene Teile zur Verknüpfung erstellt und dann neues Wissen, neue Vokabeln an diese Punkte andocken kann, die man schon weiß. Und da helfen mir einfach solche Toolbox-Aussagen sehr und vor allem auch es macht ein von Anfang an handlungsfähiger und dadurch ist man auch motivierter durchzuziehen.
Punkt Nummer 6 und den hatten wir vorhin schon kurz angesprochen, Facecopying, also visuelle und motorische Nachahmung ist super wichtig, weil wenn du dich erinnerst, Babys lernen vor allem dadurch und diesen Mechanismus haben wir immer noch in uns drin. Das heißt, wenn du dir jemanden anguckst, der Spanisch spricht, dann schau darauf, wie gestikuliert die Person, wie ist ihre Mimik, versucht das Ganze nachzuahmen und das hilft dir dich besser reinzufühlen und es intuitiv besser zu verstehen. Und übrigens, hier gibt's auch Studien, die zeigen, dass die Gesichtsmotorik damit korreliert, wie phonologisch klar du vorgehst. Das heißt, wie gut kannst du die Sachen aussprechen, wie gut kannst du artikulieren? Hängt's mit deiner Gesichtsmotorik zusammen?
Und Punkt Nummer 7, und das ist unglaublich wichtig, unser Gehirn denkt lieber in Bildern als alles andere. Das bedeutet, bevor du etwas übersetzt und die deutsche Version und keine Ahnung, die spanische Version siehst, schau, dass du bildlich repräsentierst. Das heißt von Anfang an ein Bild vorstellen statt das Wort. Dadurch entsteht einfach eine viel stärkere synaptische Verankerung. Und vor allem bei abstrakten Begriffen ist es super wichtig.
Hier noch ein paar Add-ons zu diesen sieben Steps, die du immer bei jeder Sprache durchfolgen kannst.
Erstens, Neuroplastizität, also die Bildung von neuen Verbindungen ist zustandsabhängig. Das bedeutet, es gibt Lernfenster über den Tag, an denen es sinnvoller und weniger sinnvoller ist zu lernen.
Zweitens, deine Schlafqualität, deine Ernährung und auch dein Fokuszustand entscheidet, ob du in einer Stunde etwas lernen kannst, wofür andere 10 Stunden brauchen. Das heißt, bevor du dich einfach hinsetzt random, um zu lernen, schau erstmal, ob die Qualität und die Grundlage dafür stimmt.
Und ganz wichtig, haben wir vorhin kurz angesprochen, Lernen von Sprachen ist mit Motorik verknüpft. Das heißt, du kannst z.B. Spaziergänge mit einbinden, irgendetwas, was dir hilft, deine Motorik mit einzubinden und dabei die Sprache zu lernen.
Und noch mal der letzte Punkt, emotionales Tagging macht echt einen Unterschied. Also Angst z.B. blockiert eher das Lernen, aber Humor oder Überraschung oder irgendetwas Skurriles, das fördert es extrem. Das heißt, auch Eselsbrücken und all diese Sachen, die machen echten Unterschied.
Also, wenn dir das gefallen hat und du jetzt nicht nur Sprachen lernst, sondern auch generell im Studium für Prüfungen und du willst eigentlich direkten Plan haben mit Umsetzung, damit du ganz klar weißt, welche Lernmechanismen du wann anwenden kannst für Bestnoten mit minimalem Aufwand, dann kannst du einfach mein Lernframework dafür verwenden. Das ist der erste Link in der Videobeschreibung. neues Video kannst du dir angucken, wie mein Lernframework entstanden ist und ansonsten kannst du auch hier klicken. Und ja, wir sehen uns in diesem nächsten Video. Bis dann. Ciao.