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Unbekannter Napoleon - 6 Fakten | Terra X

Terra X History18:54

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Er gilt als brillanter Feldherr, hat fast ganz Europa unterworfen. Seine politischen Reformen wirken bis heute. Doch war er ein genialer Stratege? Und war er tatsächlich klein, wie es immer heißt? Auch um seinen Tod ranken sich Gerüchte. Hier kommen 6 erstaunliche Fakten zu Napoleon.

Von seinen wichtigsten Erfolgen lässt Napoleon Ölbilder malen. Auf diesem Gemälde kämpft er mit der Fahne in vorderster Front. Doch ist das wirklich so passiert? November 1796. Italienfeldzug. Napoleon führt als junger General die französischen Truppen gegen den Erzfeind Österreich. Der wartet auf der anderen Seite des Flusses Etsch. Ein Spielfilm zeigt, wie Napoleon die Geschichte später darstellt: „Wir müssen die Brücke einnehmen. Sie zu umzingeln ist unmöglich.“ „Ich sehe Kanonen. Wir sind in ihrer Feuerlinie. Die werden uns umbringen.“ „Es sei denn, wir wagen einen Sturmangriff. Möglicherweise wird sie unsere Aktion überraschen.“

Angeblich führt Napoleon seine Männer bei der Schlacht von Arcole persönlich an: „Es geht los. Wir greifen an.“ „Wir greifen an, General?“ „Ja, mein Junge. Und los.“ „Vorwärts!“ Doch das berühmte Gemälde von Horace Vernet ist ein Fake. Die Wahrheit ist – er ist auf der Brücke nicht weit gekommen. Er hat versucht, seine Männer anzuführen – aber sie haben sich geweigert, ihm zu folgen, und als der Feind feuerte, sind sie Hals über Kopf geflohen und Napoleon stürzte in ein Matschloch. Das Bild ist eine Lüge, es zeigt das, was er tun wollte, was aber nicht funktioniert hat. Aber die Story ließ sich gut verkaufen.

Napoleon gründet sogar eine eigene Zeitung. Das Bulletin de la Grande Armée feiert seine Siege und beschönigt die Niederlagen. Man kann sagen, Napoleon ist der Erfinder der politischen PR. Er ist der Star einer neuen Generation. Das ist so, als ob er heute auf Instagram anfangen würde und innerhalb von zwei Tagen zwei Millionen Follower hätte. Seine größte Inszenierung ist die Kaiserkrönung am 2. Dezember 1804. Sogar der Papst kommt dafür nach Paris, aber nur als Statist. Napoleon versteht sich nicht mehr als Herrscher von „Gottes Gnaden“, sondern als Volkskaiser und krönt sich daher selbst. Seinen Mythos hat Napoleon zum größten Teil selbst geschaffen. Doch ihm liegen tatsächliche militärische Erfolge zugrunde. Napoleons Siege in Jena, Austerlitz oder Marengo. Hat Napoleon diese Schlachten als genialer Stratege gewonnen – oder war er ein Hasardeur, der viel Glück hatte?

Seine Karriere als Feldherr beginnt in einer schwierigen Zeit für Frankreich. Immer wieder wird das Land angegriffen. Die europäischen Monarchen bekämpfen die Ideale der Revolution. Hauptgegner Österreich hat Frankreich zusammen mit Verbündeten 1795 umzingelt. Ein Jahr später soll Napoleon diesen Ring als Chef der französischen Italienarmee durchbrechen. Die Italienarmee galt als verlottert und die muss sich auch in einem beklagenswerten Zustand befunden haben. Zerfetzte Uniformen, überhaupt keine Uniformen. Kaum Schuhwerk, kaum was zu fressen. Napoleon schneidet den Österreichern in den engen Alpentälern immer wieder den Weg ab oder nimmt sie überraschend unter Beschuss. So kann Österreich seine Überlegenheit nicht ausspielen – und Napoleons Männer werden durch erste Erfolge motiviert. Da schildert er ihnen, dass vor ihnen das Land ist, wo Milch und Honig fließt, vorausgesetzt, sie gewinnen, vorausgesetzt, sie marschieren schneller als die anderen marschieren. Sie schießen genauer als die anderen schießen. Und plötzlich wird aus diesem zerlumpten und ziemlich demoralisierten Haufen eine schlagkräftige Armee.

Außerdem führt Napoleon wichtige Reformen ein, die bald vom gesamten französischen Heer übernommen werden. Napoleon hat das Armeekorps erfunden. Das sind kleine Einheiten, die die wichtigsten Waffengattungen Kavallerie, Infanterie und Artillerie enthalten und unabhängig voneinander marschieren. Er hat einen Tross entwickelt, der es ermöglichte, das nötige Versorgungsmaterial schneller zu transportieren. Mit dieser schlagkräftigen Armee erzielt Napoleon jahrelang einen Sieg nach dem anderen. Doch 1812 zerbricht das Bündnis mit Zar Alexander von Russland. Napoleon marschiert mit einer gewaltigen Armee von 600.000 Soldaten in Russland ein. Napoleon hatte gehofft, Alexander zu Verhandlungen zwingen zu können. Er wollte die offene Schlacht vermeiden, und hoffte, dass der Zar irgendwann sagt: Hey, lass’ uns reden. Er konnte sich nicht vorstellen, dass Alexander nicht einknickt. Napoleon dringt immer tiefer nach Russland vor. Aber die Zaren-Armee stellt sich nicht zur Schlacht. Selbst die Hauptstadt ist fast verlassen. Einen Tag nach Ankunft der Franzosen brennt Moskau. Der Zar zerstört lieber sein eigenes Land, als sich Napoleon geschlagen zu geben. Napoleons Strategie, sich aus dem Land zu ernähren, rächt sich. Seiner Armee gehen die Ressourcen aus. Auf dem Rückzug durch die eisige Steppe verhungern und erfrieren Tausende. Am Fluss Beresina im heutigen Weißrussland kommt es zur Schlacht. Napoleon gelingt der Übergang, aber unter hohen Verlusten. Am Ende kehren nur 80.000 Soldaten nach Frankreich zurück. Eine Katastrophe. Er hat diesen gloriosen Aufstieg gehabt. Er hat mehr erreicht als andere. Und das soll mit einem Schlag wegen eines Fehlers oder wegen den Unbilden des russischen Winters plötzlich nicht mehr sein?

Napoleon stellt ein neues Heer auf und zieht gegen die Verbündeten Russland, Preußen, Österreich und Schweden in den Krieg. Am 16. Oktober 1813 beginnt bei Leipzig die bis dahin größte Schlacht der Weltgeschichte. Sie dauert drei Tage, dann ist Napoleon besiegt. Auch die Vormachtstellung Frankreichs, für die Napoleon gekämpft hat, ist damit verloren. Noch heute erinnert das Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig an die Schicksalsschlacht. Napoleon wird nach Elba verbannt, doch er gibt nicht auf. Er kehrt zurück. Mit einer eilends aufgestellten neuen Armee bietet er seinen Gegnern ein letztes Mal die Stirn. Beim belgischen Dorf Waterloo kommt es zum Kampf. Bei der Schlacht von Waterloo steht Napoleon den Armeen von ganz Europa gegenüber. Alle haben sich gegen ihn verbündet. Und trotzdem gewinnen sie die Schlacht nur ganz knapp. Waterloo besiegelt Napoleons Untergang.

Brillanter Stratege oder Hasardeur? Wahrscheinlich war er beides. Unbestritten ist Napoleons unbedingter Wille zur Macht. Aber wie groß war der Kaiser wirklich, rein körperlich gesehen? Napoleon ist der erste Politiker, der ein eigenes Markenzeichen kreiert: einen Zweispitz aus schwarzem Biberfilz. Wenn man heute ein Kind fragen würde oder einen Jugendlichen, zeichne mir mal Napoleon, da würde mit Sicherheit so was mit Hut rauskommen. Auf gegnerischen Darstellungen wie dieser sind seine Feinde riesig – und Napoleon klein mit Hut. Das sind Karikaturen mit dem Zweck, den französischen Gegner lächerlich zu machen. Das funktioniert immer extrem gut – obwohl Napoleon in der Realität einen Meter neunundsechzig groß war. Das waren zwei Zentimeter mehr als der Durchschnitt bei den Männern, den Soldaten seiner Zeit. Die Kleidungsstücke, die von Napoleon erhalten sind, bestätigen seine Körpergröße. Napoleons Mantel ist für einen Mann geschneidert, der knapp eins siebzig misst. Wie kommen seine Gegner denn auf die Idee, den Kaiser wortwörtlich „klein zu machen“? Und warum verfängt dieser Mythos? Napoleon hat einen relativ großen Schädel, ein relativ kleinen Hals und wiederum einen relativ stabilen Unterbau. Auch das mag zu diesem Eindruck beigetragen haben. Napoleons gedrungener Körperbau lässt ihn also klein wirken. Auch sein Kleidungsstil trägt dazu bei. Man muss sich vorstellen seine Marschälle, später die Offiziere, früher, die hatten prächtige Aufbauten, die, die auf den Köpfen hatten. Napoleon hat aber diesen Topf auf dem Kopf, dieser Zweispitz, dessen Seiten nach unten, zu den Schultern hin herunterlaufen, geben ihm etwas Gedrungenes. Ausgerechnet sein Markenzeichen macht ihn also besonders klein.

Unser nächster Punkt: wie asketisch lebte Napoleon? Am liebsten zeigt sich der Kriegsherr in Uniform und Soldatenmantel. Man sieht sehr schön, dass Napoleon all diese Dinge arrangiert für sich und annimmt, den einfachen Hut, den einfachen Mantel, die Hand in der Weste. Das geht zurück auf antike Skulpturen. Und das soll maßvoll bedeuten. Maßhalten, Angemessenheit, Verhaltenheit, eine gewisse Strenge zu sich selbst. Ist das echt – oder wieder nur Show? Denn in Paris präsentiert Napoleon sich gerne – und lässt sich auch mal feiern. Doch ein Genussmensch? Napoleon war in diesem Punkt vollkommen unfranzösisch. Napoleon war kein Genießer, in keiner Weise ein Genießer. Nach einem opulenten Bankett schreibt er seiner Schwester: „Lieber wären mir Ravioli und Lasagne in Ajaccio gewesen.“ Zum Entsetzen seiner Umgebung trank er mit Wasser verdünnten Chambertin, also einen ganz edlen Burgunder. Da schüttete er Wasser rein, und er hat auch das Essen verschlungen. Sein Leibgericht war „Hühnchen Marengo“. Eine Bäuerin, bei der er zufällig nach einem Sieg in Italien einkehrte, hatte es ihm zubereitet. Eigentlich ist das ein Arme-Leute-Essen, das sind halt Hühnchen. Und dann kamen da noch alle möglichen Reste rein an Gemüse. Er war nun kein Gourmet, weit davon entfernt. Auch persönlicher Komfort bedeutete ihm wenig. Auf Luxus legte der Kaiser schlichtweg keinen Wert.

Unerwartet: die romantische Seite des großen Feldherrn. 1795 lernt er die 6 Jahre ältere Josephine kennen. Napoleon ist noch jung und unerfahren, sie kennt sich aus. In der Gesellschaft – und in der Liebe. Mit Josephine hat er zum ersten Mal in seinem Leben guten Sex – und das hat irgend etwas in ihm entfesselt, ihm ermöglicht, seine Komplexe zu überwinden. Napoleon ist damals schlecht gekleidet, spricht mit korsischem Akzent, wirkt unbeholfen. Er fühlt sich unterlegen - aber nicht zusammen mit Josephine. Am Anfang ist sie gar nicht so begeistert von ihm, er verfällt ihr völlig. Josephine hat zwei Kinder und braucht einen Versorger. Sie sieht in ihm einen Mann mit Zukunft. Am 9. März 1796 heiraten Napoleon und Joséphine. Zeit für Flitterwochen haben sie nicht: „Uns bleibt nur eine Nacht, dann muss ich zu meiner Armee zurück. Hey da, wir wollen getraut werden.“ Josephine bleibt in Paris, Napoleon eilt von Schlacht zu Schlacht. Er denkt oft an sie. Er war ein sehr, sehr romantischer Mann. Also, es gibt Liebesbriefe an Josephine am Anfang Ihrer Liebe. Das würden Sie nie glauben. Also, die wunderschönsten Liebesbriefe, die jemals geschrieben wurden: „Was waren das für Nächte, meine Geliebte, die ich in Deinen Armen verbrachte. Fortwährend denke ich im Geiste an Deine Küsse, Deine Tränen, und der Zauber der unvergleichlichen Josephine entfacht immer von neuem die wildglühende Flamme meines Herzens und meiner Sinne.“ Was für ein Liebesbrief! Doch Josephine schreibt nur ganz selten zurück: "Ich habe seit zwei Wochen keinen Brief erhalten. Aber morgen oder übermorgen wird schon Post kommen.“ Sie betrügt ihn, er leidet furchtbar, als er das erkennt. Und er will sich von ihr scheiden lassen. Aber einige Menschen in seinem Umfeld halten ihn davon ab, sagen, sie sei gut für ihn. Und Josephine bringt ihm bei, wie man sich in der guten Gesellschaft benimmt, und das ist für ihn die Startrampe, um Paris zu erobern. Josephine kauft das kleine Schloss Malmaison in der Nähe von Paris. Wenn Napoleon Karriere machen will, braucht er ein schickes Haus, in das man Gäste einladen kann. Gemeinsam hat das Powerpaar Erfolg. Napoleon wird erster Konsul, dann Kaiser. Doch das Glück ist nicht perfekt. Josephine wird nicht schwanger. Napoleon hat also keinen Erben. Das bereitet ihm große Sorgen: "Mich werden diese Fürsten Europas, die seit Jahrzehnten gegen mich Krieg führen, niemals akzeptieren. Nach mir kommt die Sintflut, wenn ich es nicht schaffe, einen Nachfolger zu zeugen." Und dann fällt Napoleon 1809 dann die Entscheidung: "Ich muss mich von ihr trennen, weil ich brauche einen Nachfolger." 1810 heiratet er Marie-Louise von Österreich. Er sagt ja dann auch ganz klar eiskalt das Wort. Ich heirate mit Marieluise einen Bauch, ich heirate einen Bauch, der ihm dann den Nachfolger schenken soll. Der Sohn wird bald geboren. Doch Napoleons Karriere hat ihren Höhepunkt überschritten. Es heißt, nach der Trennung von Josephine hätten auch Napoleons Niederlagen begonnen. Ob es einen Zusammenhang gibt? Wir wissen es nicht. Es ist aber ein romantischer Mythos.

Lange ein ungelöstes Rätsel: Woran stirbt Napoleon? Nach der Schlacht von Waterloo verfrachten Napoleons Gegner ihn mitten in den Atlantik, auf die Insel St. Helena. Permanent haben zwei Schiffe die Insel umkreist, eins im Uhrzeigersinn, eins in Gegenrichtung. 2.500 Soldaten waren auf der Insel stationiert. Am 5. Mai 1821 stirbt Napoleon dort, in Longwood House. Erst zwei Monate später dringt die Nachricht nach Europa vor. Dort gibt es sofort Gerüchte: Die Engländer, seine Kerkermeister, hätten ihn umgebracht. Mit Arsen. Arsen ist ein sehr wirksames Gift, bei dem ein großer Teil der bekannten Symptome mit dem Zustand Napoleons übereinstimmt. Auf dem Totenbett werden Napoleon mehrere Haarlocken abgeschnitten und von seinen Fans aufbewahrt. In den 60er Jahren werden sie zum ersten Mal auf Arsen getestet, seitdem immer wieder. Das Ergebnis ist jedes Mal positiv. Aber heißt das wirklich, dass Napoleon vergiftet wurde? Es gibt zwei Arten von Arsen. Die eine liegt nur von außen auf Napoleons Haar. Bis weit in das 20. Jahrhundert wurde Arsen nämlich – zum Beispiel in Museen – benutzt, um organische Überreste zu konservieren. Das hat man bei Napoleons Haaren auch gemacht. Doch auch in den inneren Haarzellen haben Wissenschaftler Arsen gefunden. Wie ist es in seinen Körper gelangt? Die grünen Tapeten in Longwood House auf St. Helena waren mit Arsenfarben hergestellt. Man wusste damals nicht, dass es schädlich ist – aber er muss es Tag für Tag eingeatmet haben. Deshalb befand sich auch Arsen IN seinen Haaren. Viele Forscher halten den Arsengehalt in Napoleons Körper für harmlos. Hinzu kommt, dass seine Ärzte bei der Autopsie am Tag nach seinem Tod auf eine sehr wahrscheinlichere Todesursache stoßen. Man hat ein Magengeschwür gefunden, wie bei seinem Vater. Napoleon hatte schon länger Schmerzen – und die Ärzte haben ein großes Krebsgeschwür in seinem Magen gefunden. Der Kaiser der Franzosen ist – nach heutigem Forschungsstand – wohl nicht ermordet worden.

Nach seinem Tod wird er zunächst auf St. Helena begraben. Im Jahr 1840 wird sein Leichnam von der Insel nach Paris gebracht und im Invalidendom beigesetzt. Eine Ruhmeshalle für Napoleon. Welche Fakten zu Napoleon haben Euch am meisten überrascht? Schreibt es in die Kommentare. Und wenn Euch das Video gefallen hat, lasst ein Abo da.