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Wie kann man die ICF, zu der sich heute viele junge Menschen hingezogen fühlen, einordnen? In Klammer: Zürich, München, Karlswoh, Heidelberg, Sinsheim und so weiter. Ja, auch hier muss man differenzieren. Grundsätzlich würde ich sagen, die ICF ist eine Bewegung, die aus der charismatischen Bewegung oder von Charismatikern mehr oder weniger geprägt wurde und gegründet wurde. Leo Bigger, einer der Hauptmänner in Zürich, hat diese Bewegung mit angefangen, mit dem Wölsterli. Und die haben von Anfang an ganz klar charismatische Praktiken für biblisch gehalten, auch durchgeführt.
Ich erinnere mich an eine Predigt von Bigger, wo er die versammelten Leute angeleitet hat, in Zungen zu reden, zu beten. Da mussten sie also alle nachsprechen. "A redet mal alle brav", gesagt, "B". "B, sag mal B." Haben also ganz gehorsam alle mitgemacht. War ein bisschen sehr, sehr komisch. Ja, und dann sagt mal, "Aber also A, B, B, aber dann, aber", gesagt. Und dann wollte man auf diesem Weg erreichen, dass man jetzt plötzlich übt und trainiert, in anderen Sprachen zu reden. Da ist also Einstieg, bewusster Einstieg oder Stimulierung auf sogenanntes Zungen-Gebet gewesen. Ich wusste, ich musste wirklich üben. Ich musste üben und das selber Maul ja mal auf. Ein paar Silben hat man mir vorgeschlagen zu sprechen und irgendwann fand ich das ein bisschen eintönig und dann hat mir eine Silbe von einer anderen Person gut gefallen. Dann habe ich die angefügt und geschaut, ob sie bleibt oder weggeht. Es ist bis heute für mich ein bisschen komisch. Ich hätte es lieber anders, aber ich nehm es, wie es gekommen ist.
Von Anfang an war es ganz klar und dann haben die mitgearbeitet, gerade mit hochrangigen Charismatikern, mit Propheten und so weiter und so weiter. Allerdings sind die teilweise unterschiedlich. Es gibt also einige, wie im Leo Bigger, der hat sich in anderen Fragen auch wieder positiv entwickelt, wenn es um ethische Fragen geht, ganz erstaunlich. Sogar andere wieder Homosexualität ganz anders bewertet haben. Sie sind also nicht einheitlich. Sie haben zum Ziel, junge Menschen zu erreichen mit ihrem Programm. Es sind einige Brüder unter uns, die können jetzt einen Vortrag halten, die waren dabei, der verantwortlich mitgearbeitet in Zürich in der ICF-Arbeit. Alles wird wirklich extremst geplant und vorbereitet. Ich habe Brüder kennengelernt, die sind ausgestiegen aus dieser Szene, weil sie gesagt haben, ich muss mich für eine Moderation, Moderation so intensiv vorbereiten, dass ich darüber das Bibellesen und Beten, ich habe keine Zeit mehr für gefunden. Das muss alles sitzen, das muss hundertprozentig sein.
Die liefern also eigentlich vom Programm her ein perfektes Programm. Meist wird es abgedunkelt, der Redner wird beleuchtet. Bibel braucht man gar nicht mehr mitbringen, die könnte man sowieso nicht. Wird dann, wenn überhaupt, dann an die Wand geworfen mit dem Beamer. Man passt sich in vielen Dingen jungen Leuten an, was Musik, Stärke und Stil und so weiter betrifft, Beleuchtung und Benehmen. Aber es gibt eben auch Pastoren bei der ICF-Bewegung, die versuchen schon auch, die Bibel lieb zu machen, den Herrn lieb zu machen. Das sind im Allgemeinen, wie ich meine, schon wiedergeborene Christen, aber mit Überzeugung und einer Ausrichtung, die ich für sehr bedenklich halte und die mit biblischer Gemeinde nicht viel zu tun haben und sich konzentriert auf ein Programm, was junge Leute äh sehr hippig anspricht. Und ältere Leute sind oft auch nur in einem anderen Gottesdienst der ICF dann zu erreichen oder zu bedienen, weil die Musik teilweise so stark und so laut ist, dass die älteren Geschwister überhaupt nicht mehr oder wenig ertragen können.
Also ist nicht einfach, das einzuordnen, aber ich würde keinem empfehlen, dahinzugehen. Ganz im Gegenteil. Nur auch diese Entwicklungen sind für uns eine Anfrage: Was haben wir versäumt in unserer Verkündigung, in unserer Gemeindeatmosphäre, dass junge Leute es in diese Bewegung hineinzieht? Da müssen wir uns an die Nase packen. Ich glaube, da haben wir uns viel schuldig gemacht, indem wir uns wenig Mühe geben, Antworten zu liefern auf die Fragen von jungen Menschen und auch eine Atmosphäre zu schaffen, wo sie frei und offen und ehrlich sind und wo man ja eine Botschaft bringt, die anspricht, auch das Herz und Gewissen anspricht. Dann hätten wir manche Probleme in unseren Gemeinden nicht mehr. Das ist eine vorsichtige Antwort auf diese Frage.