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Motivation (Deutsch) - Schweinehund

Lukas Hopetzki6:09

Transcription

Was in aller Welt ist es, was uns abhält? Das ist nicht einfach, das zu tun, was wir wollen. Wir sehen etwas, ein Ziel; wir entscheiden uns, wir nehmen uns vor – und und dann tun wir es nicht. Warum? Warum nur? Was ist das?

Da scheint in unserem Kulturkreis das zu sein, was man den inneren Schweinehund nennt. Da beschließt einer, der bis dahin noch bewegungsresistent war, endlich mal was für seine Fitness zu tun. Abends geht er mit festen Entschluss ins Bett: Morgen früh um 6 Uhr steht er auf und läuft. Mit dieser Entscheidung schläft er ein. [Musik]

Der Wecker klingelt. Der Blick aus dem Fenster: Es regnet. Noch nie hat er sich so über schlechtes Wetter gefreut. Sofort kriegt er ein paar tausend Ausreden: Du könntest dich erkälten. Du hast keinen wetterfesten Jogginganzug. Es ist glitschig da draußen. Wenn du dir was brichst, das kannst du dir beruflich zur Zeit gar nicht leisten. Spätestens wenn er das hört, kriegt er völlig beruhigt wieder zurück in seine Koje. Wie ein Butler kommt er da und serviert uns auf silbernem Tablett genau die Ausreden. Wie bei uns ziehen denn der innere Schweinehund in uns – muss ich leider auch sagen – ist hoch intelligent. Man kann sogar sagen: Je intelligenter der Mensch, desto raffinierter sind die Ausreden seines Schweinehundes. Das ist das Problem. Wenn Sie mit Ihrem Schweinehund klar kommen wollen, ist der erste Blick einer in die Trickkiste des Schweines.

Und die gemeinste Falle, die interessanterweise bei jedem Menschen funktioniert und jeder Verhaltensänderung auf Dauer entgegensteht und völlig harmlos daherkommt, nennt man die sogenannte Ausnahmefalle. Schauen Sie: Ich habe es einmal aus Versehen ausfallen lassen, dann habe ich es langsam schleifen lassen, und am Schluss habe ich es einfach sein lassen. Das können Sie nicht merken. Jetzt den sogenannten Schweinehund-Dreisatz: Ausfallen lassen, schleifen lassen, sein lassen. Und ich sage Ihnen: Die Rechnung geht immer auf. Mit der ersten kleinen Ausnahme, die wieder so harmlos aussieht, kommt die zweite im Schlepptau hinterher, und ganz schnell sind wir wieder beim alten Verhalten. Lassen Sie in der Anfangsphase keine Ausnahme zu. Ist der ganze Trip dann geschafft, haben Sie gewonnen. Übrigens: Die Anfangsphase ist nicht sehr lange. Wenn Sie etwas täglich machen, brauchen Sie nicht länger als sechs bis acht Wochen, um ein neues Verhalten so in Ihrem Nervensystem zu verankern, dass der Schweinehund Sie nicht mehr davon abbringen wird. Wenn Sie etwas einmal pro Woche machen, brauchen Sie ungefähr ein halbes Jahr. Nur dass es die kritische Zeit nur dafür gilt, dass Ausnahmen verboten sind. Später können Sie natürlich Ausnahmen machen, weil Sie zum gewohnten Verhalten zurückkehren. Wenn Sie nur diesen einen Tick mitnehmen und umsetzen, hat sich schon genug getan. [Musik]

Was auch immer Sie sich vornehmen: Achten Sie darauf, dass Sie das Gefühl der Machbarkeit haben. Wenn wir uns überwinden wollen, muss es uns machbar erscheinen; sonst haben wir keine Chancen. Und jetzt zeige ich Ihnen, wie Sie die Machbarkeit hinkriegen. Wenn Sie in dem Leben auf Dauer was verändern wollen: Warum ist das denn so schwer? Wenn wir uns vornehmen, ab morgen täglich zu laufen oder uns gesund zu ernähren usw.? Es ist deswegen so schwer, weil wir in der Regel die ungeheure Macht der Gewohnheit in unserem Leben weit unterschätzen. Das sieht anders dargestellt so aus: Es stimmt schon, am Anfang haben wir ziemlich hohen Aufwand an Selbstüberwindung und oftmals ziemlich magere Rendite an Körperwohlgefühl. Da ist am Anfang nichts mit Endorphinausschüttungen, die einem da versprochen werden. Gelenkschmerzen, Muskelkater nach Kilometer Nummer zwei – die Pumpe will nicht mehr so richtig. Aber das ist nur in der Anfangsphase. Dann kommt ein magischer Punkt, und nennen Sie ihn gerne Point of no Return, weil Sie danach nicht mehr aufgeben. [Musik]

Geben Sie bitte dem, was Sie sich vornehmen, wirklich Vorfahrt. Schweinehund-Angelegenheiten haben Vorfahrt. Vorfahrt bedeutet: Machen Sie es gleich in der Früh, sobald Sie Ihre Mittagspause haben, sobald Sie nach Hause kommen. Streichen Sie bitte lieber irgendwas anderes von Ihrem Tagesplan, aber machen Sie das. Machen Sie sich den Anfang so leicht wie möglich. [Musik]

Also: Erlauben Sie sich, klein anzufangen, und dann steigern Sie langsam. Also: Gehen Sie die Dinge leicht und behutsam an. So. Und den dritten Tipp den kennen Sie schon: Lassen Sie bitte in der Anfangsphase keine Ausnahme zu. In den ersten sechs bis acht Wochen, wenn Sie etwas täglich machen, oder im ersten Halbjahr, wenn Sie etwas wöchentlich machen, ist der einzige strenge Tipp: Keine einzige Ausnahme. [Musik]