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Warum ist Gold eigentlich so teuer?

Mysteriös & Komplex12:23

Transcription

Gold ist wahrscheinlich eines der nutzlosesten Elemente der Erde. Es ist für ein Metall nicht besonders stabil und man kann es nicht essen. Oder wenn man vernünftig ist, dann sollte man es zumindest nicht essen. Seine physikalischen und chemischen Eigenschaften sind interessant, aber selten einzigartig. Es gibt kaum ein Einsatzgebiet, auf dem man sagen könnte: "Oh nein, wir brauchen hier unbedingt Gold, damit unsere Maschine funktioniert, unser Auto fährt oder unsere Medizin wirkt." Und selbst wenn, für diese paar Fälle ist mehr als genug Gold auf der Erde verfügbar.

Platin z.B. hat deutlich mehr Anwendungsfälle, ist 30 mal seltener und trotzdem gerade mal halb so teuer. Und trotzdem war es der Goldpreis, der sich in den letzten 5 Jahren noch mal verdoppelt hat. Besonders seit 2023 kennt der Wert von Gold nur noch einen Weg und zwar nach oben. Wer kauft dieses ganze Gold und wofür? Und was auch eine interessante Frage ist, wo ist das ganze Gold? So ein Preisdiagramm ist interessant, aber dahinter stehen natürlich Tonnen an echtem Gold, das an mehr oder weniger versteckten Orten auf der Welt gelagert wird. Ein sehr großer Teil davon sogar in Deutschland, aber für den Preisanstieg ist Deutschland auf jeden Fall nicht verantwortlich. Aber das Schöne bei der ganzen Sache ist, alles ist einigermaßen öffentlich einsehbar. Man kann einsehen, wo wie viel Gold gelagert ist und auch wer es seit einigen Jahren wie verrückt kauft und damit den Preis massiv in die Höhe getrieben hat. Und welches Land dahinter steckt, hat mich schon ziemlich überrascht.

Hi, mein Name ist Henning und ich habe mir mal genau angeschaut, wer dahinter steckt und auch wo das ganze Gold überhaupt ist. Denn wenn man über das ganze Gold der Erde redet, dann stellt sich wahrscheinlich jeder eine gigantische Menge vor. Alles Gold, das die Menschheit bislang gefördert hat, sind etwas über 200.000 Tonnen. Auch das hört sich noch relativ viel an, aber würde man dieses Gold auf einen Haufen werfen und zu einem großen Würfel zusammenschmelzen, dann hätte dieser Würfel nur eine Kantenlänge von 22,5 Metern. Das ist gerade mal die Länge eines Tennisplatzes. Und dass ich hier nicht von Fußballplätzen rede, zeigt, wie klein das eigentlich ist. Dieser Block ist alles, was in tausenden Jahren Menschheitsgeschichte gefördert werden konnte.

Stellt sich natürlich sofort die Frage, was gibt es da noch zu holen? Wie viel größer kann dieser Würfel noch werden? Und diese Frage ist gar nicht mal so einfach zu beantworten. Je nach Quellen schätzt man, dass noch etwa 50.000 Tonnen abgebaut werden können. Das wäre noch mal ein Würfel mit einer Kantlänge von 14 Metern. Der größte Teil dieser Reserven entfällt dabei auf die drei Länder, China, Australien und Südafrika. Aber obwohl diese 50.000 Tonnen noch darauf warten, abgebaut zu werden. Schnell geht das auf jeden Fall nicht und jede weitere Tonne wird auch immer schwieriger und teurer. Jede Goldmine auf der ganzen Welt ist also auf der Suche nach einem kleinen Stück von diesem gar nicht mal so großen Würfel.

Aber ist das wirklich alles an Gold oder gibt es da noch mehr, dass wir nicht fördern können? Die Antwort, wie viel Gold es wirklich auf der Erde gibt, kann man nur sehr grob beantworten, aber die einfache Antwort ist ja. Ja, es gibt noch unfassbar viel mehr Gold auf der Erde. Schätzungsweise befinden sich in der Erdkruste noch mal 30 Milliarden Tonnen. Würde man daraus wieder einen riesigen Goldwürfel schmelzen, dann hätte der eine Kantenlänge von 115 Kilometern. Der ist so groß, mit dem könnte man ganz Luxemburg abdecken, was übrigens die einzig technische Möglichkeit wäre, um Luxemburg noch reicher zu machen.

Gold als Element ist also eigentlich gar nicht mal so selten. Warum lässt sich von diesem gigantischen Würfel denn da nur 0,0016% überhaupt abbauen? Na ja, es ist ziemlich gut verteilt das ganze Gold. Alleine 20 Millionen Tonnen sind im Meerwasser gelöst. Es gibt aber bislang keine technische oder wirtschaftliche Methode, da überhaupt ranzukommen. Das gleiche gilt für die Milliarden an Tonnen, die überall in der Erdkruste verstreut sind. Daher wird der Würfel des vorhandenen Goldes nicht besonders schnell wachsen und wir können für dieses Video davon ausgehen, dass er quasi konstant bleibt.

Schauen wir uns also mal an, wie sich dieses Gold aufteilt. Wo liegt das alles und wem gehört es? Die größten Goldreserven der Welt liegen in den Kellern der Zentralbanken. In Fort Knox, der legendären Goldreserve der USA, liegen weitere 4.500 Tonnen. Aber auch in Frankfurt lagern 1.700 Tonnen Gold, das im Besitz der deutschen Bundesbank ist. Insgesamt befinden sich so 35% von den 200.000 Tonnen bei den Zentralbanken und damit in Staatsbesitz. 140.000 Tonnen befinden sich dagegen im Privatbesitz. Und was ich besonders interessant finde, davon liegen zwei Drittel nicht irgendwo im Tresor, sondern sind als Schmuck verarbeitet. Damit ist die Hälfte des bekannten Goldes in Uhren, Ketten und Ohrringen verarbeitet.

Interessant ist ja auch, welche Länder hier am weitesten vorne sind, also welche Bürger das meiste Gold bei sich zu Hause haben. Auf Platz 3 kommt nämlich schon Deutschland. Deutsche Privathaushalte haben etwa 9.000 Tonnen Gold. Damit hat im Schnitt jeder deutsche Bürger über 100 Gramm seinem Besitz, was aktuell etwa 8.300 Euro wert ist. Also, ich kann nur für mich sprechen und ich habe nicht so viel Gold bei mir zu Hause rumliegen. Und ich gehe mal ganz stark davon aus, dass es allgemein nicht besonders gleichmäßig verteilt ist. Wenn ihr deutlich mehr als 100 Gramm habt, dann schreibt es mal in die Kommentare und schreibt auch bitte eure genaue Adresse dazu, damit ich mal eine Auswertung machen kann, in welchen Städten wohl das meiste Gold liegt.

Auf Platz 2 der Länder mit dem meisten Gold in Privatbesitz kommt China mit 17.000 Tonnen. China ist immerhin noch ein großes und inzwischen auch einigermaßen reiches Land. Damit hätte man also irgendwo rechnen können. Aber überraschend auf Platz 1 ist Indien mit über 20.000 Tonnen Gold. Das hat kulturelle und auch religiöse Gründe. Besonders bei indischen Hochzeiten ist es Tradition, viel Goldschmuck an das Brautpaar zu verschenken. Und hier nähern wir uns dann auch den Gründen, warum Gold überhaupt so teuer geworden ist. Denn während die Goldmenge in Deutschland relativ konstant ist, besteht in China und in Indien immer noch ein großer Bedarf nach immer mehr Gold. Die beiden Länder zusammen machen 40% der globalen Goldnachfrage aus.

Das ist schon interessant. Normalerweise redet man von den beiden Ländern eher als Exporteure, die ihre Waren in andere Länder verkaufen, typischerweise nach Europa oder in die USA. Aber beim Gold ist es genau das Gegenteil. Europa und die USA haben hier keinen großen Bedarf und wenn irgendwo z.B. einer australischen Mine etwas gefördert wird, geht fast die Hälfte davon in eines der beiden Länder. Chinesische Konsumenten kaufen in den letzten Jahren immer mehr Gold, weil sie dazu kaum eine Alternative haben, ihr Geld zu investieren. Zinsen für Sparguthaben gibt es kaum. Der Zugang zum Aktienmarkt ist streng reguliert und für die meisten Chinesen deshalb keine Option. Und das Rückgrat chinesischen Investitionen war lange die Immobilienbranche. Hier wurde viel investiert, um fürs Alter vorzusorgen. In teilweise vollkommen übertriebene Infrastrukturprojekte, für die es überhaupt keinen Bedarf gab. In vielen Städten stehen Millionen an Quadratmetern Wohnraum leer, für denen es gar keine Nachfrage gibt. Seitdem diese Probleme den chinesischen Markt eingeholt haben, sind die chinesischen Bauunternehmen in der Krise. Die Menschen haben aber immer noch Einkommen, dass sie investieren wollen und das treibt die Menschen immer mehr hin zum Gold, auch weil es als einigermaßen unabhängig von der wirtschaftlichen Situation gilt.

Indiens Nachfrage nach Gold wurde auch davon befeuert, dass die Zölle Mitte 2024 von 15 auf 6% gesenkt wurden. Das Ziel der indischen Regierung war es dabei, die heimische Schmuckindustrie zu stärken. Der Goldschmuck ist natürlich immer sehr abhängig vom Goldpreis. Das Material macht einen großen Teil des Wertes aus, während die Handarbeit nur noch für eine sehr kleine Wertsteigerung verantwortlich ist. Um 15% höhere Materialkosten auszugleichen, mussten indische Schmuckhersteller deswegen im internationalen Vergleich sehr günstig sein, damit sich das überhaupt gelohnt hat. Mit den 6% ist man natürlich direkt viel konkurrenzfähiger. Es macht das Gold in Indien aber natürlich auch als Wertanlage noch interessanter, als es eh schon war, weil man so bei Importen nicht mehr so viel Geld an den Staat abgeben muss.

Auch solche kleinen Veränderungen in der Zollpolitik können also einen großen Einfluss auf den Goldpreis haben, denn es kommt ja jedes Jahr nicht viel neues Gold dazu. Es ist nicht so, als ob direkt fünf neue Minen aufgebaut werden, nur weil der Goldpreis etwas steigt. Dafür ist die Menge, die es noch zu holen gibt, einfach viel zu gering und auf zu wenige Orte konzentriert. Außerdem kommt auch gar nicht so viel Gold, was man verkauft wurde, wieder in Umlauf. Die meisten Menschen halten nämlich lange an ihrem Gold fest. Viele von euch haben sicherlich auch irgendwo im Haus Goldschmuck, aber trotzdem beobachten die wenigsten wahrscheinlich regelmäßig den Goldkurs, um sich zu überlegen, ob jetzt nicht langsam mal der richtige Zeitpunkt wäre, um auszusteigen.

Und neben den asiatischen Konsumenten gibt es auch noch andere große Spieler, die den Markt ebenfalls aufkaufen und zwar einige der Zentralbanken. Die spielen beim Gold immer eine wichtige Rolle, denn Gold ist nun mal immer noch eine universale Währung, die sich eigentlich gegen alles andere eintauschen lässt. Und Staaten haben auch immer sehr viel Vermögen, dass sie nicht einfach so in alles mögliche investieren können. Ein Staat kann nicht einfach sein ganzes Vermögen in Immobilien oder Aktien kaufen. Teilweise darf er das nicht und es wäre auch viel zu riskant. Daher bleiben oft nur Währungen oder eben Gold.

Man könnte meinen, ob eine Zentralbank jetzt Euro, Dollar oder Gold im Keller liegen hat, ist relativ egal. Geld ist immerhin Geld und Gold ist immerhin fast genau das gleiche wie Geld. Aber es macht dann doch einen Unterschied. Wenn man ein Staatsvermögen nur in der eigenen Währung anlegt, dann ist man nicht so gut gegen Inflation geschützt. Legt man sein Geld in Dollar an, dann muss man auf gute Beziehungen zu den Vereinigten Staaten vertrauen und auch darauf, dass die eine ordentliche Geldpolitik machen. Und man trägt das Risiko, dass ein anderes Land vielleicht gar keine Dollar als Zahlungsmittel haben möchte. Da ist Gold natürlich deutlich praktischer. Es ist ein Inflationsschutz und es ist unabhängig von anderen Staaten.

Und der Trend geht ganz stark wieder in Richtung Gold. Viele Zentralbanken decken sich mit Gold ein und 2024 waren es über 1.000 Tonnen, die zusätzlich eingelagert wurden. Vorne mit dabei war mal wieder China. Auch der chinesische Staat ist natürlich groß, hat viel Geld und eine natürliche Abneigung, das alles in Dollar anzulegen. Aber auf Platz 1 steht ein Land, mit dem wahrscheinlich niemand gerechnet hat und zwar Polen. Die haben ihre Reserve 2024 um etwa 90 Tonnen erhöht und sind damit für fast 10% aller bekannten staatlichen Käufe verantwortlich. Polen möchte so schnell wie möglich mehr als 20% seiner Reserve in Gold halten.

Warum das Ganze? Der Grund, der meistens genannt wird, ist die geopolitische Situation in Osteuropa. Seit dem Angriff von Russland auf die Ukraine versucht man, was die Reserven angeht, einen sicheren Weg zu gehen. Goldreserven dienen als Schutz vor wirtschaftlichen Unsicherheiten und Katastrophen, was angesichts der Nähe zur Ukraine besonders wichtig ist. Mit Gold kann man fast in jedem erdenklichen Fall etwas kaufen. Selbst wenn das globale Finanzsystem gestört ist und Polen schnell etwas importieren muss, z.B. Waffensystem oder Lebensmittel, dann können sie als Gegenleistung immer ihr Gold anbieten, selbst wenn der Dollar oder Euro zu diesem Zeitpunkt nicht viel wert ist. Aber auch außerhalb von Krisenzeiten stärkt man mit so viel Gold auf Reserve auch seine Position gegenüber potenziellen Handelspartnern. Viel Gold gleich reich hört sich zwar mittelalterlich an, gilt aber bis heute. Und andere europäische Länder machen es Polen nach. Auch Tschechien, Serbien und Ungarn decken sich inzwischen lieber mit Gold als mit Dollar oder Euro ein.

Auch wenn es bestimmt viele Menschen gibt, die sich zurecht über einen hohen Goldpreis freuen, sind die Entwicklungen dahinter auf keinen Fall ein Grund zur Freude. Wenn die Nachfrage nach Gold steigt, ist das nämlich fast immer ein schlechtes Zeichen. Wenn Konsumenten mehr Gold kaufen, heißt das, dass sie Angst vor Inflation haben oder dass sie weniger auf Unternehmen vertrauen, von denen sie Anteile kaufen könnten. Und wenn die Zentralbanken es kaufen, dann haben die entweder auch Angst vor Inflation oder sie vertrauen einfach nicht darauf, dass sie ihre eigene Währung oder die Währung ihrer Handelspartner noch lange etwas wert ist. Gold braucht man im Grunde nur dann, wenn man kein Vertrauen mehr hat.

Am Ende des Tages macht das Gold im Tresor oder am Handgelenk nämlich überhaupt nichts Sinnvolles. Es ist einfach nur ein Stück Todesmetall, das kaum eine sinnvolle Anwendung hat. Aber weil wir uns eben auch seit hunderten von Jahren alle auf Gold als Wertanlage verlassen, wird es auch in Zukunft immer einen Wert haben. Was in Zukunft auch einen großen Wert haben wird, ist ein Abo für diesen Kanal. Das ist im Grunde digitales Gold. In dem Sinne, danke fürs Zusehen und bis zum nächsten Mal.