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Seid ihr noch immer bei Gmail? Dabei machen sich doch gerade so viele unabhängig von den Big Tech Konzernen aus den USA. In diesem Video erklären wir euch, warum immer mehr User den Mailanbieter wechseln, welche Alternativen es gibt und wie ihr euer Archiv vor Google rettet. Bleibt dran.
Bei Mails denkt man zuerst an Spam, aber dazwischen liegen im Posteingang halt auch wirklich wichtige Daten. Die Terminbestätigung vom Arzt z.B. oder das zurückgesetzte Passwort. Und irgendwo bestimmt auch noch ein niemals abgeschickter Liebesbrief.
Diesen großen Markt teilen sich ein paar große Anbieter untereinander auf. Eine Auswertung von 40 Millionen Mails zufolge liegen mehr als ein Drittel der Mails der deutschen Nutzerinnen und Nutzer auf Googles Servern. Weltweit sind es 1,8 Milliarden Nutzer, die Gmail nutzen. Das sind umgerechnet zwei Konten für jeden Einwohner Europas. Ein einzelnes Unternehmen hat damit also ziemlich viel Kontrolle. Schließlich melden wir uns vom Onlineshop bis zur Dating Plattform überall mit einer E-Mailadresse an. Und sei es jetzt Google Mail, Microsoft Outlook oder Apple iCloud, viele beliebte Postfachanbieter sitzen in den USA und sind entsprechend von der dortigen Politik abhängig.
Vergangenes Jahr sperrten beispielsweise Amazon, Microsoft und PayPal die Konten von Richtern am internationalen Gerichtshof. Auch den Zugang zu Mails. Hintergrund waren politische Sanktionen gegen den IGH und da die transatlantischen Beziehungen gerade etwas angespannt sind, könnte sowas in Zukunft ja durchaus öfters passieren. Und das wäre der totale Kontrollverlust. Der neue Mietvertrag im Anhang ist weg. Ich komme nicht mehr an meine zwei Faktor Authentifizierung zum Login und woher weiß ich jetzt, wann meine Rechnung fällig ist? Die Vorstellung allein macht schon Kopfschmerzen.
Man muss sich ja nicht mal eine internationale Krise ausmalen, um von Google wegzuhollen. Früher war Google damit, dass man niemals mehr eine E-Mail löschen muss, weil die Suchfunktion so gut ist und 1000 MB Speicher wohl für immer reichen. Aber jetzt sehen immer mehr User eine Warnung. Speichervoll, wenn du jetzt nicht Platz dazu kaufst, bekommst du bald gar keine E-Mails mehr. Den Platz teilt sich euer Postfach nämlich mit allen anderen Googleiensten wie Dateien und Fotos. Klingt ein bisschen nach Erpressung und jetzt wollen die unsere Postfächer am liebsten wohl auch noch an Ihr KI Modell verfüttern. Shitification nennt man das. Erst locken sie uns mit einem guten kostenlosen Produkt, das über die Zeit immer schlechter wird und man bleibt trotzdem dabei, weil man sich irgendwie so schön dran gewöhnt hat.
Es gibt also viele Gründe, den Anbieter zu wechseln, aber wohin? Z.B. zu einem Anbieter aus Europa, der strengeren Datenschutzgesetzen verpflichtet ist. Wir haben auf Heiser online gefragt, wo eure E-Mails liegen und fast 20.000 Leserinnen und Leser haben geantwortet. Unter den Antworten waren neben den kostenlosen Platzöschen wie Google und GMX auch viele kleinere kostenpflichtige Alternativen. Proton, Posteo, Mailbox und Migado z.B. Schauen wir uns diese kleine Auswahl doch mal genauer an, denn E-Mailanbieter unterscheiden sich nicht nur in der Größe des Postfachspeichers. Viel mehr geht's um eine Frage der Philosophie.
Proton Mail kommt aus der Schweiz und in unserer Umfrage auf 2in%. Die Schweizer sind fürs Bankgeheimnis bekannt. Proton setzt auf das Mailgeheimnis. Nicht mal Proton selbst kann euer Postfach lesen, verspricht der Anbieter. Eure Liebesbriefe verschlüsselt ihr dann natürlich auch im Versand zu Ende. Ein kleines Postfach gibt's gratis. Wirklich interessant ist der Dienst aber für alle, die bezahlen. Dann bekommt ihr mit VPN, Passwortmanager und ebenfalls verschlüsseltem Cloudsprecher ein sicheres rundum sorglos Paket dazu.
Posteo nutzen 5% der Befragten. Die Berliner Firma setzt voll auf Nachhaltigkeit. Geschäftsreisen machen sie nur mit der Bahn. Server werden mit Ökostrom betrieben und die Kantine der rund 40 Angestellten ist bio. Externen Investoren und Werbung erteilen sie eine Absage. Dafür kostet euch ein Postfach auch mindestens 12 € im Jahr. Nur eine eigene Domain dürft ihr nicht benutzen, laut Posteo, weil man dann eurebezogene Daten erfassen müsste und die wollen die gar nicht haben. Deshalb könnt ihr übrigens auch anonym per Bargeldbrief bezahlen.
Mailbox.org bietet neben Mails gleich ein Gesamtpaket mit Videotelefonie und einer Office Alternative im Browser. Das überzeugt 4% unserer Umfrageteilnehmer. Gehostet wird in Deutschland. Das Ganze gibt's ab 3 € pro Person. Mit Angeboten für Gruppen mit mehreren Nutzern befreit ihr damit vielleicht gleich euer ganzes Team aus dem Google Workspace.
Und zum Schluss noch ein echter Geheimtipp. Migadu benutzen fünf der Befragten. Nicht Prozent, sondern wirklich fünf. Migadu kommt aus der Schweiz und ist das Richtige für alle, die gern selbst in den Einstellungen rumklicken, denn hier müsst ihr eine eigene Domain mitbringen, damit überhaupt irgendwas funktioniert. So seid ihr schon auf dem halben Weg zum selber hosten, ohne den Server selbst installieren zu müssen. Ab 20 € im Jahr könnt ihr dafür so viele Postfächer und Mailadressen anlegen, wie ihr mögt. Mit Wildcard Regeln schafft ihr dann auch endlich Ordnung im Posteingang. Ein Dienst für alle, die gern hinter die Kulissen schauen.
An Auswahl mangelt es also auch bei unabhängigeren europäischen Anbietern nicht. Ein genaues Abwägen der Vor und Nachteile lohnt sich. Deshalb haben wir uns diese Anbieter und noch viel mehr bei He genauer angeschaut. Da erklären wir euch auch, wie ihr die alten Mails bei Google rausholt. Vielleicht wollt ihr ja doch noch irgendwann mal einen dieser unabgeschickten Liebesbriefe in eurem Entwürfordner lesen. Den könnt ihr dann auf eure Festplatte archivieren, ganz ohne Cloudzugriff für irgendwen.
Zwischen Videocalls und Messengern fühlt sich der digitale Briefverkehr verstaubt und umständlich an und doch läuft online eben nichts ohne ein Postfach. Wie wichtig E-Mails sind, merkt man aber erst, wenn es zu spät ist. Deshalb ist es an der Zeit, sich endlich mal bewusst mit ihnen auseinanderzusetzen und zu einem Anbieter zu wechseln, dem ihr wirklich vertraut.
Für große Konzerne sind Mails eher ein Nebengeschäft. Deshalb klatschen sie euch mit Werbung zu, drängt zu kostenpflichtigen Updates oder werten eure wertvollen Daten aus. Wer nicht bezahlt, ist selbst das Produkt und so weiter. Bei kleineren Anbietern kostet das Postwach deshalb meistens Geld. Dafür müssen Sie halt wirklich mit einem guten Produkt überzeugen, statt über Umwege mit euch Umsatz zu machen. Das ist dann vielleicht auch mehr wert als das Geld, dass man mit einem gratis Postfach spart. Und genau darum geht es bei digitaler Souveränität. Ihr entscheidet selbst, worauf ihr euch einlasst.
Und überlegt ihr auch jetzt den Mailanbieter zu wechseln? Falls ja, lasst uns wissen, wohin die Reise geht oder schreibt, dass euch völlig egal ist, dass Google eure Daten liest. Liebe Grüße, euer Daniel. Feierabend.