Transcription
Das ist ganz schön dumm.
Das ist ja ganz nett, aber das finde ich besser. Ganz Hamburg stand auf der Straße. Wie und wann verwendet man ganz eigentlich richtig? Ganz gehört zur Klasse der Gradpartikel, kann aber auch als Adjektiv oder Adverb oder Intensivierungsoperator auftreten. Ganz schön komplizierte Wörter für etwas, was eigentlich gar nicht so schwierig ist. Es ist einfach ein Wort in der deutschen Sprache, das mehrere Funktionen hat und je nach Kontext verschiedene Rollen einnimmt. Es beschreibt oft die Quantität, Intensität oder Vollständigkeit einer Sache. Ich gebe dir natürlich ein paar Beispiele, damit du das besser verstehen kannst.
Erstens, ganz als Adjektiv, entweder unflektiert oder flektiert. Das heißt, mit einer Endung oder ohne Endung, je nachdem, wo es im Satz steht. Die Bedeutung ist dann komplett bzw. vollständig oder nicht beschädigt oder intakt. Beispiele. Das Glas ist ganz geblieben. Bedeutet, das Glas ist intakt geblieben, also nicht kaputt. Ein weiteres Beispiel, ich habe das ganze Buch gelesen. Hier wird ganz als Adjektiv vor dem Nomen mit einer Endung versehen, also dekliniert oder flektiert. Die Bedeutung hier ist, ich habe das Buch komplett gelesen, nicht nur einen Teil. Ich möchte hier noch einmal ganz klar auf den grammatikalischen Hinweis aufmerksam machen, dass wenn das Adjektiv vor dem Nomen steht, du auch immer darauf aufpassen musst, dass es eine Endung bekommt, also das ganze Haus und nicht das Ganzhaus.
Die zweite Bedeutung oder Funktion von Ganz. Ganz kann auch als Gradpartikel oder Adverb verwendet werden. Es ist dann eine Verstärkung oder Abschwächung eines Adjektivs oder Partizips. Als Verstärkung bedeutet es so viel wie völlig, sehr oder total. Beispiele: Sie ist ganz begeistert von dem Vorschlag. bedeutet, sie ist sehr begeistert von dem Vorschlag oder ich bin ganz sicher, dass er kommt. Bedeutet, ich bin sehr sicher, dass er kommt. Noch ein Beispiel, er war ganz aufgelöst. Also, er war völlig aufgelöst. Aufgelöst bedeutet hier übrigens verzweifelt.
Vorhin habe ich gesagt, dass Ganz auch noch eine abschwächende Wirkung haben kann. Diese kommt dann zum Einsatz, wenn wir ganz mit Wörtern wie gut, nett oder okay zusammenfügen, dann bedeutet es nämlich genau das Gegenteil. Der Film war ganz gut bedeutet nicht, der Film war sehr gut, sondern eher, na ja, der Film war nicht so gut. Er war ganz gut, akzeptabel. Ein weiteres Beispiel, sie ist ganz nett, aber nicht besonders unterhaltsam. Also zusammengefasst haben wir in diesem Bereich zwei gegensätzliche Bedeutungen von ganz. Einmal verstärkend und einmal abschwächend. Abgeschwächt wird es in Kombination mit anderen Adjektiven wie gut, nett, schön oder okay. Dann bedeutet es so viel wie eigentlich nicht sehr nett, nicht sehr schön, nicht sehr gut, ich weiß verwirrend. In allen anderen Fällen ist dann ganz aber verstärkend. Z.B. Das ist etwas ganz besonderes. Das ist etwas sehr Besonderes.
Eine wichtige Anmerkung habe ich hier noch. Wir können ganz niemals mit dem Superlativ verwenden. Also, wir können nicht ganz beste Freunde sagen oder ganz schönste Haus oder sowas in der Art. Entweder wir lassen ganz vor dem Superlativ komplett weg, da man diesen ja eigentlich nicht weiter verstärken muss. Er ist ja schon bis ans Maximum verstärkt, der Superlativ. oder im Fall von ganz beste Freunde würden wir einfach allerbeste Freunde sagen. Und denk dran, wenn du nur ganz gute Freunde sagst, dann versteht man darunter eher nicht so gute Freunde.
Weiter geht es mit ganz als Fokuspartikel. In diesem Kontext betont es die Gesamtheit oder die Ausschließlichkeit einer Einheit. Zu theoretisch hier ein paar Beispiele. Ganz Berlin war auf den Beinen, also die gesamte Stadt, niemand ausgeschlossen, also die Gesamtheit der Stadt oder er hat ganz alleine gearbeitet ohne jegliche Hilfe von anderen oder ich bin ganz deiner Meinung bedeutet hier vollständig vollständig übereinstimmend mit deiner Meinung. Ein kleiner grammatikalischer Hinweis: In diesen Fällen steht ganz oft direkt vor dem betonten Element und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Vollständigkeit einer Einheit.
Kommen wir zur vierten Funktion von Ganz. Es kann auch in festen Wendungen vorkommen und idiomatisch verwendet werden. Z.B. zum Ausdruck von Emotionalität oder Ironie. Beispiel, ich bin ganz Ohr, also ich höre dir aufmerksam zu oder die Party war eine Katastrophe. Ganz zu schweigen oder ganz abgesehen von den Gastgebern. Das bedeutet hier besonders die Gastgeber waren schlecht. Eine andere feste Redensart ist ganz großes Kino. Bedeutet hier ironisch super. Ironisch, weil es eigentlich bedeutet gar nicht super. Z.B. Der Zug fällt aus. Ganz großes Kino. Eine weitere Redensart, du bist nicht ganz dicht, bedeutet, du bist verrückt und ich bin ganz bei dir. Das bedeutet, ich bin vollkommen oder total deiner Meinung. Kleiner grammatikalischer Hinweis: Solche Phrasen wirken je nach Intonation. Wie gesagt, eben auch ironisch oder übertrieben. Hier zum Vergleich. Ehrlich gemeint, du hast das wirklich ganz toll gemacht. Ironisch gemeint, du hast das wirklich ganz toll gemacht. Also, du siehst den Unterschied.
Kommen wir zur fünften Funktion. ganz als Antwortpartikel in kurzen Sätzen. Beispiel Person A sagt: "Du denkst also, dass man Sport machen muss, um gesund zu leben." Antwort: Ganz klar. Oder anders gesagt: "Ja, völlig selbstverständlich. Auch ganz logisch ist eine Antwortmöglichkeit. Man muss lernen, um gut Deutsch zu sprechen. Das ist doch ganz logisch, oder? Einfach nur ganz logisch, oder? ganz und gar nicht anders ausgedrückt überhaupt nicht.
Und dann zum Schluss haben wir die sechste Funktion von ganz, nämlich in Kombination mit schön und einem anderen Adjektiv. Z.B. das ist ganz schön dumm, das ist ganz schön traurig, das ist ganz schön nervig. Hier bedeutet ganz schön in Kombination zusammen, einfach nur sehr. Beispielsätze, dass du dich nicht für die Prüfung vorbereitet hast, war ganz schön verantwortungslos von dir oder die Party nebenan ist ganz schön laut oder er war nach der Trennung ganz schön traurig. Du siehst, ganz schön, kann manchmal in eine positive und eine negative Richtung gehen, je nachdem was im Satz als Kontext vorliegt. Ganz schön dumm ist negativ, ganz schön schlau ist positiv. Also das Adjektiv danach bestimmt, in welche Richtung sich die Bedeutung wendet.
Zusammengefasst können wir sagen, dass ganz mehrere Funktionen im Satz haben kann und die Bedeutung stark vom Kontext abhängt. Die größte Schwierigkeit für nicht Muttersprachler besteht darin, dass Ganz sowohl verstärkend als auch abmildernd verwendet werden kann. zwei ganz grundsätzlich konträre Funktionen. Die Bedeutung ergibt sich dabei, wie schon gesagt, aus dem Kontext oder der Tonlage, wie man etwas aussagt. Um dir noch einmal einen Überblick zu verschaffen, habe ich hier eine Tabelle für dich und wir sehen uns im nächsten Video. So.