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In unserer Serie "Erdachte Gespräche" beginnen sich heute die beiden Philosophen Plato und Friedrich Nietzsche in der scharfen Auseinandersetzung. Stoßen zwei sehr unterschiedliche Weltanschauungen aufeinander. Plateaus Idee von der These des Guten, von der unsterblichen Seele und Nietzsches Bekenntnis zur wirklichen, zur tatsächlichen Existenz in einer Welt ohne Gott.
Das Manuskript schrieb Wilhelm Weischedel. Bruno Hübner spielt Plato, Werner Kreindl den Friedrich Nietzsche. Ich wünsche Ihnen gute, scharfsinnige Unterhaltung.
Treffe ich Sie endlich einmal, Plato?
Fürstin Wolkenkuckucksheim! Die Ideen! Schon lange habe ich mir im Gespräch mit denen herbeigewünscht. Sind Sie Erfahrung?
Nietzsche: Friedrich Nietzsche. Kennen Sie nicht meinen Zarathustra? Wo kommen Sie her?
Plato: Aus Deutschland. Wird es im Norden als Barbarenland das war es zu Ihrer Zeit. Später aber hatten wir eine reiche Kultur und viele Philosophen: Kant, Fichte, Hegel und mich, Friedrich Nietzsche.
Nietzsche: An Selbstunterschätzung leiten Sie offenbar nicht. Ich bin ein europäisches Ereignis.
Plato: Gibt Ihnen das Recht, mich anzugreifen?
Nietzsche: Ja, wenn Sie sind einer der Großen im Gefälle des Geistes und daher meiner Polemik würdig.
Plato: Danke. Was also haben Sie gegen mich?
Nietzsche: Einzel will. Sie sind in Ihrer Philosophie voll von Verborgenheit, eine wahre Sphinx-Natur. Einerseits bewundere ich Ihr Denken. Wenn ich Ihre Dialoge lese, höre ich darin das Jauchzen über die neue Erfindung des vernünftigen Denkens. Andererseits entdecke ich bei Ihnen metaphysische Träume, kühne Torheiten, eine Lust am Spinnen. Ja, manchmal stoße ich sogar von den fast religiösen Formen Wahnsinn auf eine wahre Dialektik-Trunkenheit, ein Hagel von Anrufen. Aber doch eigentlich nicht so soll gemeinheiten.
Plato: Sie müssten Ihre Kritik schon etwas konkreter fassen. Wir haben ja Zeit.
Nietzsche: Zeit in der Ewigkeit gibt es keine Zeit. Sehen Sie, vielleicht liegt darin unsere Differenz. Immerhin Sie, dass Sie verachten das Zeitliche und halten es allein mit dem Ewigen. Sie entfernten sich von der Sinnenwelt und setzen an ihrer Stelle eine Welt der Ideen.
Plato: Ich habe meine Gründe.
Nietzsche: Dann lassen Sie sie hören.
Plato: Dann müssen wir erlauben, dass ich mit dem Einfachsten beginne, wie es mein großer Lehrmeister Sokrates getan. Ich frage zunächst, wie wir eine Sache erkennen. Ich habe mich oft nach der Erkenntnis der Gerechtigkeit oder Schönheit oder Abfahrt gefragt, aber einfacher: Wie können wir eigentlich einen Baum, einen schlichten Baum erkennen?
Nietzsche: Indem wir uns ein Bild von ihm machen.
Plato: Aber dieses Bild betrifft doch nicht nur diesen einzelnen Baum, sondern auch jeden anderen, oder? Genauer: Alles, was so aussieht wie ein Baum.
Nietzsche: Nennen Sie das dann noch nicht recht Bild?
Plato: Ja, nur, dass wir dann das Bild meinen, das dem Baum überhaupt darstellt. Oder allgemeiner: Wir nehmen für jede Gruppe von Einzeldingen, die wir mit demselben Namen benennen, auch ein einheitliches Bild an. Und damit es keine Missverständnisse gibt, sage ich statt Bild lieber Idee.
Nietzsche: Dagegen ist nichts einzuwenden. Denken wir also weiter. In dem Augenblick, in dem wir einen Baum sehen, erschaffen wir doch nicht erst das Bild eines Baumes überhaupt, sondern wir müssen doch schon vorher wissen, wie ein Baum aussieht.
Plato: Ist von der Idee des Baumes her, die wir in uns tragen, können wir das, was wir sehen, auch als Baum erkennen?
Nietzsche: Das schon möglich. Nur ein solches Bild, eine solche Idee, wie Sie es nennen, habe ich mir schon früher, eben einmal durch das öftere Betrachten von Bäumen, erworben. Er weiß ich, das erste Mal ein Baum sah, musste ich doch schon vorher ein Bild von ihm gehabt haben. Wie wir die sonst wissen können, dass das, was ich sah, ein Baum ist?
Plato: Vermutlich haben Ihnen, als Sie noch ein Kind waren, Ihre Eltern gesagt: „Schau, das ist ein Baum.“
Nietzsche: Ja, ich musste doch verstehen, was sie sagen wollten. Das hätte ich nicht gekommen, wenn ich nicht schon vorher ein Bild in mir gehabt hätte, wie ein Baum aussieht.
Plato: Was heißt vorher? Lassen Sie mich bitte, aber halten wir fest: Schon am Ausgangspunkt unseres Problems sind wir uns nicht einig.
Nietzsche: Lassen Sie mich trotzdem fortfahren. Wenn wir die Ideen von allen möglichen Dingen schon in uns tragen, bevor wir diese Dinge zum ersten Mal kennenlernen, dann müssen wir sie ja schon von Geburt her in uns tragen.
Plato: Der Mensch ist also für Sie eine Art ursprüngliches Bilderbuch. Aber ein Säugling weiß doch noch nichts von all diesen vielen Dingen auf der Welt. Woher sollen denn bei ihm Ihre Bilder kommen?
Nietzsche: Er hat sie in seinem Geiste. Wenn er zum ersten Mal ein Baum sieht, wird sich der in wiesbaum ist bewusst. Die in Demut lernen ist nichts anderes als Wiedererinnerung.
Plato: Und wie sollen denn den Menschen diese Bilder in seinen Geist gekommen sein?
Nietzsche: Er hat sie in einem Dasein vor seiner Geburt geschaut.
Plato: Wie wollen Sie das denn plausibel machen? In einem Mythos?
Nietzsche: Besser als auf rationalen Weg. Begeben wir uns also tapfer in die mythische Welt. Ich stelle mir vor, die Götter ziehen jeden Tag.
Plato: Die Götter? Ja, die Götter. Die Götter ziehen jeden Tag auf Wagen mit Drossel-Gespanne über das Firmament. In ihrem Gefolge keuchen mühselig die unsterblichen Seelen der Menschen. Die haben es deshalb so schwer, weil sie zwar ein unsterbliches Ross besitzen, weil aber jetzt zweites Ross sterblich, das heißt höchst ungefährlich ist. Bei dieser umfasst außerhalb des Himmels sehen die Götter und die unsterblichen Seelen die Bilder der Dinge. An den Rändern des Weges die Statuen stehen für alle. Findet ein geglücktes Schauen statt, ein wahrhaft göttliche Schauen. Dieses Geschaute nehmen die unsterblichen Seelen in sich auf und bringen es, wenn sie Menschen werden, als Bilder mit, die in ihnen schlummern.
Nietzsche: Sehr schön, aber doch bloß ein Mythos.
Plato: Legte Mythos keine Wahrheit? Keine weibliche? Aber was mich noch viel mehr stört: Sie haben da so ganz nebenbei die Unsterblichkeit der Seele eingeführt.
Nietzsche: Die behaupte ich allerdings. Es kommt den Seelen ein Dasein zu, noch ehe sie Menschengestalt annehmen, und zwar ein geistiges Dasein. Darum sage ich: Alles, was Seele hat, ist unsterblich.
Plato: Unsterblichkeit? Dabei denken wir doch vor allem an ein Weiterleben nach dem Tode, weniger an eine Existenz vor der Geburt. Wenn die Seelen ihrer geistigen Frauen schon vor dem hiesigen Dasein gelebt hat, dann kann sie auch ein Tod des Leibes nicht untergehen. Denn was immer da war, muss notwendigerweise immer da bleiben, also unvergänglich sein.
Nietzsche: Ein geist tolles Spiel mit Begriffen. Dann hören Sie noch einen weiteren Beweis: Es Leben schlägt ständig in den Tod und der Tod in das Leben um. So wie in der Natur überhaupt alles aus sein Gegenteil erwächst, das Warm aus dem Kalten, das Kalte aus dem Warmen. Der Tod kann also kein endgültiger Zustand sein. Die Lebenden müssen nicht weniger aus den Toten als die Toten aus den Lebenden entstehen.
Plato: Warum soll eine Seele nicht endgültig sterben? Ihre sogenannten Beweise sind doch trocknen. Und noch etwas stört mich in diesem Zusammenhang: Ich finde es geradezu verhängnisvoll, wie Sie die Leiblichkeit des Menschen so selbstverständlich abwerten. Das Wesentliche, Menschen, das einzige, was zählt, ist für Sie das Geistige. Das Körperliche zählt für Sie nicht.
Nietzsche: Aber gibt es eine gefährlichere Verehrung als die Verachtung des Leibes? Der Leid mit all seinen Leidenschaften und ich kümmern verwirkt los dem Geist. Ja, er ist bestimmt der leeren. Sagen nur ein Kerker, um frei für den Geist zu werden, muss man sich so viel wie möglich von der Leiblichkeit lösen.
Plato: Im Gegenteil! Man muss das Leibliche bejahen. Ich sage sogar: Ich bin ganz und gar Leib. Seele ist nur ein Wort für eine etwas am Leibe.
Nietzsche: Niemals! Ich weiß, darin sind Sie unerbittlich. Sieht die meinen ja sogar erst die Toten im Hades sind rechte Philosophen vom Leibe erlöst. Sind wir beide nicht gerade jetzt ein Beispiel? Philosophen und im Hades. Aber das sagt auch ganz und gar nicht, dass wir auf Erden den Leib verachten müssen. Philosophieren heißt sterben lernen. Darum ist der Philosoph bemüht, seine Seele so weit wie möglich von der Gemeinschaft mit dem Körper zu lösen.
Plato: Nur ein lebendiger Mensch kann philosophieren, und er philosophiert umso besser, je lebendiger er ist. Leben aber heißt im Leibe existieren.
Nietzsche: Lebendig philosophieren? Ja, aber in einer geistigen Lebendigkeit. Können Sie den Leuten, dass der Mensch zusammengesetzt ist aus Geist und bleibt ein paradoxes Wesen ist? Auf der einen Seite das göttliche, unsterbliche, übersinnliche, unauflösliche. Auf der anderen Seite das sterbliche, sinnliche, auf lösliche. Das erste macht den Menschen zum Menschen, das zweite bringt ihnen in diesen jedes tief.
Plato: Im Gegenteil! Man muss das Leibliche eba an und in unser Denken hinein nehmen, wenn wir lebendige Menschen sein wollen. Das Geistige ist nur eine Zeichensprache des Leibes. Welcher in Verfolger Philosophie Sie sind für mich zusammen mit Ihrem Lehrmeister Sokrates Verfalls-Symptome und zwar bei Sie Verächter des Leibes sind. Damit haben Sie alle Philosophie nachhinein verdorben. Resultat: die falsche Askese, die sich wie eine Seuche durch unsere Jahrhunderte schleppt.
Nietzsche: Aber noch einmal zurück zu Ihrer Ideen-Leere. Wenn ich Sie recht verstanden habe, sind die Idee nach Ihrer Auffassung das, worin sich die Wirklichkeit widerspiegelt. Umgekehrt: Nicht die Dinge spiegeln sich in den Ideen, sondern die Ideen in den Dingen. Die Ideen sind Musterbilder der Dinge, gleichsam Urbilder des Wirklichen. Die Dinge dagegen sind Abbilder der Ideen. Das ein Baum als Baum bezeichnet wird, verdankt er der Idee des Baumes. Aber es gibt auch nicht bloß den Baum überhaupt. Es gibt Zeichen zu pressen und Ölbäume. Streng genommen gibt es nur diese Eiche, diese Zypressen, diesen Ölbaum. Daneben gibt es noch große und kleine, junge und alte, gerade gewachsene und verkrüppelte Bäume. Gibt es nun von all diesen einzelnen auch eine besondere Idee?
Plato: Es gibt sie. Es gibt also ebenso viele Ideen wie es wirkliche Dinge gibt. Die Ideenwelt ist also, genau betrachtet, unendlich.
Nietzsche: Sie haben recht. Es fällt der Ideen ist ungeheuer groß. Und diese Fülle von Ideen schwirrt die so ganz einfach am Himmel herum, wild durcheinander, ohne jede Ordnung?
Plato: Dass eben tut sie nicht. In der Ideenwelt gibt es sogar eine strenge Ordnung, die den etwa dahin zu pressen und Ölbäume finden ihre Vereinigung in der Idee des Baumes überhaupt, die den der Gerechtigkeit, Besonnenheit und Tapferkeit in der Idee der Tugend. Wenn also diese Ideen-Wäldern in sich gefügt es reich ist, dann muss es doch auch ein höchstes Prinzip geben, in dem alles ruht. Es ist die Idee des Guten. Sie ist die Ursache der Erkenntnis und der Wahrheit. Wir sehen ja, wie wirklichkeit alles auf das Gute zu strebt. Der Baum will auf die beste Weise Baum sein, erst recht der Mensch. Seine Seele bewegt sich auf das Gute zu. Sie will die Idee des Guten schauen. Es gibt eine vollkommene Hierarchie in der Ideenwelt, und an ihrer Spitze steht die Idee des Guten.
Nietzsche: Aber hier liegt auch eine Begriffsverwechslung vor. Man gebrauchte das Wort gut in einer doppelten Bedeutung. Gut ist etwas, in dem es gut für mich ist. Insofern kann man behaupten, alle Menschen strebten nach dem Guten. Gut kann aber auch heißen: gut an sich, im südlichen Sinne. Gut, dass alle Menschen darauf aus werden, kann man ja gerade nicht behaupten. Gebe sonst das Böse.
Plato: Aber es geht doch gerade darum, beide Begriffe des Guten zu verbinden. Im Gegensatz zu Ihnen bin ich der Überzeugung, dass alle Menschen nach dem 70. Guten streben.
Nietzsche: Eine sehr naive Überzeugung. Die mächtige Realität des Bösen wurde eben erst nach Ihrer Zeit philosophisch überdacht und offenbar überschätzt. Wenn Sie die Idee des Guten an die Spitze alles Erkennen, sondern strebten setzen, dann ist das der schlimmste, langwierigste und gefährlichste aller Irrtümer. Damit haben Sie nämlich die Philosophie unter die Herrschaft der Moral gebracht, verhext von Ihrem großen Lehrmeister Sokrates. Kurz: Sie haben die Philosophie moralisiert. Sie ist eine moralische Angelegenheit. Nur der gute Mensch kann philosophieren, denn nur der gute Mensch ist vernünftig. Er glaube an die Vernunft. Er beruht auf lauter moralischen Vorurteilen.
Plato: Sie meinen, die Vernunft führen notwendig zum Guten? Sie halten den Menschen und die ganze Welt für ursprünglich gut?
Nietzsche: Dagegen antworte ich mit aller Schärfe: Weder ist der Mensch gut, noch ist es die aus der menschliche Wirklichkeit. Das müssten Sie erst begründen. Sie gehen an der Wirklichkeit vorbei. Hier ist nicht gut, auch nicht durchaus böse. Sie ist indifferent, ist jenseits von Gut und Böse.
Plato: Das behaupten Sie ja. Ich kann übrigens auch begründen, was Sie zur Moraliserung der Wirklichkeit geführt hat. Sie haben Ihre eigene großartige Natur in die Natur des Menschen und dazu noch in den Kosmos hineininterpretiert. Der erste liegt darin, dass Sie gemeint haben, Ihr Gut sei nicht das Gute Plateaus, sondern das Gute an sich. Verewigen Schatz, den nur irgendeinen Menschen haben ins Platte auf seinem Weg gefunden hat. In Wahrheit ist es aber doch nur das Gute Plateaus. Diese Ihre Moraliserung des philosophischen Denkens hat sich verhängnisvoll auf die nachrichten konnten ausgewirkt. Die Moral sei sein oberster Wert. Das gilt seitdem in allen Phasen der Philosophie als unumstößliche Wahrheit. Und dagegen richtet sich mein Protest. Die Autorität der Moral unterbindet das Denken. Sie können mich verdammen, aber ich halte an meiner Ansicht fest, weil sie die Wahrheit ist.
Nietzsche: Sie aber, was wollen Sie denn nun positiv? Ich fordere die Abschaffung der Moral. Man muss die Moral vernichten, um das Leben zu befreien. Man muss sich außerhalb der Moral stellen, wenn der Typus Mensch zu seiner größten Pracht und Mächtigkeit gesteigert werden soll. Daher warte ich auf den Erlöser von der Moral.
Plato: Der Sie selber sein wollen? Zumindest bin ich der erste Wahl. Ist dann doch lieber Post sein im Reich der Moralisten. Ich sehe, Sie wollen die Welt, wie sie ist, nicht akzeptieren. Deshalb berichten Sie über ihr das luftige Gebilde ihrer Ideenwelt und nennen das die wahre Wirklichkeit. Das ist wahrhaft wirklich. Die Dinge entstehen aus dem Nichts und genen nichts unter. In unserer Welt sind Sein und Nichtsein immer gemischt. Sind die Dinge nicht in einem ständigen Werden und Vergehen begriffen, ohne je zum Sein zu gelangen und sich daraus nicht entschluss? Die wirklichen Dinge und die wirklichen Menschen als bloßen Schein anzusehen, dadurch, dass Sie die wahre Wirklichkeit zum Schein der graviert haben, haben Sie nur Unheil gestiftet. Zwei Jahrtausende hat man Weltflucht gepredigt und sich immer wieder auf Sie berufen.
Nietzsche: Aber was kann den Menschen Besseres geschehen, als dass er über die irdische Welt hinauskommt und das Ewige, das wahre Sein erblickt? Können Sie den leugnen, dass das, was ewig ist, mehr Sein besitzt als das, was vergibt?
Plato: Aber ewig sein im abstrakten Sinne Ihrer Ideen bedeutet doch nicht wirklich sein. Wirklichkeit müsste sich mir doch zeigen, müsste sie mir geradezu aufdrängen. Ihre sogenannten Ideen tun sich mehr ganz so gar nicht das Wirklichkeit und sind ein himmlisches Nichts. Um es deutlich zu sagen: Lüge und Fälschung.
Nietzsche: Das ist Ihre Interpretation. Was treibt Sie eigentlich dazu, so über die Wirklichkeit hinauszugehen? Ich kann mir das nur als psychologischen Bedürfnis erklären.
Plato: Was psychologischen Bedürfnissen? Natürlich! Die Flucht in Ihre wahre Welt der Ideen lässt sich psychologisch ganz leicht erklären. Sie wollen damit Ihre allzu leidende und reizbare Sensibilität besiegen, die nämlich erträgt diese Welt nicht. Was Sie als Erfahrung einer wahren Welt ausgeben, ist im Grunde nur der Wunsch.
Nietzsche: Ich möchte eine solche geben. Worauf freuen Sie mische Methode hinaus? Was Sie als wahre Welt ausgeben, ist eine ungeheure perspektivische Fälschung. Tatsächlich ist diese wahre Welt der Ideen ein pervertierter Wille zur Herrschaft. Ja, mit Ihrer Philosophie üben Sie Herrschaft über sich und andere aus. Sie ist also ein Werkzeug des Machtwillens. Aber lassen wir Ihre Motive beiseite. Woran ich hartnäckig festhalte, das ist diese Welt. In ihr müssen wir leben. Die Welt des Werdens. Sie die einzige Realität. Darum ist es für mich von kardinaler Bedeutung, dass man ihre sogenannte wahre Welt abschafft. Meine Philosophie ist also umgedrehter Platonisch.
Plato: Muss, wenn es so wäre, dann hätten wir uns eigentlich nichts mehr zu sagen. Doch, denn das Verhängnisvollsten kommt noch. Das luftige Reich der Ideen ist für Sie doch gleich der Region des Göttlichen. Wenn also letztlich alles auf die Idee des Guten zu geht, dann geht es in Ihrer Konzeption doch direkt auf Gott zu. Die des Guten und das Göttliche sind dasselbe. Denn der Gott ist in jeder Hinsicht das Beste. Ich sehe also die Ideen in der Dimension des Göttlichen. An Gott ist wie die des Guten das Maß aller Dinge, Anfang, Mitte und Ende alles wirklich.
Nietzsche: Sie wollen mit Aufwendungen aller Kraft sich beweisen, dass Vernunft und Instinkt zugleich ein Ziel zu gehen haben: das Gute auf Gott. So ist es. Und was machen Sie dann mit den Menschen? Wollen Sie denn am Ende auch noch verglichen?
Plato: Das will ich allen ernstes. Die Seele hat mit dem Göttlichen Gemeinschaft, sofern sie den Guten nach strebt und für das Gute alles tut. Man kann also mit Recht sagen: Die Seele ist Gott gestaltet und nix den Göttern das Göttliche. Das gilt vor allem für die philosophische Seele, denn nicht die Gemeinschaft der Götter zu gelangen ist keinem vergönnt, der sich nicht der Philosophie geweiht hat. Darum geht die Seele, die im Leben auf die rechte Weise philosophierte, auch im Sterben zu dem, was ihr ähnlich ist: zum Unsichtbaren, zum Göttlichen.
Nietzsche: Wenn die Philosophen, denen es doch um die Wahrheit geht, ein besonderes Verhältnis zum Göttlichen haben, dann müsste für sie letzten Endes doch gelten, dass Gott die Wahrheit ist, dass die Wahrheit göttlich ist.
Plato: Es ist aber nicht mehr als ein moralisches Vorurteil, dass Wahrheit mehr wert sei als scheint. Es ist sogar die schlechteste wie sieht eine Annahme, die es gibt. Es gibt keinen Gott. Der Mensch greift nach dem Nichts und konstruiert das Nichts zum Gott.
Nietzsche: Eine Welt ohne Gott? Welche Perspektive! Eine Welt ohne Gott, die endlich erreichte Freiheit des Menschen! Mit dem bloßen Verstanden, mit dem Sie an die Dinge herangehen, erreicht man die wahre Welt der Ideen nicht. Man muss sich viel mehr zu ihr an einem besonderen Schauen aufschwingen, das natürlich kein Sehen mit den leiblichen Augen, sondern ein geistiges Schauen. Wir müssen allein mit der Seele die Dinge an sich selber betrachten.
Plato: Wieder so eine Art von mystischen Gefühl? Ja, es ist verdächtig. Will es dann das sagen, der Aufsprung, die Schau, von der Schwede ist im Eros der Liebe verwandt. So wie ich lieben den Abstand zu den geliebten Gegenstand oder zu den geliebten Menschen überspringen, so muss ich auch, um in das Reich der Ideen zu gelangen, nichts ihm erheben, team aufsteigen. Nehmen wir als Beispiel die man zu Idee des Schönen. Gelangen kann man muss von dem Schönen in unserer Wirklichkeit ausgehen, das Schönheit der Körper, von der Schönheit der Seelen, von der Schönheit der Gesetze, von der Schönheit der Erkenntnisse. Dann wird man plötzlich ein wunderbares, dem Wesen nach schönes erblicken, ewig sein, weder während noch vergehen, das mit sich selbst, für sich selbst ewig ein gestaltete sein, das göttlich schön.
Nietzsche: Schwärmerei? Nein, das trifft in die Mitte des Philosophierens. Für mich nicht nachvollziehbar. Was Sie als Erhebung, Aufschwung nennen, heißt für mich nur, sich vom Sinnlichen anschauen entfremden, sich zum Abstrakten erheben. Was Sie aus Leben in einer anderen Welt bezeichnen, ist für mich nur ein Schwellen in den blassesten Wort und den Bildern für Ihre so genannte wahre Welt. Aber ich kein Organ der Erkenntnis.
Plato: Zu allem, was wir in der Philosophie wichtig ist, haben Sie bisher immer nur nein gesagt. Gibt es für Sie denn gar nichts Positives? Sind Sie nur ein Kritiker?
Nietzsche: Halt! Der Kritiker bereitet vor, nicht mehr. Unsere bisherige Unterhaltung war nur ein vorbereitendes Gefecht. Aber was sagen Sie endlich, was steht hinter Ihrer Kritik? Ich kann es mit einem Wort sagen: der Realismus. Ich bin ein Realist. Ich bin sogar der erste vollkommene Nihilist Europas.
Plato: Das verstehe ich nicht. Der Mechanismus ist kurz gesagt die Lehre vom Nichts. Sie behauptet, alles, von dem wir meinen, es sei wirklich sein, wahrheit nicht. Auch ein windiger Rhetor meiner Zeit, der so viel wie als behauptet, es gäbe nichts, man könne nichts erkennen und nichts aussagen. Muss ich über 2000 Jahre später aus Ihrem Munde das gleiche wieder hören, aber begründete als bei Ihrem Sophisten? In zwei Punkten meine ich, wird deutlich, was es mit dem Nihilismus, wie ich ihn vertrete, auf sich hat. Der eine Punkt ist das Problem der Wahrheit. Über die Wahrheit betrifft doch nicht das Nicht, sondern das Sein. Sie das Sein wird Design Dinge aus. Was soll da solch einen Nihilismus?
Nietzsche: Das Neue an unserer jetzigen Stellung zur Philosophie ist die Überzeugung, die noch kein Zeitalter hatte, dass wir die Wahrheit nicht haben.
Plato: Aber wo bleibt unsere Vernunft? Sie zeigt uns doch, wenn wir sie richtig benutzen, die Wahrheit, jedenfalls soweit sie uns Menschen zugänglich ist.
Nietzsche: Jede Vernunft Optimismus! Ich möchte haben. Ihre klassische Vernunft ist doch das Fragwürdigste, was es gibt. Sie kann uns nicht zur Wahrheit führen. Die Dinge sind unerkennbar.
Plato: Soll jetzt wird daraus schließen, dass es für Sie überhaupt keine Wahrheit gibt?
Nietzsche: Eben! Das ist meine Hillis muss. Der Glaube, dass es keine Wahrheit gibt, ist eine Listen glauben.
Plato: Glauben Sie, dass ich nenne das Verzweiflung? Und wenn uns gar nichts anderes übrig bleibt, dass diese Verzweiflung an der Wahrheit. Warum ist seit alter in dem Sie leben mussten?
Nietzsche: Es gibt noch eine zweite Quelle für den Lizz muss. Es ist der Bereich der Moral. Nihilismus bedeutet auch: Es ist nichts mit den sittlichen Werte sind fahl und leer geworden. Wenn aber die Werte wegfallen, dann wird alles ziellos und sinnlos. So ist der Nihilismus der Glaube an die absolute Sinnlosigkeit.
Plato: Und Sie besitzen keine Antwort auf die Frage nach dem Warum?
Nietzsche: Nein, der philosophische Nikilist ist der Überzeugung, dass alles geschehen ziellos, sinnlos und umsonst ist. Die ganze Welt mit allem, was darin ist. Ja, ich habe eingesehen, dass alle bisherigen Werte, die sich als ewig gültig aufspreizten, nichts Absolutes sind. Werte legte erst der Mensch in die Dinge hinein. Ein so kann er diese Werte aus den Dingen auch wieder herausziehen.
Plato: Sie meinen, wenn der Mensch sich wandelt, da müssen auch alle bisherigen Werte sich wandeln, mehr noch: zugrunde gehen?
Nietzsche: Wenn der Nihilismus der, die Zukunft bestimmt, ist nicht aufzuhalten. Er ist die zu Ende gedachte Logik unserer großen Werte und Ideale.
Plato: Ich verstehe nicht. So lang ist denn die Moral letztlich zugrunde gegangen?
Nietzsche: Meine Antwort an einen Ihrer Grundprinzipien: an der Wahrhaftigkeit. Diese wendet sich endlich gegen die Moral selbst. Der Nihilismus steht nicht einmal im Widerspruch zu Moral, erfolgt logisch aus ihr. Was braucht es dann noch Philosophen? Im Gegenteil, der Philosoph erholt sich im Nihilismus. Das ist ein Gradmesser von Willenskraft, wie weit man in einer sinnlos gewordenen Welt zu leben aushält. Es kommt darauf an, poetisch gesprochen, auf leichten Seilen sich halten zu können und selbst an Abgründen noch zu tanzen.
Plato: Das bringen Sie tatsächlich fertig?
Nietzsche: Ich versuche es. Denn der Untergang der Werte, in die Wertlosigkeit des Sinne sind die Sinnlosigkeit, das ist das Schicksal, das ich auf mich nehmen musste.
Plato: Schicksal? An Lille ist sagt Schicksal? Was meinen Sie damit?
Nietzsche: Ich verstehe unter Schicksal das, was als geschichtliche Notwendigkeit auf uns zukommt. Eine solche ist für mich eine Hillis muss. Dieses Schicksal kündigt sich überall an, unruhig, gewaltsam, überstürzt, wie ein Strom, der ans Ende will. Danielismus ist für mich der unheimlichste aller Gäste.
Plato: Den Sie selber ein? Dazu braucht es mich nicht. Der Hillismus kommt von sich aus, ungeladen, mit Notwendigkeit.
Nietzsche: Und welche Rolle spielen Sie dabei?
Plato: Die entscheidende. Es wird sich einmal an meinem Namen die Erinnerung etwas ungeheures anknüpfen, an eine Krise, wie es noch keiner werden gab.
Nietzsche: Sie sind verrückt. Das hat man schon oft von mir gesagt. Man hat oft genug von mir gewarnt. Darin waren sich alle Priester, Pastoren und Pädagogen einig, nicht zu reden von den Philosophen. Das ist ein göttliches gibt, das überall wollte.
Plato: Das lasse ich mir nicht nehmen. Es gibt keinen Gott. Gott ist ganz überflüssig. Er ist unsere längste Lüge. Es ist eine Sache der Ehrlichkeit, vom Glauben an Gott sich rein zu erhalten.
Nietzsche: Aber Sie müssen doch zugeben, überall in der Welt hat band Götter geglaubt, oder an einen Gott, vor meiner Zeit, zu meiner Zeit und später auch.
Plato: Ein Glaube ist kein Beweis. Er lässt sich psychologisch erklären. Der Gottesgedanke ist eine Erfindung des Menschen. Nicht ein Gott hat die Menschen erschaffen, sondern die Menschen haben Gott geschaffen.
Nietzsche: Beweis? Beweis! Ich beweise, dass in dem ich zeige, wie der Begriff Gottes aus dem Machtgefühl des Menschen entspringt. Dieses Gefühl der Macht, wenn es plötzlich und überwältigend den Menschen überzieht, erregt in ihm einen Zweifel an seiner Person. Er wagt sich nicht als Ursache dieses erstaunlichen Gefühls zu denken und setzt stattdessen eine stärkere Person, eine Gottheit für diesen Fall an. Daraus kann man, wenn Gottes Gedanken nicht ableiten. Wir haben zum Beispiel Gefühle der Liebe. Daraus folgt auch nicht, dass der andere Mensch, den wir lieben, erst durch diese Gefühle geschaffen wird. Es gibt die noch ohne mein Gefühl, und zwar als Realität. So steht es auch mit der Gottheit. Ihre psychologische Argumentation kann mich nicht überzeugen.
Plato: Dennoch macht sich immer mehr das Gefühl breit, dass Gott tot ist, dass der alte Gott nicht mehr erlebt, an den alle Menschen einst geglaubt haben. Ich empfinde angesichts der Befreiung von Gott eine neue, schwer zu beschreibende Art von Licht, Glück, Erleichterung, Erheiterung, Ermutigung.
Nietzsche: Die sind auch noch stolz auf diesen Gottes-Macht?
Plato: Und ob! Ich darauf stolz bin. Das taten wir, als wir diese Erde von der Sonne los ketteten. Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Irgendwer nicht wie durch ein unendliches Nichts. Taucht uns nicht der leere Raum an? Hören wir noch nichts vom Lärm der Totengräber, welche Gott begraben? Riechen wir noch nichts von der göttlichen Verwesung? Auch Götter verwesen.
Nietzsche: Gott ist tot. Gott bleibt tot. Und das ist Ihr letztes Wort? Ein Atheist und nichts als ein Atheist?
Plato: Sein Eagle ist und nichts als ein. Ihr wisst, ich sag dir vorhin, ich sei der erste Titel ist. Ich muss aber hinzufügen: Ich bin einer, der den Nihilismus in sich selbst schon zu Ende gelebt hat.
Nietzsche: Lis muss für Sie nur ein Zwischenzustand? Es kommt mehr entscheidend auf die Erlöser von Nihilismus an.
Plato: Also endlich etwas Positives? Ja, wir haben irgendwann neue Werte nötig. Wird soll das sein? Alles kommt auf eine Umwertung aller Werte an. Diese Umwertung aller Werte wird eines Tages den vollkommenen Nihilismus ablösen.
Nietzsche: Und wer soll diese Ablösung verbringen?
Plato: Der Philosoph.
Nietzsche: Wie aber sollen die neuen Werte aussehen und wie das neue Ziel? Bisher waren alle Werte, war die Moral dem Lebensfeindlich. Deshalb ist entscheidend, dass durch die neuen Werte das Leben bejaht wird.
Plato: Welches Leben?
Nietzsche: Würden Sie deutlicher. Leben ist Wille zur Macht. Er herrscht doch offensichtlich überall im menschlichen wie im tierischen. Da sind ja sogar in der unbelebten Natur. Überall sind Kräfte wirksam, die sich befinden, die mehr Macht über andere Kräfte wollen. Das innerste Wesen des Seins ist Wille zur Macht. Deshalb ist das Leben das Grundprinzip einer neuen Wertschätzung.
Plato: Und der Geist? Was fangen Sie damit an?
Nietzsche: Der Geist muss dem Leben Dienst bei sein. Ich finde das Leben aus dem Geist untertan. Soll der Geist ist nur ein Mittel und Werkzeug zur Erhöhung des Lebens.
Plato: Aber eben dieser Geist ist für mich alles. Das Leben nichts. Das trennt mich absolut von Ihnen. Stimmt. Hier gibt es keine Versöhnung.