Transcription
Land und Brecht [Musik] einen schönen guten Morgen in die Runde. Ja, guten Morgen. Video Podcast. Wir haben einen Gast, Richard. War ich ausgesprochen bei? Ist bei uns. Ihres Zeichens Forensikerin. Wir beide kennen uns ein ganz kleines bisschen. Sie waren schon zweimal, glaube ich, noch bei uns in der Sendung. Habt ihr schon mal getroffen? Und wir wollen heute – ist Sommer in Deutschland – ähm alles luftig, alles fluffig, alles locker, alles leicht – eine gute Gelegenheit um mal über was richtig Düsteres zu sprechen, über das Böse zu sprechen. Sie sind Forensikerin.
Ja, genau. Ich frage ganz bewusst ein bisschen leienhaft, damit wir zusammen mal verstehen, was sie eigentlich machen und mal ganz platt für mich runtergebrochen: Sie befragen jeden Tag Menschen, treffen Menschen, die schlimme Dinge gemacht haben. Sie begegnen sozusagen jedem Tag den Bösen.
Na, ich begegne – also, wenn ich Explorationstermine mache, die habe ich natürlich nicht täglich, also nicht 30 im Monat, aber übertrieben – ich begegne Menschen, die Straftaten begangen haben, mehrheitlich eben schwere Gewaltstraftaten, also aus dem sexuellen und aus dem nicht sexuellen Bereich. Also Tötungsdelikte, das breite Spektrum von Sexualdelikten, von Missbrauch, Vergewaltigung, auch Brandstiftung und so weiter. Aber schwere Gewaltdelikte liegen ja auch im öffentlichen Raum, und wir haben ja ein zweisepuriges Strafrecht. Das heißt, wir kennen Strafe zur Tat, Schuld für eine aus der eigenen Verantwortung heraus abzuleitende Straftat und eine Maßregel der sogenannten Besserung und Sicherung in der Psychiatrie für Menschen, die aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung – und die muss schwerwiegend sein – schuldfähig sind oder schuldfähig sind. Ich habe zwei Kliniken geleitet von 2000 bis 2018 für forensische Psychiatrie, also psychiatrische Hochsicherheitskliniken, und habe mich jetzt vor fünf Jahren selbstständig gemacht, weil ich nur noch meiner Sachverständigentätigkeit nachgehe. Und das heißt, ich untersuche Menschen in Bezug auf die Frage, ob eine Straftat mit einer schweren psychischen Erkrankung zusammenhängt – ja oder nein. Das hat Auswirkungen auf die Frage der Schuldfähigkeit, und ich mache sogenannte Risikoprofile, also gefährlichkeitsprognostische Gutachten. Männer, mit denen sie dann sprechen – 92% wieder – oder wenn wir den wieder rauslassen, wie groß ist das Risiko, dass er dann wieder vergewaltigt, wieder mordet, wieder wieder auffällig wird sozusagen und eine eine große Gefahr für die Gesellschaft ist.
Das hatten Sie in ihrer in ihrer langen Zeit, in der sie das machen, mal irgendwann das Gefühl: Heute habe ich etwas gehört, das ist das ist das ultimative Böse?
Nein, es ist ja nicht mein Blickwinkel. Also, ich setze mir ja nicht die Brille auf, wo auf den Brillengläsern irgendwie der Aufdruck „Das Böse“ steht oder gucke ich dann durch. Ne? Straftaten sind für mich in der ersten Linie Ausdruck eines menschlichen Scheiterns, alles Scheitern, alles Menschen an seiner eigenen Biografie und an seinen eigenen potenziellen Lösungsmöglichkeiten. Dass die Dinge böse sind oder dass die Dinge, die mit denen ich mich befasse, nicht toleriert werden können, ergibt sich aus den Delikten selbst. Ich beschäftige mich ja nicht mit Kaugummi klauen, sondern mit schwerer Gewaltkriminalität. Insofern bedarf es ja meiner Moralisierung überhaupt nicht, weil das ist selbsterklärend. Menschen sind ja nicht 365 Tage im Jahr böse, sondern sie haben ein Potenzial, das sich unter bestimmten inneren und äußeren Bedingungen realisiert und das ich mit anderen mehr oder mit einer hohen Wahrscheinlichkeit noch mal realisiert. Und insofern sitzt mir ja immer ein Mensch gegenüber, der wiederum die meisten Eigenschaften hat, die ich auch habe, und der nur in sehr kleinen Teilen eben von diesen Eigenschaften abweicht.
Interessieren haben Eigenschaften jetzt etwas genauer, weil die scheinen ja sehr unterschiedlicher Natur zu sein. Wir kleben nachher das Etikett „Das Böse“ drauf, aber es gibt ja sehr unterschiedliche Motive, aus denen heraus Menschen Verbrechen begehen, und da finde ich hilfreich – aber das sehen Sie vielleicht anders oder viel differenzierter als ich – das Schlechte und das Böse zu unterscheiden. Das Gleiche macht man ja auch im Englischen, ja, da kann man also „bad“ und „evil“ unterscheiden und unter dem Bösen, unter „evil“, verstehen wir eigentlich einen Sadisten, also jemand, der eine eine psychische Störung hat und der Spaß am Gewalt, am Quälen, am Begehen von Verbrechen hat. Also wahrscheinlich, ne? Ja, richtig bösartig, hier sofort durchdrungen bis ins Mark oder sowas. Ja, also dem das Spaß macht, dem nur der Spaßfaktor am Bösen klebt. Das ist ja wahrscheinlich, wenn man sich die schweren Straftaten anbelangt, ein relativ kleiner Prozentsatz, ganz klar, und der größere Teil besteht ja aus aus dem Motiven, dass jemand aus einer Verzweiflung heraus was gemacht hat oder dass jemand traumatisiert ist und dann oder oder in seiner Kindheit schon massive Gewalt erlebt hat und deswegen so dieses Gewaltmuster in sich hat oder ähnliches. Und wenn wir sagen, er hat schlechte Taten begangen, tun wir aber schwer damit zu sagen, das ist ein böser Mensch. Ist ist diese Unterscheidung von von „bad“ und „evil“ – also „bad“: etwas Böses tun, nicht unbedingt aus einer bösen Gesinnung heraus, und „evil“: wirklich böse Gesinnung seiend – das für Sie eine Unterscheidung, die Sie auch treffen?
Das ist insofern nicht mein Gegenstand, weil als Sachverständige bin ich natürlich extrem neutral, und ich bin mir dessen bewusst, dass man forensischen Psychiatern gerne nachfragt, dass Psychiater für alles und jedes Verständnis hätten – Verständnis im Sinne von etwas nachsehen. Das ist nicht meine Aufgabe. Ich sehe nichts nach, so wie ich auch nichts vorsehe. Gegenstand meiner Begutachtung ist schlichtweg das Verhalten, was Gegenstand des Strafgesetzbuches ist, und das sind schädigende Handlungen gegen Dritte, wo die Integrität Dritter grob missachtet wird und wo es unterschiedliche Motive gibt, und da bin ich bei Ihnen. Im Sinne des Bösen oder des Tragischen: Es gibt Delikte, die speisen sich aus einer schweren brüchigen Persönlichkeitsfehlentwicklung, wo derjenige selbst ein Schicksalsträger ist, und es gibt andere, die begehen Delikte, weil sie perfide Absichten haben. Also Konkurrenzausschaltung, immer bei Tötungsgeld. Sie können unendlich viele Motive finden, Leute zu töten, und da ist es so, kann man ja denken schon – also von Eifersucht, dass er das hoch emotional ist, geht und Besitzstreben. Das wäre ja – das ist ein sehr narzisstisches und Konkurrenzausschaltung – das wäre was Perfides. Also ja, Ehre zum Beispiel. Dann gibt es natürlich historisch neu zu definieren Gründe, also zum Beispiel Kriege. Dürfen sie töten? Vorbeist. Dürfen sie das Gleiche nicht mehr tun? Also es gibt Bereicherungsabsichten, habe ich hier. Nein. Sexuelle Lust? Ganz ganz ganz selten, aber es ist ein Motiv, das heißt, es gibt ganz unterschiedliche Gründe, und sie sind gewissermaßen unterschiedlich tragisch in der Person verankert.
Ich habe – sie haben mehrere tolle Bücher geschrieben. Ich habe sehr viel davon auch gelesen und habe zum Beispiel einen Fall jetzt gerade im Kopf, den sie mir mal erklären müssen. Also, gibt es eine Frau, die hat einen Liebhaber, und weil sie nicht in der Lage ist, ihrem Mann zu sagen: „Ich möchte mich von dir gerne scheiden lassen“, und begründet das auch so und sagt: „Weißt du, ich würde dich damit verletzen und die Kinder und so weiter und sofort“, beschließt sie mit ihrem Liebhaber diesen Mann einfach umzubringen. Ja, was passiert da? Das sind die sehr speziellen, problemlosen Strategien ausgesprochen registrierungsfähiger Frauen für mich populärwissenschaftlich hysterisch. Also diese Persönlichkeit dieser Frau ist sozusagen wenig kompetent, offen, ehrlich und konstruktiv, aber auch durchaus emotional belastend Konflikte zu lösen. Ja, und sie möchte eigentlich – sie lebt eigentlich in einer Traumwelt, wo sich das das Ungemach, in dem Fall, dass er noch einen Ehemann hat, irgendwie in Luft auflösen soll. Also es soll sich alles einfach wie in einer Märchenwelt von einer schönen Zauberfee auflösen, aber das funktioniert natürlich nicht, und dann bringt man ihn halt um. Und dann gibt es so eine Gemengelage, das ist eine perfide Art von Innigkeit, dass man so denke ich: Wenn jetzt mal diesen Ehemann immer genial einfach Hugo – also Hugo ist im Weg, das wäre eigentlich schöner, wenn Hugo gar nicht mehr da wäre, aber Hugo ist nun mal da, ist auch ziemlich gesund und vielleicht auch noch sportlich, also es kann auch lange dauern, und dann denke mal so: Ah, wie wäre das denn, wenn Hugo – wenn Hugo einen Unfall hätte und dann einfach – Sturm – boah, das merke ich, dass das wirklich gut – also, wenn der einfach weg wäre, das Beste für uns. Moralische Abkürzung, und dann schaukelt sich das auf, und dann ist man dabei zu sagen: Eigentlich könnten wir dem Unfall etwas nachhelfen, zum Beispiel. Und dann diese Überschätzung: Man wird uns nicht draufkommen. Und es ist die es ist die Idee sozusagen: Ich will nur einen Fingerschnipp machen, und ich bin jeder sozialen Verantwortung auf der internationalen auf der Beziehungsebene letzten Endes ledig.
Sie haben anderes Beispiel, dass die schildern, wo sie sagen: Da gibt es diesen Mann, der lebt in diesem Haus, mehrere Parteien, völlig unauffällig lebt, dann völlig unauffälliges Leben, ein sehr netter, ein angenehmer Nachbar, einer, wie man ihn sich wünscht. Nur ein einziges Mal flippte aus und geht dahin, ersticht seine Nachbarin, aber bringt sie nicht direkt um, sondern er zieht ihr den Darm sozusagen bei lebendigem Leib aus dem Körper und wickelt ihn über ihren Kopf. Ja, das ist ein in der Tat ungewöhnlicher Fall. Das sind das sind das sind die Dinge in ihren Büchern, die mich immer so verstören, denn dann kommt sozusagen die ganze wissenschaftliche Ebene, wird das alles sehr sehr genau erklärt, dann sagen sie: Ist auf das Böse als solches gibt es in dem Sinne gar nicht. Wie alle können auch zu solchen Dingen plötzlich fähig sein, und Leute, die sowas tun, sind eigentlich von uns vom Rest sozusagen gar nicht so furchtbar weit entfernt. Ist eigentlich auch eine Frage der Umstände. Und dann kommt plötzlich so mit einem mit zwei Sätzen kommt da so ein Ding so ganz nebenbei mit einer Brutalität, das springt einen förmlich an, und dann machst du ja – genau deswegen macht Frau diese diesen Job und ich besser nicht. Also die Geschichte dahinter – was die Geschichte dahinter ist, ja völlig klar. Es ist doch völlig klar, dass ein Mensch, der das tut, und wir drei, die wir jetzt hier sitzen und diesen Diskurs hier führen, dieses Gespräch führen, dass wir uns in ganz fundamentalen Dingen in unserem Leben davon unterscheiden. Das ist uns völlig klar. Also, wenn Sie in ihrer Persönlichkeit nicht eine bestimmte Impulsivität haben, wenn ich dann ein bestimmtes cholerisches Temperament habe, wenn Sie vielleicht keine schwere Suchterkrankung haben, wenn Sie nicht abnorm kränkbar sind, dann haben Sie schon eine ziemlich viele relevante Faktoren nicht, um irgendwann vergewaltigt zu werden. Also schwere Gewalttätigkeit hat ganz häufig etwas zu tun entweder mit aktiver Gewaltbejahung, als also sozusagen einen ein Mindset, wo ich Gewalt einfach ein Preis als legitim verhaltensspiel und problemlos lösen oder oder Interessen durchsetzen. Impulsivität, pathologische Krankheit, zu schnell beleidigt, schnell beleidigt sein, genau, und Feindseligkeit im Denken zum Beispiel. Das sind alles Eigenschaften, geringes Selbstwertgefühl mitunter. Das sind alles Eigenschaften, die Gewalttätigkeit befördern. Jetzt in diesem Fall war es in der Tat so. Das ist ein sehr seltener Fall, auch dieses Verletzungsmuster so sehr sehr sehr ungewöhnlich ist. Das war ein ein ehemaliger Metzger, das war ein sogenannter Kopfschlächter, und ich habe mir dann sagen lassen, dass dieser Kopfschlächter normalerweise in einer Stunde 60 Schweine zerlegt hat, also pro Minute ein Säugetierkörper, und das muss man also wissen, wenn man diesen diesen Modus operandi sieht. Und er hatte – er war ein chronischer Alkoholiker, und er war – das muss man sagen, glaube ich, ohne ihn jetzt persönlich zu nahe zu treten – er war ein extrem einfach strukturierter Mann, also jemand, der nicht in der Lage war, über innere Gefühle und Wahrnehmung letzten Endes zu reden. Also eigentlich ganz ganz simpler Typ, der im Grunde seiner Arbeit hatte, und wenn er Freizeit hatte, dann hat er gesoffen, und das war eigentlich sein Leben: Arbeiten und saufen. Er ist auch nie bei der Arbeit zu spät gekommen, ist immer zur Arbeit gegangen, ja, aber und ansonsten hatte er viele Bekannte, die auch sehr viel getrunken haben, und er hatte eine stehende Redewendung, und zwar, wenn er Karten spielte, ohne das Gefühl hatte, dass jemand anders ihn irgendwie über den Tisch ziehen wollte, dann hat er gesagt: „Pass auf, ich ziehe das Geschlinge aus dem Arsch und häng’s dir um Hals.“ Das war dann stehende Redewendung. Und irgendwann ist er zu dieser Nachbarin, und was da genau war, das konnte man nicht konnte man nachher nicht rausfinden. Wahrscheinlich gab es irgendeine sexuelle Annäherungssituation, und diese Nachbarin war auch stark betrunken. Todeszeitpunkt hatte die drei Promille, ganz ausgemacht Alkoholikerin, und wahrscheinlich gab es irgendeine körperliche Annäherung. Es gab irgendwas mit Rückeneinreiben mit Franzbranntwein und irgendwie Dinge, und dann dieses Delikt. Er hat darüber so nichts gesagt, und ob er jemals was darüber sagen wird, das weiß ich nicht, aber das war sicher etwas an ein impulsiver Durchbruch von etwas von einer wie sexualisierten Kränkung. Habe ich mir relativ sicher, aber das blieb offen. Das heißt, das kann plötzlich ausbrechen, aufbrechen. Er hat eine bildhafte Vorstellung davon gewissen – der – also, wenn Sie mich jetzt persönlich fragen würden, ich würde Ihnen schon deswegen die das Gedärm nicht aus dem Bahnhof rausziehen, weil ich keine innere keinen inneren Handlungsentwurf dazu habe. Ja, nicht dass das geht, aber genau. Also ich müsste es geht, und dann Bilder zu, wie es aussieht, aber es wäre nicht Bestandteil meines inneren Handlungsentwurfs. Weißt du sozusagen? Ist insofern sind – aber er hatte ja diesen er hatte dieses innere Bild, und zwar bei ihm eine stehende Redewendung. Das heißt, es war ein also eine Deformation professionell möchte ich was sagen, weil er ja ein Handlungsmuster hatte, was er über Jahre und Jahrzehnte seine beruflichen Tätigkeit auch eingeübt hatte. Und im Zweifelsfalle tun Menschen eben das, was sie was sie tun können.
Was mich jetzt interessiert ist: Steckt das irgendwie in jedem, also frei nach der ersten allgemeinen Verunsicherung: Das Böse ist immer und überall, ja, nur wir haben mehr Schutzschichten darüber, oder ist es etwas, das nur in ganz bestimmten Menschen vorkommt? Ich frage das deswegen – Sie haben ja gerade gesagt, bei jenseits ihres Berufs wurde das jetzt keine wirkliche Rolle spielt, aber wo sie sich viele Gedanken darüber gemacht haben. Gewaltdelikte sind existenzielle Dinge, die man tut. Ja, sie haben das selber so existenzphilosophisch geschrieben, indem sie gesagt hat: Wer wir trennen im Grunde genommen diese diese Distanz von der Welt, die heben wir auf, wir kommen in eine Art Rausch rein, wir leben eine Art Lebensintensität. Das können wir im Guten, und das können wir wahrscheinlich auch im Bösen erleben. Ich sage das deswegen, weil ich habe ja mit Jane Goodall mich mal lange unterhalten, und es ist halt so, dass sie sagte: Es ist unheimlich viel Gutes in Schimpansen, beispielsweise, noch viel Böses in Schimpansen. Und wenn man sieht, und da gibt es ja auch eindrucksvolle Bilder, wie die Schimpansen – überwiegend die Männchen – wie die andere Affenarten jagen und die dann lebendig zerreißen und in einen Blutrausch geraten, die sind außer sich, den geht einer ab, wenn die diesen Affen zerreißen und sich mit Blut verschmieren und so. Also irgendetwas davon scheint ja im Menschen vorhanden zu sein, dass durch den zivilisatorischen Gürtel, durch unsere Erziehung, finden wir tausend Möglichkeiten, das nicht rauszulassen, sondern andere Wege zu finden, aber vorhanden. Nach dieser These wäre es eigentlich in jedem Menschen, also jeder Mensch wäre quasi zum Äußersten in der Lage, wenn die Umstände ihn dazu bringen oder wenn die ganze Schicht, die darüber liegt, wenn die bröckelt. Würden Sie das unterschreiben? Also könnten wir alle irgendwann in einer bestimmten Situation zu Mörder werden, jemanden?
Also die Frage ist, ob unsere Lebensumstände so desastrieren, dass tatsächlich alle unsere Schichten komplett bröckeln würden. Also potentiell ja, aber ich glaube, der Unterschied ist, wie viel wie viel Schichten hat man entweder drüber, also sozusagen wie viele Mädel ist, und wie sind die die historischen Umstände. Also man weiß ja – wir wissen ja alle aus dem Dritten Reich, dass völlig normale Bürger unfassbare Dinge getan haben in KZ, Familienväter Säuglinge an die Wand geschmissen haben, getötet haben, und man denkt: Wie kann das sein, als als Familienvater auch noch – also selber eigene Kinder haben. Also die Situation Amon Göth zum Beispiel und andere, die einfach zum Spaß aus dem Fenster schießen, die Menschen vor ihren Augen umbringen und dann reingehen in die Wohnung, das Abendgebet sprechen und ihren eigenen Kindern über den Kopf streicheln. Neben solchen Sadisten nun wirklich ne einen schweren Schaden. Ja, ähm, das auch eben ganz normale Familienväter. Wir nehmen diesen Podcast hier in Hamburg auf, ja, ganz normal. Geschichte eines Hamburger Polizei-Bataillons. Davon hat es mehrere gegeben, die eingesetzt wurden zur Verstärkung der SS im Holocaust, die zu einem sehr großen Teil aus Familienvätern bestanden, weil die nämlich zu alt waren, um in die Wehrmacht eingezogen zu werden. Das heißt, die meisten von denen hatten Familien, und die so Stück für Stück in den Holocaust reinkamen. Und da offensichtlich ein Mechanismus griff, nämlich am Anfang gab es ja die eine oder andere Situation, wo der ein oder andere vielleicht Probleme damit hatte – also jetzt hier jüdische Ställe quasi auszurauben – ja, also die die Männer zu deportieren und die Frauen und Kinder zu erschießen. Aber wenn man das einmal gemacht hat oder zweimal oder dreimal, da irgend so ein Verrohungsprozess gegriffen hat, sicher auch alles immer verbunden mit sehr viel Schnaps trinken und Alkohol und so weiter, aber es hat funktioniert, und es hat immer und überall funktioniert, und dann ganz wenige Fälle sind überliefert, dass es nicht funktioniert hat. Das ist ja noch viel viel – also seit dem Prozess gegen den 60er Jahren, die diese Polizei und diese Leute, die davor Gericht standen. Aber da kommt was hinzu: Wir haben ja in friedfertigen Gesellschaften in der Regel zu tun mit Eltern als Individualität älter, ja, üblicher mit dem sprechenden gesellschaftlichen politischen Auftrag, sondern der hat selber ein Thema mit sich und macht dann irgendwas. Bei solchen Männern ist es ja so, das geschieht in einem vorgegebenen politischen Kontext, unter einer Ideologie, und dann gibt es unterschiedliche Narrative, für die die Menschen anfällig sind: Pflichterfüllung, ich hatte meine Befehle, es musste sein, es war notwendig, und es wurde gesagt, dass es notwendig ist. Also Befehl und Gehorsam: Wir konnten ja nicht anders, und die anderen haben ja auch – es war es war vorher – es war in Ordnung. Genau, es war in Ordnung, also das, was normalerweise überhaupt nicht in Ordnung ist, war jetzt in Ordnung. Es ist eine Umwertung der Werte. Ich habe gleich eine Einwendung, aber es ist eine Umwertung der Werte, und es ist auch eine narzisstische Gratifikation. Also die meisten Menschen tun eigentlich nichts, wo sie sich nicht nachher irgendwie mal besser fühlen, und wenn man sowas dann schon tun muss, obwohl man eigentlich vorher nicht auf die Idee gekommen wäre, dann muss es sozusagen der einer demagogischen Macht gelingen, den narzisstischen Selbstwert darüber zu stabilisieren, also zu sagen: Du tust etwas besonders Wichtiges, du übernimmst eine besondere Aufgabe für etwas Abstraktes, Großes und einen Volkskörper. Es muss gemacht werden. Pflichterfüllung ist ein ein hohes hat eine hohe narzisstische Gratifikation, und auch Selbstüberwindung hat eine hohe narzisstische Gratifikation. Ja, das sind alles diese Dinge, und mit denen wird ja auch ganz systematisch dann gearbeitet. Und nur wenn sie im anderen sich selbst sehen oder der oder besser gesagt, sich selbst im anderen erkennen, ist es im Grunde so, dass sie das nicht tun. Und und von Mohammed Atta, der auch einige Berühmtheit erlangt hat, September hier in Hamburg studiert und dann genau Florida Flugschein gemacht, in einem der Tower reingeflogen, Testament geschrieben. Das ist von einer amerikanischen psychologischen Seite sehr auseinanderklamüsert worden, und der hat geschrieben an seine Mittäter: Sie sollten sich nicht mit dem Gedanken befassen, dass die Leute, die jetzt gleich sozusagen Opfer des Attentats sind, dass das Familienväter sind, und sie sollten nicht ein Vergleich zwischen sich selbst und den Menschen, die dort arbeiten und die jetzt ausgelöscht werden, muss nicht darüber nach – was du da – ja, und das zeigt eigentlich, dass ihm ja vollkommen klar war: Je mehr ich im anderen mich selbst erkenne, ja, dass du mit mehr sinkt die Bereitschaft, etwas zu tun – also etwas Hässliches zu tun – und alle destruktive Ideologie fängt immer mit der Dehumanisierung an, Entmenschlichung. Und wir haben auch hier in der Gesellschaft entmenschlichende, dehumanisierende Narrative, oder das ist nun bei Anfang der der Kurve Pandemie untergegangen, aber es gab auch im öffentlichen politischen Diskurs ja vor wenigen Jahren zum Beispiel diesen Satz: Man solle reiche – wenn man das auch ist – man solle Reiche der nützlichen Arbeit unterziehen, und da viel mehr spontan ein historisch bekanntes Tor ein – ähm jemand hatte gesagt: Man muss an die Wand stellen, und dann sagte ein Politiker: Hat die Wand stellen müsste man sie nicht, aber man müsste sie zu nützlichen Arbeiten daran ziehen. Da sind wir ganz ganz ganz nah bei einer relativ Dritten Reich. Das ist aber verplätschert, weil wir zweiter Tage später den kompletten ersten Lockdown hatten. Und ich empfehle Ihnen sehr, in der in der Mediathek können Sie sich das noch mal angucken. Der Mann, der sozusagen maßgeblich daran beteiligt war, der war vor einiger Zeit bei uns in der Sendung. Sie haben genau darauf angesprochen, Linkspartei, vor allem Parteitag in Kassel, wenn ich mich richtig erinnere, und dann sagt er: Irgendjemand: Die Reichen alle mal die an die Wand stellen, und Riexinger sagt: Naja, vorher wollen sie noch mal ordentlich für uns arbeiten lassen. Also muss ich gleich an die Wand stellen. Ich habe ihn darauf angesprochen und zwei sichtlich unangenehm, und ich habe auch seine Entschuldigung sehr akzeptiert und und einverstanden war, damit einverstanden, als keiner dem ich unterstellen wird, das ein schlechter Mensch ist, aber diese Art zu denken, diese Art zu reden, das nicht sauber abzuräumen, das fand ich in an dem Punkt natürlich schwierig und ist offenbar sozusagen eine gewisse ja auch an dem Punkt wieder Ideologie, ne? Es geht mir nicht um schlechte Menschen, also genau schlechte Menschen egal, ich kann auch keine – es ist mir auch völlig wurscht, kennen Menschen mindestens keinen, der sich selbst für einen schlechten Menschen keinen schlechten Menschen nicht interessiert, sondern mich interessiert diese Denkweise, die nun wirklich ja auch eine sehr historisch bedeutsame Epoche der Weltgeschichte eingeleitet hat, und diese Denkweise ist von Übel, und damit meine ich das Böse. Diese Denkweise ist von Übel. Das ist eine Dehumanisierung, dass man Menschen die Menschenwürde abspricht, nur weil sie irgendeine ziemlich marginalen Punkt eine andere Eigenschaft haben oder eine andere biografische ein anderes biografisches Feature haben oder eine andere Hautfarbe oder sogenannte andere hätten hier sind oder was auch immer. Alles Unterscheidungsmerkmal kann jederzeit überall zu der Dehumanisierung herangezogen werden, will ohne dass ich ihn jetzt verteidigen muss, ja, das muss ich in keinster –
Weise aber wir haben sehr kritisch damit auseinandergesetzt, und es war halt die Chance, das wirklich mal zum Thema zu machen. War gar nicht geplant, aber wir kamen dann darauf, und da musste auch länger aufgehalten werden. Bernd Riexinger, nehme ich ab, dass er in dem Moment versucht hat, als Parteivorsitzender eine unangenehme Situation irgendwie zu retten. Ist gründlich schief gegangen und hat es auch mit dem völlig falschen Satz gemacht. Aber ich nehme ihm das ab. Das erste, der erste Teil ist der, der mich schockiert hat, weil da genau diese Ideologie klar wird, von der sie gerade sprechen. Das steht jemand, Nachwuchskraft, und sagt: „Die Reichen, die gehören alle an die Wand.“ Nein, sind beides, sind beides, es beides das gleiche Problem für mich. Entsteht überhaupt keinen, sondern vaginaler Unterschied. Das mag verwundert, mir ist schon klar, wo der Unterschied oder Lebenslasse. Also es ist mir im Alltag schon klar, es ist für mich aber moralischen in dem Falle ein insofern marginaler Unterschied, weil indem ich schon sage: Man muss jemanden zu nützlichen Arbeiten daran ziehen. Ich bin nun weiß Gott sicherlich jemand, für den Arbeit als Feature von Selbstwirksamkeit eine ganz große bürgerliche Bedeutung hat. Also es geht mir nicht um das Wegdefinieren von Arbeit, es geht mir aber darum, dass nicht jemand anders berechtigt ist zu definieren, was ist nützliche Arbeit. Schon das ist eine immense Anmaßung, und in dieser Anmaßung definiere ich schon wieder, welches Individuum ist nützlich. Insofern ist für mich das zwischen „an die Wand stellen“ und „die nützliche Arbeit“ in dem Kontext liegen für mich sehr sehr nah beieinander. Aber Markus hat ein bisschen auch auf die Situation hingewiesen, genau dazu sagen. Also ich nehme an, dass der Sinn der Übung in der Entschärfung des ersten Satzes verstanden hat, und wir Markus richtig tief genug interessiert bei diesem Polizeibericht noch was anderes Pflicht ist. Und wenn es heroische Sache ist, dann sind die Leute bereit, sich innerhalb kürzester Zeit zu der humanisieren. Was ja schon mal eine erschreckende Nachricht ist. Die Sozialpsychologie, die sich mit diesem Fall ja ausführlichst beschäftigt hat, stellt ja noch was anderes fest. Wir sagen, es ist nicht nur die Pflicht, sondern das ist, dass man nicht aus der Reihe tanzen will. Also der Konformismus, noch nicht mal die chirurgische Sache bei dem auch ich will nicht derjenige sein. Weil die berühmte Geschichte bei dem Polizeibataillon war ja bei dem allerersten Einsatz dieser Hamburger Polizisten, die da nach Polen gebracht worden waren, hat er zuständige Polizei mal, joa, Major Trapp, die Leute, etwa 500 Polizisten, die Wahl gelassen, ob sie sich an einem Massaker beteiligen oder nicht. Das ist nur ein einziges Mal, so weit wir das überhaupt wissen, in der gesamten Geschichte des Holocaust vorgekommen, dass die Leute vor eine Wahl gestellt wurden. Und er hat gesagt: „Der von euch, oder derjenige, der meint, er könnte da nicht mitmachen, der dreht einen Schritt vor.“ Und jetzt hätte das bedeutet, aus der Reihe zu tanzen. Er hat ja nicht umgekehrt gesagt: „Diejenigen, die Bock darauf haben, treten mal einen vor“, sondern diejenigen, so und dir wenn man die Reihe an einem ist, innerhalb von Sekunden zu entscheiden, man ist das Kameradenschwein, dass ich gedrückt hat und so weiter. Abgesehen davon, dass ich wahrscheinlich beim ersten Einsatz viele noch gar nicht vorstellen konnten, was das eigentlich mitgemacht und was das konkret bedeutet. Aber dieser Konformismus, genau ist doch, sagen wir mal, wenn man nicht das Böse, ja, weil niemand unterstellt, dass die diese das gerne gemacht haben. Ja, genau. Aber das Schlechte, was da ereignet hat, 1800 Menschen, die da umgebracht wurden, überwiegend Frauen und Kinder, dass das in diesem Moment, die dieser Sekunde Entscheidung war, das nur die Frage: Wie stehe ich vor meinen Kameraden da? Und nicht die Frage: Ich versündige mich an der Menschheit, ich bringe, ich mache Dinge, die ich nie in meinem Leben jemand erzählen kann. Ich handle gegen alle Prinzipien, gegen meine Erziehung, gegen meine Bildung, gegen Religion. Und das ist doch merkwürdig, oder, dass man denkt: So wie dünn ist die Moral aufgehängt oder verankert? Ja, wenn sie so einfach, auf jeden Fall auf den ersten Blick so einfach aus so eine profanen Motiv, ja, der niedersinken kann und durch was anderes überlagert wird. Ja, das ist ja auch noch geschickt gemacht, nicht zu sagen: Also wer nicht mitmachen möchte, tritt vor. Interessant wäre ja auf, was wäre gewesen, wenn jemand sagt: Wenn ihr nicht, diejenigen die nicht mitmachen wollen, die treten gar nicht ein ins Auto. Genau, die sammeln sich dahin, so irgendwie. Das heißt auch in dieser Rhetorik ist noch mal was manipulatives gewesen, und ähm, das der Konformitätsdruck, das ist natürlich was, was wir heute in anderen friedlichen Kontexten in der Gruppendynamik von Gewalttaten haben. Ja, also wenn Sie, wenn Sie Gruppenvergewaltigung haben, ja, also diese sogenannten Gangbangs, wo Gruppen auch immer irgendwie einer irgendwie innerlich denkt: Das ist jetzt scheiße, was da abläuft, aber der nicht aussteigt. Vergewaltigung im Krieg auch, dass er gut, das ist ja noch mal ein anderes Instrument, auch das ist ja auch noch ein strategisches Instrument, aber nicht für den Einzelnen, der daran beteiligt ist. Ja, nein, nicht für den Einzelnen, der beteiligt ist, aber sonst strategisches Instrument, um den Feind zu humanisieren. Und was natürlich, das macht ja auch nur Sinn durch tiefe, Tiefe Verankerung patriarchalischer Gedanken, weil da ja Haus und Hof und Gesinde zum Besitz des Mannes gehören, und der Feind ist männlich. Und indem ich sozusagen die weiblichen, den weiblichen Besitzstand, also das rational funktioniert ja sowieso nur bei denen, die da alle mitmachen, da können ja ganz liebe, jetzt in die Jungs dabei gewesen sein, die sich nie in ihrem Leben hätten vorstellen können, ich jemals eine Frau zu vergewaltigen. Solchen Situationen, wo alle anderen Kameraden das auch machen, und möglicherweise auch eine Menge Alkohol im Spiel ist, Dinge tun, die sie sonst nie alleine getan haben. Genau, und da kommt meinen jetzt zivilen Bereich wieder das Thema der Risiko-Prognose und der Prognose-Begutachtung, weil es da natürlich auch darum geht, nicht mehr sehr viel mit Sexualstraftätern zu tun. Also das Rück von Risiko individuell zu bestimmen, ob jemand sozusagen im Rahmen meiner solchen Gruppendynamik singulär zum Straftäter geworden ist, oder ob das ein feststehendes Verhaltensmuster ist. Es einfach auch ein Festreißen lassen, oder ob das sozusagen an einem ein festes Muster ist. Trotzdem noch mal eine Frage, die dieses Polizeibericht, ich erinnere mich an lange Gespräche mit Sally Perell, dessen Geschichte irgendwann verfilmt worden ist, Hitlerjunge Salomon, den kann ich recht gut, weil wir zusammen mal eine Dokumentation gemacht haben über diese wahnsinnige Geschichte. Und ich bin dann verschiedene Punkte seines Lebens begleitet, und er erzählte unter anderem seine, seine Eltern waren dann irgendwann von Peine, die waren kleine Schuhhändler und Verkäufer und sind dann geflüchtet Richtung in Polen. Dort gab es an sehr sehr großes jüdisches Ghetto, da fühlte man sich einigermaßen sicher, als es in Peinlich schon alles sehr sehr unsicher war und sehr sehr gefährlich war. Und erst dann irgendwann, als klar war: Okay, auch das in Lodge wird böse enden, in diesem Ghetto, die werden uns alle umbringen, sagen samt und sonders, auf Bitten seiner Mutter einfach geflüchtet mit seinem Bruder an der Hand, einfach Richtung Osten lauf, einfach bis du irgendwann der Roten Armee die Hände fällst, und dann wirst du zumindest nicht von den Nazis umgebracht. Das ist in Kurzform die Geschichte, da öffnen sich dann noch unglaubliche Dinge, und es gibt wahnsinnige Wendungen in dieser Geschichte. Aber was mich interessiert ist, seine Eltern glaub, sein Vater ist an Typhus verstorben irgendwann, seine Mutter wurde dann irgendwann, die war noch gesund in den letzten Kriegstagen auf einen dieser LKW gepackt, indem sie Abgase eingeleitet haben, und dann fährt er einfach los. Und natürlich hatte dieser Mann seinen Befehl, aber die Entscheidung irgendwann den Motor anzulassen, alles hermetisch abzuriegeln, da hinten drin sind Frauen, Kinder, die wenig später anfangen werden, um ihr Leben zu zu schreien, ja, wie sie noch nie in ihrem Leben gerufen haben, und du fährst einfach erbarmungslos weiter, bis es leise ist. Diese Entscheidung triffst du ja ganz alleine. Die haben für diesen Job nicht berühmte Sadisten ausgewählt. Also nicht hingegangen und hat alle pathologischen Verbrecher hat man die eingesetzt. Genau. Aber jetzt in diesem Situation ist das ja auch wieder ein in Anführungszeichen ganz normaler Mensch, der das, meine ich, während der. Und da kommt der Punkt, also du könntest sagen: Der Motor ist nicht angesprungen, du könntest sagen: Die Haare war irgendwie kaputt, du könntest sagen: Mir war irgendwie schlecht, du könntest sagen: Ich habe es nicht übers Herz gebracht. Ich weiß von Berichten auch Auschwitz zum Beispiel, es war mitnichten so, dass Leute, die nicht bereit waren, andere umzubringen, die nicht bereit waren, das zu tun, was sie von beschrieben haben, kleine Kinder an der berühmten Rampe, Babys einfach zu nehmen und an die Wand zu hauen, bis sie sich nicht mehr bewegen, grauenvolle Sachen. Es war nicht so, dass den irgendeine Sanktion droht, wenn sie es nicht gemacht haben. Also man hatte dafür ein gewisses Verständnis, unter Anführungszeichen gesagt: Okay, der kann das nicht, ist okay, hat keine Konsequenzen. Beispiel, dass jemand deswegen erschossen wurde. Trotzdem macht das, trotzdem trifft er diese Entscheidung. Was ist das für Sie? Also für mich ist die Frage natürlich, wie viel an militaristische Abhärtungsideologie auch vorher schon in der Bevölkerung war, in der Gesellschaft war, und insofern die Härte wiederum eine ein Feature der narzisstischen Selbstwertstabilisierung ist. Also sozusagen der harte, unerschrockene, mitleidlose Mensch synonym gesetzt wird für den starken Menschen, und Menschen wollen im Leben stark sein, auf irgendeiner Art und Weise, als körperliche, das heißt mental oder beides. Und damit arbeitet das auch. Also ich denke, das eine ist, das die Selbstüberwindung auch wieder eingebettet ist in eine gesellschaftliche, in ein gesellschaftlichen Kommenszenz, wo das anlocken kann. Wir haben heute glücklicherweise noch in der Bevölkerung ein anderen gesellschaftlichen breiten Kommenszins wie wir sein wollen, so dass wenn jemand sich hinstellen würde, sagen würde irgendwie: Ich kann kleine Kinder an die Wand schlagen, das macht mir nichts, würde man heute glaube ich nur in einer Randgruppe Applaus ernten, aber mehrheitlich würde das, kann aber ganz schnell kippen, nehmen Sie so. Und das ist, das ist einfach der Punkt. Ja, ich glaube, die Frage ist, was, was haben wir für Narrative, die Menschen in ihrem Selbstwert stabilisieren und sozusagen die, naja, man kann natürlich auch sagen: Gut, wenn ihr das macht, mit geht ja auch innerlich ein gewisser Art von Menschlichkeitssuizid. Ja, das ist also natürlich auch eine indirekte andere Form, sich selber zugrunde zu richten. Aber die, die narzisstische Gratifikation scheint mir ein starkes Element zu sein für destruktives Handeln. Ich habe Berichte gelesen, habe gesagt, zum Teil selber erfahren, wenn Sie heute in die Ukraine reisen, um mit Soldaten dort sprechen, die von der Frauen kommen, die zeigen Ihnen ohne große Aufforderung, zeigen die genau diese brutalen Videos, Enthauptungsvideos, Menschen, die bei lebendigen kastriert werden und und all diese Dinge, grauenvolle Geschichten, junge Männer, ja, die plötzlich sozusagen noch Sexualität quasi im Kopf fühlen, aber sie nie wieder im Leben ausleben können, und die dann irgendwie für den Rest ihrer Tage damit umgehen müssen. Ja, Menschen, die bei lebendigen Leib einfach enthauptet werden, geschichtet werden, wir wie ein Schaf irgendwo, das ist unvorstellbar. Und was ich festgestellt habe, ist, es ist nicht so, dass das in irgendeiner Form der ultimative Tabubruch ist, die Abschreckung, sondern da entsteht dann so ein Gewaltporno, der immer weitergeht. Und diese Leute, die wollen das Erzählen, die brüsten sich damit, das ist den wichtig, das ist so viel andere wie möglich erfahren, bis zu dem Punkt an dem sie dann irgendwann sich selber möglicherweise einfach aus dem Fenster stürzen, weiß ich nicht mehr aushalten. Genau. Ja, also das ist ja ein eindrucksvolles Bild für diese Frauung, die hier offensichtlich schnell eintreten kann, bis hin dazu, dass eine gewisse Gewaltfaszination kommt. Und diese Gewaltfaszination, die scheint ja den Menschen jetzt nichts grundsätzlich fremdes zu sein. Also ich muss ja ein Grund geben, warum aber von dem deutschen Mattscheibe jeden Abend tausende von Menschen sterben. Also jeder vierte Roman, der in Deutschland verkauft wird, ist ein Krimi. Wenn man sich anguckt, wie hoch die Krimiquote im deutschen im Fernsehen ist, und wenn man sich anguckt, wie brutal Krimis sind, mal verglichen mit Krimis in den 60er, 70er Jahren und so weiter, wir brutal überhaupt Filme allgemein geworden sind. Also die Faszination an der Grausamkeit und so weiter muss ja etwas sein, was sehr sehr viele Menschen für sich irgendwie nachvollziehen können. Ist doch merkwürdig, dass etwas, was wir so negativ beurteilen, ja, wie Gewaltverbrechen, genau, sich gleichzeitig einer solchen Faszination zu Hause auf dem Sofa erfreuen. Wie ist denn das überhaupt erklärlich? Das müsste doch eigentlich was sein, wo sagt, dass ich nicht sehen, das ist das Ding ist eigentlich ein feststehender Begriff, ne? Das ist die Faszination des Bösen, die Faszination des Grauens, die scheint ja zu geben, Mensch, das ist die Frage, ob sie Statistiken haben. Ich habe sie nicht, deswegen ist es nur auf eine Frage von mir. Ich würde ja behaupten, dass die Faszination für Gewalt sehen, wobei die Krimis geben öffentliche rechtlichen Fernseh laufen, aber das ist sehr raffiniert geworden, also dass das ein Aspekt ist. Wir haben eine, wir leben in einer Gesellschaft, alles dafür tun oder so bleibt das nicht für selbstverständlich, die sehr sehr befriedet ist. Sie haben selber gesagt, die Gewaltcommunity, faktische Gewaltkomität ist sehr stark zurückgegangen, Gott sei Dank. Und das heißt im Grunde erleben wir eigentlich gar nicht wirklich Gewalt als Massenphänomen in der Gesellschaft. Das heißt, es wird sowas abstrakte, während wenn wir in Länder, deswegen frage ich, ob sie Statistiken kenne, ich kenne sie nicht, sonst selber dort höchste Mordrate der Welt wahrscheinlich finden die das im Fernsehprogramm gar nicht so raten scharf. Aber wenn die morgens irgendwie aus dem Haus treten, haben sie schon in den ersten Toten von der Tür. Das heißt ja, das kann ich sagen, nein Formulierung ukrainischen Soldaten, ob die jetzt noch Lust irgendwie auf dem Grill hätten. Also wahrscheinlich eher nicht, ja, oder sie haben sozusagen wirklich, das war mein Eindruck, wirklich verstanden in der Form, wie sie normalerweise zur Verköstigung verboten wird, in Krimis oder so zu konsumieren. Aber was ich als Rätsel bleibt für mich ist ja nach wie vor die Frage, warum in befriedeten Gesellschaften das Interesse an virtuellen Morden so groß ist. Da habe ich noch keine Antwort drauf, weil es das andere ist auch immer das katharische, ist selber sicher zu sein, und es ist, es stirbt fiktiv, stirbt noch nicht mal real. Im Krieg stirbt real jemand anders für einen selber, das ist noch mal ein Unterschied. Aber in so einer Serie, dann am Film stirbt fiktiv jemand in einem Spiel für einen selbst, wenn man selbst ist ein Stück weit davon gekommen, ne? Und dann gibt es eine harmlose Projektionsfläche. Man kann sich also mit dem Opfer identifizieren, und man kann sich mit dem Täter identifizieren, und das geschieht nichts. Also ich kann mich die ganze Zeit im Krimi mit dem Tablet identifizieren, Komma, aber selber nicht vor Gericht. Also das sind glaube ich unterschiedliche Facetten, und dann auch wir leben in einer Gesellschaft, in der der Tod ja nicht mehr stattfindet. Also viele Menschen haben ja noch nie im Leben eine Leiche gesehen, und es kommt ja zu absurden Situationen im Gericht, wenn wenn dann Zeugen geladen werden, die dann beschreiben, das was sie sich jemand tut, auf der Straße lag oder, und dann sagen sie, seien davon schwer traumatisiert. Die Aussage kann man ja nur treffen, wenn man relativ weit vom Leben weg ist. Und das heißt, es ist auch eine Faszination, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen, der eigentlich nicht stattfindet, was eine spielerische Art und Weise interessant, die nehmen Zusammenhang nur ganz kurz, Klammer auf, Klammer zu. Sebastian Fitzek und auch Adler sagen beide berühmte Krimiautoren, die sich hier die übelsten Dinge ausdenken, für Frauen kann es nie blutrünstig genug sein. Ja, ich glaube auch, das ist ein Thema. Wir alle müssen sterben, aber wir wissen in der Regel nicht wann, und wir wissen in der Regel nicht wie. Das heißt, es ist die große angstvolle Unbekannte in unserem Leben, und diese große angstvoll unbekannte löst sich für die meisten Menschen nicht wirklich auf. Und das heißt, im Krimi wird das Schicksal eines gewalttätigen Todes, den wir in der Regel ja alle nicht haben wollen, sozusagen vorweggenommen, oder er wird uns vorgeführt, und zugleich werden wir dadurch auch wieder entlastet. Also ich glaube, dass die diese Beschäftigung mit mit Krimis in einer spannungsvollen, unterhaltsamen Art und Weise, es ist ja unterhaltsam, irgendwie eine Verharmlosung dessen ist, dass wir die Angst haben vor dem Thema Tod, was sehr in unserer Gesellschaft tabuisiert wird und sehr am Rande stattfindet, was aber natürlich trotzdem jeden irgendwie betrifft. Also Tatort ist zu Ende, und du weißt: Gott sei Dank, ich habe es doch noch mal überlebt. Und Frauen mit Frauen sind, also man muss auch ehrlicherweise sagen, die meisten Tötungsdelikte geschehen ja von Männern untereinander. Also Männer bringen sich ja untereinander um, mehrheitlich ja, ähm wir haben zwar Frauen, also Tötungs an Frauen im Jahr, aber das sind soziale Nachfälle, Aspekte in der Regel. Und eigentlich töten sich Männer mehrheitlich selber. Also das Risiko getötet zu werden als Mann untereinander ist sehr viel höher als für eine Frau. Ich habe ihn im letzten Buch glaube ich, das liebe böse, diese Imagination mal gelesen. Sie machen eine Übung, eine eine imaginäre Übung und sagen: Der erste Satz ist schon, stellen Sie sich einfach nur vor, sie ihre Existenz auf der Erde ist das Ergebnis einer Vergewaltigung, und wie geht es dann weiter? Lilly könnte so eine Biografie weitergehen. Genau. Ich dekliniere das dann einfach durch, weil ich ja ständig mit netten Leuten zu tun habe, deren Existenz zu Beginn, also sie werden ungewollt gezeugt, sie werden gewalttätig gezeugt, die die Mutter ist möglicherweise Minderjährige. Ich definiere das noch mal durch, dass sie sozusagen das Produkt eines Inzests sind, also der Vergewaltigung durch den Vater oder wahlweise durch den Lebensabschnittsgefährten der Frau, kommt jetzt nicht drauf an. Also sozusagen transgenerationale sexuelle Missbrauchssituation. Eigene Mutter sieht dich dann auch nicht als das Kind, das jetzt Opfer wurde, sondern ist eine Rivalin, die Mutter ist plötzlich die Konkurrentin. Nicht kenne Milieus, wo die Mutter selber die eifersüchtige Konkurrentin ist mit in Bezug auf die sexuell missbrauchte eigene Tochter. So ja. Also es gibt ja keinen Milieu, kein Niveau, dass man nicht noch unterschreiten kann. Und dann spinne ich das einfach mal, versucht es sprachlich so zu formulieren, dass der Leser, die Leserin selber mal in die Rolle gehen und sagt: Okay, ich mache den Faden mal mit. Und dann kann man sich überlegen, diese Mutter, diese junge Mutter, die will das Kind natürlich nicht haben. Das heißt, sie versucht alles zu tun, um dieses Kind loszuwerden. Sie säuft, sind Drogen, sie macht alles mögliche, aber dieses Kind sitzt da im Uterus fest und und denkt nicht daran vorzeitig abzugehen. Und dann kommt es zu dieser Geburt, dann haben sie aber, wenn die Mutter schon Alkohol getrunken hat, rumgenommen hat, haben sie schon frühkindlichen Hirnschaden. Die Hirnreife ist schon beeinträchtigt. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass sie noch irgendwie ein Abitur machen mit 1,3 ist schon relativ gering. Schädel TV-Formation, sie kommen schon also mit mit einem mit einer optischen Malformation auf die Welt. Und dann genau sieht, all die Mutter hat getrunken, sie haben mehr oder minderale Schädigungen, die natürlich eine Rolle spielen für die Frage, welchen Lebensweg werden sie gehen. Ja, mit der Biografie werden sie nicht mehr Bundeskanzler, das kann man dann schon sagen. Ja, das heißt dann haben sie die Gewalterfahrung. Wir wissen über die Epigenetik, dass er nicht nur die Gene also in einer unendlichen Mischung vererbt werden, sondern es werden Aktivitätszustände, Aktivierungsmuster von gehen vererbt. Man weiß, dass bei Mäusen zum Beispiel hat man einen Versuch gemacht, dass man Mäuse Pfefferminzöl irgendwie Pfefferminz gegeben hat, und gleichzeitig hat man Stromschläge abgesetzt. So, und das heißt, die Muttermaus hat immer kapiert, okay, und sagt: Pfefferminz riecht dann, kriegt gleich wieder einen getackert. Das war bei den Neugeborenen Mäusen, die haben Stressreaktionen gezeigt, nur wenn man ihnen Pfefferminzöl zu schnuppern gegeben hat, ohne Strom, ohne Strom. Das heißt, die Erfahrung der Mutter, der schwangeren erträchtigen Mutter hat sich schon genetisch auf das auf das Stresslevel auf den Stressregulations-Elemente der der Kindermäuse übertragen. Und das ist bei uns auch so. Wenn Sie in einem Mutterleib heranwachsen, wo die Mutter ständig maltritttiert wird, misshandelt wird, dann werden sie als Kind im Mutterleib schon darauf repariert, dass sie in eine feindselige Umwelt hineingeboren werden. Angstreaktion, Stressreaktion, das wird alles schon angepasst. Auf einen Millionär, da geht's rund, da ist es aus, die kahl, und da sind wir jetzt im Ukraine, das ist das, was sie dort fühlen, sie können das wirklich fühlen, wenn sie mit jüngeren Menschen sich danach austauschen. Jeder ist misstrauisch, das ist sozusagen die unterste Stufe. Du hältst dann der Ampel an, du machst ein Foto, und es ist nicht die Frage: Woher kommt ihr? Seid ihr die Touristen? Was, was fotografierst du hier? Sondern fotografierst du das, um den Russen ein Hinweis zu geben, wo sie als nächstes bombardieren sollen. Also dieses Misstrauen, das dann so eine Gesellschaft reinkommt, das ist unvorstellbar, in welcher Breite das passiert. Und dann das andere, das was sie sagen, die Kinder, die sofort wissen: Luftalarm, das nächste ist Tiefgarage, oder das werden ihre Enkelkinder, Enkelkinder noch nicht im Blut, aber in der Gegend oder in den genetischen Scheitern. Genau diese potenzielle Gewalterfahrung, diese dies nie zu wissen, wann ist das nächste Mal ultimativ eskaliert. Ja, was macht das muss immer Gesellschaft, das ist eine, also ich verwende ja den Begriff Traumatisierung immer sehr gerne, aber in dem Fall würde ich ihn tatsächlich verwenden. Das ist eine Traumatisierung über Generationen, und normal befüllten wird es drei Generationen mindestens brauchen, bis diese Traumata in irgendeiner Weise von vergeben sind, verarbeitet werden. Das ist eine eine tief eingebrannte Horizontalität, die sich hier möglicherweise bei vielen auch erst dann wieder im Alter zeigt, wenn sozusagen frontane Kontrolle abnimmt und zum Rahmen von Demenzprozessen dann wäre ich Kriegserlebnis auch auftauchen werden. Das ist also ein, ich glaube das, also für mich krank, die öffentliche Diskussion daran, dass wir das ganze Jahr sehr strategisch betrachten, aus dem Abstand, den wir glücklicherweise dankenswert damals haben, aber dass wir uns zu wenig konkret glaube ich klar machen, was diese Gewalt tagtäglich bedeutet und wie wichtig es ist, diese politischen Fragen, welche…
Giới hạn ở đâu, ranh giới quốc gia nào ở đâu, đó luôn là những câu hỏi mang tính lịch sử, cuối cùng cũng có thể được giải quyết thông qua các quá trình giao tiếp kéo dài, nhưng hoạt động chiến đấu trực tiếp, tôi tin rằng đó là một chiều kích mà chúng ta khó có thể tưởng tượng ra được, và tôi tin rằng chúng ta cần phải nghiêm túc xem xét điều đó, mà không cần phải có tính chất pháp lý, và tôi luôn thấy điều đó rất quan trọng. Chúng ta khó có thể tóm tắt mọi thứ về mặt pháp lý trong câu nói hay của Immanuel Kant, ông đã nói rằng điều tồi tệ của chiến tranh là nó tạo ra nhiều người xấu hơn số người thầy giáo có thể dạy dỗ.
Vâng, chính xác. Vậy nên, bà Sami, cảm ơn bà rất nhiều, đó là một chủ đề rất sáng tỏ, và nó cho thấy, đối với tôi, bộ phim về nền văn minh mỏng manh như thế nào, và thực tế là chúng ta đã có rất nhiều may mắn được sống trong một giai đoạn hòa bình của đất nước chúng ta, và điều đó rõ ràng dẫn đến việc giảm đáng kể số liệu thống kê về tội giết người. Vâng, chính xác, nó nên như vậy, chúng ta nên cố gắng hết sức để duy trì điều đó, đó là điểm mấu chốt, bằng các biện pháp hòa bình, đấu tranh trong xã hội để duy trì điều đó. Vì vậy, cảm ơn bà rất nhiều. Chúng tôi xin cảm ơn [Âm nhạc] tại OMR do ZDF ủy quyền [Âm nhạc].