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In Deutschland leben rund 80 Millionen Menschen. Jeder davon hat eigene Fähigkeiten, Interessen und Wertevorstellungen. Trotzdem kann man Menschen zu Gesellschaftsgruppen zusammenfassen und damit Modelle zur Abbildung der Gesellschaft erstellen.
Die Gesellschaftsmodelle. In diesem Video beschäftigen wir uns mit drei bekannten Gesellschaftsmodelle.
Erster, die Klassentheorie von Karl Marx. Karl Marx lebt im neunzehnten Jahrhundert und gilt als Begründer des Kommunismus. Nach Marx kommt es in einer Gesellschaft immer zu einem Gegensatz zwischen Unterdrücker und Unterdrückte. Er spricht von Bourgeoisie und Proletariat. Die Bourgeoisie ist die Klasse der Kapitalisten. Sie besitzen die Produktionsmittel und häufen ihr Kapital an, indem sie andere Menschen beschäftigen. Die Proletarier sind die Lohnarbeiter, die keine Produktionsmittel besitzen und bei der Bourgeoisie arbeiten. Früher oder später wird sich die Gesellschaft spalten, da die Interessen der beiden Klassen antagonistisch, also entgegengesetzt sind. Ein Klassenbewusstsein entsteht und es kommt zum Klassenkampf. Dieser endet mit dem Sieg der Arbeiterklasse. Die Produktionsverhältnisse werden beseitigt und es besteht kein Privateigentum von Produktionsmitteln mehr. Man spricht dabei von der Revolution des Proletariats.
Zweiter, das Dahrendorf-Häuschen von Ralf Dahrendorf. Ralf Dahrendorf hat sein Modell 1965 veröffentlicht. Er teilt die westdeutsche Gesellschaft in sieben Schichten ein. Man spricht deshalb auch vom Schichtenmodell. Die Zugehörigkeit zu einer Klasse hängt hauptsächlich vom Einkommen und von der Bildung ab. Weitere Faktoren können Wertgegenstände, Rücklage oder Prestige sein. Ganz oben steht die Elite, ungefähr ein Prozent der Bevölkerung. Diese Menschen haben ein hohes Einkommen und viel Macht. Beispiele sind erfolgreiche Unternehmer oder sehr hohe Beamte. Als nächstes kommt die Dienstklasse. Die Dienstleistenden machen zwölf Prozent der Bevölkerung aus. Sie haben auch viel Macht, erhalten diese Macht aber durch jemanden, der über ihnen steht. Somit können sie ihre Macht auch nicht uneingeschränkt ausüben, sondern müssen sich im Zweifel vor einem Vorgesetzten rechtfertigen. Zu den Dienstleistenden zählen beispielsweise Lehrer und Beamte. Der Mittelstand macht 20 Prozent aus und ist selbstständig. Die Unternehmen sind aber lange nicht so groß wie bei der Elite. Mit 45 macht die Arbeiterschicht den größten Anteil aus. Sie arbeiten bei den Unternehmen der Elite oder des Mittelstandes. Die Arbeit-Elite macht 5 Prozent aus und hat zwar das Einkommen der Mittelschicht, sind aber von Menschen der Arbeiterschicht umgeben. Der Anteil des falschen Mittelstandes beträgt etwa 12 Prozent. Er hat in etwa das Einkommen und die Bildung der Arbeiterschicht. Obwohl sie keine Macht haben, fühlen sie sich eher der Dienstklasse und dem Mittelstand zugehörig. Im Gegensatz zur Arbeiterschicht erbringen sie aber eine Dienstleistung und arbeiten nicht mit den Händen. Die Unterschicht sind Langzeitarbeitslose und Kriminelle. Sie machen fünf Prozent der Bevölkerung aus.
Drittens, das Schichtmodell von Reiner Geißler. Reiner Geißler hat sein Modell im Jahre 2009 veröffentlicht und orientiert sich am Muster des Dahrendorf-Häuschens. Es beinhaltet aber deutlich mehr Differenzierungen, da sich die Schichtstruktur über den Laufe der Jahre gelockert hat. Es ist heute deutlich aufzusteigen und Schichten werden häufiger gewechselt. Vor allem aber kann man die Schichten aufgrund des Massenkonsums äußerlich kaum noch unterscheiden. Aufgrund der Entwicklung hin zu einer industriellen Dienstleistungsgesellschaft hat sich dieser Sektor stark vergrößert. Der Mittelstand der Selbständigen sowie die Arbeiterschicht hingegen haben sich verkleinert. Außerdem hat Reiner Geißler ausländische Schichten mit aufgenommen. Die sind nicht voll integriert und sind aus diesem Grund gesondert dargestellt. Wichtig zu erwähnen ist noch, dass es in diesen Schichtenmodellen zwar deutlich eingezeichnete Trennlinien gibt, solche scharfen Abstufen aber nicht real existieren. Die Grenzen sind fließend.
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