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Janusch, wo bist du eigentlich aufgewachsen? Ich bin in Polen aufgewachsen. Und wie war deine Kindheit? Na ja, interessant. Gute Musik, 60er Jahre in Polen. Viele von euch sind wahrscheinlich zu ganz unterschiedlichen Zeiten und in ganz unterschiedlichen Ländern aufgewachsen. Wir wollen heute mal rausfinden, wie es eigentlich ist, als Kind in Deutschland aufzuwachsen, und sprechen darüber mit den Menschen hier in Berlin auf der Straße. Los geht's! [Musik]
Wo bist du aufgewachsen? Ich bin in Mannheim aufgewachsen, in Westdeutschland. Hier in Berlin tatsächlich. Wo bist du aufgewachsen? In Baden-Württemberg, in Deutschland, in der Stadt Bonn. Wo bist du aufgewachsen? Ich bin auch in Bonn aufgewachsen. Ja, das sieht man euch an, weil ihr eine gute Laune habt. Wie heißt das? Reheinländer? Reinerländer. Ich bin in Hannover aufgewachsen. Dann sprechen Sie ein perfektes Deutsch. Ja, könnte man sagen, besser als andere. Wo bist du aufgewachsen? In Marzahn-Hellersdorf. Und Marzahn-Hellersdorf ist doch ein Teil von Berlin, oder? Genau, ist ein Randbezirk von Berlin. Ja, und von welcher Seite? West oder Ost? Im Osten.
Wir sind in Argentinien aufgewachsen, in Buenos Aires. Ich bin in Liverpool, England, aufgewachsen. He, das ist eine sehr intensive Nachbarschaft dort. Jede Menge Musik, kann man sagen. Ja, in Deutschland wollen wir die Stadt wissen. Ja, genau, in Bran-Palasleben. Wo ist das denn? Bei Wolfsburg. Und Palasleben ist die Stadt, wo Heinrich Hoffmann herkommt. Der hat das Deutschlandlied geschrieben: "Deutschland, Deutschland über alles", das hat er geschrieben, und viele Kinderlieder. Ich bin aufgewachsen in Werderhavel, das ist bei Berlin. Ostberlin oder Westberlin? Das ist westlich von Berlin, das heißt in Brandenburg. Das heißt, früher war es Osten. Ich bin in Sachsen aufgewachsen, bei Dresden, in einem kleinen Ort, der heißt Öderan, und da bin ich bis zu meinem 12. Lebensjahr gewesen.
Wo bist du aufgewachsen? Ich bin eigentlich ursprünglich in Thüringen aufgewachsen. Und wie war deine Kindheit? Relativ unbeschwert, würde ich sagen. Ja, es gab immer mal irgendwelche Sorgen und Nöte, gehört dazu, aber im Großen und Ganzen denke ich, war das schon in Ordnung. Wie war Ihre Kindheit? Schön. Was heißt schön? Sie war etwas schwierig geprägt. Das war die Nachkriegszeit in den 50er Jahren. Meine Eltern hatten nicht viel, und als ich vier Jahre alt wurde, erkrankte mein Vater an Kinderlähmung und ging mit Krücken. Da war ich vier Jahre, und als ich dann in die Schule kam, war es etwas schwierig. Mein Vater hatte immer die Kinder bei mir gehalten, und die anderen Kinder konnten mit ihren Vätern spielen, und ich hatte mal jemanden, der mit Krücken ging. Da war man so ein bisschen Außenseiter. Aber gut.
Wie war deine Kindheit? Gut, möchte ich sagen. Scheidung meiner Eltern, nicht so optimal. Aber ich sage mal, das gibt andere Probleme in der Welt, die problematischer sind. Dementsprechend, ich bin in den 70er Jahren geboren, da hatte man noch mehr Freiheiten, würde ich sagen. Die Eltern haben nicht so nach einem geguckt. Wir hatten relativ viel Freiheiten als Kinder, gefühlt. Wir haben viel mit unseren Freunden und Freundinnen gespielt. Meine Kindheit war sehr schön. Ich habe eine große Familie, Geschwister, Cousinen, also ganz schön, sehr toll.
Wie war deine Kindheit? Schön. Ich bin in einer kleinen Stadt groß geworden, mit Wald herum und vielen Seen. Kommt mit dem Fahrrad schnell in die Natur, fahren war schön. Auch einige Hügel da bei euch? Auf jeden Fall, ja. Der Schwarzwald, eine hohe Erhebung, 1100 m, mit Skifahren war möglich. Genau, in meiner Kindheit war ich sehr behütet bei meiner Oma, und die hat mich immer sehr, sehr geliebt und hat mich immer vorgezogen, meinem Bruder gegenüber. Und auf der ihren Haus standen immer riesengroße Bäume davor. Ja, wunderschön.
Wie war deine Kindheit? Ich würde sagen, sehr ländlich, mit allem, was daran schön ist oder auch schwierig. Also es war sehr grün. Wir hatten ein Haus, und der Ort war so klein, dass sich jeder kannte. Das war schön, mit den Nachbarskindern spielen, zur Schule gehen, und man kannte immer jeden. Das war schön. Schön wie Kinder von Bullerbü. Kennst du das Buch? Ja, ja, ja, ja, so ein bisschen. So ein bisschen, genau. Jeder kannte die Oma, die am Ende der Straße wohnte, und die hat dann Kuchen gebacken, und dann wurden alle eingeladen. Und Grillfeste im Sommer, und alle waren eingeladen. Dieses Kleinstädtische, das war ganz schön.
Kannst du uns irgendeine Erinnerung aus deiner Kindheit erzählen? Irgendwas, woran du gerne denkst? Ich denke z.B. an Ferienlager oder solche Sachen, die es eben heute in dieser Form nicht mehr gibt, wo alte Kinder auch wirklich umsorgt waren, wo man sich drum gekümmert hat. Das waren doch noch die jungen Pioniere oder so. Ja, ja, ja, ja, ja. Ich komme aus Polen, ich war auch bei den Jungen Pionieren. Ja, ja, tatsächlich habe ich mir mal das Auto unerlaubt von meinen Eltern ausgeliehen, rumgefahren. Und? Ist hoffentlich nichts passiert? Nein, dem Auto ist nichts passiert, aber es gab schon eine dolle Strafe dafür.
Ja, ich habe mir im Alter von 8, glaube ich, ein Schlagzeug gewünscht, weil ich spiele immer noch Schlagzeug in der Band und wollte früh eben Schlagzeug lernen. Und hatte mir zu Weihnachten ein Schlagzeug gewünscht und habe dann so ein, das waren so Metallfelle. Das war gar kein richtiges Fell, sondern Metallfelle und so eine kleine Plastik-Schlagzeugsticks dazu. Und so genau, und dann mein erstes Schlagzeugset bekommen, ganz klein als kleines Kind. Das hat mich sehr, sehr gefreut und mich eben bis heute begleitet. Meine Mutter hat zum Glück, als wir kleine Kinder waren, war sie von der Kinderladen-Idee begeistert, die Kinder nicht in den Kindergarten zu schicken, sondern elterninitiativ. Also haben sie am Fuße des Siebengebirges in einem sehr romantischen alten Anwesen eine kleine Kita gegründet. Und da hatte ich sehr glückliche Jahre. Ich glaube, das waren die schönsten Jahre. Römmlinghofen im Kinderclub, ja, voll schön. [Musik]
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Was war in deiner Kindheit anders als heute? Na ja, ich denke mal, dass der soziale Aspekt, also die Einbindung der Kinder in die Gesellschaft, wesentlich höherwertiger war. Ja, also das fängt beim Schulessen an, es fängt bei der Betreuung der Kinder an. Ja, es fängt da oder es geht auch darum, die Kinder nicht zu Individualisten zu erziehen, sondern mehr, dass sie es schaffen, sich in der Gemeinschaft zu integrieren. Ja, was war in deiner Kindheit anders als heute? Natürlich, Technologie hat sich sehr viel geändert. Langeweile war ein Teil davon und hat bestimmt die Kreativität ein bisschen unterstützt. Wenn man sich langweilt, dann findet man etwas, was nicht langweilig ist. Ich bin eigentlich ein Fan von Langeweile als Erziehungsmodell. Richtig, ich glaube, dass wir Kinder damals in unserer Generation nicht so sehr überwacht worden sind und sehr viel mehr selber gemacht haben. Ich meine, es mag auch sein, es war nicht Berlin, aber es war auch keine Kleinstadt. Aber wir waren einfach viel auf uns selbst gestellt, glaube ich. Und gab es auch ein bisschen Langeweile in deiner Kindheit? Weil es gab ja keine iPhones. Also ja, klar gab es Langeweile. Ja, ja, ja, aber ich empfinde Langeweile gar nicht so als negativ unbedingt.
Wie war die Kindheit damals im Vergleich zu heute? Also ich fand sie schöner. Wir haben alle draußen gespielt, alle Kinder waren draußen. Es gab keine Handys, keine Notebooks. Man war eigentlich eine große Gemeinschaft, im Grunde genommen toll gespielt. Ich glaube, heute ist es ganz oft so, was ich mitbekomme, dass sehr viel gemanaged wird, sehr viel organisiert wird für die Kinder, sehr viel abgenommen wird. Und das ist irgendwie schön, es hat auch was Behütendes, aber ich glaube, es ist auch schwierig, weil irgendwann müssen wir alle erwachsen werden, und dann müssen wir uns um Dinge selber kümmern. Ich nicht, ich weigere mich bis heute. Ich auch manchmal, bin ich 12 im Herzen, manchmal bin ich 80, je nachdem. Alter ist eine Einstellung. Ja, unsere Eltern, die waren da großzügig, aber ich kannte das auch von anderen Eltern. Das waren andere Eltern, die hatten ja eine ganz andere Zeit hinter sich, und ich glaube, die waren froh, dass sie ihren Kindern mal mehr geben können, als sie selbst hatten. Denn die waren ja alle eingeschränkt in ihrer Freizeit. Ja, ne, die mussten ja immer ein Kopf einziehen, wenn irgendwo geschossen wurde, sage ich mal. Die waren ja alle im Krieg, noch aus dem Krieg. Die hatten ja noch Erinnerungen, und das ist heute nicht so. Heute haben die Leute aus anderen Gründen Angst und bringen ihre Kinder zur Schule, und die können sich gar nicht selbst entwickeln. Ne, ich glaube, der Unterschied ist vielleicht ein bisschen, dass wir einfach globaler geworden sind. Es gibt viele Nationen, das ist total toll, und Kinder wachsen heute, glaube ich, ein bisschen, hoffe ich, mit Blick für die Welt, für die gesamte Welt. Man kann anders reisen. Also früher war der Raum irgendwie Deutschland, Frankreich, und dann war so ein bisschen zu Ende oder so. Und jetzt ist halt die Welt näher zusammengerückt. Man kann schnell irgendwo hin, lernt mehr Leute kennen, das ist toll, bringt uns vorwärts, würde ich sagen.
Wie unterscheidet sich die Kindheit in Deutschland im Vergleich mit anderen Ländern? Oh, ich würde sagen, dass die Kindheit hier in Deutschland sehr, sehr strukturiert ist. Ich meine, wir haben Schulpflicht, wir haben Lehrpläne, wir haben immer wieder pädagogische Starthilfen, die uns immer wieder auf die richtige Spur bringen und uns irgendwie wieder auf dem Weg der Karriereleiter führen. Ich glaube, das ist in anderen Ländern halt leider nicht so gegeben, und ich glaube, damit könnten wir halt doch schon woanders weiterhelfen. Wie anders ist die Kindheit in Deutschland als die Kindheit in Argentinien? Da würde ich sagen, hier können die Kinder immer noch selbständig viele Sachen machen. Ja, und in Argentinien muss man aufpassen. Genau, ja, man sieht nicht, dass Kinder allein zur Schule gehen oder mit dem Bus fahren oder so, weil das gefährlich ist. Ja, das ist gefährlich. Also in einigen Ländern bereits schon. Und wenn man jetzt z.B. Südeuropäer nimmt, Italiener, Spanier, da geht man ja im Grunde erst abends um neun essen. Die Kinder sind mit dabei. Wenn man hier um 6:30 Uhr mit einem Kind rumläuft, ist schon so: "Na nu, warum sind die noch nicht beim Abendessen? Wann gehen die denn ins Bett?" Da gibt's natürlich Unterschiede. Ja, also man wächst mindestens in Italien oder in Spanien anders auf als Kind. In jedem Urlaub denke ich immer wieder: "Mein Gott, was sind die Spanier kinderfreundlich? Was sind die Italiener kinderfreundlich?" Ja, ja, ja, ja. Oder wenn man ja nur ins Ausland, irgendwie nach Skandinavien, jedes Restaurant, ganz oft finde ich toll bei Männern auch Wickeltisch in der Toilette. Da ist Deutschland leider noch ganz, ganz hinten dran, was so Kinderfreundlichkeit, Familienfreundlichkeit angeht. Wächst man definitiv hier anders auf als in anderen Ländern? Das ist schon so. Das kommt ganz doll auf die unterschiedlichen Kulturen an. Was ich in den Medien mitbekomme, z.B. in westlichen Ländern, ist es mehr so, dass man Kinder behütet, aufpasst. Aber in Japan z.B. habe ich erlebt, dass Kinder schon viel früher alleine zur Schule gehen, sich zurechtfinden, auch in so einer Großstadt wie Tokio. Also auch da ist Selbstständigkeit ein großer, großer Wert. Ich glaube, das kommt ganz auf die Kultur an. Gleichzeitig habe ich einen sehr guten Freund aus Griechenland, der hat noch bis Anfang 30 zu Hause gewohnt, und als er ausgezogen ist, hat seine Mutter ihm nach Athen Essen geschickt. Ne, also das sind so, ich glaube, das hat alles was Gutes, und das ist sehr kulturell unterschiedlich. Ich glaube, wenn Kinder wissen, dass sie immer nach Hause kommen können, wenn es mal schief läuft, dann ist alles ganz gut gelaufen.
Jetzt wollen wir von euch wissen: Wie war denn eure Kindheit und wie hat sie sich unterschieden von den Geschichten, die ihr hier aus Berlin gehört habt? Schreibt uns unbedingt einen Kommentar. Wir lesen die Kommentare durch und freuen uns auf die Diskussion mit euch. Janus, danke, dass du wieder unterwegs warst. Super gerne! Ciao, tschüss und bis nächstes Mal. [Musik]