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Mythos Lithiumbatterien. Lithiumbatterie-Lügen. Lithium-Batterien und viele Berichte, was man alles falsch oder kaputt machen kann. Wir räumen heute mit den Unwahrheiten auf, und da sind einige Sachen dabei, die auch ich für wahr gehalten habe. Willkommen auf Womo.blog.
Im Interview mit Danny Rehbock dreht sich heute alles um das große Thema Lithium-Batterie. Umrüstung von AGM oder Blei auf Lithium. Man braucht gar keine speziellen Ladegeräte, ganz egal, was der Stammtisch erzählt. Laden im Winter – da gibt’s echte Wintermärchen. Muss man unbedingt einen Ladebooster haben? Was passiert, wenn man seine Batterien erweitert? Mehrere unterschiedliche Lithiumbatterien, unterschiedliche Hersteller, unterschiedliche Kapazitäten. Billigbatterien gegen Premiumzellen. Und noch einiges mehr – komplexes Thema, aber wir versuchen es verständlich rüberzubringen. Ach und, wenn wir „Lithium“ sagen, meinen wir die im Camping üblichen LifePo4, also Lithium-Eisenphosphat-Batterien.
Trailer: Hallo Danny, vor Jahren habe ich dich als Geschäftsführer vom LED-Lichtzentrum kennengelernt, Techniknerd, mit einem Fable für Physik und allem, was mit Strom funktioniert. Für Bulltron hast du die Batterien entwickelt und den Vertrieb übernommen, aber das soll heute gar nicht unser Thema sein. Ich habe dich als ausgesprochener Experte für Ladetechnik und Lithiumbatterien kennengelernt. Unseren Ladeboostervideo werden einige der Zuschauer sicher schon kennen. Verlinke ich euch noch einmal. Bei unserem letzten Treffen hast du mir erzählt, dass so unglaublich viele Mythen über Lithiumbatterien existieren und du gerne damit einmal aufräumen willst.
Ja, erstmal Hallo in die Runde. Schön, dass ich da sein darf. Ja, was stört mich am meisten oder was geht mir am meisten auf den Geist? Das ist das Thema Ladetechnik. Stichwort: Kann ich meine vorhandene Ladetechnik weiter verwenden? Und da heißt es ganz häufig: Nein, geht nicht, Batterien gehen kaputt, Batterien werden nicht voll. Und da kann man wirklich sagen, das ist zu 99 Prozent nicht der Fall, das funktioniert in den meisten Fällen. Natürlich gibt es da auch noch ein paar Ausnahmen, über die man immer bis ins Detail reden müsste. Also, wenn ich eine Bleibatterie habe, also so eine Bleibatterie von früher oder neuer, eine AGM-Batterie und habe dementsprechend ein Ladegerät schon verbaut, dann kann ich das an der neuen Lifepo4-Batterie nutzen.
Ja, also man kann fast jedes Ladegerät weiter benutzen, was verbaut ist. Es gibt nur wirklich eine einzige Ausnahme, kann man sagen, was nicht funktioniert, und das ist die Ladekurve für AGM-2 mit 14,7 Volt. Diese Spannung ist für die LiFePo4 zu hoch, die sollte man nicht nehmen. Sämtliche anderen Ladekurven, Bleisäure, Gel, AGM-1 funktionieren. Das kann man erstmal so ganz pauschal sagen. Also, wenn ich nichts umzustellen habe, stelle ich einfach Blei oder AGM ein. Das wären die beiden optimalen Kurven, das heißt Bleisäure oder AGM-1 sind optimal für die LiFePo4. Gel funktioniert auch, ist nicht ganz so optimal. Da gibt es verschiedene Parameter bei diesen Ladekurven, und von Bleisäure und AGM-1 passen die Parameter besser als von Gel.
Was heißt das überhaupt mit diesen Ladekurven? Lass uns da mal drauf eingehen, weil ich weiß aus meiner Zeit von ganz früher, wo es noch diese typischen Bleibatterien gab, da war das schon wichtig, dass man ein Ladegerät hatte mit diesen Ladekurven. Was auch immer das bedeutet. Was bedeutet das? Was bedeutet es dann bei einer Lithium-Batterie?
Ja, also eine Ladekurve ist vereinfacht gesagt nichts anderes: In einem Ladegerät sind verschiedene Parameter hinterlegt. Als erstes fängt ein Ladegerät an mit einem Konstantstrom zu laden bis zu einem gewissen Spannungsbereich. Dann geht das Ganze in eine Konstanzspannungsphase über. Die ist bei den meisten Batterien, was man jetzt so hat, so um die 14,5 Volt. Da wird das dann einen zeitlang aufgehalten, bis die Batterie auch diese Spannung erreicht hat. Das heißt, Ladegerät und Batterie sind auf dem gleichen Spannungsniveau. Beide haben die 14,4 Volt, dann ist die Batterie voll, und dann geht das Ladegerät in eine abgesenkte Spannung, sprich in eine Ladeerhaltungsstimmung. Die liegt so zwischen 13,5 und 13,8 Volt, je nach Ladekurven-Einstellung und Batterietyp, für die die Ladekurve ausgewählt wurde. So nach diesem Schema laufen alle Ladekurven ab, sei es Bleisäure, Gel, AGM oder auch Lithium. Ist kein Unterschied, auch Lithium wird genauso geladen. Von daher haben wir jetzt zwar unterschiedliche Spannungswerte hinterlegt für die einzelnen Batterietypen, und die Phase des Konstantstromladens ist teilweise ein bisschen anders von der Dauer, und die Phase der Konstanzspannungszeit ist auch anders je nach Batterietypen. Das sind so die Änderungen, die wir eigentlich zwischen den einzelnen Batterietypen haben, aber letztendlich geht es wirklich darum, die eingestellte Spannung vom Batterieladegerät zu erreichen, und wenn die Spannung zu meinem Batterietyp passt, kann ich damit auch die Batterie laden.
In unserem Fall, wenn wir jetzt hier mit der Lithium-Eisenphosphat-Batterie reden, geht es darum, mit welchem Spannungsbereich kommt sie eigentlich klar. Und da sind wir schon genau da, wo wir hinwollen. Sprich, für die Lithium-Eisen hätten wir einen Spannungsbereich fürs Vollladen von 14,2 bis 14,6 Volt. Das heißt, das ist so unser Pufferbereich. Und da liegen auch die Ladegeräte, die wir jetzt gerade und die Ladekurven, die du angesprochen hattest, sprich Bleisäure, Gel und AGM1, liegen genau in diesem Bereich in der Regel. Das hängt ein bisschen vom Ladegeräthersteller auch ab, wie die Spannung ist. So 14,2 und 14,4 liegen diese Ladegeräte meistens vor der Zeit.
Aber wenn du jetzt sagst, 14,4, also gibt es ja dann auch immer wieder diesen Mythos, die Lithium-Batterie wird dann nicht richtig voll. Also, die muss ab und zu auch mal ganz voll geladen werden, damit sie nicht kaputt geht oder damit sie nicht so schnell altert, oder was ist das? Ist das so?
Nein, also vollladen muss man eine Lithium-Batterie nicht, wegen des Alltags oder was sie denn an Schaden nimmt. Das gilt für Blei-Batterien, die sollten möglichst voll geladen werden und auch möglichst voll gehalten werden, dann leben sie länger. Die Lithium-Batterie, also die Lithium-Eisenphosphat-Batterie, kann ruhig auch, ich sage mal, nur bis zur Hälfte, nur bis zu 80 % geladen werden, ist überhaupt kein Problem, hat nichts mit der Lebensdauer zu tun. Es gibt nur einen Grund, warum man Lithium-Batterien ab und zu voll lädt, und das ist der Zellausgleich. Das heißt, die Zellen müssen sich untereinander ausbalancieren. Da sind in einer, wenn man so möchte, 12-Volt-Batterie sind es dann vier Zellblöcke drin. Diese vier Zellblöcke können, wenn sie nicht regelmäßig hochgeladen werden, nicht mehr ganz ausbalanciert sein. Vielleicht, wenn ich sie hochlade, weil der Spannungsbereich bei einer Lithium-Batterie läuft über einen sehr langen Zeitraum fast waagerecht. So, das heißt, mit Abnehmen der Kapazität verändert sich die Spannung kaum. Deswegen sieht man das nicht wie bei einer Blei-Batterie, wo man sich vorstellt, es geht einfach diagonal, und der Spannungsverlauf mit Abnehmen der Kapazität, da ändert sich die Spannung relativ stark. Deswegen sagt man: In gewissen Abständen die Lithium-Batterie einfach mal voll laden, damit sich die Zellen wieder ausgleichen können. Und das liegt daran, dass die meisten Batterien einen passiven Balancer verbaut haben, sprich zum Zellausgleich, der die ausbalancieren soll, und dieser passive Balancer arbeitet nur im obersten Spannungsbereich. Das heißt, nur wenn die Batterie wirklich voll geladen wird, kann der arbeiten. Ansonsten ist der deaktiviert und kann die Zellen nicht ausgleichen. Deswegen empfiehlt man regelmäßig die Zellen auch zu laden.
Okay, bei einem passiven Balancer, also eine gute Batterie, die hat einen aktiven Balancer. Naja, ich sag mal, da wo ein bisschen gespart wird, da hat man einen passiven. Ich weiß aus dem Vorgespräch, dass meine Bulltron einen aktiven und passiven hat. Also, ich will sogar hin und baue beides da rein. Damit ist man auf der sicheren Seite, habe ich das Gefühl. Aber jetzt bedeutet das ja, wenn ich einen passiven Balancer habe, dann kann es Ungleichgewichte geben in den Spannungen.
Richtig. So, wenn ich jetzt zum Beispiel nicht regelmäßig hochlade und jetzt lade ich die Batterie jetzt mal, wie auf die 14,4 Volt, die wir jetzt noch vorgegeben haben, lade ich die Batterie hoch. So, dann fängt der Balancer erst ab einem Spannungsbereich ungefähr zwischen 13,8 und 14,0 Volt an, wird der erst aktiviert, der passive Balancer. Und dann fängt er an zu arbeiten. Das hat einen ganz bestimmten Hintergrund, warum er ihn erst so spät aktiviert. Zum einen: Die Zellen driften dort am stärksten auseinander am Ende. Und der andere Grund ist: Ein passiver Balancer ist ein kleiner Widerstand. Dieser kleine Widerstand wird auf die Zelle raufgeschaltet, die die höchste Spannung zwischen den einzelnen Zellen hat, um die ein bisschen auszubremsen. So, wenn ich jetzt einen kleinen Widerstand nehme, von zum Beispiel 50 oder 100 mA, und möchte dort den Ladestrom reduzieren, damit die anderen Zellen nachziehen können. Und ich lade aber noch als Beispiel zu einem früheren Zeitpunkt mit 20 A. Ja, dann muss ich sagen, wenn ich 20 A Ladung um 0,1 A kürze, dann sind es nur noch 19,9 A. Das heißt, der Unterschied ist so gering von der Ladung zu den anderen Zellen, das würde sie nicht ausgleichen. Das ist prozentual ein zu kleiner Anteil. Wenn ich nachher am Ende bin, kurz vor Ende der Ladung, dann bin ich in der Konstanzspannungsphase mit abnehmenden Strömen. Da sind die Ströme dann vielleicht bloß noch 1-2 A hoch. Das heißt, dann sind die 0,1 A prozentual ein deutlich größer gewichteter Faktor. Und ich kann damit mehr ausgleichen. Je mehr ich mich dem Ende nähere, desto kleiner ist der Strom, und desto mehr kann dieser passive Balancer überhaupt bewirken.
Das heißt aber doch dann auch, dass mit einem passiven Balancer, also wenn ich nur einen passiven Balancer habe, die Ladedauer viel länger ist.
Ja, also wenn die Zellen ein Ungleichgewicht haben, ja, weil ich bremse natürlich eine Zelle aus, um die anderen Zellen nachbrücken zu lassen. So, ich verbrenne also einen Teil der Energie, die auf die höchste Zelle geht, verbrenne ich in Form des Widerstands, damit, was es ist, das ist nichts anderes als Strom in Wärme umwandeln. So, und versuche damit die Zellen auszugleichen. So, wenn der Unterschied eine gewisse Größe hat, werde ich das nicht schaffen, bis die erste Zelle ihren Maximalwert erreicht hat, weil das ist die Abschaltgrenze für das Battery-Management-System, um die Zelle zu schützen. Sobald eine Zelle die Obergrenze erreicht, wird der gesamte Ladevorgang gekappt. Das heißt, die Zellen bleiben unausgeglichen im schlimmsten Fall zurück. So, weil der Widerstand kann nur arbeiten, solange auch ein Strom fließt. Wenn kein Strom fließt, kann ich mit einem Widerstand nichts ausrichten. Das hat ja keinen Effekt. So, das ist auch der Grund, warum manche Anbieter von zum Beispiel Batterien, die nur einen passiven Balancer verbaut haben, lieber eine Ladekurve von Gelbatterien empfehlen, weil sie dort eine sehr lange Konstanzspannungsphase haben. Das heißt, das Ladegerät wird immer wieder versuchen zu laden, weil wenn das BMS gestoppt hat diesen Ladevorgang, dann sinkt die Zellspannung von allen Zellen sachte wieder ab. Wenn sie unter einem gewissen Niveau fällt, macht das Battery-Management-System die Ladung wieder auf und lässt wieder klein, eine Ladeströmung zu. Und dann versucht der Balancer wieder, die Zellen nach und nach auszugleichen. Und das ganze Prozedere kann man zum Beispiel bei einer Gelladekurve 12 bis 16 Stunden lang machen, in der Hoffnung, dass das reicht, um die Zellen auszugleichen. So, das ist etwas, weswegen manche denn zum Beispiel Gelladekurven empfehlen. Das ist aber nur dann notwendig, wenn man, wie gesagt, nur diese kleinen, passiven Balancer verbaut hat. Also dann lieber gleich einen aktiven, und dann spart man an der anderen Seite wieder.
Noch eine Frage, das ist ja auch immer so ein Thema, was auch kommt: Bleibatterien, eigentlich Bleibatterien, Bleiladegeräte. Ich bin auf dem Stellplatz, hänge am Dauerstrom, und plötzlich ist meine Lithiumbatterie leer. Was hat das auf sich?
Ja, ich hatte am Anfang gesagt, man kann zu 99 Prozent alle Ladegeräte weiter verwenden, aber es gibt eine kleine, ich nenne es einfach mal, Komforteinschränkung, die man damit in Kauf nehmen muss. Weil ein Ladegerät ist, heißt immer her ja, ich habe ja ein intelligentes Ladegerät verbaut, und die kommunizieren mit der Batterie. Da muss man ehrlicherweise sagen, Intelligenz ist da nicht viel und Kommunikation auch nicht, sondern die haben fest hinterlegte Spannungswerte. Wie ich vorhin sagte, die Kurve läuft ab bis 14,4 Volt hoch. Wenn es die erreicht hat, fällt die ganz in eine Erhaltungsladung auf zum Beispiel 13,5 oder 13,8 zurück, und dann gibt es noch mal wie eine Lage und Spannung, wenn ich länger dran bin, wo ich sage, okay, bis wohin ist die Batterie voll. Jetzt nehme ich mir zum Beispiel einfach mal dieses Bleiladegerät und habe eine Bleibatterie dran. So, jeder kennt das vielleicht von zu Hause, vom Auto. Wenn er seine Starterbatterie hat, wird er immer nachgeladen, nach den Staaten automatisch, und wenn ich da mal gucke oder auch an Wohnmobilen, wie hoch ist eigentlich meine Spannung der Starterbatterie, wenn die nicht belastet wird oder so, die steht und ist voll. Dann liegt die je nach Batterietyp zwischen 12,6 und 12,8 Volt. Das ist so die normale Ruhestellung einer vollgeladenen 12-Volt-Bleibatterie. Wenn ich jetzt das als Grundlage nehmen kann, dann weiß das Ladegerät, das ist natürlich so eingestellt in dem Bleiladegerät. Okay, mit 12,8 Volt ist die Bleibatterie noch gut voll, musst du gar nichts nachladen. Erst wenn sie da runterfällt, ist eine Nachladung notwendig. Jetzt klemm ich aber statt der Bleibatterie eine Lithium-Batterie. Das Ladegerät weiß natürlich nicht, was ich dort hinten angeschlossen habe, weil da kommt 12 Volt raus, und nach dem Motto: Und alles ist gut. So, jetzt schließe ich mich am Campingplatz an meinen Landstrom an, habe eine volle Batterie gehabt, bin dort angekommen, alles hochgeladen und stelle jetzt mit die Tage fest, je länger ich stehe, meine Lithium-Batterie wird vom Ladezustand immer weiter absinken. Obwohl ich draußen noch Strom zum Nachladen habe, das Ladegerät lädt die Batterie nicht nach. Da denken dann viele: Okay, irgendwas stimmt nicht, irgendwas ist kaputt, aber das ist ganz normal. Das liegt an diesem Effekt, dass eine Lithium-Batterie erst einmal einen sehr hohen Spannungsniveau hat. Das heißt, das verläuft über ein, sagen wir mal, von 100 Prozent Ruhezustand hat sie 13,3 Volt. Wenn sie auf 30 Prozent runtergefallen ist, hat sie immer noch 13,0 Volt. Das heißt, sie hat immer noch sehr hohe Spannung bei schon relativ geringer Kapazität. So, erst wenn sie so bei 20, 25… langsam, das heißt, klar, ich kann auch nicht mit so einem Voltmeter gucken, wie hoch oder wie voll meine Batterie ist. Gibt ja auch so ein paar Dödels, die denken, sie bauen sich ein tolles Voltmeter ein, bei Amazon zu 5,50 Euro und können dann ihre Batterie überprüfen. Ist also Blödsinn. In dem Moment, wo das, ich sag jetzt mal, das Ding zeigt immer noch 13 Volt an, aber die Batterie ist eigentlich schon fast leer.
Jetzt habe ich das kapiert. Das ist die typische Anzeige, die viele noch in ihrem Wohnmobil auch haben, mit, ich sag mal, vier Lämpchen, so grün, dann im Fallen wird es gelb und dann rot. So, und die Lithium-Batterie zeigt immer zu grün an, wenn man die verbauen würde mit der Anzeige, weil man denkt, ja, die Anzeige weiß, okay, solange ich in diesem oberen Spannungsbereich, wo ich 12,8 Volt bin, ist alles grün, weil die Bleibatterie ist voll, und irgendwann später fängt sie an, gelb oder orange zu werden, die Anzeige. So, und bei der Lithium denkt man, die wird ja nie gelb, so erst, wenn sie wirklich unten angekommen ist, so bei 20 %, springt sie ins Orange und irgendwann kurz danach ins Rote. Den ganzen grünen Bereich…
Ja, klar, und die 12,8 Volt sind da für die Lithium-Batterien eigentlich schon leer, auf gut Deutsch, da kommt die, da kommt die wahrscheinlich nie hin, und das Ladegerät lädt überhaupt nicht mehr.
Ja, genau, man muss sich vorstellen, bei 12,8 Volt, wenn ich das erreiche, 12,6, 12,8 Volt, liege ich irgendwo so bei 20 bis 25 Prozent Ladezustand, und erst wenn ich diesen Zustand unterschreite, weiß das Ladegerät: Okay, die Spannung ist zu niedrig von der Batterie, ich muss nachladen, dann wird auch ein Nachladen automatisch einsetzen, vorher nicht. Bis dahin fällt die Batterie runter, ob man es will oder nicht, und erst dann fängt es wieder an, das Ladegerät, die Batterie auf 14,4 Volt, sprich 100 Prozent anzutreiben. Jetzt kommt der blöde Jürgen und denkt sich: Zieht jetzt den Stecker und wartet einen Moment und steckt wieder rein, dann müsste das Ladegerät doch eigentlich sagen: Oh, Batterie ist leer, wir laden die mal wieder voll.
Ja, fast. Das Ladegerät sagt einfach nur: Wenn du den Stecker ziehst, ich habe alles vergessen, was vorher war, der Speicher ist gelöscht, und immer wenn ich neu ans Stromnetz angeschlossen werde, heißt mein oberstes Ziel: 14,4 Volt Vollladung, und dann marschiere ich dahin, egal wo ich vorher war. Ja, so, und dann lädt die Batterie voll, und das ist genau das, was man wissen muss. Steht man auf einem Campingplatz und sagt: Ich will in acht Stunden los, und meine Batterie hängt hier irgendwo so auf halb acht vom Ladezustand, ich möchte aber mit der vollen Batterie gerne starten, dann gehe ich einmal raus, ziehe meinen Stecker, warte ein paar Sekunden, dass sich sozusagen alle Kondensatoren entleert haben, er alles vergessen hat, dass sein Speicher weg ist, Kopf ist leer, stecke den Stecker wieder rein, dann fängt das Ladegerät den Prozess ganz von vorne an, die Batterie wird vollgeladen, und ich kann mit einer vollen Batterie starten.
Gibt es selber Passos oder passt irgendwo auch dazu jetzt? 80 Prozent sei die optimale Ladung für eine Lithium-Batterie, damit kann ich meine Lebensdauer unendlich verlängern, also unendlich nicht, aber so was wird oft geschönt, dann achten die Leute da extrem drauf, dass sie diese 80 Prozent einhalten. Was ist denn da?
Ja, also es kommt sehr stark aus dem Elektroautobereich, diese 80 Prozent, weil wir kennen das dort von vielen Autoherstellern, die denn zum Beispiel keine Lithium-Eisenphosphatzellen, sondern NMC, also Nickel-Mangan-Cobalt-Zellen, das sind diese, wie es einmal so schön heißt, Lithium-Ionen, sind das alles irgendwo, aber die einen heißen Lithium-Eisenphosphat und die anderen werden unter diesen NMC verkauft. Diese NMC-Zellen haben eine höhere Energiedichte, dafür aber eine deutlich kürzere Lebensdauer als die Lithium-Eisenphosphatzellen und sind deutlich empfindlicher gegen, das ist ja mal ständige Hochladen auf 100 Prozent. Sondern da empfiehlt der Hersteller halt nur auf 80 Prozent zu laden, um das Ganze zu schonen, und nur wenn man wirklich sagt: Ich brauche jetzt alles an Energie, dann lade ich einmal bis 100 Prozent voll, aber dann soll es auch da nicht stehen bleiben, sondern soll sich danach wieder verbrauchen. Daher kommt das ganze Thema mit diesem 80-Prozent-Laden. So, und bei Lithium-Eisen, wie auch bei jeder anderen Lithium-Technologie, ist es natürlich so: Wenn ich nur bis 80 Prozent hochlade, hält meine Batterie länger. Das ist gar keine Frage. So, wir reden mal bei so einem NMC-Akku von 1000 Ladezyklen Lebensdauer. Wenn ich jetzt eine Lithium-Batterie, je nach Qualitätsausführung der Zellen, rede ich dort von 3000 bis in der Spitze 6000 Ladezyklen. Das heißt, ich habe schon ein Vielfaches von dem, was diese anderen Lithium-Zellen können. Wenn ich das jetzt noch mit einer Bleibatterie vergleiche, da reden wir über 300 Ladezyklen im Durchschnitt. So, wenn ich jetzt von 300 jetzt nur mal auf 3000 gehe, ist das das Zehnfache. So, wenn ich sage, ich habe noch eine ganz tolle Zelle, die sogar auf 6000 geht, das ist das 20-Fache von der Lebensdauer einer Bleibatterie. Bei einer Bleibatterie bedeutet die Lebensdauer aber nur, wenn ich sie immer nur bis maximal 50 Prozent entlade. So, das heißt, ich finde, weil von der Bleibatterie ist gewohnt, nur die Hälfte zu nutzen, damit ich überhaupt noch eine einigermaßen Lebensdauer habe. So, und wenn ich mich jetzt bei einer Lithium-Batterie auch noch so reglementieren möchte, dass ich dann Ende 30 oder 40 Jahre damit auskommen kann, dann muss man sagen, dass es irgendwo unrealistisch ist, weil Jahre ist vielleicht noch gar nicht der richtige Ausdruck, sondern Zyklen. Dann fragt man sich immer: Was ist ein Zyklus? Weil die Frage kommt dann auch immer: Wie definiert man überhaupt einen Zyklus? Ist das einmal Ladegerät anschalten, wieder ausschalten, ein Zyklus? Nächstes Mal anschalten, wieder ein Zyklus? Da muss man sagen: Nein, so schlimm ist es nicht, weil dann würde ich die Zyklen relativ schnell schaffen. Ein Zyklus ist relativ einfach. Ich nehme jetzt mal ein Beispiel, wir nehmen eine 100 Amperestunden-Batterie. So, und bei einer 100 Amperestunden-Batterie muss ich einmal komplett die Batteriekapazität entnehmen. So, wenn ich jetzt sage, ich entnehme aber immer, ich lade oder entnehme immer bis 20 Amperestunden und dann höre ich auf, dann müsste ich das fünf Mal hintereinander machen, bis ich in der Summe auch 100 Amperestunden komme. Das heißt, ich habe einmal die gesamte Batteriekapazität in Summe entnommen und wieder reingeladen. Dann ist ein Ladezyklus vorbei. Das heißt, in der Batterie, im Batteriemanagementsystem, ist wie ein kleiner Taschenrechner, ich habe was gesagt, der zählt mit, wie oft man wieder auflädt und so weiter, sagt: 100 ist voll, drückt aufs Knöpfchen, und dann springt der Zähler um einen höher. So, und von daher muss man erst mal die Kapazität einmal entnommen haben, wieder reingegeben haben, dann ist ein Zyklus hoch.
Okay, also das heißt, 3000, 6000 Mal müsste ich meine Batterie komplett entladen haben, bevor sie alt ist. Jetzt gibt es aber trotzdem ja Cracks, die sagen, wir machen irgendwie eine Steuerung oder sonst so ein und schalten die Ladung bei 80 Prozent ab.
Ja, das ist, jetzt muss man gucken, was wir ab 80 Prozent abschalten. Wenn man darüber redet, die Frage kommt auch häufig bei uns: Habe ich die Möglichkeit, die Batterie auf 80 Prozent Ladezustand zu begrenzen, kann ich das nicht einstellen in der Batterie oder kann ich das nicht mit einem Schalter wegschalten? Dann kann man sagen: In der Theorie ist das kein Problem, das ist relativ einfach, das wegzuschalten. Aber das möchte der Kunde nicht wirklich, weil das am Ende große Schäden verursachen kann. Das liegt daran: Wir dürfen, wenn ich mich verwechseln, nicht die Batterie, die irgendwas vor, weil das fragen auch viele unserer Kunden, ja, ich baue jetzt eine Lithium-Batterie ein, die braucht ja so viel Strom oder die zieht so viel Strom. Die zieht gar keinen Strom, die Batterie, sondern die Batterie nimmt einfach nur das auf, was man hier an Strom zur Verfügung stellt, was sonst nirgendwo gebraucht wird, was überflüssig ist, sozusagen, nimmt sie auf. Und die Lithium-Batterie kann, wenn sehr hohe Ströme zur Verfügung gestellt werden, kann sie sehr hohe Ströme aufnehmen. Das heißt, nicht die Batterie entscheidet, sondern immer die Ladetechnik spricht, das Landstrom-Ladegerät, der Solar-Laderegler oder der Ladebooster. Das sind so diese drei typischen Ladegeräte, die es gibt im Fahrzeug. Also Laden über die Lichtmaschine, Strom von außen oder von der Solaranlage. So, und die entscheiden, wie viel Strom sie der Batterie anbieten. Und wenn kein anderer Verbraucher das nimmt, dann nimmt die Batterie das auf, bis sie voll ist. So, und jetzt haben wir diese Option mit diesen 80 Prozent. Wir haben jetzt mal unser 20-Ampere-Standard-Ladegerät, was die meisten Fahrzeuge auch so in der Größe ungefähr verbaut haben. Und das versucht meine Batterie zu laden. Ist noch schön im Ladefluss drinnen. Jetzt erreiche ich die 80 Prozent Ladezustand meiner Batterie. Und jetzt macht das BMS, sagt: Ich habe die 80 Prozent erreicht. Und die Batterie schaltet sich schlagartig weg und sagt: Ich höre nicht mehr, ich bin voll. So, und in dem Augenblick, wo sich die Batterie wegschaltet, das geht wirklich im Bruchteil von Sekunden, ist Strom da vom Ladegerät. Das ist die ganze Zeit den Strom losgeworden. Und auf einmal nimmt keiner mehr diesen Strom ab. Das heißt, das Ladegerät muss sich runterfahren von seiner ganzen Steuerung. Da das aber so schlagartig kommt und das Ladegerät sich nicht so schnell runterfahren kann, muss der Strom irgendwo hin. Das kann er nicht. Und dementsprechend, wenn der Strom nicht weg kann, steigt die Spannung in dem Augenblick schlagartig an. Und dann kommt aus einer Spannung, die vorher vielleicht 14 oder 14,4 Volt war, auch ganz schnell 18 oder 20 Volt raus. Das heißt, wir haben einen kurzzeitigen massiven Spannungsanstieg. Und es gibt viele Geräte in Fahrzeugen, muss man leider sagen, sei es der bekannte Maxxfan-Lüfter, der eine Spannungstoleranz hat, die leider überhaupt keine Spannungsschwankung abkann, die zerhaut ist uns. Das heißt, dann ist das Netzteil, was dort drin ist von dem Maxxfan, defekt durch die Spannungsspitze. Genauso geht das bei bestimmten Kühlschränken oder Truma-Heizungen, die das nicht abkönnen, die da leider keine, ich sag mal, ausreichend variablen Spannungskönnen verbaut haben. Und die zerschießt es dann in dem Augenblick. Und das wird eine teurere Reparatur, wenn ich diese Spannungsspitzen habe. Und ich verursache sie selber, weil ich die Batterie vorzeitig abriegele.
Okay, also verstanden. 80-Prozent-Ladestopp, nennen wir es mal so, ist keine gute Idee. Damit habe ich hinterher mehr Probleme als Vorteile, noch dazu. Bin ich ja wahrscheinlich dann in der Beweislast, dass die Geräte kaputt gegangen sind, nicht wegen so einer Spannungsspitze. Also von daher lassen wir das lieber mal sein. Ja, man kann es, wenn man das möchte, kleiner Gans, wenn man das möchte, dann gibt es nur einen Weg, wie man das vernünftig machen kann. Und zwar: Man muss Ladegeräte haben, die man begrenzen kann. Das heißt, ich nehme jetzt, da soll es keine Werbung sein, Victron-Ladegeräte können das zum Beispiel. Ich nehme jetzt mal ein Beispiel, ich nehme einen Victron Solarladeregler. So, und diesen kann ich natürlich fest einstellen auf die verschiedenen Batterie-Typen. Ich kann aber auch individuell meine Spannungswerte anpassen. Das heißt, wenn ich beigehe und sage, ich möchte nicht bis 14,4 Volt laden, sondern als Beispiel jetzt mal nur bis 13,5 Volt, weil die Batterie soll nicht voller werden, weil es scheint morgen und übermorgen wieder die Sonne, ich sitze hier in Spanien und ich weiß gar nicht, wohin mit dem ganzen Strom. Dann stelle ich das ein auf 13,5 Volt, und dann hört das Ladegerät rechtzeitig bei 13,5 Volt auf und hört auf und fängt ansatzweise an runterzuregeln, und dann wird die Batterie nicht voller. Das ist in Ordnung. Ja, du hast ja selber gesagt, es bringt mir trotzdem nichts. Also, abgesehen davon, dass du vom nächsten Tag sagst, die Sonne scheint wieder, ja, ob ich die jetzt über heute voll geladen habe oder morgen, ist dann auch egal. Also das scheint mir jetzt irgendwo nicht so zielführend zu sein. Aber ja, klar, es wird mit Sicherheit dann wieder Regler geben, die das können. Aber du hast ja schon gesagt, warum eigentlich? Warum soll ich eine Batterie, die ich für 100 Prozent gekauft habe, nur mit 80 Prozent laden? Leuchtet mir nicht ein.
Tiefentladung ist vielleicht ein anderes Thema, was noch viel wichtiger ist. Denn früher, klar, Bleibatterien, AGM-Batterien, tief entladen waren sie kaputt, habe ich selber erlebt. Es war ein Spaß damals im Oberhof, mitten in der Nacht, kann ich wohl mehr zu haben. Bei minus 20 Grad kann das sogar gefährlich werden. Tiefentladung bei Lithium-Batterien. Ich dachte, das Ding hat das tolle BMS und dementsprechend passiert da nichts, oder doch?
Also, es sollte, es sollte nichts passieren. Wir haben es mal so, das ist das BMS genau da. Das heißt, das Battery-Management-System. Das heißt, das soll die Batterie schützen. So wie ich es vorhin erklärt habe, obere Grenze, Zellspannung oder Gesamtspannung, was zuerst eintritt, wird abgeregelt. Das gleiche gilt nach unten. Es sind fest definierte Spannungswerte da. Erreicht eine Zelle, weil wir können jetzt mal davon ausgehen, dass nicht alle Zellen immer zu 100 Prozent gleich sind vom Spannungswert, die Zelle, die zuerst den unteren Grenzwert erreicht hat. Die schaltet sozusagen das Entladen der Batterie ab, sodass es nicht zu einer tiefen Entladung kommt. Das heißt, die Batterie ist an der Grenze angekommen, was sie ent-, was sie an Strom abgeben darf. Und wenn sie diese Grenze erreicht hat, schaltet das BMS das Entladen ab. Dann ist sie noch gar nicht leer, auf gut Deutsch.
Nein, nein, sie ist nicht leer. Wie viele Prozent? Also, ich würde mal sagen, so 10 Prozent, kann man 5-10 Prozent werden.
Okay, also kann ich die gar nicht tief entladen?
Kann man schon, nicht direkt auf dem ersten Wege nicht. Also, wenn das BMS ordnungsgemäß funktioniert, kann ich die Batterie erst mal nicht tief entladen. Also, ich brauche mir keine Sorgen machen, geht das Licht aus in meinem Fahrzeug, weil die Batterie, ich sag mal jetzt in Anführungsstrichen leer ist, habe ich noch keinen, habe ich keinen Schaden verursacht, das ist ein ganz normaler Entladeprozess. Man kann sich das jeder bei seinem Handy vorstellen können. Das heißt, ich habe mein Handy so lange rumgespielt, bis es ausgegangen ist, weil es leer war. So, und jetzt kann ich es wieder ans Ladegerät stecken, ich lade es auf, und dann funktioniert alles wieder normal. Alles gut, das reicht. Nicht erzählen, wie man es dann überbrücken kann, damit man die letzten 10 Prozent noch kriegt. Es geht bestimmt wieder, aber das sollen wir jetzt hier gar nicht vertiefen.
Ladebooster. Wir haben ja den Film gemacht, Ladebooster. Ich kriege immer wieder die Frage: Brauche ich denn einen Ladebooster? Also, ich habe jetzt eine Lithium-Batterie, und dann umgekehrt. Ich will hier als Umrüsten von Blei oder von AGM, brauche ich einen unbedingt Ladebooster? Ihr merkt schon, unser Gespräch dauert noch länger. Daher kündige ich den Film jetzt hier an.
Im zweiten Teil geht es um die Themen: Braucht man den Ladebooster? Kabelschutz, Raptor Bridge, brennende Lichtmaschinen, Erweiterung der Batterie, unterschiedliche Hersteller, unterschiedliches Alter, unterschiedliche Kapazitäten und der Null-Grad-Laden. Brauche ich überhaupt eine Lifepo4-Heizung? Die beste Heizung für Lithium-Batterien und warum manche Heizung ja nur eine Reklame gehackt. Rundzellen versus Viereck-Zellen. Preisunterschied, billiger zu hochwertiger Batterien. Was sind Crate A, was sind Crate B? Gewährleistung und Rücksendung. Bei China war es ja nicht so einfach. Batterie-Computer und eingebautes Bluetooth. Alles sehr spannende Themen, und wenn man sich einmal beschäftigt hat, ist vieles klarer, und der nächste Stammtisch kann kommen. Auf jeden Fall freuen wir uns jetzt über eure Kommentare. Was hat euch gefallen? Wo seht ihr weiteren Klärungsbedarf? Schreibt fleißig hier oder auf womopunkblock. Und weiter geht es im zweiten Teil unseres Mythos Lithium.