Transcription
„Wir haben hier einen Tetanus Fall und das hatten wir noch nie. Wir haben keine Antikörper.“ Und dann habe ich einen Herzschlag gehört. Bum, bum, bum, bum, bum, bum. Und plötzlich wurde mir bewusst: Okay, ich glaube, das ist Sterben. Ich sterbe gerade. Plötzlich ging so dieses schwarze Nichts auf, wie so ein Portal und ich sehe dahinter eine andere Welt. Und das war der Himmel. Der schönste Ort. Es gibt dort auch Bäume. Es gibt dort auch Tiere, aber die sehen halt noch mal alle anders aus. Ich wusste, wenn ihr das seht, was ich gerade sehe, dann werdet ihr mir verzeihen, dass ich vorgegangen bin.
Eine kleine Verletzung bringt Ronja in akute Lebensgefahr. Ihre Organe beginnen zu versagen. Sie fällt ins Koma und stirbt fast. Währenddessen hat sie eine Nahtoderfahrung und begegnet Gott.
„Hallo, Ronja.“
„Schön, dass du hier bist.“
„Freut mich auch. Danke.“
„Gott. Ist dieser Gott für dich ein Begriff gewesen?“
„Also lange Zeit nicht. Aber ich habe mich immer gefragt, ob es jemanden gibt oder etwas gibt, der oder das immer da ist.“
„War das eine... Woher kam die Frage? War das eine Sehnsucht in dir oder...?“
„Ich glaube, das habe ich aber auch sehr spät erst festgestellt, dass diese Frage dadurch kam, dass meine Eltern sich getrennt haben, als ich eins war und ich dann praktisch immer zwei Familien hatte. Mein Papa, die Stiefmama und die Kinder und dann meine Mama, mein Stiefvater und die Kinder. Und ich war so zwischen den Stühlen und immer wenn ich an dem einen Ort war, habe ich die anderen vermisst. Und wenn ich an einem anderen Ort war, habe ich die anderen vermisst. Also ich habe mich gefragt: Warum ist denn da nie jemand immer da? Warum muss ich immer auf irgendjemanden verzichten, wenn ich das andere habe? Und das hat mich sehr traurig gemacht, als Kind auch.“
„Weil auch mütterlicherseits, ich bin ja mehr bei meiner Mama aufgewachsen, sind wir sehr oft umgezogen. Wir sind ungefähr alle zwei, drei Jahre umgezogen und dadurch hatte ich jetzt auch nicht so ganz konstante Freundschaften. Also ein paar schon, die dann durch die Schule geblieben sind. Aber es war halt nicht einfach, sich dann immer zu sehen, wenn man auf die andere Seite der Stadt zieht oder dann auch in eine andere Stadt. Und damals hatten wir keine Handys oder so, die jedem verfügbar waren und man konnte nicht so leicht Kontakt halten.“
„Also ich war das seit Kindheit an gewöhnt, dass immer wieder Leute rausgerissen werden aus meinem Leben oder halt nicht mehr da sind. Und ja, deswegen war diese Frage so groß in meinem Herzen. Gibt es da jemanden, der immer da ist, auf den ich mich immer verlassen kann und wo ich mich entspannt zurücklehnen kann im Wissen, dass diese Person nicht geht?“
„Hast du damals auch mal in Erwägung gezogen, dass diese eine Person, die immer da ist, vielleicht Gott sein könnte?“
„Das habe ich mich schon gefragt, ja. Und ich war auch sehr offen, mir Informationen durchzulesen über die einzelnen Religionen oder die auch auszuprobieren. Ich bin ja sehr viel umgezogen, auch in meinem Leben. Und wenn mich dann jemand in Miami in den Hindutempel eingeladen hat, dann bin ich da auch mitgegangen und hab mir das angeschaut. Oder ich habe eine Zeit lang ganz viele buddhistische Bücher gelesen und meditiert und war beim Yoga und habe mir halt diese Ecke eher angeschaut. Also ich war da auch wirklich hungrig nach, ja.“
„Das ist ein sehr spannendes Leben, was du auch gelebt hast. Das fing an, als du 17 warst und dann wurdest du gecastet für eine Serie und hast mitgespielt. Fang erstmal an der Stelle an. Was war jetzt auf einmal los?“
„Okay. Also, mit 17 habe ich ein Casting gewonnen für Schloss Einstein. Das ist ja eine ganz berühmte Kinderserie in Deutschland. Und ich war ehrlich gesagt heimlich beim Casting und habe dann meiner Mama gesagt: „Ja, ich war jetzt bei diesem Casting, ich habe das gewonnen. Ich würde das eigentlich gerne machen, aber ich bin 17. Wir wohnen sieben Stunden vom Drehort entfernt. Also es geht ja gar nicht.“ Und sie war dann damit einverstanden, dass ich alleine nach Erfurt ziehe und meine erste eigene Wohnung dort habe, nebenbei mein Abitur zu Ende mache und dann dort arbeite.“
„Du hast zwei Jahre lang an dieser Serie mitgearbeitet. Und wie ging es dann weiter für dich?“
„Ich bin danach nach Berlin und habe dann dort auch ein Jahr lang geschauspielert für Sat1. Und danach hatte ich wie so ein Burnout, weil diese Phase mit Abitur und nebenbei noch Schloss Einstein drehen. Wir haben ja jeden Tag gedreht, montags bis freitags, manchmal sogar noch samstags. Jeden Tag nach der Schule. Ich musste manchmal früher aus dem Unterricht rausgenommen werden, habe die Hausaufgaben am Set gemacht. Es war ein ganz spannendes und aufregendes Leben, aber es war auch sehr, sehr anstrengend. Und auch dann bei Sat1, das war auch eine Daily Soap, also eine Serie, die jeden Tag ausgestrahlt wird. Das heißt, auch dort hatten wir 10 bis 12 Stunden-Tage, die wir am Set verbracht haben. Extrem anstrengend und trotzdem sehr, sehr viel und... Und fokussiert und super. Und dann hatte ich halt nach diesen drei Jahren Drehen gesagt: „Ich brauche jetzt mal eine Auszeit.“ Und bin nach Griechenland für ein Jahr.“
„Du hast gesagt, du hast ein Burnout. Warum Burnout? Ich meine, auf der einen Seite, es macht Spaß, du stehst vor der Kamera, du kriegst Anerkennung, Leute lernen dich kennen, du wirst gesehen auf der Straße. Man sagt: „Hey, das ist die.“ Und so weiter. Warum Burnout oder annähernd Burnout?“
„Also man sagt ja, Burnout ist jetzt nicht unbedingt, dass es zu viel Arbeit ist, sondern dass es zu wenig Ruhezeiten gibt. Und das war bei mir der Fall. Ich habe zu zu vielen Sachen Ja gesagt. Ich habe zu viele Sachen angenommen. Also neben einem 10 – 12 Stunden-Tag abends dann noch auf eine Veranstaltung eingeladen werden und die dann auch noch mit wahrnehmen und am nächsten Tag geht es gleich wieder weiter. Das war so ein bisschen das Thema.“
„Und dann hast du die Reißleine gezogen und gesagt: „Jetzt brauche ich Zeit für mich.“ Ja. Bist nach Griechenland gegangen. Hast du dort die Zeit für dich gehabt?“
„Ja. Ja, ich habe erst bei einem Bauernhof mitgeholfen, einfach da gearbeitet, gegen Kost und Logie. Und dann bin ich umgezogen in ein Restaurant am Strand und habe dann dort bei einem Restaurant gewohnt und gekocht, griechisch Kochen gelernt.“
„Aber du warst immer noch rastlos. Dann bist du nach London, dann nach Kolumbien. Dort warst du auch einige Jahre.“
„Da war ich fünf Jahre, ja. Dann nach Miami, dann nach L.A.“
„Richtig.“
„Wie kommt es, dass du so viel unterwegs warst oder unterwegs bist?“
„Also, ich habe es lange nicht gesehen, warum es mich auch immer wieder wegzieht. Aber es ist wie so ein Rhythmus in meinem Herzen, dass alle zwei, drei Jahre möchte ich Reißaus nehmen. Egal wo ich gerade wohne und egal wie schön es ist. Und es war das erste Mal in Kolumbien, dass ich das durchbrechen konnte und sagen konnte: „Nein, hier ist es so aufregend und neu und spannend, dass ich das mal nicht brauche.“ Aber ich glaube, dadurch, dass ich als Kind so viel umgezogen bin, war das einfach für mich normal und ich war auch auf der Suche nach einem Zuhause, nach einem Ort, wo ich weiß, dass ich komplett angenommen bin und wo ich mich zu Hause fühle und vielleicht auch die eigene Familie gründen kann usw.“
„Was waren deine weiteren Stationen, nachdem du in Kolumbien warst?“
„Ich war nach Kolumbien noch mal ganz kurz in Miami und dann bin ich nach München für anderthalb Jahre, glaube ich. Oder ein Jahr, weiß ich jetzt nicht mehr. Und dann nach Berlin zurück.“
„Wie war das für dich, jetzt wieder in Deutschland zu sein? Du sagst, nach Berlin zurück. Wohin zurück?“
„Also ich habe meinen 25. Geburtstag in Berlin gefeiert und habe alle möglichen Leute aus der Filmbranche und auch alte Freunde eingeladen, zu diesem 25. Geburtstag zu kommen. Da sind auch 63 Leute gekommen. Es war eine absolute Riesenparty. Und deswegen sage ich so, ich bin zurückgekommen. So habe ich das auch genannt, ich habe gesagt: „Leute, ich war jetzt so lange im Ausland, ich bin jetzt zurück.“ Und das war auch ganz schön. Aber ich habe gemerkt, durch diese Zeit in Kolumbien, wo es ja eine ganz andere Kultur gibt, habe ich trotzdem auch selbst in Berlin nicht so richtig mich zu Hause gefühlt.“
„Und was hast du in Berlin erlebt, dass du dann weiter auf der Suche warst oder weiter nach dem Fragen warst?“
„Das hat sich eigentlich so ergeben, weil so wie ich auch in Miami gefragt wurde oder dann in Erfurt gefragt wurde: „Magst du mal hier mit hinkommen ? Magst du mal da mit hinkommen? “, habe ich das ja auch immer wahrgenommen und gedacht, ich gebe allen eine Chance oder den verschiedenen Religionen eine Chance. Und mich hat dann auf einmal ein Mönch gefragt, der der Bruder eines Arbeitskollegen war, mit dem wir Mittagessen waren. Und ich habe nicht erkannt, dass der ein Mönch ist. Der hat mir das auch nicht gesagt. Aber der hat mich dann eingeladen, meinte, er guckt sich jetzt in Berlin diese eine Gemeinde an, ob ich nicht mitkommen möchte.“
„Gemeinde heißt Kirche?“
„Genau, ja. Genau. Und ich habe dann gesagt. „Naja, warum denn eigentlich nicht? Dann gehe ich mal mit in die Kirche.“ Und das war dann mein erstes Mal wirklich Kirche, ja.“
„Okay, was hast du erlebt? Wie war das für dich?“
„Also erstmal war ich total glücklich mit dieser Entscheidung, weil ich ja woanders auch immer mitgegangen bin. Aber dann plötzlich, an dem Tag, an dem Sonntag, wo ich morgens aufgewacht bin, habe ich plötzlich Muffensausen gekriegt und gedacht: Ja, du kannst doch nicht in die Kirche gehen. Das sind ja alles so Langweiler. Und ich hatte so ein ganz bestimmtes Bild von Kirche, dass das so sehr langweilig, sehr steif und öde und gar nicht herzlich ist. Und da habe ich dann auf einmal so ein bisschen Angst gekriegt und habe irgendwie in dieser Nervosität mich ganz schwarz angezogen, damit ich da ja nicht so zugehörig bin, ich nicht da so zugehöre. Ich wollte es schon so zeigen: Ja, ich gehöre jetzt aber nicht zu so einem langweiligen Club dazu. Ich habe mich dann irgendwie ganz schwarz angezogen und auch so dunkleres Make up und einen Hut aufgesetzt. Also ich wollte mich irgendwie verstecken, aber auch zeigen, ich gehöre jetzt hier nicht offiziell dazu.“
„Okay, bist du dann mit diesem Mönch oder da...“
„Ja, ich bin dann zur Kirche gefahren. Da waren auch 100.000 Leute davor und ich habe mir das ein bisschen von weitem angeschaut und hab den halt gesucht. Und irgendwann sehe ich dann da so einen Typen stehen, mit einem ganz langen Gewand, mit so einem weißen... Ding, Kragen... Kragen, Dings, also das so bis hier geht so ein richtig katholischer Mönch. Und dann habe ich gesehen, das ist ja der Kumpel, der mich eingeladen hat. Und dann wurde mir klar, also so inkognito komme ich ja jetzt hier nicht durch. Ich kann ja nicht mit so nem Mönch in so einem Anzug da jetzt reingehen und glauben, ich würde nicht erkannt werden oder so. Naja, und wir sind dann auch da rein. Innerhalb von fünf Minuten wussten alle unsere Namen und waren total interessiert, was denn jetzt hier die schwarz angezogene Blonde und der Mönch jetzt hier auf einmal machen. Und es war aber ganz doll herzlich. Also ich habe mich ganz doll herzlich willkommen geheißen gefühlt, auch gar nicht verurteilt, dass ich jetzt hier so einen auf Anti mache. Sondern es war wie so ein nach Hause kommen. Schon so ein erstes nach Hause kommen.“
„Bist du da noch mal hingegangen?“
„Ja, ich bin ab dem Sonntag jeden Sonntag hingegangen. Und ich habe dann auch angefangen, mitzuhelfen und länger zu bleiben und habe mich mit den ganzen Leuten angefreundet. Also, es wurde wie ein Zuhause, ja.“
„Das heißt, wenn du zu Hause sagst, dann war das eher so die Beziehungen haben dich angesprochen. Das war schön, mit den Leuten zusammen zu sein, oder was hat dich fasziniert?“
„Ja, mich hat fasziniert, dass man so kommen durfte, wie man ist und dass es kein Problem war. Also ich habe zum Beispiel dann auch den Leuten gesagt: „Ja, ich glaube gar nicht an Gott.“ Und eigentlich hätte ich damit gerechnet, dass die das dann doof finden oder mich nach Hause schicken oder irgendwie drauf reagieren. Aber die waren halt so: Naja, okay. Und eine Freundin hat dann aber zu mir gesagt: „Naja, hast du denn mal nach ihm gefragt?“ Und ich war so: „Hä?! Wie?“. Es war für mich gar nicht klar, dass man Gott was fragen kann oder dass das eine Person ist. Weil ich oft auch in diesem naturwissenschaftlichen Denken gefangen war, nenne ich das jetzt mal, weil ich mich so beschränkt habe. Also Naturwissenschaft ist das einzig Wahre und wenn man das nicht belegen kann... So bin ich ja aufgewachsen, sehr atheistisch und sehr auf Vernunft auf dem Logos. Und jetzt stellte mir halt die Freundin die Frage: „Hast du mal nach ihm gefragt?“ Und das hat irgendwie was in mir ausgelöst. Das hat mein Gottesbild verändert. Gott ist unsichtbar, Gott ist nicht da. Und jetzt sagt... Er ist vielleicht nur Energie. Ja. Ja.“
„Du warst ja auch in buddhistischen Tempeln. Du warst in anderen Tempeln. Und jetzt auf einmal sagt eine Person, dass du fragen sollst. Ja.“
„Okay, was hat diese Frage mit dir gemacht?“
„Ja, das hat erst mal so dieses Bild von mir verändert, dass Gott vielleicht nur eine Energie ist, sondern dass er ja vielleicht eine Persönlichkeit hat und nicht einfach nur Energie ist, sondern dass er ja eine Persönlichkeit hat, die man kennenlernen kann oder mit der man sich in Verbindung setzen kann. Und eine Woche später saß ich im Auto und plötzlich kam diese Frage wieder von ihr: „Hast du denn mal nach ihm gefragt?“ Und dann saß ich da und dachte: Naja gut, die Fahrt ist jetzt noch eine halbe Stunde, dann kann ja immer fragen. Und dann saß ich da und habe gefragt: „Ja Gott, bist du denn da?“ Also das wollte ich fragen. Ich war gerade dabei. Ich habe es auch laut ausgesprochen. Und bei „Gott bist du“, habe ich wie eine Stimme gehört, laut, die gesagt hat: „Ja, bin ich und ich lass dich nie allein.“ Und da habe ich so angefangen zu weinen, so angefangen zu weinen. Ich musste rechts ranfahren, weil mir war bewusst, ich habe mir das gerade nicht eingebildet. Und das war auch nicht mein eigener Gedanke, sondern ich hatte ja diese Frage noch nicht mal zu Ende ausgesprochen und habe schon diese Antwort vernommen. Und plötzlich habe ich realisiert: Es gibt Gott. Er ist echt, der spricht mit mir. Und es ist wahr, was Sie in der Kirche sagen. Genau. Und da habe ich so angefangen zu weinen und auch, dass er gesagt hat: „Und ich lass dich nie allein.“ Das hat ja genau diesen wunden Punkt von mir, diese Frage „Gibt es denn jemanden, der immer da ist?“ beantwortet. Und mir war in dem Moment bewusst, wo er das sagte, dass er mich genau kennt. Dass er meine größte Angst oder meine größte Sehnsucht, ob es da jemanden gibt, der mich wirklich liebt und wirklich die ganze Zeit da sein kann, die hat er beantwortet. Dadurch wusste ich, dass er mein ganzes Leben kennt, dass er mich kennt und das er real ist.“
„Kannst du mir diese Stimme beschreiben, wenn du sagst, das war wirklich laut? Das war da.“
„Ja, ich werde ganz oft gefragt, ob das eine laute, also eine echte Stimme war oder ob das in meinem Kopf war, ein Gedanke. Und ich kann das nicht richtig beschreiben, weil es war für mich wirklich, als ob ich eine laute Stimme höre. Eine echte Stimme im Auto, als ob jemand neben mir sitzt und gerade mit mir sich unterhält. Und so hat es sich auch angefühlt. Ich habe wie eine Präsenz gefühlt, neben mir im Auto. Und das war für mich unglaublich, weil ich aus dieser Welt nicht gekommen bin. Weil ich dafür auch nicht so mental offen für war.“
„Und dann? Was hat das mit dir gemacht? Das heißt, zuerst mal, du musst das rechts ranfahren. Und in dir drin, was hast du gespürt? Was hast du empfunden? Was hast du gedacht?“
„Ja, ich habe gedacht: Wow, es gibt Gott. Und dann der Gedanke: Er kennt mich. Er kennt mein ganzes Leben. Er kennt meine tiefste Sehnsucht. Er kennt mein ganzes Herz. Und deswegen habe ich da erstmal richtig lange geweint und ihm Danke gesagt. Danke, dass er sich mir offenbart hat und dass ich das jetzt verstehe, was Leute in der Kirche sagen. Oder wenn sie beten. So viele Sachen haben plötzlich für mich Sinn gemacht, die ich vorher ja so angeschaut und akzeptiert habe, aber nicht selber verstehen konnte.“
„Hast du noch mit Gott weiter geredet? Noch mal Fragen gestellt?“
„Ja, ganz viele. Ja.“
„Und was für Antworten kamen?“
„Also ich habe ihn zum Beispiel mal gefragt, weil ich ja jetzt nicht so eine christliche Frau als Mutter oder so als Vorbild habe, habe ich ihn mal gefragt: „Wie ist denn eine christliche Frau eigentlich? Ich bin ja nicht als Christin aufgewachsen. Wie muss ich mich denn jetzt verhalten? Muss ich mich jetzt anders verhalten? Wie muss ich denn jetzt sein?“ Und vielleicht habe ich mir diese Frage auch gestellt, weil ich aus diesem Schauspielhintergrund komme. Du bist Künstlerin. So. Dass ich mich frage: Welche Rolle muss ich denn da jetzt einnehmen? Und ich hatte ja dieses ganz verquerte Bild von Christentum, dass alle sehr steif und eher eingeengt sind. Dabei habe ich das ja in dieser Gemeinde als das komplette Gegenteil erlebt. Dass Leute sehr frei sind und auch sehr individuell. Gar nicht alle gleich und langweilig.“
„Und wie hat er geantwortet? Wie hat Gott dir geantwortet?“
„Also ich hatte das gebetet, den einen Abend, habe gesagt: „Ja, kannst du mir bitte ein christliches Vorbild schicken?“ Und ich dachte, er wird mir dann in der Gemeinde zum Beispiel, also in der Kirche einfach jemanden zeigen, irgendeine Frau und sagen: „Häng dich an die dran und mach, was sie macht.“ So habe ich mir das vorgestellt. Aber es war dann so, ich hatte das gebetet und ich war am nächsten Tag bei Rewe einkaufen und dann... Achso, darf ich den Namen überhaupt sagen? Klar. Ich war einkaufen und plötzlich war wie so eine ganz andächtige Stimmung. Und wir haben uns auch alle so ein bisschen an der Kasse so angeguckt, so als was passiert hier jetzt gerade? Und ich war dann gerade dran und dann guckte mich der Kassierer an und meinte: „31,31 € bitte.“ Und ich dachte so: Also vielleicht bin ich jetzt verrückt, aber das ist eine Nachricht von Gott. Und ich habe dann in die Bibel-App „31 31“ eingegeben und es war dann ein Bibelvers über eine Frau. Dann habe ich da draufgeklickt und habe mir anstatt nur diesen einen Satz, das komplette Kapitel angeschaut. Das Kapitel 31?“
„Ja, und das ist Sprüche 31, aus den Sprüchen. Und es ist ein Brief von einer Königin an ihren Sohn, wie sie sich die perfekte Frau für ihn vorstellt. Und ich saß nur da, habe auch wieder ganz doll angefangen zu weinen und mir gedacht: Wow, Gott, du bist so krass. Also wir haben ja eine Beziehung. Du antwortest mir, ich kann dir Fragen stellen, das ist lebendig. Und ich habe diesen Text durchgelesen. Ich hatte Respekt davor. Ich hatte Angst. Ich dachte: Was wird dort jetzt stehen? Was wird von mir erwartet? Und das ist der coolste Text überhaupt. Es ist eine Frau, die hat ihr eigenes Business. Die hat auch ein Mann, und die hat auch Kinder, aber die regelt auch ihr Business. Und sie steht im Leben, die ist einfach eine coole, coole Frau. So willst du auch werden?“
„Ja. Und da habe ich mir gedacht: Das kann ich. Also das möchte ich und das kann ich. Und da hat mir Gott auch gezeigt: Guck mal, ich sehe dich nicht eingeengt und beschränkt. Das hat er mir immer wieder gezeigt, dass dieses Bild, was ich hatte von von Religion nicht dieses ist: Ich muss irgendwelche Sachen erfüllen und ich muss mich einschränken und ich muss mich verbiegen, sondern ich darf so sein, wie ich bin. Und er packt da seinen Segen drauf. Und er hilft mir auch, nicht gegen ihn zu handeln. Du darfst so sein, wie du bist. Du bist Künstlerin, Synchronsprecher, du warst Schauspielerin. Aber du hast auch gemalt, oder du malst?“
„Ja. Hast sehr viel gemalt. Also, die Wohnung war voll mit Malzeugs zu der damaligen Zeit. Und dann passiert es, dass du eines Nachts durch die Wohnung gehst und mit deinen Füßen auf eine von diesen Spachteln, mit denen du gemalt hast, mit denen du die Farbe aufgetragen hast, drauf trittst. Was passiert dann?“
„Also ich male relativ große Bilder. Und ich hatte einen Spachtel, der ist so lang. Also viele stellen sich so ein kleines Ding vor. Aber es war so ein Riesenteil. Das lag auf dem Boden. Da bin ich dran vorbei. Und dann hat das natürlich, ich habe eine Ader getroffen, es hat ganz doll geblutet. Es war ganz eklig. Und am nächsten Tag habe ich einen Kumpel angerufen, der Arzt ist im Krankenhaus, habe ihn gefragt, ob wir uns kurz sehen können, weil er frei hatte. Der hat sich das angeschaut und meinte, ich hätte das gut verarztet. Aber ob ich dann meine Tetanusimpfung hätte? Und ich wusste, die ist zwölf Jahre her statt zehn. Also es war dann klar, man muss jetzt irgendwie auffrischen. Aber er meinte, das ist jetzt auch nicht dramatisch nach zwölf Jahren statt zehn. Genau. Und das hatte ich dann vor. Aber ich muss sagen, zu der Zeit ist ein Traum von mir in Erfüllung gegangen. Ich habe lange Jahre darauf hingearbeitet, in Synchron bestimmte Rollen zu sprechen und ein bestimmtes Level zu erreichen. Und ich habe in der Woche zwei große Kinofilme gesprochen, plus eine neue Serie, wo ich jeweils überall die Hauptrolle gesprochen habe. Und das war ein Pensum, das kann man sich nicht vorstellen. Also da ist man einfach nur jeden Tag in drei verschiedenen Studios, fährt hin und her und arbeitet, wenn man nicht gerade im Auto sitzt. Und ich hatte dann aber zum Glück gesehen, dass zwei Tage später, also am zweiten Tag, nachdem das passiert ist, also am ersten Tag nachdem was passiert ist, war ich bei diesem Kumpel, der meinte, es sieht alles gut aus, aber hol dir die Impfung. Genau, an dem Tag darauf habe ich gesehen, ich habe einen drei Stunden Slot Pause und ich dachte mir: Gut, dann gehe ich da jetzt einfach in die Nähe von dem Studio zu irgendeinem Hausarzt und hole mir diese Impfung ab. Und ich bin dann da auch zum Hausarzt gegangen am nächsten Tag und saß da im Wartezimmer. Und plötzlich hatte ich das Gefühl, dass Gott sagt: „Nein, du musst jetzt in ein Krankenhaus fahren.““
„War das wieder so eine laute Stimme?“
„Ne, das war in Gedanken eher. Okay. Das war wie ein Gefühl. Es hat mich so gezogen und ich wusste genau „Krankenhaus“. Und ich saß dann da und mein ganzer Verstand hat gesagt: Naja, also du bist jetzt schon hier. Das geht ja viel schneller, wenn ich in zehn Minuten dran bin und mir die Spritze gegeben wird, die Impfung gegeben wird, als wenn ich jetzt noch zu einem Krankenhaus muss, wo ich gar nicht weiß hier in der Gegend wo das nächste ist usw. Aber es war so stark dieses Gefühl, dass Gott sagt: „Nein, du musst jetzt in ein Krankenhaus fahren!“ und das Ding ist am Tag davor, als mein Kumpel mich gefragt hatte: „Hast du denn die Tetanusimpfung?“ Da bin ich abends nach Hause und habe gegoogelt, was bedeutet das? Wie sieht das denn aus? Was sind das denn für Symptome? Weil ich möchte ja früh genug mitbekommen, ob ich das habe oder nicht. Und ich wusste, dass sie Symptome sind: Nackensteifigkeit, dass man... Also diese Nackensteifigkeit ist eigentlich so das Hauptding, aber auch Kopfschmerzen usw. Also ich kannte die Symptome und ich hatte nichts davon, gar nichts. Ich habe mich quietsch gesund gefühlt. Es war Sommer, alles super. Und ich habe das dann auch dieser Schwester in der Arztpraxis gesagt: „Ich muss jetzt leider gehen.“ Und sie war ganz besorgt, weil sie meinte: „Nein, sie brauchen diese Impfung, wenn sie da diese Wunde haben.“ Und ich habe dann gesagt: „Nein, ich werde jetzt in ein Krankenhaus fahren.“ Und sie dachte, ich habe einen an der Waffel, weil jeder weiß, in Berlin Krankenhaus, man sitzt da 3 bis 4 Stunden. Und genauso wurde mir das auch gesagt. Ich kam dann da zur Notaufnahme, wurde eigentlich direkt wieder weggeschickt, weil es noch Ende von Corona war. Also da wurden die Eingänge noch bewacht. Wer läuft da jetzt rein? Hat man eine Maske auf? Und mir wurde direkt gesagt: „Ja, sie sind ja gesund. Der Besuchereingang ist da hinten.“ Und ich so: „Nein, nein, ich bin hier für mich, weil ich eine Tetanusimpfung brauche.“ Und auch die am Eingang meinten: „Ja gehen Sie doch bitte zum Hausarzt.“ Und ich musste da ganz viele Stationen irgendwie durchlaufen. Und stark in diesem Glauben bleiben, dass das jetzt stimmt, was Gott mir da sagt.“
„Bist du dann in der Intensivstation oder bist du in die Aufnahme gekommen? Und hast du gesagt: „Ich brauche jetzt meine Impfung.“ Und die haben gesagt: „Sie müssen 3 bis 4 Stunden warten. Das können Sie gerne machen. Hier ist der Wartebereich.“ Und ich hatte dann die Anmeldung. Das heißt, die wussten auch, warum ich da bin. Und nach der Anmeldung saß ich da in dem Wartebereich mit einem Typ mir gegenüber, der einen komplett gebrochenen Arm hatte, also wo ich dachte: Ich sitze hier quietsch gesund und hoffentlich kommt der vor mir dran. So, und dann sitze ich da und plötzlich wurde mir schwindelig und ich konnte meine Hände gar nicht mehr richtig angucken, weil alles so angefangen hat, sich zu verschwimmen. Und plötzlich merke ich, wie es mich auch richtig langsam immer mehr nach hinten zieht. Diese Nackensteifigkeit?“
„So, ja. Also bei Tetanus ist es so, wenn man sich damit angesteckt hat, geht das Bakterium in das zentralen Nervensystem in der Wirbelsäule und schüttet dort ein Gift aus, was den Muskeln sagt, dass sie sich nach hinten zusammenziehen sollen. Und ganz viele Leute sterben dann relativ schnell und auch zu Hause, weil sie sich so doll nach hinten verbiegen, dass sie sich selber das Genick brechen. Also ganz grausam. Und ich merke plötzlich, wie es mich nach hinten zieht und ich wusste: Oh nein, ich hab's. Ich habe das. Und ich konnte gar nichts sagen, weil auch der Kiefer, das wird auch alles ganz steif. Man kann dann nicht mehr richtig sprechen. Es ging ganz, ganz schnell. Es zog mich nach hinten und direkt auch vom Stuhl. Und dann lag ich da auf dem Boden und sehe nur, wie so der Typ mit dem gebrochenen Arm auch Ärzte gerufen hat und geschrien hat: „Wir brauchen jetzt hier jemanden.“ Und dann kamen die auch direkt mit so einer Liege und haben mich da abgeholt. Aber ich wurde dann von den Schmerzen, weil es einen so doll nach hinten zieht erst mal bewusstlos und bin dann in so einem Untersuchungsraum aufgewacht. Genau. Und dort waren ganz viele Ärzte um mich rum, die die Klamotten vom Leib gerissen haben, die mir einen Zugang gelegt haben, die mich angeschrien haben: „Wo ist denn jetzt die Wunde?“ Und ich so: „Naja, das ist die da am rechten Fuß, dieser Schnitt.“ Und der war aber zwei Zentimeter groß, der war nicht entzündet. Da war gar nichts zu sehen. Der war sehr tief, aber der war nicht entzündet. Und deswegen meinten die: „Da muss noch irgendwo eine andere Wunde sein.“ Und ich hatte am linken Fuß von einer neuen Sommersandale so eine Blase, die offen war, und da war ich mir nicht sicher, ob die jetzt entzündet ist oder nicht, weil da ein Pflaster drüber war. Genau. Und das waren beides ganz, ganz kleine Wunden und keiner konnte sich erklären, wie das dann so heftig, gleich und so schnell passieren konnte eigentlich.“
„Wussten die Ärzte, was sie machen, wenn jemand mit Tetanus infiziert ist und das Gift ausgeschüttet wurde? Wussten die denn, was sie zu tun haben?“
„Ja, das ist lustig, dass du das fragst. Weil als ich da lag und aufgewacht bin und die sich angeschrien haben und die Klamotten usw., da kam dann so ein Arzt und hat mir so auf die Schulter gefasst und hat so versucht, mir Frieden zu geben und meinte: „Frau Peters, sie sind hier in ganz guten Händen. Wir haben alles unter Kontrolle.“ Drehte sich weg und schrie ins Telefon: „Ja, Charite, wir haben hier einen Tetanus Fall und das hatten wir noch nie. Wir haben keine Antikörper.“ Sodass dann die Charite einen Helikopter losgeschickt hat, einmal über Berlin, um diese Antikörper zu liefern. Die wirken aber leider erst nach drei Tagen. Das heißt, ich war dann drei Tage noch dieser Krankheit ausgesetzt und die haben es dann versucht, in den Griff zu bekommen mit den Krämpfen, die auch immer mehr und immer heftiger und immer länger wurden, indem sie mir Muskelrelaxans und alle möglichen Sachen gespritzt haben.“
„Und das war so anstrengend, dass dein Körper irgendwann ausgestiegen ist?“
„Genau das zweite Stadium, wenn dieses Bakterium dich nicht mit dem Nackenbruch umlegen kann, dann ist das zweite Stadium multiples Organversagen. Und das hat sich bei mir dann schon angedeutet, dass die Lunge nicht mehr richtig mitgemacht hat. Ich habe nicht richtig Sauerstoff mehr bekommen. Das heißt, ich wurde dann erst mal beatmet.“
„Hast du das mitbekommen, sowas?“
„Ich weiß noch, an dem zweiten Tag in dem Krankenhaus. Von dem ersten Tag weiß ich ab diesem OP-Tisch da nichts mehr, weil die haben mich dann ja auch operiert und die Wunden ausgeschnitten. Aber ich bin nachts einmal aufgewacht und hab dann nur vor mir an der Wand eine Uhr gesehen, mit einem Kreuz daneben. Und ich wusste gar nicht, dass das ein evangelisches Krankenhaus war, in dem ich war und habe mich so gefreut, dieses Kreuz zu sehen, zu wissen, ich bin wieder nicht alleine und bin dann eingeschlafen. Und am nächsten Tag haben mich Freunde besucht und so, da weiß ich aber nur bedingt was von. Und dann wurde es immer schlechter. Dann kam das Organversagen?“
„Dann kam das Organversagen, ja. Und da hat sich dann das Krankenhaus entschieden, mich in die Charite zu verlegen, mit so einem speziellen Intensivtransport und mich auch schon leicht zu sedieren, weil sie wussten, wenn man jemanden in so ein leichtes Koma legt, dann sinkt die Körpertemperatur und dadurch verlangsamt sich die Ausbreitung vom Bakterium. Genau. Das Organversagen hatte begonnen und du bist gestorben.“
„Ich bin dann in diesem Intensivtransport gestorben. Das erste Mal, ja. Herzstillstand. Ja. Und mit Reanimation und allem Drum und Dran. Also ich weiß noch, dass ich da lag in diesem Intensivtransporter und geschaut habe. Und dann saß da der eine Arzt, der war am Handy und noch eine Ärztin. Die hat dann auch gesehen, dass ich so sie anschaue und hat mir das Bein gestreichelt und mir erklärt: „Wir fahren jetzt in die Charite.“ Und dann war ich eigentlich entspannt. Und plötzlich, so beim Rumgucken, merke ich, dass die Geräusche, also diese Maschinen und das Auto, dass das alles immer leiser wurde und immer leiser und immer leiser. Und plötzlich habe ich nichts mehr gehört. Und dann habe ich einen Herzschlag gehört. Bum, bum, bum, bum, bum, bum. Und da hat sie dann schon, ich habe die Augen aufgemacht und da hat sie dann schon auf das EKG geschaut, weil sie das mitbekommen hat, dass das Herz langsamer wird. Und plötzlich merke ich, dass diese Beatmung, die ich schon hatte, dass trotzdem, trotz der Beatmungsmaschine, irgendwie kommt da was nicht an, meine Lunge macht wie zu. Ich weiß nicht, warum ich das wusste, aber ich habe das einfach gespürt. Da geht was vorbei. Und plötzlich“
wurde mir bewusst: Okay, ich glaube, das ist Sterben. Ich sterbe gerade. Und ich fand das so schön, dass ich mir aussuchen durfte, ob ich mich dem hingeben möchte oder ob ich sage: „Nein, ich kämpfe jetzt.“ Und ich war...
Dadurch, dass ich nicht als Christ aufgewachsen bin, habe ich immer gedacht, dass wenn ich eines Tages sterbe, dass ich dann denken werde: Naja gut, Himmel gibt es gar nicht. Es war alles Quatsch. Aber wenigstens hatte ich ein schönes Leben mit diesem Glauben. Ich war mir manchmal sicher, dass das vielleicht so wird, obwohl ich diese Stimme im Auto schon gehört habe, obwohl ich schon so viele Abenteuer mit Gott erlebt habe. Das kommt einfach manchmal.
Und ich finde es so unglaublich, unbeschreiblich, ober krass, dass ich in dem Moment, wo ich wusste, das ist jetzt sterben, wusste: Es gibt ein Leben nach dem Tod. Ich gehe einfach nur vor. Und ich komme jetzt zu Gott. Und C.S. Lewis hat mal gesagt: „Wir sind keine menschlichen Wesen, die eine spirituelle Erfahrung machen, sondern wir sind spirituelle Wesen, die eine menschliche Erfahrung machen.“ Und genau so habe ich das verstanden. Ich habe gewusst: Ah, eigentlich bin ich Seele. Und ich habe jetzt diese Erfahrung machen dürfen, in einem Körper auf der Welt zu sein. Aber jetzt gehe ich nach Hause, wo man eigentlich hingehört. Und das fand ich so schön, dass ich mich dem hingegeben habe.
Ich habe die Augen geschlossen und dann war ich auch schon draußen. Ich habe dann neben meinem Kopf gestanden, auf meinen Körper runtergeschaut, gesehen, wie sie aufgesprungen ist. Er ist aufgeschrieben. Die haben sich angeschrien, er hat mir was gespritzt, dann haben die mich versucht zu reanimieren usw. Sie hat mir ins Gesicht geschlagen und gesagt: „Frau Peters, sie müssen jetzt aufwachen. Sie müssen mitmachen.“ Und ich habe einfach nur daneben gestanden und gehofft und geschrien und gebetet, dass ich nicht zurück muss. Weil in dem Moment, wo ich diesen Körper verlassen habe, ich keine Schmerzen mehr hatte. Und diese Schmerzen von Tetanus, die sind extrem. Es ist wirklich dadurch, dass das ja an den Nerven Nervengift ist, das sind solche Schmerzen, wie ich sie noch nie in meinem Leben erlebt habe. Und ich war einfach nur dankbar, dass ich das nicht mehr aushalten musste.
Und ich habe danach... Haben die dich zurückgeholt? Haben die es geschafft. Ja. Die haben mich kurz zurückgeholt und da hat sie auch mich noch mal so ganz doll angeguckt und gesagt: „Sie müssen jetzt mitmachen.“ Und ich habe nur mit dem Kopf geschüttelt. Und dann habe ich gebetet: Gott, lass mich gehen. Und dann war ich noch mal draußen und dann war ich wirklich weg. Dann war ich nicht mehr in diesem Intensivtransport. Also wenn ich jetzt sage „Ich“, meine ich meine Seele. Ich war nicht mehr dort. Ich war wie in einem schwarzen Nichts und habe gewartet, dass man mich jetzt irgendwie abholt und zum Himmel bringt. Also ich war mir klar, ich muss jetzt hier irgendwie abgeholt werden. Und so war es dann auch.
Was ist passiert? Ich habe plötzlich... Ich habe erst mal meinen Seelenkörper angeschaut, weil ich fand das so interessant. Ich habe einen Körper aus Licht gehabt. Ich konnte Adern durchschimmern sehen, die verschiedene Farben hatten. Alles war pastell. Ich sah ganz, ganz schön aus. Ich hatte ganz lange Haare und war so vital und glücklich und energetisch wie noch nie. Aber es war in dieser Dunkelheit? Ja. Aber das sind alles so ganz... Wenn ich das erzähle, klingt es so lang. Aber es sind eigentlich immer nur so ganz schnelle Momente. Und ich schaute diesen glitzernden Körper an und plötzlich merkte ich, dass es von rechts so warm wurde. Und ich habe geschaut. Und dann habe ich auf einmal wie eine riesige, fünf Fußballfelder große, riesige, leuchtende Hand gesehen, die gekommen ist und mich aufgehoben hat. Und in dem Moment, wo er mich aufgehoben hat, also Gott, wo ich hier so ganz klein stand, so vor ihm, sind alle meine Wunden, aller Schmerz, den ich noch von der Welt so kannte, Verletzungen, auch emotionale Verletzungen, es ist alles wie so zugewachsen und geheilt. Und ich stand da und plötzlich ging so dieses schwarze Nichts auf, wie so ein Portal, also ich finde kein besseres Wort für diesen Vorgang, dass es so aufbricht und sehe dahinter eine andere Welt. Und das war der Himmel. Und ich habe so angefangen zu weinen, weil ich wusste: Das ist mein Zuhause. Ich muss hier bei Gott sein. Bei Gott werden alle Wunden geheilt. Aller Schmerz ist weg. Aller Schmerz. Körperlich, seelisch, geistlich. Alles, was es gibt. Keine Fragen mehr. Man hat auch wie ein Allwissen. Man versteht plötzlich alle möglichen Sachen, wo man sich immer gefragt hat: Wie kann das und das passieren? Nein, plötzlich weiß man alles. Durch diesen Kontakt mit Gott, weil er einem das so schenkt.
Bist du dann in diese Richtung gegangen? Naja, ich stand hier so auf der Hand und dann ist das so aufgebrochen. Ich sehe diesen Himmel und ich fange an zu weinen, weil das der schönste Ort ist, den ich je in meinem ganzen Leben gesehen habe. Was hast du gesehen? Wie sah der Himmel aus? Also ich habe jetzt nichts im Detail gesehen, sondern es war wie so eine Welt von weiter weg. Und ich habe aber gesehen: Glückliche Gestalten, Lichtgestalten. Ich wusste, das sind Leute, die schon tot sind. Lichtgestalten. Die Farben waren ganz intensiv, ganz krass. Es war nicht zu heiß, nicht zu kalt. Es gab keine Zeit. Das war für mich das Verrückteste. Also ich wusste, wenn ich da durchgehe und in dieser neuen Welt bin, dann ist es für mich dort ein Wimpernschlag und plötzlich seid ihr auch alle tot und seid da. Ich muss nicht warten. Ich werde da nicht sitzen auf einer Wiese und warten, bis ihr kommt, sondern alle sind da. Weil es keine Zeit gibt. Ich habe plötzlich verstanden Raum und Zeit, das ist eine Sache der Erde oder des Universums, das wir kennen. Aber im Himmel gibt es das nicht. Und das hat mir auch diesen Mut gegeben. Plus dass es so schön war. Der schönste Ort. Es gibt dort auch Bäume. Es gibt dort auch Tiere, aber die sehen halt noch mal alle anders aus. Gott ist so kreativ, der kann sich immer wieder neue Sachen ausdenken. Das ist Wahnsinn.
Ja, und weil ich realisiert habe, dass es dort keine Zeit gibt, konnte ich auch ruhigen Gewissens da reingehen. Weil ich wusste, sobald ihr alle dort seid und das wird für mich relativ schnell sein, werdet ihr sehen, wie schön und perfekt es dort ist, dass es keine Schmerzen gibt, keine Sorgen, nichts Negatives einfach, aber auch nicht so, dass es zu perfekt und langweilig ist, sondern einfach aufregend und wundervoll. Und ich wusste, wenn ihr das erlebt, dann werdet ihr auch verstehen, warum ich vorgegangen bin. Weil ich stand schon auch vor diesem Portal und war mir bewusst, was ich zurück lasse. Ich hatte meine Freunde vor Augen, meine Familie vor Augen, meine Wohnung. Ich wusste, da müssen sich jetzt andere Leute drum kümmern, wenn ich nicht wiederkomme. Aber ich wusste, wenn ihr das seht, was ich gerade sehe, dann werdet ihr mir verzeihen, dass ich vorgegangen bin. Und dann wird keiner böse sein. Und dann hast du den Schritt... Für mich wird es sogar ja noch schneller sein als für euch. Und ich weine und denke in Gedanken: Ja, da möchte ich jetzt hin. Und plötzlich höre ich Gottes Stimme und die sagt: „Nein, das ist keine Option.“ Und dann bin ich so traurig geworden, weil ich dachte: Warum zeigst du mir das dann? Warum lässt du mich das sehen? Warum lässt du mich diese Erfahrung machen, wenn ich da nicht hin darf? Und er meinte dann so: „Ja, komm mal mit.“ Und dann sehe ich nur in diesem schwarzen Nichts Die Erde ganz, ganz klein und wir sind auf die zugeflogen. Und ich dachte nur so: Ne, jetzt muss ich... Jetzt schickt er mich direkt zurück, oder wie? Also das geht nicht. Und ich habe einfach nur geweint. Aber ich hatte so viel Ehrfurcht auch vor Gott. Ich habe zum Beispiel auf dieser Hand mich nie umgedreht und ihn angeschaut, weil ich so viel Ehrfurcht hatte. Weil ich verstanden habe, dass er das Alpha und Omega, also, wie sagt man das? Der Anfang und das Ende? Ja. Der ewige Gott. ... Der ewige Gott ist. Da dreht man sich nicht um und sagt: „Naja, ich möchte da jetzt aber reingehen.“ Mit dem diskutiert man nicht. Man hat so viel Respekt, so viel Ehrfurcht, aber so viel Liebe, die er für einen hat.
Dann fliegst du auf die Erde zu? Ja. Und deswegen habe ich nur geweint und wusste, ich muss jetzt zurückgehen. Und in dem Moment, wo wir dann immer dichter auf die Erde zu sind, habe ich die Augen zu gekniffen und mich einfach nur so ganz klein gemacht, weil ich dachte: Ich möchte das nicht. Ich hatte richtig Bauchschmerzen bei dem Gedanken Ich muss jetzt zurück in diesen schrecklichen Körper. Und plötzlich spürte ich so, dass wir in Wasser eintauchen. Ich mache die Augen auf und habe wie so das Great Barrier Reef gesehen. Und Gott war wie so ein Lichtschwall neben mir. Und dadurch, dass Gott bei mir war, sind die ganzen Fische gekommen. Und ich habe die ganzen 1.000 bunten Fische, die ich immer mal sehen wollte in meinem Leben, habe ich in echt gesehen und musste irgendwie lachen. Und dann, im nächsten Moment saß ich plötzlich unter einem Zitronenbaum und habe diese Zitronen gerochen in Italien und hinten so einen Jungen mit seinen Ziegen gesehen und die Sonne hat auf meinen Lichtkörper geschienen. Und ich habe diese Wärme der Sonne gespürt. Und dann, im wieder nächsten Moment, sind wir über die Anden oder eine Berggletscherkette geflogen. Und ich habe diese monströsen, riesigen Gletscher gesehen. Und da habe ich es dann verstanden, weil auch diese Sachen gingen ja ganz schnell und da habe ich dann verstanden: Okay, ja, du hast die Erde auch schön gemacht. Nicht nur der Himmel ist schön. Aber was mache ich dann mit dem ganzen Leid? Und er wusste genau, dass ich mit dieser Frage nicht nur mein eigenes Leid meine, wenn ich aus dem Krankenhaus aufwache. Weil ich wusste ja alles. Es war ja nicht, dass das jetzt alles wegradiert und super toll ist. Sondern ich wusste, ich lass meine Freunde zurück. Ich wusste, ich lass Familie zurück. Ich wusste, wo meine Wohnung ist. Man weiß noch alles. Aber das Leid. Aber das Leid, genau. Und er meinte dann: „Du wirst eine schnelle Heilung haben. Ich werde bei dir sein. Also du musst keinen langen Leidensweg mehr haben. Es wird schnell gehen. Ich werde bei dir sein. Ich werde dir Kraft schenken. Du bist nicht allein. Und genau das möchte ich auch für andere.“ Weil meine Frage bezog sich nicht nur auf mein Leid, sondern auch auf das Leid von der Welt. Wenn man sich anschaut, wie die Welt ist. So hat er mir dann halt gesagt, er ist für mich da, aber er will auch für andere da sein, wenn die durch schwere Zeiten gehen. Und klar, das wusste ich schon. Das weiß man auch, wenn man die Bibel liest. Aber es ist noch mal für mich eine ganz andere Erfahrung gewesen, das von ihm zu hören als Versprechen, persönlich.
Und im nächsten Moment bist du zurückgekehrt in deinen Körper, in deinen Leib? Im nächsten Moment bin ich aufgewacht und hatte die Arme, also man liegt ja so und habe die Augen so ganz leicht geöffnet und habe neben mir eine Schwester gesehen, die mich gerade gewaschen hat. Und die hat dann mitbekommen, dass ich.. . Also sie wusste jetzt nicht, ist sie wach oder nicht? Aber hat dann halt einfach mit mir gesprochen, mir gesagt, wo ich bin und dass sie mich jetzt waschen. Und danach gibt es dies und das und ich wäre in Sicherheit und dann bin ich schon wieder eingeschlafen. Und dann habe ich geschlafen. Also einfach im Koma gelegen, dreieinhalb Wochen. Und als ich wieder aufgewacht bin, war das Erste, was der eine Arzt zu mir gesagt hat, dass die ersten fünf Tage ich komplett leblos war. Dass ich dauernd gestorben bin. Dass sie mich dauernd fast verloren hätten. Dass sie richtig krass um mich kämpfen mussten, die ersten fünf Tage. Dass es so schwer war, weil ich dann noch eine Lungenentzündung hatte, weil ich Thrombose in zwei Arm hatte. Also mein Zustand war so dermaßen schlecht, dass sie jedes Mal meiner Familie gesagt haben: „Verabschieden Sie sich gut, es kann wirklich das letzte Mal sein.“ Und er meinte, am fünften Tag wäre plötzlich Leben wieder da gewesen. Und das war der Tag, wo ich diese Schwester gesehen habe, die mich gewaschen hat. Und er hat mir das erzählt, ohne dass ich ihm von meiner Nahtoderfahrung erzählt habe. Und ich habe ihn nur angeguckt und so doll geweint und gesagt: „Ja, ich war auch weg. Ich war wirklich nicht mehr da.“ Und er so: „Ja, das glaube ich Ihnen. Sie waren nicht mehr da.“ Ich fand das so krass, dass man das von außen auch so wahrgenommen hat, was ich erlebt habe.
Bist du dann wieder schnell gesund geworden? Gott hatte dir das ja eigentlich zugesagt. Ja. Also es war nicht einfach, aber er hat mir auf jeden Fall die Kraft gegeben, das durchzustehen. Und ich war dann innerhalb von zehn Tagen draußen. Nein?! Was ein Weltwunder ist. Ja. Du hast ein Tracheostoma. Deine Lunge hatte versagt, deine Organe waren am Versagen. Und dann... Nach zehn Tagen, ja. Also, das war ein absolutes Wunder. Ich habe, wie du schon sagst, ich hatte hier diesen Schnitt, den Luftröhrenschnitt mit der Beatmungsmaschine drin. So bin ich ja auch aufgewacht. Und die haben mir dann gesagt, ich muss das erstmal noch drin behalten, ein paar Tage. Und ich habe dann nur... Also ich konnte ja nicht sprechen mit der Maschine da drin und gesagt: „Nein, das möchte ich heute raus haben.“ Und dann hatten wir dieses Gespräch, von dem ich gerade erzählt habe. Dann diese zehn Tage, Wie waren die für dich? Du bist ja quasi zurückgekehrt in eine Welt, in deinen Körper, wo die ganzen Schmerzen da waren, voller Medikamente und du wusstest nicht, wie es weitergehen würde. Also ich muss sagen, das war tausendmal besser, als der Moment, wo ich gegangen bin. Weil da war wirklich mein Körper komplett ruiniert und sie haben mich schon sehr weit aufgepäppelt in dieser Koma-Zeit. Aber ich musste ja von dieser Sedierung, die sie mir gegeben haben und von diesen krassen Schmerzmitteln auch wieder runterkommen. Und da gibt es Krankenhäuser, die machen das über mehrere Wochen und dann gibt es Krankenhäuser, die machen das schnell, schnell. Und bei mir war es leider diese schnell schnell Variante. Das heißt, ich habe dann erstmal noch die ersten sieben Tage einen ganz krassen Entzug durchgemacht und musste wieder laufen lernen, musste Essen lernen. Also diese ganze Koordination hat irgendwie gar nicht mehr gestimmt. Ich hatte auch wieder Logopädie, damit ich lerne wieder zu sprechen, weil ich das so lange nicht benutzt habe. Aber das ist die körperliche Seite und innerlich, wie ging es dir innerlich? Ich meine, habe ich richtig verstanden? Gott hat zu dir gesagt: „Das ist der Himmel, aber das ist keine Option für dich.“ Noch nicht. Okay, keine Option. Was hat das mit dir gemacht in diesen Tagen, wo du noch im Krankenhaus warst? Erst war ich total glücklich, zurück zu sein und zu merken, mein Körper tut nicht mehr so doll weh wie am Anfang. Und dann schlich sich aber auch durch diesen Entzug so eine ganz extreme Depression ein. Und auch, dass ich gemerkt habe, ich war vorher, bevor diese Sache passiert ist, war ich fünfmal die Woche joggen. Jeden Morgen. Und plötzlich wache ich in diesem Körper auf, wo ich acht Kilo weniger hatte, meine Muskeln fast alle weg sind und ich bei jedem Schritt, den ich gehe, total krasse Gelenkschmerzen habe, in den Füßen und in den Knien und in der Hüfte, weil ich ja alles erst mal wieder aufbauen musste. Und das war wirklich schlimm. Es war schon erstmal so, dass ich auch zurückwollte, zurück in den Himmel. Als ich gemerkt habe... Ich war ja kurz happy nach dem Aufwachen. Und als ich aber gemerkt habe, wie krass ruiniert mein Körper jetzt auf eine andere Weise ist und ich so depressiv geworden bin, da war es so, dass ich mir auch einfach gewünscht habe, tot zu sein. Und ich habe das auch vielen erzählt. Ich habe gesagt: „Ich war im Himmel. Warum musstet ihr mich denn zurückholen?“ Das heißt, das hat dich sogar belastet, dass du am Gesundwerden bist? Ja, schon. Weil es war so in dem Moment, wo ich auf der Hand von Gott war, war ich 4 Meter groß, voller Energie, voller Lebenskraft, Power. So fit war ich noch nie in meinem Leben. Und dann werde ich wieder so zurückgequetscht in diesen 1,70 Meter großen Körper voller Schmerzen. Nein. Also jeder, der diese andere Seite erlebt hat, möchte doch zurück. Also es kann mir keiner erzählen, dass er sich dann freut, wieder auf der Welt zu sein.
Wie ordnest du das denn ein, wenn du das den Leuten erzählst? Halten die dich für verrückt oder halten die dich jetzt, das ist eine von diesen Christinnen, die völlig abgedreht ist? Oder wie ordnen die das ein? Und wie ordnest du das ein? Also für mich ist es die absolute Wahrheit, weil ich weiß, dass jede Erinnerung, die ich an meine Kindheit oder an letzte Woche habe, egal welche Erinnerung, ist nicht so wahr und reell wie dieses Erlebnis. Das war so echt wie nichts anderes in meinem Leben. Das heißt, ich kann da gar nicht dran zweifeln, dass es nicht passiert ist. Und ich würde mich auch nicht in eine Fernsehsendung setzen und darüber sprechen, wenn ich nicht absolut davon 100 % überzeugt wäre, dass ich das erlebt habe. Aber ich habe das auch in der Reha Menschen erzählt, weil ich dachte, ich mache den damit Mut, die mich ausgelacht haben oder sich über mich lustig gemacht haben. Ich habe schon auch viel Gegenwind erfahren. Aber dadurch, dass es für mich so real ist, möchte ich das einfach teilen. Und auch Menschen, die jemanden verloren haben oder wo sie selber nicht wissen, wie ihre Krankheit ausgeht, möchte ich einfach sagen, dass da noch was kommt. Und ich weiß, dass wenn man Gott fragt und sagt: „Ich möchte, dass du mir hilfst.“ Sei das jetzt im Alltag oder gerade in der Situation, wo ich sterbe, dann kommt er und macht das.
Wie ordnest du diesen Satz von Gott ein, als du ihn gefragt hast: „...und das ganze Leid?“ Ja und er antwortet: „Ich bin bei dir.“ Und du weißt genau, er meint nicht nur dich, sondern auch das Leid, was sonst in dieser Welt gibt. Ich habe ja in dieser Heilungsphase, wo mir eigentlich am Anfang, als ich aufgewacht bin, gesagt wurd: „Sie müssen jetzt 2 bis 3 Monate im Krankenhaus bleiben und sich wieder aufpäppeln.“ Und daraus wurden zehn Tage. Das heißt, ich habe ein Wunder erlebt, wie Heilung sein kann. Und es gibt eine Krankenakte dazu. Ja. Und wie Genesung ablaufen kann. Das heißt, wenn er sagt: „Ich möchte auch für andere da sein.“, dann kann ich dir jetzt nicht versprechen, dass sie auch in zehn Tagen aus dem Krankenhaus raus sind. Aber ich weiß, dass er einem die Kraft gibt, egal was kommt, durchzustehen. Weil die Kraft hatte ich jeden Tag.
Würdest du sagen, dass man Gott kennenlernen kann, auch ohne so eine besondere Nahtoderfahrung? Ja. Und wie. Wie geht's am schnellsten? Einfach nach ihm fragen. Wie meine Freundin gesagt hat. Einfach nach ihm fragen. Einfach mal beten. Beten bedeutet für mich, ich setze mich hin und unterhalte mich mit Gott. Das ist für mich Beten, nichts anderes. Ich verfolge keine Regel. Und ich mache nichts anderes. Ich sage einfach: „Gott, ich bin jetzt hier. Ich möchte von dir hören. Ich erzähle dir das und das von mir.“ Du hast erzählt, dass du diesen Gott kennengelernt hast. Und dir ist klar geworden: Er ist immer bei mir. Und er hat dir eine Frage beantwortet, die du schon als Kind, als Jugendliche irgendwann mal gestellt hast: Gibt es irgendjemanden, der immer bei mir ist ? Da war aber auch noch dieser Gedanke damals: Vielleicht meine Familie, mein echtes Zuhause könnte Familie sein. Wie beantwortest du jetzt die Frage nach dieser Erfahrung? Also er hat mir ja einen Mann geschenkt. Ich bin jetzt mittlerweile verheiratet. Herzlichen Glückwunsch. Danke. Und hab aber auch ganz tolle Freunde durch Kirche. Also ich habe nicht nur Menschen jetzt an meiner Seite, die wirklich da sind und auf die ich zählen kann zu 100.000 %, sondern ich habe ja auch erlebt, dass Gott einfach wirklich in jeder Situation da ist. In der Situation, wo ich einfach Auto fahre oder eben mal frage, wie eine christliche Frau ist oder noch fünf andere Fragen, die ich schon mal hatte, aber halt auch in so einer Krankheitssituation. Also ich weiß einfach, ich kann auf Gott bauen. Und das, egal wie einsam ich mich auch manchmal fühle. Für mich ist es so, sobald ich mich einsam fühle oder allein fühle oder mal so einen Moment für mich habe, ist das für mich auch immer gleich so ein Raum, den ich Gott schenken möchte. Und bisher war er immer da, wenn ich das gemacht habe.
Jetzt hast du erzählt, du saßest im Auto, dann kam diese Stimme und dann hast du diese Nahtoderfahrung. Was hast du über Gott gelernt? Sowohl in den einen als auch in anderen Situationen. Naja, dass er liebevoll ist und großzügig, dass er immer erreichbar ist und auch Momente, wo er vielleicht nicht direkt akustisch antwortet oder so, spüre ich trotzdem, dass er da ist und weiß, dass er da ist. Also ich weiß, dass man sich auf ihn verlassen kann zu 100.000 % und dass alle Versprechungen, die auch so in der Bibel stehen: Ich lasse dich nie allein. Ich bin immer für dich da. Ich hüte dein Herz. Ich bin deine erste große Liebe. All diese Dinge stimmen. Und ich finde, das ist das Schönste, was ich gelernt habe, dass es Gott wirklich gibt.
Die Ronja im Himmel war ja quasi krass gesund, groß und wurde jetzt in einen Körper wieder gepresst. Lebst du eigentlich gerne in dieser Welt? Mittlerweile ist es so, dass ich mich so freue, dass ich noch mal diese neue Chance habe, diese Erd-Erfahrung einfach noch mal so richtig aufzusaugen und zu erleben und auch bewusst zu erleben. Ich glaube, ich habe immer sehr viel gearbeitet. Und jetzt mir viel mehr Zeit auch zu gönnen, raus in die Natur zu gehen, mir anzuschauen, welche Pflanzen und verrückten Tiere Gott alle gemacht hat, das ist einfach wunderschön. Und das heilt mein Herz. Und das zeigt mir wirklich, dass die Welt ja auch nicht so schlimm ist, wie wie ich gedacht habe.
Ich trau mich jetzt mal eine Frage zu stellen, die so als eine der größten Fragen bezeichnet wird: Was ist der Sinn des Lebens? Was ist der Sinn deines Lebens? Für mich ist der Sinn des Lebens absolut, dass man Gott kennenlernt, weil Gott das höchste Wesen ist. Und ich glaube, wir Menschen sehnen uns danach, sich mit dem Höchsten in Verbindung zu setzen, weil wir wissen, wir können sich auf ihn verlassen. Da ist Weisheit. Da ist Frieden. Da ist Liebe. Und ab dem Moment, wo ich das gemacht habe, wo ich mich Gott zugewendet habe und ihn in mein Leben gelassen habe, ist mein ganzes Leben aufgeblüht. Alle meine Beziehungen sind aufgeblüht, mein komplettes Leben ist aufgeblüht. Ich bin aufgeblüht. Diese Erfahrung zu machen und weiterzugeben, das ist für mich der Sinn des Lebens. Krass. Ronja, vielen Dank, dass du heute hier bist. Danke schön. Es hat mich sehr gefreut. Danke, gleichfalls. Danke dir.
Eine Beziehung zu Gott beginnt selten so spektakulär wie mit einer Nahtoderfahrung. Für Ronja fing es auch viel früher an, mit einer einfachen Frage: Gott, bist du wirklich da? Gott ist auch für dich nur ein Gebet weit entfernt. Versuch's mal, sprich mit ihm. Alles Gute dir. Und bis bald.