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Mr. President! In 14 Minuten werden Atomraketen unser Land treffen. Ich weiß, dass es Ihr erster Tag im Amt ist und ich werde Ihnen alles erklären, aber Sie sind der Einzige, der einen nuklearen Gegenschlag autorisieren kann und uns bleiben nur noch wenige Minuten!
Wie Sie wissen, ist die Lage in den letzten Tagen eskaliert. Die heutige Übung der Luftverteidigung begann wenige Minuten bevor wir den Raketenabschuss bemerkt haben. Vielleicht nur ein Missverständnis. Wir vermuten, der plötzliche Angriff soll unsere Atomstreitkraft möglichst neutralisieren. Das ist jetzt aber egal - Raketen sind in der Luft und wir können sie nicht alle abschiessen. Warum? Weil interkontinentale ballistische Raketen quasi ins All geschossen werden, bevor sie über ihrem Ziel wieder in die Atmosphäre eintreten und mehrere Gefechtsköpfe freisetzen. Sie fliegen höher und schneller als alles, was wir ihnen entgegensetzen könnten. Sie müssen jetzt in den Bunker!
Was wir wissen: Vor vier Minuten entdeckten unsere neuen Infrarot-Überwachungs-Satelliten einhundertzwölf Explosionen, die zu einem Abschuss von Interkontinentalraketen aus dem feindlichen Territorium passen. Es scheinen nur 20 von ihren 80 unterirdischen Atomraketensilos gefeuert zu haben, wir vermuten also, dass das meiste mobile Trägersysteme waren, Sie wissen schon: Lastwagen mit großen Raketen drauf. Es ist unklar, warum nicht alle Silos genutzt wurden - vielleicht funktionieren sie nach über 30 Jahren einfach nicht mehr, oder wurden extra als Reserve zurückbehalten. Im Nebel des Krieges ist vieles unklar.
Das Luft- und Raumfahrtkommando geht davon aus, dass die Raketen unsere Atomkommandozentralen, Raketensilos und die Hauptstützpunkte der Luftwaffe und der Marine anvisieren. Dann ist dieser Krieg vorbei, bevor wir überhaupt reagieren konnten. Die strategische Doktrin des Feindes priorisiert militärische Ziele und unsere Atomwaffen, aber als danach werden sie unsere Industrie und Infrastruktur angreifen - Ölraffinerien, Kraftwerke und Tiefseehäfen, alles in der Nähe von großen Ballungsräumen. Die genauen Opferzahlen werden wir erst in ein paar Wochen kennen. Einige Millionen könnten heute durch Explosionen und Verbrennen sterben. Gerade herrscht Berufsverkehr. Für die Menschen im Stau können wir nicht viel tun. Großstädte können wir nicht wirklich evakuieren, aber es wurden Notfallanweisungen gesendet, an Ort und Stelle Schutz zu suchen, weg von Fenstern. Die Strahlenbelastung verschonter Ballungsräume ist stark vom Wetter der nächsten Wochen abhängig. Bis zum Monatsende könnte es dutzende Millionen Tote geben.
Innerhalb der nächsten paar Minuten können wir noch reagieren. Sie. Müssen. Entscheiden! In unseren Raketensilos, Bombern und U-Booten haben wir 1500 Atomsprengköpfe. Die 400, die sich in Silos befinden, müssen wir jetzt abfeuern, bevor sie vernichtet werden. 46 atomwaffenfähige Bomber sind in höchster Alarmbereitschaft und könnten in 2 Minuten abheben - wollen wir sie einsetzen, müssen wir das aber jetzt anordnen, damit sie aus dem Detonationsradius gelangen. Von unseren 14 Atom-U-Booten sind aktuell 5 auf See. Abgetaucht sind sie unauffindbar. Das ist unser Plan B für einen nuklearen Vergeltungsschlag, sollten wir unsere Silos und Bomber verlieren. Mit ihnen könnten wir versuchen, die verbliebenen feindlichen Raketensilos zu zerbomben, bevor sie sie nutzen können. Je schneller Sie das anordnen, desto besser steht die Chance, einen weiteren Schlagabtausch nach unserem Gegenschlag zu verhindern.
Neuigkeiten! Der Radar bestätigt, dass die feindlichen Atomraketen die Brennphase beendet und die Gefechtsköpfe abgesetzt haben. Wir schätzen, dass jede Waffe mindestens 6 Wiedereintrittskörper freisetzt, insgesamt etwa 600. Das ist der Teil, der beim Endanflug auf das Ziel einen Gefechtskopf zurück in die Atmosphäre bringt - und dazu noch jede Menge falsche Köder, aufblasbare Ballons, die Flugabwehrraketen anlocken sollen. Es gibt jetzt fast 4000 mögliche Ziele. Unsere antiballistischen Raketen sind gestartet und in fangen in wenigen Minuten ihre Ziele ab. Wir tun unser Bestes, um die Hauptstadt zu schützen, aber es gibt keine wirkliche Verteidigung. Moment… teilweiser Radar-Ausfall bestätigt. Unsere Systeme wurden gestört. Der Feind hat wahrscheinlich vorausgesehen, dass wir Abfangraketen starten würden, und hat einige Gefechtsköpfe in großer Höhe detoniert. Das ionisiert die Atmosphäre, was unser Radar stört. Die Abfangraketen sollten immer noch funktionieren, bei unseren Tests hatten sie eine Erfolgsrate von 55 %, aber nie mit so vielen Ködern oder so starker Radarstörung. Vielleicht schießen wir 50 Objekte ab, aber es gibt keine Garantie, dass es sich dabei um Gefechtsköpfe handelt. Die meisten der Bomben werden wohl durchkommen.
Letzte Chance für einen Gegenangriff. Wir haben keine Zeit mehr. Unsere Raketen-Abschuss-Sequenz dauert 5 Minuten. Wir müssen einen Abschussbefehl senden und bestätigen, und die Waffen brauchen Zeit, um aus dem Detonationsradius der herankommenden Raketen zu gelangen. Das ist viel zu verarbeiten, aber der Plan steht, Sie müssen nur noch die Autorisierungscodes eingeben und den Knopf für die Übertragung drücken. Sie können nichts tun, um mehr unserer Leute zu retten. Wenn Sie jetzt nicht feuern, wird dieser Krieg vorbei sein, bevor er begonnen hat - Sie verstehen, dass das unsere einzige Chance ist?
Die Folgen? Zivile Opfer auf der Gegenseite sind schwer zu schätzen, aber vermutlich ähnlich wie bei uns - ein paar Millionen jetzt und dann einige zehn Millionen bis zum Ende des Monats. Der radioaktive Niederschlag könnte einen nuklearen Winter auslösen und vielleicht Milliarden Menschen töten - aber das könnte auch passieren, wenn wir nicht zurückschlagen. Sie haben sicher viele Fragen, aber Sie müssen jetzt Befehle geben. Bei einem Angriff dieser Größenordnung gibt es keine Garantie, dass unsere Kommunikationskanäle oder unsere Anlagen in ein paar Minuten noch funktionieren. Wir haben keine Zeit mehr. Sie müssen entscheiden, Sir. Können. Wir. Feuern?
Atomkriege sind keine normalen Kriege. Sie dauern nur wenige Minuten, und in Krisenzeiten können kleine Konflikte schnell außer Kontrolle geraten. Von kleinen Kommunikationsverzögerungen über Sensorfehler bis hin zur bloßen Unsicherheit und dem Nebel des Krieges führen dazu, dass kein Staatsoberhaupt je vollständig durchschaut, was in so einer Krise passiert. Die Anspannung, Unfälle oder Missverständnisse können Staatsoberhäupter - selbst solche mit guten Absichten - dazu bringen, einen Atomangriff zu starten. Eine einzelne verwirrte Person mit ungenügender Information - ja, es braucht wirklich nur EINE einzige Person! - kann die Entscheidung treffen, hunderte Millionen Menschen zu töten und Zivilisationen zu beenden, in der Zeit, die es dauert, ein Youtube-Video zu schauen.
Diese Geschichte ist erfunden, aber die Welt kam schon mehrmals gefährlich nah dran. 1995 entdeckte das russische Radar eine von einem U-Boot abgeschossene Rakete. Die Atomstreitkräfte wurden in höchste Alarmbereitschaft versetzt - dabei handelte es sich um eine Forschungsrakete, die Nordlichter untersuchen sollte. 1979 meldeten US amerikanische Computer einen ausgewachsenen sowjetischen Angriff mit nur wenigen Minuten Zeit, darauf zu reagieren - dabei handelte es sich um ein Trainingsprogramm, das fälschlicherweise geladen wurde. 1983 zeigten sowjetische Frühwarnsatelliten fünf Interkontinentalraketen aus den USA - aber es war ein Fehlalarm durch von Wolken reflektiertes Sonnenlicht. Während der Kubakrise schloss ein sowjetisches U-Boot, nachdem es mehrere Tage keinen Kontakt zu Moskau aufnehmen konnte, dass der Atomkrieg begonnen hatte und wollte einen Atomtorpedo abfeuern. Zum Glück musste das von drei Offizieren bestätigt werden, und einer, Vasily Arkhipov, war dagegen. Aber was, wenn nicht?
Jede Sicherheitsmaßnahme kann versagen, egal, wie sorgfältig sie ausgearbeitet wurde. Und aktuell wird entschieden, neue Waffen und Waffensysteme zu bauen, was die Welt für ein weiteres Jahrhundert in eine nukleare Pattsituation befördert, jetzt noch komplizierter mit China als neuer nuklearer Supermacht. Atomwaffen einfach als unvermeidbar zu akzeptieren, könnte bedeuten, dass auch ihr Einsatz unvermeidbar ist. Aber das muss nicht sein. Selbst winzige Schritte, die Demontage einer Bombe nach der anderen, führen letztlich zu einer Welt ohne Atomwaffen. Zum Höhepunkt des Kalten Krieges gab es weltweit über 70.000 Atomwaffen. Dank Verträgen zur Abrüstung sind es heute noch etwa 12.500. Fortschritt kann nicht garantiert werden, ist aber auch nicht unmöglich. Regierungen und das Militär sind nicht losgelöst von ihren Nationen. Sie sind Teil von ihnen, wie du und ich. Du hast die Macht, Forderungen an deine Staatsoberhäupter zu stellen, und das beginnt oft damit, dass dir ein Problem bewusst ist. Möchtest du mehr dazu erfahren, findest du in der Videobeschreibung und unseren Quellen verschiedene Infos dazu.