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Interessant, es gibt sogar einige, die sich verschlossen anfühlen, weil man die Blätter und die Erhöhung am Ende spürt. Einem Gemälde ganz nahezukommen oder es gar anzufassen – normalerweise ist das tabu. Aber im Van Gogh Museum in Amsterdam hat man sich etwas einfallen lassen, damit auch blinde Menschen wie Kimberly Kunst erleben können. Wenn ich es selbst fühlen oder hören kann, kann ich mir mein eigenes Bild machen.
Was passiert, wenn man in einer Ausstellung die Kunstwerke auch fühlen, riechen und hören kann? Das ist der Rahmen. Wow! Viele Details. Ich erinnere mich ein bisschen an diese Rahmen. Aber das hier ist besser als eine verschwommene Erinnerung. Er ist wirklich elegant.
Im Van Gogh Museum Amsterdam können Menschen Kunst mit mehreren Sinnen erleben. Kimberly besucht gemeinsam mit anderen Blinden zum ersten Mal diese Ausstellung. Hallo, willkommen. Ich dachte, ich fange mal hiermit an. Ich habe hier eine kleine Skulptur vom Kopf von Vincent Van Gogh. Die basiert auf seinen Selbstporträts. Mit beiden Ohren oder einem? Mit beiden Ohren! Es ist merkwürdig. Normalerweise berühr’ ich keine Gesichter. Nein, das ist mir klar! Wenn ich es beschreiben müsste: Es fühlt sich übergriffig an.
Ich habe meine ganze Kindheit lang sehen können. Als ich etwa 15 oder 16 war, hatte ich einen schweren Unfall, bei dem ich einen Schlag auf den Hinterkopf bekam. Jetzt bin ich vollständig blind, nehme aber noch Licht und Schatten wahr. Ich finde toll, dass es sich wie ein Gemälde anfühlt, nicht so glatt wie normalerweise ein Gesicht. Als Kimberly noch nicht blind war, hat sie Van Goghs Gemälde schon einmal gesehen. Aber daran erinnert sie sich kaum. Mein Gedächtnis funktioniert nicht bildlich, sondern über andere Sinne. Aber ich weiß, dass es da ist. Ich weiß, wie es schmecken oder sich anfühlen sollte.
Dieser Geruch wurde entwickelt, um einen Eindruck von dem Werk zu vermitteln. Es riecht sehr süß, fast wie Limonadensirup. Ein bisschen blumig, vielleicht eher wie Vanille. Auch Berend ist zum ersten Mal in der Van-Gogh-Ausstellung. Er ist von Geburt an blind. Ich würde den Geruch in dieser Intensität nicht mögen. Aber im Hintergrund wäre er ziemlich angenehm. Der süße Geruch soll den Eindruck erwecken, unter einem blühenden Mandelbaum zu stehen.
Der originalgetreue 3D-Druck darf angefasst werden. Die Äste erinnern mich an alte Hände. Ja, an die Knöchel oder so. Du erspürst viele Details. Dafür sind meine Hände da. Das sind meine Augen. Wenn die nicht funktionieren, werden sie durch etwas anderes ersetzt.
Die reguläre Ausstellung richtet sich weiterhin in erster Linie an sehende Menschen. Die Führung zum Riechen und Tasten muss im Voraus gebucht werden. Emine Turan koordiniert das Bildungsprogramm und die Führungen für Menschen mit Behinderung. Sie verdienen es genauso, Kunst zu erleben. So können wir ihnen das ermöglichen. Es ist nicht immer einfach, solche Programme zu entwickeln. Man braucht jemanden im Museum, der sich engagiert für Barrierefreiheit einsetzt.
Die Führung im Van Gogh Museum ist nur eine von mehreren Möglichkeiten, wie blinde Menschen Kunst erleben können. So hat beispielsweise der sehbehinderte Pianist Bobby Goulder für sieben bekannte Gemälde jeweils ein eigenes Musikstück komponiert, Titel: „Sound of a Masterpiece“. Sehr, sehr ruhig. Es klang wirklich, als ob ich in der Natur gewesen wäre. Es hört sich nach einem Frosch an, der über Wasserlilien springt. Diese Komposition verkörpert Claude Monets „Wasserlilien-Teich“. Ganz neu war für mich die Brücke, von der ich noch nichts gehört hatte. Eine Brücke im japanischen Stil, die sich über das Wasser wölbt. Es war wirklich wunderschön.
So kann ein Gemälde zu viel mehr werden als nur zu einem Bild. Wir vergessen, dass es so viel gibt, was wir fühlen, riechen und hören können. Das gilt nicht nur für uns oder mich, sondern für alle. Wenn Kunst mit verschiedenen Sinnen rezipiert werden kann, kann sie zum Erlebnis für alle werden – für Menschen mit und ohne Behinderung.