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Trade Republics Aufstieg - und das EU Verbot, das alles ändert

AUFGEBAUT!17:02

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Trade Republic ist das wertvollste Startup Deutschlands, aber das System, mit dem es groß geworden ist, hat die EU verboten. 10 Millionen Kunden, 150 Milliarden Euro Kundenvermögen, rund 10.000 neue Kunden jeden einzelnen Tag. Die Wahrscheinlichkeit ist verdammt hoch, dass auch du diese App auf deinem Handy hast. Sie haben den elitären Aktienmarkt aufgebrochen und eine ganze Generation die Tür zum Kapitalmarkt aufgestoßen.

Das hier ist die wahre Geschichte hinter Trade Republic von drei Gründern, die von einer der größten Direktbanken Deutschlands selbst groß gezogen und dann fallen gelassen wurden. Von einer App, die dich in den wichtigsten Momenten hängen lässt und von einer Vollbanken-Offensive, die dein komplettes Finanzleben umklammern will. Um das eigene Geschäftsmodell zu retten, greift der Broker zum radikalsten Mittel und baut sich im Hintergrund einfach selbst seinen eigenen Handelsplatz. Wer bei diesem Milliarden-Poker wirklich gewinnt, die Antwort darauf entscheidet die Zukunft darüber, ob du der Gewinner am Aktienmarkt bist oder einfach nur das Produkt.

2015 Christian Hacker, Investment Banker bei Bank of America Merrill Lynch und studierter Philosoph, kündigt seinen Job. Er holt den Physiker Thomas Pitschke dazu. Auf einem Hackathon stößt Marco Cancellieri zum Team, ein junger Medieninformatiker. Der Plan: das elitärste Geschäft Europas aufbrechen. Was kaum jemand weiß: Trade Republic ist nicht in einer Studenten-WG entstanden, sondern im Bauch des Establishments.

Ende 2015 bewerben sich die drei bei der Startup Garage der Comdirect, einer der führenden Direktbanken Deutschlands. Sie werden angenommen. Als erstes Fintech-Team überhaupt. Büros, Infrastruktur, bis zu 10.000 € für Marktforschung. Monatelang dürfen sie hinter die Kulissen blicken, wie es ihnen als unbekannte Gründer sonst niemand erlaubt hätte. Sie sehen, wie eine Bank wirklich Geld mit Aktien verdient, welche Firmen zwischen Kunde und Börse sitzen, wer an jeder Order mitverdient und an welchen Stellen Profite abgeschöpft werden, von denen der Anleger nichts ahnt. Unter dem Namen Cocktail Trade, später NeonTrading, coden sie im Dunstkreis der Bank an genau der App, die das bequeme Geschäftsmodell ihrer Gastgeber später frontal angreifen wird. Die Comdirect hat den Neobroker-Trend eigentlich gar nicht verpennt.

Und dann kommt Tag X. Die drei Gründer treten vor den Comdirect-Vorstand. Nach Aussagen von Insidern verhandeln sie über ein Investment im einstelligen Millionenbereich. Peanuts für ein Milliarden-Konzern. Die Comdirect hat die exklusive Chance, sich für Kleingeld die Zukunft zu sichern. Die Anzugträger winken ab. Die Begründung: zu teurer Einstiegspreis für ein paar Jungs mit einer App. Heute ist Trade Republic 12,5 Milliarden Euro wert. Die Comdirect wurde 2020 komplett von der Commerzbank geschluckt. Die ganze Bude war am Ende keine 1,8 Milliarden Euro wert. Die drei Jungs bauen heute ein Unternehmen, das sieben Mal höher bewertet wird als ihr damaliger Gastgeber.

Nach der Absage stehen die Gründer vor dem Aus. Die Kassen sind leer. Das Debakel droht zu sterben, bevor es überhaupt gestartet ist. 2017 rettet Ingo Hillen das Trio. Der Chef der börsennotierten Düsseldorfer Sino AG, eigentlich ein winziger Broker für Profi-Trader, investiert zunächst rund 600.000 €. und übernimmt damit teilweise sogar die Mehrheit am jungen Unternehmen.

Mit dem Start der App Anfang 2019 geht alles durch die Decke. Das Versprechen: Aktienhandel für einen Euro. Zu einer Zeit, als andere Banken gerne mal 9,90 € Mindestgebühr verlangten. Das Ergebnis ist ein Bruch mit der deutschen Sparkultur. Zehn Trade Republic Kunden investieren zum ersten Mal überhaupt. Schauen wir uns mal die Dimension an: Die Deka, das Wertpapierhaus aller deutschen Sparkassen, verwaltet 452 Milliarden Euro, aufgebaut in 7 Jahrzehnten. Trade Republic steht bei 150 Milliarden, aufgebaut in 7 Jahren. In diesem Tempo holen die Berliner die Deka in wenigen Jahren ein. Aber wer zahlt eigentlich die Rechnung dafür, dass 10 Millionen Menschen für 1 € handeln können? Es ist nicht Trade Republic und es bist auch nicht du, wahrscheinlich. Wenn ein Finanzprodukt scheinbar nichts kostet, wer zahlt dann wirklich die Rechnung?

Die Antwort hat einen Namen: Payment for Order Flow. Wenn du in der App auf "Kaufen" drückst, passiert etwas Spannendes. Deine Order rast exklusiv an die Lang & Schwarz Exchange, ein außerbörsliches Handelssystem. Lang & Schwarz ist keine klassische Börse. Sie sind ein Market Maker. Sie verkaufen dir die Aktie aus dem eigenen Bestand mit einem kleinen Aufschlag auf den echten Marktpreis. Diesen Aufschlag nennt man Spread, und den zahlst du bei jedem Trade, ohne dass es wie eine Gebühr aussieht. Und jetzt kommt der Trick: Für das Privileg, deine Order ausführen zu dürfen, zahlt Lang & Schwarz eine Rückvergütung an Trade Republic, einen sogenannten Kickback. In einem konkreten Testkauf von Finanzfluss sah die Rechnung so aus: Trade Republic kassiert deine 1 € Gebühr und bekommt zusätzlich 4,50 € Rückvergütung vom Market Maker. Macht 5,50 € Umsatz pro Trade. Bei Millionen von Trades pro Monat wird daraus eine gigantische Geldmaschine. Wie gigantisch? Zeitweise ein Drittel aller Erträge von Trade Republic kamen aus diesem Modell. Zuletzt noch ein Viertel. Ein Viertel des gesamten Geschäfts aus einer einzigen Quelle. Daraus entsteht ein Interessenskonflikt, der bis heute nicht aufgelöst ist: Leitet Trade Republic deine Order dorthin, wo du den besten Preis bekommst, oder dorthin, wo sie die höchste Rückvergütung kassieren?

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat rund ein Drittel aller Transaktionen an den Payment for Order Flow Plattformen untersucht. Solange du unter 2.000 € in einen DAX investierst, fährst du mit dem Modell oft sogar besser. Warum verbietet die EU dann überhaupt dieses Modell? Die offizielle Antwort lautet: Verbraucherschutz. Die echte Antwort hat einen Namen, und der steht nicht in Berlin, er steht in Frankfurt. Jede Order eines Neobroker-Kunden ist eine Order, die an der deutschen Börse vorbeiläuft. Millionen junge Anleger, die zum ersten Mal in ihrem Leben investieren, und die Börse, deren Name seit Jahrhunderten für Aktienhandel in Deutschland steht, sieht von diesem Geld keinen einzigen Cent. Die Neobroker haben gegen das Verbot gelobbyt, aber sie waren in einer anderen Liga als ihre Gegner. Die etablierten Börsen gaben ein Vielfaches für EU-Lobbyarbeit aus. Hacker selbst sprach später von einem Riesenerfolg für Monopolbörsen, die sich verbraucherfreundliche, günstige Konkurrenz vom Leib halten wollten. Die harte Deadline für ihr Geschäftsmodell ist der 30. Juni 2026.

Wenn der Trick mit der Rückvergütung nur ein Viertel der Einnahme erklärt, wo verstecken sich dann die anderen drei Viertel? Die erste: dein 1 €. Die Handelsgebühr, die du selbst zahlst. 10 Millionen Kunden, die millionenfach im Monat auf "Kaufen" drücken, daraus wird ein fast genauso dicker Brocken wie die Payment for Order Flow Maschine. Die zweite: Kickbacks von ETF-Anbietern. Deine ETF-Sparpläne kosten dich nichts für dich, aber BlackRock, Amundi, Vanguard und die anderen zahlen Trade Republic dafür, dass ihre ETFs in der App besparbar sind. Wieder rund 30%.

An diesem 30. Juni verdampft ein Viertel der Einnahmen. Klingt überschaubar, aber genau dieses Viertel ist die Margenmaschine, die das ganze Modell trägt. Sie wird per EU-Beschluss abgeschaltet. Das Fundament, auf dem alles steht, wackelt. Der Angreifer wird zum Gejagten.

Und bevor die EU zuschlägt, kommt der erste Schlag aus einer ganz anderen Richtung, aus der eigenen App. Januar 2021, der GameStop-Wahnsinn. Die Aktie eines fast vergessenen Videospielhändlers explodiert auf absurde Höhen. Millionen Kleinanleger weltweit reiten auf der wohl verrücktesten Welle der Börsengeschichte. Stell dir vor, du bist dabei. Du hältst rund 20 GameStop-Aktien. Dein Depot zeigt über 250 € pro Stück, fast 5.000 €. Du willst verkaufen, Gewinn mitnehmen, der Trade deines Lebens. Du drückst auf "Verkaufen", Fehlermeldung. "Handel zurzeit nicht möglich." Du versuchst es noch mal, Fehlermeldung und noch mal Fehlermeldung. Draußen explodiert der Kurs auf über 400 €. Du kannst nur zuschauen. Gefangen im eigenen Depot. Am Abend schließt die Aktie wieder unter 170 €. Trade Republic hatte an diesem 28. Januar den Kaufstopp verhängt. Die erste Begründung: Kundenschutz. Einen Tag später wechselt der Broker die Erklärung. Plötzlich geht es um Stabilität des Handels. Für viele Anleger war es ein finanzielles Disaster. Ein Ausrutscher in einer wilden Ausnahmesituation. Das dachten viele, aber GameStop war kein Unfall.

Bei strahlendem Sonnenschein rennt die Trade Republic App perfekt, aber wenn der Sturm kommt, wenn die Märkte beben und jede Sekunde über tausende Euro entscheidet, friert der Bildschirm gerne mal ein. Auch im April 2025, als globale Zinsorgen die Märkte erschütterten, stürzt die App erneut ab. Aber das ist nur die sichtbare Spitze. Lange hatte Trade Republic darauf gesetzt, dass Bots im Support ausreichen. Keine Hotline, keine Menschen am Telefon. Das war die Idee. Aus ihrer Perspektive war das konsequent: maximale Effizienz, koste was es wolle. In der Praxis flog ihnen das um die Ohren. Du vertraust einem der wertvollsten FinTechs Europas deine Ersparnisse an. Aber wenn dir beim Depot-Übertrag plötzlich Aktien fehlen oder Kriminelle dein Konto attackieren, durftest du jahrelang mit automatisierten Chatbot-Textbausteinen diskutieren. Keine Hotline, kein direkter Ansprechpartner.

Der Druck wird zu groß, das PR-Disaster zu laut, und dann tut Hacker das Unerwartete. Er kapituliert vor der Realität. Er stoppt im September 2025 andere Großprojekte. 6 Monate lang arbeitet das Unternehmen an nichts anderem als dem neuen Service. Ein hoher zweistelliger Millionenbetrag fließt rein. Das Ergebnis: über 1.000 echte Service-Agenten, 24/7 Telefonsupport. Die KI fliegt beim Kundenservice raus. Hacker, der sonst selten Fehler einräumt, gibt zu, man habe Fehlentscheidungen gemacht, die er persönlich zu verantworten habe. Nur ist die Rechnung dafür happig. Trade Republic fleht damit ein Stück von dem, was es mal zum Disruptor gemacht hat, und wird ein Stück normaler. Ein Stück mehr Bank, weniger Rebell. Ein fetter neuer Kostenblock frisst die ohnehin hauchdünne Marge des 1-Euro-Aktienhandels weiter auf.

Hacker hat sich längst zu einem Chef entwickelt, der seinen eigenen Laden wie ein Uhrwerk zerlegt. Über 320 Kennzahlen, jede einzelne einem verantwortlichen Mitarbeiter zugeordnet. Jede Abweichung sichtbar. Wenn eine Zahl kippt, kippt sie vor den Augen aller, und Hacker ist innerhalb von Minuten im Team-Chat. Antwort wird sofort erwartet.

Denn der Kundenservice war nur der Vorbote. Während Hacker hinter den Kulissen aufräumt, baut er vorne heraus längst ein zweites Trade Republic. Eins, das nicht mehr nur Aktienbroker sein will. Die meisten FinTechs scheitern an einem einzigen Produkt. Trade Republic baut in 2 Jahren ein ganzes Finanzökosystem: eine eigene Debitkarte, ein Girokonto mit eigener IBAN für dein Gehalt, ein Krypto-Wallet und als absoluten Clou Private Equity. Die Anlageklasse, die jahrzehntelang nur elitären Millionären offenstand, gibt es plötzlich ab 1 € in der App.

Zwei dieser Produkte stechen heraus. Der erste Clou: die Visa-Karte mit dem Safe Pack. Im Januar 2024 launcht Trade Republic eine Debitkarte, die den Markt aufmischt. Auf jeder Kartenzahlung bekommst du 1 % zurück, automatisch investiert in deinen ETF-Sparplan. Während traditionelle Banken Kontoführungsgebühren verlangen, zahlt Trade Republic dir faktisch Geld fürs Geld ausgeben. Der zweite Clou ist noch wuchtiger: die Zinsen. 2 %, dann 4 %. Während sich viele Filialbanken weigern, die EZB-Zinserhöhung weiterzugeben, bricht Trade Republic das Schweigekartell. Binnen Wochen fließen Milliarden an frischem Cash in die App.

Klingt nach einem fairen Deal, aber wo landet das Geld eigentlich wirklich? Trade Republic hat eine Vollbanklizenz. Sie könnten ein Tagesgeld auf die eigene Bilanz nehmen, damit handeln, Selbstkredite vergeben. Macht Hacker aber nicht. Stattdessen packt der Berliner Profi-Geld bei den ganz Großen: JPMorgan, Deutsche Bank, in Geldmarkt-Fonds von BlackRock. Trade Republic zieht den Fluss, zieht seine Marge und trägt selbst kaum Bankrisiko. Aber dieses elegante Modell hatte einen Konstruktionsfehler, nicht ein Produkt in der Werbung. Trade Republic verkauft dir die Zinsen so, als wäre dein Geld dort wie auf einem Sparbuch durch die Einlagensicherung geschützt. Bei Geldmarkt-Fonds stimmt das schlicht nicht. Anfang 2025 verklagt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg den Broker wegen Irreführung. Stiftung Warentest wirft das Konto aus dem Tagesgeldvergleich. Eine bittere Abreibung, gerade für einen Anbieter, der von Vertrauen lebt.

Trotzdem, wenn man sich die nackten Zahlen ansieht, wird klar: Die Strategie geht auf. Allein die Visa-Karte wurde bis Anfang 2025 von rund 2 Millionen Kunden angefordert. Das verwaltete Vermögen explodiert von 35 Milliarden Euro Anfang 2024 auf 150 Milliarden Euro Ende 2025. Die Kundenzahl verdoppelte sich allein 2024 von 4 auf 8 Millionen und durchbricht im September 2025 die 10-Millionen-Marke. Und die Wirkung auf den Rest der Branche: Netto 3,1 Millionen neue Wertpapierdepots wurden 2024 in Deutschland eröffnet. 2,8 Millionen davon gingen an Trade Republic. 90 %. Und Trade Republic schreibt schwarze Zahlen. Drei Geschäftsjahre in Folge Gewinn, rund 35 Millionen Euro 2024. Für 2025 deutet sich laut Branchenberichten ein dreistelliger Millionengewinn an.

Bald bricht ein Viertel der Einnahmen weg. Das Fundament, auf dem all das steht, verschwindet. Was machst du, wenn ein wichtigstes Geschäft per Gesetz illegal wird?

Es ist der 23. Januar 2026. Ein unscheinbarer Eintrag in der BaFin-Datenbank. Eine neugegründete Tochterfirma von Trade Republic bekommt die Erlaubnis zum Betrieb eines multilateralen Handelssystems. Übersetzt: Trade Republic darf ab jetzt selbst Börse spielen. Wie ernst ist Hacker damit? Ein Indiz: eine Personalie, die in der Branche für offene Münder gesorgt hat. Im Februar 2025 wechselt Carsten Lütge Bornefeld von Lang & Schwarz nach Berlin. Ausgerechnet der Mann, der dort jahrelang das gesamte Tradinggeschäft verantwortet hat.

Was passiert konkret, wenn Trade Republic seinen eigenen Handelsplatz hochfährt? Kundenorders müssen nicht mehr nur weitergereicht werden. Trade Republic kann den Handelsplatz selbst kontrollieren, Market Maker selbst auswählen und rückt damit näher an den unsichtbaren Teil des Geschäfts: den Spread. Die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Genau dort entsteht im Wertpapierhandel ein Teil der Marge. Was früher bei externen Partnern wie Lang & Schwarz lag, rückt plötzlich direkt in die Trade Republic Welt.

Aber die Konkurrenz rüstet längst nach. Die Deutsche Börse hat von dem Payment for Order Flow Verbot nicht nur profitiert, sie ist längst zum Gegenangriff übergegangen. Frankfurt hat die Xetra-Handelszeiten bis 22 Uhr abends verlängert. Genau in das Zeitfenster, in dem Trade Republic Kunden auf der Couch sitzen und handeln. Die Kampfansage ist eindeutig: Die Deutsche Börse marschiert direkt in Trade Republics Wohnzimmer ein.

Und ausgerechnet die Comdirect. Die Direktbank, die Trade Republic vor 10 Jahren aus ihrer eigenen Startup-Garage hat ziehen lassen, schlägt am 17. Februar 2026 zurück. Mit dem Pur-Depot stößt Comdirect die Ordergebühren auf exakt 1 €. Exakt das Modell, dass sie vor 10 Jahren für Peanuts hätten kaufen können. Heute kopieren sie es verzweifelt.

Aber Trade Republics Flucht nach vorn auf den eigenen privaten Marktplatz wirft eine Frage auf, die das ganze Modell definiert: Wenn Trade Republic künftig an seinen nächsten Kauf direkt mitverdient als Market Maker auf der eigenen Plattform, sind sie plötzlich Platzwart, Schiedsrichter und Spieler in einer Person. Wer kontrolliert die Spielregeln, wenn der Schiedsrichter selbst ein finanzielles Interesse daran hat, wer das Spiel gewinnt? Du, der Kunde, oder die Margenkasse des Pokers?

Drei Gründer aus einem Comdirect-Inkubator haben in 10 Jahren das geschafft, woran die deutschen Großbanken jahrzehntelang gescheitert sind. Sie haben das verstaubte Sparbuch beerdigt. Sie haben einer Generation, die nie in eine Filiale gegangen wäre, die Tür zum Aktienmarkt aufgestoßen. Trade Republic ist nicht mehr der freche Außenseiter, der einfach niedrige Preise hatte. Sie sind das Establishment, das wertvollste Startup Deutschlands.

Was diese Konstruktion am Ende bedeutet, hängt nur von einem ab: davon, wie scharf du als Kunde hinschaust. Solange der, der die Aktie verkauft, auch deinen Preis festlegt, bist du in diesem System nicht nur mehr der Kunde, du bist auch das Produkt.

Das war aufgebaut. Macht's gut. Bis zum nächsten Mal. M.