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Benimm Check Kulturen | Galileo Lunch Break

Galileo9:40

Transcription

Wir bleiben bei fremden Kulturen, allerdings in Deutschland. Hier leben über 7 Millionen Ausländer, verschiedene Nationen, andere Sitten, andere Bräuche. Da kann man ganz schön schnell ins Fettnäpfchen treten. Warum man Briten nicht die Hand geben sollte und man französisches Baguett nicht mit dem Messer schneidet. Hier kommt unser [Musik] binimcheck.

Fettnäpfchen lauern überall, nicht nur beim Einkaufen im Asialaden oder im griechischen Imbiss um die Ecke. Auch eine Einladung zum türkischen Abendessen kann böse enden. Wie rette ich mich aus peinlichen Situationen? Das erfahren Sie hier und zwar von diesem Mann. Stil-Trainer und Knigge-Experte Jan Schaumann kennt die kulturellen Stolperfallen. Er weiß, wie man sich benehmen muss, damit die Völkerverständigung reibungslos klappt. Insbesondere im Ausland, aber natürlich auch in Deutschland lauern Fettnäpfchen im Umgang mit anderen Kulturen und es gibt verschiedene Regeln, auf die man achten sollte.

Daniel will heute Mittag für seine Freunde kochen. Er hat auch schon eine Idee: ein internationales Menü. Also, als erstes ab zum Griechen. Viel zu viel Auswahl, aber Daniel darf probieren. Sehr gut. Unser "Knutschfinger" gerade angerichtet hat, was bei uns Zeichen für "sehr gut" oder "in Ordnung" ist, bedeutet in vielen Ländern etwas völlig anderes. Da sollte man gerade mit diesem Zeichen aufpassen, das kann nämlich schnell ins Auge gehen. Klar, denn Daniel hat die Griechin soeben als Arschloch beschimpft. Also, ganz schnell zahlen und raus hier. 5 Euro. Jetzt beleidigen Sie mich noch mal. Insbesondere in Griechenland gilt die offene Handfläche in Gesichtshöhe als absolute Beleidigung. Deswegen sollte man grundsätzlich in südlichen Ländern aufpassen, was man mit seinen Händen anstellt. Noch schlimmer als diese, na ja, sagen wir mal missverständliche Geste, ist die "Muza". Die geöffnete Handfläche. Sie ist die heftigste Beleidigung in Griechenland und heißt so viel wie "Ich verachte dich".

Stolperfallen lauern in vielen Kulturen. Zeichen und Mimik bedeuten oft etwas anderes als bei uns. Das hier ist in Afghanistan, im Irak und im Iran der Stinkefinger und eine vulgäre Beleidigung. In Brasilien und Kanada ist das ein positives Zeichen und heißt "Viel Glück". Diese Rockergeste erklärt einem italienischen Mann, dass ihn seine Frau betrügt. Seinem Gegenüber direkt in die Augen zu starren ist in Asien absolut verpönt. Das gilt als unhöflich und aggressiv. Direkten Augenkontakt sollte Daniel also bei seiner Shoppingtour im Asia-Geschäft tunlichst vermeiden. In dem Meer aus asiatischen Köstlichkeiten muss er sich erstmal zurechtfinden und er hat keine Ahnung, was er kochen soll. Fisch mag er nicht und wo ist überhaupt die Sojasoße? Am besten einfach der Asiatin folgen. Plötzlich juckt Daniel die Nase. [Musik]

Niesen und Schneuzen gilt in vielen asiatischen Ländern als grobe Beleidigung und ausgesprochen unhöflich. Wenn einem die Nase juckt oder man merkt, dass der Nieser nah ist, sollte man möglichst den Raum verlassen oder sich zumindest abwenden. Nur wie sollte man sonst machen? Wie bei uns ins Taschentuch niesen? Am besten auch nicht. Oftmals wird gesagt, man zieht einfach hoch. Schneuzen mögen die Asiaten also nicht. Dafür spucken sie lieber gleich in die Ecke. Das ist völlig normal. In unserem Kulturkreis definitiv extrem eklig. Für Daniel eine verkehrte Welt. Er versteht nur Bahnhof. Er macht erstmal ein kleines [Musik] Päuschen.

Daniel's Sitzposition gefällt der Chinesin gar nicht, denn auch dafür gibt es klare Regeln. Kein Wunder, dass die Dame sich so aufregt. Mit übereinandergeschlagenen oder ausgestreckten Beinen da zu sitzen, mit der Fußsohle auf andere Menschen zu zeigen, gilt in vielen asiatischen Ländern als ausgesprochene Beleidigung, denn die Fußsohlen sind das Niedrigste und gelten als unrein. Beine überschlagen und ausstrecken, egal wohin, das ist bei uns völlig normal. In Asien dagegen verpönt. Also aufpassen, wie man sich hinsetzt. Und so geht's richtig: die Beine nicht überschlagen und die Füße parallel nebeneinander mit der Fußsohle nach unten abstellen.

Auf dem Heimweg macht Daniel noch einen kurzen Abstecher zu seinem türkischen Kumpel. [Musik] Mhmet, hier gibt es gerade Mittagessen. [Musik] Mhmet lädt Daniel spontan zum Mitessen ein. Das passt Daniel eigentlich gar nicht, er will ja später noch selbst kochen. Und es schmeckt sehr gut. Gib noch was mit. Mit jedem Lob von Daniel wird sein Teller immer voller und voller und voller. Was macht er bloß falsch? Selbst schuld, wenn man satt ist, sollte man es unmissverständlich und klar äußern, denn ansonsten bekommt man mit jedem Lob an die Köchin bestimmt noch ein extra Nachschlag. Plötzlich fällt Daniels Blick auf Seihards neue Armbanduhr. "Zeig mal die Uhr." "Na, schau, geil, ich will auch so eine." So eine Schwärmerei wird bei türkischen Freunden schnell zum Missverständnis. "Weißt du, was ich dir..." Daniel wollte die Uhr doch gar nicht haben. Zu spät, um das Geschenk noch abzulehnen. Die Uhr gehört jetzt Daniel. Wie peinlich. Tja, wenn einem sowas passiert, kommt man aus der Nummer nur schwer wieder raus. Am besten ist es natürlich, sich herzlich zu bedanken und später, wenn man die Wohnung verlässt, die Uhr klamm und heimlich liegen zu lassen und anschließend nie wieder ein Wort drüber zu verlieren, denn die türkische Kultur verlangt es dem Freund, die Uhr zu schenken. Uh, gerade noch mal gut gegangen. Aber jetzt schnell nach Hause. Daniels Gäste kommen gleich, alle aus verschiedenen [Musik] Ländern. Aber wie begrüßt man die eigentlich?

Bei den Franzosen gibt es Küsschen und Briten mögen Händeschütteln [Musik] nicht. Ja, richtig. Die Franzosen mehr Nähe, etwas kühler und distanzierter bei der Begrüßung. Ja, hi. Russen dagegen lieben ihren Händedruck als Zeichen von [Musik] Charakterstärke. Bei den Russen geht dagegen schon ein bisschen kräftiger zur Sache. Erst wenn man die Knochen des Gegenübers richtig knacken hört bei der Begrüßung, haben sie das Gefühl, die Begrüßung sei richtig. Russen sind trinkfest und das kann für uns Deutsche schon einmal zum Problem werden. Wenn man zustimmt, dem Wodka einmal zuzustimmen, dann muss man mittrinken, sonst ist der Russe beleidigt, denn eine angebrochene Flasche wird immer geleert. Tja, mit gefangen, mit gehangen, wie man so schön sagt. Wer einmal angefangen hat mitzutrinken, kommt er auch nicht so schnell wieder raus. Russen gelten ja gemeinhin als leidenschaftliche Wodkatrinker. Allerdings muss man auch nicht zwangsläufig mittrinken. Nur wenn man es nicht möchte, sollte man von vorne rein eine gute Entschuldigung haben. Den Trick nutzt auch Daniel. "Äh, Stopp, ich kann nicht mehr, ich nehm Tabletten." Zumindest Daniel ist jetzt raus aus dem Trinkgelage.

Zum Nachtisch gibt's Baguett und Käse. Daniel will seine französische Freundin Monique [Musik] beeindrucken. Monique, das Baguett wird natürlich nicht mit dem Messer geschnitten, sondern gebrochen. Schließlich ist es eine Beilage, nicht das Hauptgericht. Zufrieden. Tisch-Etikette ist den Franzosen heilig. Man breche das Brot. War das nicht in der Bibel schon so? Aber Monique verzeiht Daniel den Fauxpas. Nicht nur im Ausland, auch bei uns lauern Fallstricke. Manchmal ist eben ein bisschen weniger mehr. Weniger Lob, weniger Gestik, dann klappt auch mit der Völkerverständigung. Und Hauptsache ist doch, man ist sich sympathisch. Vielen Dank. Sehen wir, haben da etwas, das könnte euch richtig interessieren. Wenn ihr es wissen wollt, dann klickt hier drauf oder geht auf galileo.tv.