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Das Rätsel unseres Bewusstseins 1/2 (Doku, arte)

ifas-tv57:38

Transcription

Sie sind der Autor eines weltweit einzigartigen Films. Der Film wird in 3D gedreht und von Ihrer inneren Stimme kommentiert. Die Rede ist vom Film Ihres Bewusstseins. Er erzählt von Erinnerungen und Empfindungen, die nur Ihnen allein zugänglich sind. Seine Handlung ist sehr privat und einmalig, und sie wird nun zunehmend zum Forschungsgegenstand der Wissenschaft.

In den meisten Kulturen ist der Vogel die Metapher für die Seele. Doch lässt sich das Bewusstsein beobachten, so wie wir Vögel in einer Tierdokumentation betrachten?

Was weiß die Wissenschaft über dieses Ich, mein Ich, das sich im Leben entfaltet und in einer Wechselbeziehung zu dieser Welt steht?

Ich bin hier, ich betrachte den Ozean, höre das Geräusch der Wellen und spüre die Temperatur. Aber daneben fühle ich noch etwas, nämlich Freude und Wohlbefinden. Ich empfinde eine Emotion. Für mich ist das Bewusstsein in diesem Moment die Summe aus all diesen verschiedenen Elementen.

Die Einheit dieses Bewusstseins wird höchstwahrscheinlich gerade dadurch hergestellt, was mit mir geschieht in meinem Körper. Bewusstsein bedeutet, zu spüren, was innerhalb und außerhalb des Körpers des Organismus vor sich geht. Die wichtigste Komponente ist dabei die nach innen gerichtete Wahrnehmung, ohne die es kein Bewusstsein geben kann.

Antonio Damasio ist ein weltbekannter Neurowissenschaftler, der die Komplexität des menschlichen Gehirns erforscht. Für ihn ist das Bewusstsein das Produkt eines ständigen Austauschs zwischen unseren externen Wahrnehmungen und unseren inneren Emotionen. Was wir als Geist bezeichnen, ist nichts anderes als das Ergebnis dieses wechselseitigen Austauschs zwischen unserem Körper und der Welt, die ihn umgibt.

Wir bestehen natürlich aus Materie. Die Zellen unseres Gewebes sind Materie. Sie bestehen aus Molekülen, die aus Atomen gebildet sind, die wiederum aus Teilchen bestehen. All das ist Materie, deren Zusammensetzung jedoch sehr komplex ist. Ab einem gewissen Komplexitätsniveau entsteht etwas Neues.

So wie ein Tornado aus vielen tausend Milliarden voneinander abhängigen Wetterereignissen entsteht, geht die Wissenschaft davon aus, dass das Bewusstsein das Resultat der komplexen Aktivität vieler Tausend Milliarden Verbindungen zwischen unserer Umwelt, unserem Körper und unserem Gehirn ist.

Wie lässt sich erklären, dass aus Materie Geist entsteht? Im Laufe der Evolution hat es sich als vorteilhaft erwiesen, im Innern des Organismus eine Vorstellung von der Außenwelt zu entwickeln. Das Bewusstsein oder das, was man Geist nennt, ist letztendlich die biologische Fähigkeit, im Gehirn eine immer differenziertere Vorstellung von der Außenwelt zu entwickeln.

Um den Ursprung des Geistes zu verstehen, müssen wir uns zunächst das Vorstellungs-, Interpretations- und Rekonstruktionsvermögen unseres Gehirns bewusst machen. Was wir sehen, ist eine ständige Rekonstruktion der äußeren Realität.

Mit optischen Täuschungen lässt sich das Bewusstsein nach Belieben manipulieren. Wenn Sie beispielsweise dieses Schachbrett betrachten, sehen Sie Felder sowie einen schwarzen und einen weißen Springer, ganz eindeutig. Erst wenn Sie genauer hinschauen, haben die Felder, auf denen die Springer stehen, genau dieselbe Farbe. Tatsächlich nimmt Ihre Retina denselben Grauton wahr.

Was geschieht hier? Wir haben eine dunkle Fläche. Es könnte der Schatten des Zylinders sein. Unser Gehirn extrahiert unbewusst den Schatten im wahrgenommenen Bild und lässt uns das Schachbrett so sehen, als gäbe es keinen Schatten. Alle diese Berechnungen laufen vollkommen unbewusst ab. Wir sind uns lediglich des Endergebnisses bewusst.

Dieses Beispiel zeigt sehr schön, dass unser Gehirn extrem komplexe Berechnungen anstellt, bevor wir bewusst auf eine Information zugreifen.

Es gibt zahllose Experimente, die zeigen, dass das Gehirn Informationen verarbeitet, die nicht bis ins Bewusstsein dringen. Eines davon besteht darin, einer Testperson mehrere gelbe Punkte rund um einen zentralen Punkt zu zeigen, den sie fixieren muss. Sie darf die Augen nicht von diesem zentralen Punkt abwenden.

Wenn Sie diesen Punkt lange fixieren, werden Sie merken, dass die gelben Punkte aus Ihrem Bewusstsein verschwinden. Wenn Sie nun die Augen kurz bewegen, tauchen die gelben Punkte wieder auf und verschwinden erneut. Ihre Netzhaut nimmt die Punkte ständig wahr, aber Ihr Gehirn behandelt solche konstanten Punkte als Fehlinformationen.

Es sieht darin Defekte der Netzhaut, beispielsweise veränderte Blutgefäße, die Sehstörungen verursachen. Das Gehirn löscht diese Informationen, weil diese Punkte nicht zur Außenwelt zu gehören scheinen. Dafür sind sie zu konstant.

Was wir sehen, ist eine ständige Rekonstruktion der äußeren Realität. Indem es seine Rekonstruktionsarbeit vor uns verbirgt, vermittelt uns das Gehirn die Illusion, dass wir die Realität wahrnehmen und nicht seine Interpretation.

Wie lässt sich nun das Rätsel von der Entstehung des Bewusstseins lösen?

Wir haben Erwachsene Testpersonen genommen, die wach, also bei Bewusstsein waren, und ihnen Informationen am Rande ihres Bewusstseins präsentiert, sogenannte subliminale Bilder. Der Testperson wird für einen extrem kurzen Moment, 300 Millisekunden, eine Zahl präsentiert, gefolgt von einem weißen Bildschirm und dann von Buchstaben, die den ursprünglichen Platz der Zahl einnehmen.

Solange der zeitliche Abstand zwischen der Zahl und den Buchstaben groß genug ist, lässt sich die Zahl problemlos erkennen, wie eine 4 oder eine 1. Wenn wir die Dauer auf 66 Millisekunden verkürzen, können einige Testpersonen die Zahl nicht mehr erkennen. Bei 33 Millisekunden zwischen der Zahl und den Buchstaben sehen die meisten Probanden nichts mehr und haben das Gefühl, dass gar keine Zahl mehr erscheint.

Die Zahl dringt nicht mehr ins Bewusstsein. Dank der bildgebenden Verfahren können Abfolgen bis zur bewussten Wahrnehmung im Gehirn genau verfolgt werden. Zunächst muss die Zahl natürlich auf die Netzhaut gelangen, wo lichtempfindliche Zellen das einfallende Licht, aus dem das Bild besteht, in Nervenimpulse umwandeln.

Diese Impulse werden von den visuellen Zentren des Gehirns verarbeitet. Sie analysieren innerhalb von rund 200 Millisekunden die Form des Objekts und erkennen, um welche Zahl es sich handelt. Das Gehirn kann das Objekt identifizieren, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.

Erst nach weiteren 100 Millisekunden dringt das Objekt weiter in den Frontal- und Parietalortex vor. Es kommt zu einer Synchronisation dieser Hirnregionen, die sich darauf einigen, dass es sich um eine Zwei handelt. Erst in diesem Moment wird die Zahl bewusst wahrgenommen.

Je nachdem, ob wir die Zahl sehen oder nicht, ist die Aktivität des Gehirns unterschiedlich. Die unbewusste Verarbeitung ist in beiden Fällen identisch, aber wenn wir die Zahl sehen, leuchtet das Gehirn auf dem Bild auf. Dieses Aufleuchten ist die neuronale Signatur des Bewusstseins.

Viele Systeme im Gehirn sind auf die Speicherung bestimmter Informationen spezialisiert. Es gibt ein System für Gesichter, oder für Orte, oder für geschriebene, gesprochenen Wörter. Zwischen diesen gab es ursprünglich keine Kommunikation.

Nach unserer Theorie besteht die Aufgabe des Bewusstseins darin, diese Informationen zu teilen, also für alle kortikalen Systeme verfügbar zu machen.

Wir wissen nicht, ab welchem Zeitpunkt das Bewusstsein entsteht. Es ist klar, dass ein Baby im Mutterleib bereits zu koordinierten Bewegungen fähig ist, aber das könnten auch mehr oder weniger reflexartige und unbewusste Bewegungen sein.

Das Bewusstsein beginnt mit Wahrnehmungen. Was geht im Gehirn eines Babys vor sich, das etwas sieht und hört oder Freude empfindet? Ab wann lassen sich im Gehirn die ersten Anzeichen eines Bewusstseins nachweisen? Da ein Baby uns nicht sagen kann, ob es etwas bewusst wahrnimmt oder nicht, versuchen wir direkt am Gehirn abzulesen, ob die Mechanismen, die uns bei Erwachsenen bekannt sind, auch im Gehirn der Babys vorhanden sind.

Bitte setzen Sie sich vor den Computerbildschirm. Wir werden Ihrem Baby jetzt Gesichter zeigen, nur sehr kurz oder etliche Interaktivität aufzeigen. Die Forscher messen die Gehirnaktivität von Babys im Alter zwischen 5 und 15 Monaten, um in ihrem Gehirn nach der charakteristischen Signatur des Bewusstseins zu suchen.

Diese Studie beweist, dass bei Babys genau dieselben Mechanismen der Bewusstwerdung wirken wie bei Erwachsenen. Wenn wir Ihnen das Gesicht lange genug zeigen, sehen wir hier diese recht späte Aktivierung. Ist die Dauer dagegen zu kurz, liegt die Reaktion bei Null und die Kurve bleibt flach.

Der einzige Unterschied, den wir zwischen Erwachsenen und Babys feststellen konnten, liegt in der Verarbeitungszeit. Beim Baby dauert es drei bis vier Mal so lange. Diese charakteristische Kurve beweist, dass sich Babys ihrer Wahrnehmung bereits mit 5 Monaten bewusst sind. Selbst wenn das Gesicht verschwunden ist, denkt das Baby weiter daran. Es konzentriert sich darauf und denkt: "Das war interessant, ich habe ein Gesicht gesehen. Was war das für ein Gesicht? Warum habe ich es gesehen? Wem ähnelt es?"

Natürlich wissen wir nicht, was es denkt. Sicher ist aber, dass es denkt.

Sich einer Information bewusst zu sein, bedeutet noch nicht, sich seiner selbst bewusst zu sein. Das in den 1970er Jahren entwickelte Spiegelexperiment ermöglicht es, diesen Übergang beim Kind zu testen. Mit etwa 2 Jahren ist ein Kind in der Lage, eine Farbmarkierung zu berühren, die von ihm unbemerkt in seinem Gesicht platziert wurde.

Dieser Test wird mit Hilfe eines Einwegspiegels gefilmt. "Wer ist das? Wer ist denn das?" Die zweijährige Flur besteht den Test ganz eindeutig. Der 18 Monate alte Melson besteht ihn noch nicht. "Wer ist das denn? Ich sehe ihn im Spiegel, aber wo ist er? Ja, da ist er. Er berührt sich."

Er ist sich also bewusst, dass er sein eigenes Spiegelbild sieht. Das ist ein sehr komplexer Denkprozess. Er ist in der Lage, den Fleck an sich selbst zu berühren, den er im Spiegel gesehen hat.

Es ist, als würde unsere Entwicklung im Leben in immer neuen Schichten ablaufen, die uns wie Hüllen umgeben. Das ist etwas sehr Sensorisches, wie ein Kern, den wir nach und nach immer mehr schützen.

Wir fangen an, uns selbst zu erkennen und entwickeln eine Vorstellung, ein Bild von uns selbst. Diese Schichten bestehen teilweise aus unserer Realität, aber auch aus Gedanken, Annahmen und Wertesystemen, die wir uns zu eigen machen, um den Erwartungen der Welt zu entsprechen und geliebt zu werden.

Das ist die Triebfeder, das Bedürfnis, geliebt zu werden. Deswegen entwickeln wir all diese Schichten. Das ist das Gehirn, das hat solche Dinge hier.

Und hier denke ich, was ich denke, dass ich auf einem Pferd sitze und meine Eltern möchten, dass ich Blumen für sie pflücke. So, das war mein Gehirn, fertig.

Letztendlich ist das Bewusstsein eine Art ständige Selbstreflexion. Natürlich hängt das von unseren Wahrnehmungen und damit von unseren Sinnen ab. Aber unsere Sinne empfangen nur das, was mit unseren bereits gespeicherten Informationen übereinstimmt.

Es ist also eine Art Filter. Wir erzählen uns eine Geschichte, um unsere eigene Geschichte zu leben, wobei uns nicht unbedingt bewusst ist, dass es sich um eine Geschichte handelt.

Wie Nancy Houon es so schön ausgedrückt hat: "Wir sind eine fabulierende Spezies." Wir fabulieren auf eine sehr kindliche Weise und schaffen uns so mit genau denselben Mitteln, wie sie auch Romanautoren einsetzen, die Fiktion unseres Lebens.

Unser Bewusstsein beinhaltet unsere Vorstellung von der Welt, in der wir leben. Sie entwickelt sich in unserem subjektiven Leben wie eine Geschichte. Ein schönes Beispiel hierfür ist ein kleiner expressionistischer Film zweier deutscher Psychologen.

Er zeigt geometrische Formen, wie dieses Dreieck hier, das von einem Rechteck umgeben ist. Dann erscheinen zwei weitere Formen und es entsteht eine Beziehung. Diese Bewegungen lassen sich sofort als eine Art Konflikt interpretieren.

Das Dreieck scheint den Kreis anzuschauen. Sogar Geschlechter lassen sich zuordnen. Die runde Form wirkt eher feminin und die Dreiecke maskulin. Und so reimt sich jeder seine eigene Geschichte zusammen.

Wir sehen die Bilder und in uns entsteht die Geschichte. Während wir die Welt wahrnehmen, entsteht in uns eine Vorstellung von dieser Welt, zu der wir einen bewussten Zugang haben und die den Stoff zu einer Geschichte wirkt.

Und hop, sie sind gerettet. Die Geschichte ist zu Ende. Diese Figuren besitzen keine inherenten Eigenschaften. Die Geschichte wird ganz offensichtlich von uns erzählt.

Warum wir allem einen Sinn verleihen, kann ich nicht beantworten. Sicher ist nur, dass wir dem Sinn nicht entkommen können. Wir sind darin gefangen.

Der Sinn liegt in der Diskrepanz zwischen der Realität und unserer Vorstellung. Im Laufe eines Tages unterbrechen wir unsere innere Geschichte immer wieder, schweifen ab und beginnen von neuem.

Wir mögen schlafen oder wachen, aufmerksam oder geistesabwesend sein. Unser Bewusstsein wechselt mühelos von einem Zustand in den anderen. Doch manchmal funktioniert dieser fast unmerkliche Übergang nicht mehr und unsere innere Geschichte wird ausgelöscht, etwa bei Patienten mit Bewusstseinsstörungen.

Wie kommt es, dass ich ein Bewusstsein habe? Wie lässt sich das erklären? Ist das nichts weiter als eine neuronale Aktivität? Wo lässt das sich lokalisieren? Ist das Bewusstsein nur dieser Dialog, den ich in diesem Moment mit mir selbst führe?

Nein, wir können das Bewusstsein nicht darauf reduzieren, dass wir über eine Sprache verfügen und kommunizieren können. Das Leben erzeugt das Bewusstsein. Wir müssen mit Nathan leben.

Wir wissen nicht viel. Sicher ist nur, dass wir sein Bewusstsein stimulieren müssen.

"Schau in den Spiegel." "Noch einmal, sehr gut." Er hatte einen Unfall. Jemand hatte getrunken und ist zu schnell gefahren. Als wir kamen, sagte die Polizistin: "Wir können nichts mehr für den Jungen tun. Er ist verstorben."

In der Klinik haben sie dann um sein Leben gekämpft und er war vier Jahre lang im Koma. "Schau mich an. Mach jetzt die Augen zu, ganz fest. Super, sehr gut."

Er ist auf der Suche nach seiner Stimme. Von Zeit zu Zeit ist sie da, aber eben leider nicht immer. Manchmal ist sie abwesend und reagiert auf gar nichts. Er will dann weder essen noch trinken und ist einfach nur abwesend.

Aber er hat auch Tage, an denen er hellwach ist. "Ich habe keine Stimme mehr." "Nein, du bist noch nicht tot. Du hast deine Stimme noch und du bist noch nicht tot. Komm später, jetzt noch nicht. Ganz ruhig, Mama ist da."

Er ist ein Lebewesen mit einem verminderten Bewusstsein. Ihm fehlen die Orientierungspunkte, über die Sie und ich verfügen.

Unsere Patienten sind weder wach noch schlafen. Sie befinden sich ständig in einem Zustand verschiedener Bewusstseinsstörungen. Der kontinuierliche Fluss bewusster Gedanken, den wir alle von morgens bis abends erleben, ist bei ihnen unterbrochen.

Bei einem Patienten mit einer fluktuierenden Bewusstseinsstörung genügt es, dass er sich sprachlich oder durch einen anderen Code verständlich machen kann, um zu wissen, dass er über eine bewusste Wahrnehmung verfügt.

Doch jedes Jahr gibt es tausende von gelähmten Patienten, die nichts über ihren geistigen Zustand erkennen lassen. Nach wiederholten endlosen Untersuchungen zeigt über ein Drittel der Patienten, bei denen ein Bewusstseinsverlust angenommen wird, schließlich doch Anzeichen für ein vermindertes Bewusstsein.

Ich als Arzt sehe in seine offenen Augen und frage mich, ob da jemand ist, ob er denken und seine Umgebung bewusst wahrnehmen kann bzw. Anzeichen von Eigenbewusstsein zeigt. "Schauen Sie mich an, ich bin hier rechts von Ihnen. Schauen Sie mich an, versuchen Sie, die Finger zu bewegen."

Wenn der Patient nicht kommunizieren kann, messen wir seine Hirnaktivität. "Wir werden Ihnen jetzt eine Elektrodenhaube aufsetzen und Ihnen Töne vorspielen. Wir möchten sehen, ob Sie auf diese Töne reagieren."

Wir fangen jetzt an. Hinter diesem Test steht der Gedanke, dass unser Bewusstsein immer irgendetwas registriert. Nehmen wir diese Töne. Wenn ich Ihnen das vorspiele, wird Ihnen bewusst werden, dass sich der fünfte Ton anders anhört.

Wenn wir nun gleichzeitig mit Hilfe eines Elektroenzephalogramms Ihre Hirnaktivität messen, sehen wir, dass Ihr Gehirn nicht nur die Töne verarbeitet, sondern auch erkennt, dass der fünfte Ton sich von den vier ersten Tönen unterscheidet. Sie werden sich subjektiv bewusst, dass der fünfte Ton anders ist.

Mit Hilfe dieses einfachen auditiven Tests suchen die Forscher nach einer Reaktion im Gehirn. Wird eine Reaktion sichtbar, bedeutet dies, dass der Patient über ein Bewusstsein verfügt.

Hier sieht man sehr schön die Reaktion seines Gehirns auf die ersten Töne. Aber das eigentlich Wichtige ist, dass etwa eine Sekunde nach dem fünften Ton, der eine Überraschung oder einen Bruch der Regel darstellt, diese extreme positive Krümmung auftritt, die bei fünf regelmäßigen Tönen nicht vorhanden war. Das ist die Signatur des Bewusstseins.

In Mailand scheint ein Forscher ein noch intensiveres Mittel gefunden zu haben, um das Bewusstsein im Innern des Gehirns nachzuweisen. Er hat eine Art Bewusstseinsmesser erfunden, der den Grad unseres Bewusstseins und unserer Aufmerksamkeit registriert.

Wir sterben jeden Abend, denn im Tiefschlaf schwindet das Bewusstsein. Als Kind, im Alter von 8 Jahren, habe ich vor dem Einschlafen versucht, mir vorzustellen, wie es sich anfühlt, tot zu sein. Es ist weder eine tiefe Stille noch völlige Dunkelheit, denn alles verschwindet.

Diese Grenze zwischen Sein und Nicht-Sein hat mich schon immer fasziniert. Wir möchten wissen, was geschieht, wenn das Bewusstsein schwindet. Was geschieht dabei im Gehirn?

Marcello Massimini hat damit begonnen, sein eigenes Gehirn zu erforschen. Als Vater von drei kleinen Kindern, die nachts häufig aufwachen, gelingt es ihm ohne Probleme, willentlich in einen tiefen traumlosen Schlaf zu fallen.

Was verändert sich? "Ich existiere oder ich existiere nicht, aber die Struktur des Gehirns bleibt immer dieselbe." Wir wissen, dass sich das Gehirn nicht abschaltet. In manchen Momenten nimmt die Hirnaktivität sogar zu, und das, obwohl das Bewusstsein schwindet.

Das war das Rätsel, das wir lösen wollten. Die Idee dahinter war, dass es nicht genügt, die Aktivität zu beobachten. Wir wollten an das Gehirn klopfen und sein Echo hören.

Marcello Massimini hatte die Idee, sich selbst einem elektromagnetischen Impuls auszusetzen und zu messen, wie sich dieses Signal im Innern seines Gehirns ausbreitet. Das ist die magnetische Sonde. Sie erzeugt für den Bruchteil einer Millisekunde 10.000 Volt.

Die 60 Elektroden registrieren die elektrische Musik meiner Neuronen nach diesem Elektroschock. Das ist das Echo meines Gehirns. Man sieht deutlich, wie komplex diese Sinfonie im Wachzustand ist.

Sobald ich schlafe, müsste sie sehr einfach und langweilig werden. "Okay, wir sind fertig. Hast du geschlafen?" "Ja, soweit ich weiß, habe ich vor einigen Minuten nicht existiert. Jetzt existiere ich wieder."

Mehr kann ich mit Bestimmtheit nicht sagen. Der Vergleich zwischen seinem wachen und seinem Schlafgehirn zeigt Marcello Massimini folgendes: In einem Gehirn, das wach und bei Bewusstsein ist, erzeugt der Elektroschock ein langes und komplexes Echo.

In einem Gehirn, das sich im traumlosen Tiefschlaf befindet, wird diese lebendige Konversation hingegen zu einem kurzen Monolog.

Das Interessante ist die Reaktion im Schlafzustand. Das Gehirn ist zwar aktiv und nicht abgeschaltet, aber seine Reaktion ist langweilig, lokal begrenzt und ohne jede Vielfalt.

Das Gehirn ist also weiterhin aktiv, reagiert aber nicht auf dieselbe komplexe Weise. Durch das Messen dieser Komplexität erfahren wir etwas über unseren Bewusstseinszustand.

Die Aktivität eines komatösen, narkotisierten oder irren Gehirns ist stets weniger komplex als die eines wachen, bewussten Gehirns. Mit Hilfe dieses Verfahrens sind die Wissenschaftler nun in der Lage, das Phänomen des Bewusstseins rein mathematisch zu berechnen.

Wir können das Bewusstsein zwar noch nicht erklären, aber wir können die Komplexität seines Echos messen. Dieses Echo ist die Musik des Bewusstseins, Widerhall eines wunderschönen Gebäudes, einer Kathedrale, in der sich das Echo ausbreitet. Es ist Ausdruck eines Potenzials, eines fabelhaften Stücks Materie.

Wenn wir tief und traumlos schlafen, ist unsere Gehirnaktivität wenig komplex. Doch was geschieht, wenn wir träumen? Während unser Schlafgehirn die Außenwelt nicht wahrnimmt, erzeugt es aus unbewussten Erinnerungen, Personen oder gänzlich unbekannten Landschaften.

In was für einem bewussten oder unbewussten Zustand befinden wir uns, wenn wir träumen? Der Traum ist ein sehr interessanter Punkt. Selbst Freud bezeichnete ihn als den Königsweg des Unbewussten.

Nicht, dass er aus dem Unterbewusstsein kommt. Auch bei Freud setzt sich der Träumer bewusst mit seinen Träumen auseinander. Die Behauptung, dass Träume aus dem Unterbewusstsein kämen, ist eine grobe Vereinfachung, denn der Traum ist per se ein bewusster Zustand.

Ich habe nach einem Weg zur Erforschung des Bewusstseins gesucht. Das war 1978. Damals hatte ich einige verblüffende Klarträume, in denen ich mich genauso präsent fühlte wie jetzt hier im Wachzustand.

Ein Klartraum ist ein Traum, in dem man weiß, dass man träumt. Sie sind sich also beim Träumen ganz klar bewusst, dass sie sich in einem Traum befinden. Klarträume sind ein Zustand zwischen Träumen und Wachen und für Steven LaBerge das ideale Mittel zur Entschlüsselung unseres Bewusstseins.

Der Forscher beschäftigt sich seit 37 Jahren mit Träumen, die er so gut wie möglich zu entschlüsseln versucht. Er hat festgestellt, dass das Bewusstsein nur eine Art besonderer Traum ist.

Wie funktioniert das Träumen? Im REM-Schlaf ist das Gehirn eingeschaltet. Es ist voll aktiviert und erzeugt daher natürlich ziemlich reale Bilder. Wenn wir träumen, setzen wir nur das ein, was bereits in unserem Gehirn gespeichert ist.

Man könnte sagen, dass die Wahrnehmung ein realer Traum ist, bei dem das, was wir träumen, mit der physischen Realität übereinstimmt. Ein Traum hingegen ist eine freie Wahrnehmung ohne die Einschränkungen der Realität.

Träume unterliegen weder den Gesetzen der Physik noch gesellschaftlichen Zwängen, sondern entstehen nur aus uns selbst. Wenn nicht, wären wir wahrscheinlich viel engstirniger, weniger kreativ und nicht so flexibel in Bezug auf die Realität.

Träume sind bizarr, denn im Traum geschehen oft vollkommen sinnlose Dinge. Dieses Bizarre ist die andere Seite der Kreativität. Bewusstsein ist ein Traum. Wir schaffen uns unsere eigene Vorstellung von der Realität.

Wir sitzen alle in Platons Höhle, und diese Höhle ist unser Schädel. Wir sind in diesem Schädel eingesperrt und können nichts weiter sehen als die Bilder, die auf die Leinwand unserer Augen und Sinne projiziert werden.

Das Bewusstsein ist das Reich der Illusionen. Wenn wir träumen, haben wir das Gefühl, dass unser Geist aus unserem Körper entweicht. Bedeutet dies, dass unser Bewusstsein rein geistiger Natur ist? Welche Rolle spielt der Körper in unserem Bewusstsein? Ist das Bewusstsein, das wir von uns selbst haben, nicht auch nur eine Illusion?

Unser Bewusstsein bezieht sich im Allgemeinen auf unseren Körper. Wenn Sie sich fragen, wo Sie sind, werden Sie sich mit Ihrem Körper gleichsetzen. Und wenn wir überlegen, wo genau wir in unserem Körper sind, neigen wir zumeist nicht dazu, uns mit der Spitze unseres kleinen Fingers zu identifizieren.

Je näher wir allerdings dem Kopf kommen, desto stärker wird das Gefühl, dass dies der Ort ist, mit dem wir identisch sind.

Wie kommt es, dass wir uns als ein Ich wahrnehmen, das die Welt erlebt und im Inneren unseres Körpers wohnt? Das ist immer noch ein Rätsel. Wie kann diese unförmige Masse Gehirngewebe, die wir in unseren Händen halten, ein menschliches Wesen mit all seinen Erinnerungen und Erfahrungen, mit seiner Persönlichkeit und einer Moral beinhalten?

Wir sind in Stockholm, in der Kirche, in der René Descartes 1650 beigesetzt wurde. Eine von Descartes' wichtigsten Thesen war die, dass Seele und Körper zwei vollkommen verschiedene Substanzen sind.

Sein Gehirn wurde nach der Beisetzung nach Frankreich zurückgeschickt, jedoch nicht sein ganzer Körper, denn irgendjemand hatte seinen Kopf gestohlen. Es ist paradox, dass ein Mann, der so viel über die Verbindungen zwischen Seele und Körper nachdachte, ohne seinen Kopf bestattet wurde.

Mit unseren Experimenten stellen wir ein bisschen Descartes' These in Frage. Wir vermitteln Illusionen, die das Körpergefühl der Testpersonen verändern, etwa wie der Körper aussieht und wo er sich befindet.

Ich lege Ihre Beine gerade hin. So ist gut. Mit diesen Elektroden an Ihren Fingern messe ich Ihre Stressreaktion. Jetzt setze ich Ihnen die Videobrille auf. Bitte heben Sie den Kopf leicht an.

Die Testperson trägt eine Videobrille mit einem Monitor, jeweils für das linke und das rechte Auge. Diese sind mit zwei nach unten gerichteten Videokameras am Kopfende der Puppe verbunden.

Zunächst streichen wir über die Beine der Puppe und gleichzeitig über die Beine der Testperson, wobei die Bewegungen möglichst synchron erfolgen. Wir streichen jeweils über dieselben Körperteile und in dieselbe Richtung. Da die Bewegungen synchron ablaufen, interpretiert das Gehirn diese visuellen und taktilen Wahrnehmungen als: "Hey, ich bin ja die Puppe."

Wenn nun der Körper der Puppe bedroht wird, bekommt die Testperson richtig Angst und beginnt zu schwitzen. Unser Menschenverstand sagt uns, dass wir einen Körper haben und in einer realen Welt leben. Aber dieses Experiment beweist, dass es so einfach nicht ist.

Unsere bewusste Wahrnehmung der Welt und unseres Körpers ist in Wirklichkeit eine Schöpfung unseres Gehirns. Bewusstsein und Denken sind nicht vom Körper getrennt. Unser Körper und unser Bewusstsein sind untrennbar miteinander verbunden.

Für die Wissenschaft werden Gedanken und Gefühle nicht von einem immateriellen Geist, sondern vom Körper und insbesondere vom Gehirn erzeugt. Demnach wäre jeder kleinste Wunsch, jede unserer Entscheidungen in den Windungen unseres Gehirns vermerkt, in Form eines Codes, den es noch zu entschlüsseln gilt.

Doch es bleibt die Frage: Wer trifft unsere Entscheidungen? In der Schule habe ich gern, einfach nur zum Spaß, komplizierte Mathematik- und Physikaufgaben gelöst. Wenn ich mal nicht mehr weiter wusste, war es oft hilfreich, etwas ganz anderes zu tun, denn dann kam ich plötzlich auf die Lösung.

Das faszinierte mich so sehr, dass ich mich fragte: Wer rechnet da eigentlich? Wer findet die Lösung der Aufgabe? In Berlin sucht John Dylan Haynes nach der Hirnsignatur des freien Willens.

Wir hatten bereits gezeigt, dass wir die Absichten einer Testperson anhand ihrer Hirnaktivität vorhersagen konnten. Doch können wir auch voraussehen, welche Entscheidung jemand in der Zukunft treffen wird?

Mit Hilfe eines CT-Scanners wollten wir versuchen, Entscheidungen einer Person vorherzusagen, noch bevor diese das Gefühl hat, eine Wahl getroffen zu haben.

In diesem sehr einfachen Experiment gibt es zwei Knöpfe, einen rechts und einen links. Die Testpersonen können frei entscheiden, welchen sie drücken. Um sicherzugehen, dass die Entscheidung vollkommen frei ist, bleibt das Alternativangebot sehr begrenzt.

Durch das Drücken der Knöpfe wird nichts ausgelöst und die Testperson kann sich beliebig viel Zeit lassen. Die Hirnsignatur dieser absolut folgenlosen Entscheidung ist verblüffend. Die Entscheidung lässt sich auf Basis der Hirnaktivität vorhersagen, bis zu 7 Sekunden, bevor die Testperson selbst das Gefühl hat, sich entschieden zu haben.

Sieben Sekunden – eine unglaublich lange Zeit. Im Gehirn der Testpersonen haben wir zwei Regionen gefunden, mit deren Hilfe wir die Entscheidungen voraussagen können. Bei der Betrachtung der Voxel, das sind diese dreidimensionalen digitalen Gitterpunkte, die aussehen wie Zuckerwürfel, fällt auf, dass jeweils verschiedene Voxel aufleuchten, wenn die Testperson kurz davor ist, auf den linken oder auf den rechten Knopf zu drücken.

Wir können also anhand des MRT-Signals feststellen, welche Entscheidung die Testperson treffen wird. In diesem Fall hat das Bewusstsein keinerlei kausalen Einfluss auf den Vorgang. Möglicherweise behält es das Ereignis nur im Gedächtnis oder dient allein der Information.

Natürlich bezieht sich dieses Experiment nur auf eine winzige, vollkommen bedeutungslose Entscheidung. Aber was ist mit unseren komplexeren Entscheidungen? Sind sie die Summe aus vielen kleinen Entscheidungen, die irgendwo in den Wirren unserer Synapsen getroffen werden, oder gibt es ein bewusstes Ich, das in der Lage ist, unsere unbewussten Mechanismen zu beeinflussen?

Wenn Sie mit Willensfreiheit die naive Annahme meinen, dass wir eine Entscheidung unabhängig von unserem Gehirn treffen können, dann ist ziemlich klar, dass es nach derzeitigem Forschungsstand keine Willensfreiheit gibt.

Das Gefühl der Freiheit ist zum Teil eine Konstruktion unseres Gehirns. Wir treffen unsere sogenannten freien Entscheidungen mit Hilfe der Schaltkreise in unserem Gehirn und auf der Basis unserer Wertesysteme, die durch unsere Gene und unsere Erziehung bestimmt werden.

Es wäre falsch anzunehmen, dass wir über eine Entscheidungsebene verfügen. Nein, unser Bewusstsein unterliegt Entscheidungen, die wie die Spitze eines Eisbergs aus den Tiefen unserer unbewussten Schaltkreise herausragen.

Etwa 90 bis 98 % unserer Hirnaktivität läuft unbewusst ab. Für unseren freien Willen halten entscheidet sich größtenteils unbewusst. Doch dies bedeutet nicht, dass unser Bewusstsein überhaupt keinen Einfluss auf unsere unbewussten Prozesse hätte.

Unser Gehirn ist eine biologische Maschine, die sich erstaunlicherweise durch ihre eigene Arbeit verändert. Je öfter uns eine Information im Kopf herumgeht, desto tiefer brennt sie sich in unsere Synapsen ein. Diese unbewussten Wege sind der Boden, auf dem unsere Gedanken gedeihen.

Die Aufgabe unseres Gehirns ist die Produktion von Gedanken, so wie die Lunge der Atmung dient. Es tut das von ganz allein, ohne dass wir uns damit befassen.

Das Problem ist, dass die Arbeit meines Gehirns von meinem Temperament, meinem genetischen Erbgut und meiner Vergangenheit bestimmt wird. Mein freier Wille, meine Fähigkeit zu Entscheidungen und meine Werte kommen dagegen nur selten zum Zuge.

Aber je achtsamer ich die Vorgänge in mir selbst wahrnehme, desto bewusster lebe ich und desto freier bin ich.

Schon 1992 zeigten erste Studien, dass Psychotherapie die funktionale Dynamik des Gehirns verändern kann. Das ist ein historisches Datum, denn das waren erste Beweise dafür, dass sich allein durch Psycho- und Verhaltenstherapien die Funktion eines Organs des Gehirns verändern lässt.

Meditation hat genau denselben Effekt. Das mag von außen betrachtet wie Zauberei erscheinen, ist aber nur logisch. Das Gehirn ist ein Organ wie jedes andere. Wenn ich meine Muskeln regelmäßig trainiere, werde ich kräftiger. Und so entwickelt auch das Gehirn durch regelmäßiges Training bestimmte Fähigkeiten.

Doch wie kann unser Bewusstsein unsere Hirnfunktion beeinflussen? In welchem Maße lässt sich der kleine Anteil Freiheit vergrößern, den uns unser Bewusstsein gewährt?

Zurück zur Coma Science Group im belgischen Liège, wo Steven Laureys, Antoine Lutz und Marcello Massimini ein ganz neues Experiment wagen. Sie möchten die Komplexität der Hirnaktivität von Matur in verschiedenen Bewusstseinszuständen messen.

Matur ist einzigartig, denn er ist einerseits Doktor der Molekularbiologie, andererseits war er über 30 Jahre lang Schüler einiger der größten Meister des tibetischen Buddhismus. Er hat an die 50.000 Stunden meditiert und kann sich in verschiedene Bewusstseinszustände versetzen.

Uns interessiert hier der Zustand der "PR". Perfekt, jetzt darfst du essen. Ich habe zwei Tage lang jeweils 12 Stunden in MRT-Geräten und Scannern verbracht und mich in verschiedene Zustände versetzt, etwa in den Zustand der offenen Präsenz, den klarsten Bewusstseinszustand, oder in den Zustand der sogenannten induzierten kognitiven Opazität, ein Fachausdruck für den denkbar stumpfsinnigsten Zustand, eine Art selbstinduzierte Letargie.

Was geschieht in Maturis Gehirn, wenn er sich absichtlich und auf gänzlich subjektive Weise aus einem Zustand gesteigerten und erweiterten Bewusstseins in einen Zustand verminderten Bewusstseins versetzt?

Das Ergebnis des Experiments verblüfft die Wissenschaftler. Matur kann die Komplexität seiner Hirnaktivität rein gedanklich um 20 bis 30 % verändern. Weitere statistische Studien werden zeigen, ob es sich nur um zufällige Schwankungen handelt, aber das würde mich wundern, denn das Experiment hat viele Stunden gedauert.

Immer wenn ich in diesen Zustand der Lethargie verfiel, sank die Hirnaktivität um 20 bis 30 %, während sie beim in den wachen Bewusstseinszustand wieder anstieg. Für mich ist die Sache klar: Unser Gehirn kann also seine eigene Funktionsweise verändern und das allein durch die Kraft der Gedanken.

Die wissenschaftlichen geistigen Übungen wirken sich nachweislich auf unser Gehirn aus, sodass es seine Struktur und seine individuelle Funktionsweise verändert. Doch wo befindet sich das Kontrollzentrum, das solche Veränderungen bewirkt? Warum ist es so schwer zu finden?

Es gibt kein isoliertes Ich. Es gibt kein Kontrollzentrum. Da sind sich die Neurowissenschaftler vollkommen einig. Es gibt nur den Bewusstseinsfluss, der ständig in Bewegung ist. Ein Erfahrungsfluss, bei dem jeder Moment den Zustand im nächsten Moment bestimmt und die Gesamtheit meiner vergangenen Erfahrungen bewirkt, dass mein gegenwärtiger Zustand die Geschichte dieses Kontinuums widerspiegelt.

An einiges erinnere ich mich, an anderes nicht. Aber daraus ergibt sich der gegenwärtige Zustand dieses Kontinuums. Das ist alles.

Natürlich ist unser Bewusstsein mit der biologischen Aktivität unseres Körpers und der Welt, die uns umgibt, verbunden. Doch ein kleiner Handlungsspielraum bleibt uns. Wir können die Geschichte verändern, die wir uns über uns selbst erzählen.

Um der Welt einen Sinn zu verleihen, ersinnt unser Gehirn Kategorien und Grenzen. Wir sehen das Meer auf der einen und den Sand auf der anderen Seite. Doch aus der Nähe betrachtet löst sich diese Grenze auf. Wo beginnt das Meer, wo endet der Strand? Wo beginnt das Bewusstsein und wo endet es?

Es gibt kein isoliertes Ich, das getrennt von der Welt Entscheidungen trifft, sondern nur ein Netz äußerst komplexer Verbindungen. Unser Bewusstsein ist eine ebenso kollektive wie individuelle Geschichte, die von der Komplexität der Welt erzählt, inmitten der wunderbaren Vielfalt vieler Milliarden unbewusster Phänomene.

[Applaus]