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Rückkehr der "Dunklen Biene Bayern": Resistente Art neuentdeckt | Zwischen Spessart & Karwendel | BR

Bayerischer Rundfunk10:50

Transcription

Für Angelika König ist heute ein spannender Tag. Sie will ein neues Bienenvolk erstellen, aber ein ganz besonderes, von der "Dunklen Biene Bayern". Als Hobby-Imkerin arbeitet sie bisher mit verschiedenen Arten, wie etwa dieser gemischten Landrasse. Das neue Volk soll ein rein dunkles werden. Dafür wird sie gleich eine junge Königin abholen.

"Ich bin absolut aufgeregt, wie die Königin aussieht, wie sie sich gibt, und das neue Volk, wenn das entsteht, was passieren wird, wenn man die Königin auf das Volk legt. Das ist eine ganz spannende Sache. Bienen sind absolut sozial und begucken sie dann."

Los geht's nach Herzogenaurach, zu ihrem Imkerpaten Armin Lochner. Der züchtet und entwickelt hier Hunderte Königinnen. Seine Mission: die 10.000 Jahre alte, mittlerweile verdrängte, Dunkle Honigbiene wieder in Deutschland heimisch machen.

"Bei uns ist sie offiziell seit 1976 ausgestorben. Wir haben sie wiederentdeckt und möchten sie gern bei uns wieder ansiedeln. Seit Jahrzehnten kommt sie v.a. in Nordosteuropa vor."

Für seine DBB, die "Dunkle Biene Bayern", hat Armin Lochner nun verschiedene nordische Populationen gekreuzt, um sie an hiesige Gegebenheiten anzupassen. Sie kommt mit jedem Klima klar. Was auch wichtig ist, sie braucht wenig Futter.

"Da wird sich rausstellen, ob sie überall in Deutschland anpassungsfähig ist. Sie soll resistenter sein als andere Bienenarten und unterscheidet sich auch optisch. Die hat einen runden Poppes. Die ist von der Form her einfach so niedlich. Etwas kleiner, wuseliger, wenn sie läuft, wenn sie rennt. Optisch find ich sie süß."

Um weitere Königinnen dieser Linie zu züchten, setzt Armin drei bis vier Tage alte Larven um, in sog. Weiselbecher. Diese kommen dann in ein Pflegevolk, das die neuen Königinnen heranziehen soll. Für Angelika hat die Dunkle Biene auch weitere Vorzüge.

"Ich bin ja Imker-Anfänger, hab noch nicht so lange eigene Bienen und bin ganz glücklich, dass es eine Dunkle Biene gibt, die auch sehr sanft ist. Man kann sie gut händeln. Sie hat einen extremen Putztrieb, der von Vorteil ist gegen die Varroamilbe. Das sind alles so Sachen, die wahnsinnig interessant sind an dieser Biene."

"Oh, da ist sogar eine geschlüpft." Die Königin, die Angelika jetzt bekommt, war zwölf Tage lang im Brutschrank.

(Angelika) "Es kribbelt."

Dann geht's nach "Biengarten", wie der Ortsteil von Höchstadt tatsächlich heißt. Hier steht ein gemischtes Volk, in das Angelika bereits dunkle Drohnen gesetzt hat. Die sollen die neue Königin begatten, damit ein rein dunkles Volk entsteht. Seit neun Tagen ist das Volk ohne Königin.

"Was wär jetzt das Schlimmste, was passieren könnte? Wenn schon eine Königin drin wäre, wenn da schon was geschlüpft wäre, dann müssten wir einen Neustart machen. Aber ich hoffe mal, dass alles so funktioniert, wie wir uns das vorstellen."

Hätte sich das Volk bereits selbst eine Königin gezogen, würde es die neue töten. Deshalb inspiziert Angelika jeden Rahmen, ob die Bienen sog. Weiselzellen gebildet haben, in denen Königinnenlarven drin sein könnten.

Tatsächlich! "Das sind alles Weiselzellen. Die müssen wir jetzt offen machen." Erst wenn alle Weiselzellen entfernt sind, setzt sie die Königin aufs Volk. Die anderen Bienen begutachten sie sofort.

"Die schüttet Pheromone aus. Die riechen die Königin." Sieht so aus, als würde das zusammengewürfelte Volk die neue Königin nett begrüßen. Spannend wird auch, ob die Begattung klappt.

"Nach ca. drei Wochen guckt man mal rein: Sind von dieser Königin Eier vorhanden? Hat sie 'gestiftet'? So nennt man das. Und wenn das der Fall ist, hat's auf jeden Fall funktioniert. Dann kann man sagen, das Volk ist da."

"Jawohl, jetzt hängt sie am richtigen Platz."

Sechs Wochen später im Naturgarten von Familie König in Adelsdorf. Es gibt Zwetschgendatschi aus eigenen Früchten. Was sagt Ehemann Markus zu Angelikas Hobby?

"Ganz ehrlich, der erste Reflex nach: 'Wir stellen mal ein Volk in den Garten', war tatsächlich klassisch: Hoffentlich stechen die mich nicht beim Rasenmähen. Nein, tun sie nicht, geht wunderbar. Wir essen den Honig gerne. Man muss ihr nur ins Gesicht gucken, wenn sie von den Bienen kommt, dann weiß man, dass die Zeit richtig gut investiert ist."

Mit dem Imkern angefangen hat Angelika erst 2021. Ein neues Hobby zu beginnen, dazu inspirierte die Tochter Anne, die einen Angelschein machen wollte. Angelika trat einem Imkerverein bei und lernte dort die Grundlagen.

"Mein erstes Volk hab ich von meinem Imkerpaten bekommen, da war ich total aufgeregt. Dann stand ich zu Hause an meinem Volk und dachte: 'Oh Gott, jetzt hab ich Bienen. Was muss ich jetzt machen?' Ich hab oft telefoniert mit ihm: 'Jetzt ist das passiert, was mach ich jetzt?' So kam das dann, dass ich mit dem Bienenvolk gewachsen bin."

Dann die Stunde der Wahrheit. Angelika und Anne fahren nach Biengarten, um nach dem neuen dunklen Volk zu schauen.

"Ich hoffe, dass ich ein intaktes Volk vorfinden werde, in dem die Königin tatsächlich noch da ist." Ein erstes Indiz dafür: Wenn Bienen am Flugloch Pollen eintragen.

"Guck mal, da hat eine Biene Pollen an den Beinchen. Die brauchen das Pollenfutter, um die Jungen zu füttern. Das heißt, wenn du außen guckst, weißt du, ob das geklappt hat? Wenn Pollenflug da ist, weiß man genau, dass die Königin brütet."

Trotzdem will Angelika noch mal nachsehen. Und in der Tat sind schon viele Eier in den Waben. Aber wo ist die Königin mit ihrem langen Körper?

"Gerade ist sie uns durch die Lappen gegangen. Da ist sie." Anne hat sie gefunden.

(Anne) "Die hat einen längeren Korpus."

Um sie künftig schneller zu entdecken und um das Geburtsjahr zu vermerken, soll die Königin rot markiert werden.

(Angelika) "Perfekt, cool."

(Anne) "Herzlichen Glückwunsch zum neuen Volk. Das Volk wird bald ganz dunkel sein. Das ist großartig, so wie es ist."

Noch im Jahr 2004 wurde die Dunkle Biene zum gefährdetsten Nutztier des Jahres gekürt. Dass sie nun wieder hier angesiedelt werden soll, ist ein Beitrag für die Vielfalt, auch im Hinblick auf den Klimawandel.

Ein Jahr später, Mitte Juni. Inzwischen hat Angelika das Dunkle Volk zu sich in den Garten geholt. Lena, die Freundin von ihrem Sohn, ist zum ersten Mal dabei. Sie schauen jetzt, wie sich die Bienen entwickelt haben.

"Es ist ein richtig tolles Volk. Die Bienen sind komplett dunkel. So hübsche Bienen. Sie bleiben sitzen, sie sind wirklich handsam."

Und sind sie auch wirklich so anpassungsfähig, wie vom Züchter versprochen? Das Jahr war sowieso verhext. Es hat ganz viel geregnet. Die Bienen saßen oft im Stock und konnten nicht raus.

"Insgesamt muss ich sagen, die Dunkle kann das echt gut ab. Die sind da unkompliziert. Die sind flexibel, klimaflexibel. Ich sehe, dass es ihr gut geht. Ich denke, das ist die Hauptsache."

Bleibt noch die Frage: Wie schmeckt der Honig dieser neuen Biene? Beim Entdeckeln der Honigwaben strömen schon feine Aromen in die Nase. Angelika freut sich schon.

"Ja, v.a. geschmacklich wissen wir ja gar nicht: Was haben sie eingetragen? Obstbäume sind da sicherlich noch dabei. Da ist man immer wieder gespannt, wie der Geschmack ist."

"Das knackt immer so schön und schmatzt. Es ist auch spannend, das mal so zu sehen. Man kennt den Honig ja sonst nur fertig im Glas. Jetzt sieht man auch mal, was da für Arbeit dahintersteckt. Was so kleine Wesen für Arbeit machen."

(Angelika) "Jetzt stecken wir das da rein."

Letzter Schritt: das Schleudern. Die fünf Rahmen könnten 3 kg Honig ergeben, schätzt Angelika.

"Wow, schau's dir an, flüssiges Gold, was unsere Bienen da alles geleistet haben. Das ist doch ein Traum. Traumhonig, Traumfarbe."

Dann der Geschmackstest. Markus und Lena probieren erst zwei Honige aus dem letzten Herbst. Und dann den neuen, ganz frischen. Stimmt, der ist hell. Und?

"Beim Wein würde man sagen, der braucht noch, der muss noch atmen. Der ist flacher, die anderen waren intensiv im Geschmack. Der ist total lecker. Er ist süßer, aber er ist blumig. Da haben die Bienen noch was anderes mit eingesammelt. Was im Frühjahr so alles geblüht hat, ist in dem Honig drin."

"Das Volk hat für mich jetzt einen anderen Stellenwert. Das hab ich so intensiv verfolgt, die ganze Zeit, ein Jahr lang. Und das ist das Tolle dran."

Dank so viel Hingabe von Angelika König ist das Ziel, die jahrtausendealte, verdrängte Dunkle Biene wieder hier anzusiedeln, ein Stückchen näher gerückt.