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Das Vorstellungsgespräch (BEISPIEL-DIALOG) in voller Länge 🚀

StepUp! Coaching & Karrieretipps28:59

Transcription

Heute befassen wir uns mit dem kompletten Vorstellungsgespräch. Mit dabei Jessica, eine waschechte und aktive Recruiterin. Mein Name ist Ben und jetzt viel Spaß bei!

Ich hab euch hier auf diesem Kanal schon viele Tipps für ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch gegeben. Heute aber schauen wir uns mal ein fiktives Job Interview in voller Länge an. Unser Bewerber Max Serbien getauft, bewirbt sich als Mitarbeiter im Vertrieb und stellt sich den Fragen unserer Reporterin Jessica. Gemeinsam schauen wir uns jetzt gleich an, was unser Bewerber Max schon richtig gut macht und ihr vielleicht mit in euer nächstes Vorstellungsgespräch nehmen könnt, aber auch was nicht so gut ist und ihr auf keinen Fall machen solltet.

Ein Hinweis noch an dieser Stelle: Die Beispielantworten, die uns aber Max heute gibt, sind natürlich nicht allgemeingültig. Also nicht einfach die Antworten für euer nächstes Vorstellungsgespräch kopieren, denn jedes Gespräch läuft einfach nur mal individuell. Nehmt die Beispiele aus diesem Video eher als Orientierungshilfe.

Und ein zweiter Hinweis: Bei diesem Vorstellungsgespräch duzen sich die Interviewerin und der Bewerber. In vielen Unternehmen herrscht inzwischen Duz-Kultur und deswegen haben wir hier auf das förmliche Sie verzichtet. Was mir persönlich nicht besser gefällt, muss ich gestehen. Aber auch was die Kleidung betrifft, kann das je nach Job, Unternehmen natürlich anders aussehen als in unserem Beispiel.

Jetzt aber, ich würde sagen, jetzt legen wir erst mal los. Auf geht's!

Hallo Max, erstmal schön, dass du hier bist. Ich habe gesehen, du hast ja eine etwas längere Anfahrt gehabt. Hast du...?

Guter Ruf und ja, vielen Dank. Doch, die Anreise war sehr angenehm. Ich habe keinen Stau auf der Strecke und das ist ja auch nicht so ganz selbstverständlich für diese Strecke. Von daher alles gut.

Sehr gut. Der Klassiker. Die meisten Vorstellungsgespräche starten mit Eisbrecher-Fragen. Hier ruhig etwas ausführlicher antworten, eingrooven und nicht nur ja oder nein. Ihr wisst ja, der erste Eindruck zählt. Und aufgepasst: Es kann natürlich passieren, dass euer Gesprächspartner euch zum Beispiel am Empfang abholt, ihr gemeinsam zum Meetingraum geht, in dem das Gespräch stattfindet und der Personaler auf dem Weg dorthin nichts sagt. Dieser Moment der Stille kann unangenehm sein und schweigt ihr die komplette Zeit, wirkt das nicht gerade so, als wärt ihr jetzt super kommunikativ. Ergreift also auch dort gerne die Initiative für ein wenig Smalltalk. Bedankt euch zum Beispiel schon mal für die Einladung oder sagt etwas wie: "Sie haben hier echt ein schönes Bürogebäude." Das lockert die Situation auf. Und ganz wichtig: Wenn ihr euch die Hände schüttelt, dann achtet auf einen angemessenen Händedruck und Augenkontakt. Wegen Corona haben wir bei dieser Begrüßung natürlich in dem Video bewusst darauf verzichtet.

Jedes Vorstellungsgespräch startet eine Regel mit der Vorstellung des Unternehmens. Nutzt diesen Moment, um ein wenig durchzuatmen, euch zu entspannen und ganz wichtig: zuzuhören. Denn oft nutzen Personaler zu Beginn des Gesprächs die Gelegenheit, Infos zum Ablauf des Gesprächs oder den weiteren Verlauf des Bewerbungsprozesses zu geben. Hört ihr nicht zu und fragt am Ende des Gesprächs nach genau diesen Aspekten, hinterlässt das natürlich keinen guten Eindruck.

[Musik]

Ja, Max, wir hatten ja schon vor ein paar Tagen miteinander gesprochen. Freue mich, dass du heute noch mal hier. Und ganz kurz noch mal zu meiner Person: Ich bin jetzt seit fast vier Jahren hier im Unternehmen und verantworte die Position, über die wir heute sprechen. Am vorab: Wie sieht der Prozess bei uns aus? Heute führen wir erstmal das Erstgespräch alleine. Im nächsten Schritt würde dann jemand vom Fachbereich dazu kommen und du würdest noch einige andere Kollegen kennenlernen. Und ganz wichtig an der Stelle: Es würde dann auch noch ein Team-Kennenlernen stattfinden. Und es ist immer ganz gut wichtig, dass du einen Eindruck hast und von den Personen, mit denen du dann am Ende auch zusammenarbeitest. Und das können wir dir am besten vermitteln, wenn du dann auch dann zukünftiges Team an der Stelle kennenlernst. Ich freue mich jetzt erstmal noch ein bisschen mehr über dich zu erfahren. Ich hab natürlich dann Lebenslauf vorliegen, aber gib mir doch noch mal einen ganz kurzen Abriss darüber, was du in den letzten Jahren gemacht hast.

Ja, sehr gern. Also, ich bin Max Müller, ich bin 31 Jahre alt, komme aus Köln, hab auch in Köln mein Abitur gemacht am Goethe-Gymnasium. Hab danach mich dazu entschieden, eine Ausbildung zu machen zum Bankkaufmann. Hab dann kurz BWL studiert, gemerkt, dass das nicht so wirklich was für mich ist. Hab dann als Kundenberater in der Telekommunikationsbranche gearbeitet und möchte einfach jetzt eine neue Herausforderung suchen und fand, dass die Stellenausschreibung ganz spannend war.

Was meint ihr? Hat Max sich hier gut angestellt? Und zwar aus zwei Gründen: Erstens, er hatte eine schlechte Körperhaltung, also er beugt sich nach vorne und verschränkt die Arme. Das wirkt natürlich nicht besonders gut. Zweitens, es gibt einfach stupide seinen Lebenslauf wieder. Denkt immer daran: Personaler haben euren Lebenslauf vorliegen und kennen euren beruflichen Werdegang schon. Versucht also mehr darauf einzugehen, wer ihr seid, welche Qualifikationen mitbringt und baut eure Stärken, Kompetenzen, eure Selbstpräsentation ein, die in der Stellenanzeigen gefordert werden.

So, Max, ich würde sagen, das kannst du besser. Auf ein Neues!

Ja, das mache ich sehr gern. Mein Name ist Max Müller, ich bin 31 Jahre alt, komme aus Köln. Ich bin seit drei Jahren in der Telekommunikationsbranche, der Muster GmbH im Kundenservice aktiv und bin dort speziell im B2C-Umfeld für die Zufriedenheit unserer Geschäftskunden zuständig. Ich glaube, wenn man sich mein Lebenslauf anschaut, dann wird ein Aspekt sehr schnell deutlich, nämlich es ist geprägt von einer direkten Kundenbeziehung. Ich habe eigentlich schon während meiner Schulzeit festgestellt, dass mir Dinge liegen, die mit Kommunikation zu tun haben. Ich würde mich als sehr aufgeschlossen bezeichnen, dann ist auch kommunikationsstark und ich habe nicht deswegen auch nach meinem Abitur bewusst dazu entschieden, eine Ausbildung zum Bankkaufmann zu machen, weil man in diesem Bereich auch häufig sehr direkten Kundenkontakt hat, was ich super spannend fand. In diesem Bereich war, maßgeschneiderte Produkte für Kunden wirklich auch in den Verkauf zu bringen und habe auch da erste Erfolge erzielen können. Hab mich dann für ein BWL-Studium entschieden, weil ich dort auch gewisses theoretisches Wissen mir aneignen konnte. Nun, seit drei Jahren bin ich jetzt nun im [Musik] Kundenservice-Center zuständig. Das war am Anfang durchaus eine große Herausforderung für mich, weil ich es nicht gewohnt war, in telefonischen Kundenkontakt zu stehen. Aber ich würde mich als jemand bezeichnen, der sich sehr schnell neue Aufgabenbereiche einarbeiten kann, der sehr schnell dazulernt und deswegen würde ich sagen, das ist mir auch sehr schnell gelungen, erste Erfolge in diesem Bereich vorzuweisen. Ich habe dann auch schon sehr frühzeitig wichtige Kunden übernommen und wie das ja im direkten Kundenkontakt häufig so ist, da läuft nicht immer alles glatt, da gibt es auch schon mal Probleme, die man lösen muss, die auch sechs Pflicht sind. Aber wie gesagt, ich bin jemand, der sich da gerne reinfuchst und habe mich da sehr schnell auch gut zurechtgefunden. Jetzt ist es so, dass ich einfach eine neue Herausforderung suche und wenn ihr die Erkenntnis gereift ist, dass nicht der wirklich der Verkauf, also trotzdem am Kunden nah dran zu sein, aber die Produkte zu verkaufen, sehr reizt und ich möchte mich einfach in diesem Bereich weiterentwickeln. Und so wie ich ihr Unternehmen bislang wahrgenommen habe, bieten sie Menschen diese Möglichkeit auch Stärken zu fördern und weiterzuentwickeln. Das finde ich sehr reizvoll und ich wäre gern Teil dieses Parts und ja, finde diese diese Aufgabe sehr, sehr spannend.

Vielen Dank, Max. Ich würde gerne auch noch mal auf dein Studium zu sprechen kommen. Du hast gesagt, das hast du abgebrochen. Vielleicht kannst du mir noch mal im Detail erklären, woher diese Entscheidung kam.

Also, ich glaube, ich muss rückblickend schon ehrlich sagen, dass ich wahrscheinlich vor dem Studium eine andere Erwartungshaltung hatte und diese Erwartungshaltung am Ende nicht erfüllt wurde. Das war mir zu theoretisch und ich habe mich dann einfach dazu entschlossen, wieder mehr den Praxisbezug zu suchen. Und ich war auch damals zu dem Zeitpunkt der Meinung, dass den Weg, den ich für mich sehe und den ich einschlagen möchte beruflich, dass ich da auch erfolgreich sein kann, ohne ein abgeschlossenes Studium. Und ich glaube, dass das das auch möglich ist.

Vielen Dank. Ein schönes Beispiel. Unser Bewerber Max hat sein BWL-Studium abgebrochen. Es ist klar, dass unsere Reporterin exakt nach den Gründen des Studienabbruchs fragt. Also, ganz wichtig: Solltet ihr eure Ausbildung oder Studium abgebrochen haben oder eine Lücke im Lebenslauf besitzen, dann bereitet euch gut auf diese Frage vor, denn sie wird sehr wahrscheinlich gestellt werden. Wir werden deswegen nicht per se abgelehnt, da könnt ihr euch sicher sein. Nun solltet ihr diese natürlich gut und verständlich erklären können, wie es unser Bewerber Max gerade getan hat. Jetzt packe ich euch auch noch mal den Link zu einem Video "Lücken im Lebenslauf" mit in die Info-Box, wo ich noch mal ganz genau auf das Thema eingehe.

Würdest du diese Entscheidung rückblickend genauso nochmal treffen?

Also, man ist ja im Nachhinein immer schlauer als vorher und ich müsste jetzt lügen, wenn ich jetzt behaupten würde, dass ich es noch mal exakt genauso machen würde. Letztendlich, rückblickend kann man so argumentieren, zu sagen, das ist etwas verschenkte Zeit war, dieses BWL-Studium zu absolvieren, wenn man es am Ende abbricht. Aber ich bin grundsätzlich ein Mensch, der der Meinung ist, man muss Dinge auch mal ausprobieren, um festzustellen, was einem wirklich liegt. Und so muss ich sagen, betrachte ich es in meinem Lebenslauf und das ist dann für mich auch völlig okay.

Eine interessante Frage der Richterin, aber auch eine knifflige, denn hinter der Frage steckt die Intention herauszufinden, wie selbstreflektiert ihr seid und ob ihr beispielsweise aus den Fehlern gelernt habt. Antwortet ruhig selbstbewusst, aber vermeidet Antworten wie: "Ja, ich würde alles noch mal ganz genau so machen."

Ja, Max, was mich jetzt natürlich interessiert, ist, was genau reizt dich am Vertrieb und warum gerade bei uns?

Also, ich finde grundsätzlich die Vertriebsarbeit spannend. Und warum gerade euer Unternehmen? Ich finde einfach, dass ihr euch sehr interessant positioniert und will das ganz gerne machen.

Ein Satz mit X, das war wohl nix. Der Grund, wieso man sich auf eine Stelle bewirbt, wird bei einer 100%igen Wahrscheinlichkeit gefragt. Wie heißt es? Genau vorher überlegen, mit welcher Motivation man sich auf den Job bewirbt. Was reizt? Wo liegen eure Stärken, die ihr vor Ort nutzen könnt? Was wird in der Stellenanzeige gefordert, womit ihr punkten könnt? Und so geht es besser.

Also, ich hab das ja eben schon mal kurz angerissen. Ich habe während meiner Ausbildung schon festgestellt, dass ich sehr reizvoll finde, in einem Umfeld zu arbeiten, in dem es darum geht, Produkte zu verkaufen. Und hinzu kommt die Tatsache, dass ich einfach Herausforderungen liebe. Und Vertrieb, so wenn man ehrlich ist, heißt Herausforderungen. Man muss jeden Tag an seine Grenzen gehen, man muss tagtäglich neu motiviert sein, man muss vor allem auch mit Rückschlägen umgehen können. Und das passt sehr gut zu mir, würde ich sagen. Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch, setze mir sehr gerne ambitionierte Ziele und erreiche diese auch gerne. Also, das ist schon durchaus eine, würde ich sagen, intrinsische Motivation bei mir. Grundsätzlich ist es so, dass Vertriebseinheiten oft durch ein gewisses Teamgefühl geprägt sind und dass damit kann ich mich sehr, sehr gut identifizieren. Ich bin ein absoluter Teamplayer. Das sieht man nicht nur im beruflichen Kontext, auch privat im sportlichen Umfeld. Und wenn ich bisher richtig verstanden habe, die Außendarstellung eures Unternehmens, ihr legt sehr viel Wert auf den Menschen, auf die Mitarbeiter und hier legt sehr viel Wert, dass ihr die Ziele auch gemeinsam als Team erreicht. Und das ist etwas, was ich total attraktiv finde, womit ich mich sehr, sehr gut identifizieren kann. Und ich glaube, es würde sehr gut passen und dass ich mit Teil dieses Vertriebsteams werde.

Vielen Dank, Max. Wenn du deine berufliche Karriere für dich nochmal reflektierst, was würdest du sagen, worauf bist du besonders stolz und was war dein größter Erfolg?

Also, es ist ja im Rahmen einer Ausbildung zum Bankkaufmann so, dass man relativ früh lernt, im direkten Kundenkontakt zu sein. Was man aber ehrlicherweise nicht lernt, ist ein guter Vertrieb dazu werden. Ich habe aber trotzdem im Rahmen dieser Ausbildung sehr, sehr früh mir dieses ambitionierte Ziel gesetzt, eine gewisse Anzahl an Abschlüssen zu erreichen. Das war damals in meinem dritten Ausbildungsjahr und das ist nicht so ganz selbstverständlich, dass man eine gewisse Anzahl an Bausparverträgen und Wertpapieren verkauft. War ein sehr ambitioniertes Ziel, aber ich fand diese Herausforderung damals schon so attraktiv, dass ich gesagt habe: "Okay, ich setze mir dieses Ziel und ich schaffe das auch." Und ich habe das Ziel erreicht, ich hab sogar übertroffen. Und ohne jetzt arrogant wirken zu wollen, aber da bin ich rückblickend schon ganz stolz drauf.

Das klingt toll. Das war gut. Ein heißer Tipp ist immer ein Beispiel aufzuführen und daran zu erklären, wie wo man erfolgreich war, genauso wie Max es in dem Fall gemacht hat. Setzt den Fokus auf etwas, was dem neuen Arbeitgeber auch nützen würde.

Max, wo siehst du dich in den nächsten fünf Jahren?

In den nächsten fünf Jahren, da bin ich 36. Ja, da hätte ich schon ganz gerne Führungsposition.

Keine gute Antwort. Hier ist nicht entscheidend, was genau in fünf Jahren passiert oder nicht. Vielmehr interessiert den Recruiter, was eure Ziele sind und wo ihr hin wollt. Wollt ihr Projekte leiten, ein Team führen? Macht euch hier unbedingt im Vorfeld Gedanken zu. Aber macht besser nicht den Fehler, zu fordernd zu wirken, zu sagen, dass wir in fünf Jahren auf dem auf dem Chefsessel sitzen möchten. Zum Beispiel klingt zu forsch. Besser eine Antwort nach diesem Muster: Also, meine kurzfristigen Ziele wären jetzt tatsächlich erstmal, mich im Vertriebsumfeld zu etablieren. Darunter stelle ich mir vor, Kunden zu gewinnen, einen Kundenstamm aufzubauen und diese Kunden auch zu halten. Und natürlich meine Stärken, die ich mitbringe, weiterzuentwickeln. Wenn wir jetzt den Blick weiter voraus werfen, was in fünf Jahren ist, kann ich mir durchaus auch vorstellen, mehr Verantwortung zu übernehmen. Ich bin schon jemand, der gerne auch mal seine Komfortzone verlässt, der sich also nicht davor scheut, neue Herausforderungen zu übernehmen. Und das kann dann auch mal ein großes Projekt sein, das kann vielleicht sogar mal ein kleines Team sein. Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Auf lange Sicht.

Okay, vielen Dank für deine Ausführung. Wo siehst du denn deine Entwicklungsfelder?

Na, welche eigentliche Frage verbirgt sich hier hinter? Richtig, die Frage nach euren Schwächen. Kaum ein Personaler stellt heutzutage noch die Frage: "Was sind die eure oder deine Schwächen?" Stattdessen wird diese Frage versteckt in andere Fragen verpackt, wie diese zum Beispiel. Was ihr von meinen solltet? Vermeidliche Schwächen als Stärken zu verkaufen, wie: "Ich bin ein absoluter Perfektionist." Das wird kein Personaler hören. Auch die Tatsache, dass wir ungeduldig sind, ist zu abgedroschen. Natürlich solltet ihr keine allzu großen Makel preisgeben, bzw. sehr private Schwächen an, wie: "Mir fällt es schwer, morgens aus dem Bett zu kommen." Aber schauen wir doch mal rein, wie unser Bewerber Max mit dieser Frage umgeht.

Also, wo ich auf jeden Fall Entwicklungspotenzial sehe, ist so bei diesem Thema Frustrationstoleranz. Es ist schon mal vorgekommen in der Vergangenheit, dass ich mich mal kurz ein paar Sekunden schütteln muss, wenn ich einen Rückschlag einstecke. Ich habe aber gelernt, damit umzugehen und einfach sich auf das nächste Ziel zu fokussieren. Das gelingt mir sehr gut. Ein zweiter Punkt, an dem ich sicher noch arbeiten könnte, ist so dieses Thema Workload. Ich glaube, viele kennen das, ist mir in der Vergangenheit oft passiert, dass ich dann netterweise einige Aufgaben der Kollegen auch mit übernommen habe und dann irgendwann festgestellt habe, jetzt liegt aber ziemlich viel auf meinem Tisch herum. Und ich glaube auch da, ist es mir aber bisher auch immer besser gelungen, auch mal nein sagen zu können und selber einzuschätzen, da in dem Bereich kann ich den Kollegen uns noch helfen, übernehme gern noch ein paar Aufgaben oder in dem Bereich geht es jetzt eben nicht.

Also, was uns aber wärmer, Max hat es richtig gut gemacht. Er hat Schwächen beim Namen genannt, aber gleichzeitig auch beispielhaft erläutert, wie an diesen Schwächen arbeitet. Das ist sehr gut. Orientiert euch gerne an diesem Muster für euer nächstes Vorstellungsgespräch. Aber er ein Fehler gemacht: Er hat sich widersprochen. Er nennt seine nicht ganz ausgeprägte Frustrationstoleranz, aber ganz am Anfang des Vorstellungsgesprächs hat er betont, er sei ehrgeizig und könne auch gut Niederlagen verkraften. Vermeidet also unbedingt Widersprüche.

Was vermisst du so bei der jetzigen Unternehmen am meisten?

Das ist ziemlich einfach. Ganz klar die Kultur. Sprich, die Kollegen. Ich hab mich sehr wohl gefühlt, war für mich immer noch sehr wohl jeden Tag zur Arbeit zu kommen. Genieße das sehr. Ist mir auch sehr wichtig, dass man, dass man sich im Team sehr gut versteht und auch das Verhältnis zwischen den Vorgesetzten und Mitarbeitern war einwandfrei. Und das wäre schon etwas, was ich vermissen würde.

Was wäre für dich so No-Go? Also, wann, was müsste passieren, damit du deine Entscheidung am Ende beweist, wenn du in ein Unternehmen wächst?

Also, ich glaube, womit ich wirklich ein Problem hätte, wäre mangelnde Respekt zwischen den Kollegen. Ich bin der Meinung, es spielt keine Rolle, ob jetzt der CEO mit dem Praktikanten sich unterhält, Respekt für den anderen auch zu bringen, das ist das Wichtigste. Da sonst kann es nicht funktionieren. Das ist schädlich für die gesamte Unternehmenskultur, wenn das nicht stimmt. Damit hätte ich, glaube ich, ein Problem, wenn man ich wirklich feststellen würde, dass man diesen Respekt dort nicht immer erhält. Und ich glaube, dass ich mit Ungerechtigkeiten sehr schlecht umgehen kann. Das wären zwei Dinge, wo ich glaube ich an meine Grenzen stoßen würde.

Mit diesen Fragen versucht unsere Reporterin Bewerber etwas zu entlocken, nämlich wie er beispielsweise über seine Ex-Kollegen denkt. Max macht das hier sehr gut, denn er redet gut über seinen letzten Arbeitgeber. Ob da wirklich so eine tolle Kultur herrschte oder die Vorgesetzten sich tatsächlich immer einwandfrei verhalten haben, spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, so schlecht das Zeugnis auch ist, dass ihr eurem jüngsten Arbeitgeber am liebsten auch stellen wollt. Nennt es nicht beim Namen, äußert euch schlecht über eurem letzten Arbeitgeber, hinterlässt das keinen guten Eindruck.

Auch die Frage, was euch auf die Palme bringt, ist von der Richterin wohl überlegt, denn damit möchten Personaler herausfinden, wie ihr in Stresssituationen reagiert.

Jetzt kommen wir noch mal zu einem sehr wichtigen Thema. Gerade im Vertrieb, da hast du dir sicherlich schon Gedanken zu gemacht. Welches Gehalt stellst du dir für diese Position bei uns vor?

Also, gemessen an den Anforderungen, die ja an diese Position hat, stelle ich mir ein fixes Gehalt von 35.000 jährlich vor, mit einem zusätzlichen erfolgsorientierten, variablen Anteil von 20 Prozent. Ich finde, dass das wirklich auch gemessen an dem, was man mitbringen muss für für diese Stelle, durchaus angemessen ist.

Zugegeben, finden tun sich schwer damit, ein konkretes Gehalt zu nennen. Max macht es hier sehr gut. Er hat sich klare Gedanken gemacht, sich mit den Anforderungen der Stelle auseinandergesetzt und eine klare Summe genannt. Ganz wichtig: Nie eine Spanne. Wenn ihr sagt, ihr wollt zwischen 40 und 45.000 Euro verdienen, wird sich das Unternehmen eher an den 40.000 orientieren. Klar, außerdem gilt: Seid selbstbewusst und begründet eure Gehaltsvorstellungen. Größtes No-Go ist es, wenn ihr nichts sagt oder sagt, ihr habt euch noch keine Gedanken gemacht.

Und noch etwas ist wichtig: Was in unserem Beispiel ganz gut zu sehen war, Max hat eine Summe genannt und unsere Reporterin Jessica hat daraufhin einige Sekunden geschwiegen. Das kann durchaus passieren und wer kennt nicht solche Momente? Kommen einmal, ab und zu mal, wie eine Ewigkeit vor. Dabei ist es einfach nur ein kurzer Augenblick. Haltet diesen Moment der Stille aus und fangen nicht an, euch um Kopf und Kragen zu reden.

[Musik]

Okay, wunderbar. Max, ich habe tatsächlich keine Fragen mehr an dich. Was möchtest du jetzt mal von mir wissen?

Ich muss sagen, also eigentlich haben wir alle Fragen geklärt. Vielen Dank.

Diese Frage auch ein Klassiker. Ihr könnt euch darauf einstellen, dass sie mit sehr großer Wahrscheinlichkeit kommen wird. Unser Bewerber Max hat mit Sicherheit so einige Fragen, doch so schnell hat er sie einfach nicht parat. Keine Seltenheit im Vorstellungsgespräch, in dem man ja sowieso aufgeregt ist und einfach viele Informationen einfach auf einen einprasseln. Den größten Fehler, den man aber jedoch machen kann, ist es tatsächlich keine Frage zu stellen, denn das wirkt schnell desinteressiert und der Gegenüber hat den Eindruck, als würde der Bewerber gern so schnell wie möglich flüchten wollen. Und schließlich wollt ihr auch genau wissen, ob das Unternehmen, Unternehmen letztendlich zu euch passt und die Stelle geeignet ist. Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, das herauszufinden. Beispiel: Wie werden die Arbeitszeiten geregelt? Wie groß ist mein Team? Oder einfach: Wie geht der Bewerbungsprozess weiter? Wann kann ich mit Feedback rechnen? Notiert euch am besten vorab einige Fragen und lieber eine zu viel als einmal zu wenig. Und er ist sehr ruhig, warum Notizblock ab? Das zeigt, ihr seid vorbereitet und im Idealfall entsteht so am Ende noch mal ein Gespräch.

Schauen wir doch mal rein, wie es gehen könnte.

Ja, erstmal zunächst vielen Dank schon mal vorab für dieses sehr freundliche und informative Gespräch. Schon mal einen sehr guten Eindruck erhalten von eurem Unternehmen. Ich hätte tatsächlich noch die ein oder andere Frage und zwar: Du hast ja gesagt, du bist auch schon einige Jahre hier im Unternehmen aktiv. Mich würde einfach mal aus der Perspektive interessieren, was genau macht dir Spaß, jeden Tag hierher zu kommen?

Also, für mich sind tatsächlich die Kollegen entscheidend, mit denen ich hier zusammenarbeiten. Das heißt, ich habe mein Team, das aus ca. 20 Mitarbeitern besteht und wir sind ein sehr eingespieltes Team, wir verstehen uns alle sehr gut. Und ich arbeite natürlich auch in meiner Position mit vielen Abteilungsmanagern und Abteilungen zusammen und ich muss sagen, für mich steht tatsächlich an erster Stelle oder stehen an erster Stelle die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite. Ich finde ein sehr schönes Miteinander, aber auch die Weiterentwicklung, die ich hier im Unternehmen letztendlich machen konnte, man, dass ich mich in verschiedenen Positionen weiterentwickelt habe und dass auch unterstützt wurde.

Okay, vielen Dank. Angenommen, ich würde jetzt die Stelle erhalten und würde jetzt bei euch im Unternehmen starten. Was würdest du sagen, sind so ganz wichtige Erwartungen, die an mich gestellt sind? Was sind so Meilensteine in den ersten Wochen oder Monaten?

Also, du würdest dich zu Beginn direkt mit deinem Vorgesetzten zusammensetzen und bekommst einen strukturierten Einarbeitungsplan. Das heißt, zunächst starten wir eine Theorie. Du bekommst Vertriebsschulungen, Produktschulungen und wirst sozusagen in dieser Rolle von vornherein direkt fit gemacht. Das heißt, nicht ins kalte Wasser geschmissen. Und in diesem Einarbeitungsplan sind auch feste Meilensteine fixiert. Nur das heißt, wir haben, du hast feste Ziele, setzt dich in der Einarbeitung und in den ersten Monaten immer wieder regelmäßig mit einem Vorgesetzten zusammen und mir schaut, wie du deine Ziele erreicht hast und ob du vielleicht auch noch Unterstützung von uns benötigst.

Vielen Dank, klingt sehr interessant. Du hast ja gerade so diesen Zeitraum angesprochen, der ersten Wochen, der ersten Monate. Jetzt würde mich interessieren, wie sieht's grundsätzlich bei euch im Unternehmen aus mit der Entwicklung eurer Mitarbeiter? Gibt es da so etwas wie konkrete Entwicklungspläne beispielsweise?

Also, wenn wir über seine jetzige Rolle sprechen, haben wir natürlich ein sehr großes Interesse daran, dass du dich auch innerhalb dieser Position weiterentwickelst. Das heißt, wer im internen und externen Trainer, mit denen wir regelmäßig zusammenarbeiten. Das heißt, da wirst du natürlich in deiner Rolle auch über die nächsten Monate hinaus und Jahre geschult und darfst aber auch jederzeit sagen, dass du vielleicht in einer bestimmten Sache ein individuelles Training benötigst, dass wir dann auch sehr gerne zur Verfügung stellen. Wenn wir jetzt darüber sprechen, dass du vielleicht an eine andere Position reinwachsen möchtest, dann ist das natürlich auch möglich. Voraussetzung ist natürlich, dass diese Position bei uns markantes im Unternehmen und dann starten wir mit dir intern Bewerbungsprozess. Das heißt, wir stellen in diesem Prozess dann auch fest, welche Entwicklungsfelder hast du vielleicht, was benötigst du noch, um in diese Rolle hineinzuwachsen, wachsen und auf Basis dieses Gesprächs, dieses Prozesses würden wir dann einen Entwicklungsplan mit dir zusammen erstellen.

Das klingt sehr gut. Das ist mir in der Tat auch sehr wichtig, dass ja man einfach diese diese Perspektive hat, dass es Möglichkeiten gibt, sich weiterzuentwickeln und das auch vom Unternehmen betrieben wird. Finde ich sehr gut.

Super. Max, wenn du jetzt keine Fragen mehr hast, dann möchte ich mich auf jeden Fall für deine Zeit bedanken. Danke, dass du die Anreise auf dich genommen hast und ich möchte hier gerne auch noch mal einen Ausblick geben, wie wir jetzt weitermachen. Ich würde jetzt meine Eindrücke, meine Notizen, die ich mir auch gemacht habe, mit dem Fachbereich besprechen und du kannst auf jeden Fall mit einem Feedback von mir innerhalb der nächsten zwei Tage rechnen. Das heißt, ich werde dich anrufen, wir werden das Ganze besprechen und dann hatte ich ja bereits zu Beginn gesagt, dass noch ein weiteres Treffen anstehen würde, bei dem du sowohl den Fachbereichs-Bereich als auch dein Team kennenlernen wirst.

Alles klar, dann sage ich auch nochmal vielen, vielen Dank für die Einladung. Es war sehr, sehr interessant, sehr, sehr informativ. Ich habe schon sehr, sehr gutes Bild davon gewinnen können, wie ihr als Unternehmen tickt und verfallen, was eure Unternehmenskultur betrifft und würde mich dann freuen, von euch zu hören. Danke.

Sehr gut. Hier ist ein Gespräch auf und Max hat sich einige Fragen vorab überlegt, sie aufgeschrieben und diese Notizen vor sich liegen. Mach das gern genauso. Ebenso positiv ist, dass der Bewerber Max am Ende nochmals einen sehr guten Eindruck hinterlassen möchte, indem er sich höflich für die Einladung und das Gespräch bedankt und unterstreicht, dass es sehr informativ war.

Flüchtig, also am Ende des Gesprächs nicht einfach aus dem Raum, sondern versucht einen positiven und sympathischen Eindruck zu hinterlassen.

So und hier habe ich noch mal fünf zentrale Tipps für euch zusammengefasst:

1. Nutze jede Situation, um dich positiv zu präsentieren, sei es um anfänglichen Smalltalk oder irgendwann beim Verabschieden.

2. Lies die Stellenanzeige sehr genau durch und sei in der Lage, die Anforderungen in eigenen Worten wiederzugeben.

3. Begründen, begründen, begründen. Überlegt euch eine gute Story und Beispiele, um eure Motivation für die Stelle darzulegen und wieso ihr für den Job geeignet seid.

4. Sage aufgeschlossene Körperhaltung und Blickkontakt zu eurem Gespräch.

5. Stell Fragen. Das wirkt interessiert und hilft euch selbst klar zu werden, ob der Job etwas für euch ist oder eben auch nicht.

So und jetzt kann man nämlich schon zum letzten Punkt und zwar, indem ich dir die Daumen drücke für euer Vorstellungsgespräch. Und wenn euch dieses Video gefallen hat, im besten Fall natürlich geholfen hat, würden wir uns natürlich riesig freuen, wenn ihr uns eure Daumen nach oben gibt. An dieser Stelle möchte ich auch noch mal ganz recht herzlichen Dank sagen an meine lieben Kollegen, die mich wirklich so tatkräftig bei diesem Projekt unterstützt haben und in meinen Augen großartig gemacht haben. Und ansonsten kann ich nur sagen, lasst es euch gut gehen, bleibt gesund, wir sehen uns bald wieder und bin raus.