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Neun Leute beim Thema. Statt Geografie schauen wir heute mal, was so bei nordamerikanischen Großstädten abgeht. [Musik]
Ok, wenn ihr schon mal in den USA oder Kanada wart, ist euch bestimmt direkt eines aufgefallen: Die Städte sind alle ziemlich jung. Heißt, es gibt keine historischen Stadtmauern, keine alpenländischen Marktplätze oder so urige mittelalterliche Gebäude, wie man es zum Beispiel hier in Europa kennt. Das liegt daran, dass die Verstädterung in Nordamerika erst mit den europäischen Einwanderern, so etwa ab dem 17. Jahrhundert, begann. Die Städte wurden dabei relativ fix gebaut. Das heißt, architektonisch und auch städteplanerisch war das Ganze eine ziemlich eintönige Sache. Schauen wir uns das Ganze mal an: Die Straßen sind erst mal in fast allen nordamerikanischen Städten wie ein Schachbrett angeordnet – alles schön gerade und geordnet. Teilweise sind die Straßen aber auch einfach nummeriert: Dann gibt es die First Street, Second Street und so weiter. Ich weiß, sehr kreativ. Die Vierecke, die dadurch entstehen, nennt man dann einen Block. Obwohl diese Struktur die ganze Stadt durchzieht, lässt sie sich noch in drei unterschiedliche Zonen gliedern.
Einerseits gibt es dann natürlich das Stadtzentrum, in Nordamerika auch gerne Downtown genannt. Hier gibt es das Geschäftszentrum der Stadt, auch Central Business District beziehungsweise CBD genannt. Vor allem Dienstleistungsunternehmen wie Banken oder Anwaltskanzleien sind hier zu finden. Wegen Platzmangel und steigenden Bodenpreisen wurden im CBD zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts auch die ersten Wolkenkratzer gebaut. Für die normale Bevölkerung ist der Downtown-Bereich aber nicht so beliebt. Das hat mehrere Gründe: Einerseits sind die Wohnungspreise hier extrem hoch. Selbst für eine kleine Wohnung muss man schon ziemlich blechen. Dazu kommt das hohe Verkehrsaufkommen, vor allem in der Rush Hour. Das kann auf Dauer ganz schön nervig sein. Und durch die hohen Wolkenkratzer kann es sein, dass ganze Straßenzüge durchgängig im Schatten liegen – auch nicht wirklich geil. Deshalb ziehen die meisten Menschen in die Zonen außerhalb des Stadtzentrums.
Die Menschen wollten erst möglichst nah am Stadtzentrum leben, um morgens fix zur Arbeit zu können. Deshalb wurden um die Downtown herum große Wohnblocks gebaut. So konnten dann alle Menschen untergebracht werden. Zudem siedelten sich hier auch Industrieunternehmen an; im Stadtzentrum war dafür jahrzehntelang zu wenig Platz. Als Bereich zwischen dem Stadtzentrum und den Außenbezirken wird dieser Teil der Stadt auch Übergangszone genannt. Mit der Zeit kamen immer mehr Menschen und Industrieunternehmen in die Übergangszone. Die Wohnblocks verfielen langsam, und es war allgemein nicht mehr so geil, hier zu leben. Viele Menschen sehnten sich nach einem Haus mit Garten. Deswegen zogen die, die genügend Geld hatten, weiter in die außerstädtischen Bereiche. Diese Außenbezirke werden in Nordamerika Suburbs genannt. Das sind an sich so was wie die deutschen Vororte. Diesen Prozess des Abwanderns der städtischen Bevölkerung vom Stadtzentrum ins Umland nennt man übrigens Suburbanisierung – wichtiger Begriff, merken!
Für die Übergangszone ist das gar nicht mal so geil, wenn alle wohlhabenden Menschen in die Suburbs ziehen. Bleiben nur noch die Armen zurück. Die niedrigen Mieten sorgen dafür, dass es zum Auffangquartier für mittellose Zuwanderer und Illegale wird. Die Kriminalität steigt auch an; wichtigen Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäusern mangelt es. Das Ganze wird noch unterstützt, wenn die Fabriken wegen des Strukturwandels zumachen und leer stehen. Dann verlieren viele Menschen ihre Arbeit, und es entstehen ungenutzte und hässliche Industriebrachen. Aus den früher beliebten und zentralen Vierteln werden somit immer mehr Elendsviertel. Diesen Prozess nennt man auch Ghettoisierung. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die Bronx in New York City.
Und wie sieht’s dabei im Suburb aus? Während die innenstadtnahen Bereiche zunehmend verfallen, geht es den Menschen hier richtig super. Durch die Suburbanisierung sind nicht nur die Menschen in die Außenbezirke gewandert, sondern mit ihnen auch viele Geschäfte und Büros. Die Menschen in den Suburbs können hier also leben, einkaufen und arbeiten. Es gibt für sie keinen Grund mehr, in das eigentliche Stadtzentrum zu fahren. Vielmehr hat sich der Suburb zu einem eigenständigen kleineren Zentrum entwickelt. Diesen Prozess nennt man auch Dezentralisierung. Bei solchen praktisch unabhängigen Service-Zentren sprechen die Amerikaner von Edge Cities, also Randstädten. Edge Cities symbolisieren dabei an sich das Endstadium eines Suburbanisierungsprozesses.
So, jetzt fassen wir das Ganze mal zusammen: Nordamerikanische Städte zeichnen sich allgemein durch eine klassische Strukturierung in Stadtzentrum (also Downtown), Übergangszone und Suburbs aus. Sie sind dabei von einem Prozess der Suburbanisierung geprägt – das heißt, die wohlhabende Bevölkerung zieht langsam in die Außenbezirke der Stadt, und es bilden sich dort neue kleinere Zentren. Das nennt man dann auch Dezentralisierung. Die früher beliebten innenstadtnahen Bezirke hingegen verfallen immer mehr und werden ein Anlaufpunkt für die arme Bevölkerung. Der Experte nennt das Ghettoisierung. Du willst passende Aufgaben zu diesem Video? Dann klicke jetzt hier, und Robert dort findest du Aufgaben auf Klausur-Niveau und mit einfachen Lösungswegen. Solltest du das verstehen, also Krieger und holte drüben, bis gleich.