Transcription
Ich habe mutig meine Jacke ausgezogen, aber hier im Studio ist es immer noch ein bisschen frisch. Deswegen behalte ich mein Halstuch an. Sieht aber auch sehr gut aus, oder Schatz?
Beiseite, ich habe wieder mal zwischen euren Kommentaren gescrollt. Ich schaue mir gerne eure Kommentare an und habe ein paar sehr interessante Anregungen gefunden. Unter anderem hat mir eins so richtig ins Auge gestochen und hat gesagt: "Hier, ich bin das neue Thema!" Und ja, jetzt kommt das Intro und dann hauen wir rein!
Dieses Video wird präsentiert von dienstzimmer.com, dem Bewertungsportal für Pflegekräfte, fürsorgefinder, der App, die anzeigt, welcher fürsorgedienstleiter freie Kapazitäten hat, und stiegelmeier, der Marktführer bei Betten für Krankenhäuser und Pflegeheime.
Hallo an alle! Juda hier vom Pflegekanal. Willkommen zum neuen Video. Wie gesagt, heute wollen wir uns mit dem Thema "Wie berate ich jemanden" befassen. Das Kommentar war auf Facebook, nein, auf YouTube. Das Kommentar war auf YouTube mit der Bitte zu zeigen, wie man eine Beratung bei Inkontinenz macht. Da habe ich mir gesagt: Okay, wenn ich mich jetzt nur auf die Inkontinenz beschränke, ist es wirklich ein Video, das meistens dann auch nur als solches gesucht wird und als solches aufgenommen wird. Da habe ich mir gedacht, es macht viel mehr Sinn, eine allgemeine Beratung mal vorzustellen. Wie mache ich eine allgemeine Beratung, die man dann zu jedem Problem anwenden kann? Ist es die Inkontinenz, ist es der Sturz, ist es die Ernährung, ist es der Tod des Angehörigen und so weiter und so weiter. Ich habe mir die fünf besten Tipps rausgeholt, die ich aus meiner Erfahrung gesammelt habe und habe sie für euch in diesem Video vorbereitet. Fangen wir gleich an.
Tipp Nummer 1: Vorbereitung ist King. Also wirklich, die Vorbereitung ist alles. Egal was du machst, es ist auch bei den Maßnahmen genauso, die Vorbereitung ist viel wichtiger als die Maßnahme oder die Durchführung an sich selbst. Warum? Weil wenn die Vorbereitung gut ist, wird die Maßnahme einfach reibungslos laufen. So ist es auch mit einer Beratung. Wenn du dich gut vorbereitest für die Beratung, wirst du einfach Punkte sammeln. Was heißt sich vorbereiten für eine Beratung? Also als allererstes muss ich wissen, zu wem ich gehe und warum ich gehe. Was ist denn der Beratungsgrund oder der Bedarf? In welchem Feld muss ich diesen Menschen beraten? Ist es die Inkontinenz, die wir schon erwähnt haben? Ist es der Sturz? Ist es der Schmerz? Ist es ein Angehöriger, der vom Sterben liegt? Ähm, also man findet, okay, das Thema wird benötigt. Dann nehme ich mir einfach ein Blatt Papier und bereite mir alles vor. Ich mache mir einfach ein Protokoll mit Fragen, die ich gerne stellen möchte zu diesem Thema. Ist es z.B. eine Inkontinenz, werde ich mir natürlich die Formen der Inkontinenz notieren, damit ich die nicht aus dem Augen verliere. Ist es der Sturz, was sind die Stolperfallen, was sind ähm die Gründe, warum die Menschen stürzen? Medikamente würde ich mir dick anstreichen, damit ich die nicht vergesse, damit ich auch einen Blick drüber werfe. Also ich mache mir wirklich ein Sheet oder wie gesagt, ein Blatt A4 mit Fragen, mit Notizen, die ich für diese Beratung brauche.
Tipp Nummer 2: Stelle die richtigen Fragen und in richtiger Form. Was bedeutet das? Es gibt Themen, die, wenn wir gefragt werden, für uns persönlich so eine Attacke auf unsere Persönlichkeit sind. Das heißt, ich muss die Frage richtig formulieren, damit sie nicht rüberkommt als wäre ich ein superiures, superlatives, nein, auch nicht ein Übermensch. Okay, wir vergessen das Super-Dingsbums da. Also es darf nicht rüberkommen, als wäre ich ein Übermensch. Warum? Weil keiner mag es, wenn jemand von oben herab auf ihn guckt. Das ist immer was Negatives. Das heißt, ich bereite die Fragen so vor und übe sie auch so und stelle sie dem Patienten so, dass es wirklich korrekt rüberkommt. "Ich entschuldige mich, Herr Mustermann, aber ich muss leider diese Frage stellen" oder "Um eine bessere, äh, Problem, um eine bessere Zielfindung zu erreichen, muss ich ihn leider ein paar unangenehme Fragen stellen." Also die Form, wie man dem Patienten oder dem Klienten äh die Frage gegenüberstellt, ist sehr wichtig. Stelle die richtigen Fragen heißt immer, du darfst nie geschlossene Fragen stellen. "Haben Sie ein Problem mit der Inkontinenz?" Dann sagt er ja oder nein. Die Frage ist beantwortet, fertig. Stell immer offene Fragen, wo der Mensch drauf anknüpfen kann, wo er einfach erzählen kann, weil deine Aufgabe ist es nicht nur die Frage zu stellen, sondern auch aus diesem Menschen die richtige Information mit der Frage rauszuholen. Und wenn er mit Ja und Nein antwortet, hast du wirklich nicht viel Stoff, mit dem du arbeiten kannst. Gib den Menschen immer Zeit zum Antworten, bevor du die nächste Frage stellst. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn du eine Frage gestellt hast und der Mensch fängt an zu antworten und vielleicht verfängt er sich im Thema, vielleicht holt er ein bisschen weit aus, vielleicht erzählt er ein bisschen langsamer und du schneidest ihn mitten in irgendeinem Gedanken mit der nächsten Frage. Das ist erstens respektlos, zweitens ist es sehr schlecht. Es unterbricht einfach den Fluss der Information. Also gib ihm Zeit, dass er antwortet. Generell würde ich immer die Beratung so planen, dass ich mindestens eine halbe Stunde Zeit habe für diese Person oder mindestens eine Stunde. Stunde wäre optimal, dann habe ich Spielraum und kann mit dem erstmal ein Chit-Chat für den Anfang aufbauen, also so ein kleines Einführungsgespräch und dann lege ich los mit der Beratung.
Tipp Nummer 3: Höre immer gut zu. Was bedeutet das? Das heißt, der Mensch erzählt dir etwas, etwas Persönliches, etwas über dieses Problem. Er beantwortet deine Fragen und du hörst gut zu. Du hörst nicht nur die Antwort auf deine eine, auf die eine Frage, die du gestellt hast, sondern du hörst wirklich zu. Vielleicht hörst du dann noch etwas raus, vielleicht hörst du noch eine Zusatzinformation, die er gar nicht verraten wollte oder sagen wollte oder die relevant ist für deine Problemlösung, für die Planung der Problemlösung. Also es ist wirklich immer wichtig, gut zuzuhören. Sehr wichtig ist es, Notizen zu machen, weil du hörst ja zu und du bist auch nur ein Mensch. Das heißt, es kann passieren, dass du 20 bis 30% von dem, was du gehört hast, entweder überhörst oder du vergisst es, bevor du an der Planung der der Lösung bist. Das heißt, mach die Notizen. Informiere auch den Menschen, dass du die Notizen deswegen und deswegen machst, nicht weil du das irgendwie an jemanden weiterleiten möchtest, sondern wirklich, damit du später die Problemlösung leichter finden kannst und sein Problem noch mal nachvollziehen kannst, wenn du im Büro bist.
Tipp Nummer 4: Gib den Menschen Optionen. Was heißt das? Also niemand mag es, wenn du ihn belehrst. Du kommst und erzählst dem dann von Lösungen. "Ja, wissen Sie, das und das ist wirklich eine optimale Lösung" oder "Sie müssten doch wissen, dass man sowas macht und sowas macht bei solch einem Problem." Also das hört sich dann wieder wie am Anfang von oben nach unten gesagt an. Er ist der Belehrte und du bist der Klugscheißer. Das ist schlecht. Also es ist immer gut, Optionen auf dem Tisch zu legen. "Wissen Sie, es gibt diese und diese und diese Möglichkeit. Diese Möglichkeit bietet uns das an, diese Möglichkeit bietet uns das an. Vielleicht könnte man das an Ihr Problem besser anpassen, wenn man das ausprobiert und wenn das nicht passt, können wir das ausprobieren." Also biete ihm Optionen an, biete ihm die Wahl an. Warum? Wenn du die Wahl hast, dann denkst du: Okay, ich entscheide, was hier passiert. Wenn jemand kommt und sagt: "Hier, du musst es so und so machen", vergiss es. Warum? Weil er hat nur diese eine Option und meistens wird er dagegen rebellieren. Deswegen gib immer zwei Optionen. Denk immer an Neo, er hatte ja immer zwei Pillen von Morpheus angeboten bekommen. Nimmst du die, passiert das. Nimmst du die, passiert das. Also Optionen sind einfach gut.
Tipp Nummer 5: Schließe das Gespräch ab mit Maßnahmen, die du planst. Das heißt, sag den Menschen: "Passen Sie auf, wir haben das und das besprochen, wir sind zum Entschluss gekommen, diese und diese Maßnahmen wären sinnvoll für Sie. Sie haben diesen auch zugesagt. Ist es für Sie Ordnung, dass wir diese Maßnahmen ab morgen, übermorgen, nächste Woche umsetzen? Oder ist es sinnvoll, dass ich für Sie dieses und dieses Material bei Ihrer Krankenkasse bestelle, damit wir die Inkontinenz besser in den Griff bekommen? Ist es für Sie in Ordnung, dass wir mit einem Toilettentraining beginnen?" Das heißt, du musst den Menschen die Maßnahme benennen und du musst sie dann festlegen, ab wann sie startet. Das ist sehr, sehr wichtig. Später hast du nicht das Problem, dass der Patient sagt: "Nee, du hast mich nicht informiert, ich weiß ja von nichts." Was Maßnahmen? Nee, sie waren ja nur hier, um meine Beratung zu machen. Das ist sehr wichtig, dass der Mensch auch wirklich hört: "Okay, wir haben eine Lösung gefunden oder mehrere Lösung, mehrere Vorschläge. Wir wollen das jetzt in eine Maßnahme umwandeln und er hat's gehört, er hat zugestimmt." Das ist der nächste Schritt oder der Abschluss einer Beratung.
Zuletzt habe ich noch den Bonustipp. Tipp Nummer, Tipp Nummer 6. Okay, ja, es fehlt ein Finger. Tipp Nummer 6 ist ein Bonustipp: Akzeptiere das Nein. Was bedeutet das? Das heißt, du hast die Beratung durchgeführt, du hast den Menschen Optionen auf den Tisch gelegt, also du hast alle Tipps so gemacht, wie es gemacht sein soll, und der Mensch sagt: "Nein, danke." Dann fühlst du dich richtig verarscht. Du fühlst dich angegriffen, persönlich angegriffen. Mann, ich habe mir hier den, den, den Mund wund gesprochen die letzte Stunde und der sagt locker: "Nein." Dann bist du angepisst, drehst dich um, gehst weg, kommst nie wieder. Nein, falsch. Du bist ein Profi. Akzeptiere das Nein. Warum? Du bist nur da, um den Menschen zu beraten. Du kannst nicht bestimmen, was mit ihm passiert oder was er akzeptieren soll, was er machen soll. Wenn er möchte, dass er wegen seiner Inkontinenz überall in der Bude rumpinkelt und dann stinkt das alles und irgendwann mal kriegt er irg-che Infektion, Pilze, sonst was, das ist nicht dein Problem, das ist sein Problem. Du hast ihn darauf aufmerksam gemacht. Er hat das Recht, so zu leben. Ist es jemand, der kognitiv eingeschränkt ist und einen Betreuer hat, dann musst du das mit dem klären, dass er noch mal da spricht oder zusagt oder absagt. Aber wenn der Patient nach einer Beratung einfach Nein sagt, dann akzeptiere das. Bedanke dich und sag: "Wenn Sie Ihre Meinung ändern, ich stehe Ihnen immer zur Verfügung."
So, das ist alles zum heutigen Thema. Ich hoffe, das Thema wird nutzbar sein, egal welche Beratung ihr vorbereitet. Wie gesagt, ob es jetzt die Inkontinenz ist, ob es der Sturz ist, ob es Diabetes ist, Ernährung, egal. Die Form, also diese fünf Tipps, die kann man verwenden, um eine Beratung gut zu gestalten. Wenn euch das Video gefällt, teilt es bitte weiter, damit auch andere davon einen Nutzen haben. Unter dem Video in der Beschreibung findet ihr nützliche Tipps zu diesem Thema und unten drunter sind die Comments. Haut rein, ich freue mich immer von euch zu lesen. Gefallen euch die Videos? Habt ihr Ergänzungen oder habt ihr Vorschläge für kommende Themen? Wenn euch der Kanal gefällt, ihr es noch nicht gemacht habt, einmal aufs Abo drücken, das kleine Glöckchen aktivieren und jedes Mal, wenn ein neues Video raus ist, kriegt ihr völlig kostenlos und unverbindlich eine Benachrichtigung und so seid ihr immer auf dem Laufenden. Letztendlich, wenn euch das Video gefallen hat, Daumen hoch hinterlassen. So unterstützt ihr mich und meine Arbeit und den Algorithmus, damit auch andere, die an der Pflege Interesse haben, dieses Video finden können. Ich bedanke mich für eure Aufmerksamkeit, wünsche eine gute Zeit, bis zum nächsten Video auf dem Pflegekanal. Ciao!