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3/5 - WDR Doku - Die Fünfziger Jahre - Halbstark

hansel229:03

Transcription

Lässig sein, coole Outfits und Rock 'n' Roll. Jugend fündig ihre eigene Identität und ihre eigene Sprache. Hallo, Zahn. Steht heute lang hier, oder? Sone Zentralschafe.

Zentralschafe. Wenn Helmut Kirmes war und diese Autoscooter waren immer umgelagert von Typen in schwarzen Lederjacken und Ölfrisuren und auf der Jacke stand Elvis drauf. Da hatte man Angst, da ging man im Westen im großen Bogen drum rum. Zwar nichts zum Identifizieren für mich, sondern Abstand. Faszinosum irgendwo, aber Abstand.

Halbstarke waren eigentlich mehr schon die, die 'n bisschen in in Rautitum reingingen, ja. Und die waren eigentlich damals sehr, sehr gering. Der Erwachsenenwelt stehen die Haare zu Berge, Sittenverfall, Rauditum, der Untergang des Christenlandes. Die Diagnose ist klar, Schuld daran sind die Medien. Schlager flüstern es ins Ohr, Filme flimmern es vor, Illustrierte blättern es auseinander, die Reklame schreit es ins Gesicht.

Orgien. Sexualisierung des öffentlichen Lebens. Die ganze heutige Jugend ist ein mieser Haufen, ohne Ideal. Resümee war eigentlich, dass sie dann irgendwie so sagten, 'n Halbstarker, der muss erst noch mal erwachsen werden und dann seine Lederjacke wieder ausziehen und die Haare vielleicht 'n bisschen wieder auf Deutsch schneiden und dann ist er wieder 'n normaler Mensch. An die Stelle fest, dass der Bundesrat beschlossen hat, dem Wehrpflichtgesetz gemäß Artikel vierundachtzig Absatz eins und Absatz fünf, Gesetz gemäß Artikel vierundachtzig Absatz eins und Absatz fünf des Grundgesetzes zuzustimmen.

Da hilft nur militärischer Drill. Die entgleiste Jugend wieder in den Griff kriegen, tatsächlich ein Argument in der Diskussion. Die Autoritäten schlagen zurück. Rock 'n' Roll war ja 'n Ventil. Das war ja nicht nur 'n musikalisches Ventil, das war auch 'n Lebensventil.

Es entludt sich dann ja alles, ne, und so, ne, wurden die ganzen Stile zerlegt und so weiter. Also gab eben auch schon 'n Randale, Gewalt gegen Sachen und so, ne, ne. Gab es. Und das fanden wir interessant, fanden wir wichtig. Das waren Maßnahmen.

Also es es war mehr als nur Musik. Bei der Bier Heli Tour neunzehnhundertachtundfünfzig kommt es aller Orten zu Randale, am spektakulärsten im Berliner Sportballast. Er hat das Konzert damit aufgehört, dass er also zehn, fünfzehn Minuten lang nur mehr nur 'n Riff spielte und das Publikum einfach zum Kochen brachte, wie's besser nicht geht. Und die ganze Band ist mit der Anlage, also mit den Lautsprechern verkabelt, da sind die von der Bühne abgegangen. Im Sportpalast war eine leere Bühne und er ist nie mehr rausgegangen.

Und dann war natürlich die Höhle los. Da saß ich mit der Baby Jones zusammen und meine Mutter war dabei oder so und da flogen uns die Stuhlbeine, die die haben das ganze Mobiliar zertrümmert. Die flogen uns so die Ohren, ne. Ne. Und das war schon eine sehr deprimierende Angelegenheit, muss ich sagen, weil weil irgendwo mein Herz hing einfach an der Musik, ja.

Und ich hab mir gedacht, wenn da jetzt alles Knüppel kleingeschlagen wird, was hat das mit Musik zu tun, In unserer Klasse gab es immer zwei Parteien, die Elvis Fraktion und die Peter Kraus Fraktion. Und die Leute, die bei uns in der Klasse für Elvis schwärmten, waren immer so Prolus, hatte hatte ich gedacht. Und Peter Kraus war mehr so fürs Verein, als wäre so das Intellektuelle. Im Vergleich zu den US Stars wird er brav. Für viele Eltern aber ist Peter Kraus schlichtweg ein Saumgel.

Damit soll bald Schluss sein. Die harten Rock 'n Roller zeigen jetzt Gefühl. Der King of Rock 'n' Roll leistet seinen Militälietz in Deutschland ab und landet Hits mit großen Schmelzen. Auch das Image von Peter Kraus wird jetzt noch einmal auf Hochglanz skaliert. Produzent Gerhard Mündessohn macht aus dem Schluckaufsänger einen süßen Schmusebeu von nebenan.

Ein junger Mann tauchte auf, nämlich Ted Herold, der sehr, sehr gut war und der mir richtig Konkurrenz machen wollte. Und logischerweise meldete er sich auch bei bei Mendelssohn, also in unserer Gruppe. Die Überlegung war einfach vom Mendelssohn, okay, das ist jetzt alles so Mädchenschwarm hin. Jetzt bauen wir den anderen im was ich nicht wusste und was Peter, inzwischen haben wir uns da über lange unterhalten und er hat's auch in seinem Buch geschrieben, Gerhard Mendelssohn beziehungsweise Kraus und Konsorten holten mich nach Wien, mich zu kontrollieren. Teenagerzeitschriften machten dann Umfragen, wen mögt ihr lieber, Peter Kraus oder der Tirol?

Und, na wie gesagt, das war also nie 'n Streit zwischen uns beiden. Ich brauch einen Ring, Punkt Edward zu sein. Und bei uns in der Klasse war das auch schon geteilt. Die Mädchen standen mehr auf Peter Kraus und die Jungs standen mehr so auf der T-Roll. Also insofern war das mit einem weinenden Auge schon.

Ich hätt schon lieber fetzigen Rock 'n' Roll gemacht, aber irgendwann musst Du dich auch den Gesetzen des Berufes und der Plattenfirma unterwerfen und muss dein Geld einspielen und dann macht man eben die Songs, ja? Und ich meine, Rock 'n' Roll hin und her für junge für junge Typen und Halbstarke. Die weiche Welle für die Mädels zu singen war auch sehr schön. Wahrscheinlich hat's mehr Spaß gemacht, Peter Kraus etabliert sich immer mehr als Teil des allgemeinen Showbusiness. Ted Herold hingegen ist umstritten.

Im Fernsehen ist er unerwünscht, seine Songs landen vereinzelt sogar auf dem Index. Als ich auf Tournee ging, hab ich ja nur böse Kritiken eingesammelt. Zum Beispiel, wie kann ein renommiertes Orchester wie Max Greger sich mit so einem daher gelaufenen Rock 'n' Roll Baden schmücken, der auf der Bühne steht, wild mit seiner Gitarre durch die Gegend fuchtelt und von sich behauptet, ich bin ein Mann. Das ist oft auch der Untergang des Abendlandes und so weiter. Also ich kann sagen, dass mindestens die Hälfte meiner Fanpost damals aus Briefen aus der Ex DDR bestanden.

Und deshalb war ich ja auch. Ich war auf der schwarzen Liste. Ich war Negersänger, wurde in einem Atemzug da drüben genannt wie Elvis, Bil Hailey und so weiter. Diese Negersänger oder Schluckauf Heuler und so weiter und