Transcription
Vor einem Jahr hat Janosch auf diesem Kanal die Menschen in Berlin gefragt, wie viel Geld sie verdienen. Eigentlich ein Tabuthema in Deutschland. Heute sind wir in München unterwegs, eine der teuersten Städte in Deutschland, und ich werde das Experiment hier mal wiederholen. Los geht's.
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Unsere Frage diese Woche: Was verdienen Sie? Wer möchte wissen, was verdienen Sie? Genügend? Genügend, um in München zu überleben? Ja. Was verdient ihr? Nicht genug. Kein Kommentar. Warum kein Kommentar? Sensibel genug, dass ich mir alles leisten kann, was ich brauche. Richtig ungern drüber. Warum ist das so? Geht ja manchen Menschen so, aber ich glaube, das ist was typisch Deutsches. Habe ich schon mal gehört. Zumindest 2400, glaube ich, Euro. Okay. Und in welchem Job arbeitest du? Grundschullehrerin. 2500 hast du raus am Ende des Monats. Was machst du? Ich bin Ökotrophologin, also Ernährungswissenschaftlerin. Was verdienst du? Geld. Ja, wie viel? Über 200.000 im Jahr. Wow. Was arbeitest du? Ich bin Agentin für Kunst- und Kulturprojekte. Was verdient ihr?
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2300 netto. Drei, vier netto. Und was arbeitet ihr? Ich bin Sachbearbeiterin und ich arbeite im öffentlichen Dienst und eine Uni-Verwaltung. Was verdienen Sie? Ich bin Pensionär. Und dann sagen Sie, dass Sie früher verdient haben, als Sie noch gearbeitet haben? Knapp 4000 Euro. Und in welchem Beruf haben Sie gearbeitet? In der Luftfahrt, bei der Deutschen Flugsicherung. Da habe ich sie auch fragen, was sie verdienen. Ja, also ich verdiene so, texttausend Euro und ich bin Geschäftsführer, aber ich versuche jetzt so ein bisschen mehr abzuspecken mit den Bodenverhältnissen, dass ich halt nicht mehr niedrigere Miete, weniger Arbeit, weniger Geld, als es so ein bisschen runterfahren. Was verdienen sie? Zu wenig.
[Gelächter]
Ungefähr zehn Butter oder netto brutto. Und davon kann man gerade so leben in München oder? Ja. Wenn ihr diese Zahlen hört, müsst ihr bedenken, dass manche Menschen ihr Monatsgehalt und andere ihr Jahresgehalt angegeben haben. Und ihr müsst bedenken, dass manche von ihrem Bruttogehalt sprechen. Das ist das Gehalt, das im Arbeitsvertrag steht. Und andere ihr Nettogehalt genannt haben. Das ist das Geld, was am Ende des Monats auf dem Konto landet. Ein kleines Rechenbeispiel: Jemand, der 30 Jahre alt ist, in Bayern arbeitet und lebt, keine Kinder hat und ledig ist und ein Bruttogehalt von 3000 € hat. Der zahlt auf dieses Gehalt ungefähr 340 € Lohnsteuer. Und dann werden zusätzlich noch mal über 600 € Sozialabgaben abgezogen. Das sind zum Beispiel die Krankenversicherung und die Arbeitslosenversicherung. Und am Ende des Monats bleiben dann nur gut 2000 € netto übrig. Wie das genau funktioniert und warum es diese verschiedenen Sozialabgaben gibt, haben wir mal in einer Podcast-Episode erklärt. Diese Episode vom Easy German Podcast, die verlinken wir euch unten in der Infobox. Sind die Gehälter hier, die ihr bekommt, fair für das, was ihr macht? Nein, weil ich glaube, es könnte durchaus mehr sein. Ich fand es immer fair, weil du hast viel mehr Freizeit als in anderen Berufen. Umgekehrt, wir haben lange nichts mehr gekriegt oder so minimal irgendwie ein paar Prozent. Und ist oder doch alles teurer und entsprechend im Vergleich zu anderen geht's einem, geht's mir vergleichsweise gut, aber man hätte trotzdem gerne war das Gehalt angemessen für das, was Sie geleistet haben? Eigentlich schon. Eigentlich, weil eigentlich, weil es gab große Freizeitangebot, fünf Tage Dienst, fünf Tage frei und das gleich viel ist dann aus.
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Ich bin kein Fluglotse gewesen. Das erklärt den Unterschied. Fluglotsen verdienen das dreimal so viel. Davon. Du bist in München. Du lebst in München. Was ist ein Gehalt, mit dem man leben kann in München? Ja, so, ich denke so ca. 2000 Euro sind gut. Ist sehr gut. Also, ist ja, also ich glaube, dass man mit zweieinhalb, drei netto sozusagen gut leben kann in München. Es kommt darauf an, wie in welchem Grundverhältnis mir lebt, aber viele steigen hier so in der WG ein, dass sie halt sie erstmal wie geht immer suchen und dann würde ich halt sagen, dann kommt man ja so ganz gut. Schauen wir mal. Wer braucht dann vielleicht für zwei bis zwei fünf brutto und dann und dann kann man ja schauen. Manche suchen sie auch noch Minijob, da kann man noch mal 520 netto verdienen. Das auch eine ganz gute Option, wenn man jetzt besser wohnen will.
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Dann kommt man eigentlich ganz gut über die Runden. 3000 Euro für 1000 Euro oder so. Also, wir zahlen über 2000 Euro Miete. Das noch relativ wenig für die große Wohnung. Da kommt viel zusammen, ne? Also, und wundert sich, das läppert sich so richtig zusammen. Es läppert sich. Das ist ein norddeutscher Ausdruck, kein Münchner Ausdruck. Netto würde ich sagen, schon 70.000. Ja, weil sonst du, ich meine, du findest hier nicht mehr. Angucke, ich wohne in der Wohnung und habe noch einen alten Mietvertrag und zahl wirklich nicht viel. Aber wenn ich mir angucke, was Freunde von mir bezahlen, die sich eine neue Wohnung suchen, die wollen irgendwie, ich weiß nicht, jetzt nicht zu viel irgendwie mal zu sagen, ich hätte gern zwei, drei Zimmer und vielleicht 75 m². Zahlst du einfach zweieinhalb Tausend locker. Und das ist einfach verrückt. Und wenn du dann noch, du brauchst als Selbstständige, du brauchst eine Krankenversicherung, kostet viel Geld. Du musst Steuern zahlen, natürlich auch. Du musst hier essen.
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Es ist echt hart.
[Applaus]
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Wie kommt das, dass München so viel teurer ist als andere Städte? Das ist eine gute Frage. Ich glaube, als eine schöne Stadt ist, weil sie relativ gut liegt und weil München sich schon, ich glaube, München war schon immer irgendwie so Porsche. Ja, Push ist ein gutes Wort. Was wir aber auch benutzen im Deutschen. Bist du auch Push? Ich glaube, Leute würden sagen, ja. Ich selber finde mich nicht Porsch. Ja. Und wissen Sie, wie der Vergleich zu anderen Städten ist? Wieso ist das in München und Berlin so unterschiedlich? München ist immer schon eine Stadt. Sie hören ja meine Stimme. Ich komme aus München. Ich lebe seit 50 Jahren jetzt hier. Ist einfach eine andere Stadt mit Leben und leben lassen. Ihr könnt sie, wenn sie einen guten Beruf haben, sehr viele Verbindungen haben, sehr viel finanzielle haben, Möglichkeiten haben, sie die haben sie in Berlin nicht. München ist keine Arbeitsstadt. Berlin ist eine Arbeiterstadt, immer schon gewesen, mit einem ganz anderen Milieu nochmal. Ziele und das zieht sich bis heute durch. Also, ich glaube, hier sind generell die Immobilienpreise höher. Die Kunststücke, also von von früher schon. Und Berlin hat sich jetzt erst in den letzten Jahren zu entwickelt. Und ja, ich glaube auch, dass Bayern irgendwo wirtschaftlich besser aufgestellt ist und auch von der Industrie her mit den ganzen vor Ort, BMW und Infineon und Google und die setzen sich halt alle hier in Bayern ab. Und dadurch sind halt einfach auch höhere Gehälter. Also, da befindet locker hier im Job. Ja, in Deutschland glaube ich, kann in München schon mit am besten verdienen. Gibt wenig Städte, wo die Verdienstmöglichkeiten besser sind, so viele ich weiß. Aber auch die Unkosten richtig, Nebenkosten, Lebenshaltungskosten zu nehmen, so recht hoch. Ja, ja, Miete, Lebenshaltungskosten ist schon noch mal eine andere Hausnummer hier als es auf dem Land oder in kleineren Städten. Ich meine, wir leben auch gerne, gibt dir gerne Geld aus und genießt das Leben und es kostet halt alles ein bisschen was. Die Münchner leben gerne. Das ist schön. Okay. Viele Leute wollen diese Frage nicht beantworten. Ist ein Tabuthema. Warum sprecht ihr so offen über eure Gehälter? Ich glaube, es ist nicht zu wenig und nicht zu viel, so dass es nicht unangenehm ist. Aber keine Ahnung, offene Menschen. Interessant. Also, du sagst, wenn man sehr viel verdient oder sehr wenig, dann spricht man nicht so gerne darüber. Zu viel verdient und weiß, es gibt sehr viele Menschen, die weniger verdienen. Es ist halt so. Ja. Gar nicht so viel. Anders. Zu wenig verdient und halt irgendwie nicht mehr weiß, wie man auskommen will oder auskommen kann, dann ist es vielleicht auch schwer, das zu geben. Ich weiß nicht, irgendwie, wo das von meinen Eltern so beigebracht, nicht so über Geld zu reden. Eigentlich deswegen, ich mag das auch nicht so gerne. Also, ja. Aber generell, ich finde, wenn man mit anderen Leuten hier in München auch spricht, ja, was verdienst du? Also, mit Freunden, das ist okay. Aber sobald man ältere fragt, also, ich sag jetzt mal ab 30, dann redet man da, also redet man da nicht so gerne drüber, weil Leute, glaube ich, sehr stark das Gefühl haben, dass sie, wenn sie weniger verdienen als jemand anderes, irgendwie weniger wert sind oder sich selber sehr versuchen einzuordnen und sowas. Aber das ist was sehr, ja, das ist sozial halt was, was unserer Gesellschaft wahrscheinlich einfach so stark etabliert ist, weil man halt dazu neigt, auf Leute herabzuschauen, die weniger verdienen und ähm Leute hochzuschauen, die mehr als einer selbst verdienen. Und jeder schwer, irgendwie mehr verdienen als er vielleicht sogar braucht und so. Und ich glaube, da kommt diese Einstellung. Ja, ich glaube, es ist viel darum geht. Also, es geht viel und es gibt schon viele Leute, die tragen eine dicke Uhr, fertig. Ist auch so, ich bin so, ich habe so viel Geld. Aber es ist gar nicht sicher, ob das so ist. Und ich finde, da sollte man offen darüber reden. Gerade auch als Frau habe ich die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist, rauszufinden, was die anderen verdienen, weil du hast ja auch diese Gender Pay gehabt. Und ähm, um wirklich rauszufinden, ob du benachteiligt wirst, musst du anfangen darüber zu reden. Und wie soll ich von jemandem verlangen, mir sein oder ihr Gehalt zu nennen, wenn ich selber nicht mache? Deswegen denke ich mir so, ja, muss man drüber reden. Oder top Einstellung. Finde ich gut. Ich war überrascht, wie viele Menschen hier offen waren und ganz offen über ihr Gehalt gesprochen haben. Wie ist das bei euch persönlich und in euren Ländern? Sprecht ihr über dieses Thema? Wenn ja, mit wem? Schreibt uns mal einen Kommentar. Und wenn ihr mit uns gemeinsam Deutsch lernen wollt, dann werdet ein Mitglied von Easy German. 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