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So können wir jedes Unrecht beseitigen!

Deen Akademie26:56

Transcription

Obwohl der Prophet einer der Kisch war, hat alleine das ihn nicht vor den körperlichen Angriffen der Quoreisch bewahrt. Er war einer von ihnen, von den Quoreisch, einem angesehenen Stamm, und eigentlich hat er dadurch Schutz genossen. Trotzdem hat ihn das nicht vor ihren Attacken bewahrt. Nicht Mann gegen Mann. Nein, nein, sie versuchten es auf eine andere Art. Sie versuchten, ihn zu überraschen in einem Moment, wo er, wo er achtlos war, vielleicht in einer anderen Welt, wo er im Gebet stand, direkt neben der Kaaba. Damals beteten die meiste Muslime nicht öffentlich neben der Kaaba. Es gab nur ganz wenige, die sich das trauen konnten, und einer von diesen wenigen, das war der Prophet (s.a.w.). Und das hat seine Gegner sehr gestört. Nicht einfach nur, dass er eine andere Religion hat, plötzlich hat er sich von ihrem Lebensweg abgewendet und hat jetzt was Neues, hat ihre Götzen abgelehnt. Dieses wirtschaftlich so erfolgreiche System, das war schon eine Katastrophe an sich, aber das war die eine Sache. Das war noch nicht so dramatisch. Dramatisch wurde es, als sie das öffentlich zeigte. Jetzt konnten das andere sehen, wie er sich von ihrem Weg abgewendet hatte. Das war damals so, und das ist, ich glaube, heute nichts anderes.

Wenn heute ein ein Mädchen zum Islam konvertiert, ist das erstmal immer ein Schock für die Eltern. "Uh, zum Islam? Wirklich? Willst du dir das antun? Wie kommst du auf diese Idee?" Besonders, wenn ein Mädchen das tut. Ich meine, wie schlimm ist das ja für eine Frau im Islam? Das kann man sich doch nicht freiwillig antun. Nun, erstaunlicherweise ist die überwältigende Mehrheit der Konvertiten, das sind Frauen. Und nein, nicht nur die, die verheiratet sind und deswegen ja von ihrem Mann gezwungen werden. Lassen wir die mal alle weg, selbst dann ist es noch die Mehrheit. Aber wie kommt das? Und die Eltern, ist das dann immer so? Wie kann das sein? Das ist der eine Schock, den hat man dann irgendwann verdaut. Aber wann kommt der nächste Schock? Wenn dieses Mädchen anfängt, Kopftuch zu tragen, wenn sie Hijab trägt. Was sollen denn die Leute sagen? Was sollen die Leute sagen? Jetzt sehen sie das ja. Was sollen die Leute sagen? Manchmal glaube ich, dieser Satz ist die stärkste Macht auf dem Planeten. So kommt es einem manchmal vor. Was sollen denn die Leute sagen?

Damals in Mekka, da gab es noch keinen Hijab. So äußerlich waren die Muslime gar nicht zu erkennen. Der Prophet, die ersten Muslime, die haben sich gekleidet wie alle anderen auch. Also so konnte man das nicht erkennen, dass jemand Muslim war. Das eine öffentliche Zeichen dafür, dass jemand Muslim war, das war das Gebet. Und das hat man üblicherweise neben der Kaaba verrichtet. Ausgerechnet neben der Kaaba, Downtown Mekka. Uff. Das war damals ein Schock. Und das ist heute noch dasselbe. Nicht nur, wenn es um Kopftuch geht. Allgemein beobachtet man immer das Theater in der Öffentlichkeit, wenn man etwas vom Islam sehen kann. Eine Moschee im Hinterhof, okay, das geht noch. Eine Moschee mit Kuppel, aber irgendwie im Industriegebiet, das geht auch noch. Eine Moschee mit Kuppel in der Innenstadt, das ist aber schon Alarmstufe gelb. Eine Moschee mit Kuppel und Minarett, uh, Alarmstufe rot. Und jetzt am besten noch eine Moschee mit Kuppel und Minarett, wo einmal in der Woche für 5 Minuten in einem Flüsterton der Gebetsruf zu hören ist, dann hat Erdogan aber Deutschland so gut wie erobert. Oder das wissen wir alle. Jetzt ging ganz aktuell durch die Nachrichten, dass Frankreich die Burka verbieten will, dieses traditionelle Gewand der Frauen. Ein Al-Buraq. Das Kopftuch ist, glaube ich, schon lange in den Schulen verboten, zumindest für Mädchen unter 14. So genau kenne ich mich gar nicht aus. Und jetzt auch noch die Al-Buraq. Aber warum? Warum ausgerechnet dieses Gewand? Man sieht nach außen hin die Religion der Trägerin.

Als ich damals als Lehrer in Nordrhein-Westfalen angefangen bin, da musste ich so eine Einstellungserklärung unterschreiben, und da stand drin, dass alle religiösen Symbole für Lehrer verboten sind. Alle religiösen Symbole. In Klammern z.B. Kopftuch, stand extra dabei, kein Witz. Religiöse Symbole sind für die Lehrer nicht erlaubt zu tragen. In Klammern Kopftuch. Außer christliche und abendländische Symbole. Das war beides ausgenommen. Was bleibt jetzt überhaupt noch über, wenn ich, wenn christliche und abendländische Symbole erlaubt sind, aber religiöse nicht? Schreibt doch gleich, muslimische sind nicht erlaubt. Nein, das darf man ja nicht sagen. Darauf ist es natürlich hinausgelaufen. Muslime ja, auf jeden Fall willkommen. Willkommen, aber bitte nicht sichtbar. Und wenn schon sichtbar, dann als Putzfrau. Das geht noch, das ist noch so an der Grenze des Tragbaren, aber mehr bitte nicht.

Abu Jahl saß mit seinen Leuten in der Nähe der Kaaba und sagte eines Tages. Nicht nur sagte er, er hat geschworen bei Allah, dass er, wenn er den Propheten das nächste Mal sieht, wie er hier neben der Kaaba betet, dass er im Moment, wo er sich niederwirft, den Fuß in seinen Nacken setzen will und ihn mit Sand bewirft. Das war so eine verächtliche Geste damals. Das hat er geschworen. Er saß da so mit seinen Leuten. Schwor, wenn das nächste Mal kommen, werde ich das machen. Kann sich das richtig vorstellen, diese Szene, wie er da so im Schatten irgendwo sitzt, neben der Kaaba, mit seinen coolen Typen, mit seinen Homies. Wenn der das nächste Mal kommt, dann werde ich ihm zeigen, dieses beweisen vor den anderen Leuten, was für ein toller Held man doch ist. Wie schnell lässt dieses Gehabe, dieses beweisen unter den Homies, einen Menschen jede Grenze von Moral vergessen? Ich meine, klar, sie hatten ihre Probleme mit dem Islam, aber die Kaaba war selbst für sie heilig. Der ganze Bereich um die Kaaba. Wie kommt man dann auf so eine Idee? Aber dieses Bedürfnis, sich beweisen zu müssen vor den Homies, das war einfach zu groß. Und da haben selbst die Araber, dieses Volk von Ehre, die so viel gegeben haben auf die Kaaba, die haben jede Moral vergessen. Mal abgesehen davon, jemanden im Gebet anzugreifen, unabhängig davon, was man von seiner Religion und von Gebet an sich hält. Was ist das bitte? Kommt man wirklich auf so eine Idee? Einen normalen Menschen im Gebet anzugreifen?

Wisst ihr, welche Gefahr ich heute manchmal sehe? Dass der Islam auch zu so einer Art, zu so einer Art Gang wird bei einigen. Man kommt von der Straße zum Islam, das ist schön und gut, also top, ich freue mich, wenn jemand diesen Weg findet. Aber dann nimmt er diese Gang-Mentalität mit, dieses mit den Homies sitzen und sich beweisen müssen, sich zeigen, den Helden spielen vor anderen. Und plötzlich wird es einem Muslim, dasselbe wie Abu Jahl. Nicht von der Religion her, das heißt nicht, dass er anfängt, Götzen anzubieten, aber Abu Jahl-Gehabe im Islam. Gangster, nur halt mit Turban und Jalabiya. Wir können uns vor Allah beweisen, das ist eine gute Sache, aber nicht vor den Homies.

Gesagt getan. Abu Jahl wartet, bis der Prophet zum Gebet kommt, und als er sich niederwirft, geht er auf ihn zu. Er möchte ja seinen Plan in die Tat umsetzen. Aber noch bevor er ihn erreicht, sehen seine Homies, wie er zurückweicht und das Gesicht weiß, und er wehrt irgendwas mit den Händen ab. Die Leute fragen ihn: "Was passiert?" Und Abu Jahl sagt: "Ich habe zwischen ihm und mir eine Feuergrube gesehen, und da drüber waren so Flügel, die schwebten über dieser Grube." Und der Prophet sagte später zu seinen Gefährten: "Dieses Feuer, das wurde von den Engeln herbeigebracht, und wäre Abu Jahl einen Schritt näher gekommen, dann hätten ihn die Engel in Stücke gerissen."

Diese Begebenheit erwähnt Allah in Sure Al-Fil. "Hast du den gesehen, der da einem unserer Diener das Gebet verwehrt?" Hast du den gesehen? Das war bezogen auf Abu Jahl. "Hast du den gesehen? Hast du den gesehen?" Sowas macht einen Diener vom Gebet abhalten. Wenn man diese Frage stellt: "Hast du den gesehen?", so wie Allah es hier formuliert: "Hast du den gesehen?", dann weißt du schon, jetzt kommt etwas Großes. Hast du den gesehen, der gemacht hat, und du wartest jetzt darauf, was, was könnte das sein? Was ist diese große Sache, die er gemacht hat? Er hält einen Diener vom Gebet ab. Das ist bei Allah eine gewaltige Sache, aber Allah nimmt sich seiner schon an, keine Sorge. Ich glaube, das ist einer der gefährlichsten Dinge auf der Welt, wenn jemand die Religion praktizieren will und du hältst ihn davon ab. Da muss man sehr vorsichtig sein. Und damit meine ich nicht bestimmte Auslegungen von der Religion, so Meinungsverschiedenheiten, und einer nimmt ausgerechnet die besonders strenge oder was auch immer. Das meine ich gar nicht. Ich meine diese grundsätzlichen Dinge: das Gebet, die Moschee. Es ist erstaunlich, wie sich muslimische Eltern heute trauen, ihre ihre Kinder davon abzuhalten. Es ist die eine Sache, wenn man das selber nicht praktiziert, okay, damit stehst du irgendwann vor Allah, das musst du klären mit ihm. Aber es ist eine andere Sache, ob ich jemanden anderen davon abhalte. Das ist einer der gefährlichsten Dinge überhaupt.

Aber es bedeutet auch, dass wir uns, dass wir uns weniger Sorgen machen müssen um unsere Religion. Allah passt schon darauf auf, dass die Praxis dieser Religion lebendig bleibt. Wir müssen uns da keine, keine Angst machen. Herausforderungen sind immer da, aber diese Religion unterbinden wollen, das ist wie eine Kriegserklärung gegenüber Allah. Und Allah sorgt schon dafür. Er sorgt schon für uns, für unsere Religion, solange wir zu ihm stehen. Das ist die einzige Bedingung. Allah sagt in Sure Al-Imran: "Und seid nicht verzagt und traurig, obwohl ihr doch die Oberhand behaltet, wenn ihr Gläubige seid." In Kuntum Muminin. Das ist die einzige Bedingung. Wenn ihr wirklich Muminin seid, wenn ihr Gläubige seid. Das war's. Du erfüllst diese Bedingung und du musst dir keine Sorgen machen. Allah passt schon auf.

Anderes Mal haben seine Gegner ihn erreicht, wie er im Gebet stand. Abdurrahman wurde gefragt, was das Schlimmste war, was dem Propheten damals geschehen ist. Das war ein, einer der schlimmsten Angriffe. Und er sagte: Der Prophet stand im Gebet. Das war so einer der, der fünf größten Gegner des Islams damals, so Top Five. Dazu gehörte er. Er hat sein Gewand genommen und ist zum Propheten gegangen, während er im Gebet stand, und legte es so um seinen Hals und würgte ihn so, dass er keine Luft mehr bekam. Man hat sich versucht, daraus zu befreien, aber keine Chance. Auch war es schon jemand. Man kann sich das vorstellen, wie das ist, wenn man so plötzlich überraschend gewürgt wird, keine Luft mehr bekommt, droht zu ersticken. Bis Abu Bakr das hörte. Er hat das mitbekommen und er rannte zum Propheten an der Kaaba und er half ihm, sich zu befreien. Und er sagte zu den Leuten: "Was ist mit euch? Wollt ihr einen Menschen töten, nur weil er sagt: Mein Herr ist Allah? Geht ihr so weit? Deswegen wollt ihr einen Menschen töten, nur weil er sagt: Mein Herr ist Allah? Was ist euer Problem? Was ist euer Problem?"

Und wieder ein anderes Mal, als der Prophet im Gebet stand, sagte Abu Jahl: "Wer wird die Eingeweide des Kamels bringen? Am Tag vorher, da wurde ein Kamel geschlachtet, und sie auf den Rücken von Mohammed werfen, wenn er zu seinem Herrn betet." Und wieder, er war losgegangen, nahm die Eingeweide von dem Kamel. Das ist, das ist schon, was ist nicht wie bei uns. Ein Kamel ist ein, ein 500 Kilo Tier. Nahm sie und konnte die so gerade noch so tragen. Als der Prophet sich nieder geworfen hat, hat er das so über ihn geworfen, und es war so schwer, dass er sich nicht befreien konnte, so in der Niederwerfung auf dem Boden gedrückt, und auf ihm diese, diese Last. Und wieder musste jemand anders kommen. Diesmal seine Tochter Fatima. War damals ungefähr 8 Jahre alt. Sie hörte davon und sie rannte weinend zu ihrem Vater und hat ihm dann geholfen. Sie beide zusammen haben es dann geschafft.

Und jetzt war der Prophet anders. Er dreht sich um und er sieht Abu Jahl und seine Homies da sitzen. Er sieht sie, wie sie, wie sie sich kaputt lachen. Aber dann vergeht ihm das Lachen. Er schaut sie an und hebt die Hände zum Dua. Und als sie das sagten, wurden sie still und ihre Gesichter wurden blass vor Angst. Und der Prophet nannte jeden einzelnen beim Namen. Das war der erste Dua. Er nannte einen Namen nach dem anderen, einen nach dem anderen, und er wiederholte sie dreimal. Obwohl sie von seiner Religion nichts gehalten haben, ist ihnen selbst da das Lachen vergangen. Und Abdurrahman sagte später: "Jeden einzelnen von diesen habe ich gesehen, wie er tot auf dem Schlachtfeld von Badr liegt." Jeden einzelnen.

Wir unterschätzen Dua zu sehr, zu sehr. Dua ist die stärkste Waffe eines Gläubigen, besonders im Falle eines Unrechts und besonders gegen denjenigen, der das Unrecht begeht. Und dann noch, wenn es um die Botschaft Allahs geht. Was soll einen solchen Dua noch aufhalten? Das einzige, was diesen Dua aufhält, das sind wir selbst. Denn bei all dem gibt es immer diese eine Bedingung: In Kuntum Muminin. Wenn ihr wirklich Gläubige seid. Das ist alles. In Kuntum Muminin, wenn ihr Gläubige seid. Nicht, wenn es uns bei dem Dua um was anderes geht. Dua machen, um sich zu präsentieren, damit die Leute beeindruckt sind. "Oh wow, der macht so emotional Dua." Oder für das eigene Ego, sich vor den Leuten zeigen, als wenn man für den Islam einsteht, die Leute hinter sich sammeln. Nein, nein. Wenn es aufrichtig Dua ist gegen einen Übeltäter und für eine gute Sache, was hält diesen Dua auf? Wenn ihr Gläubige seid, in Kuntum. Und keine Sorge, Allah, Allah vergisst nicht. Allah vergisst das nicht. Badr war Jahre später, die Schlacht von Badr war Jahre, nachdem das vorgefallen ist, aber Allah vergisst es nicht. Er hat seinen eigenen Plan.

Dua ist traurigerweise heute manchmal das Letzte, was uns einfällt, oder wenn wir ein Unrecht sehen. Ich weiß es nicht, uns, uns fallen immer sehr viele andere Dinge ein. Wir müssen das bekannt machen, die Leute aufklären, die Stimme erheben, Profilbilder tauschen. Ist alles gut, also darum geht's mir nicht, es ist alles gut. Aber das, was der Prophet damals machte, war einfach Dua. Er ist nicht zu seinen Leuten gegangen und hat gesagt: "Wir müssen das bekannt machen, ich schreib das jetzt auf meine, auf meine Jalabiya, oder ich sammle einige, einige von den Gläubigen, die gut gestellt sind, wir machen eine Demo in Mekka." Das kann man heute machen, wenn man diese Möglichkeiten hat. So nicht. Also, aber das, was er einfach machte, war Dua. Das, was er machte, war Dua. Es ist stärker als all diese anderen Dinge. Dua, aufrichtig vom Herzen, gegen ein Unrecht. Es ist so unglaublich stark. In Kuntum, wenn ihr Gläubige seid. Ich glaube, manchmal, dass es daran vielleicht scheitert. In Kuntum Muminin, wenn ihr Gläubige seid. Da steckt unglaublich viel drin. Wirklich wahrhaftige Gläubige zu sein. Da steckt unglaublich viel drin. Wer würde das für sich in Anspruch nehmen? Viel Arbeit an dem, selber, viel Arbeit an deinem Charakter, an deinem ganzen Auftreten, an deiner religiösen Praxis, wie du deine Gebete verrichtest und Wudu machst und so weiter. In Kuntum Muminin, wenn du, wenn du das erreichen willst, wirklich so, dass du sagen kannst: "Ich mache einen Dua gegen ein Unrecht und Allah wird dir diesen Dua erfüllen." Es dauert vielleicht einige Jahre, aber er wird das tun. Und nicht nur dir, sondern auch den anderen. Du nimmst andere mit. Du arbeitest an dir selber und du arbeitest daran, dass andere sich zum Guten verändern. Das ist anstrengend, oder? Das ist unglaublich anstrengend.

Wie oft habe ich heute schon gehört: "Allah ändert nicht die Lage eines Volkes, solange sie sich nicht selbst ändern." Ja, ich weiß, das sind alles schöne Sprüche, ein Vers aus dem Koran, und es ist so leicht gesagt. Aber wer macht das tatsächlich? Wer setzt sich denn hin zu Hause und macht dann mal einen Plan? Okay, In Kuntum Muminin, wir müssen wirklich wahrhaftige Gläubige sein. Da muss ich sorgen, dass ich erstmal so jemand werde. Was fehlt mir? Was war, was muss ich jetzt machen? Was fehlt an meinem Gebet, an meinem Fasten, an meiner religiösen Praxis, an meinem Umgang, an meinem Umgang mit der Moschee, mit dem Buch Allahs? Was kann ich daran ändern, damit ich irgendwann einmal in diese Kategorie passe? So, bei mir habe ich jetzt einen Plan. Wie kann ich es erreichen, dass meine Umgebung sich auch in diese Richtung entwickelt? In Kuntum Muminin, wenn ihr Gläubige seid, meine Familie, meine Freunde, meine Moschee. Wie kann ich das erreichen? Das ist schwer. Aber wisst ihr, was leicht ist? Ein Profilbild wechseln. Das ist so. Deswegen ist das der leichte Weg, und das machen viele. Den schweren Weg gehen, in eine Kategorie kommen, dass Allah deinen Dua gegen ein Unrecht erhört, das ist viel harte Arbeit. Und es bedeutet nicht, dass der, dass der Weg eines Muslims leicht wird. Nein. Allah hätte es dem Propheten auch leicht machen können. Ganz einfach. Abu Jahl nimmt den Islam wahr, der Führer in Mekka, die Leute folgen ihm. Sie haben sowieso zu ihm aufgeschaut. Das wäre ganz leicht gewesen. Das Christentum ist nur deswegen groß geworden. Ein römischer Kaiser nimmt das Christentum und die Leute folgen ihm. Das war's. Und wenn er damals Hindu geworden wäre, dann wären die Leute mit dem Hindus geworden, und wir wären jetzt alle Hindus. Der ganze Westen, wir wären alle Hindus. Aber diese Religion ist anders. Diese Religion hat eine, hat Glaubwürdigkeit. Keiner kann dem Propheten (s.a.w.) ernsthaft unterstellen, er hätte irgendein weltliches Ziel verfolgt. Bis er 38 oder 39 war, hatte er das perfekte Leben. Er hatte eine angesehene Frau, eine wohlhabende Frau, ein großes Haus, er war angesehen, Familie, Kinder. Es war das beste Leben, was man sich damals wünschen konnte. Die Leute standen damals Schlange, bevor er Khadija geheiratet hat, viele wollten sie zu Frauen nehmen, weil sie wussten, okay, das wird mir alle Türen öffnen. Er hat diese Frau geheiratet. Er hatte ein, ein wunderschönes Leben aus weltlicher Perspektive betrachtet, das schönste Leben überhaupt. Jetzt kommt diese Botschaft, und die Leute versuchen, ihn im Gebet zu erwürgen. Niemand macht das, wenn er nicht davon überzeugt ist, nicht einfach so. Und es gibt dieser Botschaft Glaubwürdigkeit. Dieser ganzen Religion. Der Prophet hat kein weltliches Ziel verfolgt. Gerade deswegen, weil er so viele Schwierigkeiten hatte, ansonsten wäre diese Religion einfach eine, eine Erfolgsstory gewesen, wie viele andere in der Geschichte. Und diese Herausforderungen sind auch Beispiele für uns, für uns heute. Der Islam begann mit dem Propheten, aber er hat nicht mit ihm geendet. Danach ging es noch über 1400 Jahre weiter bis heute. 1400 Jahre mit Höhen und Tiefen, mit sehr schweren Situationen. Die Kreuzritter und die Mongolen sind nur einige davon. Woher würden wir heute unsere Inspiration nehmen, wenn in der Zeit des Propheten immer alles easy going gewesen wäre? Woher?

Und es lehrte den Propheten auch schnell etwas, nämlich, dass er sich am Ende auf Allah verlassen muss. Er kann nicht immer vorsorgen, alles abwägen. Das macht man bis zu einem gewissen Grad, aber dann, dann verlässt du dich auf Allah. Natürlich trifft man seine Vorsichtsmaßnahmen, so hat er uns auch erzogen, aber am Ende ist das eine Sache von Allah. Man macht, was man kann, und das war das, was er für den Erfolg brauchte, dass sein Herz sich nicht auf die Dinge in dieser Welt verlässt, nicht auf die Tatsache, dass er einen Onkel hat wie Abu Talib, der ihn schützt. Denn Abu Talib ist irgendwann verstorben, und jetzt, wenn sein Herz daran gehangen hätte, dann wäre er im selben Moment verzweifelt gewesen. Aber das war er nicht, denn Abu Talib, das war nicht sein Schutz. Es war Abu Talib war sein Schutz, aber das war das Mittel, was Allah gewählt hat, um ihn zu beschützen. Wenn Abu Talib verstirbt, wie jeder andere Mensch irgendwann einmal sterben wird, damit Allah ein anderes Mittel finden. Die Mittel von Allah sind grenzenlos. Sein Herz hat nicht an diesen Dingen gehangen. Und das war etwas, was er gesehen hat. Das ist das große Problem heutzutage. Wir wissen das auch alle, Erfolg kommt nur von Allah. Aber sehen das unsere Herzen so? Sehen wir wirklich die Welt durch diese Brille, dass Allah nur Mittel erwählt, um uns Erfolg zu geben, und nicht die Mittel selber? Der Prophet hat es gelernt, und Herausforderungen stärken auch deine Entschlossenheit. Was motiviert die Menschen, wenn sie Rückschläge erleben und aufstehen und weitermachen? Das ist etwas, was einen motiviert, das stärkt das Herz. Das ist wie, wie Training. Training oder trainieren kannst du nur, indem du die Gewichte erhöhst, so dass es irgendwann anstrengend wird. Und das Herz ist genauso. Entschlossenheit bekommst du, wenn du nicht aufgibst. Und das zu lernen, dafür musst du erst einmal einige Male scheitern. Wenn du nicht aufgibst trotz starkem Gegenwind, das ist etwas, was dein Herz stärkt.

Der Prophet hielt die Stellung in Mekka trotz all der Umstände. Er ist dort geblieben. Aber das galt nicht für alle Muslime damals. Einige versuchten, sich in Sicherheit zu bringen, und sie haben einen Ort gesucht, wo sie zumindest ihre Religion ungestört praktizieren können. Und einen solchen Ort gab es auch noch vor Medina, eigentlich sogar zwei Orte. Ein Ort in Mekka und ein Ort außerhalb davon. Welche beiden Orte das waren, das schauen wir uns noch an.