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Schüleraustausch EXTREM! 19 Stunden Schule am Tag | Galileo | ProSieben

Galileo12:47

Transcription

Der antiautoritären Waldorfschule aus München zum Drill nach Südkorea und von der idyllischen Einsamkeit Helgoland zur größten Schule der Welt in Indien. Heute starten wir zwei wirklich extreme Schulexperimente.

[Musik]

Zwei deutsche Teenager wagen für Galileo ein Leben so ganz anders als gewohnt. Lernen in Korea. "Ich gehe nachts um 11:30 Uhr. Das ist doch das geht ja das geht gar nicht eigentlich." Und in Indien Alltag in einer anderen Kultur. "Ich weiß nicht, ob ich mich einleben werde. Ich glaube, dafür ist es einfach zu anders."

Für Johanna geht es von Helgoland nach Indien. Finn fliegt von München nach Südkorea. Auf der kleinen Nordseeinsel leben gerade mal 1500 Menschen. Hier ist es ruhig, klein und beschaulich. Auf Helgoland besucht die 14-jährige die kleinste Schule Deutschlands. Jetzt geht es für eine Woche auf die größte Schule der Welt nach Indien. Das hier ist das komplette Gegenteil ihrer Heimat. Was kann die Schülerin hier für ihr Leben lernen? Ihre Gastschwester ist Manja. Auch sie ist 14. "Johanna kommt von so weit her. Darum geben wir uns besondere Mühe, sie willkommen zu heißen." "Wir werden ja sehen, wie es klappt. Ich bin echt gespannt auf Sie." "Es ist mega mega heiß. Es sind mega viele Leute." Dann trifft Johanna zum ersten Mal ihre Gastschwester. Johannas Gasteltern sind genauso herzlich. Eine typisch indische Begrüßung. Die Blumen heißen den Gast willkommen. Der rote Punkt auf der Stirn soll Johanna segnen und das Kennenlernen unter einen guten Stern stellen. "Bist du zum ersten Mal in Indien?" "Ich find's toll, aber es ist zu heiß." In Deutschland sind gerade mal 10°. Ob die indische Küche abkühlt? Das ist eine Spezialität aus Südindien. Aber eigentlich ist es auch in ganz Indien bekannt. "Okay." Manas Mutter hat für Johanna extra viele indische Nationalspeisen gekocht. Nicht nur an das Essen muss sich Johanna vorsichtig gewöhnen.

Auch auf Finn wartet ein Abenteuer. Der 18-Jährige geht auf eine Waldorfschule in Bayern. Die Waldorfpädagogik lehnt Noten ab. Sitzen bleiben kann hier keiner. Die Idee: Lernen ohne Druck und aus eigenem Interesse. Fester Bestandteil der Schule ist die Bewegungslehre. "Also, man kann auch Gedichte tanzen. Es ist natürlich cool, wenn man irgendwie vier Stunden hintereinander auf Stühlen sitzt und dann einfach eine Stunde tanzen darf. Das ist cool." Doch Finn will etwas wagen. In Seoul, der Hauptstadt Südkoreas. Hier ist schon in der Schule alles auf Leistung getrimmt und ich glaube so viel wie die in der Schule sind und lernen, das habe ich in meinem Leben noch nie gelernt.

[Musik]

"Oh, hallo ja." Fins Familie: auf Zeit Mama Jun Jin und Vater Sing. Aber fehlt da nicht jemand? "Lee, wo ist ihr Sohn?" "In in der Schule natürlich." "Ah, okay. Ah, okay. Und wann kommt er nach Hause?" "Vielleicht so um 11 Uhr. Jeden Tag. Jeden Tag." Seine Abschlussprüfung ist in zwei Monaten und mit der Note bewirbt er sich dann an der Uni. "Das ist sehr wichtig." Das bedeutet für den 18-jährigen Sohn Lee Pauken fast rund um die Uhr. "Hi, hi, ich bin Fin. Mein Name ist Leung." In der Schule sind schon alle ganz aufgeregt, dich morgen kennenzulernen. "Ja, ich freue mich auch sehr." "Wann müssen wir denn aufstehen?" "Ich gehe immer so um 6:45 Uhr aus dem Haus." Das ist ja schon mal so ganz anders als Finn es gewohnt ist.

[Musik]

In Indien ist es für Johanna und Manja schon Zeit, sich fertig für die Schule zu machen. Das bedeutet Schuluniform, kein Make-up und sogar Einheitsschuhe. "Ich find es persönlich jetzt nicht so gut, weil ich finde, dass das halt die Individualität von Schülern richtig einschränkt. Ist klar, es hat auch so positive Seiten, aber ich persönlich bin jetzt nicht so der Fan davon." Manja hilft Johanna beim Anziehen. Auch Zöpfe sind für Mädchen Pflicht. "Ich finde es sieht sehr sehr sehr sehr seltsam aus, aber ja." City Montessori School, die größte Schule der Welt. 52.000 Schüler, über 2000 Klassenzimmer, 3000 Mitarbeiter und 20 Gebäude über die Stadt verteilt. In diesem hier lernen 6000 Kinder. Jeder Tag beginnt mit einer Versammlung und mit indischem Schul-Yoga. Die Bewegung soll die Schüler für den Unterricht aufwecken. Dann geht es los. Jede Klasse hat einen eigenen Raum, in dem sie hauptsächlich unterrichtet wird. Fleißig schreiben alle sofort mit. Dabei kennen die Lehrer nicht mal die Namen ihrer Schüler.

[Applaus]

"Es ist auf jeden Fall sehr sehr sehr viel disziplinierter. Also es ist überhaupt nicht diese Nullbockstimmung in der Luft, die halt in den meisten deutschen Klassen so herrscht, vor allem halt jetzt bei 40°." Pause. Mehrere tausend Schüler können nicht alle gleichzeitig raus. Es gibt einen Plan, der verhindern soll, dass Gänge und Treppen verstopft sind. "Ja, alles ist anders als zu Hause." "Irgendwas mit Gemüse. Ich kann einfach, es ist so heiß, ich kann dann einfach nicht essen."

Südkorea, hier herrscht das härteste Schulsystem der Welt. Lee's Schule ist dafür bekannt, dass sie viele Schüler an Eliteunis bringt und da will Lee unbedingt hin. Darum kommt er morgens eine Stunde eher und wiederholt den Stoff vom Vortag. Wie viele koreanische Schüler übrigens, für sie ist die Schule ein zweites Zuhause. Für Finn eine völlig fremde Welt. Verbeugen vor den Lehrern als Zeichen des Respekts. Dabei wird auch kontrolliert, ob die Schüler Uniform tragen. "Ich überreiche dir feierlich deine Uniform. Se, zieh dich um." Finn geht zu Hause auf eine Waldorfschule. Niemals würde er dort Uniform tragen, aber so cool. "Oh mein Gott, das ist richtig bequem, ey. Richtig cool." Die Schüler aus Südkorea gelten als die besten der Welt. Doch dafür zahlen sie einen hohen Preis. Mindestens 15 Stunden am Tag heißt es lernen. 7 Tage die Woche, das ist ihr Alltag. Nach 8 Stunden die erste Essenspause. Gelegenheit für Finn Lee nach seinem großen Traum zu fragen. Die Elite-Uni. "Welche Noten brauchst du dafür?" "Ich darf nur vier Antworten von 230 falsch haben in der ganzen Prüfung. Es gibt sechs Prüfungsbereiche." "Ich bewundere deinen Ehrgeiz. Aber es kann doch nicht gesund sein, so viel zu lernen und nie genug zu schlafen." "In Korea, aber Alltag." Für Finn geht der Lerndrill um 16:30 Uhr weiter im sogenannten Selfstudy Room. "Es wirkt so, als wir hätte jeder hier seine eigene Zelle und dass jeder so abgeschottet voneinander ist. Auch vermutlich liegt es nur daran, damit man sich besser konzentrieren kann. Aber es ist schon krass. Hätte ich nie erwartet. Hätte ich echt nicht erwartet." Die Schüler wiederholen den Stoff des Tages und arbeiten sogar vor. Immer unter den strengen Augen mehrerer Aufsichtspersonen. Doch Finn kann nicht mehr. Es ist inzwischen nach 23 Uhr. Aufstehen dürfen die Schüler je 10 Minuten, alle 2 Stunden.

[Musik]

"Okay, also ganz ehrlich, glaube nicht, dass ich mich daran gewöhnen könnte und ich weiß nicht, wie die Koreaner das aushalten. Einfach unvorstellbar für mich." "Are you finished now?" "Yay!" Es ist nach Mitternacht. Finns Wecker klingelt in 5einhalb Stunden wieder.

In Indien hat Johanna längst Schulschluss. Auch für sie ist es nicht einfach, sich in der fremden Kultur zurechtzufinden. Die Hitze, der Verkehr. "Oh Gott, die Herz. Da fährt einfach jeder, wie er will, mit was er will, mit wie vielen Leuten er will. Es ist echt sehr chaotisch." Zum Abendessen gibt's heute Pizza.

[Musik]

"Probier mal und sag, wie schmeckt." "Sehr lecker. Oh, scharf." Trotz aller Unterschiede sind die Mädchen schon Freundinnen. "Wir haben rausgefunden, dass wir den gleichen Musikgeschmack haben. So ziemlich." Das macht Johanna die Eingewöhnung leichter. Auch in Südkorea nähern sich die zwei Jungs immer mehr an. Auch wenn wir ein bisschen nachhelfen.

[Musik]

In ein paar Tagen findet an der Schule ein Speech Contest statt. Du wirst teilnehmen und ein Vortrag über das Waldorf Schulsystem halten. Die Begrüßung bitte auf Koreanisch. Zeig deinen Gastgebern, was du kannst. Viel Erfolg. "Oh mein Gott." Redewettbewerbe haben Tradition in Korea und werden streng bewertet. Und auf einmal übt auch Finn bis spät in die Nacht, unterstützt von seinem Gast Brother Lee.

[Musik]

"Ich war vorgestern im Prinzip schon mit der Rede fertig, habe dann aber irgendwie gemerkt, ja, dass die gefällt mir nicht und dann habe ich sie noch mal geschrieben und dann war ich bis 2 Uhr drüber und deswegen habe ich sehr wenig geschlafen." Sogar der Direktor ist bei Fins Rede über die Waldorfpädagogik dabei. Ein System, das ohne Noten funktioniert, indem es Schülern beibringt, selbstverantwortlich zu lernen, ohne Druck auf die Schüler auszuüben. Klingt für die Schüler und Lehrer unglaublich, denn hier zählen nur Bestnoten. Für Finn eine ganz neue Erfahrung und ein Gewinn fürs Leben. Als Nachweis gibt's sogar eine Ehrenurkunde. Der Besuch in Südkorea hat dem 18-jährigen eine neue Welt gezeigt. Ehrgeiz, Leistung und Disziplin. Hier zählt nur das Ergebnis und nicht der Weg dahin.

Auch in Indien neigt sich der Besuch dem Ende zu. Johanna verabschiedet sich von dem Land und natürlich auch von ihrer Gastfamilie. Besonders Manja ist ihr in der kurzen Zeit sehr ans Herz gewachsen und eine sehr wertvolle Erkenntnis nimmt sie mit nach Hause. "Es ist alles nicht selbstverständlich, was wir in Deutschland haben. Das ist schon etwas, was einem hier so klar wird, das wie viel Glück man hat."

[Musik]