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Wir erleben ein Blutbad an der Wall Street, nach den drastischen Zöllen, die Donald Trump gestern im Rose Garden verkündet hat. Und das Fazit der Investmenthäuser ist durchgehend das gleiche: viel schlimmer als erwartet, vor allem auch ein Schuss in den eigenen Fuß. Die Techindustrie, die Einzelhändler werden besonders schwer getroffen, wie auch die Industrie. Das Risiko einer Rezession steigt weiter, und laut Barkley ist dieses Risiko im S&P 500 auf den aktuellen Niveaus noch nicht reflektiert.
Schlimmer als befürchtet: Die Zölle von Donald Trump erschüttern die Wall Street. Wir sehen durchgehend negative Reaktionen von den großen Investmenthäusern. In Washington zum Beispiel weiß man beim Beispiel China gar nicht so richtig, wie hoch die etablierten Zölle eigentlich wirklich sind. 34% Zoll also auf Importe aus China. Das Anlegermagazin Barons hat beim Weißen Haus nachgefragt, ob das inklusive der bereits verhängten Zölle sei. Und nein, die muss man hinzurechnen. Also liegen wir bei 54%. Dann die erneute Nachfrage: Ja, aber beinhalten die 54% denn die Zölle, die Donald Trump in der ersten Amtszeit verhängt hat? Und diese Frage konnte das Weiße Haus nicht beantworten. Das würde bedeuten, dass die Zölle nicht bei 54%, sondern eigentlich bei 79% liegen. Absolutes Chaos, also man blickt kaum mehr durch. Fest steht nur eins: Die Zölle werden auf breiter Front wesentlich höher ausfallen als das Worst-Case der Wall Street.
Hier sehen wir mal die Schätzungen: Die Zölle, die effektiven Zölle dürften ab dem 9. April auf etwa 24% steigen. 24% bedeutet: Wir müssen zurückgehen ins Jahr 1910, als das Niveau das letzte Mal der Art hoch war. Immer wieder erstaunlich für mich, dass Donald Trump sich auf McKinley beruft, der Präsident, der um 1895 ebenfalls die Zölle erheblich angehoben hat. Das führte auch damals zu einem deutlichen Anstieg der Inflation und später bei den Midterms zu einer der größten Niederlagen, die die Republikaner jemals einstecken mussten. Die Rede von Donald Trump war zudem extrem aggressiv. Statt also die Verhandlungsbasis anzubieten, wurde davon gesprochen, dass man 50 Jahre unfairer Behandlung korrigiert hat, das sei notwendig gewesen. Und das klingt nicht danach, als würde man die Zölle wieder zurückrollen. Abgesehen davon droht Donald Trump im Fall von Gegenzöllen weitere Zollanhebungen umzusetzen. Unsicherheit bleibt damit das Motto an der Stunde. Und Unsicherheit auch in Sachen Gegenmaßnahmen sorgt dafür, dass selbst an so schwachen Tagen die Käufer in der Reserve bleiben.
Hier noch die Basis-Annahme von Goldman Sachs, die bei 10% lag. Die aggressive Schätzung lag bei 18%, und selbst die werden übertroffen. Wie gesagt, die effektiven Zölle werden bei um 24% liegen. Schauen wir uns mal das Feedback der Investmenthäuser an. Goldman Sachs hatte vor Bekanntgabe der Zölle einen S&P von 5300 gesehen, innerhalb der nächsten 3 Monate die Marke von 5500. Die Märztiefs sind jetzt nach unten durchbrochen. Man hatte vor Bekanntgabe der Zölle die Erwartungen der Wirtschaft gesenkt und der Inflation angefacht. Das Rezessionsrisiko lag bei 35% und müsste jetzt eigentlich weiter steigen. Zu dem Ergebnis kommt auch JP Morgan. Hier betont man: Die Zölle werden nicht, die Zölle nicht zurückgerollt werden. Wir in den USA und weltweit eine Rezession durchlaufen. Der große Zollsatz von 20% gegenüber der EU sei ein bedeutsamer zusätzlicher Schock für den globalen Ausblick. Die City Group betont, dass die Zölle auf Taiwan, Südkorea, China und Vietnam vor allen Dingen für die Halbleiter- und Techindustrie eine große Gefahr darstellen, und vor allen Dingen für die Lieferketten. Sollten die Zölle nicht zurückgerollt werden, steigt das Rezessionsrisiko, und die Aktien der Halbleiter müssten nochmals um mindestens 20% sinken. Besonders empfindlich seien die Aktien von On Semiconductor, Micron und Global Foundries wegen der geringen Margen. Dell, übrigens Hewlett Packard, Supermicro – alle werden rasiert. Denn eins steht natürlich auch fest: Die insbesondere hohen Zölle auf Taiwan, China, Hongkong und Vietnam werden in der Techindustrie zu deutlich höheren Kosten führen und sorgen dafür, dass die AI-Bubble, die wir sehen, weiter an Luft verliert. Auch UBS betont: Dieses Szenario sei schlimmer als das Worst-Case-Szenario, ein Kinnhaken, vor allen Dingen die Zölle auf China und auf Taiwan. Das könne zu einer Zerstörung der Nachfrage, zu einer Zerstörung der Lieferketten führen, auch hier in den Vereinigten Staaten. Tja, und so geht die Liste weiter. Die Deutsche Bank betont, dass die Zölle von über 50% auf China und Vietnam über 600 Milliarden Dollar an Industrieimporten in die Vereinigten Staaten treffen könnten. Die UBS ebenfalls skeptisch: Zölle fallen am oberen Ende der Prognosen aus, die Risiken nehmen zu, insbesondere auch für die Schwellenländer. Barkley betont, dass der amerikanische Aktienmarkt – und das basiert auf den Schlusskursen von gestern, beinhaltet also nicht die heutigen Einbrüche – dass der S&P 500 bei einem Minus von 8% nur zu 25% eine Rezession eingepreist habe. Historisch betrachtet verliert der Index vom Hoch im Umfeld einer Rezession 35% im Schnitt. Also auch hier die Betonung: Eine Rezession sei im S&P 500 noch nicht eingepreist.
Auch bei Axios wird berichtet, dass das Risiko einer Rezession nun erheblich zugenommen hat. Wenn diese Zölle aktiv bleiben und andere Gegenmaßnahmen fehlen, dürfte die Weltwirtschaft das dritte Mal der letzten 20 Jahre eine Rezession durchlaufen. Die letzten beiden Rezessionen wurden verursacht durch die globale Finanzkrise und durch Covid. Die dritte vermutlich durch Donald Trump. Axios berichtet übrigens auch, dass, dass die Trump-Administration übrigens selbst Zölle auf unbewohnte Inseln verhängt hat. Ne, das ist dieser Wahnsinn, dass man zu guter Letzt eigentlich kaum noch durchblickt. Ja, die Proval-Ratings für Donald Trump laut Reuters brechen ein, was die Wirtschaft betrifft, nur noch bei 37%. Hier also sehen wir eine weitere Abkühlung. So, ansonsten machen haben wir ja noch dieses ganze Chaos verursacht durch unseren Kettensägenmann, durch Elon Musk bei Twitter. Und auch das wird jetzt zunehmend sichtbar in den Wirtschaftsdaten. Wir sehen, dass laut Challenger Gray, einer der großen Personalberater, im März 275.000 Entlassungen gemeldet wurden. Das ist ein Anstieg von 60% im Vergleich zum Vormonat und ein Anstieg von 205% im Vergleich zum Vorjahr. Dabei handelt es sich um 215.000 Entlassungen vor allen Dingen im Staatsbereich. So, man darf nicht vergessen: An jedem Staatsbediensteten hängen im Schnitt fünf Zulieferer-Jobs. Wenn also 215.000 Jobs auf Staatsebene verloren gehen, ne, da rechnet das selber hoch, die Zulieferer, die da dran hängen und die Folgen in der Privatwirtschaft, die wir im nächsten Schritt sehen dürften. Auch hier übrigens Chaos, denn wir wissen ja gar nicht, wie viele Jobs tatsächlich auf Staatsebene entlassen wurden. Ein absolutes Chaos.
Wir haben am Freitag die Arbeitsmarktdaten, und man muss sagen, dass zumindest der Lohnabwickler ADP und auch die durchschnittlichen Erstanträge für Arbeitslosenhilfe, die die wöchentlichen Anträge signalisieren, eigentlich, dass der Arbeitsmarktbericht am Freitag noch recht gut ausfallen wird. Aber die Furcht vor einer Enttäuschung nimmt natürlich zu, zumal wir heute Morgen wieder Wirtschaftsdaten bekommen haben. Der ISM-Einkaufsmanagerindex der Dienstleister lag im März unter den Erwartungen. Die Auftragseingänge schwächer als erwartet, besonders schwach. Die Arbeitsmarktkomponente, die Prices Paid Komponente, also der Inflationsindikator in dem Index bei 60,9. Die gute Nachricht: Das war ein bisschen niedriger als erwartet, aber 60,9 – alles über 50 bedeutet zunehmende Preisdynamik. Und jetzt mit den Zöllen, die ja erst im April verhängt werden, werden wir die eigentlichen Folgen vermutlich erst in den nächsten Daten sehen. Ja, wir haben jetzt schon eine Reihe von direkt betroffenen Unternehmen: Nike z.B. Über 50% der Sneaker kommen aus China und Vietnam. Wir haben massive Zölle auf Vietnam, über 40%. Die Nike-Aktie also sehr schwach. Bei On Holding, auch im Sneaker-Bereich, bei Lululemon, bei Wayfair deutliche Einbrüche. Alle diese Unternehmen haben hohe Quoten aus Asien und werden also unmittelbar getroffen. Aus der Autoindustrie gibt es auch die ersten Schlagzeilen. Es wird berichtet, dass Ford in Mexiko und Kanada einige Werke pausiert, also die Produktion pausiert. Wir haben die Meldung, dass Nissan bei einem Werk Mexiko die Produktion suspendiert. Wir haben die Meldung, dass Volkswagen den Schienenverkehr zwischen Mexiko und den USA pausiert. Und es sollen in Zukunft bei Autoverkäufen in Amerika Importgebühren verlangt, verabschiedet werden, die auch ausgewiesen werden, damit die Kunden wissen, woher das kommt. Ja, weitreichende Folgen also in den USA. Man hat ja Schätzungen, dass hier bis zu 190.000 Jobs in der Autoindustrie verloren gehen. Kein schönes Umfeld also.
Und vielleicht noch eine Grafik zum Schluss: Hier sehen wir mal die Umsatzanteile der großen Unternehmen im Ausland. Wir haben im S&P werden 46% der Umsätze im Ausland generiert. Im, Entschuldigung, im Nasdaq sind 46% der Umsätze im Ausland generiert, bei den magischen 7 Tech-Aktien sogar 49%. Diese Sektoren werden also besonders schwer getroffen. Bei den Werten im S&P 500 liegt die Quote bei 28%. Und man kann das eben nicht isoliert betrachten. Das ist genau das, den Fehler, den Donald Trump macht: Er schaut sich Amerika isoliert an. Aber die Tatsache ist, dass nun mal alles zusammenhängt. Wie hieß es noch nach den Wahlen? Man müsste den Russell 2000 haben, für Nebenwerte, der jetzt offiziell einen Bärenmarkt erreicht hat. Denn der Russell 2000 hat zwar sehr wenig Exportfaktoren, ne, man ist auf dem Binnenmarkt fokussiert. Aber das Problem ist natürlich, dass wenn der Binnenmarkt in eine Rezession rutscht und der Konsum abkühlt infolge der Zölle, werden natürlich auch kleinere Unternehmen im Russell 2000 getroffen. Es hängt nun mal alles aneinander und alles zusammen. Der Ripple-Effekt, der indirekte Effekt ist manchmal noch größer als der direkte. Das muss man sich vor Augen halten. Und dementsprechend also auch da herbe Kursverluste. Ja, noch mal: Ich habe selten eine Phase erlebt mit so viel Ignoranz. Die Tatsache, dass Donald Trump das tatsächlich glaubt, Amerika zu stärken durch die Zölle, ist beängstigend. Genauso wie jeder, der selbstständig ist oder Personalverantwortung hat, jeder weiß, dass man bei Entlassungen sehr zielt vorgehen muss. Man muss genau wissen, welche Konsequenzen das hat, anstatt schnurstracks ganze Abteilungen einfach dichtzumachen, ohne zu wissen, welche Folgen das zu guter Letzt haben wird. Ja, sehr bitter für die Vereinigten Staaten und letztendlich gesehen auch für den Rest der Welt. Ich wünsche, destotrotz, einen guten Handelstag. Bis dann und ciao.