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Dieser Beitrag hat mich GEBROCHEN! – Deutschland VERSAGT! @STRG_F

Gregor Metz34:40

Transcription

Steuerung F erzählt eine persönliche Geschichte. Wie kann das sein, dass eine Organisation eine persönliche Geschichte erzählt? Na ja, ihr Team in Afghanistan wurde scheinbar von Deutschland im Stich gelassen. Wir lesen uns kurz die Beschreibung durch und schauen uns das dann an, weil es viele Leute gibt, die das kritisieren. Dass es das Bundesaufnahmeprogramm Afghanistan gibt, und jetzt wäre es mal sinnvoll zu wissen, welche Leute da ungefähr gemeint sind, die man da rausholen müsste, weil sie unter Gefahr leben, von den Taliban ermordet zu werden, die dann aber nicht unterstützt werden.

Also, unser Kamerateam in Afghanistan, Mosin und Kadija, versuchte gemeinsam aus Afghanistan zu fliehen, nach Deutschland. Im Oktober 2022 schicken sie ihren Antrag für das deutsche Bundesaufnahmeprogramm ab. Das Paar ist jung und liberal; sie verstehen sich als Künstler, als Aktivisten für Freiheit, Frauen- und Minderheitenrechte. Das alles rückte sie ins Visier der Taliban, die 2021 die Macht in Afghanistan übernahmen. Unser Reporter Amin hat ihr Schicksal in den letzten drei Jahren eng begleitet. Ihr gemeinsames Ziel ist, sicher nach Deutschland zu fliehen – werden sie nie erreichen. Die Geschichte einer Liebe und eines Verrats. So, das schauen wir uns an.

Wenn dir linke Aufklärungsarbeit wichtig ist und du das gerne unterstützen möchtest, kannst du meinen Kanal abonnieren, äh kannst auf Twitch vorbeischauen, da mache ich das live im Live-Format mit dem Chat hier. Also hier ist, hier gibt’s einen Chat, kannst du reinschreiben, kannst dich melden, gern, immer gern gesehen. Und wenn du mich finanziell unterstützen möchtest, hier habe ich ein Kofi, kannst einmal eine Spende da lassen, oder danke Internet, oder kannst ein Abo abschließen. Jede Form der Unterstützung ist gern gesehen. Wir starten rein. Wie geht es diesen Menschen in Afghanistan? Ich habe so ein Gefühl: Vor drei Jahren waren wir in Afghanistan, meine Kollegin Mariam und ich, mit unserem Team vor Ort. Haben wir einen Film gemacht, den fast fünf Millionen Menschen geschaut haben. Es ging um Mariams Opa, der die Taliban damals noch gut fand. Für den Film haben wir den Grimme-Preis bekommen. Doch während wir in Deutschland Preise bekamen, versuchte unser Kamerateam irgendwie, Afghanistan zu verlassen, denn das Leben unter den Taliban wurde immer gefährlicher, immer wieder auch Anschläge des IS in Afghanistan. Und dann trifft es unser Team. Ich fuhr gerade vorbei und sah einen abgebrannten Bus. Willst du – also ich dachte nicht, dass es wirklich passiert ist. Das ist die Geschichte einer großen Liebe und großer Ungewissheit, die Geschichte von Mosin und Khadijah, die tragisch endet.

Das sind wir in einem Restaurant in Kabul vor drei Jahren, damals ausgelassen. Das ist Khadija. Wenn meine Mutter das sieht, kriege ich Ärger, ka, sie sagt, Essen soll nicht übrig bleiben. Und das ist ihr Ehemann, Mosin. Ein Teller habe ich schon gegessen, und von dem hier auch die Hälfte. Ach komm, ich esse das Hühnchen noch auf, damit auf Armims Video kein halber Teller bleibt. Die beiden arbeiten zusammen als Grafikdesigner und Kamerateam. Knapp drei Wochen waren wir zusammen im Land unterwegs; Mosin filmte für uns, Khadija steuerte die Drohne. Zu dieser Zeit konnten wir in Kabul noch zusammen Shisha rauchen. Auf unseren Reisen durchs Land herrschte gute Stimmung, zumindest wenn keine Taliban in der Nähe waren. Die Taliban waren damals frisch an die Macht gekommen und ließen sich von uns filmen. Hier ist Khadija, umgeben von Taliban. Sie musste sich vor den neuen Machthabern streng verhüllen; sie steuerte die Drohne. Die Taliban staunten. Für Khadija ist Musik von den Taliban auch verboten worden. Ja, es ja, aber für Agitator ist ja gar nicht so schlecht, die Nähe zu den, besser als davor war es. Taliban schwer zu ertragen, wie sie uns später erzählte. Denn Mosin und Khadija lebten nicht so, wie sich das Islamisten vorstellen. Nach drei Wochen verließ ich Afghanistan; Khadija und Mosin blieben zurück. Doch wir blieben in Kontakt. Mittlerweile ist Mosin raus aus Afghanistan; wo und wie, dazu später mehr. Über Video-Calls habe ich seither immer wieder mit ihm gesprochen.

Hier sprechen wir über die Zeit unserer Dreharbeiten. Als ihr da wart, waren die Taliban noch frisch an der Macht, da waren sie noch nicht so streng. Danach wurden sie Schritt für Schritt repressiver: Universitäten wurden für Frauen geschlossen, Mädchen durften nur noch bis zur sechsten Klasse in die Schule. Sie nahmen Leute fest, Medien wurden zensiert. In den Monaten nach unseren Dreharbeiten zeigen die Taliban, welches Land sie wollen. Khadija kann die Jeans nur noch unter einem Schleier tragen, wie hier auch. Mosin muss sein Äußeres verändern. [Musik] Man musste sich anpassen, den Bart stehen lassen und traditionelle Kleidung tragen. Khadija und Mosin, 2011 an der Universität; sie studieren Grafikdesign. Beide verbindet ihre Leidenschaft für Film und Kunst. 2021 heiraten sie. Wir erleben die beiden als sehr verliebtes Paar. Sie arbeiten viel für internationale Auftraggeber, sowie uns. Nach der Machtübernahme der Taliban kämpfen sie weiter für eine freie Gesellschaft. Hier filmen sie sich selbst bei ihrer Arbeit. Sie verstehen sich als künstlerische Aktivisten für Freiheit, Frauen und Minderheiten. Das hier ist eines von Khadijas Bildern, ihr eigenes Gesicht gezeichnet, aus Aufrufen für Frauenrechte, Freiheit und Kritik an den Taliban. Und denen sind Proteste ein Dorn im Auge. Khadija und Mosin gehören außerdem der Minderheit der Hazara an, die von den Taliban unterdrückt und vom afghanischen Ableger des IS verfolgt wird. Sie spüren nicht, vergessen das ist etwas, wo der Agitator sagt: Ja, ist besser als davor. Immer mehr sie müssen das Land verlassen. Warum? Also ja, wenn er kein Problem damit hat, dass Frauen unterdrückt werden und das eine knallharte Diktatur ist, okay, erzählen wir euch die Geschichte von Khadija und Mosin, weil sie ein Stück Weltpolitik erzählt, und deutsche Politik und unsere gemeinsame Geschichte.

Schauen wir mal zurück ins Jahr 2021, als die internationalen Truppen Afghanistan verließen, ziemlich abrupt, nach 20 Jahren. Eroberten die Taliban die Macht zurück. Dabei wollte der Westen Afghanistan von ihnen befreien, dem geschundenen Land helfen, eine Demokratie zu verankern. Ja, gut gemacht, Westen. 20 Jahre lang war auch die Bundeswehr mit den NATO-Truppen in Afghanistan. Tausende tote Zivilisten und am Ende ein harter Abzug. Auf das große Versagen folgten große Versprechen: „Wir lassen die Afghanen nicht im Stich“, hieß es. Unglaublich. Ich will jetzt, ich ich will da jetzt nicht sehen, dass da Männer schon runterfallen. Oh mein Gott! Oh mein fucking Gott! Wir sind natürlich auch dafür, dass man die Gruppe der zu schützenden Personen neben den Ortskräften erweitert: Frauenrechtlerinnen, Bürgeraktivisten, Journalisten und Vertreter für Menschenrechte. Es ist ganz wichtig in dieser Situation zu helfen und dabei zu sein. Markus, halt einfach die Fresse, du verdammte Lügner, halt einfach die Fresse! Sie sind nicht vergessen, wir arbeiten doch mit – sie danke, deutsche, danke deutsche Polizeigewerkschaft, Druck daran, alle in Sicherheit zu bringen.

Im Oktober 2022 startet das Bundesaufnahmeprogramm, der Plan, im Monat ca. 1000 besonders gefährdete Afghaninnen und Afghanen aufzunehmen. Im Fokus stehen bei diesem Programm, anders als beim Ortskräfteverfahren, besonders gefährdete Afghaninnen und Afghanen, die sich für Demokratie eingesetzt haben, also z.B. Menschenrechtlerinnen, Journalistinnen und Künstlerinnen, sowie Khadija und Mosin. Das Programm ist eine direkte Reaktion auf die Risiken, denen viele Afghaninnen und Afghanen nach dem Abzug der internationalen Truppen und dem Machtwechsel ausgesetzt sind. Die Bundesregierung hat verschiedene Organisationen mit Afghanistan-Expertise bestimmt, die sich um die erste Auswahl besonders gefährdeter Menschen für das Bundesaufnahmeprogramm kümmern sollen. Nach dieser ersten Hürde werden die Ausgewählten dann im Auftrag des Bundesinnenministeriums erneut geprüft. Nur wenn sie als gefährdet genug eingestuft werden, kommen sie für das Bundesaufnahmeprogramm in Frage. Abschließend prüft das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge noch einmal, wer eine Aufnahmezusage erhält. Insgesamt prüfen also drei Instanzen die Gefährdungslage.

Als das Bundesaufnahmeprogramm gestartet ist, haben wir sehr viel Hoffnung bekommen, besonders weil wir auf viele Kategorien zutrafen: Wir sind Künstler, politisch aktiv, wir sind Hazara und Schiiten. Die Hazara sind eine ethnische Minderheit in Afghanistan, zu der auch Mosin und Khadija gehören. Hier sind sie in der Heimatregion von Khadijas Eltern in Bamiyan, das Kulturzentrum der Hazara. Genau hier sprengten die Taliban während ihrer ersten Herrschaft die berühmten Buddha-Statuen. Die Hazara erlebten systematische Verfolgung. Vor ihrer Machtübernahme verübten die Taliban gezielt Anschläge in Vierteln, in denen viele Hazara leben, wie im Kabuler Stadtteil Baraki Barak, wo auch Mosin und Khadija wohnen. Als die Taliban 2021 wieder an die Macht kamen, gab es Berichte von Verhaftungen und Tötungen von Hazara. Die Anschläge durch die Taliban hörten zwar auf, doch der IS in Afghanistan verübte weiterhin blutige Angriffe gegen sie. Khadija und Mosin beantragen im Oktober 2022 die Aufnahme in Deutschland. Damit beginnt ein langwieriges Verfahren. Jetzt heißt es warten. Doch lange passiert gar nichts. In Deutschland dreht sich in der folgenden Zeit die Stimmung immer mehr gegen Geflüchtete, soweit, dass auch Bundeskanzler Scholz bald ankündigen wird, vor allem im großen Stil abschieben zu wollen. Und auch das Bundesaufnahmeprogramm gerät unter Beschuss, noch bevor überhaupt jemand aufgenommen wurde. Die Kritik: Das Programm sei anfällig für Missbrauch. Daraufhin werden neue Sicherheitsmaßnahmen eingeführt. All das verlangsamt den Prozess. Bevor irgendwas passiert ist, übrigens, bevor irgendetwas passiert ist, nach sechs Monaten, bevor eine Person damit nach Deutschland gekommen ist, ein Bundesaufnahmeprogramm für Afghanistan. Aber das ist auch ein ganz toller öffentlich-rechtlicher Rundfunk, der genau diese Ängste ernst genommen hat und darüber Diskussionen geführt hat. Noch mal, ich will zum letzten Mal: Bevor irgendeine, bevor eine Person überhaupt damit nach Deutschland ist, so unfassbar, gibt es noch keine einzige Zusage. Die Bundesregierung scheint an ihrem Versprechen zu scheitern. Nach einem Jahr bietet das Aufnahmeprogramm 13 Afghanen Schutz, 13 in einem Jahr, statt der anvisierten 1000 pro Monat. Wir hatten die Hoffnung aufgegeben. Ein Jahr warten ist wirklich sehr viel. Weiter, während die Taliban immer radikaler wird in ihren Einschränkungen – sie waren immer radikal, aber werden sie das immer mehr ausbauen – elendes Warten. Auch nach 14 Monaten hoffen sie immer noch auf eine Zusage aus Deutschland. Währenddessen erschüttern mehrere Anschläge ihren Stadtteil. Die Anschläge des IS gelten der Minderheit der Hazara. Dann der 6. Januar 2024. Auf dieser Straße ist Khadija gerade auf dem Weg nach Hause von ihrem Englischkurs, da detoniert eine Bombe, mutmaßlich gelegt von Terroristen des IS in Afghanistan. [Musik] Meine Mutter rief an und fragte: „Wo bist du?“ Ich will mir das nicht vorstellen, ich will mir das nicht vorstellen, wie das ist, wenn da einer von mir drin ist. Ich sagte: „Ich komme gerade aus dem Gym.“ Sie sagte: „Es gab wieder eine Explosion in unserem Stadtteil.“ Ich fuhr gerade vorbei und sah einen abgebrannten Bus. Sie waren noch am Löschen, aber da Khadija eigentlich nie mit dem Bus fuhr, dachte ich nur, dass sie vielleicht in einem Auto in der Nähe war und im schlimmsten Fall verletzt war. Ich dachte nicht, dass es wirklich passiert ist. Khadija stirbt noch am Anschlagsort. [Musik] Wenn die Antwort früher gekommen wäre, dann wäre vielleicht alles anders gelaufen, dann könnte sie noch leben. Nein, ich weiß es. Und was ich so schlimm finde, also wenn wir, wir das Meiste, was wir mitbekommen aus Kriegsgebieten sind Zahlen. In vielen Fällen sind es nicht solche Berichterstattungen, weil es leichter ist zu sagen: „Ah, es sind wieder so viele gestorben, und jetzt zum Wetter.“ Aber was diese Zahlen halt verschleiern ist, dass da, dass dahinter menschliche Schicksale stehen, die genauso ein soziales Netz haben. Die Menschen haben die sie selber lieben, von denen sie geliebt werden, wo einfach eine Situation ist, die genau eins zu eins ist wie das Verhältnis zwischen Tochter und Mutter, und wie auch immer, und Familien und Verliebten, wie hier auch. Also wer jetzt sagt: „Nein, in Afghanistan kann man ja hin abschieben“, nein, die Menschen, die dort leben, und es kann ja sein, dass ich einfach nur durch Zufall, durch Pech, weil ich in dem Stadtteil wohne, wo diese verfolgte Minderheit ist, und auch wenn ich diese Minderheit nicht angehöre, dass ich trotzdem Opfer dieser Gewalt werde. Und dass man da jetzt und locker flockig sagt: „Ne, kann man ja dorthin abschieben“, nein, überhaupt nicht! Da sterben Menschen, die gar nicht betroffen sind, die gar nicht jetzt Teil der verfolgten Minderheit sind, die einfach sozusagen als Nebenprodukt dieses Terrors dann genauso dran glauben müssen. Und dass das so kommuniziert wird, als: „Ja, da ist doch eh relativ safe. Wirklich, dann schick da doch mal deine, weiß ich nicht, deine Oma hin oder deine Tochter, wenn du Vater bist, wenn es dort so safe ist, wenn man dort eigentlich Urlaub machen kann.“ Äh ja, ein Toter ist eine Tragödie, 100 eine Statistik. Ja, ist ein sehr richtiger Satz, höre ich zum ersten Mal, aber es ist absolut richtig. Ist nicht, Afghanistan ist effektiv seit 100 Jahren in Besatzung, Bevölkerung ist der Inbegriff von verzweifelt. Ja, ist ja, weiß ich nicht, also das, das, also ich bin natürlich eh relativ nah am Wasser gebaut, aber es ist trotzdem sinnvoll, sich das vor Augen zu führen. Was ist, wenn ich ins Fitness – ich gehe letzte Zeit wieder öfter ins Fitnessstudio – und ich komme raus, meine Mutter ruft an: „Ja, Explosion und Freundin ist nicht da.“ So will man sich das nicht vorstellen.

Khadija wurde 32 Jahre alt, getötet, mutmaßlich vom IS. Mosin gerät kurz darauf ins Visier der Taliban. Mehr können wir aus Sicherheitsgründen nicht sagen. Mit mir kommuniziert er in dieser Zeit nur noch über seinen Bruder. Er schreibt verzweifelte E-Mails an deutsche Stellen, doch das Aufnahmeprogramm nimmt weiterhin viel weniger Menschen auf als geplant. Möglicherweise im Juni 2024, nach inzwischen 19 Monaten, sind es gut 500 Aufnahmen. Zur Erinnerung: Die Bundesregierung hatte von ca. 1000 pro Monat gesprochen. Warum sind bisher viel weniger gekommen? Wir fragen damals die Bundesinnenministerin über das Bundesaufnahmeprogramm speziell. Das stimmt, da sind nicht so viele gekommen wie gedacht. Da geht’s aber auch darum, sind nicht so viele gekommen, die haben sich nicht gemeldet, also die, die haben den Flieger verpasst. Ja, dass die Menschen einer Sicherheitsüberprüfung unterliegen und danach wird nach Sicherheitslage entschieden. Ich verantworte die Sicherheitslage in Deutschland, deswegen hat das für mich Priorität. Halt die Fresse! Ja, wir müssen die dort leider in der lebensbedrohlichen Sicherheitslage belassen, weil wir hier in den Wahlkampf führen müssen. In der Zwischenzeit passiert es doch noch: Etwa anderthalb Jahre nach seinem Antrag und vier Monate nach Khadijas Tod bekommt Mosin den Aufnahmebescheid aus Deutschland. Er wird als gefährdet eingestuft. Cool, soll in Deutschland aufgenommen werden. Zuerst soll er nach Pakistan reisen und dort auf einen Termin in der deutschen Botschaft in Islamabad warten, denn in Afghanistan hat Deutschland seit der Machtübernahme der Taliban die Botschaft geschlossen. Monate später kann Mosin tatsächlich ausreisen. Am Tag vor seiner Abreise sprechen wir noch mal per Videocall. Wie geht’s dir? Geht’s dir gut? Ah, du warst beim Friseur, hast dich hübsch gemacht für die Reise? Ja, ich wollte gerade sagen, du hast aber viel Bart stehen lassen. Gesicht und ja, er war bedroht, aber ich glaube, seine Frau war eigentlich auch bedroht. Gut, dass sie das ein paar Monate zu spät erfahren haben, finde ich, finde ich klasse. Geht’s morgen los? Morgen um zwei Uhr mittags geht es los. Um ehrlich zu sein, es ist ein komisches Gefühl, alles hier zurückzulassen, aber es gibt keinen anderen Weg. Es ist der 27. August 2024, Mosins letzter Abend in Afghanistan. Für uns dreht er seine letzten Stunden in der Heimat, ein letztes Mal am Grab seiner Frau. Als ich an Khadijas Grab war, ich meine Eltern weggeschickt, um ein paar Minuten alleine zu sein, und dann kurz gesagt, habe ich mich verabschiedet und habe darüber gesprochen, wann ich wohl wiederkomme, wer sich bis dahin um ihr Grab kümmert. Ich bin so nah am Wasser gebaut. Am nächsten Tag wird Mosin Afghanistan verlassen, alleine. Wenn wir unsere Heimat verlassen, dann lassen wir alles zurück: Erinnerungen, Familie, Freunde, den Ort, an dem ich groß geworden bin, an dem ich studiert habe, mit Freunden gespielt habe. All das bleibt in Afghanistan zurück. Das vergisst man nie. Das Problem ist halt, dass es so vollkommen ignoriert wird. Es ist einfach, einfach schlimm. Es ist vielleicht das letzte Mal, dass Mosin seine Familie sieht. [Musik] Weine nicht, Mama. [Musik]

Rund 370 km östlich: Ankunft in Islamabad, Pakistan. Hier geht das Warten für Mosin weiter, in von Deutschland bereitgestellten Unterkünften wie dieser. Warten Afghaninnen und Afghanen, die im Rahmen verschiedener Programme eine deutsche Aufnahmezusage haben. Sie haben Afghanistan mit dieser Hoffnung verlassen und müssen nun auf mehrere Termine in der deutschen Botschaft warten, auch Mosin. Diese Termine sind nicht bloß Formsache. Die Afghaninnen und Afghanen mit Zusage werden in Pakistan noch einmal intensiv durchleuchtet: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das BKA, der Verfassungsschutz und die Bundespolizei prüfen die Identität, die Vergangenheit, die Pässe, auch die Handys der Menschen. Schließlich muss jede Person noch durch ein Sicherheitsinterview, das mehrere Stunden dauern kann. Ja, genau, Dame freut sich auf Täuschland, und hier warten schon die Rassisten auf ihn. Ja, eigentlich true. Ja, also das ist wirklich auf so vielen Ebenen einfach nur schlimm und zynisch. Auch nach diesen Überprüfungen warten viele hier weiter, monatelang auf das Ergebnis. Mosin nutzt die Zeit und lernt seine ersten Sätze Deutsch: „Hallo, guten Tag, ich bin Mosin. Ich suche ein bisschen Deutsch sprechen. Ich möchte ein Video, meine täglich Routine im Islam.“ Inzwischen ist er seit vier Monaten in Islamabad. Er weiß immer noch nicht, was sein Status ist. Ein Leben auf gepackten Koffern. Dezember 2024, das erste Silvester ohne seine Frau Khadija. In Pakistan war Mosin vorher noch nie. Mit Fremden versteht er sich trotzdem irgendwie doch. Auch hier wird er nicht bleiben können. Er und die anderen wartenden Afghaninnen und Afghanen müssen jeden Monat ein neues Visum beantragen, und das bekommen sie nur, solange Deutschland versichert, dass es die Absicht hat, sie aufzunehmen. Deutschland, so ein kaputtes Land! Hey, ich weiß nämlich jetzt genau, was passiert: In Deutschland ist inzwischen Wahlkampf, und das Thema Migration rückt in den Mittelpunkt. Auch aufgrund, also da wird’s, also das sind Menschen einfach nur politischer Spielball. Also es ist so, es ist so ekelhaft, es ist so furchtbar, deswegen ist keine Partei wählbar außer links. Es tut mir leid. Also jede Partei, die da mitmacht und mit dem Schicksal von diesen Menschen taktiert, um einzelne Stimmen zu bekommen, um vielleicht einen Minister zu stellen, ja, das ist einfach nur furchtbar. Von Gewaltverbrechen wie Schaumberg. Dort tötete heute Vormittag ein 28-jähriger Afghaner einen kleinen Jungen und einen Mann mit einem Messer. In München ist am Vormittag ein Mann mit einem Auto in eine Menschenmenge gefahren. Der Fahrer wurde überwältigt; er stammt aus Afghanistan. Die Anschläge erschüttern Deutschland. Bei Mosin in Islamabad lösen sie Scham und Angst aus. Wenn man hört, dass der Täter Afghane ist, dann schämt man sich und fragt sich, warum ein Afghane so etwas getan hat. Die Leute hier haben Angst, dass nach der Wahl in Deutschland das ganze Programm gestoppt wird und dass Leute wie ich, die bereits den ganzen Prozess – bis zum Regierungswechsel sind keine weiteren Flüge mit Schutzsuchenden Afghaninnen und Afghanen geplant. Cool, Test, durchlaut. Koalitionsvertrag soll das gestoppt werden, offen haben auch nicht mehr einreisen dürfen. Tatsächlich attackiert Kanzlerkandidat Merz nun die Aufnahme von Menschen aus Afghanistan ganz direkt. Tatsächlich, verlassen wir jetzt mal ein Land, Afghanistan. Die deutsche Bundesregierung ist die einzige in ganz Europa, die aus Afghanistan immer noch Flüchtlinge nach Deutschland holt, mit teilweise mit Nichtregierungsorganisationen über das Auswärtige Amt von Frau Baerbock, praktisch ohne Kontrolle. Darf einfach lügen, darf einfach lügen. Der rechte Arsch darf einfach sagen: „Keine Kontrolle.“ Zur Erinnerung: An der Überprüfung sind BAMF, BKA, Verfassungsschutz und Bundespolizei beteiligt. Mosin hat diese Sicherheitsüberprüfung in der deutschen Botschaft bereits durchlaufen. Danach kam erstmal wieder nichts. Seit mittlerweile sechs Monaten wartet er in Pakistan. Ich möchte, du möchtest, ich möchte, du möchtest, es wäre schön, wenn es langsam klappt. Ehrlich gesagt, ich lerne hier Deutsch mit Duolingo, aber es ist niemand da, mit dem ich üben kann. Dazu BSW will ja Nachzählung einklagen. Ja, wäre gut, unironisch wäre gut. Bisher, nach gut zweieinhalb Jahren, sind über das Bundesaufnahmeprogramm 1508 Personen aus Afghanistan eingereist: 495 Männer, 490 Frauen, außerdem 523 Kinder und Jugendliche. Etwa 1300 weitere Personen mit Zusage über das Bundesaufnahmeprogramm warten noch, sowie Mosin. Nur sehr wenige der Wartenden kommen monatlich tatsächlich nach Deutschland. Und wenn mal ein Flugzeug landet, dann läuft die Bild-Sturm. Am Mittwoch landet der nächste Afghanen-Flieger. Stoppt diesen Wahnsinn! Der nächste Flieger mit afghanischen Flüchtlingen gelandet. Oh mein Gott! Es wird so ekelhaft, Markus Söder. Es wird so, also ich, ich werd’s kotzen, auch CSU-Chef Söder feuert nun gegen jede Aufnahme von Menschen aus Afghanistan. Ich kann kotzen jetzt schon! Sag mal, was soll denn das eigentlich? Nach der Wahl schon den zweiten Flug! Das muss gestoppt werden, und zwar jetzt, liebe Freunde und Freunde, scheiß-Rassisten raus, aber doch nicht neue rein! [Applaus] Wenn ich sowas höre, dass wir alle durch diese Brille gesehen werden, macht mich das traurig. Dass das keine Volksverhetzung sein soll, ich weiß es nicht, ich bin kein Jurist, aber sollte man probieren. Wir wollen nicht, dass wegen einzelnen Personen alle anderen verbannt werden und das Aufnahmeprogramm beendet wird. Anfang April dann die Koalitionsvereinbarungen: „Wir werden einen neuen Kurs in der Migrationspolitik einschlagen. Wir werden das Ende der freiwilligen Aufnahme – fick dich, fick dich, Merz! Ich, Klingbeil, ihr seid solche [__ ]! Es ist unfassbar! Oh mein Gott! Lass Klingbeil doch mal was, ah, lässt es einfach passieren, einfach nur, weil er selber einen Bock drauf hat, dass er Vizekanzler ist. So schlimm! Programme vornehmen im vereinbarten Koalitionsvertrag gar keine Geduld, also das erstmal ist Koalitionsvertrag so eine Scheiße. Wir werden freiwillige Bundesaufnahmeprogramme so weit wie möglich beenden, z.B. will Afghanistan und keine neuen Programme auflegen. Was „so weit wie möglich beenden“ genau bedeutet, darüber diskutieren Union und SPD noch. Was mit den Menschen in Pakistan passiert, die wie Mosin eine deutsche Aufnahmezusage erhalten haben, unklar. Aber das kann doch nicht, das kann doch nicht einfach beendet werden. Nicht, also das ist doch jetzt schon gefestigtes Gerichtsurteil. Ist ein Bescheid, nicht Gerichtsurteil, ist ein Bescheid, der erstellt wurde von der deutschen Behörde. Ihnen läuft die Zeit davon. Jeder Flug wird jetzt von rechts zur Staatsaffäre gemacht. News trommelt, Weidel postet, und auch die kommende Führung Deutschlands kündigt den Bruch aller Zusagen offen an. Das Problem klagt es mal ein Jahr schierig. In dem Moment, wo die Regierung Merz steht, nur rechte Arschlöcher bis jetzt hier zu sehen, werden diese Flieger aus Afghanistan nicht mehr kommen. Das Auswärtige Amt, noch unter grüner Führung, stellt daraufhin klar: „Diese Menschen sind auf Herz und Nieren geprüft und haben eine verbindliche Aufnahmezusage, insofern kann ich das nicht so richtig verstehen, was da gesagt wird, da, da die Grünen setzen sich für – kann ich leider, kann ich leider keine Ahnung, kann ich nichts verstehen, rupt. Ich kann zwar nichts machen, bin nur, aber kann ich nicht verstehen.“ Das Fenster nach Deutschland schließt sich. Was passiert mit Mosin, wenn das Programm beendet wird? Was ist dann dein Plan B? Um ehrlich zu sein, ich habe keinen Plan B. Nach Afghanistan zurück kann ich nicht. Alle Brücken, die zurückführen, sind eingerissen. Es ist nichts übrig, ich habe keinen Weg zurück. Pakistan ist gerade dabei, 100.000 afghanische Flüchtlinge abzuschieben. Das ist kein Grüner, das ist der Sprecher des Auswärtigen Amts. Wer ist noch mal Außenministerin? Mosins Visum gilt nur, solange die Aussicht auf eine Ausreise nach Deutschland besteht. Wir möchten euch noch etwas von Khadija erzählen. Bis vor ihrem Tod arbeitete sie an einer Animation, die im Rückblick wie eine Prophezeiung wirkt. Es geht um eine junge Frau mit dem Namen Raha, übersetzt „frei“. Politiker sind was anderes als Sprecher, der Sprecher spricht im Auftrag des Politikers. Sie setzt sich gegen alle Widerstände für Freiheit in Afghanistan ein. Eines Tages stirbt sie bei einem [Musik] Anschlag. Khadija schaffte es nicht mehr, die Animation fertigzustellen. [Musik] Nicht dein Ernst! Und mit dem Namen, im Rückblick wie eine Prophezeiung wirkt, es geht um eine junge Frau mit dem Namen Raha, übersetzt „frei“. Sie setzt sich gegen alle Widerstände für Freiheit in Afghanistan ein. Eines Tages stirbt sie bei einem Anschlag. [Musik] Khadija schaffte es nicht mehr, die Animation fertigzustellen. [Musik] Na gut, Aufnahme beenden würde ich sagen, ja.