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Bool'sche Operatoren - Vorlesung von Univ.-Prof. Dr. Nikolaus Forgó

Department of Innovation and Digitalisation in Law25:46

Transcription

[Musik]

Wir haben also gehört, dass es eine Gefahr darstellt, dass Juristinnen und Juristen zu einem selbstreflexiven System abgleiten, in dem Sinne, dass sie eben zunehmend nicht mehr auf das achten, was der Gesetzgeber tut, sondern stattdessen nur noch sich selbst zitieren, nur noch auf sich selbst Bezug nehmen, nur noch die Entscheidungen lesen und nicht mehr auf das Gesetz, auf das Wort des Gesetzgebers abstellen.

Und deswegen möchte ich mit Ihnen gemeinsam jetzt ganz zurück an den Anfang, also an das, was Friedrich Carl von Savigny vertreten hat, und mit Ihnen gemeinsam ein wenig mir ansehen, wie man mit juristischen Recherchemethoden und den klassischen Methoden mit all ihren Schwierigkeiten denn jetzt umgehen kann.

Und deswegen möchte ich jetzt in mehreren Teilen mit Ihnen ganz einfach mal mit dem Wortlaut anfangen. Und dieser erste Teil hier sieht jetzt auf den ersten Blick so aus, als ginge es hier um Wortlautinterpretation. Sie werden aber gleich sehen, dass es eigentlich auch um ganz andere Dinge geht. Also, wenn Sie nur an Wortlautinterpretation im engen Sinn interessiert sind, dann ist diese Folge hier die falsche, dann müssen Sie die nächste ansehen.

Jetzt geht es mir mal nämlich darum, dass ich mit Ihnen anhand eines Beispiels über das Vehikel der Wortlautinterpretation ein bisschen was darüber, wie Datenbanken aufgebaut sind und wie Suchen in Datenbanken stattfinden, gemeinsam arbeite. Und das möchte ich mit einem Beispiel tun, wo ich Sie einlade, mit mir gemeinsam sich vorzustellen, wie ich mich jetzt gerade gefühlt habe, als ich diese Veranstaltung hier vorbereitet habe.

Denn ich habe, als ich diese Veranstaltung vorbereitet habe, mich daran erinnert, dass ich irgendwann einmal eine ganz komische Entscheidung gelesen habe. Und ich erinnere mich deswegen daran, weil ich jetzt gerade überlege, wie ich den Studierenden in dieser Veranstaltung die die Möglichkeiten der Wortlautinterpretation und der juristischen Recherche darstelle.

Und das, woran ich mich erinnere, irgendwo ganz hinten in meinem Kopf, ist, dass ich irgendwann eine Entscheidung gelesen habe, in der irgendein Gericht – ich glaube, es war irgendwo in der Nähe von Hannover, also in Osnabrück, wenn ich mich recht erinnere – wie irgendein Gericht etwas entschieden hat, was als Wortlautinterpretationsbeleg ausgerechnet den Service von Microsoft Word herangezogen hat.

Und dieses Beispiel interessiert mich sehr, weil ich damit hoffentlich meine Studierenden zeigen kann, dass eben bei der Wortlautinterpretation irgendein Beleg irgendwo mitunter gefunden wird, um dann eine bestimmte Bedeutungsbehauptung festzustellen. Also nicht, um irgendein Wort dann tatsächlich zu verstehen, sondern um irgendwie zu behaupten, dieses Wort bedeutet das.

Also, ich erinnere mich daran, irgendwas in Osnabrück, in Osnabrück, da gibt es ein Landgericht, ein anderes Gericht ist mir jetzt nicht in Erinnerung, jedenfalls keines, mit dem ich regelmäßig zu tun hätte beruflich. Und ich weiß, es geht um den Zauberer von Microsoft Word.

Und was ich dann also tue, wenn ich in dieser Situation bin, um diese Entscheidung zu finden, ist, dass ich irgendeine Datenbank, in dem Fall wahrscheinlich eine deutsche Datenbank, denn es geht ja um eine Entscheidung des Landgerichts Osnabrück, aufrufe und dann in dieser Datenbank, in dem Fall ist das Beck-Online, drei Wörter eingebe, nämlich die Dinge, an die ich mich erinnere oder glaube zu erinnern. Das ist das Wort "Thesaurus", das ist, weil es ja um den Microsoft-Service geht, "MS" für Microsoft, "LG" für Landgericht, dass ich in dem Moment abkürze, und das geht um Osnabrück, weil ich eben weiß, okay, es war da irgendwo in der Nähe von Hannover, vielleicht war es Osnabrück, und in Osnabrück gibt es ja auch ein Landgericht.

Das ist ein Beispiel für eine nicht besonders intelligente Suche. Ja, ich suche jetzt nicht nach irgendeinem rechtlichen Problem oder einer dogmatischen Frage, aber es ist vielleicht ein sehr realistisches Beispiel dafür, wie das menschliche Gedächtnis funktioniert und wie Menschen mitunter suchen.

Und wenn ich diese Suche jetzt hier durchführe, dann tue ich etwas Bestimmtes, was mir auf den ersten Blick vielleicht gar nicht auffällt, nämlich, dass ich hier nicht so wie im Alltag im natürlichen Leben, wo ich mein Kind oder meine Frau oder meinen Freund fragen würde: "Kannst du dich erinnern, da gab es doch irgendwann irgendeine Entscheidung, wo das Wort 'Thesaurus' vorkam in irgendeinem Gericht, weißt du noch, was das war?", durchführe. Das wäre sozusagen die menschliche Kommunikation, sondern dass ich einfach drei Wörter eingebe und diese drei Wörter jetzt in einer bestimmten Weise miteinander verknüpft sind, die mir in dem Moment vielleicht gar nicht so auffällig im Gedächtnis sind, nämlich mit Hilfe sogenannter Boolescher Operatoren verknüpft sind.

Also, wenn ich hier jetzt eingebe "Thesaurus LG Osnabrück", da tut die Datenbank in dem Moment oder die Suchmaschine in dem Moment etwas mit diesen mit diesem mit dieser Suche. Sie interpretiert diese Suche. Sie tut das unter Verwendung sogenannter Boolescher Operatoren. Die Booleschen Operatoren heißen deswegen Boolesche Operatoren, weil es einen Mathematiker gab namens George Boole, der hat diese Operatoren erfunden. Der gilt gemeinhin als der Begründer der modernen mathematischen Logik. Wir sind zeitlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Und wir sind eigentlich bei einem ganz einfachen Problem, bei meinem Problem, das man auch als Jurist oder Juristin verstehen kann, wenn man sich gar nicht für Mathematik interessiert, nämlich dem Problem, wie Begriffe, also z.B. der Begriff "Osnabrück" und der Begriff "LG" und der Begriff "Thesaurus" miteinander verknüpft werden können.

Und was der Herr Boole herausgearbeitet hat in seiner Logik, die eine Fortentwicklung der Aussagenlogik der Antike ist, letztlich, was er also entwickelt hat, sind Operatoren, die in dieser Form zur Verfügung stehen, wie man diese Begriffe miteinander verknüpfen kann. Und diese Funktionen, diese Konnektoren, Operatoren, wie man das nennen kann, sind vereinfacht ausgedrückt typischerweise die, dass man sagt, man verknüpft Begriffe in der Weise, dass sie entweder negativ zueinander stehen, also nicht P, oder mit einer UND-Verknüpfung, P UND Q, oder mit einer ODER-Verknüpfung, P ODER Q.

Und dann gibt es noch eine Sonderform dieser ODER-Verknüpfung, das ist die Exklusion, entweder P ODER Q, aber nur entweder oder, XOR, wie man sie auch nennt. Das ist eine Verknüpfung, die übrigens in der Kryptographie eine relativ starke Rolle spielt.

Und was man jetzt machen kann, in Gedanken, und was der Herr Boole vorausgedacht hat und seither viele auch viele Juristinnen und Juristen nachgedacht haben, ist jetzt, wie sich eine Treffermenge verhält, wenn man bestimmte Begriffe wie diesen Konnektoren, Operatoren verknüpft. Das kann man vereinfacht darstellen in sogenannten Wahrheitstafeln.

Also, zum Beispiel bei einer Negation, wenn P wahr ist, dann ist nicht P, also die Verneinung von P, notwendigerweise falsch. Und umgekehrt. Das ist noch relativ einfach und wahrscheinlich für Sie nicht so häufig relevant. Häufiger ist und relevanter für Sie sind die beiden Verknüpfungen, die Konjunktion und die Disjunktion.

Konjunktion ist eine UND-Verknüpfung. Also, wie verhält sich ein System, wenn ich zwei Begriffe verbinde, bei denen ich sage, ich möchte alles sehen, wo sowohl der eine Begriff wie auch der andere Begriff vorkommt? Beziehungsweise, ich möchte Dinge sehen, bei denen der eine oder der andere Begriff eben nicht vorkommt. Ja.

Und wenn ich jetzt also eine UND-Verknüpfung stattfinden lasse, P UND Q, dann ist im Ergebnis das, was ich also sehe, das, wo sowohl P wie auch Q vorkommt. Und ich sehe nichts, wo entweder P oder Q nicht oder beides nicht vorkommt. Wenn ich also zwei Begriffe mit einer UND-Verknüpfung versehe, dann ist laut Wahrheitstafel diese UND-Verknüpfung nur dann wahr, wenn sowohl P wie auch Q. Ich suche also nach "LG UND Osnabrück", dann sehe ich alles, wo sowohl "LG" wie auch "Osnabrück" vorkommt, aber ich sehe nichts, wo nur "LG" oder nur "Osnabrück" vorkommt, und ich sehe auch nicht, wo weder "LG" noch "Osnabrück" vorkommt.

Anders bei einer ODER-Verknüpfung. Also, zeige mir entweder P ODER Q. Dann ist bei einer derartigen Disjunktion das Ergebnis immer dann wahr, wenn entweder beide Begriffe vorkommen oder nur ein Begriff vorkommt. Und das ist nur dann falsch, wenn beide Begriffe nicht vorkommen. Wenn ich also nach "LG ODER Osnabrück" suche, dann finde ich alle Dokumente, in denen entweder "LG" oder "Osnabrück" oder beides vorkommt. Ich finde nur die Dokumente nicht, in denen weder "LG" noch "Osnabrück" vorkommt.

Eine kurze Abschweifung möchte ich an der Stelle auch noch machen. Sie werden wahrscheinlich hauptsächlich mit Konjunktionen und Disjunktionen arbeiten und wenig mit Implikationen, wenn Sie suchen. Sie werden aber ganz oft mit Implikationen arbeiten, wenn Sie juristisch argumentieren. Und eine Implikation ist eine WENN-DANN-Beziehung. Wenn das eine, dann das andere. Wenn Herr Müller einen Kaufvertrag abgeschlossen hat, dann hat Frau Meier einen Anspruch auf den Kaufpreis. So.

Und diese WENN-DANN-Beziehung kann man auch in einer Wahrheitstafel abbilden. Und diese Wahrheitstafel ist, wie ich finde, für juristische Zwecke ganz außerordentlich interessant. Sie sagt nämlich, dass eine solche WENN-DANN-Beziehung, WENN P DANN Q, immer dann wahr ist, wenn entweder die Prämisse wahr ist und die Schlussfolgerung auch wahr. Sehr trivial. Wenn Sonntag ein gesetzlicher Feiertag ist, dann bleibe ich zu Hause. Wenn es Sonntag tatsächlich ein gesetzlicher Feiertag ist, dann bleibe ich auch tatsächlich zu Hause und auch zu Recht zu Hause.

Sie ist aber interessanterweise auch dann wahr, diese Implikation, wenn die Prämisse falsch ist. Und sie ist immer wahr, sofern nur die Prämisse falsch ist. Sie ist also unabhängig davon, ob Q wahr oder falsch ist, immer wahr. Und deswegen ist eine Implikation ein Instrument, mit dem man wunderbar juristische Scheinargumente aufbauen kann, insbesondere unter Verwendung sogenannter Argumentum ad absurdum, also wo ich mit der Absurdität, mit der evidenten Falschheit der Gegenseite operiere. Weil nämlich bei einem derartigen Argumentum ad absurdum, wo die Prämisse vorausgesetzt falsch ist, jedes beliebige Ergebnis vertreten werden kann, also jedes Q vertreten werden kann und trotzdem die Implikation wahr ist.

Also, zum Beispiel der Satz: "Wenn die Sonne aus Brotteig besteht, ist Montag eine Zahl." ist aussagenlogisch wegen der Wahrheitstafel der Implikation richtiger Satz. Ja, es war ja wenig vorausgesetzt, dass die Sonne nicht aus Brotteig besteht. Ja, wenn die Sonne nicht aus Brotteig besteht, dass und die Prämisse falsch ist, dann kann ich hier in der DANN-Aussage jede beliebige Aussage treffen.

Das haben schon die Logiker der Antike entdeckt, und deswegen gibt es da auch einen lateinischen Spruch dazu seit hunderten von Jahren, der lautet: "Ex falso quodlibet", also aus der vorausgesetzten Falschheit einer Aussage folgt jedes beliebige Ergebnis. Und das ist etwas, warum eben ein Argument, das in Ihrem juristischen Leben ganz oft begegnen wird, nämlich die Ansicht des Gegners ist evident unsinnig, weil dann der Dolch auf der einen Seite wird sehr häufig sehr überzeugend, auf der anderen Seite ist es logisch nichtssagend, weil es eben mit der Prämisse der Falschheit oder mit der Prämisse der Falschheit der Prämisse arbeitet.

So, damit wären Sie bei der juristischen Recherche nicht so viel zu tun, aber es haben, aber Sie werden in Ihrem Alltag mit den Ergebnissen, wenn Sie daran arbeiten, der Recherche ganz viel zu tun haben, deswegen sei das auch ganz kurz hier angesprochen.

Aber zurück jetzt auch mal zu den wichtigeren Booleschen Operatoren, also denen, mit denen Sie ganz alltäglich in Datenbanken arbeiten werden. Das wären insbesondere eben die UND- und die ODER-Verknüpfung sein, also Verknüpfungen, bei denen Sie eben suchen nach "Thesaurus UND LG UND Osnabrück" oder Verknüpfungen, bei denen Sie suchen nach "Thesaurus ODER LG ODER Osnabrück".

Und die Datenbank, die ich da jetzt verwende, hat eine Vorentscheidung getroffen, wie meine Suche an dieser Stelle interpretiert wird. Eine Vorentscheidung, die durchaus sehr folgenreich ist. Wenn nämlich mit einer UND-Verknüpfung, also mit einer Konjunktion, gesucht wird, dann ist meine Treffermenge, die am Ende herauskommt, dieses kleine Fältchen hier in der Mitte, nämlich nur all jene Treffer, bei denen sowohl das Wort "LG" wie auch das Wort "Osnabrück" wie auch das Wort "Thesaurus" vorkommt. Also eine ganz kleine Menge. Nicht gefunden werden alle die Felder, in denen nur eines der drei Wörter vorkommt, nicht gefunden werden all die Felder, wo nur zwei dieser Begriffe vorkommen, und selbstverständlich nicht gefunden wird die ganze restliche Welt, in der nichts von dem hier vorkommt. Das wird also eine kleine Treffermenge erzeugen.

Wenn stattdessen hier mit einer Disjunktion gearbeitet wird, also mit einer ODER-Verknüpfung, dann ist das, was ich am Ende sehe, sehr, sehr groß. Es ist nämlich alles das, wo entweder "LG" oder "Osnabrück" oder "Thesaurus" vorkommt. Also alles hier, immerhin hoffentlich noch nicht alles in der Welt, wo keiner der Begriffe sonst vorkommt, aber doch eine deutlich größere Treffermenge.

Und jede Suchmaschine, jede Datenbank hat eine Voreinstellung getroffen an dieser Stelle, die, wenn ich jetzt einfach irgendetwas eingebe, ohne darüber nachgedacht zu haben, natürlich Auswirkungen dann auf das hat, was ich am Ende auch sehe.

Und Google, um jetzt hier mal ein Beispiel zu zeigen, Google hat natürlich, so wie jede andere Suchmaschine oder Datenbank auch, hier eine Entscheidung schon im Vorfeld getroffen. Wenn ich also jetzt nicht bei der Online-Suche, sondern einfach bei Google eingebe, weil ich mich erinnere, weil da gab es irgendeine Entscheidung "Thesaurus LG und Osnabrück", dann sieht mein Ergebnis heute so aus.

Lassen Sie mich noch eine ganz kurze Bemerkung hier machen. Ich betone hier absichtlich mein Ergebnis, weil eine moderne Suchmaschine und eine moderne Datenbank nicht mehr so wie vor zehn oder 20 Jahren einfach stur Operatoren aneinanderreiht und dann entsprechend stur irgendwelche Ergebnisse auswirkt, sondern dieses Suchergebnis hier von ganz vielen Faktoren abhängig ist, jenseits der reinen Operatorenfrage. Insbesondere auch von solchen Dingen abhängig ist, wie meine individuelle Suchhistorie aussieht.

Und Sie sehen hier, dass ich gerade eingeloggt bin bei Google. Also Google jetzt sehr genau weiß, wer hier gerade sucht. Und wenn jemand wie ich sucht, dann sucht er bei einer mit "LG" sucht möglicherweise ein Landgericht, weil er offenbar Jurist ist, weil er ganz offensichtlich ganz häufig irgendwie nach juristischen Dingen sucht. Das wäre eine Information, die Google hier ganz sicher auch verarbeitet. Eine weitere Information wäre, welche Uhrzeit ist das, an welchem Ort befindet sich die Person gerade, was hat gerade vorher gesucht und so weiter, mit denen dann dieses Ergebnis auch noch beeinflusst wird und angereichert wird.

Es kann also durchaus sein, dass das Suchergebnis, das Sie haben, wenn Sie das eingeben, vielleicht wollen Sie es ausprobieren, nicht identisch ist mit meinem eben, weil andere Faktoren auch noch einschließen. Aber jetzt mal ganz vereinfacht, vorläufig, mal was man jedenfalls hier sieht, ist, dass wenn ich jetzt eingebe "Thesaurus LG Osnabrück", war doch das erste Ergebnis, das ich sehe, ist, dass ich relativ wenige Ergebnisse finde. Ja, ich finde also nur 6330 Ergebnisse. Das ist eine vergleichsweise kleine Zahl, wenn ich mir die riesen Welt des Internets ansehe, dann ist das wenig.

Auf der anderen Seite ist es aber auch eine sehr große Zahl. Wenn ich jetzt wirklich anfangen müsste, 6330 Ergebnisse zu lesen, dann mache ich den Rest der Woche nichts mehr. Und deswegen ist das ein Ergebnis, mit dem ich wahrscheinlich per se noch nichts anfangen kann. Deswegen wird auch wichtig sein für einen Suchmaschinenbetreiber, dass das, was weit vorne steht, hoffentlich etwas aussagt darüber, was der Betreffende sucht. Also für den Betreffenden relevant ist.

Das Ziel bei einer Suchmaschine wie Google, und das wird bei einer Suchmaschine wie Google besonders gut erreicht, das Ziel muss es sein, dass möglichst in den ersten drei oder fünf Treffern, jedenfalls aber auf der ersten Seite, allerspätestens auf der zweiten Seite der Suchtrefferliste, das angezeigt wird, was der Betreffende auch tatsächlich sucht. Wenn das nämlich nicht so ist, dann ist diese Suche frustrierend, weil er zwar alles Mögliche wird, oder sie, aber nicht das, was gesucht wird.

So, also es sind relativ wenige Ergebnisse, aber noch immer viel zu viele, damit sich das tatsächlich nachlesen kann. Deswegen ist die Gewichtung, was hier wohl gefunden wird, immer noch sehr wichtig. Und interessanterweise ist der erste Treffer, der hier mir angezeigt wird, ein Treffer, bei dem steht hier: "Es fehlt 'Thesaurus'". Also Google informiert mich jetzt in dem Moment hier: "Okay, das allererste, was du hier siehst, enthält das Suchwort 'Thesaurus' nicht." Das allererste Wort, nach dem ich gesucht habe, nicht.

Wenn ich hier eingebe "Thesaurus", als allererstes Wort, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ich an der Stelle irgendwie was mit einem Thesaurus suche. Deswegen ist wahrscheinlich dieses Suchergebnis hier jetzt nicht das, das ich eigentlich suche. Aber vielleicht ist es für mich trotzdem relevant, weil es immerhin zum Landgericht Osnabrück führt, also vielleicht immerhin zum richtigen Gericht. Aber der erste Treffer enthält das erste Wort nicht. Das heißt, die Information, die ich jetzt hier habe, ist: Okay, Google hat in dem Moment hier diese Suche so interpretiert, dass das Wort "Thesaurus" mit den anderen Wörtern mit einer ODER-Verknüpfung versehen ist und nicht mit einer UND-Verknüpfung. Wäre hier eine UND-Verknüpfung, dann dürfte ich dieses Wort, diesen Treffer hier gar nicht sehen, eben weil dann diese Suche kein wahres Ergebnis produziert, weil eben das Wort "Thesaurus" nicht vorkommt.

Das ist ein Beispiel dafür, dass also Google an der Stelle jetzt eine Entscheidung trifft für mich. An anderer Stelle weiter unten werden ähnliche Entscheidungen getroffen. Und auch da mitunter, also hier zum Beispiel oder hier. Hier aber hingegen nicht mit einer ODER-Verknüpfung gearbeitet, obwohl ich mich an der Stelle nicht eindeutig verhalten habe. Ich habe nicht klar gesagt, will ich eigentlich eine UND- oder eine ODER-Verknüpfung.

Und was Google jetzt hier tut, und jeder andere Suchmaschinenbetreiber tut, ist, dass es ein Ergebnis zu finden versucht, das im Grunde genommen zwei Ziele, die eine Suchmaschine und eine Datenbank an dieser Stelle hat, bestmöglich vereint: nämlich auf der einen Seite das Ziel, möglichst viele relevante Treffer zu finden, also in der großen weiten Welt des Internets oder in der großen weiten Welt juristisch interessanten Dokumente möglichst viel von dem zu finden, was der Betreffende jetzt tatsächlich suchen könnte. Das nennt man den Recall. Möglichst viel Relevantes.

Und auf der anderen Seite, möglichst das zu finden, was für den Betreffenden gerade wichtig ist, also nicht irgendetwas anderes, wo dieses Wort auch noch vorkommt, was ich jetzt aber gerade nicht suche. Das wäre die Präzision. Eine hohe Präzision. Eine hohe Präzision.

Und das Schwierige ist jetzt, dass diese beiden Dinge in einem Zielkonflikt stehen. Die kombinieren nicht gut miteinander. Also, Recall bedeutet häufig niedrige Präzision und umgekehrt. Hohe Präzision bedeutet niedriger Recall. Es gibt also eine inverse Beziehung hier, was auch ganz einfach erklärbar ist. ODER-Verknüpfungen führen zu einem hohen Recall, aber wenig Präzision. Ja, also "LG ODER Osnabrück ODER Thesaurus" führt zu ganz vielen Treffern, aber wenig, was relevant ist.

Und UND-Verknüpfungen führen zu wenig Recall, aber hohe Präzision. Also weniger Treffer, aber dafür sind die dann gefundenen ja genau. So.

Wenn ich jetzt mich da ein bisschen genauer beschäftigen möchte mit den Suchergebnissen, dann bietet Google zum Beispiel auch Google, also eben nicht nur kommerzielle Datenbanken, sondern auch schon Google an dieser Stelle mir jetzt die Möglichkeit unter "Advanced Search" genauer kundzutun, was ich eigentlich tun möchte.

Ich kann also hiermit Booleschen Operatoren, die hier sehr vereinfacht auch erklärt werden, also eigentlich wirklich "user-compatible" sind, an dieser Stelle relativ genau erklären, was ich eigentlich machen möchte. Also, ich kann zum Beispiel hier sagen: "Suche mir alle die Zeiten, in denen alle Wörter enthalten sind", also sowohl "Thesaurus" wie auch "LG" wie auch "Osnabrück". Ich kann sagen: "Suche mir all die Wörter in denen all die Zeiten, in denen genau diese Wortgruppe enthalten ist", also wenn ich unter Anführungszeichen suche, dann finde ich nur Dinge, wo genau "Thesaurus LG Osnabrück" in dieser Reihenfolge steht. Ich kann auch mit einer ODER-Verknüpfung arbeiten, also "Thesaurus ODER LG ODER Osnabrück". Und ich kann auch mit einer Negation arbeiten, also "nicht Thesaurus", "nicht LG", "nicht Osnabrück".

Und wenn ich das tue, indem ich also zum Beispiel bei Google einfach nur "Thesaurus LG Osnabrück" eingebe, dann wird das auf den ersten Blick ebenso durch die Datenbank vor entschieden. Wenn ich jetzt aber suche, wie hier jetzt gerade, also unter Anführungszeichen suche, da habe ich jetzt eine Entscheidung getroffen, die sonst die Datenbank für mich trifft, nämlich die Entscheidung, dass ich jetzt nur Dokumente haben möchte, in denen genau die Wortfolge "Thesaurus LG Osnabrück" vorkommt.

Und das hat auch, wie man sofort sieht, ganz dramatische Auswirkungen auf das Suchergebnis. Denn in diesem Moment sagt mir Google an dieser Stelle hier, nachdem da oben übrigens wieder steht "6330 Ergebnisse", dazu komme ich gleich, sagt mir gleich an dieser Stelle hier: "Keine Ergebnisse für 'Thesaurus LG Osnabrück' gefunden." Das heißt also, ich habe in dem Moment hier einen dramatisch niedrigen Recall-Wert. Es gibt in der großen weiten Welt des Internets keinen einzigen Text, den Google kennt, in dem das Wort in dem, in dem die Wortfolge "Thesaurus LG Osnabrück" in genau dieser Form vorkommt.

Und dass sie sich in dem Moment jetzt für mich natürlich eine sehr frustrierende Erfahrung richtig. Suche irgendwas zu "Thesaurus LG Osnabrück" und finde null Treffer. Und weil diese Suche-Erfahrung so frustrierend ist und Google das auch weiß, dass das frustrierend ist und die Frustration mir natürlich abnehmen möchte und vermeiden möchte, bietet mir Google dann in der Alternative da unten dann erst recht wieder die Ergebnisse an, die angeboten worden wären, wenn ich die die Anführungszeichen nicht gesetzt hätte. Also steht "Ergebnisse für 'Thesaurus LG Osnabrück' ohne Anführungszeichen". Bedeutet also wieder die automatisierte UND- oder Verknüpfung, sowie die Datenbank das für richtig hält.

Und es kommt wieder als erster Treffer das Landgericht Osnabrück, wieder mit einem Dokument, in dem das Wort "Thesaurus" nicht vorkommt. Warum ist das so? Weil Google sagt: "Okay, wahrscheinlich will ja nicht ein so präzises Suchergebnis, dass diese Menge null ist. Machen wir ein bisschen einen Kompromiss." Ja, und der Kompromiss sieht so aus: Es gibt Text, tausend Dokumente, die vielleicht irgendwie relevant sind, bei denen wir eben bestimmte Wörter nur noch mit mit ODER verknüpfen, statt mit UND. Also wir streichen das Wort "Thesaurus" vielleicht, suchen "LG" und "Osnabrück" und finden an diesem Treffer trotzdem noch relevant.

Ich kann noch was anderes tun. Ich kann zum Beispiel suchen nach "Thesaurus ODER Landgericht ODER Osnabrück", weil ich mich eben nicht genau erinnere, war das jetzt in Osnabrück und was wirklich Landgericht, aber wahrscheinlich ging es um das "Thesaurus", vielleicht was, aber auch Wikipedia. Ja, dann würde ich nach "Thesaurus ODER LG ODER Osnabrück" suchen, also mit einer ODER-Verknüpfung.

Und es ist auch interessant, was dann passiert. Dann passiert nämlich zunächst einmal das folgende, dass Google mir anzeigt: "Eine Milliarde 160 Millionen Treffer." Heißt also, diese Suchergebnis führt dazu, dass meine Kinder, bis zu meinen Kindeskindern, niemand mehr was anderes tut, als ständig Dokumente lesen, weil irgendeiner dieser drei Wörter, mindestens einer dieser drei sein, mindestens eines dieser drei Wörter in dem jeweiligen Dokument vorkommt. Das ist natürlich völlig irre. Eine Milliarde Dokumente analysieren zu wollen. Wir haben einen enorm hohen Recall, wir haben also ganz, ganz viele Dokumente, über eine Milliarde Dokumente, aber wir haben gleichzeitig eine dramatisch schlechte Präzision, eine ganz schlechte Präzision der Suche, ganz, ganz viel Rauschen.

Weil nämlich das erste Ergebnis, das ich sehe, jetzt nicht einmal mehr ein juristisches Ergebnis ist, nichts mit einem Landgericht zu tun hat, sondern das erste, was ich hier sehe, ist "LG", also dass der, der Anbieter von Handys und von Fernsehern und so weiter, Unterhaltungselektronik. Offensichtlich interpretiert Google das jetzt also als eine Suche, bei der mit der mit der die Maschine nicht wirklich was anfangen kann und dann eben interpretiert: "Naja, vielleicht sucht er ja ein Handy? Hat ja irgendwie schon mal ein Handy gekauft, also biete man mal irgendwas an, was für Handys relevant ist." Also sehr, sehr hoher Recall, sehr, sehr schlechte Position. Auf dieser Seite hier ist buchstäblich nichts mehr, was für mich in der Situation, wo ich mich auf Ihre Vorlesung vorbereiten möchte, relevant ist.