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[Musik] [Musik] Mit ihren Seeschlachten und todesmutigen Kriegs hälten gehen sie in die Geschichte ein. Ihre launischen Götter liefern den Stoff für dramatische Werke. Sie legen aber auch den Grundstein für die moderne Wissenschaft. Sie befreien sich aus dem Reich der Mythen und ergründen die Gesetze der Natur.
[Musik] Schon allein die Entdeckungen des Universalgenies Archimedes verändern die Welt.
[Musik] Mit der Erfindung der Olympischen Spiele schaffen sie ein Sporterereignis, das damals wie heute im Zeichen des Friedens steht. Und sogar ihre Leistungen für das Theater gelten als Meilenstein.
[Musik] Ihre vielleicht wichtigste Hinterlassenschaft an die Nachwelt aber ist die Demokratie, die Mitbestimmung der Bürger.
[Musik] [Musik] Das Land der Griechen. Eine Welt mit Tempelruinen an stimmungsvollen Orten, zahlreichen Götterstatuen, ausstrahlendem Marmor und Engelberg. Davon am kahlen Steilhängen über zerklüfteten Küsten im Meer verstreut liegen die griechischen Inseln, viele karg und unbewohnt. Auf dem Festland hingegen dehnen sich riesige Olivenhaine aus und in den Gebirgen, dort wo das Klima rauer wird, machen sich Eichenwälder und sogar Tannen breit. Dort, vor fast 3000 Jahren, beginnt die Geschichte der Griechen. Damals eine Ansammlung aus hunderten kleinen Stadtstaaten, die rund um das östliche Mittelmeer entstanden sind. Die Mini-Reiche liegen untereinander im Dauerclinch. Blutige Kämpfe stehen auf der Tagesordnung. Das Einzige, was sie verbindet, sind ihre Sprache und ihre Götter. Sie residieren hoch oben auf den ewig verschneiten Olymp. Dort greifen sie in die Geschicke der Menschen ein, wann immer sie wollen. Griechische Götter gibt es viele. Auf dem Olymp wohnen nur die zwölf wichtigsten, vereint in einer großen Familie. Die Griechen haben sie wie Topmodels dargestellt. Die Gesichtszüge wirken edel und ebenmäßig. Sie sind groß und schlank mit Idealmaßen. Selbst aus heutiger Sicht besitzen sie alle körperlichen Vorzüge.
[Musik] Hinter der göttlichen Fassade aber menschelt es. Intrigen, Neid und hinterlist ziehen sich wie ein roter Faden durch ihre Geschichte. Die griechischen Götter sind ganz anders, als wir uns Götter vorstellen. Sie sind nicht allmächtig, sie sind nicht allwissend, nicht einmal allgegenwärtig. Vor allen Dingen aber verstörte uns aus christlicher oder aus muslimischer Sicht, dass diese Götter moralisch unvollkommen sind, dass sie streiten untereinander, sie brechen die Ehe, sie stehlen und betrügen. Trotzdem hat man die Herrschaft der Olympischen Götter als gerecht angesehen und man hat sie verehrt über mindestens 1000 Jahre, aber auch gefürchtet, besonders wenn die Olympier mal wieder Schicksal gespielt haben. Die schillerndste Figur ist der mächtige Göttervater Zeus. Er kann alles. Seine vielen Liebschaften sind legendär. Seine Schwester heißt Demeter, Jungfrau und Mutter zugleich, zuständig für Fruchtbarkeit und Ernte. Ihr Bruder Poseidon, der launische Meeresgott, versenkt gerne Schiffe. Athene sei eine Kopfgeburt, heißt es. Sie steht für Weisheit und Krieg. Und die Liebe kümmert sich die schöne Aphrodite. Zwar verheiratet, aber selten treu. Dionysos gilt als Sorgenbrecher. Er steht auf üppige Gelage und ekstatische Feste. Und schließlich Apollon. Er ist für alles Mögliche zuständig, vor allem aber für das Orakel von Delphi. Ohne göttlichen Rat geht im alten Griechenland gar nichts. Um ihn zu bekommen, muss man an einem heiligen Ort reisen. Am besten gleich zum Nabel der Welt, nach Delphi. Dort steht nicht nur eine Tempelanlage, dort ist auch das einflussreichste Orakel seiner Zeit.
[Musik] In der Antike pilgern Tausende zu dem berühmten Wallfahrtsort. Im Gepäck führen sie kostbare Opfergaben mit sich. Jeder weiß, ohne Geschenke. Vier Drachen haben wir ausgegeben für diesen Bug.
[Musik] Viele Namenlose nehmen den weiten Weg auf sich, in der Hoffnung, das Schicksal entscheidet sich zu ihren Gunsten. Aber auch Prominente, Könige von Krösus bis zu Alexander dem Großen, bangen um die richtige göttliche Prophezeiung. Gewinn oder Verlust, Krieg oder Frieden, Sieg oder Niederlage. Die Entscheidung liegt allein beim Orakel.
[Musik] Habt ihr die Geschenke für den Sorge? Ja, natürlich. Die Orakelsprüche verkündet eine Seherin, eine Auserwählte mit der Gabe, in die Zukunft zu schauen. Sie darf nicht direkt angesprochen werden. Die Fragen gehen zuerst an die Priester, die sie dann an die Pythia weiterreichen. Die Zeremonie findet hinter verschlossenen Türen statt. Was genau im Innersten des Heiligtums vor sich gegangen ist, hat deshalb noch niemand herausgefunden. Der Überlieferung nach verfällt die Pythia während des Rituals in eine tiefe Trance. Nur im Rauschzustand habe sie die Botschaften der Götter empfangen können. Der Vorgang wird als langwierig und anstrengend beschrieben. Verkündet die Priesterin schließlich das Orakel, klingen ihre Worte verloren, so als sei sie berauscht. Lange ist spekuliert worden, wie die Frauen in Trance geraten sind. Eine Erklärung lautet, dass sie Methan und Kohlenmonoxid eingeatmet haben, die in großen Mengen ausgetreten sind. Auf Dauer können die Gase zu Sauerstoffmangel im Gehirn führen. Man vermutet, dass die Pythia Dämpfe eingeatmet hat, die aus dem Inneren des Tempels ausgeströmt sind, oder dass sie giftige Blätter vom Lorbeerbaum gekaut hat. Möglich auch, dass sie vom Quellwasser des Heiligtums getrunken hat. Dort wurden ebenfalls Gase nachgewiesen. Jedenfalls geriet die Pythia in einen Zustand göttlichen Wahnsinns. Meist hat sie nur undeutliche Worte von sich gegeben, die haben die Priester dann interpretiert und als göttlichen Rat von Apollon verkündet. Hinter dem Spuk stecken also die Priester des Tempels, damals mächtige Männer, die in Delphi ein florierendes Geschäft betreiben. Die uns Metall, was sie gesagt hat? Es ist schwer, die Worte der Götter zu deuten, aber irgendwas könnt ihr uns doch sagen. Und Apollon ist euch und euren Plänen sehr wohlgesonnen und für eure Großzügigkeit, soviel kann ich sagen, wird er euch reich belohnen. Je kostbarer die Weihegaben, desto brauchbarer fallen die Auskünfte an die Bittsteller aus. Damit die Botschaften auch für jeden passen, haben die Priester ein ausgeklügeltes System entwickelt.
[Musik] Priester hatten ihre Macht durch das Wissen, denn sie hatten in der ganzen Welt ihre Leute geschickt und sie haben Informationen bekommen, was in der antiken Welt passiert ist und dass die Leute hierher gekommen sind und sie haben eine Frage gestellt, dann wussten die Priester Bescheid, was für eine Antwort sie geben sollten. Und die Leute, die hierher gekommen sind, sie haben Geld geschickt und so haben die Priester dieses Geld verwaltet und sie haben dann in solchen Schatzhäusern gelagert. Und dieser Schatzhäuser und überhaupt das Geld, was in Delphi hineingeflossen ist, haben sie wie eine moderne Bank verwaltet. Sie haben auch Geld verliehen und so sind die Priester zu dieser großen Macht gekommen. Man könnte sogar sagen, die Priester unterhalten Griechenlands größtes Finanzzentrum. Selbst das mächtige Athen deponiert seine Weihegeschenke in Delphi, aber auch die anderen Stadtstaaten vertrauen auf die Geschäfte mit Apollon. Die Kolonien außerhalb des Mutterlandes sind weitgehend unabhängig. Vermutlich betreiben sie eigene Orakel und Schatzhäuser. Während die einen nach einer Welt aus Mythen und göttlichem Willen nachhängen, wagen sich einige Universalgelehrte bereits an andere Erklärungsmodelle. Das Konzept lautet: Die Welt verstehen durch Nachdenken. Erste Voraussetzung dafür: die gründliche Beobachtung der Natur. Die Jungforscher ziehen Schlüsse aus dem Paarungsverhalten der Bienen und vermessen den Umfang der Erde mit neu entwickelten Instrumenten.
[Musik] Sie konstruieren erste Apparate, darunter auch eine Losmaschine zur Verteilung von Ämtern. Die Griechen entwerfen sogar eine Wasseruhr, nur um die Redezeit von Politikern zu regulieren. Mit Göttergeschichten geben sich die Gelehrten nicht mehr zufrieden. Sie wollen Ursache und Wirkung erkennen und in Gesetzen festhalten. Philosophen, Freunde der Weisheit, nennen sich die neugierigen Geister. Sie gelten als Begründer der Wissenschaft. Ab dem sechsten Jahrhundert vor Christus verbreitet sich das Verstehenwollen wie ein Virus über ganz Griechenland. Überall entstehen Denkschulen als die neuen Tempel der Griechen, Orte, die den Weg bereiten für die Forschungszentren von heute. Im sechzehnten Jahrhundert besinnt sich Rom auf die Ideen der Antike. Papst Julius der Zweite rühmt die großen Philosophen mit einem Fresko, das sie in der Schule von Athen zeigt. Einer von ihnen ist Sokrates, der die Athener mit unbequemen Fragen quält und feststellt: "Ich weiß, dass ich nichts weiß." Der weißbärtige Platon gründet die erste Philosophenschule der Welt. Sein Kernthema ist die Suche nach der Wahrheit. Direkt neben ihm sein Schüler Aristoteles. Mit der Erfindung der Logik prägt er das abendländische Denken. Über Diogenes gibt es viel Gerede, aber wenig handfeste Fakten.
[Musik] Als Ausnahmeerscheinung gilt Archimedes. Für seinen Erfindungsreichtum ist der Wissenschaftler schon damals berühmt. Genau deshalb erhält er einen Spezialauftrag. Archimedes soll herausfinden, ob eine der Königskronen aus purem Gold besteht oder mit billigem Material gestreckt ist. Eine schwierige Aufgabe, denn das Prunkstück darf nicht beschädigt werden.
[Musik] Angeblich beim Baden kommt Archimedes der rettende Einfall. Als er in seine randvoll gefüllte Wanne steigt, beginnt das Wasser überzulaufen.
[Musik] Der Gelehrte erkennt, dass die Menge Wasser, die übergelaufen ist, in etwa seinem eigenen Körpervolumen entspricht.
[Musik] Archimedes schließt daraus, dass man mit verdrängter Wassermenge das Volumen von Körpern ermitteln kann und sogar auch ihre Dichte.
[Musik] Mit der Wasser-Methode hält es der Mathematiker für möglich, auch das Material der Krone seines Königs zu bestimmen. Er beobachtet, dass ein Gegenstand mit einer geringeren Dichte als Wasser mehr Flüssigkeit verdrängt als ein Gegenstand mit einer höheren Dichte. Der Vergleich funktioniert aber nur, wenn beide Objekte gleich viel wiegen.
[Musik] Aus Freude über seine Erkenntnis soll Archimedes "Heureka! Ich habe es gefunden!" gerufen haben und nackt auf die Straße gelaufen sein. Archimedes nimmt also die Krone und einen gleich schweren Klumpen aus purem Gold. Ist auch die Krone aus reinem Gold, müssten beide Objekte gleich viel Wasser verdrängen. Die Krone verdrängt dabei mehr, das heißt, sie wurde mit einem anderen Material gestreckt.
[Musik] Nicht nur diese Aufgabe hat Archimedes mit Scharfsinn gelöst. Er gilt auch heute noch als einer der klügsten Köpfe aller Zeiten und sein archimedisches Prinzip ist noch immer unübertroffen. Seine Kollegen können ihm aber durchaus das Wasser reichen. Die Gelehrten der Antike entwerfen die ersten Weltkarten mit Längen- und Breitengraden.
[Musik] Sie entdecken, dass die Erde eine Kugel ist und Ptolemäus berechnet, wie sich Planeten und andere Himmelskörper um die Erde herum bewegen. Ebenso auf der Liste gehört die erste Dampfmaschine oder die Erfindung der Wasserpumpe. Zudem entwickeln die Griechen Kriegsgeräte wie das Schleuderkatapult und Schutzwesten für ihre Soldaten. Archimedes formuliert die Hebelgesetze und schafft so die Grundlage für die Entwicklung der Mechanik. Aber auch weniger beliebte Disziplinen wie Geometrie und Algebra sind den Freunden der Weisheit zu verdanken. Ohne die großen Gelehrten der Antike, ihren Beobachtungen, Berechnungen und Erkenntnissen, würde vieles nicht existieren, was inzwischen selbstverständlich erscheint. Vielleicht hätte nie eine Kuppel je einen Kirchenbau geschmückt. Es gäbe keine Erklärung für die Bausteine der Erde und auch keine Kernforschung. Die industrielle Revolution Anfang des neunzehnten Jahrhunderts wäre womöglich ausgeblieben und die Überquerung der Ozeane nicht mehr als ein sehnsüchtiger Wunsch.
Im sechsten Jahrhundert vor Christus wird in Athen eine Reform durchgesetzt, die das Leben der Griechen grundlegend verändert. Geschätzte 80.000 Athener werden Zeugen einer politischen Umweltzone. Der Stadtstaat steckt in der Krise. Die einfache Bevölkerung lehnt sich gegen König und Adel auf. Sie will Mitspracherecht bei allen wichtigen Entscheidungen. Die Geburtsstunde der Volksversammlung. Teilnehmen darf jeder Bürger von Athen, zumindest fast jeder. Nur Männer über 18 Jahren sind zugelassen. Der Andrang ist fast immer groß. Damit auch die Ärmeren mitreden können, erhalten sie für ihr Erscheinen ein Tagegeld als Verdienstausgleich.
[Applaus] Na bitte.
[Applaus] Die Bürger Athens treffen sich einmal im Monat auf einem Platz unweit der Akropolis, um Politik zu machen. Eine Volksversammlung, die regelmäßig tagt. Dafür gibt es in der Geschichte der Menschheit kein einziges Vorbild. Ihre Einführung markiert den Beginn eines neuen Systems: die Demokratie. Damit ist das Ende der griechischen Alleinherrscher besiegelt. Dafür steht das Attentat auf zwei Fürsten, der Tyrannenmord. Ganz anders im mächtigen Ägypten und alten Orient. Dort führen sich die Regenten nach wie vor wie gottgleichen Herrscher auf. Das Recht ist stets auf der Seite der Despoten. Das Volk gibt sein Leben im Kopf. Man mag es kaum glauben, aber die Demokratie ist ein Produkt der Krise. Erst bekriegen sich die Griechen untereinander, dann müssen sie sich gegen die Perser wehren. Im Kampf gegen den Feind von außen wird jeder Mann gebraucht. Alle, die geeignet sind, melden sich bei den Landstreitkräften, vom Adligen bis zum einfachen Bauern.
[Musik] Die Armee in den Stadtstaaten umfasst viele tausend Soldaten. Arm und reich kämpfen Schulter an Schulter in dicht geschlossenen Reihen. Immerhin steht die Unabhängigkeit ihrer Heimat auf dem Spiel. Zudem bat ihn eine neue Flotte, dafür werden Tausende Ruderer gebraucht. Sie stammen aus den Außenschichten. Gemeinsam sind die Griechen die Starke. Mit Heer und Flotte schlagen sie die Perser in zwei Entscheidungsschlachten. Die Siege haben politischen Wert. Dafür, dass sie ständig ihr Leben für den Staat riskieren, fordern die Soldaten mehr Rechte, allen voran die Männer aus der einfachen Bevölkerung. Nach rund 200 Jahren ist ihr Ziel erreicht. Die gemeinsamen Kampferfahrungen der Bürger Athens und der Versuch bei den Kriegsvorbereitungen gemeinsame Lösungen zu finden, waren eine entscheidende Voraussetzung für die Entstehung der Demokratie. Die Bürger der anderen Stadtstaaten hatten zwar ähnliche Erfahrungen gemacht, aber in Athen führten sie besonders schnell zur demokratischen Idee. Herrschaft des Volkes, lautet die neue Erfolgsformel. Mit Volk sind die erwachsenen Bürger Athens gemeint. Die Meinung von Kindern, Frauen, Sklaven und Ausländern ist jedoch nicht gefragt. Sie sind von allen ausgeschlossen. Der reiche Adel übt den größten Einfluss auf die Politik aus. Die zweite und dritte Klasse, Händler, Handwerker und reiche Bauern, stellen die niederen Beamten. Die vierte Klasse bilden Tagelöhner, aber alle können auf der Volksversammlung mitbestimmen.
[Musik] Da konnte Kuka von Athen. Ihr wisst alle, dass unsere Flotte die größte und stärkste der Welt ist und das ist doch gut so. Und noch ist unser Frieden ständig in Gefahr. Was, wenn uns eines Tages der freie Zugang zu unserem Hafen abgeschnitten wird? Es ist höchste Zeit, eine Schutzmauer zu errichten, von Athen bis nach Piräus. Reis gesagt. Und wer soll das alles bezahlen? Hört zu, die Reichen werden extra besteuert für den Mauerbau.
[Applaus] Eine zentrale Rolle auf der Volksversammlung spielten immer die Redner. Das waren Rhetoriker, die man auch Demagogen nannte, weil sie das Volk gefährden. Und das Wort hatte zuerst positive Bedeutung, später eine eher negative, denn ein Demagoge konnte das Volk auch zu falschen Entscheidungen verführen, zugunsten eigener Interessen und gegen das Wohl der Bürger.
[Musik] [Applaus] [Musik] Und unseren Feinden trotzen. Nein, stimmten dafür, die Schutzmauer zu bauen.
[Applaus] Katja Riegler, ja.
[Applaus] Nun hört gut zu. Wer gegen den Bau der Mauer ist und gegen den Vorschlag ist, der hebe die Hand. Und wer für den Vorschlag ist, der hebe die Hand. Was am Ende zählt, ist die Stimme des kleinen Mannes. Ob ein Gesetz verabschiedet wird oder nicht, entscheidet nämlich die Mehrheit und die liegt immer beim einfachen Volk. Nur die Steuern bezahlen nur die Reichen. Ihm wäre es damals nie in den Sinn gekommen, in eine Steueroase zu fliehen. Kein Staat zuvor hat so viele Gesetzestafeln hinterlassen wie die alten Griechen. Tausende Erlasse in Stein gemeißelt. Auf den Fragmenten stehen alle möglichen Beschlüsse: Bauvorhaben, ob Athen in den Krieg ziehen soll oder Geld für ein Fest ausgeben will. Auf solchen Stehlen wurden die wichtigsten Beschlüsse der Volksversammlung festgehalten. Sie wurden dann auf öffentlichen Plätzen aufgestellt, sei es auf der Akropolis oder der Agora, dem Marktplatz. Auf dieser Stele hier zum Beispiel sind zwei Steuerbeschlüsse festgehalten: Erstens, wer die Steuern der Bundesgenossen Athens eintreiben muss und zweitens, wie die Gelder eingetrieben werden sollen. Auf dieser Stele hier wurden Gefäße, Säcke und Münzen dargestellt. Die einfachen Symbole stehen dafür, dass Steuern eingetrieben werden müssen. Jeder konnte die Symbole sehen und sofort verstehen. Steuerbeschlüsse gibt es viele. Das Wort "Steuern" taucht auf den Inschriften immer wieder auf. Aufgehoben werden sie aber nur bei Bedarf als einmalige Zahlung.
[Musik] Wer welches Amt erhält, entscheidet das Los. Ob Marktpolizist, Schiffsbeauftragter oder Richter zu werden, braucht man keine besondere Qualifikation, wohl aber einen untadeligen Ruf und etwas Glück.
[Applaus] [Musik] Für das Losverfahren haben die Griechen die Wahlmaschine erfunden. Je zwei Geräte stehen an jedem Eingang zum Versammlungsort. Auf der Frontseite sind viele Schlitze angebracht, eingeteilt in 5 Kolonnen. Jede Kolonne ist einem Buchstaben des Alphabets zugeordnet. Jeder Buchstabe entspricht einer Gruppe von Bewerbern.
[Musik] Die Namensschilder der Anwärter werden willkürlich in die Schlitze seiner zugehörigen Gruppe gesteckt. Von oben nach unten über die Wahl entscheiden weiße und schwarze Kugeln, die in den Wahlautomaten geworfen werden. Weiß bedeutet gewählt, schwarz nicht gewählt. Das Losverfahren war Grundsatz und Prinzip der athenischen Demokratie. Signale, athenische Bürger sollten gleichberechtigt sein und alle sollten dieselbe Möglichkeit haben, ein öffentliches Amt auszuüben. Nur sehr hochrangige Posten, wie zum Beispiel der des Heerführers, waren vom Losverfahren ausgenommen. Die Losmaschine ist aber auch entwickelt worden, um der Korruption vorzubeugen. Auch die Position des Richters wurde ausgelost und zwar direkt am Gerichtstag. Der Gewählte musste anschließend umgehend zum Prozess gehen. So war es damals völlig unmöglich, einen Richter zu beeinflussen oder gar zu bestechen. Die römischen Regenten halten nicht viel von dem athenischen Modell und auch die großen europäischen Monarchien stellen sich erfolgreich gegen die Mitbestimmung des Volkes. Ob in Deutschland oder Frankreich, über Jahrhunderte musste sich die Bevölkerung ihre Rechte mit Gewalt erkämpfen. Erst mit der Französischen Revolution im Jahr 1789, 2000 Jahre nach den Griechen, kehrt die Demokratie nach Europa zurück. Seit dem zwanzigsten Jahrhundert dürfen sogar Frauen wählen. Inzwischen gilt das politische Mitspracherecht des Volkes als eiserner Grundsatz der westlichen Welt.
[Musik] Wer im alten Griechenland Politik machen will, muss auch ein guter Krieger sein. Körperliche Fitness gehört daher zum Pflichtprogramm junger Männer. In den Ausbildungsstätten lernen sie zwar auch ein wenig Rhetorik und Grammatik, hauptsächlich vertreiben die Jungs Sport und zwar nackt. Griechisch "Gymnasium" bedeutet also Markstätte. Einen gestählten Körper zu haben wird zum Leitbild der Griechen. Sie sind die Ersten, die den Kult um Muskeln und Proportionen auf die Spitze treiben und detailgetreu in Stein meißeln. Zum ersten Mal in der Geschichte wirken Statuen wie Menschen aus Fleisch und Blut. Ihre Makellosigkeit ist ein bis heute gültiges Schönheitsideal. Die Renaissance greift die alte Idee wieder auf und schafft eigene Kunstwerke nach antikem Vorbild. Allerdings geht es den Künstlern weniger um vollkommene Körper als um die perfekte Darstellung menschlicher Anatomie. Und kein gralla Songs Mensch hätte seinen Körper je einem harten Training unterworfen. Ganz anders die griechische Jugend. Wenn sie sich nicht für den Krieg fit hält, dann wenigstens für den sportlichen Wettstreit. Rund 300 Veranstaltungen finden wir über das Jahr verteilt statt. Jeder, der teilnimmt, will auch gewinnen. Das bringt Geld und fördert die berufliche Karriere. Alle Disziplinen von damals gibt es auch noch heute. Der Diskus ist von Anfang an dabei, ebenso der Speerwurf. Beides erfordert Kraft und eine ausgefeilte Technik. Auch den Faustkampf haben die Griechen eingeführt. Seine Regeln sind inzwischen aber viel strenger geworden und im Laufsport des einundzwanzigsten Jahrhunderts zählen nur noch die Weltrekorde. Das größte Sportevent der Griechen wird nur alle vier Jahre durchgeführt. Austragungsort ist Olympia. Boten allen durchs Land, um den Beginn der Spiele zu verkünden. Alle Stadtstaaten sind eingeladen, auch die verfeindeten. Kriegshandlungen müssen umgehend eingestellt werden. Während der Wettkämpfe herrscht in der ganzen griechischen Welt Waffenruhe: Olympischer Frieden. Zu dem Spektakel, das ursprünglich Zeus gewidmet ist, kommen regelmäßig Zehntausende Besucher. Für das Training während der Spiele stehen Turnhallen zur Verfügung. Den Sportlern soll es an nichts fehlen, denn die Athleten sind damals wie heute Superstars, natürlich nur, wenn sie gewinnen. Der Sieger erhält den Lorbeerkranz und ewigen Ruhm. Eine Legende, Marlon von Proton, Ringkämpfer, auch Wetklos genannt. Er verputzt täglich acht Kilogramm Fleisch. Diogenes, Faustkämpfer, 1300 Siege gehen auf sein Konto. Seiner Statue werden Heilkräfte nachgesagt und der berüchtigte Ring Marion. Selbst als er im Sterben liegt, hängt er seinem Gegner noch den Zeh aus. Aber auch manche User bleiben im Gedächtnis. Polonius kommt zu spät zum Wettkampf und wird ausgeschlossen. Rogers fliegt wegen Korruption auf und ein anderer Theologos wird hart bestraft, weil er die Zuschauer langweilt.
[Musik] Im fünften Jahrhundert nach Christus aber ist es mit den friedlichen Wettkämpfen vorbei. Der christliche Kaiser Theodosius verbietet heidnische Kulte und damit auch die Olympischen Spiele. Der Ort verschwindet erst unter einer neuen Stadt, dann unter meterhohem Schutt. Erst im 19. Jahrhundert legen Archäologen die Ruinen frei. Olympia ist wieder in aller Munde. 1896 finden in Athen die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit statt. Schon bald dürfen Frauen nach den Wettkämpfen teilnehmen, später sind auch Farbige zugelassen. In der globalisierten Welt des einundzwanzigsten Jahrhunderts sind die Olympischen Spiele nicht mehr wegzudenken. Sie gelten als ewiges Symbol der friedlichen Völkerverständigung, ganz gleich, welches Land sie veranstaltet. Ebenso bedeutend, aber weniger massenwirksam, ist das Theater. Ganz anders als noch im antiken Griechenland. Damals präsentiert jede kleine Stadt voller Stolz ihren eigenen Theaterbau.
[Musik] Das Theater hat seinen Ursprung in religiösen Riten. Eine zentrale Rolle spielten dabei kultische Tänze zu Ehren des Gottes Dionysos. Aus den sogenannten satirischen Tänzen entwickelte sich dann das Drama mit seinem Rollenspiel. Das Besondere an Epidaurus ist, dass Kranke zu therapeutischen Zwecken in das Theater hier geschickt wurden. Eine Aufführung läuft damals nach strengen Regeln ab und jedes Stück wird nur ein einziges Mal aufgeführt. Auf der Bühne stehen lediglich drei Schauspieler, alle männlich. Sie tragen Masken, weil sie viele Rollen spielen müssen, alte und junge Frauen natürlich auch. Was zählt, ist die große Geste, eine laute Stimme und gute Aussprache. Dazu tritt ein Chor auf, wer treibt die Geschichte weiter und erklärt auch ihre Hintergründe. Die wichtigsten im Theater aber sind der Auftraggeber, ein Adliger, der alles bezahlt, und natürlich der Dichter des Stücks. Das nochmal neues Stück scheint wieder spektakulär zu werden. Ja, natürlich, wenn ich an eure letzten Stücke denke, ich möchte eure große Arbeit nicht anzweifeln, aber was ihr denkt, ich verstehe nicht, warum am Ende immer alle sterben müssen. Das ist eine Tragödie. Deshalb, das Amüsantes, Leichtes wäre doch auch mal schön, etwas zum Lachen. Aber ich schreibe Tragödien, hier, das weiß ich. Aber ich möchte dieses Mal etwas anderes sehen. Verstehen wir uns nicht? Verstehen überhaupt nichts. Euripides, ich meine es ernst. Ein bisschen mehr Leichtigkeit wäre nicht falsch. Denk nach, ich komme morgen wieder. Am Anfang steht das Epos, hochtragische Helden erzählungen, verfasst in Versform. Sie fallen immer ziemlich weitschweifig aus, wie Homers Geschichten beweisen. In der Tragödie spielen Heroen die Hauptrolle, die versuchen, ihrem Schicksal zu entgehen. Das endet fast immer mit dem Tod. Das macht die Komödie schon besser. Sie ist ein Lustspiel, oft derb, aber garantiert mit glücklichem Ausgang. Das Theater bewirkt, wie Aristoteles sagt, die Reinigung der Seele. Die Geschichten, die erzählt werden, stammen ursprünglich aus dem Mythos. Sie behandeln Konflikte, die nicht nur Götter, sondern auch Menschen lösen können. Die Botschaft, dass es für alle Konflikte Lösungen gibt, löst den Heilungsprozess aus, vorausgesetzt, die Botschaft des Regisseurs wird vom Publikum auch gehört. Griechische Theater fassen immerhin bis zu 14.000 Menschen.
[Musik] Manchmal lieber statt Geld zu kommen, damit man euch auch in der letzten Reihe hören kann. Wisst ihr noch, deutlicher sprechen? Im Theater von Epidaurus kann man jedes Wort bis in die obersten Ränge verstehen. Der Bau ist für seine einzigartige Akustik weltberühmt.
[Musik] Es sind vor allem zwei Dinge, die hier die gute Akustik ausmachen. Einerseits die gesamte Neigung des Theaters, andererseits das Verhältnis von Sitzfläche und Rückenlehne. Das ist perfekt. Deshalb hören die Zuschauer die Stimmen in ihren Sitzen sehr deutlich. Die Frequenzen verstärken sich von unten nach oben.
[Musik] Charakteristisch ist, dass sich die Echo-Töne hier zentrieren. Wenn wir uns entfernen, stellen wir fest, dass sich der Ton ändert, weil die Symmetrie der Echos nicht mehr vorhanden ist. Für die Akustik ist Epidaurus perfekt gebaut. Was wir aber nicht wissen, hatten die Griechen einen Plan? Haben sie genaue Berechnungen angestellt oder hatten sie einfach nur ihre Erfahrung? Das wird wohl ein Geheimnis bleiben.
[Musik] Das Theater als Seelenreiniger und Spiegel menschlicher Konflikte hat die Jahrtausende überdauert und neue Spielformen gefunden. Nicht mehr nur die Bühnen der Welt, sondern auch die Kinos zeigen allabendlich Geschichten von glücklichen und tragischen Ereignissen. Als die Bilder laufen lernen, übernimmt der Film die Führungsrolle. Die Traumfabrik produziert Blockbuster und erreicht damit die Herzen eines Millionenpublikums. Im Lauf der Jahrhunderte erobern immer neue Helden die Leinwand. Ihre Geschichten aber folgen einem altbekannten Muster: der Tragödie und Komödie.
[Musik] Schon im Altertum verbreitet sich die Kultur der Griechen in der damals bekannten Welt. Dafür verantwortlich ist Alexander der Große, König der Makedonen. Im vierten Jahrhundert vor Christus macht sich der junge Herrscher auf und die Welt zu erobern. Er zwingt die griechischen Stadtstaaten in die Knie und erschafft ein Weltreich. Ihm gelingt es, Sprache und Bildung in den eroberten Ländern heimisch zu machen und mit ihm beginnt eine neue Epoche: der Hellenismus. Von seiner Heimatstadt Pella aus trägt er das griechische Erbe bis nach Indien. Das goldene Zeitalter Athens aber ist da schon längst vorbei. Nach Alexanders frühem Tod zerfällt sein Reich und eine neue Macht schreibt Weltgeschichte: Rom. Die Römer sind darauf spezialisiert, Völker zu besiegen und Land zu erobern, und sie sind straff organisiert. Im Unterschied zu den ewig verfeindeten Griechen. Den Feldherren fällt es nicht schwer, mit ihren Legionen die kleinen Stadtstaaten ein für allemal zu unterwerfen. Die Römer sind aufmerksame Schüler und haben ganz bewusst das Erbe der Griechen übernommen. Sie haben die griechische Kultur in Europa weiter verbreitet, denn die Römer haben den einmaligen Beitrag der Griechen anerkannt, sei es zur Bildung, Dichtung oder Theater. Das heißt, viele Errungenschaften der Griechen wurden von den Römern aufgenommen und weitergegeben. Zum Beispiel hat vieles in der römischen Gesetzgebung griechischen Ursprungs. Die Römer haben das Erbe der Griechen für die Nachwelt bewahrt. Ihr Erbe an die Nachwelt ist gewaltig. Auf der Suche nach Erklärungen entdecken die Griechen die universellen Gesetze der Natur und begründen das wissenschaftliche Denken. Mit ihrer Kunst des Geschichtenerzählens schaffen sie große Werke der Weltliteratur und beflügeln die Filmindustrie. Und ihre Theaterbauten liefern das Vorbild zum Bau riesiger Arenen, die als Ort für Mega-Spektakel zigtausende Zuschauer anlocken. Auch die Idee, viele Völker zu friedlichen Wettkämpfen zusammenzubringen, wird noch heute alle vier Jahre bei den Olympischen Spielen gefeiert. Über alle Grenzen hinaus. Das Wichtigste aber, was vom antiken Griechenland bleibt, ist der Gedanke, dass die Bürger die Herren des Staates sind und ihm durch von Bürgern erlassene Gesetze regieren. Viele heute unabhängige Länder der Europäischen Union wären ohne die revolutionären Reformen der alten Griechen vermutlich nicht demokratisch.
[Musik] Ihre Errungenschaften bestimmen bis heute das Leben und Denken der westlichen Welt.
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