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Das Ende von CAD. Wie LEAP71 die Welt neu berechnet

Mars Chroniken28:39

Transcription

Irgendwo in Dubai sitzt ein Unternehmen mit zwei Mitarbeitern. Zwei, kein Team von 100 Ingenieuren, keine Forschungsabteilung, kein Dutzend Spezialisten für Strömungsmechanik, Thermodynamik und Fertigungsprozesse. Zwei Menschen und eine Software, die das, was Ingenieure jahrzehntelang als unmöglich bezeichnet haben, in wenigen Wochen umsetzt.

Im Dezember 2025 hat dieses Unternehmen zwei Raketentriebwerke gebaut. Nicht entworfen, gebaut, getestet und sogar gezündet. Darunter ein Aerospike Triebwerk, eine der komplexesten und gleichzeitig begehrtesten Triebwerksarchitekturen der Raumfahrtgeschichte. Triebwerke, die so schwer herzustellen sind, dass in 30 Jahren kaum eine Handvoll Teams weltweit es geschafft hat, sie zum Laufen zu bringen, geschweige dann operationell einzusetzen. Von der Spezifikation bis zur ersten Flamme in weniger als 3 Wochen.

Das Unternehmen heißt Lieb 71 und was Sie tun, verändert gerade still und leise die Grundlagen des Ingenieurswesens. Mein Name ist Zirwan und das ist Marschroniken. Bevor wir in die Technologie einsteigen, müssen wir die zwei Menschen verstehen, die hinter dieser Geschichte stehen.

Josephine Lisner ist Luft- und Raumfahrtingenieurin. Sie hat an der Universität Stuttgart studiert, danach beim Mercedes AMG Petronas Formel 1 Team die Aerodynamik von Lewis Hamiltons Weltmeisterauto mitgestaltet und war anschließend bei Porsche Motorsport in deren neu gegründetem Formula E Team. Sie ist außerdem Ultramarathonläuferin. Im Jahr 2018 gewann sie den Hadrianswal Ultramarathon über 110 km. Das ist deswegen relevant, weil es etwas über ihre Denkweise verrät. Lisner ist jemand, der Probleme durch konsequente, schrittweise Arbeit löst. Das zeigt ihre kompromisslose Ehrgeizigkeit und Durchhaltevermögen. Außerdem passierte das nicht einfach so, dass du an der Spitze des Motorsports ganz zufällig mitarbeitest.

Die zweite Person ist Lyn Kaiser. Er ist Serienunternehmer und baut seit seiner Kindheit Software. Bevor er Lieb 71 mitbegründete, leitete er Hyperganic, ein Unternehmen, das sich ebenfalls mit algorithmischem Design beschäftigt hatte. Dort hat er die technologische Grundlage gelegt, auf der LEB 71 heute aufbaut. Die beiden haben sich bei Hyperganic kennengelernt. 2023 gründeten sie gemeinsam LEB 71 in Dubai und dann haben sie etwas getan, das in der Geschichte des Ingenieurswesens so noch nicht passiert ist.

Um zu verstehen, was LE 71 macht, muss man zuerst verstehen, was Ingenieurswesen bisher war. Ein Ingenieur, der ein Raketentriebwerk entwirft, verbringt Monate, wenn nicht Jahre damit. Er beginnt mit Grundlagenphysik, Thermodynamik, Strömungsmechanik, Verbrennungstheorie. Er erstellt Konzepte, berechnet Parameter, wählt Materialien. Jede Kurve, jeder Kanal, jede Bohrung wird manuell in einer CAD-Software gezeichnet. Das dauert ewig, weil alles in Handarbeit erledigt werden muss. Dann kommen Simulationen, Feedbackschleifen, Korrekturen. Dann wird gefertigt, dann getestet und analysiert. Anhand der Analysedaten wird dann iteriert. Das heißt, dass das Design überarbeitet wird und die gesamte Schleife beginnt von Anfang. Das wird so lange gemacht, bis die Testdaten zufriedenstellend sind bzw. den Anforderungen entsprechen. Ein modernes Raketentriebwerk ist das Ergebnis von Jahren kollektiver menschlicher Expertise. In der Regel enthält es das Wissen von Hunderten von Ingenieuren über Jahrzehnte hinweg.

Und genau das ist das Problem, sagt Kaiser. Ingenieurswesen sei, so sein Argument, unglaublich langsam, weil es nie wirklich computerisiert wurde. Computer wurden im Ingenieurswesen eingesetzt als Zeichenwerkzeug, als Simulationswerkzeug, aber der eigentliche Denkprozess, die eigentliche Logik des Designs blieb immer beim Menschen.

Lieb 71 will das ändern. Sie nennen ihren Ansatz nicht KI und auch nicht generatives System, obwohl es dem verdächtig ähnelt. Sie bezeichnen ihren Ansatz als Computational Engineering, also computergestütztes Ingenieurswesen. Bisschen Marketing muss auch sein. Das ist durchaus okay.

Das Herzstück von LE 71 ist eine Software namens Neuron, ähnlich dem Wort Neuron der Nervenzelle, nur anders geschrieben. Neuron ist kein CAD-Programm, KI-Assistent und kein Algorithmus im klassischen Sinne. Neuron ist – und das ist die präzise Beschreibung – ein Large Computational Engineering Model, ein System, das die gesamte Logik des Ingenieurswesens in Code übersetzt hat, also Physik, Fertigungsregeln, Materialeigenschaften und praktische Erfahrung aus realen Tests. Alles davon ist in einem deterministischen, auf physikalischen Grundprinzipien basierenden System codiert.

Man gibt Neuron eine Spezifikation, also z.B. ich brauche ein Triebwerk mit 20 kN Schub, betrieben mit flüssigem Methan und flüssigem Sauerstoff, geeignet für orbitale Anwendungen. Neuron generiert das Design als produktionsfertige Geometrie, direkt bereit für die additive Fertigung, also für den 3D-Druck. Man bekommt hier nicht nur grobes Skizzen oder Ideen, sondern wirklich fertige Designs. Das ist der Unterschied zu allem, was bisher existiert hat. Neuron generiert nicht Bilder oder Texte. Es generiert physische Objekte, die in der realen Welt funktionieren müssen. Und die Physik erlaubt keine Fehler.

Lisner beschreibt es so: Wenn ein Ingenieur sein Wissen und seine Methoden akribisch in Computercode übersetzt, wird er um Größenordnungen schneller. Das ersetzt nicht den Ingenieur, sondern vervielfacht die Produktivität. So ist der philosophische Kern von LEB 71: Ingenieurswesen codiert in einem System, das mit der Geschwindigkeit von Computern ausführt.

Jetzt kommen wir zu den Ergebnissen. Theorie ist eine Sache, Feuer ist eine andere. Große Behauptungen werden jeden Tag aufgestellt. Die Frage ist, ob sie auch umgesetzt werden können.

Im Juni 2024, also weniger als ein Jahr nach der Gründung, testete LEP 71 zum ersten Mal ein von Neuron generiertes Triebwerk, ein Kerosin-Sauerstofftriebwerk mit 5 kN Schub. Vollständig designed von der Software. Vollständig gedruckt im Kupfer durch additive Fertigung, keine manuellen Eingriffe in die Geometrie und siehe da, es funktionierte beim ersten Versuch. Das ist im Triebwerksbau ein fast unerhörter Vorgang. Triebwerke funktionieren selten beim ersten Test. Es ist normal, dass man testet, analysiert, korrigiert, erneut baut und erneut testet. Dieser Zyklus dauert typischerweise Monate. Lieb 71 übersprang ihn einfach. Der Vergleich hängt vielleicht, aber das ist bisschen so, als würde man sich auf ein erstes Date treffen und drei Wochen später hält man ein Baby in der Hand.

Danach kamen weitere Tests. Triebwerke mit unterschiedlichen Schubklassen von 1,5 bis 7,5 kN, mit unterschiedlichen Materialien und unterschiedlichen Konfigurationen. Immer dasselbe Muster: Spezifikation rein, Design raus, Druck, Test und immer wieder funktionierte es. Das ist schon beeindruckend, denn einzelne Glückstreffer gibt es durchaus, aber wiederholbare Ergebnisse zu liefern ist eine ganz andere Sache.

Und dann kam im Dezember 2024 etwas, das die Raumfahrtcommunity aufhorchen ließ: das Aerospike Triebwerk. Um zu verstehen, warum das so bedeutsam ist, muss man kurz erklären, was ein Aerospike eigentlich ist und warum es seit Jahrzehnten als die schwierigste, ungezähmte Triebwerksarchitektur der Geschichte gilt.

Konventionelle Raketentriebwerke haben eine Glockenform. Diese Glocke ist darauf ausgelegt, bei einem bestimmten Atmosphärendruck optimal zu funktionieren, entweder auf Meereshöhe oder im Vakuum. Das Problem: Ein Triebwerk, das auf Meereshöhe optimal funktioniert, ist im Vakuum ineffizient und umgekehrt. Ein Aerospike löst dieses Problem durch ein radikal anderes Design. Statt einer Glocke hat es einen zentralen Spike, einen Dorn, um den herum der Brennkammerring angeordnet ist. Die Abgase strömen nach außen und passen sich automatisch dem Umgebungsdruck an. Das macht den Aerospike von Meereshöhe bis ins Vakuum effizienter als jede Glockendüse.

Das klingt doch perfekt. Also, warum baut das dann nicht jeder so ein Aerospike Triebwerk? Weil sie brutal schwer herzustellen sind. Die innere Geometrie ist so komplex, dass konventionelle Fertigungsmethoden sie kaum produzieren können. Die Kühlung des Spikes ist ein thermodynamischer Albtraum und das Strömungsverhalten der Abgase in dieser inversen, also umgedrehten Architektur zu kontrollieren, erfordert ein Verständnis der Physik, das selbst für erfahrene Ingenieure an der Grenze des Machbaren liegt. In 30 Jahren haben, wie gesagt, nur eine Handvoll Teams weltweit ein Aerospike Triebwerk erfolgreich getestet. LEB 71 hat es in wenigen Wochen gemacht. Das vollständig gedruckte Kupfertriebwerk mit 5 kN Schub funktionierte beim ersten Test und das war erst der Anfang.

Kurze Pause, weil dieser Moment es verdient. Wenn dich das, was du gerade gehört hast, auch nur ansatzweise so fasziniert wie mich, dann drücke jetzt das Herzchen. Nicht aus Höflichkeit, sondern weil der Algorithmus genau das braucht, um dieses Video zu Menschen zu spielen, die solche Geschichten noch nicht kennen. Ein Abo kostet dich nichts und hält dich auf dem Laufenden, wenn Lieb 71 ihren nächsten Meilenstein zündet. Unsere Kanalmitglieder sehen zudem solche Videos übrigens Tage oder Wochen vorher. Der Link dazu ist unten.

Und jetzt weiter, denn es wird noch absurder. Im Dezember 2025 haben sie die Messlatte nochmals dramatisch höher gelegt. Diesmal nicht ein Triebwerk, sondern gleich zwei in einer einzigen Testkampagne. Beide Triebwerke generierten 20 kN Schub. Das entspricht ungefähr 2 Tonnen Schubkraft. Beide brannten mit flüssigem Methan und flüssigem Sauerstoff, dem sogenannten Methalox-Treibstoff. Derselbe Treibstoff, den SpaceX im Raptor-Triebwerk von Starship und Blue Origin in ihrem BE4 Triebwerk der New Glenn verwendet. Derselbe Treibstoff, der als die Zukunft der Raketentriebwerke gilt: sauber, leistungsstark und auf dem Maßstab produzierbar.

Das erste der beiden Triebwerke war eine konventionelle Glockendüse und das zweite war ein vollständiger Aerospike. Zwei fundamental verschiedene Triebwerksarchitekturen, beide von Neuron generiert, beide in weniger als 3 Wochen von der Spezifikation bis zur ersten Flamme. Das ist völlig absurd. Im besten Sinne natürlich. Zum Vergleich: Ein typisches kommerzielles Raketentriebwerksentwicklungsprogramm dauert 3 bis 5 Jahre im besten Fall, manchmal länger. Das Raptor-Triebwerk von SpaceX befindet sich nun schon seit über einem Jahrzehnt in Entwicklung.

Aber was LEB 71 im März 2026 produziert hat, übersteigt selbst das. In Zusammenarbeit mit HBD, einem chinesischen Hersteller von großformatigen Metalldrucksystemen, hat Leib 71 den bisher größten je produzierten 3D-gedruckten Aerospike der Welt hergestellt. Das Triebwerk trägt die Bezeichnung XRA 2E5. Die Namensgebung lässt zwar noch zu wünschen übrig, aber das ist nicht der Kern der Aussage hier. Das Triebwerk ist 1 m hoch, erzeugt 200 kN Schub, das sind ungefähr 20 Tonnen, und brennt ebenfalls mit Methalox. Es wurde vollständig aus Inconell 718 gedruckt, einer hochtemperaturfesten Nickellegierung, die der Standard für 3D-gedruckte Raketentriebwerke ist. Der Druck dauerte 289 Stunden, also etwas mehr als 12 Tage, ununterbrochen mit einem SLM 280-Lasersystem, einem der leistungsstärksten Metalldruckersysteme der Welt.

Macht euch mal bitte für einen kurzen Moment bewusst, worüber wir hier reden. Wenn man solche Dinge vor ein paar Jahren gesagt hätte, wäre man direkt eingeliefert worden. Das Ergebnis ist ein monolithisches Objekt, ein einziges Bauteil, das all enthält, das früher aus hunderten Einzelteilen gefräster, geschweißter, genieteter, geschraubter, versiegelter und montierter Teile bestand. Keine Dichtungen, keine Schrauben, keine Verbindungspunkte, an denen Druck oder Temperatur das System gefährden könnten. Hier wird die Philosophie "The best part is no part" auf die Spitze getrieben. Also Teile, die es nicht gibt, können auch nicht versagen.

Lisner beschreibt Aerospikes als den heiligen Gral der Raumfahrtpropulsion und erklärt gleichzeitig, warum sie so schwer herzustellen sind. Die komplexe Geometrie hat sie historisch extrem schwer zu designen, herzustellen und zu betreiben gemacht. Erst die Kombination aus Computational Engineering und großkaliger additiver Fertigung macht es möglich, diesen Gral tatsächlich zu produzieren.

Wir haben ja schon kurz angesprochen, aber jetzt müssen wir tiefer in die Technologie einsteigen, denn es gibt eine Frage, die sich bei all dem zwingend aufträngt: Was ist Neuron eigentlich und noch wichtiger, was ist es nicht? Das ist wichtig, weil der Begriff KI in der öffentlichen Diskussion so inflationär verwendet wird, dass er fast bedeutungslos geworden ist. ChatGPT ist KI, Bildgeneratoren sind KI, Empfehlungsalgorithmen sind KI und jetzt auch Raketentriebwerke? Die Antwort: Neuron ist KI, aber eine völlig andere Art davon.

Generative KI-Systeme wie große Sprachmodelle arbeiten probabilistisch, also mit Wahrscheinlichkeiten. Sie haben keine echte Ahnung von der Welt. Sie haben Muster aus enormen Datenmengen gelernt und können diese Muster überzeugend reproduzieren. Das ist mächtig, aber es ist auch fehleranfällig. Ein Sprachmodell kann mit großer Überzeugung falsche Antworten geben, weil es nicht die Wahrheit kennt. Es kennt nur, was wahrscheinlich klingt. Das funktioniert für Text und inzwischen auch schon ganz gut für Bilder und sogar schon für Videos, aber doch nicht für Raketentriebwerke? Oder doch? Ein Raketentriebwerk, das bei 1500° Celsius und 300 bar Kammerdruck zusammenbricht, kann fatale Folgen haben. Die Physik erlaubt keine probabilistischen Annäherungen.

Neuron ist deshalb deterministisch. Es basiert nicht auf statistischen Mustern aus Trainingsdaten, es basiert auf codierter Physik, Thermodynamik, Strömungsmechanik, Materialwissenschaft und Fertigungsbedingungen. All das wurde von Lisner und Kaiser als explizite, überprüfbare Logik in Code übersetzt. Das bedeutet, Neuron macht keine Vorhersagen, es berechnet. Und Berechnungen sind nachvollziehbar, überprüfbar und reproduzierbar. Genau das, was man braucht, wenn man mit Feuer und Hochdruckgasen arbeitet.

Es gibt noch eine zweite technologische Säule, ohne die LEI 71 nicht funktionieren würde: Additive Fertigung, 3D-Druck in Metall. Konventionelle Fertigung ist subtraktiv. Man fängt mit einem Metallblock an und fräst, dreht und bohrt so lange, bis die gewünschte Form übrig bleibt. Das funktioniert hervorragend für einfache und mittelkomplexe Geometrien, aber ab einem bestimmten Grad an Komplexität wird es unpraktisch. Innenkanäle, die sich durch ein Bauteil schlängeln, Kühlstrukturen, die wie Adern durch das Material verlaufen, Geometrien, die von innen zugänglich sein müssen. All das ist mit subtraktiver Fertigung entweder unmöglich oder irrsinnig teuer.

Additive Fertigung dreht das Prinzip um. Man beginnt mit nichts und baut Schicht für Schicht auf. Die Komplexität des Bauteils kostet dabei nichts extra. Eine einfache Kugel ist genauso aufwendig zu drucken wie ein hochkomplexes, integriertes Kühlsystem. Datei in die Software rein, slicen und los geht's. Ganz vereinfacht ausgedrückt natürlich.

Für Neuron ist das entscheidend, weil Neuron nicht durch die Logik der konventionellen Fertigungstechniken eingeschränkt ist, kann es Geometrien generieren, die kein Mensch jemals manuell gezeichnet hätte. Nicht, weil es niemand konnte, sondern weil die Herstellbarkeit solcher Formen früher schlicht nicht gegeben war. Das Ergebnis sind Triebwerke, die wie lebende Strukturen aussehen. Kühlkanäle, die sich organisch durch das Material winden. Injektorköpfe, die in ihrer Dichte und Komplexität an Korallenriffe erinnern. Strukturen, die so optimiert sind, dass sie mit dem geringstmöglichen Material die größtmögliche Leistung erbringen. Auch wenn das schön aussieht, geht es hier nicht um die Ästhetik, sondern um die Physik.

Apropos 3D-Druck: Hier im Studio stehen gerade das Raptor-Triebwerk von SpaceX und das ikonische F1-Triebwerk der Saturn 5. Zwar nicht aus Inconell, sondern aus PLA, aber trotzdem beeindruckend, dass das jemand wie ich einfach zu Hause herstellen kann. Gedruckt mit dem Prusa MK4 von Prusa, unserem Sponsor, und dem Drucker, auf dem wir auch unsere lizenzierten Starship und SLS-Modelle produzieren. Wenn ihr selbst mit dem 3D-Druck anfangen wollt, der QR-Code ist gerade im Bild. Der Link ist unten in der Beschreibung und jetzt zurück zu den Dingen, die aus Inconell sind.

Kommen wir zur Skalierung, denn bisher haben wir über Triebwerke bis 20 kN gesprochen. Das ist beeindruckend, aber es sind Triebwerke für kleinere Satelliten, Kickstages und Oberstufen. Was ist also mit echten Raketentriebwerken?

Im November 2025 hat LEB 71 gemeinsam mit Nikon SLM Solutions, einem deutschen Pionier des Metalldrucks, den Injektorkopf eines Triebwerks der XRB 2E6-Klasse hergestellt. 600 mm Durchmesser, eines der größten und komplexesten jemals produzierten 3D-gedruckten Raumfahrtbauteile. Die XRB2E6 ist ein Methalox-Triebwerk mit 2000 kN Schub, also 2 Meganewton bzw. rund 200 Tonnen. Zum Vergleich: Das Raptor 3 Triebwerk von SpaceX, das leistungsstärkste Serienriebwerk der Welt, erzeugt etwa 300 und Blue Origins BE4 280 Tonnen Schub. LEP 71 bewegt sich damit in derselben Leistungsklasse.

Und noch radikaler: Das Triebwerk ist als Full Flow Staged Combustion Engine ausgelegt, FFSC, also Vollstrom-gestufte Verbrennung. Das ist derselbe Kreislauf, den das Raptor-Triebwerk verwendet. Der effizienteste, komplexeste und schwierigste Kreislauf chemischer Raketenantriebe. Es wurde jahrzehntelang als zu schwierig für die meisten Akteure der Industrie betrachtet. Das Besondere und gleichzeitig das Schwierige ist, dass beim FFSC beide Triebwerkskomponenten vollständig durch eigene Vorverbrenner geleitet werden, bevor sie in die Hauptbrennkammer eintreten. Jede Komponente treibt dabei ihre eigene Turbopumpe an. Das maximiert die Effizienz, aber es bedeutet auch, dass heißes sauerstoffreiches Gas durch die eine Seite strömt und heißes treibstoffreiches Gas durch die andere, beide unter enormem Druck und extremen Temperaturen. Das System muss das gleichzeitig instabil beherrschen und dabei alle Fluss- und Brennraten in der Waage halten. Genau das hat das Jahrzehnte lang so gut wie unmöglich gemacht.

Keine Sorge, das klingt nur so kompliziert, weil es das auch ist. SpaceX hat Jahre gebraucht, um diesen Zyklus zu beherrschen. LEP 71 generiert einen Injektorkopf dafür, völlig autonom, ohne menschliches Eingreifen in die Geometrie.

Was bedeutet das strategisch? Der klassische Engpass in der Raketenentwicklung war nie die Physik. Die Gleichungen sind uns seit Jahrzehnten bekannt. Der Engpass war Zeit und Expertise. Ein erfahrener Triebwerksingenieur ist selten. Zudem braucht er Jahre der Ausbildung, Jahre der Erfahrung und selbst dann ist seine Kapazität begrenzt. Wir Menschen haben nur eine limitierte Anzahl von produktiven Stunden pro Tag. Neuron hat diese Begrenzung aufgehoben. Wenn Lisner die Logik eines Triebwerkskonzepts in Neuron codiert hat, kann dieses System tausende von Varianten in derselben Zeit generieren, in der ein menschlicher Ingenieur eine Skizze zeichnen würde. Jede Variante physikalisch valide und direkt fertigungsbereit.

Das verändert die Spielregeln für alle, die Zugang zu Weltraumantrieben wollen. Nicht nur für Großmächte mit riesigen Rüstungsbudgets, sondern für kleine Unternehmen, Schwellenländer und Akteure, die sich bisher keine eigene Triebwerksentwicklung leisten konnten. Und genau das zeigt die Partnerschaftsstrategie von LEI 71.

Im Juni 2025 hat LE 71 eine strategische Partnerschaft mit Aspires Space geschlossen, einem luxemburgischen Raumfahrtunternehmen, das inzwischen seine gesamten primären Operationen in die Vereinigten Arabischen Emirate verlegt hat. Es will ein vollständig wiederverwendbares Trägerraketensystem entwickeln, das bis zu 15 Tonnen in den niedrigen Erdorbit bringen kann. Das komplette Antriebssystem kommt dabei von LEB 71 mit freundlicher Unterstützung von Neuron.

Im März 2026 hat die Exploration Company, ein europäisches Raumfahrtunternehmen mit über 400 Mitarbeitern, bekannt für die NIX-Versorgungskapsel und das Typhoon-Triebwerk, einen fünfjährigen Lizenzvertrag für Neuron RP unterzeichnet. Die Exploration Company wird die Software in ihre eigene Triebwerksentwicklung integrieren. Das ist ein bedeutsames Signal. Sie sind kein Startup in irgendeiner Garage. Das ist ein ernstzunehmendes europäisches Raumfahrtunternehmen, das aktiv mit der ESA und privaten Kunden arbeitet, und sie vertrauen LEB 71 einen Teil ihrer Kerntechnologie an.

Außerdem hat LE 71 ein Konzept für ein hypersonisches Vorkühlsystem präsentiert in Zusammenarbeit mit Farun Technologies. Anderthalb Meter hoch mit einem einzigen Zweck: Luft bei hypersonischen Geschwindigkeiten so weit herunterzukühlen, dass ein luftatmendes Triebwerk funktionieren kann. Der Schlüsselbaustein für einstufige Raumfahrzeuge, die wie ein Flugzeug starten und direkt in den Orbit fliegen. Single Stage to Orbit, SSO. Seit Jahrzehnten der Traum der Raumfahrt. Seit Jahrzehnten technisch außer Reichweite. Noch ist der Vorkühler nur ein Konzept, aber das Konzept existiert. Gedruckt, messbar, greifbar. Und bei ihrer Geschwindigkeit ist das eine Frage von Wochen, bis wir Hardware und erste Tests sehen.

Ich möchte an diesem Punkt kurz innehalten, denn LEI 71 ist ein kleines Unternehmen, das Außerordentliches produziert. Aber es ist wichtig, ehrlich darüber zu sein, wo wir uns in diesem Prozess befinden. Die Triebwerke wurden getestet, aber nicht alle sind zum orbitalen Einsatz zertifiziert. Die Validierung eines Triebwerks für den Weltraumeinsatz, besonders für bemannte Missionen, ist ein langer, rigider Prozess. Hunderte von Tests, Qualifikationsläufen und Sicherheitsnachweisen. Und das ist auch gut so. LEI 71 befindet sich noch in der Phase der Grundlagenvalidierung. Sie beweisen, dass ihre Methodik funktioniert, dass Neuron Triebwerke generieren kann, die beim ersten Mal brennen. Das ist bemerkenswert, aber es ist nicht dasselbe wie ein qualifiziertes Antriebssystem für eine orbitale Mission. Der Weg von hier bis dahin ist noch lang und er wird zeigen, ob die Methodik auch unter dem Druck eines vollständigen Qualifikationsprogramms trägt. Aber der Ausgangspunkt ist so stark, dass die Frage nicht mehr "ob", sondern "wann" lautet.

Was kommt also als Nächstes? Die 20 kN, die LEB 71 im Dezember 25 getestet hat, entsprechen nach eigenen Angaben rund 10% der Schubklasse, die sie 2026 testen wollen. Das bedeutet, bis Ende dieses Jahres plant LEP 71 einen Feuertest in der Klasse von 200 kN, 20 Tonnen Schub, Methalox. Und die Fertigungsvalidierung der 2000 kN-Klasse, Megnewton-Triebwerk, läuft bereits mit den größten Metalldrucksystemen der Welt. Wenn Leb 71 diese Zeitpläne einhält, wird das Unternehmen bis Ende 2026 Triebwerke in einer Leistungsklasse validiert haben, die reale Orbitalmissionen ermöglicht.

Zwei Menschen, 3 Jahre von null auf Raketentriebwerke im Megnewton-Bereich. Das hat in der Geschichte des Ingenieurswesens keine Entsprechung. Aber die eigentliche Bedeutung von die 71 liegt nicht in den Triebwerken. Die Triebwerke sind die Demonstration. Die eigentliche Innovation ist die Erkenntnis, die dahinter steckt. Ingenieurswesen war bisher ein linearer Prozess: Idee, Berechnung, Design, Fertigung, Test, Iteration. Jeder Schritt dauerte Monate. Jeder Fehler kostete Zeit und Geld. Und das limitierte, was möglich war. Nicht die Physik, nicht das Material, nicht das Geld, sondern die Zeit.

Neuron reduziert diese Zeit radikal um Größenordnungen. Und wenn diese Methodik erst einmal auf andere Felder übertragen wird, auf Wärmetauscher, Antriebssysteme für Elektromobilität, auf biomedizinische Implantate, auf Konstruktionskomponenten für Satelliten oder Architektur, dann reden wir über die Frage, wie die Menschheit in 20 Jahren Dinge baut. Lisner hat das in einem Interview so formuliert: Ingenieurswesen, das bisher in den Köpfen von Experten gespeichert war und mit deren Pension verloren ging, kann jetzt in Systeme codiert werden, die es für immer erhalten und für jeden zugänglich machen. Das ist nicht weniger als die Demokratisierung des Ingenieurswesens.

Zwei Menschen, ein Büro in Dubai, eine Software, die in Sekunden entwirft, wofür Menschen Monate brauchen, und Triebwerke, die beim ersten Versuch brennen. Lieb 71 ist das unbekannteste, wichtigste Unternehmen in der Raumfahrt. Noch. Mein Name ist Zirwann und das war Maschoniken. Danke fürs Einschalten.

Per aspera ad astra sind Triebwerke. Polizei, die größtmögliche Leistung. Ach so, jetzt wollen die Triebwerke natürlich. Per aspera ad astra. Warte, probieren wir mal mit mit der anderen Aussprache. Aspera, ad astra. Noch mal ungewohnt.