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[Musik] Herzlich willkommen. Heute richten wir den Blick auf Russland, genauer gesagt auf seine Grenze zu Finnland. Bei Kamienka wurden Satellitenaufnahmen zufolge in den vergangenen Wochen 140 Zelte auf einem bisher nicht genutzten Militärstützpunkt errichtet. Fachleuten zufolge können dort 2000 Soldaten untergebracht werden. Die Informationen stammen von einem Analystenteam namens Blackbird Group, das Satellitenaufnahmen auswertet. Zu ihnen gehört der finnische Militärhistoriker Emil Kastehelm.
Er berichtet, dass in Petrosavotk kürzlich große Lagerhallen für Militärfahrzeuge errichtet wurden und bei Severomorsk ungewöhnliche Aktivitäten auf einem russischen Militärstützpunkt zu sehen sind. Russland verstärke demnach seine Präsenz an der Nordflanke der EU und der NATO, ohne dass man wisse, was dahinter steckt.
Aus diesem Anlass beschäftigen wir uns heute mit Finnland, seinen besonderen historischen Beziehungen zu Russland und seinem Wunsch, sich zu schützen. An die Republik Finnland grenzen Schweden im Westen, Russland auf einer Länge von 1340 km im Osten und Norwegen im Norden. Finnland ist mit 338 000 quadk fast so groß wie Deutschland und das fünftgrößte Land der EU. Im Süden grenzt es zudem an die Ostsee und über den finnischen Meerbusen hinweg indirekt an Estland.
Im November 1939 griff nach dem Abschluss des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes Stalin im Winterkrieg das Land an. Trotz heftiger Gegenwehr kam es zu strategischen finnischen Gebietsverlusten in Lapland und Karelien. Finnland führte dann einen Fortsetzungskrieg an der Seite Nazi-Deutschlands bis zur Niederlage 1944. Es verlor an die UDSSR das Petsamogebiet mit seinen Nickelvorkommen und seinen Zugang zum Nordpolarmeer.
Zu Beginn des kalten Krieges blieb Finnland neutral gegenüber Moskau. Es verzichtete auf die Hilfe im Rahmen des Marshallplans und schloss einen Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion. Diese aktive Neutralität, auch Finlandisierung genannt, wurde von Präsident Kekkonen weitergeführt. 1995 trat Finnland der EU bei. Es gehört zum Schengenraum und zur Eurozone.
Die einschneidendste Veränderung beruht jedoch auf den Expansionsbestrebungen Russlands. Nach der Annexion der Krim 2014 und dem Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 kippte die öffentliche Meinung. 188 Abgeordnete von 200 stimmten für einen Beitritt zur NATO. Man wollte sich unter den nuklearen Schutzschirm der USA begeben, ebenso wie Schweden.
Parallel dazu befestigte Helsinki auf einer Länge von 200 km strategisch wichtige Teile seiner Grenze zu Russland, das dort bereits versucht hat, eine Migrationskrise zu verursachen. Außerdem verdächtigt man Moskau zahlreicher hybrider Angriffe in der Ostsee, unter anderem auf Unterseekabel. Finnland hat bereits eine der größten Armeen Europas mit fast 300 000 Soldaten und einen der größten Bestände an militärischer Ausrüstung.
Soweit zu unserem heutigen Fokus. Bis bald.