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KEIN ETF-Depot für meine Kinder! - Warum du ihnen schadest!

Jens Rabe13:16

Transcription

Ich würde niemals ein ETF-Depot für meine Kinder anlegen, und ich sage dir auch genau warum. Es ist ja mittlerweile fast schon Standard. Du bekommst ein Kind, und sofort wird ein Sparplan für das Kind gemacht. Es wird in ETFs gespart, und das alles mit der guten Absicht, dass es doch das Kind mal besser haben soll; dass, wenn es 18 ist oder 21, dass es dann schon mal 20.000, 30.000, 40.000, 50.000 € hat. Und so gut dieser Gedanke auch ist, umso falscher ist er auch. Und ich will dir erklären, warum ich das für meine Kinder niemals gemacht habe, auch niemals machen würde und wie es aus meiner Sicht heraus viel, viel besser geht. Und ich bin natürlich gespannt auf deine Meinung dazu.

Also, was wird heute sowohl von der Industrie als auch von vielen Privatanlegern gepredigt? Du bekommst ein Kind, oder deine Kinder sind vielleicht noch ganz klein, und dann nutzt du einfach den Zinseszinseffekt, zahlst jeden Monat 100 oder 200 € in einen ETF-Sparplan ein, dann nimmst du am besten irgendetwas, was nicht ganz so spekulativ ist, also beispielsweise einen MSC World, und dann hast du eben – äh, wenn das Kind mal 18 ist oder 20 – hast du dann eine schöne Summe, und du machst dem Kind quasi den Start ins Leben dann leicht. Und äh, ganz ehrlich, ich habe früher auch so gedacht, und ich habe auch lange darüber nachgedacht, so etwas zu tun. Und vielleicht hat der eine oder andere hier auch schon mal gehört, ähm dass ich auch ein ähm Depot für meine Kinder habe, aber stopp, das ist kein ETF-Depot. Und ähm ich will dir sagen, warum ich das auch für keine gute Idee halte, denn mal ganz ehrlich, hast du, als du angefangen hast, hast du von deinen Eltern eine große Summe Geld bekommen? 20.000, 30.000, 40.000, 50.000 € wahrscheinlich eher nicht, ne? Also, meine Eltern haben mich auch immer unterstützt, als ich mich selbständig gemacht habe, aber sie haben mir niemals so eine riesige Summe Geld gegeben. Und ich habe das damals natürlich als Kind ein bisschen bedauert, äh oder als junger Mann, aber im Nachhinein muss ich sagen: Gott sei Dank haben sie das niemals getan. Denn wenn ich in jungen Jahren, mit 18 oder mit 20 oder 25, so viel Geld gehabt hätte, ich weiß nicht, ob ich das erreicht hätte, was ich heute für mich erreicht habe.

Warum? Weil mir der Antrieb gefehlt hätte. Und ich glaube, das ist heute eine ganz, ganz weit verbreitete Unsitte, dass man absolut aus gutem Willen es seinen eigenen Kindern viel zu leicht macht, ne? Wenn wir mal zurückdenken, vielleicht an unsere Großeltern, die echt extrem schwierige Lebensverhältnisse hatten, so mit Krieg, mit äh Hungersnot nach dem Krieg, mit Wiederaufbau von Deutschland, ne, mit all diesen Sachen, dass die gesagt haben: „Ich möchte, dass es meinen Kindern mal besser geht“, das kann ich 100 % verstehen. Aber wenn wir mal ehrlich sind heute, ne, da geht es doch eigentlich niemanden – ich glaube, niemand, der jetzt hier zuschaut, zumindest – dem geht es doch so schlecht, sagt: „Ah, ich hoffe, meinen Kindern geht es mal besser.“ So, und deswegen ist das heute so, dass man sich quasi fast schon äh ja, auch von der Gesellschaft ein bisschen gedrängt fühlen, sagt: „Man muss seine Kinder irgendwie finanziell unterstützen, man muss sie auf den Weg bringen“, und auf der anderen Seite regen wir uns alle auf, dass die Jugend heute nicht mehr leistungsbereit ist, dass sie faul ist und so weiter. Aber ich sage euch eins: Die sind ja nicht so geboren worden, sondern die wurden ja so erzogen. Und schauen wir uns das doch heute mal an. Heutzutage ist es doch in den meisten Familien so, dass quasi der Nachwuchs – und ich weiß, wovon ich rede, ich habe selbst drei Kinder, zwei große Töchter, die mittlerweile volljährig sind, und einen Sohn, äh der äh noch ein paar Jahre hat bis zur Volljährigkeit – aber in den meisten Familien ist es doch so, dass die kleinen Hosenscheißer völlig verwöhnt werden, ne? Also, da gibt es hier ein iPhone in der zweiten, dritten Klasse. Ja, mein so ein Ding kostet 800 € oder 1000 €, je nachdem, was man hat, und es wird heute einfach so gegeben. Dann ist es völlig normal bei vielen, dass die Tochter, der Sohn, bekommt mit 18 ein Auto geschenkt, ne? Hast du ein Auto geschenkt bekommen, als du 18 warst? Also ich nicht. Ich wollte mir ein Auto kaufen, damals übrigens einen Porsche, einen 924er Porsche, ne? Blende ich hier mal ein. Für mich nach wie vor eines der schönsten Autos, wenn ich mich an meine Jugend zurückerinnere, ne? Der VW Porsche war das damals, der mit den Klappscheinwerfern. Es gab noch einen 944er, aber komm, wir schweifen ab. So, also ich wollte mir den unbedingt kaufen, und ich weiß noch, ich hatte damals durch Ferienarbeit und ähm durch sogar erste kleine Geschäfts-Geschäftchen hatte ich so ungefähr 4000 Mark, ne? Also ungefähr 2000 €. Und dieser dieser Porsche, der stand bei einem Gebrauchtwagenhändler, und der hätte 8000 Mark gekostet. Und dann bin ich mit meinem Papa dahingefahren, gesagt: „Mensch, hier guck mal, das ist ein tolles Auto“, und der war rot und der super, und „Mensch Papa, ich habe so und so viel, kannst du mir den Rest geben?“, und hat er gesagt: „Nö, gebe ich dir nicht, erarbeite dir das ganze“, ne, und ich war natürlich stinke sauer. Ich glaube, ich habe zwei Tage lang nicht mit ihm geredet. Es hat ihn natürlich völlig kalt gelassen. Er hat mir trotzdem das Geld nicht gegeben, und das war mein Antrieb zu sagen: „Irgendwann kaufe ich mir mal ein Porsche.“ Ja, so, jetzt kann ich nicht sagen, dass das dies an dieser einzelnen Position war, aber überlegt mal: Heutzutage wird es doch vielen Kindern viel zu leicht gemacht, ne? Und Gott sei Dank, wir leben nicht mehr in Not. Wir müssen keinen Hunger mehr leiden. Äh, wir können äh schön durch die Welt fahren. Wir haben schöne Autos, wir haben schöne Wohnungen, wir haben schöne Häuser. Aber jetzt kommen wir wieder auf das mit dem ETF zurück. Was soll denn eigentlich eure Kinder noch motivieren, etwas aus ihrem Leben zu machen, wenn ihr sie so helikoptermäßig mit Geld überschüttet, ne? Als ich zu Hause ausgezogen bin mit 18 Jahren, weil ich halt selbstständig sein wollte, ne, dann natürlich haben mich meine Eltern unterstützt, aber sie haben mir nicht das Geld vor und hinten reingeblasen. Wenn ich aber heute sehe, dass manche in ihre erste Wohnung ziehen, und da bezahlen die Eltern die Ausstattung, und da werden die ersten Möbel gekauft, und wird die Miete die ersten paar Jahre übernommen, ja, dann kannst du auch gleich zu Hause wohnen bleiben, ne? Was du damit nämlich – du machst das aus guter Absicht heraus. Du willst dein Kind unterstützen, was du liebst, aber was du eigentlich machst, du machst es abhängig, und du lässt es nicht frei werden. So, und deswegen würde ich im Leben niemals einen ETF-Sparplan für meine Kinder machen.

Warum? Nummer eins, weil ich nicht möchte, dass sie, wenn sie in ihr Berufsleben eintreten – bei meinen großen Töchtern ist das mittlerweile so – dass sie so viel Geld haben. Wenn eine Notsituation wäre, ne, wäre ich immer da mit meiner Frau und würde sagen: „Hey, komm, wir helfen euch.“ Aber ich würde ihnen niemals die Taschen aufmachen und glaube mir, ich könnte das und könnte sagen: „Hier sind keine Ahnung 50.000 €, 100.000 €, ähm Have fun“, ne? Würde ich im Leben nicht machen. Warum? Wie sollen sie denn selber dann ähm eigenständig werden? Wie sollen sie denn selber den Drang entwickeln, selber was im Leben zu erreichen? So, es gibt noch einen Nachteil. Ähm, es gibt's noch einen Nachteil mit äh mit einem ETF. Nicht nur, dass das Geld kommt für was sie nichts gemacht haben, ne? Weil das hast du ja bezahlt. So, das heißt, die Wertschätzung ist auch gar nicht da. Wenn dir jetzt plötzlich – du hast – das ist wie beim Lottogewinner. Lottogewinner hat nichts dafür gemacht, und deswegen ist die Kohle ja dann auch wieder weg, und bei deinen Kindern wird es genauso sein. Glaubt nicht, dass deine Kinder dann dieses Geld weitersparen werden und dass sie das aus ihnen dann der nächste Warren Buffett wird, ne? So, Warren Buffett übrigens hat – kannst du gerne mal lesen in der Biografie, „Das Leben ist wie ein Schneeball“ – ähm hat nie von seinen Eltern Geld bekommen. Im Gegenteil, sein Onkel – äh bei dem er, ich glaube, es war sein Onkel, bei dem er gearbeitet hat – der hat ihn sogar ähm nicht mehr richtig bezahlt in dem äh in dem kleinen Drogeriemarkt, den er hatte, weil er gesagt hat: „Damit du den ähm Wert des Geldes schätzen lernst.“ Tja, Moren ist heute 160 Milliarden Dollar Milliardär. Es muss das nicht unbedingt werden, wenn du dein Kind nichts bezahlst, aber ähm trotzdem ist das der richtige Weg. So, und jetzt kommt aber der Hauptpunkt noch. Was lernt denn also erstmal diese diese Wertschätzung von Geld? Es ist ja immer da, ne? Also, warum noch anstrengend? Warum im Büro, in der Arbeit, in der Firma, irgendwo im Leben Gas geben, wenn Mama und Papa haben doch immer alles bezahlt, ne? Und deswegen hast du heute diese diese Jugendlichen, die mit Mitte 20 immer noch nichts auf die Reihe kriegen, äh und die zum Bewerbungsgespräch, wenn sie mit 19 kommen, ähm zwar so ein Kreuz haben durchs Gym, aber äh ihre Mama mitbringen, weil sie nicht mal alleine ein Bewerbungsgespräch führen können. So. Und das andere ist, sie lernen ja noch nicht mal was.

Und deswegen will ich jetzt einen Tipp geben, wie du mit deinen Kindern gemeinsam Geld ansparen kannst und ihnen dabei auch noch was beibringst, nämlich – und das machen wir. Wir haben ein Aktiendepot für unsere Kinder, und unsere Kinder entscheiden mit uns gemeinsam, was wir da kaufen, und immer wenn wir was kaufen, müssen sie etwas dazu geben. Das heißt, wenn wir sagen: „Hey, wir wollen für 200 € äh Aktien kaufen“, dann müssen sie eben die Hälfte mindestens selber dazu geben, und wenn sie das nicht tun, dann kaufen wir es auch nicht, ne? Und jetzt kann es ja auch sein, dass sie manchmal Aktien kaufen, wo du sagst: „Ah, das ist wirklich nicht gut“, ne? Dann ist es aber trotzdem richtig, sie diese Fehler machen zu lassen, weil jetzt mal ganz ehrlich: Du lässt sie für 100 € irgendeine Shortaktie kaufen, okay? Und äh aus, weil weil du es gut machen willst, sagst du: „Nee, die kannst du nicht kaufen, die ist gerade im Abwärtstrend oder ist eine ganz schlechte Firma, und die geht wahrscheinlich pleite.“ Was was schaffst du damit? Du lernst dem Kind damit – du schützt 100 €. Okay, so. Das spielt im Leben deines Kindes keine Rolle. Ob das mal später von dir 100 € mehr oder weniger hat, spielt keine Rolle. Du lernst ihn aber nicht, dass man auch an der Börse Geld verlieren kann. Du lernst ihm gar nichts Börse, wenn du ihm ETF kaufst. Ja, Papa hat da was hingezahlt, dann ist es mehr geworden. Das ist alles. Du erziehst dein Kind zur Mittelmäßigkeit. So, ich muss da irgendwie was hintun, dann kommt schon mehr raus, und dann, wenn sie noch nicht mal selber was dazu getan haben, dann werden sie irgendeiner bezahlt schon früher als Papa gemacht, jetzt macht's der Staat oder der Arbeitgeber oder irgendeiner, ne? Immer irgendeiner da, der es bezahlt. Und deswegen lass deine Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen. So, und ich bin immer froh, wenn sie mit ihren Aktien auch mal Geld verlieren. Sie haben ein paar Glückstreffer, ne? Sie haben ein paar tolle Aktien dabei. Sie haben auch mal – mein Sohn hat mal Volkswagen unbedingt haben wollen, ne? Hätte ich im Leben nicht gekauft. Sagte: „Mach.“ Also haben wir paar Volkswagenaktien gekauft. Sind die gut gelaufen? Nee, die sind überhaupt nicht gut gelaufen. Und hat gemerkt: „Ah, okay, bloß weil ich halt Volkswagen gut finde, heißt es ja noch lange nicht“, ne? Weil er machte damals unten VW. Äh, und deswegen hat er das gekauft. Äh, und ähm hat aber gelernt, dass das was anderes ist. Das heißt, es kostet ihn zwar ein paar Euros, aber er lernt etwas dabei, und das kann er sein ganzes Leben nutzen. Die 20.000, 30.000, 40.000 €, die du ihm mit 18 oder 20 in den Rachen schmeißt, da hat er nichts gelernt. Das Geld ist schneller alle als du denkst. Und was hat er für sein Leben davon? Gar nichts. Das heißt, er fängt genau da an, wo du jetzt wahrscheinlich stehst, nämlich, dass du nicht so viel über die Aktienmärkte weißt. Und selbst wenn du was weißt, dann würdest du es anders machen. Und deswegen lerne doch lieber mit deinen Kindern oder mit deinem Kind, wie Börse funktioniert. Lasst sucht euch gemeinsame Aktien raus, ne? Wenn er eben äh sagt: „Hey, komm, wir machen gemeinsames Aktienkonto, du musst mir aber was machen.“ Wenn mein Sohn eine Aktie haben will, dann lasse ich ihn immer etwas herausfinden und sag: „Okay, dann – wenn er sagt: Ich möchte hier McDonald's haben – sag: Okay, dann finde was über McDonald's heraus“, und dann muss er eben gucken: ChatGPT, Google, Wikipedia, was weiß ich, wie viel haben die Mitarbeiter, wie viel haben die Filialen, was machen die, äh wie verdienen die ihr Geld und so weiter und so fort. Und das ist viel, viel wichtiger als die paar Euros, die ihr da verdient. Du erziehst die Selbständigkeit. So machst du ein Kind erfolgreich. So machst du – so bringst du deinem Kind finanzielle Bildung bei. Die Masse der Deutschen – und ich schaue jetzt mal nach Österreich und der Schweiz, da wird es nicht anders sein, ne? – die Masse der Deutschen ist finanziell dumm. So, und damit ist jetzt „dumm“ nicht als Beleidigung gemeint, sondern als Gegenteil von etwas Kluges tun. So, sie machen viele, viele dumme Sachen. Ich sage nur: Sparbücher, Lotto spielen, das Geld in irgendwelche dubiosen Anlagen stecken. Und warum sind sie dumm? Sie sind ja nicht dumm geboren worden, sondern sie wurden nicht finanziell gut ausgebildet, und du wirst es genau wieder so falsch machen, wenn du deinem Kind einfach dieses Geld hinterher schmeißt. So, und deswegen für mich ein absolutes No-Go, seinen Kindern ein ETF-Depot zu machen. Jetzt bin ich gespannt auf deine Meinung, auf deine Kommentare. Schreib mir es gern hier rein, und ich bin wirklich gespannt. Also, äh das wird nicht jedem gefallen, was ich sage, aber denk mal darüber nach und bring mir mal ein Argument, wo du sagst, das was ich gesagt habe, ist falsch. Würde mich wirklich interessieren. Danke fürs Zuschauen.