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Oh König, wir waren ein unwissendes Volk. Wir beteten Götzen an, aßen verändertes Fleisch, wir gingen Abscheulichkeiten, brachen die Verwandtschaftsbände, behandelten die Nachbarn schlecht, und der Starke unter uns unterdrückte den Schwachen.
Das war der Beginn einer bekannten Rede von Jafar ibn Abi Talib vor dem Herrscher von Abessinien. Abi war der Sprecher vor einer Gruppe von 15-16 Muslimen, die geflohen waren von Mekka nach Abessinien, und die Quraisch hinter ihnen her. Und beide stehen jetzt auf dem König, und er überlegt, was er mit ihnen anstellt. Die Quraisch sagen natürlich auch die Muslime: Was sind das für schlimme Leute? Schickt sie am besten sofort wieder mit uns zurück. Und Jafar ibn Abi Talib hat die Gelegenheit vor dem König zu sprechen, und er wählt seine Worte sehr, sehr weise.
"Oh König, wir waren ein unwissendes Volk. Wir beteten Götzen an, aßen verändertes Fleisch, begingen Abscheulichkeiten, brachen die Verwandtschaftsbände, behandelten die Nachbarn schlecht, und der Starke unter uns unterdrückte den Schwachen."
Jafar ibn Abi Talib als Sprecher der Muslime hatte es sowieso nicht leicht. Das beginnt schon damit, dass sie vor dem König standen. Und damals war es üblich, zumindest in Abessinien, dass derjenige, der vor dem König steht, sich vor ihm verbeugt. Und Jafar und die Muslime haben das nicht gemacht. Und der Herrscher von Abessinien hat das auch erst übel genommen, hat nachgefragt: Und was ist, was ist mit euch? Aber Jafar sagte dann: Wir verbeugen uns nur vor Allah. Das war in dem Moment recht heikel, aber er hat zu seinen Überzeugungen gestanden. Und wenn das zu seiner Religion gehört, dass man sich von niemandem anderen verbeugt, außer Allah, dann macht er das auch in einer solchen Situation. Was hätte es ihm sonst genützt, von Mekka nach Abessinien zu fliehen, wenn er dort auch seiner Religion nicht nachgehen kann? Und das ist ein Teil von seiner Religion. Aber das kann auf der anderen Seite auch beeindruckend wirken für die Leute, wenn sie sehen, ein Muslim geht auch ein Risiko ein, aber wenn es um seine Religion geht, dann macht er nicht so einfach Kompromisse bei diesen fundamentalen Dingen: vor wem man sich verbeugt und vor wem nicht. Jafar und die Muslime bleiben standhaft. "Wir verbeugen uns nur vor Allah."
Und er beginnt mit diesen schönen Worten, mit denen er quasi dem König ein paar Hintergrundinformationen gibt. Er sagt ihm nicht einfach: Was ist unsere Religion? Wir glauben an dies und an jenes, sondern er gibt dem König einen Eindruck, wie, wie es früher war, was waren wir früher für Leute. Und in Klammern hinzugefügt: Was sind das für Leute, die von euch fordern, dass ihr uns zurückschickt? Die gehören ja auch noch dazu. Das waren wir früher. Wir haben Götzen angebetet und wir haben allerlei Unrecht begangen. Das war die Einleitung. Und er redet ja mit jemandem, der nichts über den Islam weiß. Er ist Christ und noch dazu ein König. "Wir waren Götzendiener, aßen verändertes Fleisch und wir begingen allerlei Unrecht."
Eigentlich waren die Quraisch hier schon auf verlorenen Posten. Denn warum sollte der Herrscher von Abessinien die Muslime zurückschicken? Aus welchem Grund? Weil sie aufhören, Götzen anzubeten? Was sollte ihn das interessieren? Warum sollte er damit ein Problem haben? Warum sollte er sagen: Ach, ihr betet keine Götzen mehr an, ab zurücken nach Mekka? Nein, vorher waren ja die Muslime eine Katastrophe gewesen. Warum sollte er sie jetzt zurückschicken? Und man merkt schon, warum es Allah so wichtig war, dass der König von Abessinien die Muslime nicht anhört, gar nicht hin hört. Er wusste, wenn die Muslime einmal anfangen zu reden und sie sagen einfach die Wahrheit, dann würde die Wahrheit sie verteidigen. Und so ist es auch geschehen.
Jafar ibn Abi Talib redet weiter. "Doch dann schickte Allah uns einen Gesandten von unserem Volk. Wir kennen ihn, seine Herkunft, seine Ehrlichkeit, seine Vertrauenswürdigkeit und seine Frömmigkeit." Das war der Wendepunkt. Vorher waren es Leute, die haben Götzen angebetet und alles Mögliche gemacht, aber jetzt hat Allah uns jemanden geschickt, einen Propheten. Alles Gute kommt quasi von ihm. Es war nicht so, dass wir uns irgendwann Gedanken gemacht haben und gedacht haben: Herr, kann man das so machen? Kann man so leben, wie wir? Und auch derjenige, der uns geschickt wurde, war nicht einfach ein kluger Mensch, sondern Allah hat ihn geschickt, und wir kennen ihn, er ist kein Unbekannter, er ist nicht unglaubwürdig. Mit anderen Worten: Wir haben die Botschaft akzeptiert, und das hat nur Gutes hervorgebracht. Und man erkennt es. Er rief uns dazu auf, sagt: "Weiter nur Allah anzubeten und von der Anbetung der Steine und Götzen, die unsere Vorfahren anbeteten, abzulassen. Er wies uns an, ehrlich und vertrauenswürdig zu sein, die Verwandtschaft zu ehren, den Nachbarn gut zu behandeln und aufzuhören, Verbotenes zu begehen und Blut zu vergießen. Er verbot uns die abscheulichen Dinge, die unnütze Rede und die Einverleibung des Geldes der Weisen. Er wies uns an, Allah alleine anzubeten, niemanden neben ihm, und ebenso das Gebet zu verrichten, zu spenden und zu fasten."
Das ist Islam in wenigen Worten erklärt. Der Islam ist nicht einfach nur nur ein Glaube. Das ist ja auch auf jeden Fall, und das erwähnt ja auch Jafar Abi Talib in dieser Rede. Er redet über den Tauhid, den Glauben an den einen einzigen wahren Gott, den man alleine verehrt und anbetet. Das ist Islam auch, aber Islam ist auch Rituale wie Gebet und Fasten. Aber nicht nur das, ist auch Islam ist auch Moral wie Ehrlichkeit, Vertrauenswürdigkeit. Islam ist auch die Behandlung der anderen Menschen, ihre Rechte zu achten. Und wichtig ist hier, dass Jafar Abi Talib gar nicht in die in die Details geht. Er redet über die Grundsätze, über die Dinge, die eigentlich bei jedem Menschen ein offenes Ohr finden, wo man sagt: Okay, das passt doch. Gebet und Fasten versteht man auch sofort. Ich muss nicht genau erklären, wie, wie das abläuft, dass es am Tag vielleicht fünf Gebete sind, obwohl die in dieser Anzahl noch gar nicht offenbart waren. Gebet, Fasten, man versteht schon, was die Idee dahinter ist. Er hat auch keine Debatte angefangen mit ihm. Er hat nicht das Christentum attackiert, sondern einfach gesagt: Das ist Islam, eins, zwei und drei, kurz und bündig, aber umfassend. Mehr braucht es auch nicht, um den Islam zu verstehen. "Wir haben eine eine so einfache Religion, wir machen sie manchmal unglaublich."
Und er redet weiter. "Daher hielten wir ihn für wahrhaftig und glaubten an ihn." Das ist interessant, dass er das sagt. Wir haben die Botschaft gesehen. Okay, betet Allah alleine an und seid gut zu euren Menschen. Das macht Sinn, oder? "Daher hielten wir ihn für wahrhaftig und glaubten an ihn. Und daraufhin folgte uns unser Volk, damit wir wieder zur Anbetung der Götzen zurückkehren. Und als sie uns Unrecht taten, uns bedrängten und zwischen uns und unserer Religion traten, reisten wir in dein Land, um bei dir zu leben. Wir hoffen, dass wir bei dir nicht ungerecht behandelt werden."
Das war das Ende der Rede. Wir wurden verfolgt von unseren Leuten, wie Jesus damals von seinem Volk abgelehnt wurde, wie er verfolgt wurde, und genauso wie viele Propheten vorher. Der Herrscher von Abessinien war ein religiöser Mann, und ich glaube, das hat für ihn vertraut geklungen. Man kommt mit der Botschaft von dem einen einzigen Gott, von der einen wahren Religion, und das Volk lehnt einen ab. Das ist nichts Ungewöhnliches. Das sind Geschichten, die ihm im Laufe der Zeit seit Adam immer wieder vorgekommen sind. Und Jafar Abi Talib sagt ihm: "Hör, du bist gerecht." Mit anderen Worten: Wenn du uns wegschickst, dann riskierst du, nicht mehr gerecht zu sein. Das ist schön formuliert. Er, er sagt das nicht so direkt. Jafar sagte mir: "Wir hoffen, dass wir bei dir nicht ungerecht behandelt werden." Es ist eigentlich im Stillen hinzugefügt: Wenn du uns jetzt wirklich wegschickst aufgrund dieser Dinge, damit uns das Volk wieder zwingt, Götzen anzubeten, dann bist du ungerecht. Aber das möchte ja keiner sein. Wer möchte schon ungerecht sein? Sprich, man gibt ihm quasi mit: Okay, wenn du auf der Seite der Gerechtigkeit stehen willst, dann kannst du uns nicht zurückschicken.
Der Herrscher hörte ihm zu, und die Worte haben ihn tatsächlich angesprochen. Und da fragte er ihn: "Hast du etwas dabei, was auf deinen Propheten hinabgesandt wurde? Hast du ein Buch, eine Offenbarung? Wenn er ein Prophet ist, wenn er von Allah geschickt wurde, da muss es ja irgendetwas geben. Zeig mal, was habt ihr da?" Und Jafar sagte direkt: "Ja, klar, ich habe was." Und der Herrscher wollte hören: "Was ist es? Lies mal vor." Und Jafar las: "Sura Maryam." Das hat er ausgewählt. "Und gedenke im Buch Mariam, ab Vers 16 von Sura Maryam." Die Geschichte von Mariam, wie der Engel ihr einen Sohn ankündigt, Isa, und seine Geburt, wie das Problem gelöst wurde, wo sie ja unverheiratet war und plötzlich mit einem Kind auftaucht. Wie kann das sein? Wie Isa als Neugeborenes angefangen hat zu sprechen: "Ich bin wahrlich Allahs Diener. Er hat mir die Schrift gegeben und mich zu einem Propheten gemacht."
Und als der Herrscher von Abessinien das hörte, weinte er. Er weinte und sagte: "Dies und das, was Jesus brachte, es hat einen gemeinsamen Ursprung. Also geht denn bei Allah, ich werde sie euch nicht ausliefern." Das waren die Worte, gerichtet an die Quraisch. "Ich werde sie euch nicht ausliefern." Er hörte einfach ein paar Worte aus dem Koran, und er hat noch nicht einmal den Islam angenommen, aber das, was er, was er hörte, hat ihn so sehr berührt, dass er angefangen hat zu weinen, und mit ihm zusammen auch die Bischöfe, die um ihn standen.
Es ist übrigens nicht das erste Mal. Ein Bruder erzählte mal, wie ein, wie ein Bruder aus seiner Gemeinde, wie er erzählte, wie er als Taxifahrer arbeitet, und er hat einmal einen katholischen Priester zu einer, zu einem Event gebracht, irgendeiner Veranstaltung von der Kirche, und sie sind ins Gespräch gekommen. Und als er dann sagte, er ist Muslim, da war der Priester neugierig und wollte etwas hören vom Koran. Und dann hat er ihm auch etwas vorgelesen, auch die Geschichte von Mariam, und das hat diesen Priester so sehr berührt, dass er auch Tränen in den Augen hatte. Eigentlich ist diese Geschichte sehr schön, die Geschichte von Mariam, so wie sie, wie sie im Koran erzählt wird. Es wäre auch das, was ich wahrscheinlich auf so einer Veranstaltung vorlesen würde, wenn es mal so etwas gäbe, dass man ja die Gelegenheit hat, vor Christen zu reden. Ich würde diese Sura nehmen, sie vorlesen und ein bisschen etwas dazu erklären.
Das Hauptproblem heute ist, dass die, dass die Menschen diese Religion gar nicht mehr kennenlernen. Das bedeutet auch nicht, dass sie immer sofort diese Religion annehmen, aber, aber man hat hier so ganz, ganz verrückte Gedanken über den Islam. Man realisiert gar nicht, wie nah der Islam eigentlich dem ist, was viele Menschen glauben, zumindest religiöse Menschen. Man redet immer von einer jüdisch-christlichen Tradition, obwohl eigentlich beide sehr weit voneinander entfernt sind, was zumindest die Grundsätze in der Religion betrifft. Sie haben vielleicht einen gemeinsamen Ursprung, das kann man so stehen lassen, aber wenn ich die religiösen Inhalte, was, was die Juden glauben und wie sie ihre Religion praktizieren, wenn ich das mit der katholischen Kirche vergleiche, da liegen ja Welten zwischen, aber das ist irgendwie vertraut hier. Und der Islam hingegen kommt einem völlig fremd vor. Ich kann mich noch daran erinnern, wie das, wie das war, bevor ich Muslim geworden bin, und wo ich dann zum ersten Mal höre: Im Islam gibt es auch Jesus und Noah. Ich dachte immer nur: Was, was habt ihr mit diesen Leuten zu tun? Das sind unsere Leute vom Christentum. Aber klaut uns nicht unsere Propheten. Ihr habt diesen, ihr habt diesen Mohammed, ja, von mir aus, aber mehr gibt's doch für euch nicht. So habe ich damals gedacht, bis ich irgendwann merkte, wie nah beide Religionen sind.
Der Hauptstreitpunkt in allen drei großen abrahamitischen Religionen ist ja quasi die Person Jesus. Bei den Juden ist es so, dass sie ihn völlig ablehnen. Für sie ist er im besten Fall ein Kind aus einer unehelichen Beziehung. Und für die Christen ist er gleich ein Gott, die Menschwerdung Gottes. Und für die Muslime ist er der Messias, ein Prophet, das Wort Allahs, von einer Jungfrau geboren, auserwählt und zu den größten Propheten zählend. Wer ist jetzt näher dem Christentum? Es ist doch Allah, der Muslim. Aber die Leute kennen das nicht. Die meisten, die meisten hören ständig etwas in den Medien über den Islam, aber was der Islam eigentlich ist, das weiß kaum jemand. Und so war wahrscheinlich auch damals der Herrscher in Abessinien überrascht. Da kommt eine neue Religion mit all diesen Informationen, und ich glaube, mir ist damals schon ein Licht aufgegangen, dass es eine Offenbarung sein muss. Wenn jemand einfach so mit einer neuen Religion kommt, die er sich selber ausdenkt, dann wird das vielleicht alles Mögliche sein, irgendwelche Sterne, Planeten, Tierwesen, die er anbetet, irgendwelche verrückten Philosophien. Aber hier kommt jemand mit etwas, was er kennt, der offensichtlich kein Christ ist und auch niemals Christ gewesen ist. Hier steht der Muslim vor ihm, die Zeit ihres Lebens Götzen angebetet. Dann kommt ein Mann zu ihnen und bringt ihnen eine Religion, die diesem Herrscher von Abessinien so vertraut ist. Man meint, das klingt doch überall. Das sind doch die Dinge, die wir auch in unserer Religion kennen. Wie kann das sein? Deswegen sagt er: Das muss doch einen gemeinsamen Ursprung haben. Und auch wenn er zu dieser Zeit den Islam noch nicht angenommen hat, so wusste er wahrscheinlich: Okay, das kommt nicht von irgendwo.
Aber die Gegner von den Quraisch haben nicht direkt aufgegeben. Amas hat sich eine neue List ausgedacht. Er ging am nächsten Tag zum König und er sagte dann: "Diese Muslime, sie sagen über Jesus Ungeheuerliches. Sie sagen über Jesus Ungeheuerliches." Was macht er damit? Ich meine, das klang doch eigentlich recht schön. Wenn Jesus im Koran selber vorkommt, was kann denn dann Ungeheuerliches sein? Er meinte natürlich, dass die Muslime nicht sagen, er ist der Sohn Gottes. Also hat der Herrscher von Abessinien noch einmal die Muslime einberufen, denn seine Bischöfe waren ein bisschen beunruhigt. Moment, Moment, was sagen diese Muslime über Jesus? Und so fragte er sie direkt. Jafar Abi Talib antwortete: "Wir sagen das, womit unser Prophet gekommen ist: Jesus ist der Diener Allahs und Sein Gesandter, sein Wort, dass er auf Maria legte, und eine Seele, die er erschuf."
Und da hat der Herrscher begriffen: Okay, diese Worte, das ist doch das, was auch Jesus über sich selbst sagt. Und er sagte dann zu den Muslimen: "Geht, und ihr seid sicher in meinem Land. Wer euch beleidigt oder schadet, auf den wird es selbst zurückfallen." Das Interessante war, dass er den Quraisch dann ihre Geschenke wieder zurückgegeben hat. Er wollte nichts davon annehmen. Er hat wahrscheinlich gemerkt: Okay, das ist jetzt einfach nur zur Bestechung gedacht, und ich will mich nicht herablassen und dann auch noch diese Geschenke annehmen. Bitteschön, geht zurück nach Mekka zusammen mit euren Geschenken.
Diese Frage war tatsächlich ein bisschen tricky. Ahmed hat das ja nicht einfach so gesagt. Sie sagen über Jesus etwas Ungeheuerliches, denn für einen Christen ist er eigentlich erst mal Jesus, der Sohn Gottes. Und dann fragst du jemand, und er sagt, er ist der Diener und sein Gesandter, sein Wort, das er auf Maria legte, und eine Seele, die er erschuf. Das ist schon beeindruckend, dass Jafar Abi Talib so direkt sagte. Er hat nicht versucht, irgendwie einen Ausweg zu finden. Er hat das nicht geschönt dargestellt. Er hätte ja damit rechnen können, dass es vielleicht doch ein Problem ist, weil er nicht sagt, er ist der Sohn Gottes, sondern er ist sein Diener und sein Gesandter. Und vor allen Dingen, wenn man mal im Hinterkopf hat, dass die Christen ja Jesus als Sohn Gottes, nicht nur als Sohn Gottes, sondern auch als Gott selber verehren. Eigentlich. Und dann sagt er: Er ist ein Diener und sein Gesandter. Aber er wollte dem Herrscher von Abessinien nicht einfach das sagen, was er hören will, sondern hat es so gesagt und so dargestellt, wie es bei uns in der Religion ist. Wir versuchen das heute manchmal so, Probleme vermeiden, nicht sagen X, nicht sagen Y, wenn das Themen sind, die nicht relevant sind und die man später erklären kann, schön und gut. Aber wenn es um grundsätzliche Dinge geht, um die Wahrheit an sich, da können wir nicht über unsere Religion lügen oder unsere Religion verstecken. Und für Jafar Abi Talib ging es hier um Leben und Tod, aber er sagte: "So ist es bei uns in der Religion." Er hat auch kein Theater gemacht. Er hat nicht gesagt: Ihr Christen seid keine Ahnung was, denn ihr übertreibt mit Jesus, sondern einfach nur gesagt: "Wir glauben über Jesus eins, zwei, drei. Das ist unsere Überzeugung."
In der heutigen Gesellschaft ist Jesus weniger das Problem. Höchstens, wenn man mal eine Auseinandersetzung mit einem Missionar hat, aber es sind eigentlich andere Themen. Der Islam ist die einzig wahre Religion. Das hört man heutzutage nicht gerne. Oder wenn es um LGBT geht, die Rolle von Mann und Frau, die die Bekleidung der Frau, allgemein so all die Dinge, die gegen den aktuellen Zeitgeist verstoßen. Das sind alles Themen, die heute schwierig sind. Das ist vergleichbar wie die Situation damals mit Jafar Abi Talib, wo er vor dem König stand. Aber wir können da auch nicht zurück.
Du bist fasziniert vom Koran, kannst ihn aber noch nicht auf Arabisch lesen? Dann habe ich was für dich: die Kursk-Methode. Klick dazu jetzt auf den Link. Wir sind allerdings auch davon überzeugt, dass unsere Religion eine Religion der natürlichen Veranlagung ist. Und bei bestimmten Themen, allen voran bei LGBT, habe ich schon oft Kommentare von Nichtmuslimen gehört, die es schätzen, dass wir zumindest standhaft sind, dass wir nicht einfach so mit dem modernen Zeitgeist mitschwimmen. Und auch dann hat man eine glaubwürdige Religion. Alles andere hat keine Glaubwürdigkeit. Offensichtlich hat aber auch hier der Herrscher von Abessinien gar kein so großes Problem damit, mit dem, was Jafar Abi Talib sagte: Jesus ist der Diener Allahs und Sein Gesandter und ein Wort, das er auf Mariam legte.
Was die Frage aufwirft: Welche Religion hatte er? Er war Christ, klar, das weiß man. Aber welcher, welcher Christ war er? Was für ein Christ? Zu Beginn gab es im Christentum mehrere Strömungen. Es gab diejenigen, die die Botschaft von Jesus einfach so angenommen haben, wie sie war. Sie sind auch Juden geblieben, Juden, die die Tora geachtet haben, die nach außen hin einfach ganz normale Juden waren, nur mit dem Unterschied, dass sie Jesus akzeptiert haben. Sie haben schon geglaubt, Jesus ist jemand, der von Allah geschickt wurde, aber eben nur ein Mensch, nicht mehr und nicht weniger. Das waren Juden-Christen. Die waren auch zu Beginn noch mit den anderen Juden zusammen, die haben zusammen im Tempel gebetet, und es waren halt normale Juden. Dann gab es noch eine, einige Mystiker könnte man sagen, es ist so eine, man nannte sie Gnostiker, die waren so ein bisschen esoterisch angehaucht. Die haben lauter verrücktes Zeug geglaubt, dass es einen transzendenten, verborgenen Gott gibt und es gibt noch einen niederen Schöpfergott, und dieser niedere Schöpfergott, diese schlimme Welt erschaffen. Diese schlimme Welt, in der wir leben, die kann ja nicht von diesem guten stammen. Und irgendwie haben sie noch Jesus damit reingebaut, und daraus haben sie dann so eine Version vom Christentum gebaut. Davon gibt's heute eigentlich kaum noch jemanden, aber die gab es damals zu Beginn, so erstes, zweites Jahrhundert, da hat man die schon gefunden. Und dann gab es auch die heutigen Christen, die mehr auf Paulus zurückgehen als direkt auf Jesus. Daraus hat sich später die Kirche entwickelt und auch der Glaube, dass Jesus ein Gott ist, dreifaltig etc. Aber es gab, gesagt, alle drei. Es gab die verrückten Esoteriker, es gab diejenigen, die in die Paulus-Richtung gingen, und es gab auch die ganz normalen Juden-Christen, für die Jesus immer nur ein Mensch war.
Und wenn wir so hören, dass der Herrscher von Abessinien so überhaupt gar kein Problem damit hatte, was Jafar Abi Talib sagte: Jesus war einfach nur ein Diener, ein Gesandter, nichts von wegen Sohn Gottes oder Gott selber, dann könnte man das zumindest als Anzeichen werten, dass er selber zu einer Strömung gehörte, die vielleicht auch nicht geglaubt haben, dass Jesus Gott ist. Oder aber es war so wie bei vielen heutigen Christen, die sich zwar zum Christentum bekennen, aber die in der Regel sofort erstmal ablehnend reagieren, wenn man ihnen sagt: Ihr glaubt doch, dass Jesus Gott ist. Ich weiß nicht, wie oft ich das schon überlegt habe. Man diskutiert mit einem Christen und sagt ihm: Ihr sagt, er, dass Jesus Gott ist, und er sagt: Nein, nein, nein, um Gottes Willen, Jesus ist nicht Gott. Jesus, das ist der Sohn Gottes. Sohn Gottes, okay, aber in welchem Sinne? Was meinst du damit? Prophet, Gesandter, Messias, auserwählt? In dem Sinne haben wir gar kein Problem damit. Wir stoßen uns vielleicht an dem Wort, an dieser Bezeichnung Sohn Gottes, weil sie missverständlich ist, aber ansonsten ist es ja völlig harmlos. Die meisten Christen heute lehnen das selber ab, wenn man mit ihnen mal auf der Straße spricht. Meine eigene Mutter war Katholikin, aber sie hat niemals geglaubt, dass Jesus Gott ist. Es verstößt zu sehr gegen die Natur eines Menschen. Ich lese die Geschichte in der Bibel, und ich lese die Geschichten von einem Menschen Jesus in der Bibel. War ein Mensch, sicherlich ein besonderer Mensch, nicht einfach irgendjemand, aber am Ende nur ein Mensch. Ich lese nicht die Geschichte von einem Gott.
Vielleicht war es auch so bei diesem Herrscher, dass er merkte: Okay, irgendwas kann da nicht stimmen. So sind die Muslime nach Abessinien gegangen, und sie lebten dort eine ganze Zeit. Sie haben dort sogar noch gelebt, nachdem schon Medina vom Propheten regiert wurde. Sind erst 7 Jahre später gekommen, auf Aufforderung des Propheten. 7 Jahre nach der Auswanderung hat der Prophet ihnen einen Brief nach Abessinien geschickt und hat gesagt: "Okay, jetzt könnt ihr kommen." Wir haben dort lange gelebt. Was auch bedeutet, es gab eine ganze Reihe von Weisheiten dahinter, warum man Abessinien ausgewählt hat. Der König von Abessinien war ein gerechter König, der die Freiheit auch der Religionsausübung zuließ. Und Abessinien war ja auch den Muslimen nicht ganz so fremd. Zumindest den Leuten aus Mekka. Es gab Handelsbeziehungen. Das hatte schon etwas Vertrautes. Und es war deswegen nicht so, dass der Prophet sagte: Geht einfach irgendwohin, nach China oder keine Ahnung wo, irgendein Land, von dem man noch nie gehört hatte, sondern Abessinien war schon so etwas wie man kann Abessinien, es war nicht ganz fremdes Territorium. Und noch dazu, was einfach zu erreichen. Die Reise nach, wie gesagt, so anderthalb Tage und dann ein paar Stunden mit dem Schiff, dann war man schon da. Aber das war sicherlich nicht nur, es ging nicht nur um Gerechtigkeit und um die einfache Erreichbarkeit. Es war vielleicht auch deswegen, weil der Herrscher ein Christ war. Und schon im Koran sagt Allah: "Und du wirst unter ihnen diejenige finden, die den Gläubigen am nächsten stehen, die sagen: Wir sind Christen. Das ist so, weil unter ihnen Priester und Mönche sind und weil sie nicht hochmütig sind." Die, die Christen waren, obwohl ihre religiösen Vorstellungen vielleicht ganz andere waren, waren trotzdem irgendwie die Muslime immer am nächsten. Und Allah begründet das auch, sagt: "Es gibt bei ihnen Priester und Mönche, und sie sind nicht hochmütig." Christen haben, zumindest war das damals so, sehr an ihrer Religion festgehalten, und sie hatten deswegen mit Sicherheit auch ein Verständnis dafür, dass jemand, der von seiner Religion überzeugt ist, nicht einfach so zu einer anderen Religion zurückgehen kann. Das ist seine Überzeugung, sein Leben im Jenseits hängt davon ab. Das kann er nicht einfach so aufgeben.
Ich weiß noch, wie ich einmal zum Essen eingeladen wurde, und als es dann hieß, es wird zu Beginn so ein Aperitif serviert, so ein alkoholisches Getränk, und wo ich dann darum gebeten habe, dass man das nicht macht, oder ansonsten würde ich daran nicht teilnehmen, da wurde gleich die ganze Einleitung zum Essen abgesagt, und ich durfte mir dann anhören, warum ich so streng wäre, warum ich das nicht einfach lasse. Es ist schwer hier für die Leute, das nachzuvollziehen, warum man nicht einfach so eine Sache lassen kann. Wenn ich davon überzeugt bin, dass es, dass es einen Gott gibt und der hat mir das befohlen oder hat mir eine Sache verboten, dann kann ich einfach sagen: Mache ich trotzdem. Und der Christ hat viel eher dafür ein Verständnis, wenn man zu ihm hingeht und sagt: Okay, gut, dann ist das halt so. Da gibt es nicht zu verhandeln. Es gibt da keinen Spielraum. Der kann das nachvollziehen. Und nicht genauso gut auch umgekehrt. Ich kann auch bei einem Christen sehr gut nachvollziehen, wenn er sagt: Es gibt bestimmte Dinge bei euch in der Religion, die mit meiner Religion nicht vereinbar sind. Ich kann es nachvollziehen. Ich würde dann auch sagen: Okay, da müssen wir irgendwie eine andere Lösung finden. Und das ist besonders im Zusammenhang damit wichtig, warum die Muslime überhaupt nach Abessinien gegangen sind, nämlich aufgrund der Gerechtigkeit.
Warum ist dieser König gerecht? Gerechtigkeit ist ja etwas, was, was Menschen im Allgemeinen lieben. Jeder Mensch tut das. Das führt auch dazu, dass man so alte Geschichten liest von, von der Sklaverei in Amerika oder den Indianern, und man hat schon Mitleid mit diesen Menschen, weil man einfach sagt: Das ist Unrecht. Der Mensch trägt etwas in sich, dass er Ungerechtigkeit verabscheut und Gerechtigkeit liebt. Also eigentlich sollte man davon ausgehen, dass es eigentlich kein großes Wunder ist, dass ein, ein Herrscher, ein Politiker Gerechtigkeit vertritt. Das Problem ist nur manchmal, und ich glaube, das ist das Hauptproblem heutzutage, dass Gerechtigkeit gar kein absoluter Wert mehr ist, sondern es ist das politische Interesse. Und im Rahmen des politischen Interesses wird dann Gerechtigkeit vertreten. Wenn ich aber nicht mehr zu Gerechtigkeit stehen kann, weil es ansonsten gegen mein politisches Interesse verstoßen würde, dann mache ich halt nicht. Dann bin ich auch mal auf der Seite des Unrechts. Bei jemandem allerdings, der ein überzeugter Christ ist, der Gerechtigkeit nicht deswegen vertritt, weil das gerade politisch angesagt ist, sondern weil das eine Religion befiehlt, weil er Angst davor hat, irgendwann einmal vor Gott zu stehen und zur Rechenschaft gezogen zu werden, der gibt diese Prinzipien der Gerechtigkeit nicht auf. Und das ist eine Form von Sicherheit, die man deswegen bei jemandem findet, der religiös ist und für den Gerechtigkeit eine Sache der Religion ist, nicht einfach nur des politischen Opportunismus.
Das waren alles Dinge, die am Ende die Muslime nach Abessinien geführt haben und die dafür gesorgt haben, dass sie es auch lange dort ausgehalten haben, selbst zu einer Zeit, wo es schon Medina gab. Aber bis dahin war es noch ein langer Weg, und bis dahin gab es noch eine ganze Reihe von Auseinandersetzungen in Mekka.
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