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Was mir an Ostern fehlt | Karambolage | ARTE

Irgendwas mit ARTE und Kultur9:07

Transcription

[Musik] Mein Name ist Giedre. Ich bin Litauerin und lebe seit 3 Jahren in Paris. Hier vermisse ich die litauischen Ostereier. Deshalb färbe ich meine eigenen mit roter Bete und Rotwein, wie es meine Oma gemacht hat. Ich lege braune Eier in meinen Strumpf. Leider findet man in Paris keine weißen Eier. Ich stecke etwas Reis in den Strumpf, so wird das Muster schöner, und binde ihn zu. Dann lege ich alles in Wein ein und lasse es den ganzen Tag im Ofen, damit ein schönes Osterei entsteht. Das ist die Farbe, die man mit Rotwein erhält. Man kann die Eier auch mit Wachs färben. Das ergibt sehr schöne Muster, die mag ich zu Ostern am [Musik] liebsten. Bei uns gibt es diese schönen Ostereier zum Frühstück, aber vorher muss man die Eier titzen und schauen, welches das stabilste ist.

Ich heiße Michelle, bin Brittin und lebe seit 5 Jahren in Deutschland. Sobald Ostern vor der Tür steht, vermisse ich ein traditionelles Gebäck namens Hot Cross Buns. Man bekommt sie in keinem deutschen Supermarkt. Zumindest habe ich sie in keinem Supermarkt und keiner Bäckerei gefunden. Also habe ich meine eigenen gebacken. So sehen sie aus. Mit Rosinen, Zimt und anderen Gewürzen und Orangenschale und einem Kreuz, das die Kreuzigung symbolisiert. Sehr österlich. Als ich klein war, dachte ich, dass Hot Cross Buns immer heiß sind. Ich war sehr enttäuscht, als sie kalt aus der Bäckerei kamen. Ein Freund sagte mir, dass die Brötchen nicht so heißen, weil sie heiß sind, sondern wegen der Gewürzen. Ich esse sie gern heiß und kalt. Und so isst man einen Hot Cross Bun: Man schneidet ihn in zwei Hälften, bestreicht ihn mit Butter, gibt dann seine Lieblingsmarmelade drauf, in diesem Fall Himbeeren, beißt hinein. Köstlich.

Ich heiße Pierre, ich bin Schwede und lebe schon lange in Frankreich. Ich liebe schwedische Traditionen. An Ostern sind es die Påskris, die Osterzweige. Ich gehe in einen Park, schneide einige Birkenzweige ab und stelle sie in eine Vase. Dann hole ich aus diesen schwedischen Ostereiern weitere Deko. Ich bewahre sie das ganze Jahr über auf. In einem dieser Ostereier sind Federn, die stecke ich in die Påskris. Sie symbolisieren den Winter, der vergeht. Ich liebe Dekor und schmücke zu Ostern das ganze Haus. In Schweden gibt es außerdem die Påskkärringar, die Osterhexen. Früher hieß es, dass die Hexen am Gründonnerstag zum Blocksberg flogen, aber heute sind es süße kleine Kinder, die als Hexen verkleidet von Haus zu Haus gehen. Ich habe das Glück, schwedische Freunde in Paris zu haben. Daher kommen jedes Jahr ein oder zwei Påskkärringar zu Besuch. In einem dieser Eier bewahre ich deshalb Süßigkeiten auf, die ich ihnen gebe. Und im Gegenzug bekomme ich einen kleinen Brief.

Frohe Ostern. Ich bin Amber aus den Niederlanden und lebe seit 15 Jahren in Paris. Das Wichtigste an Ostern ist für mich mein Osterbrot. Dit is mijn paasbrood hier. Wat je doet is dat je een mooie snee snijdt, een schöne Scheibe abschneidet. Ich tue immer mein Bestes, um ihn zu kaufen, wenn ich in den Niederlanden bin. In den Niederlanden kaufe ich ihn, oder ich mache ihn auch selbst. Man kann das Marzipan in der Mitte mit dem Messer herausnehmen und mit der Butter verstreichen oder Butter dazugeben. Super lecker. Das gibt es am Ostersonntag. Am Ostermontag gehen wir ins Möbelhaus. Das ist eine Tradition in den Niederlanden. Wir kaufen neue Möbel. Jedes Jahr kaufen wir in den Niederlanden neue Möbel. Normalerweise sind wir sparsam. Ostern ist eine Ausnahme. Zu Ostern kauft man ein Auto, eine Küche, Möbel, etwas Schönes für sich selbst.

Ich heiße Janis, ich bin Grieche und lebe seit 30 Jahren in Frankreich. Ich vermisse die gemütliche Atmosphäre, die ich als Kind in Griechenland erlebt habe. Ich versuche deshalb, etwas von der orthodoxen Ostertradition zu bewahren. Z.B. das Färben der Eier. Wir färben sie rot in Erinnerung an die Kreuzigung Christi. Ich färbe immer viele, weil meine Frau und ich eine große Tafel vorbereiten und wir viele Freunde einladen, um gemeinsam zu feiern. Die Ostertafel wird mit dem Eierschlagen eröffnet. Dabei sagt man: Christus ist auferstanden, und dann geht es los. Bis ins Morgengrauen.

Ich heiße Kia, bin Polin und lebe seit 30 Jahren in Frankreich. Es gibt eine polnische Ostertradition, die ich liebe und in Polen immer gemacht habe: Der geweihte Osterkorb. Am Ostersamstag nehme ich ihn mit in die Kirche. Dort wird er geweiht. Er muss schön geschmückt sein mit Bändern, Blumen und Getreide. Man legt Essen hinein als Zeichen, dass es uns daran nicht mangeln soll. Das ist wichtig: etwas Brot, ein bisschen von allem, ein bisschen Wurst, Salz und Pfeffer, der Behälter von meiner Oma, ein Osterlamm aus Zucker als Tischdeko und andere Dekoartikel wie von meinen Kindern bemalte Ostereier. Das Wichtigste ist das hart gekochte Ei, das geopfert wird. Am Morgen vor dem Essen schneide ich es in kleine Stücke und verteile es an alle Familienmitglieder. Dann essen wir es und wünschen uns gegenseitig frohe Ostern.

Ich heiße Juli, ich bin Ungarin und lebe seit über 15 Jahren in Frankreich. Eine Tradition aus Ungarn vermisse ich nicht: Das Ostergießen. Jungen begießen dabei Mädchen, damit sie nicht verwelken. Zu meiner Schulzeit kamen die Jungen aus meiner Klasse zu mir nach Hause, um mich mit Wasser zu begießen, aber ich wollte das nicht. Sie haben mich auch mit Kölnisch Wasser bespritzt. Das hat gestunken. Danach musste man ihnen rote Eier oder Schokoladeneier geben. Diese Tradition symbolisiert Fruchtbarkeit und Reinigung. Ich als Frau finde sie altmodisch und sehr unangenehm. Wenn ich jetzt am Ostermontag in Ungarn bin, bin ich immer gut vorbereitet. [Musik]